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Leseprobe: fabian – in memoriam. eine erzählung über selbstverletzendes verhalten

TRIGGERWARNUNG

Fabian in memoriam

Kurz tippte sich Fabian mit dem schwarzen Kuli an das Kinn, als er darüber nachdachte, wie er seine Gedanken in Worte fassen konnte. Und als er glaubte, die richtigen Worte gefunden zu haben, setzte er den schwarzen Kuli an und begann zu schreiben.
Viel zu häufig dachte er daran, dass das Leben zu eintönig war. Immer und immer wieder geschah das Gleiche. Es war ein wenig wie der Rhythmus von Tag und Nacht, der unveränderlich war. Und diese Gleichförmigkeit war es, die ihn nun wahnsinnig zu machen drohte: Er lernte jemanden kennen, verbrachte Zeit mit ihm, kroch irgendwann aus seinem Schneckenhaus, nur um wieder zur Schnecke gemacht zu werden. Warum nur verstand ihn niemand?
Marc sollte anders sein. Das hatte er gehofft. Na ja, ein wenig jedenfalls. Aber wenn er ehrlich war, hatte er von Anfang an gewusst, dass auch diese Freundschaft wieder in die Brüche gehen musste, dass es keinen Sinn hatte, dass er die Mühe nicht wert war. Wie jeder andere zuvor verstand auch Marc nichts von dem, was Fabian ihm sagte. Und Fabian fragte sich, ob es Marc überhaupt interessierte, was Fabian dachte oder tat. Er fühlte sich ungerecht behandelt, verstand nicht, warum das Leben ihn derart hasste, ihn derart verachtete, ihn auslachte und einen Scherz mit ihm machte. Vielleicht fehlte ihm aber auch nur der Sinn für das Komische …
Fabian war am Ende seiner Kräfte. Er hatte sich so oft aufgerappelt, es so oft wieder und immer wieder versucht. Und wofür? Lange würde er das nicht mehr aushalten. Es wurde Zeit, es zu beenden. Bald … bald würde es zu Ende sein … Bald würde alles zu Ende sein.
Fabian nahm den roten Kuli zur Hand, so dass sich die folgende Zeichnung von der schwarzen Schrift darüber deutlich abheben konnte. Was genau er malte, wusste er selbst nicht. Aber er musste nachdenken. Nachdenken über die Welt, über die Ungerechtigkeit, die Hoffnungslosigkeit. Immer wieder nachdenken. Das Schlimme am Nachdenken war nicht, dass er überlegen musste, sondern dass er überrannt wurde. Dutzende Gedanken gleichzeitig. Hunderte! Alle zu einem einzigen Augenblick. Nachdenken, Nachdenken, Nachdenken. Er konnte nichts anderes. Das Denken übermannte ihn, erschlug ihn, bis sein Leben nur noch ein Gedanke war. Ein einzelner, einsamer Gedanke.
Er ließ seine Hand über das Papier gleiten, als wäre sie ein eigenständiges Lebewesen, als bräuchte sie kein Gehirn, das ihr sagte, was sie tun solle. Er überließ sie ganz einem ungekannten Eigenleben, das er einfach willenlos zuließ. Und er schloss die Augen. Er wollte nicht sehen, was seine Hand produzierte, was sie schuf. Ob sie darüber nachdachte?
Er spürte den Kloß in seinem Hals, spürte, wie er immer stärker und größer wurde. Es schmerzte beim Schlucken. Es erschwerte das Atmen. Und es war ihm, als würde alles aus dem tiefsten Inneren seines Körpers aufsteigen, als würde es in die Höhe schießen wie das heiße Wasser eines Geysirs, als wäre alles, was er in sich hatte, nun am Aufsteigen, am Emporkriechen, unaufhaltsam, erbarmungslos, tödlich. Und er war dem hilflos ausgeliefert. Er konnte nicht fliehen. Konnte es nicht. Wohin denn auch fliehen? Wohin hätte er gehen sollen? Alles in ihm schrie nach einem Halm, einem Ast, einem kleinen Finger. Doch sein Griff ging stets ins Leere. Er fand keinen Halt, strauchelte, wedelte heftig mit den Armen, fiel in die Unendlichkeit, die sich ihm eiskalt öffnete und ihn einhüllte, ihn umfing. Sanft. Endgültig.
Der Kuli fiel aus Fabians Hand, ohne dass er es merkte. Er atmete tief durch, doch sein Puls wollte sich nicht beruhigen, der Kloß sich nicht lösen. Er war ein in die Ecke getriebenes, gejagtes Beutetier, das keinen Ausweg mehr hatte. Er war der hungernde, durstende, schlaflose Prometheus, festgekettet an einem Felsen über einem Abgrund, und der Adler Ethon näherte sich ihm, um erneut seine Leber zu verspeisen und sich an seiner ewigen Pein zu laben!
