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Leseprobe: Fiona – Sterben

Fiona – Sterben

Es hat etwas Vertrautes, das gemeinsame Frühstück auf Gey, dabei der Blick auf die schwarze Wand, Ryemas klare, kräftige Stimme. Ein Ritual, das ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Mag es nur eine Illusion sein, wie eh alles in diesem Universum, dennoch hat es eine beruhigende, festigende Wirkung.
Der Blick auf Sarah dagegen verstört, denn die sonst so muntere Ex-Königin hat verweinte Augen und ist ungewohnt still. Ich bin gespannt, was genau los ist, mehr als „Senaa wurde überfallen!“ haben wir bisher nicht aus ihr herausbekommen.
„Ich hoffe, ihr konntet ein wenig durchatmen“, sagt Ryema. „Zumindest ich fand die Reise zwischen den Welten anstrengend, aber vielleicht auch nur, weil ich sie nicht gewohnt bin.“
„Das ist tatsächlich auch eine Sache der Routine“, bestätigt Thomas. „Da es Sarah nicht so gut geht, hat sie mich gebeten, euch zu erklären, was los ist. – Von Tad Aretan haben wir euch ja erzählt. Wir haben selbst eine Zeitlang da gelebt, nachdem wir Engelkind begegnet waren. Sarah zusammen mit Senaa. Vor ein paar Stunden erhielt Sarah von Senaa eine Gedankennachricht. Sie war nicht zusammenhängend, aber die damit verbundenen Gefühle und Bilder deuten darauf hin, dass sich Senaa in großer Gefahr befindet. Bei den Bildern war eines dabei, das den Schwarzen Riesen zeigte. So wie es aussieht, haben die Noispeds Tad Aretan überfallen. Wir wissen nicht genau, wann es passiert ist und wie es derzeit dort aussieht. Ich konnte Sarah nur mit Mühe davon abhalten, einfach loszustürmen. Ich denke aber, dass wir einen Plan brauchen.“
„Der Plan ist einfach“, erwidert Sarah.
„Stimmt“, sage ich „Wir gehen hin.“
Thomas stöhnt auf. „Fällst du mir in den Rücken?“
„Möchtest du das? Nein, wir stürmen trotzdem nicht los, sondern stellen eine kleine Eingreiftruppe auf. Sie muss klein sein, damit wir schnell agieren können und nicht so leicht gefunden werden. Auf jeden Fall dabei haben möchte ich Katharina, Emily, Ryema, Oela und natürlich Sarah, Thomas und Elaine.“
„Und Roek“, sagt Ryema.
„Und ich!“, ruft Halpha.
„Du willst doch bloß Rache“, erwidere ich.
„Das stimmt. Du nicht?“ Bumm. Treffer. „Davon abgesehen habe ich eine Kampfausbildung. Ich kann mit Waffen umgehen und ich kann auch Nahkampf.“
„Und ich will auch mit“, meldet sich auch Nidea zu Wort.
Helena und Jody heben nur noch stumm die Hände.
Ich blicke mich um. „Sonst noch jemand? Vielleicht noch eine Schulklasse?“
Katharina legt ihre Hand auf meinen Unterarm. „Ab welchem Alter hättest du in ähnlicher Situation freiwillig verzichtet?“
„Gar nicht, aber …“
Die andere Hand legt sich auf meinen Mund. „Schätzchen, ich kann dir versichern, dass Helena auf jeden Fall in der Lage ist, bei so einer Mission mitzuspielen. Das weiß ich auf jeden Fall. Bei den anderen drei kann ich es nicht aus eigener Beurteilung sagen, aber ich glaube, Helena würde protestieren, wenn sie der Meinung wäre, für Jody wäre es zu gefährlich. Was Halpha und Nidea angeht, das überlasse ich Ryema und Oela.“
„Sie können mit“, sagt Oela ruhig.
