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Leseprobe: 1, 2, 3 … vegan – Kurz und knackig informiert

DISKUSSIONEN ENTSPANNT MEISTERN

1, 2, 3 … vegan

Als Veganer wird man möglicherweise die Erfahrung machen, dass man hin und wieder mit dummen Sprüchen, Unverständnis, seltsamen Fragen, Ignoranz oder sogar mit Beschuldigungen und Beleidigungen konfrontiert wird. Meist stecken Unwissenheit, Unsicherheit, Angst oder auch das schlechte Gewissen des Gegenübers dahinter. Hinzu kommt, dass sich die wenigsten gerne eingestehen, dass sie vielleicht ihr ganzes Leben lang etwas ‚falsch‘ gemacht haben und dass die meisten das Thema vollständig verdrängen. Sie reagieren deshalb mit Ablehnung und Kritik.

Eigentlich sind es ja wir Veganer – wenn überhaupt – die bohrende Fragen stellen sollten: „Was, du isst noch Fleisch und trinkst Milch? Ist dir denn gar nicht bewusst, dass andere Lebewesen deswegen schrecklich leiden müssen und dass du zudem deine eigene Gesundheit damit gefährdest?“ oder „Hast du als Allesesser denn gar keine gesundheitlichen Beschwerden?“ oder „Was kannst du denn bei all den aufkommenden Skandalen überhaupt noch essen?“ Diese und andere Fragen kannst du durchaus deinen Kritikern stellen.

Aus dieser Haltung heraus können wir ganz selbstbewusst und entspannt reagieren. Wir müssen uns ganz sicher nicht für unsere Lebensweise rechtfertigen, da ja gerade wir versuchen, niemandem zu schaden und uns meist sehr bewusst mit unseren Lebensmitteln auseinandersetzen.

Es ist generell empfehlenswert, über die Hintergründe der gesamten Thematik Veganismus gut informiert zu sein. So kannst du bei Diskussionen ganz locker mitmischen – wenn du das überhaupt möchtest.

Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass es nicht einen einzigen zwingenden Grund dafür gibt, warum man weiterhin Tierprodukte konsumieren sollte. Bei einer wirklich sachlich geführten Diskussion kannst du am Ende nur der Gewinner sein. Lass dich am besten gar nicht erst auf Provokationen ein. Du wirst schnell unterscheiden können, wer sich ernsthaft für deine neue Lebensweise interessiert und wer einfach nur herumstänkern oder dich aufziehen will.

Der Vegetarier-Bund hat unter dem nachfolgenden Link einen sehr zu empfehlenden Diskussionsleitfaden herausgebracht:

www.vebu.de/einstieg/leitfaden-fuer-diskussionen

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Leseprobe: Himmelsstaub – Gefangen im Koma

