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Leseprobe: Eine Reise ins Licht

Eine Reise ins Licht

„Karma ist alles!“, sagte Indigor und verließ das Zimmer über den hinteren Korridor. Er hatte in der letzten Stunde so viel gehört, dass er ein Buch damit hätte füllen können. Als er das Haus verlassen hatte, war sein Rucksack gepackt für eine lange Reise, deren Ziel er nicht kannte. Er ging, ohne sich noch einmal umzudrehen. Indigor hatte das Gefühl, mit jedem Schritt, den er tat, ein Stück leichter zu werden. Er war auf dem richtigen Weg.
Die Straßen lagen im Dunkeln. Nur wenige Laternen ließen erahnen, wohin man seinen Fuß setzte. Ihm war es recht, so konnte er seinen Gedanken freien Lauf lassen. Nach einer Ewigkeit, die er selbst kaum wahrnahm, fiel sein Blick auf das Haus. Es lag auf einem Hügel, weit ab der Straße. Es sah dunkel und verlassen auf ihn herab und zog ihn magisch an. Hier wollte er seine Reise beginnen. Ein schlammiger Weg führte die Anhöhe hinauf und er musste immer wieder aufpassen, nicht auszurutschen. Regennasse Zweige schlugen ihm ins Gesicht und er wäre des Öfteren mehr als willig gewesen, wieder umzukehren. Wären da nicht die nagenden Fragen gewesen, worauf er nur Antwort bekommen würde, wenn er seine Reise fortsetzte. Antarros hatte gesagt: „Nur eine Reise in deine innersten und tiefsten Gefühle kann dir die Antwort geben.“
Endlich hatte er das Haus erreicht. Aus seinen Fensterhöhlen schaute es ihn an, als wollte es ihn fragen: ,,Bist du sicher, dass du zu mir willst?“ Er blieb einen Moment stehen und lauschte in die dunkle Nacht. Aber nur der Regen war zu hören, der beruhigend vor sich hinprasselte. Indigor rüttelte an der Tür. Sie schien ihm verschlossen. Aber als er seinen Druck verstärkte, sprang sie mit einem knarrenden Geräusch doch auf. Er zuckte zusammen …

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Leseprobe: Die Alchimar – Mitten im Leben

Mitten im Leben

Liebe Leser,

in diesem Band geht es einerseits um ein Ende, gleichzeitig aber auch um die Chance auf einen Neuanfang. Dazu möchte ich allen, denen dieses Buch in die Hände fällt, ein paar gute Wünsche mit auf den weiteren Lebensweg geben.
Haben Sie schon ein darüber nachgedacht, was Sie einem völlig fremden Menschen wünschen würden? Nun, einige Leser der ersten beiden Bände der Alchimar haben sich darum Gedanken gemacht und wir haben gemeinsam eine lange Liste voller Wünsche zusammengestellt, in der Hoffnung, ein Zeichen zu setzen: Wir sind nicht allein in dieser Welt und vielleicht ist die Katastrophe ja doch noch aufzuhalten …

Ich wünsche Dir:

• Ich wünsche Dir, leicht wie eine Feder durchs Leben zu schweben, schön langsam, um es richtig zu genießen …

• Ich wünsche Dir Frieden. Frieden kann man jedem Menschen wünschen – egal, wie man zu ihm steht. Ich wünsche Dir auch, immer die „richtige“ Entscheidung zu treffen.

• Ich wünsche Dir, dass Liebe Dein Leben bereichert.
Liebe mit ihrer Schönheit, der Freude und sogar dem Schmerz, ist das großartigste Geschenk, das man geben oder erhalten kann. Ich wünsche Dir, dass immer ein Lied zum Takt Deines Herzens klingt. Ich wünsche Dir, dass die Leichtigkeit des Seins, Dein Leben mit Zufriedenheit schmückt. Und zum Schluss wünsche ich Dir, dass Du das Glück hast, diese Dinge zu erkennen.

