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Leseprobe: Geschichten einer Kriegerin – Liebe und andere Unwägbarkeiten des Lebens

Liebe und andere Unwägbarkeiten des Lebens

David. Ausgerechnet!
Er steigt gerade aus seinem Porsche, als ich auf den Kiesparkplatz neben dem angesagtesten Hafenrestaurant Newopes fahre. Mit James war ich schon ein paarmal hier, aber dass ich auch mit David mal in diesem Restaurant speisen würde, das hätte ich wirklich nicht gedacht.
Bin immer noch sauer auf ihn, das merke ich sofort. Dabei sind neun Jahre seitdem vergangen, als er mich vor der ganzen Schule vorgeführt hat. Vier Jahre lang habe ich ihn ignoriert, heute gelingt es mir nicht.
Zumal er mich sofort entdeckt und auf mich zukommt. „Fiona! Ich dachte mir schon, dass du auch da sein wirst!“
„Das dachtest du dir? Ach.“ Ich steige aus und beuge mich vor, um nicht vorhandenen Staub von den Jeans zu klopfen, nur damit er einen Blick unter meine Bluse werfen kann und muss.
Er grinst. „Du hast dich irgendwie kein bisschen verändert.“
„Hab ich wohl! Ich bin eine Nationalheldin!“
„Das ist wahr“, sagt er und nickt. „Es überrascht mich, dass dir das so wichtig ist.“
Ich atme tief durch. Was mache ich da eigentlich? Ich muss mich doch nicht wegen dieses Arschlochs so aufplustern! Wenn ich auch nur daran denke, dass ich mal in ihn verliebt war! Und dass ausgerechnet er mich entjungfert hat …
„Sorry. Normalerweise bin ich nicht so.“
„Sag bloß, du bist immer noch sauer auf mich.“
„Natürlich bin ich das! Ist dir eigentlich klar, dass die halbe Schule gesehen hat, wie du mit der blöden Fotze rumgeknutscht hast, während ich diesen verdammten Test schrieb? Und dass die ganze Schule wusste, dass du mit mir zusammen bist?“
„Fiona, wir waren beide Kinder!“
„Kinder? Das war nicht direkt ein Kinderspiel, was wir miteinander gemacht haben!“
Jetzt lächelt er auch noch. „Das stimmt. Ich fand es schön.“
„Ach? Du fandest es schön? Und warum hast du dann diese … diese blöde Fotze geknutscht?“
Da ist sie, die Gelegenheit, das endlich zu erfahren. Zumindest theoretisch, denn jetzt kommt Liz auf den Parkplatz gefahren. Und damit ist unser intimes, allerdings in Autokino würdiger Lautstärke geführtes Gespräch beendet. Vorläufig jedenfalls. So leicht kommt er mir nicht davon!
Ich begrüße Liz mit einer Umarmung. David auch. Haben sie etwa …? Dann fällt mir ein, dass mir das scheißegal ist.
„Seid ihr die Ersten?“, erkundigt sich Liz.
Ich zucke die Achseln und David antwortet: „Wir waren noch nicht drin, haben uns unterhalten.“
Liz mustert uns. „Ihr habt euch unterhalten?“
„Über alte Zeiten“, sagt David grinsend. Irgendwann radiere ich ihm dieses verfluchte Grinsen aus seinem Gesicht, aber für immer.
„Und jetzt gehe ich rein“, verkünde ich und setze es direkt in die Tat um.
Wir sind tatsächlich die Ersten. Ungewohnt für mich. Auf der überdachten Terrasse, von der aus wir einen herrlichen Blick auf das Meer haben, ist ein riesiger Tisch für uns reserviert. Wir sitzen noch nicht richtig, da kommt schon ein Kellner an.
„Guten Abend, Mesdames, guten Abend Monsieur. Was kann ich Ihnen zu trinken bringen?“
Während ich noch am Überlegen bin, bestellen David und Liz beide einen Kaffee. Ich mustere Henri, den Kellner. „Henri, was habt ihr für Whisky da?“
„Soll er stark sein oder schmecken, Fiona?“, erkundigt er sich und bleibt dabei völlig ernst.
„Äh … weißt du was, bring mir einen Martini. Ich fange mal zivilisiert an. Whisky dann später.“
„Sehr wohl.“ Und entfernt sich, stocksteif und gerade, wie es seine Art ist.
„Du bist wohl oft hier“, stellt David fest.
„Allerdings. Mit meinem Mann, James.“
„Ah, du hast ihn geheiratet?“ Liz strahlt. „Ich fand ihn so süß im Fernsehen!“
Süß? James??? Ich meine, er sieht toll aus, keine Frage, aber süß???
„Nanntest du James gerade eben süß?“, frage ich nach. Sicher ist sicher.
„Ja! Ich meine, er wirkt so männlich, so stark, aber eben auch süß.“
„Wenn ich ihm das erzähle, fällt er in Ohnmacht!“
An dieser Stelle werden wir erlöst, denn die Nächsten tanzen an. Eine halbe Stunde später ist die Runde fast vollständig. Auch Jeremy und Lincoln, die beiden anderen Ehemaligen, sind da. Aber mit diesen habe ich keine Probleme, sie haben sich ja nicht wie Arschlöcher benommen.

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Leseprobe: Wer die Liebe fängt – Amouröse Begegnungen

Wer die Liebe fängt

„Suchen, ihn suchen, kühle Berechnungen anstellen, wann sie ihm mailen oder simsen sollte, was sie als Anlass ihres Treffens vorschlagen könnte, wann er Zeit haben könnte, d. h. das Vorbereiten und Starten eines genau ausgetüftelten Eroberungsfeldzuges, geleitet von Erfahrung, Fakten und Intuition.
Genau genommen wusste sie fast nichts von ihm. Das Einzige, was sie wusste, war, dass sie nicht sicher wusste, ob sie mehr von ihm wissen und ob er mehr von ihr wissen wollte. Ihr erster Impuls war, ihn warten und spüren zu lassen, dass es ihr überhaupt nicht eilig ist, mit dem Ihn-Suchen, mit dem Mehr-über-ihn-wissen-Wollen.
„Wenn du mich suchen willst, ich heiße Daniel Neuhaus und auf meiner Website findest du meine E‑Mailadresse und Handynummer.“
Mit diesem Satz stand sie nach der zweiten Begegnung mit ihm auf und ärgerte sich darüber, dass er davon ausgegangen war, dass sie ihn suchen würde oder ihn suchen wollte, während er sich selbst nicht die Mühe machen würde, sie zu suchen. Zudem ärgerte sie sich über sich selbst, dass sie ihm nicht einen umgekehrten Suchauftrag gegeben hatte, sondern schweigend den Seinen angenommen hatte.“

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