Leseprobe: Fiona – Untergrund (Die Kristallwelten-Saga 11)

Die Stimmenwolke kenne ich irgendwoher. Zumindest kommt sie mir bekannt vor. Alles kommt mir vertraut vor. Ich gehe in einem langen T-Shirt aus meinem Zimmer, die Treppe nach unten und ins Wohnzimmer. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn dort meine Eltern auf mich warten würden.
Alles nur ein Traum?
Alles?
Doch einige Dinge stimmen nicht.
Ich habe lange Haare.
Ich höre die Stimme von Ona.
Und ich erinnere mich deutlich daran, was in diesem wahnsinnigen Traum geschehen ist.
Also kann es kein Traum sein.
Bis auf das, was gerade passiert. Die Erde ist explodiert und mit ihr auch dieses Haus.
Wo also bin ich eigentlich?
Ich bleibe in der Tür stehen und starre Katharina an, die auf der cremefarbenen Couch sitzt. Sie trägt einen hellgrauen Hausanzug und ist barfuß. Auch das sehr vertraut.
Neben ihr Ona in einem meiner pinkfarbenen Jogginganzüge, der ihr etwas zu kurz ist. Das ist nicht vertraut. Es ist ist sogar sehr ungewohnt, denn ich sehe Ona zum ersten Mal in Kleidung aus meiner Heimat. Darin sieht sie wie ein ganz normales Mädchen von der Erde aus. Allerdings mit einem bescheuerten modischen Geschmack, denn Pink passt ja nun überhaupt nicht zu ihren roten Haaren. Warum sagt ihr das niemand?
Katharina entdeckt mich, springt auf und kommt zu mir gerannt. Sie nimmt mich in die Arme und küsst mich.
„Du bist ja wach. Und das ist verrückt. Wie ein unglaubliches déjà-vu.“
„Ja“, erwidere ich. „Nur war damals keine Rothaarige in einem pinken Anzug von mir dabei. Wieso habt ihr ihr das nicht ausgeredet?“
„Was?“
„Rote Haare. Pinkfarbener Jogginganzug. Geht gar nicht!“
„Ist das alles, was dir auffällt?“
„Was sollte mir denn noch auffallen?“
„Drachenkind?“
Die sehe ich tatsächlich erst jetzt. Sie sitzt in einem Sessel rechts, fast vor der Bar. Im Gegensatz zu Ona hat sie ein Auge für Farben. Der weiße Anzug und die ebenfalls weißen Stiefel passen hervorragend zu ihren schwarzen Haaren, die offen auf die Schultern fallen. Ihre katzengrünen Augen sehen mich amüsiert an.
„Anscheinend sind wir vollzählig“, sagt sie dann.
Das stimmt. Loiker und Lea sind am Pool, kommen jetzt herein. Sarah und Thomas stehen an der Bar. Er hat sich rasiert und sieht wieder wie Thomas aus. Er trägt Jeans und ein T-Shirt, genau wie Loiker. Sarah hat sich von irgendwoher ein Kleidchen geholt, in Weiß, was ihr gutsteht. Vielleicht hätte sie einen BH anziehen sollen, aber es könnte auch Absicht sein, dass man ihre Titten gut erahnen kann. Loikers verstohlenem Blick nach zu urteilen, ist es so.
„Habt ihr etwa nur auf mich gewartet?“, erkundige ich mich.
„Ja.“
„Womit?“
„Ich will euch erzählen, wie es weitergeht. Da ihr nun im Untergrund, der fünften Welt dieses niedlichen, kleinen Universums angekommen seid, wird es Zeit für eine Aufgabe.“
„Für eine Aufgabe?“
„Ja, ihr sollt eine Aufgabe lösen. Setz dich bitte, Fiona. Und du auch, Katharina.“
Letztere zuckt die Achseln, als ich sie fragend ansehe, dann gehorchen wir.
„Danke. Nun zu eurer Aufgabe. Das heißt, vorher will ich euch sagen, welche Belohnung euch die Götter geben wollen, falls ihr die Aufgabe lösen könnt. Sie werden dann euer altes Universum im Standby-Modus reaktivieren und ihr erhaltet die Chance, es wieder vollständig zu aktivieren, zu dem Zeitpunkt, als Fiona eine Entscheidung treffen musste. Bevor es jedoch so weit ist, müsst ihr Garoan finden und lebend zu mir, hierher, bringen.“
„Garoan ist hier? In diesem Universum?“
„Ja, seit gerade eben. Er weiß nicht, wer er ist.“
„Wie wir?“
„Fast.“
„Wie meinst du das?“ Da stimmt was nicht. Ganz und gar nicht. Da kommt noch etwas, was mir garantiert nicht gefallen wird.
„Er hat auch seine magischen Kräfte verloren. In dieser Welt existiert keine Magie. Keine Unsterblichkeit. Kein ewiges Leben. Keine übermenschlichen Kräfte. Alle anderen Fähigkeiten bleiben euch erhalten. Achtet also darauf, was ihr tut. Es gibt keinen zweiten Versuch.“
„Wie lange haben wir Zeit dafür?“, fragt Ona, die wahrscheinlich als Einzige überhaupt in der Lage ist, artikulierte Laute hervorzubringen.
„Ein ganzes Leben lang“, antwortet Drachenkind, dann erhebt sie sich und verlässt das Haus durch die Tür.

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Ich renne zu Katharina und drehe sie auf den Rücken. Es ist dunkel, trotzdem kann ich erahnen, dass sie eine Schusswunde im Bauch hat.
Fuck! Verdammte Scheiße!Nein, nein, nein! Du stirbst mir jetzt nicht in letzter Sekunde noch weg! Verdammt nochmal, du stirbst nicht! Hast du das kapiert?!“
Sie bewegt ihre rechte Hand. „Es tut mir leid … Ich ...“
Von draußen kommen schon wieder Schüsse. Garoan zuckt zusammen.
Fuck!
Ich packe beide und ziehe sie tiefer ins Haus, hinter der Treppe in Deckung. Heftig keuchend lasse ich mich auch fallen und versuche einige Sekunden lang nur, nicht zu ersticken.