Veröffentlicht am

Leseprobe: Himmelsstaub – Gefangen im Koma

Himmelsstaub – gefangen im Koma

Ein dicker Schlauch schiebt sich zwischen meine Lippen, durch die Zahnreihen weiter in den Hals am Kehlkopf vorbei und holt mich schrecklich wirklichkeitsnah und boshaft unangenehm aus dem Puff, wo ich um ein Haar meine Entjungferung erlebt hätte. War mehr eine ganze Perücke, die daran fehlte. Trotzdem war es so schön! Was machen die jetzt schon wieder mit mir?
„Schieb mal den Monitor näher. Ich seh so nicht, wo ich bin. Ah. Da ist die Aorta. Jetzt die Kammer. Da ist der Vorhof!“
Eine TEE! Das hatte ich ja auch noch nicht! Mir wird sofort klar, was die untersuchen. Es handelt sich um eine transösophagele Echokardiographie. Dabei wird eine Ultraschallsonde an einer Art Endoskop durch den Hals bis in Herzhöhe geschoben. Dabei kann man genauer als bei der Echokardiographie von außen die Herzhöhlen beurteilen. Ist natürlich auch teurer! Man sucht da unter anderem nach Blutgerinnseln im Vorhof, die eventuell einen Schlaganfall verursachen können, wenn sie durch die linke Herzkammer, dann durch die Hauptschlagader in die Halsarterie und von dort direkt ins Gehirn gelangen.
„Da ist kein Vorhofflimmern. Hätte man ja auch im EKG gesehen. Auch keine Blutgerinnsel. Die Klappen sind auch okay. Das Herz ist völlig unauffällig. Fertig. Ich zieh wieder raus!“
Die Stimme ist neu für mich und das Gesicht des Untersuchers kenne ich auch nicht. Er ist etwas untersetzt, schlank, noch nicht sehr alt, vielleicht vierzig. Sieht eigentlich ganz sympathisch aus mit seinen dunklen, leicht gewellten Haaren. Guckt aber etwas unwirsch.
„Wir sollen da auch noch ’nen Katheter schieben. Kommt doch auch nix bei raus bei der guten Herzfunktion. Aber der Chef will das! Der spinnt! Klar, P-Patient! Melken, melken, melken, melken! Wie ich das hasse!“
Du sprichst mir aus dem Herzen, Junge! Aber so ist das eben. Profit geht über medizinische Notwendigkeit. Das kannst du auch nicht ändern. Sieh zu, dass du nicht mal genauso wirst.
„Wenn ich mal irgendwo was zu sagen habe, wird es das nicht geben, das schwör ich!“ Mit diesen Worten zieht er den Schlauch wieder aus meinem Hals. Kann der jetzt auch meine Gedanken lesen, dass er meine gedachte Frage sofort beantwortet hat? Mir wird das langsam unheimlich.
„Bringt ihn in den anderen Raum, dann schieben wir den Herzkatheter schnell noch!“
Im nächsten Raum werde ich wieder auf eine Art OP-Tisch gehoben. Über mir sehe ich an einem schwenk- und drehbaren Teleskoparm eine Röntgenröhre schweben. Zwei große Monitore stehen an meiner Seite, sodass ich die Sache weitgehend verfolgen kann.
Der Arzt von vorhin macht sich an meiner rechten Leiste zu schaffen.
„Lokale und Sedativum?“, fragt ein OP-Pfleger. „Wie immer, oder brauchen wir das hier nicht?“
„Angeblich ja nicht. Aber gib mal lieber her, mir ist das nicht geheuer. Die sagen zwar, der merkt nichts mehr, aber wer weiß!“
