Leseprobe: Glücksfeuer – Regionales Liebeschaos

Das Nächste, woran Marie sich erinnern konnte, waren die Kirchenglocken. Viertel nach zehn! Danach wurde es wieder still. Einschlafen konnte sie aber nicht mehr. Sie schlich ins Bad, duschte, schminkte ihre müden Augen und trug einen klaren Lippengloss auf, um nicht so übernächtigt auszusehen.
Leon schlief tief und fest. Unbemerkt zog sie sich an und ging frische Brötchen kaufen, auf dem Stadtplatz, um Leon nicht wieder Aufbackbrötchen zu servieren.
Wieder zu Hause, deckte sie ganz leise den kleinen Küchentisch ein und kochte Frühstückseier.
Als sie die Kaffeemaschine einschalten wollte, kam Leon in die Küche.
„Schönen guten Morgen, Traumfrau!“
Marie schloss die Augen und ließ sich ein Küsschen nach dem anderen geben. Dann verschwand Leon im Bad, um zu duschen. Marie öffnete die Rollläden und sah das Chaos in ihrem Wohnzimmer.
Hier ein Schuh, dort ihre Bluse, Unterwäsche und andere Sachen, außerdem halb volle Rotweingläser auf dem Tisch.
Sie begann aufzuräumen, bis der Eierkocher summte. Im Nu steckte sie einfach alle herumliegenden Kleiderstücke in die Wäschetonne im Flur, neben ihrem Schuhschrank. Öffnete sie diesen, spürte sie immer ein kleines Glücksfeuer. Ihr Traum, ein Schubladensystem, beleuchtet, nur für ihre Taschen und Schuhe. Jedes Mal, wenn sie in ein schwedisches Möbelhaus fuhr, bewunderte sie alle diese Ordnungssysteme, für die sie weder Platz noch die Fähigkeit hatte, sie aufzubauen. Harry versprach ihr einst, mit einem Schreiner vorbeizukommen, der ihre Wünsche erfüllt. Harry versprach so viel.
Harry … Ob er schon wach war? Wieso interessierte es sie? Dieser Name musste aus ihrem Kopf verschwinden, am besten sofort. Wenigstens für heute, um Leon nicht noch mehr zu irritieren.
Als Marie gerade alles wunderschön eingedeckt hatte, kam Leon in die Küche und staunte. Kleine und große Kerzen brannten überall, es gab Marmelade und Frühstückseier, Butter und Krustenschinken.
„Den Kaffee schenke ich ein, Traumfrau!“
Kurz danach stellte er zuerst sich eine Tasse Kaffee auf den Tisch und dann erst Marie.
„Schau mal, hab ich gestern Abend auf dem Wurstmarkt entdeckt.“
Marie musste laut lachen und konnte gar nicht mehr aufhören. „Marie, die Witzige“, so die Aufschrift der Tasse. Leon freute sich, dass sein Geschenk wohl gut ankam. Dass diese Tasse jedoch Marie so glücklich machte, war schon erstaunlich.
„Was ist, gefällt sie dir?“, wollte Leon wissen.
„Ja, und wie!“ Erneut lachte Marie und bedankte sich mit einem dicken Kuss. Von ihrer alten Tasse erzählte sie ihm jedoch nichts. Außerdem war sie ja nicht mehr frustriert. Sie war ja verliebt.

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