Immer stärker und stärker wurden die Gefühle, wurde der Drang, bis er schließlich keine Kontrolle mehr hatte. Hektisch, fast panisch zerrte er die Schublade seines Schreibtischs auf, die keine Beschriftung hatte, griff hinein und kramte wie wild darin herum. Der Kloß in seinem Hals wurde gewaltiger, schmerzhafter. Er keuchte, wusste nicht, was er tun sollte, schlug mit der Faust auf den Tisch, doch er spürte es kaum. Er fluchte, suchte panisch weiter und endlich zog er das aus der Schublade, was er gesucht hatte. Er legte es neben sich auf den Tisch, verschloss die Tür seines Zimmers und zerrte an seinem Ärmel, bis sein Unterarm unbedeckt war. Der Anblick, der sich ihm bot, beschämte ihn. Es war wie ein Mahnmal, von dem er tausende Geschichten erzählen konnte, eine Erinnerungsstätte an Zeiten voller Schmerz, voller Trauer und Hoffnungslosigkeit. Hier die Sache aus der fünften Klasse, da das am Kiosk, hier die Geschichte aus dem Physikkurs und dieses war während eines Nachhausewegs von der Schule gewesen. Dort, ein ehemaliger Freund, da seine Familie. Alles und jeder hatte seinen Platz gefunden. Dies war seine fleischgewordene Vita.
Wie im Traum griff er zu dem glänzenden Etwas neben sich, spürte seine Kälte, sah seinen tödlichen Glanz, und setzte es an seinem Unterarm an. Dort, wo noch eine Stelle frei war. Viel Platz war nicht mehr. Bald musste er auf sein Bein ausweichen.
Er zögerte, wie er es immer tat. Er wusste, dass sich dadurch nichts ändern würde. Er wusste, dass es weitergehen würde. Er wusste, dass es wieder und immer wieder passieren würde. Er war und blieb eine Marionette des Lebens.
Fabian atmete erneut durch. Nein, es ging nicht anders. Er musste es tun. Er musste einfach! Er wusste, was folgen würde. Er wusste es so gut! Er kannte es! Und genau deshalb konnte er es nicht verhindern. Ein innerer Drang, eine unbeschreibliche Sehnsucht, eine unerfüllte Liebe. Alles in ihm schrie danach, ein Schrei aus tausend Kehlen, gebündelt, potenziert und so gewaltig. Eine kleine Faser seines Körpers versuchte ihn aufzuhalten. Tu es nicht! Es wird niemals enden! Niemals? Niemals! Und genau deshalb hatte er keine Wahl. Niemals hatte er eine Wahl! Die Würfel waren gefallen.

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Leseprobe: Kein menschlicher Makel – weder gestern noch heute

Kein menschlicher Makel

Ruths Augen sind eine einzige brennende, verzweifelte Frage, doch ihre Stimme klingt unbeteiligt, monoton, so, als ob ein anderer, nicht sie selbst spräche. Nur in ihren Augen spiegelt sich die ganze innere Erregung wider. „Es ist … ein furchtbarer Druck …“, sie sucht mühsam nach Worten, „… eine Spannung …, die mich innerlich zerreißt …, ich möchte weinen, schreien …, ich kann aber nicht. Mir ist, als sei eine Tür in meinem Innern zugefallen. Nichts kann mehr nach außen dringen. Manchmal gehe ich stundenlang spazieren, laufe, renne, nur um diesen Druck loszuwerden. Aber ich kann ihn nicht loswerden. Er ist immer da. Ich bin ihm ausgeliefert.“ Sie starrt vor sich hin. Ihr Blick geht ins Leere. „Ich habe Angst“, sagt sie schließlich stockend und etwas atemlos. „Angst, etwas falsch zu machen; Angst, mich zu verspielen; Angst, mich zu blamieren. Angst! Mein Herz schlägt wie rasend, meine Hände zittern. Ich komme nicht dagegen an.“ Ruth schweigt. Ihre Stimme versagt. Als sie weiterspricht, versucht sie, ihre Fassung wiederzugewinnen. „Es beginnt schon mitten in der Woche. Ich kann nicht schlafen. Ich fühle mich einer quälenden, inneren Unruhe ausgesetzt. Bis zum Sonntag steigert sich dieser Zustand. Dann kommt die Angst. Ich verstehe das nicht! Ich kann es mir nicht erklären! Ich habe es mir doch so gewünscht …, die Orgel ist so ein herrliches Instrument …, es war mein größter Wunsch, da oben zu sitzen und zu spielen … Ich begreife es nicht!!“, bricht es schließlich aus ihr heraus. Gedämpft klingen Straßengeräusche in die Stille des Zimmers: Motorenlärm, das Hupen von Autos, Hundegebell, das Rufen und Lachen spielender Kinder. Durch das Fenster fällt ein Strahl der Märzsonne und malt ein Muster aus Licht und Schatten auf den Parkettfußboden.