„Aber euch ist schon klar, dass wir im schlimmsten Fall auf die Ur-Wesen und eine Armee aus Halbvampiren treffen können?“
„Und meinst du, hier ist es wirklich sicherer?“, erwidert Katharina. „Natürlich droht hier in diesem Moment keine Gefahr, aber uns allen ist doch klar, dass das nichts zu bedeuten hat. Augle ist zerstört, Dargk ist tot und nun ist möglicherweise auch Tad Aretan verloren. Das nächste Ziel könnte der Kernel sein und damit die achtzehn Planeten. Wir sollten also mit so vielen Leuten wie möglich dahin, aber nicht mit mehr, als unbedingt nötig. Das bedeutet, wir brauchen alle Leute, die in der Lage sind, mit einem Halbvampir fertig zu werden. Ganz ehrlich, was Leute wie Garoan und Co. betrifft, da muss wahrscheinlich selbst ich passen. Gegen die bist du unser einziger Trumpf, Schätzchen.“
„Oder Tansan.“
„Tansan ist aber kein Krieger, er ist ein Zauberer.“
„Nasnat hat doch auch mitgekämpft.“
„Eine Armee von Vampiren ist etwas anderes als eine Armee, die von den Ur-Wesen angeführt wird. Wir können Tansan natürlich fragen. Wo ist er überhaupt?“
Seun deutet auf den Kernel. „Ich denke, er sollte hier bleiben. Da er keine Kampfausbildung hat, müssten ständig Leute bei ihm sein, die ihn notfalls beschützen. Renroc und ich werden von hier aus koordinieren und Verstärkung schicken, falls es sich als notwendig erweisen sollte. Ich denke übrigens, dass die Mädchen euch helfen können. Sie sind keine gewöhnlichen Teenager. Auch die Leibgardistinnen hatten in diesem Alter schon echte Aufgaben und genau wie jene haben Nidea und Halpha als Kinder mit der Ausbildung angefangen.“
Ich muss irgendwie gerade an Kindersoldaten denken, behalte das aber lieber für mich. Zumal auch ich noch ein Kind war, als ich mit dem Kampfsport begonnen hatte. Weder Nidea noch Halpha machen auf mich den Eindruck, als wären sie zu irgendetwas gezwungen worden.
Trotzdem ist das irgendwie eine Scheißwelt. Ob es wirklich schade um dieses Universum wäre?
Ich beschließe, dass ich unrecht habe und wende mich an Thomas: „Du und Sarah, ihr habt einige Zeit auf Tad Aretan gelebt und kennt euch vermutlich gut aus dort. Ich schlage vor, wir gehen in zwei Gruppen, eine wird von dir und eine von Sarah geführt. Wirst du es schaffen, Sarah?“
Sie nickt stumm. Ironischerweise vermisse ich ihre Stimme.
„Gut. Wir nehmen also Waffen mit. Seun, du hast gesagt, du würdest uns im Notfall Verstärkung schicken. Wie lange braucht es, bis diese hier in Bereitschaft stehen könnte?“
„Etwa eine Stunde.“
„Dann sollten wir in einer Stunde aufbrechen. Fragen, Einwände?“
„Eine Frage habe ich“, meldet sich Roek. „Wieso hast du das Kommando?“
„Weil sie die Auserwählte ist, mein Schatz“, antwortet Ryema für mich. „Außerdem ist es ihre Art.“
Bevor ich antworten kann, liegt Katharinas Hand wieder auf meinem Mund.
Später kommt Ryema zu uns und sagt leise: „Roek ist manchmal etwas hitzköpfig. Der Beginn unserer Beziehung bestand darin, dass ich ihn verprügelt habe. Na ja, wir haben uns eigentlich gegenseitig krankenhausreif geschlagen. Bringe ihn trotzdem nicht um, bitte. Ich liebe ihn.“
„Es ist meine Art?“
Sie lacht auf. „Ist es doch, aber das ist nicht schlimm. Roek hat sich daran gewöhnt, dass ich sage, wo es langgeht, er wird sich auch an dich gewöhnen. Und er ist ein guter Soldat.“
Ich mag keine Soldaten, aber das behalte ich lieber für mich. Außerdem brauchen wir gerade jetzt durchaus Soldaten. Vielleicht sollte Roek die Mission leiten? Andererseits, ich habe alle Rambo-Filme gesehen, ich kann das auch. Wäre ja gelacht.
Also nicke ich brav.

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Leseprobe: Fiona – Leben

Fiona – Leben

Déjà-vu.
Blauer Himmel. Weiches Gras. Stille, bis auf Vogelgezwitscher.
Das hatte ich doch schon mal. Damals bin ich vor den Schmerzen hierher geflohen.
