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    Leseprobe: Klosterrauschen

    Draußen regnet es in Strömen. Es ist schon Herbst und lausig kalt. Die meisten Blätter sind schon von den Bäumen gefallen und ein heftiger Wind gibt sich redliche Mühe, auch die verbliebenen noch herunterzuwehen. In der Wohnung ist es gemütlich warm. Ich spiele mit meiner kleinen Schwester Luisa, die ich immer Lu nenne. Viel kann man mit ihr nicht anfangen, da sie erst vier Jahre alt ist und die meisten Spiele nicht kapiert. Ich bin schon sechs und im ersten Schuljahr. Außerdem ist sie sehr zänkisch. Wenn ihr etwas nicht passt, fängt sie an zu heulen und schlägt mich vor Wut. Das lass ich mir natürlich nicht gefallen und ziehe…

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    Leseprobe: Himmelsstaub – Gefangen im Koma

    Leichte Übelkeit steigt in mir hoch. Komisch. Was ist das? Langsam erwache ich aus einem Traum, dessen Inhalt wieder viel zu schnell verdämmert. Ich war wieder jung. Irgendwas mit der Schule. Vokabeln nicht gelernt. Deutscharbeit. Text wieder nicht gelesen. Examen. Ich glaube, keine Ahnung mehr zu haben. Von nichts. Oder war das der Traum von gestern? Wie ging es noch weiter? Alles verschwimmt von meinem Traum und ich versuche, es festzuhalten. Es ist weg. Draußen dämmert es ganz langsam. Homers ‚Rosenfingrige Morgenröte‘ lächelt durch unser Schlafzimmerfenster. Auf der Fichte davor begrüßt die Singdrossel wie jeden Morgen fröhlich lockend den jungen Tag. Wie kitschig das klingt! Aber manchmal sind die Wunder…

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    Leseprobe: Im Zwielicht der Zeit

    Erster Teil Gertrud war siebzehn, als ihre Mutter starb. Die Todesursache war Diabetes. Zehn Jahre später sollte es Insulin geben, das so vielen Menschen, die an dieser Krankheit litten, ein halbwegs normales Leben ermöglichte. Aber damals – man schrieb das Jahr 1912 – waren sie Todeskandidaten. Gertrud stand wie in Trance am Bett ihrer Mutter und blickte starr auf deren bleiches, wächsernes Gesicht. Sie war schön, von einer unschuldigen, fast kindlichen Schönheit. Das braune Haar, das sie sonst der Mode entsprechend hochgesteckt trug, lag in losen Strähnen auf dem Kissen und umrahmte ihr stilles Antlitz.Plötzlich meinte Gertrud, sie leise atmen zu hören, zu sehen, wie sich ihre Brust ganz sacht…

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