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Kristallwelten-Saga: Übersicht

Spoiler-Warnung!

 

Auf den nachfolgenden, sich dynamisch entwickelnden Seiten wird die Kristallwelten-Saga (High Fantasy) dargestellt. Naturgemäß werden dabei Ereignisse und Personen erwähnt, die erst in späteren Geschichten als der, die man vielleicht gerade liest, auftauchen bzw. sich ereignen. Ob einem das die Freude an den Geschichten nimmt, ist höchst individuell. Manche Menschen interessiert das „Wer hat es getan?“ gar nicht so sehr, dafür aber mehr „Wie kam es dazu?“. Ich gehöre zum Beispiel eher zum letzteren Typ. Mich stört es nicht, wenn ich vornherein schon weiß, was geschehen wird, weil ich es viel spannender finde, wie es dazu kommt.

Ich werde versuchen, die einzelnen Abschnitte hinsichtlich Spoiler-Gefahr zu kategorisieren. 10 bedeutet dabei größte Spoiler-Gefahr, 0 bedeutet, es gibt gar keinen Spoiler in diesem Teil.

Übersicht (Spoiler-Gefahr: 3)

Zunächst folgt eine Übersicht, die möglichst neutral gehalten wird. Die Spoiler-Gefahr ist hier relativ gering, aber größer als Null.

Die Kristallwelten-Saga hat Fiona als zentralen Charakter. Sie ist die einzige Ich-Erzählerin, wobei es dennoch Geschichten gibt, in denen sie nicht auftaucht. Diese werden in dem Fall aus einer auktorialer Sichtweise erzählt. Ein Beispiel hierfür ist „Die Legende von Sarah und Thomas“.

Es gibt, nach derzeitigem Stand, vier „Stränge“ in der Kristallwelten-Saga.

Ein „Strang“ beschäftigt sich dabei mit Dargk und Ryema. Voraussichtlich wird er nur aus einem einzigen Roman bestehen: „Dargks Erwachen“.

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Ein zweiter Strang begleitet Sarah und Thomas, bevor sie in „Fiona – Sterben“ auf Fiona treffen. Ab da verschmelzen ihre Geschichten miteinander.

Dieser Strang beginnt mit „Die Legende von Sarah und Thomas – Die Prinzessin, die ihre Eltern tötete“. Bereits in Planung ist „Die Legende von Sarah und Thomas – Die tote Welt“.

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Der dritte Strang ist die Hauptserie, die Geschichte von Fiona. Die ist in Zyklen unterteilt, deren Inhalte an einer anderen Stelle mit hoher Spoiler-Gefahr wiedergegeben werden. Jeder Zyklus hat ein Grundthema. Aktuell, Ende 2018, ist Zyklus 1 vollständig erschienen. Der zweite Zyklus befindet sich in Arbeit, das erste Buch daraus bereits erschienen, das zweite, Band 8 ebenfalls. Es folgen mindestens zwei weitere Zyklen.

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Der vierte Strang schließlich besteht aus einer losen Reihe kostenloser E-Books, die „Geschichten einer Kriegerin„. Darin wird das aus Fionas Leben erzählt, natürlich aus ihrer Perspektive, was keinen Platz in der Hauptserie findet. So zum Beispiel die erste Begegnung zwischen Fiona und John Summer.

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Nicht als eigener Strang konzipiert sind die Geschichten von Herrn Mut. Herr Mut spielt eine Sonderrolle, weil seine Geschichten erstens aus einer ebenfalls personalen Sichtweise erzählt werden, wenn Fiona nicht dabei ist, und zweitens weil er sich sehr verselbstständig hat.

Das Licht der Welt hat er eigentlich in der Anthologie „Paternoster“ erblickt. Von dort schaffte er den Sprung in die Fiona-Serie und schließlich bekam er eine eigene Kolumne im Café Kitsch.

Eine faszinierende Karriere, oder?

Die Zyklen (Spoiler-Gefahr: 10)

Im ersten Zyklus lernt Fiona sich selbst kennen. Sie erfährt, wie die Welt aufgebaut ist – mehr oder weniger. Erst nach und nach versteht sie, dass das Universum nur eines von vielen ist und welche Bedeutung die Illusion hat. Je mehr sie weiß, desto mächtiger wird sie, denn sie lernt, die Illusion zu beherrschen und erhält dadurch magische Kräfte. Eigentlich hat jeder Mensch diese, nur die Macht der Illusion hält ihn davon ab, sie zu nutzen. Oder anders gesagt: Alles ist Illusion und Magie die Fähigkeit, diese zu manipulieren.

