Johannes Sieben

Ich bin Baujahr 1953, also schon ein älteres, aber noch recht funktionsfähiges Modell. Nach meinem Medizinstudium und der Promotion, sowie einer fast sechsjährigen Facharztausbildung habe ich 1987 eine Landpraxis in einem kleinen Dreihundertseelendorf im Rheinland eröffnet, die mich heute noch erfüllt. Wenn ich an so manches jetzt schon denke, an Ruhestand gewiss nicht. Ein Leben ohne meine Praxis kann und will ich mir, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, überhaupt nicht vorstellen. Die Begriffe Langeweile oder Untätigkeit sind für mich Fremdworte. In gewisser Weise bin ich rastlos. Seit 1984 bin ich verheiratet, immer noch mit derselben Frau. Wenn auch so manches Gewitter durch unsere Ehe gezogen ist, so darf ich doch behaupten, dass wir bis heute sehr glücklich verheiratet sind. Wir haben zwei wundervolle Kinder, eine Tochter und einen Sohn, die uns nie enttäuscht, sondern immer nur, oder wenigstens fast immer nur, Freude bereitet haben. Sie waren auch immer der Garant für unsere Ehe.

Daneben haben wir noch Hunde, Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen. Alles eben, was man so auf dem Land unbedingt braucht, damit keine Langeweile auftritt. Mit meiner Frau verbinden mich auch fast alle Hobbys. Zum Beispiel die Jagd. Sie führt aber zum Glück keine Waffe, das wäre mir dann doch zu gefährlich für mich. Oder Reisen mit dem Wohnmobil. Einmal durch Europa und zurück waren wir in all den Jahren, früher mit Kindern, heute ohne, nur mit den Hunden. All die anderen Tiere fahren natürlich nicht mit in Urlaub, aber das ganze Jahr über wollen sie auch fressen, und Weiden und Ställe machen eine Menge Arbeit, schöne Arbeit. Das hat so etwas Ursprüngliches und Autarkes. Unsere Hauptbeschäftigung, neben der Praxis, in der meine Frau auch tätig ist, ist die ständige und immerwährende Renovierung, Erhaltung und Pflege unseres Hauses, das ein viel zu groß geratener alter Bauernhof ist, in dem sich auch die Praxis befindet. Da ich ein leidenschaftlicher Handwerker bin und meine Frau ein ausgezeichneter und geschickter Handlanger, machen wir fast alles alleine. Darum werden wir wohl auch niemals fertig.

Alle Autoren behaupten ja, immer sehr viel gelesen zu haben. Ich auch. Ich lese immer noch sehr viel, mehr als früher. Neben dem Inhalt begeistern mich vor allem gute Formulierungen, gelungene Metaphern und feinsinnige Charaktere.

 Auch dass man schon als Kind gerne Aufsätze geschrieben hat, gehört zum obligatorischen Lebenslauf eines Autors. Klar, wer nicht gerne schreibt, schreibt schon gar kein Buch. Ich habe natürlich auch gerne Aufsätze geschrieben. Sein erstes Buch zu schreiben, ist aber nicht einfach so eine Idee, wie etwa mal in Urlaub zu fahren. Ich denke, man braucht dazu eine Inspiration, die langsam reifen muss, wie guter Wein, oder noch länger.

Meine Inspiration für mein erstes Buch war meine Praxis. In fast dreißig Jahren erlebt man so allerlei. Schönes und weniger Schönes. Man macht gute und schlechte Erfahrungen mit Patienten, mit Kollegen und Krankenhäusern, mit Pflegeheimen und deren Personal, mit Verwaltungen und Standesorganisationen. Und, und, und. All diese Erfahrungen wollte ich irgendwann zu Papier bringen. Auch hatte ich immer den Wunsch, Ausschnitte aus meinem Leben niederzuschreiben, einfach nur so, aber auch für meine Nachkommen. Eine Art Hommage an das Leben wollte ich schreiben, eine Würdigung des Todes, einen Dank an meine Familie, ohne die mein Leben sinnlos gewesen wäre. Ein Vermächtnis wollte ich hinterlassen, jetzt, wo doch der letzte Lebensabschnitt längst begonnen hat und das Ende täglich kommen kann.

Aus all diesen Gedanken formte sich dann langsam, ganz langsam aber beständig, die Idee, das alles in eine Romanform zu bringen. An eine Veröffentlichung hatte ich zunächst überhaupt nicht gedacht. Erst als das Buch unter meiner Hand Gestalt annahm, fiel mir auf, dass all diese Dinge vielleicht auch andere Menschen interessieren könnten. Ich dachte, ja, das könnte den ein oder anderen wachrütteln, zum Nachdenken bringen, sensibilisieren. Die Welt verändern zu wollen, wäre vermessen und größenwahnsinnig. Ein klein wenig dazu beizutragen, die Dinge anders, skeptischer zu sehen, das ist eher schon realistisch.

Übrigens schreibe ich, bei schöner Musik bequem in einem Sessel in meiner kleinen Bibliothek sitzend, mein Hund zu meinen Füßen in seinem Korb, Pfeife rauchend, eine Flasche Bier dazu, abends alles mit einem kleinen Schreibprogramm auf meinem iPhone! Mit einem Finger! So kann ich fortlaufend schreiben und beim Tippen, das ja etwas länger dauert, den nächsten Gedanken fassen. Es mag etwas umständlich erscheinen, ich finde es sehr entspannt.

Beim zweiten Buch wurde mir dann eigentlich erst richtig bewusst, welch fantastische Möglichkeit es ist, einen Roman zu schreiben. Es hat etwas mit der Schöpfung gemein. Man hat zunächst eine Idee ohne feste Form, dann entsteht plötzlich auf einem zunächst leeren Blatt eine Geschichte, deren Inhalt man vorher selbst nicht genau kennt. Man erschafft Personen, gibt ihnen einen guten oder schlechten Charakter, lässt sie leben oder sterben, Gutes tun oder Schlechtes. Man weiß es vorher nicht, es entwickelt sich von Seite zu Seite selbst, immer weiter, wie im wirklichen Leben. Auch die Welt um diese Personen herum erschafft man sich in der Phantasie. Landschaften, Gebäude, einfach alles. Sogar ob die Sonne scheint, oder ob es regnet bestimmt man selbst. Man fühlt sich ein wenig wie der Schöpfer, ein Landschaftsgestalter, ein Architekt und der Wettergott, alles in einer Person. Es ist einfach faszinierend, ein Buch zu schreiben. Es belastet auch nicht. In Gegenteil, es entspannt und befriedigt. Besser noch, als eines zu lesen. Bei mir ist es fast zur Sucht geworden. Einzig die Renovierung unseres Hauses leidet etwas darunter. Was solls? Das schaff ich in diesem Leben sowieso nicht mehr!

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