Nachdenklich lehnt Ruth sich im Sessel zurück. „Es muss 1939 gewesen sein, kurz vor dem Krieg, im Sommer. Mein Vater war aus dem Konzentrationslager zurückgekommen. Meine Mutter machte mit uns allen einen Ausflug an einen See in der Nähe. Ich sehe ganz deutlich vor mir, wie wir auf einer Terrasse am Seeufer sitzen. Meine Eltern haben jeder ein Getränk in einem hohen Glas vor sich stehen, wir Kinder essen Eis. Es ist warm, die Sonne glitzert auf dem Wasser. Der Duft der Rosen weht zu mir herüber. Die Menschen in hellen, fröhlichen Kleidern lachen und freuen sich an diesem schönen Sommertag. Plötzlich ist mir, als ob ein grauer Schleier sich über die Sonne legt. Ihr Licht wird matt und kraftlos. Der Schleier wandert weiter und legt sich über alles: über das Wasser, die Blumen, das fröhliche Treiben ringsum. Alle Farben verlieren ihre Leuchtkraft, sie sind wie gebrochen. Das Lachen verstummt. Eine tiefe Traurigkeit geht durch mich hindurch. Ich begreife nicht, dass die Menschen fröhlich sein können. Das Leben ist reduziert, als ob ein Hauch des Todes es streift. Mir ist es zumute, als ob irgendetwas gestorben wäre, das, was dem Leben Kraft und Fülle gibt. Es ist nicht mehr da. Tot. Wie kann man weiterleben? Dieser Zustand hielt den ganzen Tag an. Ob meine Eltern es bemerkt haben? Sie haben nichts gesagt. Sie hatten ihre Sorgen. Als ich am nächsten Morgen zur Schule ging, war alles wie immer.“
Ruth denkt über dieses ‚wie immer’ nach. Es legt sich lähmend über ihr Denken und Fühlen, so wie es in ihrer Kindheit und Jugend alles gelähmt hat: alle Freude, allen Mut, Spiele, Freundschaften und Tätigkeiten. Dieses ‚wie immer’ war für sie ein unfassbarer Druck, der aus dem Unbestimmten kam; eine Angst vor etwas, was eintreten könnte, aber sie wusste nicht genau, was es war. Eine Atmosphäre, die Geheimnisse barg und die Ahnung von etwas Grauenvollem.
Unvermittelt sieht Ruth ein langgestrecktes, zweistöckiges Gebäude mit einem Walmdach vor sich. Ist es aus gelblichem Sandstein gebaut? Das weiß sie nicht mehr so genau. Aber ein helles Gelb ist in ihrer Erinnerung die beherrschende Farbe. In der Mitte der Fassade ist eine große Flügeltür, rechts und links davon Fensterreihen, den Stockwerken entsprechend. „Die Mittelschule, die ich sechs Jahre besucht habe, ich sehe sie vor mir … wie damals … Das Gebäude selbst liegt etwas zurück von der Straße, davor ist ein gepflasterter Hof. Links auf dem Hof befindet sich ein Fahnenmast. Zwei Jungen aus der obersten Klasse, 16 oder 17 Jahre alt, stehen an dem Mast und halten eine rote Fahne mit dem Hakenkreuz in den Händen, die an einer Seite schon an der Schnur festgemacht worden ist, mit der sie gleich hochgezogen werden soll. Alle Kinder der Schule sind in Viererreihen im Viereck um den Hof herum angetreten. In Reih´ und Glied stehen sie still. Die Jungen balgen sich nicht, die Mädchen schwätzen nicht. Sie stehen wie kleine, ernsthafte Soldaten. Alle sind in HJ-Uniform.“ Die Erinnerungen erfüllen Ruth plötzlich mit einer schmerzhaften Klarheit.
„Alle tragen sie ihre schwarzen Hosen oder Röcke, die weißen Blusen, die braunen Jacken und das schwarze Halstuch mit dem braunen Lederknoten. Nur ich, ich bin anders gekleidet. Ich darf die Uniform ja nicht tragen, ich gehöre nicht dazu. Ich weiß noch genau, was ich damals fühlte. Ich wollte mich am liebsten davonschleichen und irgendwo verstecken, nur nicht dort stehen müssen als eine Gebrandmarkte, Ausgestoßene: Sehen sie nicht alle zu mir hin, mit einem höhnischen Grinsen?“
Ruth kämpft gegen ihre innere Erregung an. Im Zimmer ist es still. Aus der Ferne klingt das Lied der Amsel herüber. Nach einer Pause fährt sie, nun ruhiger geworden, in ihrer Erzählung fort.