Und jetzt auch!
Ich setze mich abrupt auf und sehe mich um. Ich liege auf einer Wiese, die übersät ist mit Wildblumen, soweit ich sie einsehen kann. Gesäumt von einem Wald, dessen Dunkel mich anzustarren scheint.
Ich atme tief durch, denn ich erinnere mich jetzt an den Anlass, warum ich hier bin. Nach Stunden des vergeblichen Kampfes, meinen Körper zu verlassen und den Schmerzen zu entkommen, habe ich es endlich geschafft.
Garoan muss sehr mächtig sein. Immer wieder wurde ich in meinen Körper zurückgerissen, bis ich vor Verzweiflung nur noch gebrüllt habe. Vor Verzweiflung und vor Schmerz. Die sieben Schergen des Zauberers verstanden ihr Handwerk sehr gut und wussten genau, wie sie mir fast unerträgliche Schmerzen zufügen konnten, ohne dass ich ohnmächtig wurde.
Als ich die Augen schließe, sehe ich ihre grinsenden Gesichter vor mir und spüre im nächsten Moment den säuregetränkten Stab, der in meinen Armstumpf geschoben wird. Aufschreiend reiße ich die Augen wieder auf. Ich bin blitzschnell schweißgebadet.
Also Wiese. Und bloß nicht einschlafen. Verdammte Scheiße, was ist das denn für ein Zauberer?
Ich erhebe mich langsam. Dabei fällt mir der Spiegel ein. Und Emily. Ich glaube nicht, dass ich verraten werde, wo sich der Zugang zu Augle befindet. Sicher, die Schmerzen, die Garoan als unvergessliches Erlebnis bezeichnet hat, sind tatsächlich noch schlimmer als die aus meiner Erinnerung an die Cuculus. Aber hier, in der Verborgenen Welt, spüre ich sie nicht. Nachdem ich es erst einmal hierhergeschafft habe, bin ich sicher.
Ich schreite langsam über die Wiese. Unter meinen nackten Sohlen spüre ich das weiche Gras und die kitzelnde Berührung von Pusteblumen. In meiner Nähe ein ganzes Feld von Kamillenblüten, deren Duft mich wohlig umhüllt. Es hat was paradiesisch Anmutendes. Zumindest solange ich den Waldrand nicht genauer betrachte. Ich spüre deutlich, dass sich dort etwas verbirgt und auf mich wartet. Mir ist allerdings ein Rätsel, wieso es nicht aus dem Wald herauskommt.
Kann mir nur recht sein.
Plötzlich erinnere ich mich an die Elfe. Daran, wie sie mir beigebracht hat, welche Macht auch ich besitze. In der Verborgenen Welt. Und da die Gefrorene Welt Teil der Verborgenen Welt ist …
Und ich bin ja hier. Bewusst. Weil ich es will. Weil ich es kann.
Ich wende mich dem Wald zu und gehe bis zum Rand der Wiese. Je näher ich komme, umso deutlicher kann ich erkennen, dass zwischen Wiese und Wald eine Grenze verläuft. Sie klingt dunkel.
Klingt? Ich stutze, dann wird mir klar, dass ich die Grenze tatsächlich hören kann. Es ist ein dumpfes, dunkles Geräusch, wie ich es noch nie gehört habe. Dennoch weiß ich, wie gefährlich die Grenze ist und dass ich sie besser nicht berühren sollte.
Ich bleibe so vor ihr stehen, dass meine Zehenspitzen nur wenige Millimeter von dem undurchdringlich dunkelgewordenen Waldrand entfernt sind.
So viel trennt mich also von der Macht des Zauberers. Inmitten seiner grässlichen, schmerzerfüllten Dunkelheit, seines abgrundtiefen Hasses, habe ich mir meine Wiese erschaffen, auf der ich sicher vor ihm bin.
„So sieht es aus, Garoan“, flüstere ich. „Auch deine Macht ist begrenzt.“
Andererseits, auf Dauer könnte es hier ziemlich langweilig werden. Besonders groß ist die Wiese außerdem auch nicht. Vielleicht ist die Absperrung durch den Wald, die sie umgibt, an einer Stelle durchlässig. Ich schlendere an der Grenze entlang und beobachte aufmerksam den Wald. Dabei höre ich ständig das dumpfe, dunkle Geräusch. Auch dann noch, als ich die Wiese einmal umrundet habe, ohne eine Fluchtmöglichkeit entdeckt zu haben. Seufzend trete ich ein paar Schritte zurück.