Er sticht mit einer dünnen Nadel in meinen Oberschenkel, kurz unterhalb der rechten Leiste. Das pikst einen Moment, aber schon kurz darauf fühlt sich da alles taub an. Schön! Freundlich von ihm! Die Katheternadel ist nämlich ziemlich dick und schmerzhaft. Dann spritzt er mir noch etwas in die Armvene. Ein Beruhigungsmittel. Wahrscheinlich Valium oder so was. Ich fühle mich sofort wie auf Wolken, werde etwas müde. Ein tolles Feeling, so leicht ist plötzlich alles, fast schwerelos. Eben hatte ich noch Angst vor der Untersuchung, jetzt ist es mir egal. Bin sogar neugierig. Hoffentlich kann ich es auch sehen auf dem Monitor, wenn der Katheter hoch bis ins Herz geschoben wird. Ein bisschen müsste der noch zu mir hingedreht werden.
Als ob der Arzt mich verstanden hätte, dreht er den Tisch mit dem Monitor so, dass er weiter in mein Gesichtsfeld rückt. Er macht das zwar für sich, aber ich würde Danke sagen, wenn ich könnte.
„So!“, sagt er zum Pfleger, „Mach die Durchleuchtung an!“ Schon wird der Bildschirm hell und ich sehe meinen Unterleib im Röntgenbild. Ein schwarzgrauer Strich kommt von unten ins Bild und wandert langsam hoch. In dem Katheter ist immer ein ganz dünner Metalldraht, damit man ihn im Röntgenbild überhaupt sehen kann. Kunststoff sieht man da nicht so gut. Der Strich wird immer länger, macht zuerst eine Kurve nach rechts auf dem Monitor, in mir drin in Wirklichkeit also nach links, dann beschreibt er einen scharfen Knick nach oben und dann geht es ziemlich gerade hoch. Die Röntgenröhre wird vom Pfleger mitgeführt, so, dass die Spitze des Drahtes immer ungefähr in der Bildmitte liegt. Jetzt sehe ich meine Rippen, die Wirbelsäule und die im Röntgenbild ziemlich hellen Lungenflügel. Knochen erscheinen fast schwarz.
In der Mitte sehe ich mein Herz schlagen, ganz ruhig und rhythmisch. Der Katheter wandert derweil immer höher durch die Aorta – die Hauptschlagader -, bis er von unten hinter dem Herzen verschwindet. Ganz schwach kann ich ihn noch sehen. Dann taucht er oberhalb des Herzens wieder auf und muss jetzt durch die enge Kurve des Aortenbogens. Das ist meistens nicht so einfach. Hab das ja schon mal gesehen. Der Kardiologe – der junge Arzt ist das ja wohl – zieht den Katheter mehrmals vor und zurück. Dann ist der Bogen geschafft und der Strich wandert nach unten.
„Jetzt noch die Koronararterie treffen!“, murmelt er mehr zu sich selbst und zieht und schiebt wieder an dem Teil, bis man es fast rechtwinklig abknicken sieht. „Geschafft! Kontrastmittel bitte!“
Der Pfleger reicht ihm eine große Spritze, die er unten auf den Katheter stöpselt.
„Jetzt wird es etwas warm, Herr Kollege!“
Hallo? Hat der das jetzt zu mir gesagt? Freundlicher Kollege, war aber sicher so ein Routinesatz! Oder doch nicht? Jetzt wird es mir wirklich innerlich ganz warm von dem Kontrastmittel. Unangenehm, aber auszuhalten. Ich sehe das Kontrastmittel schwarz durch die Adern fließen. Das Herz ist jetzt mitten im Bild. Mehrere größere, so einige Millimeter dicke Adern sind sichtbar, die Koronararterien. Sie zweigen sich immer weiter auf, wie die Äste an einem Baum. Ganz schnell geht das alles jetzt. Zum Schluss sieht man die ganze Herzsilhouette von einer feinen Gefäßstruktur gezeichnet, bevor das Kontrastmittel verschwunden ist und das Herz wieder nur als dicker, pumpender Schatten zu sehen ist.
„Das wars!“, sagt er. „Alles okay. Keine Stenosen. Ich schau mir das gleich noch genau am Computer an. Sie können aber beruhigt sein, Herr Kollege. Ihr Herz ist völlig in Ordnung!“ Der spricht doch mit mir! Der Erste hier im Haus von den Herren Ärzten! Aber für die anderen bin ich ja auch im Koma!