Himmelsstaub – gefangen im Koma

Ein dicker Schlauch schiebt sich zwischen meine Lippen, durch die Zahnreihen weiter in den Hals am Kehlkopf vorbei und holt mich schrecklich wirklichkeitsnah und boshaft unangenehm aus dem Puff, wo ich um ein Haar meine Entjungferung erlebt hätte. War mehr eine ganze Perücke, die daran fehlte. Trotzdem war es so schön! Was machen die jetzt schon wieder mit mir?
„Schieb mal den Monitor näher. Ich seh so nicht, wo ich bin. Ah. Da ist die Aorta. Jetzt die Kammer. Da ist der Vorhof!“
Eine TEE! Das hatte ich ja auch noch nicht! Mir wird sofort klar, was die untersuchen. Es handelt sich um eine transösophagele Echokardiographie. Dabei wird eine Ultraschallsonde an einer Art Endoskop durch den Hals bis in Herzhöhe geschoben. Dabei kann man genauer als bei der Echokardiographie von außen die Herzhöhlen beurteilen. Ist natürlich auch teurer! Man sucht da unter anderem nach Blutgerinnseln im Vorhof, die eventuell einen Schlaganfall verursachen können, wenn sie durch die linke Herzkammer, dann durch die Hauptschlagader in die Halsarterie und von dort direkt ins Gehirn gelangen.
„Da ist kein Vorhofflimmern. Hätte man ja auch im EKG gesehen. Auch keine Blutgerinnsel. Die Klappen sind auch okay. Das Herz ist völlig unauffällig. Fertig. Ich zieh wieder raus!“
Die Stimme ist neu für mich und das Gesicht des Untersuchers kenne ich auch nicht. Er ist etwas untersetzt, schlank, noch nicht sehr alt, vielleicht vierzig. Sieht eigentlich ganz sympathisch aus mit seinen dunklen, leicht gewellten Haaren. Guckt aber etwas unwirsch.
„Wir sollen da auch noch ’nen Katheter schieben. Kommt doch auch nix bei raus bei der guten Herzfunktion. Aber der Chef will das! Der spinnt! Klar, P-Patient! Melken, melken, melken, melken! Wie ich das hasse!“
Du sprichst mir aus dem Herzen, Junge! Aber so ist das eben. Profit geht über medizinische Notwendigkeit. Das kannst du auch nicht ändern. Sieh zu, dass du nicht mal genauso wirst.
„Wenn ich mal irgendwo was zu sagen habe, wird es das nicht geben, das schwör ich!“ Mit diesen Worten zieht er den Schlauch wieder aus meinem Hals. Kann der jetzt auch meine Gedanken lesen, dass er meine gedachte Frage sofort beantwortet hat? Mir wird das langsam unheimlich.
„Bringt ihn in den anderen Raum, dann schieben wir den Herzkatheter schnell noch!“
Im nächsten Raum werde ich wieder auf eine Art OP-Tisch gehoben. Über mir sehe ich an einem schwenk- und drehbaren Teleskoparm eine Röntgenröhre schweben. Zwei große Monitore stehen an meiner Seite, sodass ich die Sache weitgehend verfolgen kann.
Der Arzt von vorhin macht sich an meiner rechten Leiste zu schaffen.
„Lokale und Sedativum?“, fragt ein OP-Pfleger. „Wie immer, oder brauchen wir das hier nicht?“
„Angeblich ja nicht. Aber gib mal lieber her, mir ist das nicht geheuer. Die sagen zwar, der merkt nichts mehr, aber wer weiß!“
Er sticht mit einer dünnen Nadel in meinen Oberschenkel, kurz unterhalb der rechten Leiste. Das pikst einen Moment, aber schon kurz darauf fühlt sich da alles taub an. Schön! Freundlich von ihm! Die Katheternadel ist nämlich ziemlich dick und schmerzhaft. Dann spritzt er mir noch etwas in die Armvene. Ein Beruhigungsmittel. Wahrscheinlich Valium oder so was. Ich fühle mich sofort wie auf Wolken, werde etwas müde. Ein tolles Feeling, so leicht ist plötzlich alles, fast schwerelos. Eben hatte ich noch Angst vor der Untersuchung, jetzt ist es mir egal. Bin sogar neugierig. Hoffentlich kann ich es auch sehen auf dem Monitor, wenn der Katheter hoch bis ins Herz geschoben wird. Ein bisschen müsste der noch zu mir hingedreht werden.
Als ob der Arzt mich verstanden hätte, dreht er den Tisch mit dem Monitor so, dass er weiter in mein Gesichtsfeld rückt. Er macht das zwar für sich, aber ich würde Danke sagen, wenn ich könnte.
„So!“, sagt er zum Pfleger, „Mach die Durchleuchtung an!“ Schon wird der Bildschirm hell und ich sehe meinen Unterleib im Röntgenbild. Ein schwarzgrauer Strich kommt von unten ins Bild und wandert langsam hoch. In dem Katheter ist immer ein ganz dünner Metalldraht, damit man ihn im Röntgenbild überhaupt sehen kann. Kunststoff sieht man da nicht so gut. Der Strich wird immer länger, macht zuerst eine Kurve nach rechts auf dem Monitor, in mir drin in Wirklichkeit also nach links, dann beschreibt er einen scharfen Knick nach oben und dann geht es ziemlich gerade hoch. Die Röntgenröhre wird vom Pfleger mitgeführt, so, dass die Spitze des Drahtes immer ungefähr in der Bildmitte liegt. Jetzt sehe ich meine Rippen, die Wirbelsäule und die im Röntgenbild ziemlich hellen Lungenflügel. Knochen erscheinen fast schwarz.
In der Mitte sehe ich mein Herz schlagen, ganz ruhig und rhythmisch. Der Katheter wandert derweil immer höher durch die Aorta – die Hauptschlagader -, bis er von unten hinter dem Herzen verschwindet. Ganz schwach kann ich ihn noch sehen. Dann taucht er oberhalb des Herzens wieder auf und muss jetzt durch die enge Kurve des Aortenbogens. Das ist meistens nicht so einfach. Hab das ja schon mal gesehen. Der Kardiologe – der junge Arzt ist das ja wohl – zieht den Katheter mehrmals vor und zurück. Dann ist der Bogen geschafft und der Strich wandert nach unten.
„Jetzt noch die Koronararterie treffen!“, murmelt er mehr zu sich selbst und zieht und schiebt wieder an dem Teil, bis man es fast rechtwinklig abknicken sieht. „Geschafft! Kontrastmittel bitte!“
Der Pfleger reicht ihm eine große Spritze, die er unten auf den Katheter stöpselt.
„Jetzt wird es etwas warm, Herr Kollege!“
Hallo? Hat der das jetzt zu mir gesagt? Freundlicher Kollege, war aber sicher so ein Routinesatz! Oder doch nicht? Jetzt wird es mir wirklich innerlich ganz warm von dem Kontrastmittel. Unangenehm, aber auszuhalten. Ich sehe das Kontrastmittel schwarz durch die Adern fließen. Das Herz ist jetzt mitten im Bild. Mehrere größere, so einige Millimeter dicke Adern sind sichtbar, die Koronararterien. Sie zweigen sich immer weiter auf, wie die Äste an einem Baum. Ganz schnell geht das alles jetzt. Zum Schluss sieht man die ganze Herzsilhouette von einer feinen Gefäßstruktur gezeichnet, bevor das Kontrastmittel verschwunden ist und das Herz wieder nur als dicker, pumpender Schatten zu sehen ist.
„Das wars!“, sagt er. „Alles okay. Keine Stenosen. Ich schau mir das gleich noch genau am Computer an. Sie können aber beruhigt sein, Herr Kollege. Ihr Herz ist völlig in Ordnung!“ Der spricht doch mit mir! Der Erste hier im Haus von den Herren Ärzten! Aber für die anderen bin ich ja auch im Koma!

