{"id":349,"date":"2020-09-05T14:57:30","date_gmt":"2020-09-05T12:57:30","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=349"},"modified":"2020-09-05T14:59:44","modified_gmt":"2020-09-05T12:59:44","slug":"fiona-liebe-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/fiona-liebe-9\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Fiona &#8211; Liebe (Die Kristallwelten-Saga 9)"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:48px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p>\u201eVerfluchte Schei\u00dfe!\u201c<br>Mir f\u00e4llt ein, dass das exakt meine Reaktion gewesen ist, als ich die Spinnenwelt eine Etage h\u00f6her betreten hatte. Unwillk\u00fcrlich muss ich kurz auflachen.<br>\u201eSollte ich mir Sorgen machen?\u201c, erkundigt sich Katharina mit gerunzelter Stirn. \u201eIst das ein Anzeichen beginnender Hysterie?\u201c<br>\u201eNein, alles gut. Zumindest was meinen Gesundheitszustand betrifft. Mir ist nur eingefallen, wie ich reagiert habe, als ich in der Welt \u00fcber uns aus dem Ewigen Turm getreten bin und die Schienen sah.\u201c<br>\u201eWie hast du denn reagiert?\u201c, fragt Loiker.<br>\u201eVerfluchte Schei\u00dfe!\u201c<br>Erst starren sie mich entgeistert an, dann lachen sie beide kurz.<br>\u201eZumindest kann ich dich verstehen\u201c, sagt Katharina anschlie\u00dfend kopfsch\u00fcttelnd. \u201eWo sind wir hier gelandet?\u201c<br>Das ist allerdings eine wirklich gute Frage. Von Mittelalter ist nichts zu sehen, Spinnennetz oder Schienen auch nicht vorhanden, daf\u00fcr gibt es offenbar Licht und Pflanzen. Rote Pflanzen. In allen m\u00f6glichen Rott\u00f6nen leuchtende, gl\u00e4nzende, glitzernde Pflanzen.<br>\u201eNa ja\u201c, bemerke ich nach einer Weile, \u201ezuerst kam die Mittelalter-Welt. Dann die Modelleisenbahn-Welt. Und das ist halt die rote Welt.\u201c<br>\u201eModelleisenbahn?\u201c, hakt Loiker am\u00fcsiert nach.<br>\u201eNicht so wichtig. Wer auf der Erde aufgewachsen ist, versteht das, sonst ist es nur irritierend, glaube ich.\u201c<br>\u201eStimmt\u201c, sagt Katharina nickend. \u201eJedenfalls gibt es hier Licht von oben, anders als bei der Modelleisenbahn. Aber ich sehe keinen Himmel, keine Sonne, nichts, wo das Licht herkommen k\u00f6nnte. Und dass es Pflanzen gibt, ist auch unlogisch.\u201c<br>\u201eDie gab es aber schon bei den Augenlosen, ohne Sonne\u201c, bemerke ich.<br>\u201eJa, aber nicht so \u00fcppig wie hier. Das ist ja der reinste Dschungel. Nur eben rot statt gr\u00fcn.\u201c<br>\u201eIhr kennt gr\u00fcne Pflanzen?\u201c, fragt Loiker. \u201eDie gibt es auch in den Bahnh\u00f6fen, sie brauchen allerdings spezielle Lampen.\u201c<br>\u201eHaben wir gesehen, bei Niasman zu Hause. Auf der Erde wuchsen sie wie diese roten hier, in riesigen W\u00e4ldern.\u201c<br>Wir lassen unsere Blicke schweifen. Hinter uns die T\u00fcr zum Turm, die sich von selbst geschlossen hat, wie sie das immer tut. Vor uns ein rotwuchernder Dschungel. Die Pflanzen kommen mir alle unbekannt vor, nicht nur wegen der Farbe. Das beruhigt mich ein wenig. G\u00e4be es hier Pflanzenarten, die ich kenne, w\u00fcrde mich das wohl nerv\u00f6s machen.<br>\u201eAlso gut, ich nehme an, wir wollen nicht hier stehen bleiben\u201c, stellt Katharina fest. \u201eIch hoffe irgendwie, dass Sarah nicht als eine Art Jane durch diesen Wald turnt. Das w\u00fcrde ich nicht verkraften, glaube ich.\u201c<br>\u201eIch auch nicht\u201c, erwidere ich erschaudernd.<br>\u201eAuf diese Sarah bin ich sehr gespannt\u201c, bemerkt Loiker.<br>\u201eSie wird dir gefallen. Angeblich sind wir uns \u00e4hnlich darin, Nervens\u00e4gen zu sein, nur dass sie mehr reden kann als ich.