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Leseprobe: Nietzsche nackt

Nietzsche nackt

Über den Schreibtisch gebeugt, die Füße weit auseinander gestellt, beginne ich Nietzsches ‚Antichrist‘ zu lesen.
Der Text handelt von Macht und Ohnmacht und turnt mich ebenfalls an, genauso wie die flüchtigen Berührungen seiner Hände, die mich abwechselnd streicheln und schlagen oder sich wie düstere kleine Tiere verwirrend in meine Scham verkriechen. „Was ist gut?“, lese ich zögernd. „Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht.“ „Was ist schlecht? Alles, was aus der Schwäche stammt.“ „Was ist Glück? – Das Gefühl davon, dass die Macht wächst, dass ein Widerstand überw-w-wunden wird …“ Ich stottere. Herrgott, ich stottere nicht!, herrsche ich mich an. Seine Hand quetscht sich wieder in meine Votze. Und schon wieder: „Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht, nicht Friede überhaupt, sondern Krieg; n-n-nicht Tugend, son-sondern Tüchtigkeit …“ Die Worte verhaken sich in einem Nichtdenken, die Mechanik setzt aus. Ich setze erneut an: „Die Schwachen und Mißratenen* sollen zugrunde gehen: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.“
Plötzlich huscht ein Gedankenfetzen an mir vorüber, kaum greifbar: Es ist doch ein Wille zur Macht, aber einer zu einer Ohnmacht gegenüber einem, dem ich alle Macht übergeben will.

 

* Hinweis: Die Zitate im Buch sind in der Originalfassung, und folgen somit den Regeln der alten Rechtschreibung.

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Leseprobe: Nietzsche nackt

Nietzsche nackt

Hennes und Tom begeistern mich als Wichsfantasie noch ne ganze Weile. Tom will ich wiedersehen, suche mehrmals seine Nähe, versuche ihm zu zeigen, dass ich gern mehr will. Aber er lässt mich jedes Mal abblitzen. Desinteresse pur. Absolut arrogant. Macht mich ja irgendwie noch spitzer, aber so’n Rest Stolz hab ich unter all der Geilheit ja auch noch verkramt. Ich zieh mich also zurück. Bleib ein paar Wochenenden zu Haus mit der Glotze und den Skripts und mache zur Entspannung noch mehr Sport. Die Kränkung sitzt tief. Benutztwerden ist halt doch nur geil, wenn ich das so will, und nicht, wenn es einfach so passiert.

Will mich bei Florian ausheulen, aber der hört nicht zu. Hat wieder Probleme mit seiner Kathrin oder Katja oder Katharina, wie auch immer, seine aufgetakelten Tussies fangen immer mit ‚Kat‘ an, sind klein, zierlich und dunkelhaarig und sehen sich ähnlich. Er ist viel unterwegs, um das immer gleiche Muster beständig wiederholen zu können. Erstaunlich, dass er sich noch immer sträubt, es wahrzunehmen. Wie seine Neigung, die Beziehung zu zerstören, sollte sich denn eine anbahnen. Jedes Mal wieder runderneuert Flo seine liebe Naivität, scheint erstaunt vor lauter Glück, verliebt bis zur letzten Faser seiner primären Geschlechtsorgane. Ob es überhaupt noch dieselbe ist, wage ich nicht zu fragen. Er wäre aufs Tiefste gekränkt, dass ich seine infantilen Vorstellungen vom Zusammensein nicht wirklich zur Kenntnis nehme. Also, nicht mehr. Hab ich anfangs schon. Ab und an genickt und so. Aber es machte ja keinen Sinn etwas dazu zu sagen, weil er eh nichts hören will. Jetzt wünschte ich, er würde denselben Anstand besitzen mich wenigstens reden zu lassen. Egoist. Es wird länger dauern, dass ich Lust bekomm, mich wieder bei ihm zu melden. Kapieren tut er das aber auch nicht.

Nach der Auszeit bin ich noch lange genervt von allem und jedem und gehe nur noch allein aus. Ich muss aber aus dem Tief raus und versuch es mit der üblichen Tour. Wer vom Gaul fällt, muss so schnell wie möglich wieder aufsitzen, da geht nichts dran vorbei. Also trink ich mich in Laune und zieh dann von Tresen zu Tresen. Da sitzen sie also, die reifen Trauben, bereit, mitgenommen zu werden, oder besser: mich mitzunehmen. Männer sind da empfindsam. Wenn ich mich ihnen zu offensiv nähere, ziehen sie den Schwanz ein. Ein Weibchen, das sich seinen Partner aktiv sucht, da träumen zwar einige von, aber kaum einer hält dem wirklich stand. Ich muss also indirekter vorgehen. Wie in der hohen Minne, so kunstvoll stricke ich ein Netz aus Blicken und gespielten Hilflosigkeiten, biete ich Gelegenheiten dar und ermuntere kaum merklich lächelnd dazu, sie zu nutzen.

Mancher Mann braucht trotzdem zu lang, bis er sich traut. Was hast du denn bloß zu verlieren, denke ich nach ner Weile genervt im Habermeyer. Ich fresse ja niemanden und komme mit der Frage nach einer Zigarette schon zu ihm, der innerlich zu zittern scheint wie die Finger meines Hausmeisters während der ersten Drinks am Morgen. Aber auch das ist dem Kerl heut nicht genug, um aus sich heraus zu kommen. Ich krieg schlechte Laune. Tun einen auf Mann, aber sind kleine, schwächliche Kriecher, allesamt. Beschließe, ich hätt mich genug nackig gemacht ohne aktive Reactio und verpiss mich lieber. Bei so nem Abbruch wegen Time-Out guck ich mich lieber woanders um. Am selben Ort in ne andere Richtung dieselbe Tour zu fahren ist zwar möglich und zeugt von Kunstfertigkeit, wenn man das Aufreißen als eine ästhetische Herausforderung sportlicher Natur sieht. Aber es fällt eben irgendwie auch unter ‚bad taste‘.

 

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