Veröffentlicht am

Leseprobe: Klosterrauschen

Klosterrauschen

Ein riesiger roter Schlund, feucht und mit dicken, muskulösen, fleischigen Lippen, die sich rhythmisch zusammenziehen und wieder erschlaffen, nähert sich meinem Kopf und verschlingt ihn nahezu vollständig. Es ist eine überdimensionale Vagina, die mich fast völlig einsaugt und mir den Atem nimmt, bis ich im letzten Moment, kurz bevor ich ganz darin verschwunden bin, laut schreiend aufwache. Ich sehe den Gang im Bahnhof und den Blinden neben mir.
„Du kannst aber pennen! Albtraum gehabt?“
„Ja, geht schon wieder!“ Mir brummt der Kopf. Der Wermut rebelliert in meinem Magen.
Der Blinde streift sich seine Armbinde über und setzt die dunkle Brille auf. „Ich muss jetzt zur Arbeit!“
„Ich verschwinde auch lieber von hier. Muss nur noch meine Koffer aus dem Schließfach holen!“
„Da kommen wir vorbei, wenn wir zum Ausgang gehen. Komm, ich zeig dir den Weg. Haste noch Schmerzen am Arsch?“
„Ja, schon. Geht schon so!“
Wir gehen Richtung Ausgang. Bei den Schließfächern bleiben wir stehen, ich suche den Schlüssel in meiner Tasche. Eine Nummer steht drauf, ich weiß aber noch, welches es war. Ich stecke den Schlüssel hinein und höre das Klappern der Münzen. Dann werde ich blass. Das Fach ist leer. Ich bücke mich, um ganz hineinsehen zu können. Nur ein Zettel liegt da. ‚Danke!‘ steht drauf.
„Wo sind meine Koffer? Hab sie doch gestern hier reingestellt. Passt der Schlüssel noch auf andere Fächer? Das kann sicher nicht sein! Aufgebrochen ist das doch nicht!“
„Nee, jeder passt nur auf eins! Hat dich jemand beobachtet?“
„Weiß ich doch nicht. Da war ein Mann, der mir geholfen hat, weil ich erst nicht zurechtkam mit dem Schloss!“
„Ja dann ist doch alles klar! Hat der den Schlüssel gehabt? Bestimmt! Da gibts einige Experten hier. So schnell kannste gar nicht gucken, wie die einen Wachsabdruck vom Schlüssel machen. Dann schleifen sie den nach und räumen in Ruhe aus. Passiert hier fast täglich! Die Koffer siehste nie mehr wieder!“
Ich bin völlig sprachlos. Was jetzt? All meine Klamotten. Meine wenigen Bücher und ein paar Fotos. Und vor allem mein Sparbuch!
„Kannst höchstens zur Polizei gehen! Die werden das zwar aufschreiben, aber die Koffer bringen sie dir auch nicht zurück!“
„Ich? Zur Polizei! Um keinen Preis! Damit die mich noch mal durchficken können? Nee, danke!“
„Alle Bullen sind ja nicht so, wie die beiden von gestern. Bringen wird es wahrscheinlich nichts!“
„Ich muss jetzt erst mal ’nen Kaffee trinken. Gehen Sie mit? Ich lade Sie ein!“
„Nee, danke! Nett von dir! Aber ich krieg in der Stadt was bei den anderen. Es ist schon spät, und vor Mittag ist für mich das beste Geschäft, wenn die Leute einkaufen gehen. Verstehste? Machs gut! Ich wünsch dir viel Glück! Vielleicht sieht man sich ja mal!“
„Ihnen auch viel Glück, und danke für die Hilfe!“
Er geht, jetzt mit seinem Blindenstock den Boden abtastend, zielstrebig zum Ausgang. Ich setze mich in das Bahnhofslokal und bestelle einen Kaffee und ein belegtes Brötchen. Was soll ich jetzt machen? Alles läuft schief in meinem Leben. Ich stiere nur vor mich hin. Die Hektik um mich herum dringt nicht an mein Bewusstsein. Nichts gelingt mir. Warum bloß? Ich hab doch nie etwas Böses getan. Bin halt ein Pechvogel. Angefangen hat es mit dem Autounfall. Dass ich da schuld war, ist ja irgendwo wahr. Hätte ich den Mund gehalten, wie Onkel Theophil es mir immer wieder eingetrichtert hat, wäre das nicht passiert und mein Leben wäre sicher anders verlaufen. Aber ist nicht eigentlich er daran schuld? Weil er solche Dinge mit mir gemacht hat?
