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Leseprobe: 1, 2, 3 … vegan – Kurz und knackig informiert

Keine Sorge, du kannst auch als Veganer weiterhin naschen! Auf ein paar Dinge solltest du allerdings achten, denn in deinem Schnökerkram sollten vor allem folgende Zutaten nicht enthalten sein: Milch, Joghurt, Butter, Ei oder Honig. Diese und die folgenden Substanzen sind hier oft versteckt, es lohnt also immer ein prüfender Blick auf die Zutatenliste der Verpackungen:
Gelatine ist in vielen Süßigkeiten enthalten und wird meist aus Schweineschwarten, Tierknochen und -häuten hergestellt.
Echtes Karmin (auch Cochenille oder E 120 genannt): Das sind getrocknete Scharlach-Schildläuse, die rot färben.
Schellack, ebenfalls ein Produkt aus Läusen, bringt z.B. Bonbons zum Glänzen. Tarnt sich manchmal unter dem Namen E 904.
Echtes Bienenwachs (E 901) wird oft als Überzugs- und Trennmittel verwendet, damit die Süßigkeiten in der Tüte glänzen und nicht zusammenkleben.
Bei Schokoladen kannst du in vielen Fällen nach dunklen Sorten (ohne Kuhmilch) greifen. Gerade bei Kakao und auch bei anderen Produkten aus dem Ausland (beispielsweise Bananen, Kaffee, Tee, Orangen, Gewürze) sollte man dringend darauf achten, dass diese fair gehandelt sind. Kinderarbeit oder Hungerlöhne sollte schließlich niemand unterstützen!
Gummibärchen gibt es in Bioläden oft auch in Varianten ohne Gelatine oder Bienenwachs zu kaufen.
Ebenso wirst du Kekse in veganer Form finden. Nach einiger Zeit kennst du deine Lieblingsprodukte und das anfangs doch manchmal lästige Überprüfen der Zutatenlisten fällt mehr und mehr weg.
Agartine, auch Agar Agar genannt, ist ein tolles Geliermittel für Süßspeisen und Torten, eignet sich aber auch gut für deftige Sülzen. Abgepackt findest Du es in der Regel in größeren Supermärkten.
Wenn du so richtig im veganen Süßigkeiten-Paradies schwelgen magst, dann wage mal einen Blick in einen der vielen Vegan-Online-Shops. Da findest du einfach alles! Bonbons, Fruchtgummis, Lakritz, Kaugummi, Schokolade (auch weiße), Pralinen, Konfekt, Marshmallows, Backwaren, Kekse, Riegel, Desserts und vieles mehr.

 

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Leseprobe: Die Asylentscheiderin

Dann folgte eine Unterrichtseinheit, die uns persönlich als Entscheider betraf. Wir bekamen Hilfestellungen mit auf den Weg, um uns nicht zu sehr in Einzelschicksale zu vertiefen.
„Sie dürfen das nicht persönlich nehmen, wenn Sie jemanden abweisen müssen und deshalb beschimpft werden. Oder noch schlimmer, wenn diese Menschen Ihnen verzweifelt erscheinen, wenn sie in Tränen ausbrechen. Nicht Sie entscheiden, sondern das Gesetz. Sie wenden lediglich das Gesetz an, Sie verantworten es nicht.“
Ich schluckte. Erinnerungen an früher kamen hoch, als ich hinter dem Postschalter alles getan hatte, um die Probleme, mit denen die Leute zu mir kamen, zu lösen. Und ich erinnerte mich, wie schlecht es mir immer gegangen war, wenn ich nicht helfen konnte, wenn einfach nicht mehr zu helfen war. Und im Vergleich zu dem was mir jetzt bevorstand, waren das wohl eher harmlose Konflikte gewesen.
„Nehmen Sie nichts mit nach Hause“, hörte ich, als ich aus meinen Gedanken auftauchte.
„Wenn Sie abends die Tür des Büros hinter sich schließen, spätestens wenn Sie das Gebäude verlassen, betreten Sie Ihr eigenes Leben und das hat nichts, rein gar nichts mit dem Leben der Flüchtlinge zu tun. Lassen Sie keine Verbindung zu. Stellen Sie sich notfalls vor, dass Sie im Kino gewesen sind und einen Film gesehen haben.“
Bevor ich wieder in meine Gedanken abtauchen konnte, folgte noch ein Satz, der mir im Lauf meiner Tätigkeit als Entscheiderin sehr wichtig werden sollte, jedenfalls so lange, bis ich feststellen musste, dass zumindest der erste Teil der Aussage nicht immer stimmte:
„Seien Sie sich bewusst, dass Sie nicht über Tod und Leben entscheiden. Ihre Klienten haben immer noch die Möglichkeit vor Gericht gegen Ihre Entscheidung zu klagen.“

 

Eine kurze Leseprobe aus dem Buch von Maria Braig über eine „Asylentscheiderin“. Interessiert Dich, wie sie ihr Wissen anwendet? Dann geht es hier zu der Seite, auf der Du das Buch kaufen kannst: Die Asylentscheiderin, von Maria Braig