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Leseprobe: Die Alchimar – Start ins Leben

Start ins Leben

Als Maja am nächsten Abend in der Akademie eintraf, herrschte dort hektisches Treiben. Verwundert blieb sie stehen und blickte sich in der Eingangshalle um. Plötzlich wurde sie unsanft angerempelt. Ein bärtiger Blondschopf in einem langen weißen Gewand drehte sich entschuldigend zu ihr um, war im nächsten Moment aber schon im Tumult verschwunden. Nachdenklich schlenderte Maja zu ihrem Unterrichtsraum.
Gerade als sie nach der Türklinke greifen wollte, schwang die Holztür auf und Salomir packte sie am Arm. „Da bist du ja endlich, wir müssen los.“ Er schob das Mädchen vor sich her in Richtung des großen Gemeinschaftssaales. Maja war zu Beginn ihrer Ausbildung in der Oberen Welt schon einmal hier gewesen. Damals waren hier die Alchimar in Klassen eingeteilt worden, wie damals lag auch heute wieder Aufregung in der Luft. Sowohl die Alchimar als auch unzählige Geistwesen hatten sich eingefunden und saßen oder standen dicht aneinandergedrängt.
Maja konnte ihre Neugier kaum zügeln. Zu gerne hätte sie einen Blick auf die Empore geworfen, auf der bei ihrem letzten Aufenthalt der Rat der Weisen seine Plätze eingenommen hatte. Doch durch die vielen Personen blieb ihr der Blick verwehrt. Zaghaft griff das Mädchen nach Salomirs Hand. Sie hatte Angst, dass sie ihn sonst in der Menge verlieren könnte. Salomir blickte fragend zu ihr hinunter und hob sie dann kurzerhand hoch. Er setzte sie auf seine Hüfte und kämpfte sich mit Hilfe seiner Ellbogen bis in die vorderen Reihen durch. Dort saßen die anderen Alchimar auf ihren Sitzkissen und schauten unbehaglich auf das Chaos hinter sich. Suchend blickte Maja durch die Reihen.
Dann hatte sie Lulu, Finn und Silas gefunden. Erleichtert seufzte sie und zappelte auf Salomirs Arm, bis er sie hinunter ließ. Sie drängte sich eilig zu ihren Kameraden durch. Neben Lulu war noch ein Kissen frei und Maja ließ sich dankbar darauf plumpsen. Lulu lächelte: „Ich habe dir einen Platz freigehalten. Ganz schön was los hier, oder?“ Fasziniert ließ sie den Blick schweifen. „Hast du schon mal so viele Geistwesen auf einem Haufen gesehen? Man hat den Eindruck, als wären es Tausende.“ Maja wollte gerade etwas erwidern, als die Tür hinter der Empore aufschwang und die Männer des Rates erschienen. Erst als alle ihre Plätze eingenommen hatten, trat auch Alame durch die Tür. Wie schon beim letzten Mal schritt sie majestätisch zu ihrem Kissen, blieb aber diesmal davor stehen und blickte aufmerksam durch den Raum
Augenblicklich verstummte die Menge und starrte abwartend zur Empore. Wie schon bei ihrer ersten Begegnung wurde Maja sofort in den Bann der Ältesten gezogen. Sie sieht so klug und weise aus, schoss es ihr durch den Kopf, als ob sie alles wüsste, was es auf der Welt nur zu wissen gibt.
Ein Raunen ging durch den Saal, als Alame ihre Hände zum Gruß erhob. Die Spannung war beinah greifbar, Maja hatte das Gefühl, als würde die Luft vibrieren. Sie richtete sich auf und lauschte gebannt den Worten der Meisterin. „Vielen Dank, dass ihr alle pünktlich erschienen seid. Die Lage ist ernst, deshalb hat der Rat so kurzfristig dieses Treffen einberufen.“ Sie schaute sich um. Es schien, als versuche sie den Blick jedes Einzelnen einzufangen. Ein angenehmes Kribbeln fuhr durch Majas Körper, als Alames Blick sie streifte. Mit einem zufriedenen Nicken ließ sich nun auch das Oberhaupt des Rates auf das Kissen sinken. „Die neuesten Entwicklungen sind äußerst besorgniserregend. Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass das Gleichgewicht zwischen den Welten kurz vor dem Kollaps steht.“