\u201c<br>\u201eNoch mehr?!\u201c Loiker rei\u00dft die Augen auf. \u201eOh, entschuldige, das war nicht so gemeint.\u201c<br>\u201eDoch, war es. Aber ich bin es gewohnt. Los, gehen wir.\u201c Ich wende mich ab und marschiere los. Klar bin ich sauer und nicht mal ansatzweise daran gew\u00f6hnt. Nur weil Thomas der Meinung ist, ich w\u00e4re auch so eine Nervens\u00e4ge, hei\u00dft das noch lange nicht, dass es auch stimmt. Loikers Reaktion geht allerdings in die Richtung. Und das gef\u00e4llt mir nicht.<br>Katharina holt mich zuerst ein.<br>\u201eHey, l\u00e4ufst du schon wieder davon?\u201c<br>Ich bleibe abrupt stehen. \u201eNein, nat\u00fcrlich nicht. Wollt ihr ewig da herumstehen?\u201c<br>Sie packt mich an den Schultern und dreht mich zu sich. \u201eSch\u00e4tzchen, du willst ja wohl nicht mich verarschen? Das h\u00e4tte vielleicht geklappt, als ich mich noch nicht erinnert habe.\u201c<br>\u201eJa, ja. Ist ja schon gut. Ich mag Sarah ja, wie du wei\u00dft. Aber sie ist wirklich eine Nervens\u00e4ge und ich will nicht so sein wie sie.\u201c<br>\u201eBist du ja auch nicht.\u201c<br>\u201eWirklich nicht?\u201c Ich sehe sie misstrauisch an. \u201eH\u00f6r zu, ich bin echt froh, dass wir es in den Turm geschafft haben und du dich an alles erinnerst und bei mir bist. Wirklich. Gleichzeitig hat es mich daran erinnert, dass die Schei\u00dfg\u00f6tter unser Universum einfach gel\u00f6scht und nur wir vier \u00fcberlebt haben. Das hei\u00dft, wir wissen nicht einmal, was mit Sarah und Thomas ist. Das kotzt mich tierisch an, dadurch bin ich wohl etwas d\u00fcnnh\u00e4utig.\u201c<br>\u201eIst doch okay und auch verst\u00e4ndlich\u201c, erwidert Katharina. Sie zieht mich an sich. Ich umarme sie und presse mein Gesicht in ihre Halsbeuge.<br>Und ich werde nicht weinen. Nein. Nein. Nein!<br>Tats\u00e4chlich gelingt es mir, die Tr\u00e4nen zu unterdr\u00fccken, und hebe den Kopf wieder, um Loiker anzusehen.<br>\u201eSorry.\u201c<br>Er winkt ab. \u201eNach dem, was du vorhin erz\u00e4hlt hast, bewundere ich dich, dass du alles so gut verkraftest. Die meisten w\u00e4ren schon l\u00e4ngst durchgedreht, denke ich. Dass du auch mal Nerven zeigst, ist f\u00fcr mich absolut nachvollziehbar.\u201c<br>Ich grinse verkniffen. \u201eJetzt hast du geredet wie mein Vater. Ach, was solls. Lasst uns diese Welt erkunden und sehen, ob und wen wir hier finden.\u201c<br>\u201eEine gute Idee\u201c, sagt Katharina nickend.<br>Wir gehen vor, ihren Arm legt sie dabei um meine Schulter, ich umfasse ihre Taille, mit der Hand auf ihrer H\u00fcfte. Loiker geht hinter uns her, und das ist auch gut so, denn er tr\u00e4gt noch immer den Spinnenanzug, der wie eine zweite Haut anliegt. Wie eine zweite, ungesunde Haut. Nur sehr eng. Wie die Haut halt ist.<br>\u201eIrritiert dich der Anzug eigentlich auch so?\u201c, erkundige ich mich fl\u00fcsternd bei Katharina.<br>\u201eNur wenn du ihn tr\u00fcgest\u201c, erwidert sie auch fl\u00fcsternd.<br>\u201eWarum sollte dich das irritieren?\u201c<br>\u201eWarum irritiert er dich jetzt? Du kennst Loiker doch nackt.\u201c<br>Ich mustere sie fragend.<br>\u201eStimmt das etwa nicht?\u201c<br>\u201eDoch. Und du bist immer noch eifers\u00fcchtig.\u201c<br>\u201eNa, wenn er dich irritiert!\u201c<br>\u201eDer Anzug, nicht Loiker!\u201c<br>\u201eWas tuschelt ihr da eigentlich?\u201c, erkundigt sich der Erw\u00e4hnte von hinten.<br>\u201e\u00dcber dich\u201c, antwortet Katharina. \u201eDu brauchst neue Kleidung, unser Sch\u00e4tzchen kann sich nicht konzentrieren.\u201c<br>\u201eArschloch!