Veröffentlicht am

Geschichten einer Kriegerin – Magie der Angst (1)

Es ist kühl. Wie bescheuert von mir, an so einem Tag Danny zu übernehmen. Ich hätte ihn auch den Hütern der gefährlichsten Blondine des Landes, meinen Eltern, überantworten sollen. Sie werden mit meiner Tochter fertig, da ist Danny keine wirkliche Herausforderung mehr.
Aber nun ist es egal, Danny ist da und muss raus. Ich beschließe daher, wieder in den Park zu gehen. Mit etwas Glück werden heute keine Drachen unterwegs sein.
Kaum bin ich auf der Straße, kommt die nächste unangenehme Erkenntnis: Es ist viel zu kalt für meine Kleidung. Oder für mich in meiner augenblicklichen Kleidung. Jeans und Stiefeletten gehen ja, aber obwohl mein Rollkragenpullover schwarz ist, nicht weiß, zieht er einfach nicht genug Sonnenstrahlen an, um mich aufzuwärmen. Das liegt vermutlich daran, dass es die Sonnenstrahlen gar nicht erst durch die Wolkendecke schaffen.
Ich könnte ja Danny nehmen und mit ihm über die Wolken fliegen. Aber erstens würden die Leute erstaunt schauen. Zweitens würde Danny sehr erstaunt schauen. Und ob es da oben wärmer ist als hier unten, wage ich zu bezweifeln.
Blöde Idee also.
Das Einzige, was ich tun kann, ist zu laufen. Hin und wieder stoppt mich Danny abrupt, ich muss dann aufpassen, den armen Kerl nicht durch die Luft fliegen zu lassen.
Irgendwann erreichen Hund und genervtes Frauchen doch noch den Park und der Hund darf endlich frei laufen. Er entdeckt auch sogleich einige Freunde und stellt unmissverständlich klar, dass er spielen will. Die Freunde sehen das nicht alle so, aber schließlich erbarmt sich ein Mastiff seiner. Wenigstens ein würdiger Gegner. Danny wirkt sogar ein bisschen schmächtig neben ihm, und das will schon was heißen. Aber das macht er durch Energie wieder wett.
Ich lasse mich auf eine Bank sinken und hole mein Handy hervor, doch da bleibt jemand neben mir stehen.
Ich blicke hoch.
Ein Mann. Er trägt einen braunen Anzug, ein hellblaues Hemd und braune Schuhe, keine Krawatte. Haare hat er keine, zumindest auf dem Kopf, obwohl er jung aussieht. Jedenfalls jünger als die meisten Glatzköpfe. Okay, Vin Diesel wäre ein Gegenbeispiel, aber der hier ist so weit entfernt von Vin Diesel wie ich von Dolly Parton. Oder so.
„Ich muss mit Ihnen sprechen, Fiona“, sagt er.
Ich ziehe á la James die linke Augenbraue hoch.
„Mein Name ist Frank Weaver“, fährt er fort, während er sich neben mich setzt. „Ich bin Vorstandsmitglied von ‚Magische Verbrecher‘.“
„Aha. Sie sind ein magischer Verbrecher?“
„Nein, wir jagen sie. Aber manchmal reichen unsere Möglichkeiten nicht aus, daher möchte ich Sie um Hilfe bitten.“
„Mich um Hilfe bitten? Bei der Jagd auf einen magischen Verbrecher? Faszinierend. Wie kommen Sie auf die Idee, ich könnte Ihnen da helfen?“
„Ben Norris hat es mir gesagt.“
Hm. Das ist natürlich ein passendes Stichwort. Trotzdem, ganz so leicht will ich es ihm nicht machen, ich brauche etwas mehr Informationen, um zu entscheiden, ob er Freund oder Feind ist. Genauer gesagt, ob er das Gleichgewicht stört oder bewahrt.
„Ben Norris?“
„Ja, er ist Lieutenant bei der Polizei, was Sie wissen. Aber Sie vertrauen mir noch nicht.“
„Richtig.“
Ich werfe einen Zwischendurchblick auf Danny, aber der ist gerade damit beschäftigt, den Mastiff zu überreden, das Raufspiel verloren zu geben. Zu blöd, dass er, der Mastiff, sich dabei auf Danny gelegt hat. Danny ist ja schon groß und stark mit seinen etwa 50 kg, aber Mastiffs sind für gewöhnlich deutlich größer und schwerer, dieser auf jeden Fall. Ich hoffe mal, Danny nimmt es sportlich, ich habe keine Lust, dazwischenzugehen.