„Es ist der erste Tag nach den Ferien, die Schule beginnt wieder. An dieser Schule ist es üblich, vor Unterrichtsbeginn die Fahne zu hissen. Der Direktor – von uns Schülern Direx genannt – steht in der Mitte des von den Jungen und Mädchen gebildeten Vierecks. Er ist groß und von kräftigem Körperbau, sein Bauch ist etwas zu dick. Er hat seine SA-Uniform angezogen. Der Direx heißt mit Vornamen Adolf. Er ist sehr stolz darauf. Ob er sich den Namen selbst gegeben hat? Als er getauft wurde, war doch von Adolf Hitler noch keine Rede. Er ist ein linientreues Parteimitglied, ein Zweihundertprozentiger, wie Mutti und Oma sagen. Die übrigen Lehrer stehen bei ihren Klassen. Es sind noch ein oder zwei Lehrer auch in SA-Uniform angetreten, die übrigen Lehrer und Lehrerinnen tragen Zivil.
Die Zeremonie beginnt: Der Direx hebt den rechten Arm zum Hitlergruß und schreit: ‚Heil Hitler!’ Alle ungefähr 300 Jungen und Mädchen sowie die Herren und Damen vom Lehrerkollegium heben ebenfalls den rechten Arm und antworten exakt im Chor: ‚Heil Hitler!’ Der Direx kommandiert: ‚Der Kernspruch der Woche!’ Ein Junge aus der 5. Klasse tritt vor und deklamiert laut: ‚Die deutsche Jugend sei zäh wie Leder, flink wie Windhunde und hart wie Kruppstahl.’ Der Kernspruch der Woche ist immer an der Eingangstür angeschlagen. Man muss ihn wissen und aufsagen können. Dieses Wissen wird im Unterricht oft unverhofft kontrolliert. Meistens ist es ein Satz aus den Reden Adolf Hitlers. Wieder erhebt der Direx seine Kommandostimme: ‚Die Fahne – hoch!’ Die beiden Jungen, die am Fahnenmast stehen, ziehen langsam die Hakenkreuzfahne hoch. Alle übrigen, Schüler, Lehrer und der Direx in der Mitte, heben wieder den rechten Arm und singen zuerst das Deutschlandlied und dann das Horst-Wessel-Lied. Als der Gesang geendet hat und die Fahne am Fahnenmast weht, schreit der Direx mit noch erhobenem Arm: ‚Unserem geliebten Führer Adolf Hitler – ein dreifaches ‚Sieg Heil!’ ‚Sieg Heil!’ antwortet es im Chor. ‚Sieg Heil’, ‚Sieg Heil’, ‚Sieg Heil’, ‚Sieg Heil!’ erklingt es im Wechsel. Dann ist die Zeremonie zu Ende. Die Schüler gehen in geschlossenen Gruppen, so wie sie angetreten waren, in ihre Klassenräume. An jedem ersten Schultag nach den Ferien, jedem letzten Schultag vor den Ferien und zwischendurch bei besonderen Gelegenheiten immer wieder diese Szene. Ein Spießrutenlaufen für mich: Das Gefühl des Ausgestoßen-, des Abgelehnt-, des Gezeichnet-Seins, als ob ich irgendeinen Makel an mir hätte, nicht wert sei, zur Gemeinschaft zu gehören.“
Ruths Augen füllen sich mit Tränen. Dieses Gefühl hat ihr späteres Leben immer wieder belastet, ihre Kontakte zu anderen Menschen, Freundschaften und ihren beruflichen Weg. Es war stets gegenwärtig, bei allem, was sie tat, ein Erbe aus vergangener Zeit.

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Leseprobe: fabian. in memoriam. eine erzählung über selbstverletzendes verhalten

Fabian in memoriam

Wieder einer dieser Tage. Fabian legte den Brief, den er in der Schule bekommen hatte, auf den Esstisch. Seine Eltern würden ihn dort finden, wenn sie nach Hause kamen. Er wusste, was dann passieren würde. Er wusste es. Es war immer das Gleiche.
Langsam, mutlos und niedergeschlagen ging er nach oben in sein Zimmer. Es war nicht sonderlich groß. Sein altes, größeres Zimmer hatte er seiner jüngeren Schwester überlassen müssen, als sie sich dies zum Geburtstag gewünscht hatte. Sie hatte sich vor ihre Eltern gestellt, einen unschuldigen Blick aufgelegt und zwei- oder dreimal die Wimpern bewegt. Wimper klimper. Ganz plötzlich. Ohne Vorwarnung. Sie hatte Fabian an einen kleinen Hund erinnert, an einen Köter, der um Fressen bettelte und dabei winselte. Wie der von der alten Dame aus der Nachbarschaft. Dieser kleine, verdammte Kläffer. Fabian mochte keine Hunde.
Trotzdem hatte er alle seine Sachen in dem kleinen Zimmer, das eher einem Verschlag ähnelte, unterbringen können: den alten Schreibtisch, bei dem eine der beiden Schubladen kaputt war, das Bett, dessen Matratze völlig durchgelegen war, den alten Kleiderschrank, den bereits seine Großmutter benutzt hatte, und das große Bücherregal, auf dem nicht einmal genug Platz für seine Bücher war.