\u201c Ich starre sie emp\u00f6rt an, aber sie grinst. Und gibt mir einen Kuss.<br>Das war vielleicht keine gute Idee, Loiker reagiert. Und in dem Anzug sieht man das sofort.<br>Er wird rot. \u201eEntschuldigt, ich &#8230;\u201c<br>Bei dem Anblick kann ich nicht ernst bleiben und wende mich lachend ab. \u201eSorry, ich \u2026 Katharina, sag was.\u201c<br>\u201eGurke\u201c, sagt Katharina.<br>\u201eWie bitte?\u201c<br>\u201eIch habe was gesagt. Oder sollte ich was sagen?\u201c<br>\u201eWieso ausgerechnet Gurke?!\u201c<br>Sie zuckt die Achseln. \u201eMusste halt daran denken. Ist das denn so abwegig?\u201c<br>\u201eWas ist eine Gurke?\u201c, fragt Loiker verwirrt nach und l\u00f6st damit bei mir den n\u00e4chsten Lachanfall aus.<br>W\u00e4hrend ich damit besch\u00e4ftigt bin, wieder halbwegs normal atmen zu k\u00f6nnen, versucht Katharina, ihm die Gurke zu erkl\u00e4ren. Das macht es mir nicht gerade leichter. Doch irgendwann habe ich mich wieder beruhigt und wir gehen weiter.<br>Loiker ist immer noch hinter uns. Katharina und ich bem\u00fchen uns, nicht in seine Richtung zu schauen. Irgendwie tut er mir leid. In der anderen Welt, in der Dunkelheit, und w\u00e4hrend wir mit \u00dcberleben und der Suche nach dem Turm besch\u00e4ftigt gewesen waren, interessierte uns der Anzug nur sehr bedingt, aber jetzt und bei diesem seltsamen roten Licht, das von \u00fcberall her zu kommen scheint, wie mir inzwischen aufgefallen ist, entfaltet der Anzug seine volle Wirkung. Auf mich jedenfalls.<br>Schei\u00dfe.<br>\u201eVielleicht gibt es hier gar keine Menschen\u201c, sagt pl\u00f6tzlich Loiker. \u201eIch meine, muss es denn \u00fcberall Menschen geben?\u201c<br>\u201eNein, muss es nicht\u201c, erwidere ich und vermeide es, ihn anzusehen. \u201eAber um ehrlich zu sein, bezweifle ich sehr, dass die G\u00f6tter uns in eine menschenleere Welt schicken w\u00fcrden. Insbesondere mich!\u201c<br>\u201eWieso insbesondere dich?\u201c<br>\u201eWeil ich anscheinend ihre liebste Spielfigur bin? Ich meine, wie viele Menschen k\u00f6nnen von sich behaupten, dass sie in einem neuen Universum weiterleben d\u00fcrfen, aufgrund ihrer besonderen Verdienste um ein gel\u00f6schtes Universum? Nat\u00fcrlich wei\u00df ich nicht, ob sie das nicht st\u00e4ndig machen, doch irgendwas sagt mir, dass ich ein Pr\u00e4zedenzfall bin. Aber trotzdem ist es gut m\u00f6glich, dass ich mir das nur einbilde.\u201c<br>\u201eSo h\u00f6rt sich das in der Tat wahrscheinlicher an, dass es hier Menschen gibt\u201c, sagt Loiker nachdenklich. \u201eAber wo sind sie?\u201c<br>\u201eHallo? Ich bin keine G\u00f6ttin! Jedenfalls keine allwissende.\u201c<br>Auf Loikers fragenden Gesichtsausdruck hin sagt Katharina grinsend: \u201eSo wird halt Frau buchstabiert. Kennst du das nicht? Und pass auf, was du jetzt sagst.\u201c<br>Loiker ist schlau, er sagt gar nichts. Das liegt m\u00f6glicherweise weniger an seiner Intelligenz als an seiner Neugier, denn er beobachtet einen Schmetterling, der sich uns n\u00e4hert. Ein ziemlich gro\u00dfer Schmetterling. Eigentlich finde ich Schmetterlinge gut, sind sch\u00f6ne \u2026 Wesen. Bunt, elegant.<br>Dieser hier hat etwa die Gr\u00f6\u00dfe meiner Hand und ist rot wie Feuer. Das finde ich dann wieder weniger sch\u00f6n. Eine richtige Signalfarbe, und m\u00f6glicherweise hat sich dabei jemand etwas gedacht. Ganz abgesehen davon, dass ich es noch nie erlebt habe, dass ein Schmetterling so zielgerichtet auf jemanden zufliegt.<br>Auf mich, um genau zu sein.<br>Als ich trotz meiner Bedenken die Hand ausstrecke, setzt er sich auf sie.