„Ich weiß, dass Sie eine Kriegerin sind, und dass Sie letztes Jahr Ihren Mann und Jack Siever, den Polizeichef, aus Kanaan befreit haben.“
„Okay, das wissen tatsächlich nicht viele. Wobei soll ich Ihnen denn helfen?“
„Es geht um den Mord an zwei alte Leute. Er geschah gestern in Males, etwa 500 Meilen von hier.“
„Ein Mord? Davon gibt es auch hier in Skyline viele. Täglich. Nicht mein Geschäft.“
„Außer, dabei wird das Gleichgewicht gestört, nicht wahr?“
Hm, vielleicht wird es doch interessant.
„Wer wurde denn ermordet?“
„Das ist nicht der interessante Teil, sondern wer die alten Leute ermordet hat. Es war ihr Sohn, den sie vor 20 Jahren im Wald ausgesetzt haben.“
„Okay, das ist relativ ungewöhnlich, wobei ich sagen muss, ich wäre möglicherweise auch sauer.“
„Das Baby wurde ausgesetzt, weil es drei Arme hat. Als die örtliche Hexe, ist ein kleines Örtchen, das noch ein wenig im letzten Jahrhundert lebt, versucht hat, mit einem Visz-Messer den Arm abzuschneiden, nahm das Baby das Messer und stach der Hexe beide Augen aus.“
„Autsch. Ein Baby einer Erwachsenen? Mit einem Visz-Messer? Vielleicht ist es tatsächlich eine gute Idee von Ben gewesen, Sie an mich zu verweisen. Woher stammen die ungewöhnlichen Kräfte des Kleinen, ist das bekannt?“
Frank Weaver schüttelt den Kopf.
„Es gab Zeugen, die den Dreiarmigen gesehen haben wollen. Und sie behaupten alle, er hätte höchstens wie zehn ausgesehen.“
„Sie meinen, ihn gestern gesehen haben wollen?“
„Genau. Zum ersten Mal seit 20 Jahren. Erkannt haben sie ihn nur am dritten Arm.“
„Okay, Sie haben tatsächlich meine Neugierde geweckt. Dreiarmige Babys, die einer erwachsenen Hexe einen Visz-Dolch entwinden und ihr damit die Augen ausstechen, dürften recht selten und eher übernatürlich sein. Und wenn es jetzt tötet, muss ich eine Störung des Gleichgewichts in Betracht ziehen. Weiß denn jemand in Males, dass, sagen wir mal, keine offiziellen men in black den Fall übernehmen werden?“
Er lächelt leicht. „Die örtliche Polizei hat sich an uns gewendet. Wir haben bereits angedeutet, dass dieser Fall selbst für uns ungewöhnlich ist.“
„Aber sie wissen nicht, woher auch, dass Fiona Flame ankommen wird, richtig?“
Er nickt.
„Ich würde ja gerne darum bitten, dass es auch dabei bleibt, aber ich fürchte, ich bin zu bekannt, selbst in einem kleinen Ort im Landesinneren.“
„Sie könnten sich verkleiden. Wir weihen nur den Polizeichef ein. Was halten Sie davon?“
„Ja, eine gute Idee. Kündigen Sie bitte Lois Nale an.“ Perücke und Brille! Das wird sicher ein seltsames Gefühl sein, wieder die 22-jährige Studentin zu sein, die kein Geld von ihren Eltern bekommt.
Aber diesmal sage ich James im Vorfeld schon Bescheid, nicht dass er noch Mark besucht, während ich unterwegs bin.
„Ich bin Ihnen sehr dankbar“, sagt Frank Weaver, während er sich erhebt. „Ich bin gespannt, was Ihre Recherchen ergeben werden.“
„Ich auch, ich auch. Wahrscheinlich fahre ich morgen mit dem Zug, aber das hängt davon ab, wie ich alles organisieren kann.“
„Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.“
Ich beobachte den Kerl, als er sich schnellen Schrittes entfernt, dann blicke ich Danny an, der plötzlich mit hängender Zunge vor mir sitzt.
„Sag bloß, du willst freiwillig wieder ins Büro?“
Er bellt nur, aber ich deute das mal als ein Ja.