Und wie so oft, wenn er nach Hause kam, ging er auch heute wieder zum Regal und schaute sich die zahlreichen Buchtitel an, die ihn mit farblich unterschiedlich bedruckten Buchrücken ansahen. Viele Bücher standen hier, die er sich aus eigenem Interesse gekauft hatte. Einige hatte er auch von der Schule zu lesen bekommen. Aber das war der kleinere Part. Er hasste es, zum Lesen gezwungen zu werden. Wer sagte denn, dass er nicht auch ohne Zwang irgendwann zu einem dieser Bücher gegriffen hätte, die durch die didaktisch ausgeklügelten Lehrpläne als verbindliche Unterrichtsinhalte angesehen wurden? Wer sagte, dass er sich nicht auch so dafür interessiert hätte? Und wer wagte es, ihm vorzuschreiben, für was er sich zu interessieren hatte? Schulische Entmündigung war ihm zuwider. Leider blieb ihm als Schüler nichts anderes übrig, als damit zu leben.
Trotzdem hatte er alle Bücher, die er besaß, bereits mehrfach gelesen. Selbst solche, die ihm nicht so gefielen. Und selbst die, zu denen er gezwungen worden war. Das lag daran, dass es ihm schwerfiel, dies nicht zu tun. Es war für ihn wie ein innerer Drang, immer wieder das Papier zu fühlen und die Worte zu lesen, sich fallen zu lassen und in einer Vorstellung zu treiben, die ihm so notwendig erschien. Er war diesen Büchern ausgeliefert, wie ein Lebewesen, das einen Wirt brauchte, um zu leben, das zum Tode verurteilt war, wenn es keinen Wirt besäße. Und dafür war er ihnen dankbar, einfach unendlich dankbar.
Er strich fast zärtlich über die Einbände, fühlte das geknickte, benutzte Papier und glitt mit den Fingern beschwörend über die Bücher. Eines nach dem anderen erfühlte er und die Geschichte eines jeden kam ihm in den Sinn. Es war so, als könne er die Bücher allein durch die Berührung erneut lesen. Und mit den Geschichten kamen auch seine Gefühle wieder, geschichtenspezifische Gefühle, die so wechselhaft waren, dass er nicht einmal die Zeit fand, über jedes Gefühl nachzudenken und es auszudrücken. Es war nicht wirklich ein Gefühl, es war eher der Hauch eines Gefühls, eine Ahnung, eine Idee, die einen kurz erfreute oder schmerzte, kurz traurig stimmte oder auflachen ließ, etwas, was man kaum zu greifen vermochte, bevor es, vom Sand der Zeit erfasst, bereits wieder vergehen musste.
Fabian hielt bei seinem Lieblingsbuch inne und liebkoste es wie einen Schatz, den es vor unzähligen Gefahren zu hüten und zu beschützen galt. Er ertastete jede Unebenheit des Umschlags, spürte Knicke, spürte den Falz, besah sich das geschundene Material und lächelte wehmütig. Ein Zeugnis des hochfrequenten Gebrauchs dieses Buches.
Sein Vater hatte ihm bereits vor Jahren geraten, die Bücher wegzuschmeißen. Es würde nicht passen, dass ein Junge in seinem Alter so viel lesen würde. Nein, eigentlich würden Jungen generell nicht lesen. Das würden nur Mädchen tun. Und um die sollte er sich doch endlich einmal kümmern! Oder sei er etwa schwul? Wie auch immer: Er solle das verdammte Lesen sein lassen, sonst würde er die Bücher selbst irgendwann einfach wegschmeißen! Immerhin sei er sein Sohn und als sein Sohn solle er gefälligst tun, was man ihm sage! Zu seiner Zeit, damals, da hätte es das nicht gegeben! Er hätte mit seinen Klassenkameraden die Bücher, die sie in der Schule hatten lesen müssen, verbrannt, kurz nachdem sie ihren Abschluss in der Tasche gehabt hatten! Sie hätten das Papier zum Anzünden des Grills benutzt und ein gutes Stück Fleisch darauf gebraten. Immerhin hätte man ja das Ende der Schulzeit feiern wollen! Da sei das Buch wenigstens zu etwas nützlich gewesen!
Fabian seufzte. Zu oft musste er an diese Worte denken. Und jedes Mal fühlte er sich schlecht dabei, denn das war falsch. Die Worte beschämten und schmerzten ihn. Sie erinnerten ihn an vergangene, historische Gegebenheiten, die so nie wieder geschehen durften! Erst recht nicht in einem verdammten Grill auf dem Schulhof!