• Ich wünsche einfach jedem viel Spaß beim Lesen von Natalie’s Büchern

• Ich wünsche Respekt. Ein einziger Wunsch, der allumfassend ist. Was wäre Liebe ohne Respekt, wie könnte man vertrauen? Nächstenliebe und Verständnis wären undenkbar. Man kann nur achten, wen man respektiert. So könnte ich endlos weiter schreiben. Doch ich möchte wünschen und nicht erklären. Hier noch einmal mein Wunsch: Respekt für das Leben, sei es menschlich, tierisch oder auch die Blume auf der Wiese.

• Ich wünsche jedem Menschen, dass er/sie seine Arbeit mit Freude und Liebe tun kann!
Und dass sie/er für ihren/seinen Einsatz in der Gesellschaft, also für die Arbeitskraft und Zeit, angemessene Bezahlung erhält, so dass es keine Mühe kostet, Mensch zu sein und mit Freude am Leben teilzunehmen!

• Ich wünsche mir, dass die Menschen aufhören, immer nur das Schlechte in der Welt zu sehen, dass sie die Augen öffnen für die wundervolle Vielseitigkeit – auch wenn es für manch einen befremdlich wirken mag.
Es geht um Respekt und Akzeptanz

• Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen begreifen, dass das Glück nicht im Außen zu finden ist. Und dass der Sinn des Lebens dar in liegt, dass das, was im Außen zu fehlen scheint, in Dir selbst zu finden ist und Du es mit der Welt teilen kannst.

• Ich wünsche uns, dass wir eine Gemeinschaft der Potenzialentfalter werden. Dass wir einen Weg finden, uns selbst und unsere Fähigkeiten zu erkennen und zu leben.
In jedem von uns liegt die Kraft zur Veränderung.

• Inneren Frieden, der/die zu sein, der/die man sein möchte, Möglichkeiten im Leben zu erkennen, Glauben an sich selbst, die eigenen Talente zu erkennen und zu nutzen, Zufriedenheit, Liebe empfangen und geben zu können, geistige und seelische Freiheit, Schönheit in Musik, Kunst und dem Sein erkennen.

• Ich wünsche mir für alle Tiere, dass Massentierhaltung und alle Abarten um Umgang mit ihnen der Vergangenheit angehören, noch bevor ich von dieser Welt gehe. Ich wünsche allen Menschen die Fähigkeit, Regen genau so schön zu finden wie Sonnenschein …in allem den Kreislauf des Ganzen zu sehen. Ich wünsche allen Wesen dieser Erde, dass sie geliebt werden.

• Ich wünsche den Menschen, dass sie mit offenen Augen und Herzen durchs Leben gehen und ihre eigene Mitte finden. Für meine Lieben C. und N. wünsche ich mir viel Kraft und Freude am Leben. Auf dass ihre tollen Charaktere immer bestehen bleiben und sie nie den Glauben daran verlieren, dass sie alles schaffen können.

• Ich wünsche Dir ein Höchstmaß an Empathie! Sei Deinem Gegenüber emphatisch; egal ob Du ihn kennst oder er Dir ganz fremd ist, egal aus welchem Land er stammt, welchen sozialem Hintergrund er hat, ob er behindert oder alt ist. Und egal ob es sich um Mensch oder Tier handelt!!

• Ich wünsche allen Menschen, dass sie dem Leben mit einem Lächeln begegnen können. Das Leben ist zunächst einmal ein Geschenk, über das wir uns freuen sollten, mit allem, was es mit sich bringt. Manchmal fällt das Lächeln schwer, weil es gilt, schwere Entscheidungen zu treffen oder weil es uns oder unseren Freunden schlecht geht. Aber wenn wir solche Situationen als Prüfungen ansehen und dem Prüfer mit einem Lächeln begegnen, dann haben wir schon so gut wie bestanden.