Veröffentlicht am

Geschichten einer Kriegerin (Spoiler-Gefahr: 10)

Spoiler-Gefahr: 10

Fiona ist eine Kriegerin, deren Aufgabe es ist, für das Gleichgewicht zu sorgen. Sagt jedenfalls Drol Wayne, der Statthalter der Erde. Was genau das bedeutet, verrät er allerdings nicht, so ist Fiona gezwungen, selbst zu entscheiden, wann sie das Gleichgewicht verletzt sieht und was sie dagegen zu tun gedenkt.

In der Hauptserie „Fiona“ wird erzählt, wie sie zur Kriegerin wird, alles verliert und sich wieder holt, wie sie sich eine neue Existenz aufbaut – in insgesamt vier Zyklen. In den kostenlos zur Verfügung gestellten Geschichten einer Kriegerin erfahren wir, was sie sonst noch erlebt. Teilweise wichtig für die Haupthandlung, wie beispielsweise ihre erste Begegnung mit John Summer, wie ihre oft erwähnte Liebesbeziehung mit Phil, ihre erste richtig große Liebe mit 19, deren abruptes Ende durch Phils plötzlichem Herztod dazu führte, dass sie vier Jahre lang eine innige Beziehung mit Sex und Alkohol einging, ehe sie durch Normans Tod wachgerüttelt wurde.

Im ersten Band „Das hungrige Biest“ weiß Fiona erst seit einem halben Jahr, dass sie eine Kriegerin ist. So richtig daran gewöhnt hat sie sich noch nicht. Ihre erste richtige Begegnung mit Dämonen verläuft unerfreulich, zumal diese danach ihr einen Besuch abstatten und sogar James als Geisel nehmen. Doch sie haben nicht mit Fionas Entschlossenheit gerechnet.

Der zweite Band, „Liebe und andere Unwägbarkeiten des Lebens„, erzählt mehrere Geschichten in chronologischer Reihenfolge. Den Anfang macht ihre Begegnung mit Phil, wie sie auf John Summer trifft, was ihr sogar Kopfschmerzen verursacht, außerdem bekommt sie Gelegenheit, ihren Schuhabsatz in bestem Katharina-Manier zu verwenden. Außerdem erfahren wir, dass James Leslies Tod noch nicht überwunden hat und sogar bereit ist, selbst zu sterben, um mit ihr zu sprechen.

Im dritten Band, „Der verliebte Dschinn„, muss Fiona feststellen, dass James selbst sie noch überraschen kann, als er sie einlädt, ihn in einen Swinger-Club zu begleiten. In einen Club, den James´ ehemaliger Geheimdienstkollege Mark leitet und der, wie es aussieht, ein übernatürliches Problem hat. Zur Lösung desselben wird er von Jack Siever an Fiona verwiesen. Und obwohl Fiona Machos wie Mark überhaupt nicht leiden kann, nimmt sie sich den anderen zuliebe des Falles an und geht den Dingen auf den Grund – wortwörtlich, denn sie findet am Grund des Sees, der zum Anwesen gehört, einen Dschinn, der es sich dort gemütlich gemacht hat, seit etwa 100 Jahren. Und der sich ausgerechnet in einen der Gäste des Clubs verliebt hat.

Der aktuell letzte erschienen Band, der vierte, führt Fiona auf die Spur des „Geistes von King Valley„. Sie findet ihn eher zufällig und dank Dannys leidenschaftlicher Liebe für Katzen, als sie dem von ihrer Mutter veranstalteten Straßenfest aus dem Weg gehen will. Den Geist zu finden und ihre Identität zu klären, ist das kleinere Problem, vor allem für Fiona. Aber ihr zu helfen, sich endlich aus der Gefrorenen Welt zu lösen, das ist schon etwas schwieriger. Und da ist noch etwas anderes …

In Vorbereitung ist Band 5, „Die Magie der Angst“, die auch als E-Book erhältlich sein wird, doch bis dahin als Fortsetzungsgeschichte auf dieser Webseite erscheinen wird. Darin geht es um eine blinde Hexe und der Reinkarnation eines uralten Dämons, deren Schicksale enger miteinander verknüpft sind, als es ihnen lieb ist.