Der zweite Zyklus beginnt mit einer Fiona, die gar nicht weiß, dass sie Fiona ist, denn sie wurde von den Göttern als „Belohnung“ für ihre Bemühungen als Auserwählte in ein neues Universum verfrachtet. Sie „arbeitet“ sich zur Königin hoch, nur um am Ende zu erkennen, dass sie mal wieder ein Spielball der Götter ist. Wutentbrannt und verzweifelt begibt sie sich auf die Suche nach ihren Gefährten, allem voran nach Katharina.

Immerhin hat sie dabei den Ring, den die Götter ihr als eine Art Super-Cheat spendiert haben. Auf diese Weise lernt sie das neue Universum kennen, das wie ein Sandwich aus mehreren Welten aufgebaut ist, die aufeinander liegen. In der Welt der Spinnen findet sie Katharina, in der Welt der Liebe Sarah, in der Welt der Götter (sic!) Thomas, und schließlich landen sie im Untergrund, der untersten Welt.

Der dritte Zyklus bringt die Universen zusammen. Fiona und ihre Gefährten bekommen die Chance, ihr altes Universum wieder zu aktivieren. Die Götter wollen schließlich spielen und Fiona entpuppt sich als eine besonders interessante Spielfigur. Auch wenn sie selbst davon nicht gerade begeistert ist. Um das angehaltene Universum wieder starten zu lassen, muss Fiona gemeinsam mit ihren Freunden in die Abgründe beider Universen hinabsteigen und trifft dabei auf einige alte Bekannte, Freunde wie Feinde. Kian lernt unter anderem seine Halbschwester kennen.

Im vierten Zyklus passiert das, was Fiona und Katharina gemeinsam im zweiten Zyklus träumen: Sie und Kian leben auf einer Erde, allerdings nicht auf der ursprünglichen, denn diese ist ja zerstört. Anders als beim ersten Großen Krieg kommt es diesmal zu keinem Reset. Und obwohl Fiona und Katharina bei der Suche nach einer neuen Heimat darauf achten, eine Erde zu nehmen, auf der es noch keine Fiona gibt, übersehen sie etwas.

Und die Fiona, der sie hier begegnen, ist nicht nur mächtig, sie verfolgt auch andere Ziele als die Auserwählte. Das bringt Fiona Flame erneut an ihre Grenzen, obwohl sie das nicht mehr für möglich gehalten hätte.

Die Leseproben: Kristallwelten.

Mehr Infos

Blick in den ersten Band

Blick in den zweiten Band

 

 