„Darf es noch etwas sein?“ Der Kellner weckt mich aus meinen Gedanken.
„Nein, danke! Bezahlen, bitte!“
„Zweifuffzig, der Herr!“
Ich gebe ihm das Geld, und als ich aus dem Bahnhof komme, weiß ich nicht, was ich jetzt machen soll. Zuerst muss ich zur Bank. Mein Sparbuch ist zwar weg, aber mein Geld muss ja noch da sein. Ich frage jemanden, wo eine Bank ist. Nur zwei Straßen weiter finde ich tatsächlich eine. Es ist sogar eine Filiale der Bank, in der ich gearbeitet habe. Dann wird sich ja jetzt alles klären. Hoffnungsfroh gehe ich zum Schalter, lege meinen Ausweis vor und erkläre dem Angestellten, was passiert ist.
Der schaut mich freundlich an. „Na, mal sehen, was ich für Sie tun kann, Herr Hermeling! Das ist aber nicht so einfach ohne das Sparbuch! Nur wer das hat, kann Geld abheben!“ Er geht in einen anderen Raum mit meinem Ausweis. Ich warte geduldig. Nach einiger Zeit kommt er zu mir. „Ich habe eben das Konto abgerufen. Wann haben Sie denn zuletzt etwas abgehoben?“
„Vorgestern! Dreihundert Mark!“
„Und wie viel war da noch drauf?“
„Genau fünftausendachthundert!“
„Stimmt genau! Und danach haben Sie nichts mehr abgehoben?“
„Nein! Ich bin doch gestern erst hier angekommen. Und wofür auch? Können Sie mir denn ein neues Sparbuch geben?“
„Da ist leider ein kleines Problem! Gestern haben Sie wohl noch einmal fünftausendsiebenhundertneunzig abgehoben, und zwar in Düsseldorf! Jetzt sind noch zehn Mark drauf!“
„Was?“ Meine Knie werden ganz weich und ich beginne zu zittern. „Das kann nicht sein! Ich war noch nie in Düsseldorf. Ich habe kein Geld geholt! Ehrlich! Das Sparbuch war doch im Koffer gestern. Und der ist geklaut worden!“
„Ja dann hat wohl derjenige jetzt Ihr Geld! Der wird sich freuen! Sie sollten zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Mit Sparbüchern ist das so eine Sache! Wer das hat, kann etwas abheben, verstehen Sie? Nur ganz auflösen kann er es nicht! Das kann nur der, dem es gehört. Drum hat der auch die zehn Mark draufgelassen, denk ich!“
Das hab ich doch eigentlich alles in der Bank gelernt! Hätte ich das Sparbuch doch in der Hosentasche gehabt! Das schien mir doch zu gefährlich. Wer konnte das ahnen? Bei einem normalen Bankkonto wäre das auch nicht passiert. Da hätte ich aber keine Zinsen gekriegt! Scheiße! Scheiße! Scheiße! Jetzt bin ich völlig mittellos, hab nichts mehr zum Anziehen. Knapp zweihundert Mark habe ich noch in bar. Sonst nichts! Besser hänge ich mich sofort auf! Oder ich gehe betteln, wie der Blinde. Nein, Schluss machen ist besser! Dann ist endlich Ruhe! Ich kriege ja doch nichts auf die Kette, und alles, was ich habe, geht verloren. Eltern, Freunde, Abi, alles. Warum das Leben dann nicht auch?
„Ich empfehle Ihnen, jetzt sofort zur Polizei zu gehen, Herr Hermeling, und dort Anzeige zu erstatten!“
„Ja, mach ich! Danke! Auf Wiedersehen!“
Ich gehe hinaus und der Lärm der Stadt schlägt auf mich ein. Zur Polizei gehe ich gewiss nicht!