Was könnte ich mit meiner neugewonnenen Freizeit denn anfangen? Mir fällt wieder ein, wie viel Mühe ich damit hatte, aus meinem Körper zu entkommen. Die Tatsache aber, dass ich es überhaupt geschafft habe, beweist eindeutig, in welchem Maße ich bereits die Grenzen der Gefrorenen Welt überwunden habe. Und das bedeutet, die Illusionen blenden mich nicht mehr.
Es bedeutet aber auch, ich kann die Illusionen verändern.
So wie ich damals mir Kleider an den Leib zaubern konnte.
Ich strecke versuchsweise eine Hand aus und wünsche mir einen Apfel. Doch anscheinend ist dieser Wunsch zu verwegen, oder vielleicht sind Äpfel zensiert im Paradies. Jedenfalls passiert nichts.
Das ärgert mich und fordert mich zugleich heraus. Ich will kein Paradies, in dem Äpfel zensiert werden, bloß weil Gott seine zwei Menschlein nicht im Griff hatte! Außerdem wäre ich dann Eva, und diesen Gedanken finde ich absolut schrecklich. Eva, das Weibchen! Die brave, liebe Frau, die alles tat, was Adam ihr sagte.
Ich nicht!
Ich strecke erneut die Hand aus und will einen Apfel darin haben.
Sofort!
Und es klappt! Erst spüre ich den Apfel nur, aber dann, nach Sekundenbruchteilen, sehe ich ihn auch. Schön rund und rot, könnte glatt von Schneewittchens Stiefmutter sein.
Geht doch.
Ich beiße herzhaft in den Apfel hinein und überlege kauend, wie ich meine neuen Fähigkeiten sinnvoll einsetzen könnte. Eine Hängematte wäre nicht schlecht. Und da sie nicht im Nichts herumhängen kann, brauche ich mindestens zwei Bäume. Apfelbäume am besten.
Ich starre die Stelle an, an der ich gerne den ersten Apfelbaum hätte, und schon beginnt er, sich zu materialisieren. Erst ist er noch sehr durchsichtig, so, als würde ihn Scottie grad zu mir beamen, aber allmählich verdichtet er sich und wird fest. Schließlich habe ich meinen ersten selbstgezauberten Baum vor mir stehen.
Sogar Äpfel trägt er, jede Menge sogar.
Coole Sache.
Der zweite Baum geht wesentlich schneller. Und die Hängematte bedarf nur noch eines Fingerschnippens.
Schade, dass das nur in der Verborgenen Welt so funktioniert.
Ich lege mich in die Hängematte, esse meinen Apfel und starre den blauen Himmel an. Langweilig ist es immer noch. Vielleicht sollte ich Gott spielen und Adam und Eva erschaffen. Sie dürfen nur nicht übertrieben keusch sein. Es könnte ein ganz interessantes Experiment sein zu beobachten, wie Menschen sich in so einem überschaubaren Ökosystem wie meiner kleinen Wiese entwickeln. Ich sollte das echt mal tun.
Aber wie erschafft man Menschen? Nach meinem Ebenbild?
Oh Gott, nein!
Ich betrachte meine nackten Füße. Irgendwie traue ich mich nicht, wirklich Menschen zu erschaffen. Bäume, Hängematte, okay, die können keinen Schaden anrichten. Aber alles, was ein Gehirn besitzt, kann potentiell seine eigene Welt zerstören. Und das wäre hier fatal.
Aber eine Schlange auch.
Trotzdem ist eine da.
Verdammt!
Ich starre die Schlange an, die sich zischelnd neben der Hängematte aufrichtet. Unmöglich, dass sich bloß aus meinen Gedanken eine Schlange materialisiert hat. Außerdem, ich habe an Menschen gedacht, nicht an Schlangen!
Wo kommt sie aber dann her? War es das mit dem sicheren Paradies?
Die Schlange beobachtet mich, wirkt aber sonst ganz friedlich. Sie will definitiv etwas von mir, bloß was? Ob ich ihr das Sprechen beibringen kann?