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Leseprobe: Fiona – Leben

Fiona – Leben

Der Dämon packt mich an den Haaren und zieht mich hoch.
„Das war es für dich“, sagt er, und es klingt, als wäre er wütend.
Ich verzichte auf Dialoge, meine aufgeplatzten Lippen sind eine einzige Schmerzquelle. Der Schmerz macht mich allerdings wütend, und diese Wut gibt mir Kraft. Die nutze ich, um mein Knie zwischen die Beine des Dämons zu rammen. Und während dieselbe Aktion ihm vor ein paar Tagen noch nicht einmal ein müdes Lächeln entlockt hat, lässt sie ihn jetzt förmlich zusammenklappen.
Ich versetze ihm einen Stoß, dass er nach hinten fällt, dann werfe ich mich auf ihn, den Dolch mit aller Wucht in sein Herz rammend. Er bäumt sich schreiend auf, dann schlägt er seine Hand in meinen Bauch.
Der Schmerz ist bestialisch. Ich kann spüren, wie seine Krallen meine Gedärme packen und an ihnen zerren. Ich muss handeln, sonst wird das sehr, sehr unangenehm. Ich packe mit beiden Händen den Dolchgriff, atme tief durch und drehe dann den Dolch so schnell ich kann mehrmals in seinem Herzen. Ich zähle nicht mit, aber plötzlich spüre ich, wie sein Körper unter mir erschlafft.
Ich halte inne und starre in sein dunkles Gesicht. Auf einmal kann ich es erkennen, sehe seine Augen; doch diese sehen mich nicht mehr.
Er ist tot.
Endgültig.
Unwiderruflich.
Ausgelöscht.
Und seine Hand liegt noch in meinem Bauch. Ich packe seinen Unterarm und ziehe die Klaue aus meinem Bauch. Angenehm ist anders, aber im Vergleich zu den Schmerzen gerade, als er versucht hat, meinen Dickdarm auszuwringen, ist das die reinste Freude.
Ich atme tief durch und warte mit geschlossenen Augen, dass der Schmerz nachlässt.
Habe meinen ersten Krumana-Dämon erlegt.
Und hoffentlich auch den letzten.
Als ich aus der Ferne Sirenen höre, setze ich mich auf. Ganz unbemerkt kann unser Kampf ja nicht geblieben sein. Überhaupt, wo sind die anderen?
Ich ziehe den Dolch aus dem toten Körper, säubere die Klinge an seiner Kleidung und erhebe mich dann. Den Dolch stecke ich wieder in meinen Gürtel und überlege, was ich jetzt mache. Den Dämon hier liegenzulassen geht nicht. Also bleibt nur eines: Ich nehme ihn mit nach oben. Das wird spannend!
Ich raffe sein Hemd mit rechts in Brusthöhe zu einem dicken Knäuel zusammen, richte den linken Arm nach oben und denke ans Fliegen.
Es. Klappt!
Der tote Körper des Dämons ist sauschwer. Wenn ich bedenke, dass ich viel stärker bin als jeder gewöhnliche, noch so gut trainierte Mann, dann bedeutet das, dass der Dämon mehrere hundert Kilo wiegen muss. Woraus zum Teufel besteht sein Körper eigentlich?
Ich lande mit ihm auf der Terrasse und setze ihn auf den Fliesen ab. Dann gehe ich wachsam auf das Penthouse zu. Drinnen ist es dunkel und ruhig. Überall liegen leblose Körper herum, aber meine Gefährten sind zum Glück nicht dabei.
Von der Etage darunter kommen Geräusche. Ich ziehe meine Pistole und gehe vorsichtig nach unten. Hier brennt Licht, liegen auch etliche leblose Körper herum, und ich finde Katharina, Nilsson und John.