Fabian stellte das Buch wieder dorthin, von wo er es hervorgeholt hatte und griff in das oberste Fach des Holzregals, das sich unter der Last bedrohlich nach unten bog. Er schob einige Bücher hin und her und ertastete schließlich das, was er gesucht hatte. Schnell zog er es heraus. Er hatte ein Buch in der Hand, das in schwarzes Leder eingebunden war. Es sah stark abgegriffen aus. Der Einband hatte Risse, Unebenheiten, Schmutzflecken, und es wirkte fast so, als hätte die starke Benutzung des Buches den Titel, der auf dem Einband gestanden haben musste, einfach getilgt. Doch Fabian wusste, dass dieses Buch noch nie einen Titel geführt hatte. Es gab keinen. Vielleicht würde er ihm irgendwann einen geben, doch noch war nicht die Zeit dazu. Noch war es nicht beendet, ein unbeendetes Werk, ein Fragment, das keinen Titel verdiente.
Er ging zu seinem Schreibtisch, betätigte die kleine Lampe, die nur ungenügend Licht spendete und schlug das Buch auf. Die ersten Seiten waren leer, unbedruckt und unbeschrieben. Fabian hatte sie freigelassen, da in gedruckten Büchern auf diesen Seiten der Autor stand, der Titel, der Verlag, der es gedruckt hatte, eine Jahreszahl, einige Hinweise zum Copyright. Das alles gab es bei diesem Buch nicht. Und erst nach einigem, zielstrebigem Blättern fand er die erste beschriebene Seite. Wie immer, wenn er dieses Buch anschaute, so war er auch dieses Mal wieder erstaunt darüber, dass seine Schrift bei jedem Eintrag anders aussah. Nicht, dass man sie nicht hätte erkennen können. Ein Paläograf hätte sofort erkannt, dass Fabian derjenige war, der in dieses Buch geschrieben hatte. Daran bestand kein Zweifel. Die einzelnen Buchstaben schrieb er charakteristisch und selbst wenn er sich ernsthaft Mühe gegeben hätte, sie möglichst stark zu entfremden, hätte man im Notfall seine Handschrift erkennen können. Und trotzdem gab es Abweichungen zu seiner normalen Handschrift. Leicht zittrig hatte er geschrieben, teils etwas unordentlich, manches durchgestrichen, anderes ergänzt. Wenn dies seine Grundschullehrerin gesehen hätte, wäre ihr Kommentar wohl wie folgt gewesen: „Fabians Schriftbild ist unsauber und unregelmäßig. Aber er hat sich stets bemüht.“ Der letzte Satz war immer der entscheidende. Das war auch in Büchern oft so. Wer das Ende zuerst las, verdarb sich den Anfang.
Fabian blätterte weiter. Er sah Zeichnungen, die er mit rotem Kuli gemalt hatte, schwarze, unregelmäßige Textabschnitte, die einem Tagebucheintrag gleichkamen – aber ohne dieses „Liebes Tagebuch …“, das fand er doof – und Texte in Versform, Lyrisches also, das seinem kranken Hirn entsprungen war, wie er so gern sagte. Pseudoliterarische Gedanken. Als Gedicht wollte er sie nicht bezeichnen. Nein, Gedichte schrieben nur jene, die es verstanden, solche zu schreiben. Sie wussten viel über Metrik, über Reimformen, über die Wohlgeformtheit von Wörtern, über die Ästhetik der Kunst. Er hatte nur seine Gedanken niedergeschrieben, das, was ihn bewegte, was er fühlte, das, was aus seiner Hand sprudelte, ohne dass er es verhindern konnte. Er hatte ein Ventil geöffnet und den Inhalt einfach herausfließen lassen. Er hatte es schöner gefunden, Verse zu verwenden. Sie waren so schön kurz und kompakt. Er wollte es schön schreiben, so, wie sie es im Mittelalter gemacht hatten. Die Minnesänger beispielsweise. Sie hatten auch schön geschrieben, denn damals galten Texte in Versform als schön. Zudem hatte er das Gefühl, dass er das, was er normalerweise in einem sehr langen Text hätte ausführlich beschreiben müssen, in wenigen Versen unterbringen konnte. Vielleicht kam daher der Name? Gedicht – dicht, etwas verdichten. Etwas gedichten? Etwas zu einem verdichteten Ge machen? Komprimieren. Warum nicht Gekomprimiert? Oder Gekurz? Geprägnant? Nein, Gedicht hieß es. Gedicht. Ein komisches Wort. Gedicht, Gedicht, Gedicht. Es gab solch komische Wörter; sie klangen bei mehrmaligem Sagen einfach komisch. Gedicht, Gedicht, Gedicht … Napf, Napf, Napf. Futternapf … Komisch. Wer dachte sich so etwas nur aus?
Als er die erste leere Seite erreicht hatte, nahm er einen schwarzen Kuli zur Hand und schrieb.
Schon häufig hatte er über die Schule geschrieben. Darüber, wie ihn seine Mitschüler ärgerten. Darüber, wie er sich in der Schule fühlte. Und natürlich auch darüber, wie die Lehrer mit ihm umgingen.
