Kein menschlicher Makel – weder gestern noch heute

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Kein menschlicher Makel von Ellinor Wohlfeil

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Beschreibung

Aus dem Vorwort:

Sie ahnte alles und wusste nichts, die kleine Ruth, die in den 30er Jahren in einer Kleinstadt im nationalsozialistischen Deutschland aufwuchs und zur Schule ging. Als Tochter eines jüdischen Vaters, der zum Protestantismus übergetreten war und in eine Familie mit festen protestantischen Wurzeln ein geheiratet hatte – ihr Onkel Richard war Pfarrer und seine Andachten gaben nicht nur Ruth Trost und Stütze in den Bombennächten des Berliner Endkampfes – war sie Halbjüdin und stieß als solche auf unbarmherzige bzw. barmherzige Ablehnung und Ausgrenzung. Denn obwohl der militaristische Direktor ihres Gymnasiums gegen das Weltjudentum hetzte, nahm er Ruth und ihre Familie ausdrücklich davon aus. Als sie trotz ausreichender Punktezahl im Sportwettkampf bei der Siegerehrung mit Eichenlaub leer ausging, besorgte ihr Klassenlehrer Gerlach die Auszeichnung und übergab sie ihr unter der Hand.

Zu Hause und in der Schule bleibt vieles unausgesprochen, z.B. die Gründe für diese Ausgrenzung, die Gründe für die Verhaftung des Vaters, wie er vielleicht durch Beziehungen wieder freikommen könnte und was ein Konzentrationslager ist. „Es muss etwas Schreckliches sein.“ Das bestätigt sich auch, als ihr Vater mit blutigen Flecken auf dem Kopf zurückkommt, die von einer „Dornenkrone“ stammen, einem Folterinstrument der Nazi-Schergen. Ruth macht sich ihre Gedanken und spürt den Gefühlen nach, die diese Ausgrenzung erzeugt. Sie verzweifelt an der Welt und den Menschen, ohne jedoch die Hoffnung endgültig aufzugeben und fragt sich immer wieder, was sie falsch macht, wenn sich vor ihr die Türen überall schließen. Sie gibt sich selbst nicht auf und möchte zu den Besten in der Schule gehören, im Sport erfolgreich sein, die Hauptrolle im Schultheaterstück „Dornröschen“ übernehmen und schließlich eine Ausbildung als Schauspielerin absolvieren. Dazugehören, auch als Jungmädel mit ihrer Kluft, das ist ihr Wunsch.

Aber alles wird ihr verwehrt und sie bleibt im Grunde allein mit ihrem Schmerz. Doch selbst als die Mutter ihr den Herzenswunsch, Schauspielerin zu werden, aus politischen Gründen abschlägt, begehrt sie nicht auf, sondern verfolgt ihre Laufbahn als Chemielaborantin weiter. Der „Engel mit dem Flammenschwert“ kehrt in ihren Träumen immer wieder und verwehrt ihr den Eintritt in das eigene Leben, wie sie es gern gelebt hätte.

Angenommen sein im Freundeskreis, in Schule, Beruf und Gesellschaft, das ist das Ziel, dem sie nicht näherkommen kann, das ihr durch eine Ideologie, die zwischen Juden und Nicht-Juden, zwischen wertvollem und unwertem Leben unterscheidet, beständig verwehrt wird. Solche Ideologien sind auch heute noch in vielfältigen Erscheinungsweisen existent: Als Rechtsradikalismus, Ausländerfeindlichkeit, als Islamismus, christlicher Fundamentalismus, jüdischer Siedlerradikalismus etc. Möglicherweise ist es eine Grundkonstante menschlichen Daseins, den eigenen Wert, den Zusammenhalt der eigenen Gruppe auf Kosten der Ausgrenzung anderer zu überhöhen. Warum sonst sollten auch heute Spott und Ausgrenzung – durch den anonymen Gebrauch neuer Medien erleichtert – in der zugespitzten Form des Mobbing zu den gängigen Erscheinungen des Schulbetriebs gehören? Kooperation und freundschaftliche Hilfe erfährt Ruth nach dem Ende des Krieges auf dem Weg durch das zerstörte Land, als sie auf die uneigennützige Hilfe dreier ehemaliger Soldaten zählen kann, die ihr sogar die Flucht in den Westen ermöglichen. Fremde Menschen nehmen sie auf, ein Fuhrwerk bringt sie der Heimat näher, ein Unbekannter teilt köstliche Kirschen mit ihr. Ellinor Wohlfeils Geschichte ist ein leises, aber starkes Plädoyer für Menschlichkeit und Toleranz, gegen Ausgrenzung und Hass. Sie zeigt ohne Pathos, wie lebenswichtig diese Grundbedingungen menschlicher Existenz für das Urvertrauen in das eigene Leben sind. Deshalb ist ihre Geschichte ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung und Stärkung dieser Werte.

 

Bernd Morlock

Zur Person:

Studiendirektor, Lehrer für Geschichte und Fachleiter am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Berufliche Schulen) Karlsruhe

 

Zum Profil von Ellinor Wohlfeil.


 

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Zusätzliche Information

Größe k.A.
Format

Softcover, E-Pub

AutorIn

Ellinor Wohlfeil

Genre

Roman

1 Bewertung für Kein menschlicher Makel – weder gestern noch heute

  1. Bewertet mit 5 von 5

    Als ausgebildeter Archivar ist es für mich selbstverständlich, mich mit Geschichte auseinander zu setzen. So auch (natürlich) immer wieder mit der Zeit des Nationalsozialismus und seinen Gräueltaten.
    Bereits an dieser Stelle möchte ich dem Verlag 3.0 und da besonders Kerstin Litterst danken, dass sie mir im vergangenen Jahr das Buch „Kein menschlicher Makel – weder gestern noch heute“ von Ellinor Wohlfeil als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
    Da es die knapp 100 Seiten (nicht nur) inhaltlich in sich haben, muss man den richtigen Zeitpunkt zum Lesen abpassen. Dieser war bei mir in den vergangenen Tagen gekommen und ich möchte kurz meine Gedanken dazu mit euch teilen.
    Es ist schon viel geschrieben worden über die Ausgrenzung, Verfolgung usw. der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Ellinor Wohlfeil zeichnet in ihrem Roman also kein (neues) Bild dieser Zeit, trotzdem stellen sich mir immer noch (nicht nur) die Nackenhaare auf, wenn ich von dieser sinnlosen Hetze lese.
    Die Protagonistin Ruth erzählt hier ihre Erlebnisse. Durch den Umstand, dass sie kaum von einem Erzähler unterbrochen wird (die Erzählweise erinnert mich an ein Instrument der Geschichtswissenschaft, die sog. „Oral History“) ist der geneigte Leser mittendrin im Geschehen und in der Gefühlswelt von Ruth. So entsteht eine tiefe Verbundenheit mit ihr – ein von der Autorin wahrscheinlich gewünschter Effekt :-).
    Ich wünsche dem Buch von Ellinor Wohlfeil die (große) Verbreitung, die es verdient hat – ob als Pflichtlektüre in der Schule oder in Lese- und Diskussionskreisen.

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