• Ich wünsche allen Menschen Augen, die Welt zu entdecken, die Schönheit zu sehen, die Wunder zu erkennen, um damit ihre Seele zu erfreuen.

 

Herzlichst
Natalie Jakobi

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Leseprobe: Als der Sensenmann ins Stolpern geriet

Als der Sensenmann ins Stolpern geriet

Ich bremste.
‚Ach du Schreck, wie sieht der denn aus’, dachte ich. Rechts auf dem Gehweg in einiger Entfernung ging eine Gestalt, die mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Es war frühmorgens und ich war mit dem Auto unterwegs zu einer geschäftlichen Besprechung. Die seltsame Figur ging in die gleiche Richtung, in die ich fuhr. Die Sonne blendete etwas, aber ich erkannte eine große Statur mit langem, schwarzem Mantel, der fast bis zum Boden reichte. Das Ganze war gekrönt mit einer seltsamen Mütze. Oder war es eine Kapuze, die den Kopf völlig verdeckte? ‚Komischer Typ. Und wie der geht’, dachte ich, ‚eine Mischung aus abwechselndem Latschen und Schlurfen.’
Bei dem Gedanken musste ich grinsen. ‚Der Tod auf Latschen’. Das sagt man doch so, wenn man einem unheimlichen, hageren Menschen begegnet.
Ich fuhr jetzt Schritttempo und beobachtete ihn, wie er da rechts im Schatten der Bäume vor mir ging. Er hatte große Ähnlichkeit mit dem Bild eines Sensenmannes, das ich irgendwo einmal gesehen hatte. Nur die Sense fehlte. Auch wenn ich ganz langsam fuhr, kam ich doch immer näher heran. Jetzt wirkte die Gestalt sogar ein wenig skurril. So, als sei sie nicht echt. Sie latschte nicht mehr, sondern glitt ganz unnatürlich steif dahin, ja sie schwebte fast. Jetzt war ich nur noch ein kleines Stückchen hinter dem ‚Tod’. ‚Wie er wohl von vorne aussieht?’ Mir grauste es ein wenig. Bestimmt hatte er einen Totenschädel, mit rotglühenden Augen. ‚Ob er überhaupt Augen hat?’, dachte ich. Es kribbelte in meinem Bauch ganz fürchterlich vor Anspannung. So, als wäre mir schlecht, magentechnisch gesehen. Was wohl passierte, wenn ich den Gevatter Tod überholte?
‚Wie viele Namen gibt es für den Tod?’, grübelte ich. ‚Der Ausdruck ,Gevatter Tod’ ist doch auch merkwürdig, oder? Der Name enthält so etwas Freundschaftliches, Familiäres. Es ist doch mal wieder typisch für den Menschen, dass er das, was er am meisten fürchtet, mit Nettigkeiten umgibt. Diese Kniefälle und Verbeugungen vor dem Tod hat es wohl schon immer gegeben. Glauben manche, dadurch länger in der Warteschleife zu bleiben oder ganz davonzukommen?’
Ich fing an zu lachen. Irgendwie war es lustig, den Tod zu überholen. Ziemlich paradox und sehr tiefsinnig.
Und dann war es soweit. Gleiche Höhe. Ich fuhr fast im Schneckentempo. Von der Seite sah der Tod nicht mehr so bedrohlich aus. Sein Kopf drehte sich langsam nach links, er schaute mich an.
Und?
Ich war verblüfft. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es war ein Kindergesicht, das mich da anschaute. Die Augen leuchteten fröhlich, Schalk tanzte in seinem Blick und es zwinkerte mir zu. Die ganze Gestalt hatte sich verändert. Aus diesem Blickwinkel leuchtete sie im hellen Sonnenlicht. Nichts erinnerte mehr an den Tod, an diese dunkle Fantasiewolke. Der schwarze Mantel hatte sich in einen weichen, lila Poncho verwandelt und die dunkle Kapuze war in Wahrheit eine bunte Kappe. ‚Ja, hatte ich denn Tomaten auf den Augen gehabt?’ Es war nichts als ein großes, schlaksiges Kind, das dort fröhlich lachend den Weg entlanghüpfte. Ein Kind mit einem gewissen Etwas.