Veröffentlicht am

Leseprobe: Paedoleaks

Gewidmet allen kleinen Seelen dieser Erde,
die Opfer des Missbrauchs wurden und noch werden.
 

Paedoleaks

Prolog

Ich kann meinen Blick nicht abwenden von ihnen, meine Gedanken nicht loslösen, meine Gefühle nicht kontrollieren, meinen Herzschlag nicht beruhigen, meine Lenden nicht im Zaum halten. Wenn ich sie sehe, bin ich hypnotisiert, wenn sie in greifbarer Nähe sind, bin ich nicht mehr Herr meiner Sinne. Mein Verstand setzt aus, meine Hormone übernehmen das Kommando über meinen Körper. Schon, wenn ich nur an sie denke, an diese bezaubernden, elfengleichen kleinen Wesen, die in all ihrer Unschuld und Schönheit ständig um mich herum sind, und sei es nur in meinen Träumen.

I

Ich bin jetzt fast vierzig, Lehrer an der Grundschule einer Provinzstadt. Ich unterrichte Sport und Erdkunde. Nebenbei bin ich ehrenamtlich im hiesigen Sportverein tätig. Da betreue ich die Kinder ab zehn, insbesondere beim Schwimmen, schwerpunktmäßig auch bei der Gymnastik.

Ich bin seit zehn Jahren sehr glücklich verheiratet und habe zwei Kinder, Philip ist sieben und Marie gerade fünf. Sie sind neben meiner Frau mein Ein und Alles.

Eigentlich läuft alles glatt in meinem Leben. Ich könnte rundherum glücklich und zufrieden sein. Wenn da nur nicht dieses verfluchte Verlangen wäre! Ich wehre mich zwar täglich dagegen, bisher noch erfolgreich, aber ich merke, wie es immer stärker wird, mich nicht mehr loslässt, meine Gedanken Tag und Nacht blockiert und lähmt. Ich will es nicht mehr, möchte, dass es verschwindet, mich in Ruhe lässt. Wie ein Krebsgeschwür wuchert es unaufhaltsam wachsend weiter. Ich werde langsam wahnsinnig und bin dem Verzweifeln nahe. Ich brauche Hilfe, Hilfe bevor ein Unglück geschieht und mein Leben, unser Leben zerstört. Wo bekomme ich sie? Wem kann ich mich anvertrauen?

Gleich gebe ich Schwimmunterricht in der ersten Klasse. Ich freue mich darauf. Ich habe Angst davor, Angst vor mir.

 

Ѿ
 

Hunger! Wenn ich jetzt laut genug schreie, kommt die weiche, warme Brust und ich kann wohlig daran nuckeln, bis ich satt und zufrieden wieder einschlafen werde. Also los. Langsam die Lautstärke steigernd brülle ich los, wie nur ich es kann und wie es immer zum Erfolg führt. Heute dauert es aber lange, komisch! Endlich höre ich die Tür quietschen und halte kurz inne. Gleich gehts los. Anders als sonst strecken sich mir aber nicht Mamas zarte Hände entgegen, nein, viel größere, gröbere. Sie nehmen mich aus meiner kuscheligen Wiege und heben mich hoch. Mamas Gesicht sehe ich auch nicht, nur eins mit Bart. Nicht wie sonst werde ich auf den Arm genommen, sondern auf das große Bett gelegt, in dem ich auch schon mal schlafen darf. Eine tiefe Stimme redet zwar ganz leise und irgendwie auch beruhigend auf mich ein, ich verstehe die Laute aber nicht. Hunger! Ich schreie erneut. Wo bleibt die Brust? Das Bett senkt sich leicht und ein großer Schatten beugt sich über mich. Etwas nähert sich meinem Mund. Endlich! Es ist aber viel größer und anders als die schöne, kleine Warze an Mamas Brust. Es schiebt sich vorsichtig in meinen Mund und ich beginne zu saugen. Wenn jetzt Milch kommt, ist alles gut. Ich schmatze und sauge und sauge, mein Magen bleibt aber leer. Was soll das? Verzweifelt versuche ich weiter, dieser neuen Milchquelle einen Tropfen zu entlocken, vergeblich. Dann ist die harte Brust auch wieder aus meinem Mund verschwunden. Gerade will ich wieder losschreien, als ich meine schöne Pulla mit dem weichen Nucki zwischen den Lippen spüre. Endlich kann ich trinken. Wohlig warm rinnt die Milch in meinen Hals. Anders als sonst üblich beginnt man mich schon jetzt auszuziehen. Das kommt doch sonst immer nach dem Essen. Heute ist alles anders. Egal, ich habe ja jetzt Beschäftigung und kann mich satt trinken. Hey, die Beine nicht so weit auseinander, das tut weh! Das feuchte Tuch zwischen meinen Beinen ist nie schön, aber heute kratzt es auch noch, als ob es Stacheln hätte, an den Beinen und auch dazwischen. Warm und feucht, weich aber etwas rau, gleitet da unten immer wieder irgendwas vor und zurück, immer wieder, ziemlich fest. Jetzt tut es weh. Lass das! Was ist das? Was soll das? Ich lasse die Flasche los, sie rollt neben mich, und ich schreie los. Das Etwas zieht sich zurück, die Windel wird hochgeklappt und geschlossen, die großen Hände legen mich zurück in mein Bett und die Babyflasche ist wieder in meinem Mund. Beruhigt trinke ich noch ein wenig. Erneut höre ich die Türe sich öffnen und Mamas vertraute Stimme dringt an mich. „Na, Werner, alles okay? Gabs Probleme? Ich hab mich extra beeilt!“
„Nee, alles gut! Die kleine war ganz lieb. Hat überhaupt nicht geschrien.“
„Hast ihr ja die Flasche gegeben! Danke noch mal!“
„Kein Problem, kannst mich ruhig wieder als Babysitter rufen!“