„Nicht nötig, das kann ich schon.“
Vor Schreck falle ich auf der anderen Seite aus der Hängematte und springe auf.
„Was zum Teufel …?“
„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken.“
„Du hast es aber geschafft! Habe ich dich erschaffen?“
„Nicht ganz.“
„Nicht ganz? Was meinst du damit?“
„Das kann ich dir nicht sagen.“
Oh mein Gott! Schon wieder ein Déjà-vu! Eine Schlange, die in Rätseln spricht!
„Was willst du dann?“
„Ich soll dir eine Botschaft überbringen. Das habe ich hiermit getan und meine Aufgabe ist erledigt.“ Bevor ich den Mund auch nur öffnen kann, ist die Schlange schon wieder verschwunden. Ich schließe den Mund wieder, denn die öffnende Bewegung konnte ich nicht mehr stoppen.
Eine Botschaft? Von wem? Von Garoan?
Überhaupt, woher könnte der von meiner Begegnung mit der Schlange wissen? Da waren ja nur Katharina, Michael und Nilsson dabei … Wie vom Blitz werde ich von der Erkenntnis getroffen: Natürlich, nur sie waren dabei! Und weil sie nicht in der Lage sind, auf die Wiese zu gelangen, da ich diese ja gegen Eindringlinge geschützt habe, schickten sie die Schlange, eine Erinnerung, die bereits in mir ist.
Das heißt, sie wissen, dass ich in der Verborgenen Welt bin.
Und das wiederum bedeutet, dass sie meinen Körper haben.
Die Botschaft lautet, ich kann wieder in meinen Körper zurückkehren. Klar, deswegen die Schlange! Auch die hat mir damals ja gesagt, dass ich in meinen Körper zurückkehren sollte.
Voll logisch!
Ich werfe einen Blick auf die Hängematte. Ich werde später zurückkommen und weiter üben. Zaubern ist geil.

 

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Leseprobe: Fiona – Reloaded

Fiona – Reloaded

Askan sitzt bereits am Tisch oder an der Tafel, wie es eigentlich genannt wird. Das erfahre ich von Shaka, als sie aufgeregt sagt: „Die Tafel ist bis auf dich vollständig!“
„Tafel? Welche Tafel?“
„Der Tisch da oben. Die Tafel des Königs.“
Ich sehe zwar keine Tafel, aber ich frage nicht weiter nach. Ich nehme es einfach hin, dass dieser besondere Tisch Tafel genannt wird. Es gibt wichtigere Dinge, um die ich mich kümmern muss.
Shaka und Mauka müssen wieder unten bleiben, Siana als meine Dienerin darf mich wieder begleiten. Sie gesellt sich zu den anderen Dienern, während ich von Askan in Empfang genommen, auf die Hand geküsst und zum Tisch, der eine Tafel ist, geführt werde.
Links von mir sitzt ein schlanker, hochgewachsener Mann, der mir freundlich zulächelt. Er ist einer der Minister, das weiß ich noch, mehr aber auch nicht. Doch da er so freundlich wirkt, erwidere ich sein Lächeln natürlich.
„Wir nähern uns dem Ende des Stadtfestes“, erklärt Askan. „Zumindest offiziell. Nach dem Gong werden viele Fackeln und Kerzen angezündet, dann wird noch lange getanzt. Doch jetzt essen wir.“
Ich nicke und trinke erst einmal Wein, denn ich bin ziemlich durstig. Noch während ich den Becher am Mund habe, erhebt sich weiter links von mir ein Mann, den ich nicht kenne, hält seinen Becher in die Höhe und ruft: „Ich möchte eine Wette aussprechen! Ich wette, dass Askan und Kyo sich nicht trauen, die alte Tradition des Aufsitzens fortzuführen!“
Das Volk schreit begeistert auf, Askan verschluckt sich.
Das ist irgendwie nicht gut.
„Was ist das Aufsitzen?“, erkundige ich mich, bekomme aber keine Antwort. Dafür sehe ich viele Gesichter in freudiger Erwartung, einige blicken auch entgeistert.
„Was ist das Aufsitzen?!“, wiederhole ich meine Frage lauter.