Ein Gedanke in meinem Kopf formte sich: ‚Ein himmlisches Kind?’
Mich erfasste eine stille Freude. Das Kind winkte mir zu. Ich winkte zurück und fuhr endgültig weiter. Ich ließ den Tod hinter mir und sah im Rückspiegel die Freude des Himmels darüber, dass ich endlich begriffen hatte.
Ich schaltete in den dritten Gang und fuhr beherzt und voller Frieden dem ewigen Leben entgegen. Und meinem Geschäftspartner.
Im tiefsten Inneren fühlte ich eigentlich immer schon, dass es den Tod gar nicht gibt. Leider hatte ich das zeitweise wohl vergessen und mir doch ab und zu Angst einjagen lassen. So konnten sich in meinem Leben einige Grenzerfahrungen entwickeln, die einem Menschen, der sich seiner liebevollen Unendlichkeit bewusst ist, nie geschehen würden. Darüber hinaus war ich nicht damit zufrieden, nur etwas zu ahnen oder zu glauben, ich wollte es wissen. Und ich wollte bestimmt nicht damit warten, bis ich tot war, nur um zu erfahren, dass ich nicht sterben kann. Irgendwann habe ich mich dafür entschieden, hier in diesem Leben herauszufinden, was es mit dem Tod auf sich hat und auch mit all den anderen Ungereimtheiten.
Mein Grundgedanke war dieser: Wir werden in diese Welt geboren und erleben allerhand Höhen und Tiefen. Da sind unglaublich liebevolle Gefühle, Zärtlichkeit, aber auch innere Kämpfe, Ängste und Abwehr. Da ist Schmerz und Lust und da ist ebenso allerhöchstes Glück. Dieses Leben ist so voll von Eindrücken, Erfahrungen, Wundern und Bewegung, dass es doch wohl der größte Unsinn wäre, wenn es irgendwann einfach so vorbei wäre. Zack, ohne Erkenntinsse, ohne Sinn und ohne Fortsetzung. So ein Tod würde aussagen, dass das Leben keinerlei Bedeutung hat. Aber was keine Bedeutung hat, kann nicht existieren.
Und? Es ist nicht zu übersehen, dass wir alle das pure Leben sind. Ob laut oder leise, lachend oder weinend, fröhlich oder miesepetrig. Wir alle leben, wachsen, streben und sind. Das Leben hat höchste Bedeutung, denn es ist in dieser Welt das Einzige von Bestand. Die Grenzen setzen wir uns selbst, aus Angst und Unwissenheit. Auch den Tod.
Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo ich mit euch zusammen, meinen lieben Freunden, die Dunkelheit auflösen möchte, damit sich das Licht ausbreiten möge. Ich mache das auf meine Weise. Mit Liebe, Leichtigkeit und Freude.
Freude. Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Joy und das bedeutet ja bekanntlich ‚Freude’. Warum meine Eltern mich so genannt haben, weiß ich nicht. Sie hatten auf jeden Fall eine gute Idee und vielleicht auch so eine Ahnung, dass ihre Tochter eines Tages viel mit Freude zu tun haben würde. Hier noch ein paar Einzelheiten, damit du dir ein besseres Bild von mir machen kannst. Als Fünfundvierzigjährige müsste ich eigentlich jetzt erwachsen sein. Auf den ersten Blick bin ich es auch. Wenn man aber genauer hinschaut, erkennt man mein kindliches Gemüt, die Vertrauensseligkeit in dieses Leben und in jeden Menschen. Da ist keine Angst, nur reine Liebe.