Heute hatte er wieder einmal Ärger bekommen. Eine Lehrerin hatte ihn beschuldigt, in ihrem Unterricht nicht aufzupassen. Sie hatte ihn sogar beschuldigt, ihren Unterricht gestört zu haben. Dabei hatte er in der hintersten Ecke des Klassenzimmers gesessen und geschwiegen. Was hätte er denn auch sagen sollen? Oder zu wem? Fabian fühlte sich jedenfalls ungerecht behandelt. Egal, was in der Klasse passierte, immer war ER daran schuld. Fabian fragte sich, wie lange er das noch aushalten würde und ob er …
„Fabian!“
Eigentlich hätte er zusammenzucken müssen. Früher wäre er zusammengezuckt. Wenn der eigene Vater oder die eigene Mutter lautstark nach einem riefen, wenn sie geradezu nach einem schrien, dann zuckte man als Kind zusammen und demonstrierte so Respekt vor dem elterlichen Sprechorgan. Am besten wirkte es, wenn man einen langen Vornamen besaß. Dann wurden beim Schreien keine Abkürzungen benutzt. Niemand rief „Max!“ Nein, man rief „Maximilian!“, wenn es darauf ankam, wenn es die Situation erforderte. Eine situationsadäquate Vornamenaufzählweise. Interessant war es auch, wenn man mehrere Vornamen hatte: „Maximilian Theodor Friedrich Stephan Kurt! Komm sofort runter!“ Herrlich! Ob sich Eltern bei der Namensgabe des Kindes schon darauf einstellten, dass sie ihr Kind irgendwann anschreien mussten? Überlegten sie sich schon im Voraus, wie es wohl klang, wenn sie wütend aus der Küche oder dem Wohnzimmer traten, um in Richtung des kindlichen Zimmers lautstark nach dem Nachwuchs zu schreien? Wenn er, Fabian, ein Kind benennen müsste, dann würde er einen unglaublich langen Namen wählen, einen mit einer besonders kurzen und prägnanten Abkürzung. Einen gedichteten Namen sozusagen. Und dann würde er den Schrei üben, sodass er möglichst gemein herüberkam. Es war nämlich eine Kunst, so zu schreien, dass das Kind den sofortigen Drang verspürte, aufzuspringen und zu den Eltern zu eilen. Demütig. Unterwürfig. Sein Vater hätte es respektvoll genannt. Es musste einfach so sein, dass man das fürchtete, was folgen würde: Ärger, Hausarrest, diverse Verbote oder erzieherische Maßnahmen, deren Nutzen man für unsinnig hielt oder nicht verstand, die man aber trotz allem fürchtete. Mal ernsthaft: Was nützte es, das Kind aufs Zimmer zu schicken, wenn es einen Teller kaputt gemacht hatte? Was nützte es, Jugendlichen, die ihre Lehrer bedrohten oder verprügelten, 20 Stunden Sozialarbeit aufzudrücken, wovon sie dann doch nur 10 abhielten und die anderen 10 bezahlten? Was nützte es, dass Kinderschänder in Deutschland nur wenige Jahre Gefängnis erhielten und dann wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, um sich das nächste Opfer auszusuchen? Wenn er Richter wäre, würde er solche Schweine kastrieren lassen! Ab mit dem Ding! Alles andere war ja anscheinend nicht effektiv. Doch er war kein Richter und er war auch kein Kind mehr. Es war lange her, dass er das letzte Mal zusammengezuckt war, als seine Eltern nach ihm geschrien hatten. Heute war er davon nur noch genervt.
Fabian klappte das Buch unvollendeter Dinge zu, verstaute es wieder oben auf dem Regal und ging nach unten. Dort erwarteten ihn bereits seine Eltern.
Sein Vater hatte die Arme verschränkt, wie er es immer tat, wenn er eine Strafe verkünden wollte, und sah verärgert zu seinem anscheinend allzu missratenen Sohn. Seine Mutter fing wie wild an zu gestikulieren, als sie ihn sah und schrie ihn an.
„Was soll das schon wieder, Fabian?! Kannst du dir nicht einmal Mühe geben mit dem, was du tust? Jetzt ist schon wieder ein Brief von der Schule bei uns gelandet! Es hat einfach keinen Sinn mehr mit dir!“
„Deine Mutter hat recht. So geht es einfach nicht weiter! Entweder, du bewegst deinen Arsch und machst gefälligst mehr für die Schule, oder du kommst ins Heim!“, brüllte sein Vater. „Ich hab die Schnauze voll, verdammt! Du bekommst Hausarrest! Und jetzt geh auf dein Zimmer, ich will dich heute nicht mehr sehen!“
Fabian folgte der strengen Geste, die nach oben zeigte, drehte mitten auf der Treppe um und ging wieder nach oben, obgleich er noch nicht einmal unten angekommen war. Er beeilte sich nicht sonderlich. Was hätte es auch gebracht? Nichts. Und es hatte auch nichts gebracht, dass er aus seinem Zimmer gekommen war, um wieder dorthin zurückgeschickt zu werden. Er wollte ohnehin nicht raus. Was sollte er denn auch draußen?