Endlich erbarmt sich jemand meiner. Der Minister neben mir beugt sich zu mir herüber und erklärt: „Das Aufsitzen ist eine Tradition, die schon sehr alt ist. Allerdings wurde sie zuletzt von Askans Eltern ausgeführt. Es geht darum, dass zum offiziellen Abschluss des Stadtfestes an der Tafel der König und die Königin sich als Symbol der Fruchtbarkeit vereinen und damit Elixa bitten, die Felder zu segnen.“
„Was?!“ Ich starre ihn fassungslos an. „Ihr meint das mit dem Vereinen aber auch nur symbolisch, oder?“
Er schüttelt bedauernd den Kopf.
Ich fahre zu Askan herum. „Was?!“
„Ich hätte diese Tradition vielleicht abschaffen sollen“, sagt er leise.
„Ich glaube kaum, dass das Volk zugestimmt hätte“, meint der Minister neben mir. „Und ohne die Zustimmung wäre es nicht gegangen.“
„Das stimmt.“ Askan seufzt.
„Heißt das, die erwarten von uns, dass wir hier nackt …?!“
„Nein, das nicht. Meistens behalten sie die Kleider an, sodass niemand etwas sieht. Dennoch muss es echt sein. Und es geht mindestens bis zum Höhepunkt des Königs.“
Ich atme tief durch. „Und wenn wir uns weigern?“
„Das hat noch nie jemand gewagt.“
Ich schließe die Augen und höre das Volk rufen. „Askan!Kyo! Aufsitzen!“
Unglaublich!
Ich wende mich an Askan. „Könntest du denn überhaupt?“
„Wenn du dich auf mich setzt? Wie könnte ich dann nicht?“
Jetzt muss ich doch lachen. Und ich weiß wieder, wieso ich ihn liebe.
Na schön.
„Wir nehmen die Wette an!“, rufe ich.
Augenblicklich wird es still. Und Askan ist mit Fassungslosigkeit dran. Ich weide mich kurz daran, dann nehme ich meinen Becher und erhebe mich. Einer der Diener mit der Weinkaraffe kommt bereits auf mich zu, ich gehe ihm entgegen und halte ihm den Becher hin. Er füllt ihn zur Hälfte, aber ich bin erst zufrieden, als der Becher randvoll ist. Dann trinke ich ihn in einem Zug leer, wische mit meinem Ärmel ab, was danebengelaufen ist, und drehe mich zur Tafel um. Dabei sehe ich kurz Sianas entsetzten Gesichtsausdruck und lächele ihr zu.
Nach einem Blick auf den Mann, der die Wette ausgerufen hat und mich neugierig beobachtet, gehe ich zurück zur Tafel. Neben Askan bleibe ich stehen, raffe meinen Rock hoch und ziehe die Unterhose aus, ohne dass irgendjemand mehr als meine Beine zu sehen bekommt.
„Willst du das wirklich tun?“, fragt Askan leise.
„Willst du kneifen?“
Er schüttelt den Kopf. Ich lege meine Unterhose auf die Tafel und stelle mich breitbeinig über seinen Schoss, mit dem Rücken zu ihm und das Gesicht dem Volk zugewandt, das erneut begeistert aufschreit. Den Blick starr auf die tobende Menge gerichtet, greife ich unter meinen Rock und öffne Askans Hose.
Er ist bereit.
Das Volk will also unterhalten werden. Na schön. Als Erstes kriegt es ein Lächeln von mir, ein vielsagendes Lächeln.
Bevor ich Askans Glied einführe, werfe ich einen Blick rechts und links auf die Leute an der Tafel. Sie starren uns alle wie gebannt an. Schließlich sehe ich kurz nach hinten zu Askan, dann wieder nach vorne und lasse sein Glied in mich hineingleiten. Das gelingt sehr leicht und ich spüre meine Erregung.
Das Volk schreit erneut auf, während Askan seine Hände auf meine Hüften legt und ich meine Hände auf die Tafel. Langsam bewege ich mich auf und ab. Doch dann merke ich, dass es mir so nicht viel bringt, und verlege mich darauf, den Unterleib kreisen zu lassen. Das Volk belohnt mich mit einem erneuten Aufschrei, dann beginnt es zu klatschen. Im Rhythmus meiner Bewegungen.