Katharina sieht mich als Erste. „Fiona! Wo hast du denn gesteckt?“
„Ich hatte mit Sorned zu tun. Wo ist Frost? Und Michael?“
„Michael sucht dich. Frost ist weg. Wir hatten ihn schon, da kamen plötzlich einige Noispeds, und während wir noch mit ihnen beschäftigt waren, nahmen sie Frost mit. Was ist denn mit Sorned?“
„Er liegt auf der Terrasse.“
„Wie, er liegt auf der Terrasse?“
„Na ja, seine Überreste.“
„Ist er tot?“
„Ja.“
„Du hast ihn getötet?“
„Ja.“
Alle starren mich entgeistert an. Wieder ist Katharina die Erste, die sich fängt.
„Hast du ihn endgültig getötet?“, fragt sie.
„Yep!“
„Der Kampf muss hart gewesen sein“, sagt Nilsson und deutet auf meinen Bauch.
„Yep! Er hat versucht, meine Eingeweide herauszureißen.“
„Aber … aber … ich denke, er ist viel stärker als wir?“ John ist immer noch fassungslos.
„Aber nicht stärker als ich. Ich geh mal ins Bad und wasch mich. Übrigens ist die Polizei im Anmarsch.“
„Ich glaube, sie sind schon da. Aber bis die herausfinden, dass sie ins Penthouse müssen, vergeht noch etwas Zeit. Ich komme mit.“ Katharina folgt mir, als ich nach oben und ins riesige, sehr luxuriöse Bad gehe.
Ich ziehe das halb zerfetzte Hemd aus und halte den Kopf über dem Waschbecken in den Wasserstrahl. Danach wasche ich auch den Bauch und den Rest des Oberkörpers. Katharina beobachtet mich stumm.
Erst als ich ein weißes Handtuch nehme und mich abtrockne, fragt sie: „Was ist eigentlich passiert?“
Ich sehe sie nachdenklich an. Ich glaube, meine neu entdeckten Fähigkeiten bleiben besser mein Geheimnis. Zumindest einige. Erst einmal jedenfalls.
„Frost war in der unteren Etage, als ich nur bedingt freiwillig nach unten ging. Und Sorned war da auch, wie ich dann feststellen durfte. Erst sah es danach aus, dass er sein Werk vollendet. Aber dann fand ich heraus, dass ich gar nicht mehr so wehrlos bin, wie ich dachte. Meine Schläge und Tritte verpufften nicht mehr wirkungslos.“
„Wie kommt das?“ Katharina sitzt auf einer Ecke der Badewanne, in der Kinder sogar schwimmen könnten.
Ich zucke die Achseln. „Ich glaube, die Ereignisse auf der Insel haben bei mir Energien freigesetzt.“
Katharina nickt. „Ja, gut möglich. Wie ich schon mal sagte, ich bin noch keiner so mächtigen Kriegerin wie dir begegnet.“ Plötzlich lächelt sie. „Und keiner so süßen!“
Ich schnappe nach Luft. Was soll das denn werden? Mit aufgerissenen Augen beobachte sie dabei, wie sie aufsteht und auf mich zukommt. In einer Hand halte ich immer noch das Handtuch, am Oberkörper trage ich lediglich den Sport-BH.
Katharina legt die Hände auf mein Gesicht, ihre vollen Lippen sind nur wenige Zentimeter von meinem Mund entfernt: „Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben, Fiona.“
„Das … das hast du aber gut verheimlicht …“
„Ich weiß. Es tut mir leid.“ Ihre Lippen kommen näher. Gleich werden sie meinen Mund berühren und ich habe nicht die Absicht, mich dagegen zu wehren.
In diesem Augenblick reißt Michael die Tür auf und ruft: „Sie haben Ben gefunden!“

