Leseprobe: Seelenband – Die Geschichte einer Geliebten zwischen Herz und Verstand

Glücklich alleine

Ich dachte zu dieser Zeit viel über den Sinn des Lebens nach. Darüber, was und aus welchen Gründen passiert, und ich lernte mich neu kennen.

Auch wenn Marco jetzt weg war ging es mir gut. Ich hatte die Trennung überstanden und war weiterhin erfolgreich in meinem Job. Ich hatte endlich wieder angefangen, zu leben, und nahm dieses Leben in seiner ganzen Kraft wahr.

Ich genoss das Zusammensein mit meinen Kindern. Wenn sie bei Sascha waren, unternahm ich viel mit meinen Freundinnen. Ich lachte und tanzte, ging zum Sport und fühlte mich wohl. Ich schrieb Gedichte und Kurzgeschichten und war das erste Mal seit Jahren wirklich glücklich. Glücklich mit mir selber. Glücklich darüber, dass kein Mann da war, dem ich Rechenschaft dafür ablegen musste, was ich tat. Kein Mann, der rülpsend und Chips essend auf der Couch lag. Darüber, dass ich nicht stumpf in den Fernseher glotzen musste, weil man sich ja sowieso nichts mehr zu sagen hatte, und darüber, dass ich niemandem sagen musste, dass ich ihn liebe, obwohl ich es nicht fühlte.

Für viele Menschen und insbesondere für meine Freundinnen war das anscheinend befremdlich. Die meisten Menschen schienen ihr Lebensglück tatsächlich von einem anderen Menschen abhängig zu machen. Ich wurde zu den sonderlichsten Verkuppelungsaktionen eingeladen. Zu Treffen mit Freundinnen zitiert, wo dann – natürlich rein zufällig – der Single-Nachbar/ Kollege/ Bruder dieser Freundin auch anwesend war. Ich war meistens belustigt, manchmal aber auch etwas enttäuscht, denn im Grunde war es ja auch ein „nicht Ernstnehmen“ meiner Aussage, dass ich wirklich glücklich war. Glücklich mit mir.

Das sollte natürlich nicht heißen, dass ich der Männerwelt für immer abschwören wollte.

Da die Natur es nicht schlecht mit mir gemeint hatte und ich aufgrund meines Aussehens, trotz drei Kindern und mittlerweile 35 Jahren, anscheinend auf Männer noch eine große Anziehungskraft ausübte, wurde ich häufig eingeladen. Lange blonde Haare, große Brüste und die richtigen Rundungen – ich entsprach dem Klischee und war wiederum ganz anders.

Natürlich genoss ich die Aufmerksamkeit, die die Männer mir entgegenbrachten, nur verlor ich nach zwei bis drei Dates immer das Interesse. Der eine war mir zu albern, der andere zu langweilig. Es wurde mir schnell alles zu eng. „Warum reagierst du nicht auf meine SMS?“ „Warum hast du so wenig Zeit für mich?“ „Warum gehst du lieber mit deinen Freundinnen weg?“ Jede dieser Fragen löste in mir das Gefühl aus, eine Schlinge um den Hals gelegt zu bekommen, und leider stieß ich dann einige Anwärter gehörig vor den Kopf. Ich wollte mich nicht binden.

Trotzdem tat es mir immer leid. Ich verletze niemals jemanden absichtlich, ich konnte nur niemandem geben, was er von mir erwartete. So war ich zu dieser Zeit eben. Es lag auch sicher nicht an den Männern, sondern an mir, weil ich einfach zu lange für die Freiheit, die ich gerade so sehr genoss, gekämpft hatte. Obwohl sicher einige Traummänner dabei waren.

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