Ich spüre Askans Erregung, als ich schneller werde. Auch meine steigt. Und obwohl ich immer noch in die Menge schaue, sehe ich die Menschen nicht mehr. Von meinem Unterleib breitet sich die bereits bekannte Hitze aus, und zwar unglaublich schnell. Askans Glied pulsiert immer stärker in mir, dann packt er mich fester und hat seinen Höhepunkt. Ich presse meinen Unterleib gegen ihn und spanne mein Becken an, dadurch komme ich auch fast zeitgleich.
Als ich wieder klar denken kann, ist es still. Meine zu Fäusten geballten Hände liegen immer noch auf der Tafel, ich auch fast. Langsam richte ich mich auf und lehne mich gegen Askan, sehe ihn lächelnd an.
„Eine interessante Tradition, findest du nicht auch? Wir sollten sie unbedingt beibehalten.“
„Du bist unglaublich, Wildkatze“, erwidert er sehr leise.
Statt einer Antwort erhebe ich und steige auf den Tisch. Allerdings knöpfe ich vorher seine Hose zu, bevor das Volk noch etwas zu sehen bekommt, was nur mir gehört. Dann gehe ich betont langsam und immer noch bei vollkommener Stille zu dem, der gewettet hat, und bleibe vor ihm auf dem Tisch stehen.
Er starrt mich ziemlich ungläubig an. Wahrscheinlich kann er genau riechen, dass alles echt war. Soll er ruhig.
Ich gebe ihm mit dem Zeigefinger ein Zeichen, dass er auch auf den Tisch klettern soll. Als er vor mir steht, umarme ich ihn und bringe den Mund ganz nah an sein Ohr.
„Wage es niemals wieder, den König und mich so zu provozieren“, flüstere ich lächelnd. „Hast du das verstanden?“
Als er nickt, sage ich „Gut“, lasse ihn los und drehe mich um.
Mit nach oben gestreckten Armen rufe ich ins Volk: „Lasst uns feiern!“
In dem aufbrausenden, ohrenbetäubenden Lärm, in den sich auch Musik mischt, gehe ich, immer noch auf dem Tisch, zurück an meinen Platz und klettere auf meinen Sitz. Dann halte ich den Weinbecher über meinen Kopf. Schon einen kurzen Augenblick später füllt er sich.
Randvoll. Der Diener ist lernfähig.
Ich trinke den Becher leer und schaue danach den König an. „Eine schöne Num. Ich habe mich prächtig amüsiert. Es gab auch heftige Momente bei den Hinrichtungen, aber insgesamt war es eine richtig schöne Num!“
„Es freut mich, dass dir das Stadtfest gefallen hat“, erwidert er lächelnd. „Was hast du dem Fürsten gesagt?“
„Dass er es niemals wieder wagen soll, dich und mich so zu provozieren.“
„Oh, oh“, meint der Minister neben mir. „Askan, sieh dich bloß vor!“
Dieser lacht. „Ich wusste ja vom Anfang an, worauf ich mich einlasse. Bis jetzt hat sie mich nicht enttäuscht.“
„Ihr wisst schon, dass ich genau zwischen euch sitze?“, erkundige ich mich.
„Das ist nicht zu übersehen“, antwortet Askan.
„Gut. Dann redet nicht über mich, als wäre ich gar nicht dabei. Und jetzt, mein liebster König, gehe ich tanzen!“ Ich küsse ihn aber erst. Lange und innig. Sollen doch ruhig alle was zu sehen haben. Ab heute gelten neue Regeln hier! Mich hat ja auch niemand gefragt.
Danach klettere ich über die Tafel und tauche dann in die Menge ein. Shaka, Mauka und Siana gesellen sich zu mir, was gut ist, denn ich brauche Hilfe bei den meisten Tänzen. Bald stelle ich fest, dass mein Körper das Tanzen liebt. Ich passe mich mühelos dem Rhythmus an und lasse die Musik durch mich fließen. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht.
Der Dunkelgong ist schon viele Quons her, als wir ins Schloss zurückfahren. Der Tanz und der Wein sorgen dafür, dass ich es gerade so schaffe, mich gemeinsam mit Askan in unser Schlafgemach zu begeben. Siana und er ziehen mich aus, dann verabschiedet sich Siana und Askan legt sich zu mir.
Beim Einschlafen fällt mir dann ein, dass ich doch einige Dinge mit ihm besprechen wollte und beschließe, das auf morgen zu verschieben.

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