Seine Eltern blieben am Treppenabsatz stehen und schrien weiter. Doch diesmal war nicht Fabian derjenige, der ihre Worte aushalten musste. Sie schrien sich gegenseitig an, schoben sich die Schuld für diesen missratenen Sohn zu und drohten mit der Scheidung, sollte der andere nicht endlich einmal etwas richtig machen. Das taten sie häufiger. Vor einigen Jahren, als es angefangen hatte, hatte Fabian weinend in seinem Bett gelegen. Seine Eltern hatten geglaubt, er würde schlafen. Aber er hatte nicht geschlafen. Er hatte alles gehört, was seine Eltern gesagt hatten, nein, was sie geschrien hatten. Er hatte die Beleidigungen gehört, die Schimpfwörter, die sie ihm verboten hatten auszusprechen. Manchmal hatten sie auch das hauseigene Porzellan zu einem hübschen Scherbenberg verarbeitet. Dann hatte seine Mutter auch noch in mühsamer Kleinarbeit sauber machen müssen, was nicht gerade zur Entspannung der Situation beigetragen hatte. Fatal.
Er wartete auch heute wieder auf fliegende Untertassen – in den Zeitungen wären entsprechende Meldungen über interstellare Flugobjekte mal wieder angeschwollen – doch verebbte das Schreien schneller, als es die Situation eigentlich verlangt hatte. Trotzdem gab es keinen Grund, sich diesbezüglich zu wundern. Fabian wusste, was geschehen war. Das Thema war auf Fabians kleine Schwester gekommen und die Gemüter beruhigten sich verräterisch schnell. Die kleine, wundervolle Schwester. Ach ja! Fabian konnte nicht mehr verstehen, worüber die Eltern sprachen, da sie sich in Richtung des Wohnzimmers bewegten. Aber er konnte es sich gut vorstellen. Die kleine Schwester war eben ein Wunschkind.
Als Fabian in seinem Zimmer angekommen war, das manchen Frauen selbst als begehbarer Kleiderschrank oder Schuhschrank zu klein gewesen wäre, drehte er seine Musik auf, setzte sich auf sein Bett und schloss die Augen. Er wollte vergessen. Einfach vergessen. Oft fragte er sich, wie es wohl wäre, wenn man sich an nichts erinnern konnte. Er hatte Filme gesehen und Bücher gelesen, in denen Personen mit Amnesie vorgekommen waren. Sie waren häufig sehr verzweifelt gewesen und hatten mit allen Mitteln versucht herauszufinden, wer sie waren, hatten versucht, etwas über ihr Leben herauszubekommen. Woher waren sie gekommen? Wer waren ihre Eltern? Wer waren sie selbst? Hatten sie einen Partner? Kinder? Gar einen kleinen, wuscheligen Hund? Vielleicht waren sie reich und ihr Geld wartete auf dem Konto nur darauf, dass sich der Besitzer wieder daran erinnerte! Oder steckte gar ein perfider Plan dahinter? Wollte der Ex-Partner das Geld? Wollte ein Konkurrent den Posten in der Firma?
Ob er sich das alles auch fragen würde? Ob er es auch versuchen würde? Würde er diesem Leben, das er hasste, hinterherjagen, es suchen, sich nach ihm verzehren, wie ein Durstiger in der Wüste nach einem Schluck Wasser? Und was würde er tun, wenn er es gefunden hatte? Wäre er dann auch so glücklich wie die Personen im Film? Würde er jene umarmen, die er mochte? Würde er weinen? Und was würde er tun, wenn es nicht so wäre, wenn er sich nicht darüber freuen würde? Würde er bereuen, dass er danach gesucht hatte? Nach seiner eigenen Büchse der Pandora?
Er saß noch lange auf seinem Bett, lauschte der Musik und dachte nach. Die Gedanken sind frei, heißt es. Selbst die im Mittelalter waren sich da einig. Die Gedanken sind frei.
Erst als es bereits sehr spät war, ging er schlafen. Er hatte eine unruhige Nacht. Wie so oft. Lange lag er wach. Ihm war heiß unter seiner Decke und er wälzte sie von sich, nur um kurz darauf wieder nach ihr zu greifen, weil ihm kühl wurde. Er drehte sich von einer Seite zur anderen, legte sich auf den Rücken, breitete die Arme aus und sah zur Decke. Warum tat er sich das überhaupt noch an? Es hatte doch ohnehin keinen Sinn mehr. In seinen Gedanken konnte er tun, was er wollte. Die Gedanken sind frei.