 

Ѿ
 

II

Mit knapp fünfzig wurde er Frührentner. Das war ihm recht, denn Lust zum Arbeiten hatte er schon lange nicht mehr. Jetzt jobbt er hier und da und kann davon leben. Richtig gelernt hatte er sowieso nichts, war sein Leben lang Hilfsarbeiter. Frauen haben ihn nie interessiert, geradezu Angst hatte er immer vor ihnen. Männer schon gar nicht. Dafür hat er eine andere große Leidenschaft. Kleine Mädchen. Da ist er stärker, größer, mächtiger. Sie müssen tun, was er will …

Er steht mit heruntergelassener Hose in einem Gebüsch. Er ist sehr erregt. Mit der einen Hand onaniert er langsam, mit der anderen hält er ein kleines Fernglas vor die Augen. Durch eine Lücke im Blätterwerk hat er den Spielplatz genau im Blick. Er stiert auf die große Rutsche. Der Reihe nach kommen die Kleinen von oben heruntergesaust. Ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt, in einem weiten, kurzen Röckchen, rutscht am öftesten, laut juchzend. Wenn es auf halber Höhe ist, ist das Kleidchen ganz nach oben gerutscht, und mit gespreizten Beinen versucht es, die Fahrt zu bremsen. Sein Höschen zieht sich dabei ganz stramm und die Konturen seines kleinen Körpers sind im Fernglas deutlich sichtbar. Er stöhnt vor Wonne und Geilheit.
Jetzt kommt die Kleine zu der nähergelegenen Schaukel. Neben den Ketten mit dem Sitzbrett ist auch eine Holzstange wie ein kleines Reck an zwei Seilen befestigt. Kopfüber hängt es sich mit den Kniekehlen daran. „Mama, Mama, guck mal, was ich kann!“
Das Röckchen ist ganz nach unten geschlagen, fast bis zum Hals. Bis über den Bauchnabel ist sie nackt, nur das Höschen bedeckt noch das Nötigste, aber er erkennt genau das Ziel seiner Begierde. Seine Hand wird schneller, er muss den Schrei unterdrücken, als er kommt, zieht seine Hose hoch und entfernt sich lautlos. Morgen, morgen bist du wieder hier, denkt er. Bald werde ich dich besitzen!

Am nächsten Tag ist er beizeiten an der gleichen Stelle. Er hat seine Videokamera mitgebracht. Mit den Augen sucht er den gesamten Spielplatz ab. Schon bald hat er das Mädchen entdeckt. Genau wie am Tag zuvor gilt dessen erste Begeisterung der Rutsche. Die Kamera ist bereit und mit maximalem Zoom füllt der kindliche Unterleib das Display aus. Genau zentriert zwischen die kleinen Beine. Ganz deutlich ist es zu sehen. Jede Rutschpartie wird vom Chip gespeichert. Jedes Mal erscheint es ihm noch schöner, noch begehrenswerter. Lange, zum Glück sehr lange ist heute der Anblick des Kindes an der Schaukel, kopfüber, in völliger Unschuld und Kindlichkeit, nichts ahnend von der bösen Welt.
Obwohl seine Lust befriedigt, er wieder angezogen ist, die Erregung noch feucht in der Hose nachklingt, bleibt er stehen. Wartet ab. Beobachtet, wie die Mutter das Kind schließlich ermahnt, endlich mit nach Hause zu gehen. Leise verlässt er sein Versteck, setzt seine dunkle Sonnenbrille auf, geht den kurzen Weg zum Eingang des Spielplatzes und verfolgt die beiden in ausreichendem Abstand durch mehrere Straßen, bis sie in einem Reihenhaus verschwinden.
Jetzt kann er es kaum erwarten, die Ernte des heutigen Tages zu Hause auf dem großen Bildschirm zu betrachten.