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Leseprobe: Fiona – Gefühle

Fiona – Gefühle (Band 3)

Nachdem ich das Gebäude durch den Hauptausgang verlassen habe, verstärkt sich mein Eindruck von winterlicher Kälte. Um diese Zeit ist auch der Verkehr eher gedämpft, nach ein paar Minuten erblicke ich dennoch ein unbesetztes Taxi, das auf mein wildes Winken hin sogar anhält. Der Taxifahrer, irgendwo Anfang bis Mitte 40, sieht mich misstrauisch an.
„Soll ich dich zur Polizei fahren?“
„Nein, nach Hause“, erwidere ich und steige hinten ein.
„Sicher?“
„Sicher.“ Ich halte den Laptop vor meinen Körper, um den Taxifahrer nicht in Versuchung zu führen. Das Babydoll ist hochgradig transparent.
„Wenn du vergewaltigt wurdest oder so, dann …“
„Bin ich nicht.“ Ich nenne ihm die Adresse, er pfeift. „Tu mir den Gefallen, fahr mich einfach dorthin und versuch nicht, mich in ein Gespräch zu verwickeln.“
„In Ordnung“, erwidert er, dabei mustert er mich im Innenspiegel. „Aber eigentlich müsste ich …“
„Ich werde es niemandem verraten, O. K.? Und jetzt fahr.“
Während der Fahrt geht neben vielen anderen düsteren Gedanken auch derjenige durch meinen Kopf, dass es vielleicht doch kein Zufall war, dieses Taxi erwischt zu haben. Es könnte zum Bordell unterwegs gewesen sein. Dieser Fall wird Bens Möglichkeiten, mich zu decken, stark strapazieren. Irgendwie ist es mir aber grad egal, ich will einfach nur nach Hause.
Endlich hält das Taxi vor unserem Grundstück und ich bitte den Taxifahrer, in die Auffahrt reinzufahren und erhöhe damit die Wahrscheinlichkeit, dass James aufmerksam wird, enorm. Tatsächlich bellt Danny los und wenig später geht das Licht an.
„Da kommt die Bezahlung“, erkläre ich dem Taxifahrer und steige aus. James kommt vor die Tür.
„Bitte stell jetzt keine Fragen, ich erkläre dir alles gleich. Aber zuerst muss der Taxifahrer bezahlt werden.“
James nickt, geht wieder rein und kommt mit seinem Geldbeutel wieder heraus. Ohne mich aus den Augen zu lassen, bezahlt er den Fahrer und gibt ihm ein großzügiges Trinkgeld.
„Jetzt bin ich ja gespannt“, sagt er dann nur.
Ich begrüße Danny, der mich die ganze Zeit schon umtänzelt, gehe ins Haus und bleibe in der Diele stehen. Ich denke darüber nach, was ich als Nächstes wohl tun sollte: heulen, baden, alles zertrümmern?
„Ich … ich muss duschen.“ Na toll, jetzt stottere ich schon rum wie Lois.
„War das der verdeckte Einsatz?“
Ich nicke und bringe den Laptop ins Wohnzimmer. „Darauf ist auch der Grund, warum er in den See fuhr.“
„Oh. Das klingt spannend.“
„Ja. Ich muss trotzdem erst einmal duschen. Ich bin in eine Bar geflogen, habe mindestens 5 Dutzend Flaschen und einen riesigen Spiegel dabei zertrümmert und entsprechend viele Scherben schon aus mir entfernt.“
„Wer macht denn so was? Mit dir?“
„Emily“, erwidere ich knapp und ignoriere bewusst seinen ironischen Tonfall. Doch mir ist jetzt schon klar, der Abend wird richtig hart.
Strümpfe und Babydoll stopfe ich in den Mülleimer, bevor ich in die Dusche steige und sehr lange unter dem fast heißen Wasser stehe. Besser geht es mir dadurch zwar auch nicht, aber zumindest habe ich den Dreck abgespült. So halbwegs. Eigentlich wäre es doch schön, die ganze Nacht unter der Dusche zu stehen. Oder wenigstens so lange, bis James schlafen geht. Ich fürchte nur, er kann sehr ausdauernd sein, wenn er so gespannt ist.
Oh je.
Als ich aus dem Wasser steige und mich abtrockne, höre ich vertraute Geräusche. Verdammt! Ich habe nicht daran gedacht, dass der Laptop nicht passwortgeschützt ist.
Mit dem Handtuch um den Hals gehe ich ins Wohnzimmer. James steht mit verschränkten Armen vor dem Laptop und schaut sich an, wie seine Frau mit einem fremden Kerl vögelt. Und auch wenn sie Brille und Perücke trägt, für ihn ist sie eindeutig erkennbar.
Nun ja, wenigstens können wir es kurz machen. Ob ich ihm anbiete, dass er mich schlagen darf? Nein, das wäre idiotisch und beleidigend.
James wendet mir den Blick zu. Seine Augenbrauen sind fragend hochgezogen. Ich liebe seine minimalistische Ausdrucksweise, heute ganz besonders.
Ich kratze mich am Kopf.
„Gehörte das zu den verdeckten Ermittlungen?“
„Ja.“
„Was genau hast du dabei ermittelt?“
‚Erwartet er darauf eine Antwort?‘, frage ich mich, auf der Unterlippe herumkauend. Der Trick funktioniert nicht, heute verbietet er mir dieses selbstverletzende Verhalten nicht. Ein ganz schlechtes Zeichen. Er ist sehr sauer. Sehr, sehr sauer.
„Nun?“
„Schatz, ich … es tut mir leid.“
„Was genau tut dir leid?“
„Dass … dass ich dich angelogen habe. Ich meine, ich habe dich nicht angelogen, nur nicht alles erzählt.“