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Leseprobe: Venus

Ach, wissen Sie: Eigentlich ist das Wort Flitterwochen albern. Mich überläuft es kalt, wenn ich es höre. Außerdem traf es auf uns auch nicht zu, denn unsere Hochzeitsreise dauerte exakt zehn Tage, von Wochen also keine Rede.
Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, diese Gegend zu besuchen, das sogenannte Rheingau? Nun, der Wein dort ist – wie soll ich es anders nennen? – sehr süffig. Ich vertiefte mich deshalb in die eine oder andere Flasche. Auch ist die am Rhein entlangführende Eisenbahnstrecke eine häufig befahrene, wenn ich es recht bedenke, die meistbefahrene in Europa. So blühte meine alte Liebe für diese bequeme Art der Fortbewegung leicht wieder auf. Ich stand – sooft ich auch nur eine halbe Stunde die Gelegenheit hatte – an eben jener Bahnstrecke und schaute den vorbeieilenden Zügen nach.
Manches Mal verband ich beide Freuden miteinander, trank hurtig eine Flasche Riesling, um dann trunkselig den Intercitys hinterher zu winken. Cornelia saß derweil im Garten unserer Unterkunft und las über das grausame und harte Schicksal der Gräfin X oder der Arztgattin Y aus zu Recht so genannten Groschenromanen.
Doch auch gemeinsam unternahmen wir nicht wenig. Der Frankfurter Zoo bedankte sich für unseren Besuch, die Großstädte der direkten Umgebung – Koblenz, Mainz und Wiesbaden – wurden aufgesucht, die Schönheiten und herben Lieblichkeiten des Taunus wandernderweise verinnerlicht, eine Fahrt nach Luxemburg durchgeführt (allein um dort preisgünstigen Tabak zu erstehen), eine weinbrandherstellende Fabrikation besichtigt. Nicht nur an diesem Tage war ich einigermaßen vom Alkohol angeschlagen; langsam begann mir dieser leichte Rauschzustand zu gefallen und Spaß zu machen. Das Leben, das an mir vorbeirauschte, war so ein gänzlich anderes, ein leichter zu ertragendes, ein angenehmeres. Allerdings achtete ich damals noch darauf, den Konsum des Hochprozentigen nicht zu übertreiben. Aggression, möglicherweise körperliche Gewalt, wäre die Folge gewesen, ich bin recht sicher, was dies betrifft.
Aber so – in diesem angesäuselten Zustand – war meine Stimmung oft gut, ich scherzte gar in Maßen, ich ertappte mich dreimal beim Lachen. Manchmal schien es mir, als würde meine innerliche Decke langsam abgenutzt, als bildeten sich dünne Stellen, durch die man möglicherweise bald würde hindurchsehen können.
Natürlich gab ich auf dieser Hochzeitsreise nicht zu, dass ich Cornelia gar nicht liebte, sparte mir auch den Hinweis auf, dass es ihr mit mir womöglich genauso erging. Cornelia wollte nur das ihr selbst gegebene Versprechen (den heirate ich und sonst keinen) einhalten, obwohl es ja streng besehen schon eingetreten war. Aber mehr noch, wie sie einmal ohne Scham (und voller Stolz) zugab, als verkünde sie eine hingebungsvolle Aufgabe, nämlich aus mir einen ordentlichen Menschen machen zu wollen. Ich hoffe ernsthaft, dass ihr dies nicht gelungen ist.
Im Vorfeld unserer Hochzeit hatten wir zahlreiche Wohnungen und auch ein oder zwei Häuser, die zum Einzug bereitstanden, angesehen. Cornelia entschied uns für eine Wohnung am Rande des Ruhrgebietes, in einem Stadtteil von Essen, nahe am Rand von Niederberg, nicht weit entfernt vom Bergischen Land, und zwar wollte sie dort wohnen, weil die Miete fast lächerlich gering war. Natürlich auch, weil man mit der Wohnung herrlich angeben konnte. Wenn Bekannte fragten: „Und wie viele Zimmer habt ihr?“, konnte man ganz cool und auf eine Art, als sei die genannte Zahl das zum Leben absolut notwenige Minimum, „Sechs“ antworten, und allein dies verschaffte ihr wahrscheinlich mehr Befriedigung als meine gesammelten Anstrengungen innerhalb dieser … hm … Ehe. Über diese Tatsache vergaß sie auch gern, dass die Wohnung trotz der Anzahl der Räume nicht mehr als fünfundachtzig Quadratmeter maß. Erschwerend kam des Weiteren hinzu, dass die Höhe der Räume infolge der steinalten Eichenbalken unter der Decke für einen etwas überdurchschnittlich großen Mann wie mich sehr hinderlich war, ein Recken und Strecken verbot sich allein wegen der sofort einsetzenden Schmerzen: Immerhin ist uralte Eiche härter als ein Menschenkopf. Auch der Umstand, dass von den sieben vorhandenen Fenstern keines nach Süden wies, trug für mich nicht zum Beliebtheitsgrad dieser Wohnung bei. Aber einen Vorteil gab es dann doch: Ich hatte ein eigenes Zimmer!

 

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