„Das tröstet mich, dass du mich immerhin nicht anlügst. Und was tust du jetzt?“
„Schatz …“
„Warte mal“, hebt er eine Hand. „Ich will es verstehen. Was genau hast du ermittelt?“
„Ich wollte herausfinden, was in dem Bordell los ist.“
„Warum?“
„Weil der Selbstmörder genau dieses Bordell als Grund erwähnt hat. Also ging ich hin, ursprünglich als Journalistin, aber bevor ich mich vorstellen konnte, hielt man mich für eine Bewerberin.“
„Ein Irrtum, den aufzuklären du nicht für nötig hieltest.“
„Es … es gab mir die Möglichkeit, die Interna kennenzulernen.“
„Aha. Ja, so kann man das ja auch nennen.“
„Verdammt, James, mich hat fast der Schlag getroffen, als ich rausfand, dass Emily die Bordellchefin ist!“
„Emily? Schneewittchen?“
„Ja. Ich …“ Scheiße. Ich fahre mir durch die nassen Haare.
„Ich bin ihr begegnet, vor ein paar Tagen.“
„Du bist Emily vor ein paar Tagen begegnet? Also vor dem Bordell?“
„Jaaa …“
„Und wem hast du davon erzählt?“
„Niemandem.“ Meine Knie werden etwas weich. „Ich … mir ist klar, dass im Nachhinein das alles etwas komisch klingt und … und vielleicht hätte ich es anders machen müssen. Vielleicht.“
„Verstehe ich das richtig, du bist Emily begegnet und hast nichts unternommen?“
„Jaaa … sie hat ihr Gedächtnis verloren.“
„Was?? Und das glaubst du?“
„Es ist so“, bekräftige ich, den Tränen immer näher. „Sie hat mich nicht erkannt.“
„Na ja, mit dieser Verkleidung …“
„Auch vorher nicht, da war ich nicht verkleidet! Ich war grad die Geschenke einkaufen, als ich sie zufällig am Tower sah. Wir haben uns auf der Aussichtsplattform kurz unterhalten, und sie wusste eindeutig nicht, wer ich bin. Sie wusste nicht einmal ihren eigenen Namen!“
„Und jetzt weiß sie ihn?“
„Ich habe es ihr erzählt … bevor sie auf mich losging.“
„Und wo ist sie jetzt?“
Ich zucke die Achseln. „Fort. Die Polizei kam, das halbe Bordell zertrümmert, ich fast nackt … also habe ich den Laptop gepackt und bin abgehauen.“
„Und deine Sachen?“
„Ähm … im Bordell.“
„Dann kannst du ja nur hoffen, dass Ben Gelegenheit hat, sie zu sichern.“
Ich nicke.
„Und was gedenkst du nun zu tun? Oder warte. Wie lange hast du da gearbeitet?“
„Es war heute die dritte Nacht.“
„Das heißt, du hattest einige Kunden.“ Keine Frage, eine klare Feststellung.
Ich nicke erneut, die ersten Tränen wagen sich hervor, dabei will ich das gar nicht.
„Weinst du etwa? Du? Fiona, mir ist klar, dass du als Kriegerin niemals eine normale Frau sein kannst, aber ich hätte nicht gedacht, dass du, um das Gleichgewicht zu erhalten, mit fremden Männern fickst. Wie willst du das ausgleichen, wegen des Gleichgewichts, meine ich.“
„Keine Ahnung“, erwidere ich mit einer hilflosen Geste. “Sag … sag du es mir. Was soll ich tun?“
„Ich? Wieso soll ich dir das sagen? Sonst bittest du mich doch auch nicht um Rat.“
„James …“ Ich mache einige Schritte auf ihn zu und bleibe wieder stehen. Da ist eine Mauer zwischen uns, dagegen sind die Mauern von Fort Knox nichts. Die Tränen haben inzwischen beschlossen, dass sie alle raus wollen. „Verdammt, meinst du, ich habe das getan, um dir wehzutun? Ich habe nicht darüber nachgedacht, O. K.? Ich … ich sah nur das Ziel vor den Augen, die ganzen Toten und dass da etwas nicht stimmt! Ja, ich weiß, ich habe Mist gebaut! Ich weiß es, O. K.? Und jetzt? Soll ich vor dir auf den Knien rutschen, oder was erwartest du eigentlich?!“
„Jedenfalls nicht diese Reaktion“, erwidert er kühl.
„Ach? Nicht diese Reaktion? Also doch, soll ich auf den Knien rutschen?“
„Das ist Unsinn.“
„Das ist Unsinn, aha! Weißt du was? Das kotzt mich grad an, dass du dabei so ruhig bleiben kannst! Du stehst da wie … wie so … ach, ich weiß es auch nicht! Die Arme vor der Brust verschränkt, Pokerface, nur deine Worte sind wie glühende Eisenstäbe! Oh ja, ich verstehe das, ich verstehe das sogar sehr gut! Seit Highfoot verstehe ich so Manches! Der große James, der niemals Gefühle zeigt! Und soll ich dir was sagen? Ich kenne das, ich kenne das sogar sehr gut! Ich wünschte, du könntest in mir endlich deine Frau sehen und nicht deine Tochter!“
Shit! Das war nicht gut.
Sein Gesichtsausdruck verändert sich kaum. „Bist du fertig?“
Gar nicht gut.
„Ja, bin ich!“, schreie ich ihn wutentbrannt an. „So was von!“ Ich drehe mich um und renne raus, raus aus dem Wohnzimmer, raus aus dem Haus. Plötzlich stehe ich vor der Tür meiner Eltern, ohne dass ich wüsste, wie ich hierhergekommen bin, und lege mich auf die Klingel. Dann wird mir bewusst, dass ich nackt bin.

 

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