<br>Und dann wird es schmerzhaft. Verdammt schmerzhaft. Erst ist es ein Stich, der tut noch nicht so sehr weh. Er stammt definitiv vom Schmetterling. Dann wird es hei\u00df in meiner Hand. Und dann beginnt es zu brennen wie Feuer.<br>\u201eVerdammte Schei\u00dfe!\u201c, rufe ich. \u201eDas Biest hat mich gestochen!\u201c Ich starre meine Hand an, die sich nicht nur anf\u00fchlt, als w\u00fcrde sie brennen, sondern auch so aussieht. Fast jedenfalls.<br>Katharina zieht mein Schwert und teilt damit den erneut angreifenden Schmetterling sauber in zwei H\u00e4lften.<br>Das Feuer breitet sich in meinem Arm aus und wandert weiter nach oben. Es brennt nicht wirklich, aber es f\u00fchlt sich so an. Ich zerre das Hemd vom K\u00f6rper und beobachte die starke R\u00f6tung, die bald meine Schulter erreicht.<br>\u201eWas ist denn das?!\u201c, ruft Loiker entsetzt.<br>\u201eKeine Ahnung, aber es tut verdammt weh!\u201c, erwidere ich. \u201eUnd da kommen noch mehr von den Biestern!\u201c<br>Katharina wendet sich von mir ab und st\u00fcrmt den Schmetterlingen entgegen. Es sind f\u00fcnf oder sechs, so genau kriege ich das in meinem Zustand nicht mit. Akute Schw\u00e4che l\u00e4sst mich auf die Knie fallen, nur beil\u00e4ufig sehe ich, wie Katharina alle Angreifer erledigt.<br>\u201eDas ist nur die eine Sorte\u201c, sagt sie keuchend und hockt sich neben mir nieder. \u201eLoiker, achte darauf, ob noch mehr kommen!\u201c<br>Dann k\u00fcmmert sie sich um mich. Ich lege mich auf den R\u00fccken, sp\u00fcre zugleich, dass sich die Ausbreitung des Schmerzes verlangsamt. Das spricht f\u00fcr irgendein hochwirksames Gift, das nicht t\u00f6dlich zu sein scheint. Zumindest nicht f\u00fcr Menschen wie mich.<br>Ich bei\u00dfe die Z\u00e4hne so fest zusammen, dass ich blute.<br>\u201eDie R\u00f6tung geht wieder zur\u00fcck\u201c, h\u00f6re ich Katharinas Stimme wie durch Watte.<br>\u201eUnd das war nur ein Stich\u201c, bemerkt Loiker.<br>Ich setze mich langsam auf und beobachte erneut die R\u00f6tung, diesmal, wie sie sich sehr schnell wieder zur\u00fcckzieht.<br>\u201eDas k\u00f6nnte an deinem Kriegerk\u00f6rper liegen\u201c, stellt Katharina fest. \u201eLass dich mal lieber nicht stechen, Loiker, bei dir k\u00f6nnte es mehr Schaden anrichten.\u201c<br>\u201eIch gebe mir M\u00fche!\u201c<br>\u201eSehr gut. H\u00f6r auf mich und alles wird gut.\u201c<br>Wir sehen beide Katharina irritiert an, doch sie l\u00e4sst sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Wohingegen ich mir immer sicherer bin, dass sie eifers\u00fcchtig ist. Das ist so bescheuert.<br>Katharina st\u00fctzt mich beim Aufstehen und hilft mir, meine Bluse wieder anzuziehen. Meine Beine f\u00fchlen sich wie Fremdk\u00f6rper an, aber in etwa tun sie inzwischen, was ich will.<br>Ich atme tief durch.<br>\u201eIch mag keinen roten Urwald mit \u00dcberraschungen\u201c, bemerke ich dann. \u201eIch hoffe, mehr gibt es davon nicht.\u201c<br>\u201eNa, dann hoff mal.\u201c Das ist Loiker, aber er klingt irgendwie nicht gut. Also schauen wir ihn an, und er wiederum starrt etwas an. Als wir seinem Blick folgen, entdecken wir eine Wolke aus roten Schmetterlingen. Mit Kurs auf uns.<br>\u201eOh, oh\u201c, sagt Katharina. \u201eFunktionieren deine Feuerb\u00e4lle hier auch?\u201c<br>Das ist eine gute Frage und die Gelegenheit, es auszutesten, scheint auch g\u00fcnstig zu sein. Ich hebe also beide H\u00e4nde, richte sie auf die angreifenden Schmetterlinge und schicke zwei Feuerb\u00e4lle los. Danach hat die Wolke ein Loch und verkohlte Schmetterlinge purzeln auf den Boden. Als ich erfreut zwei weitere Feuerb\u00e4lle auf die Reise schicke, entsteht wieder ein Loch &#8211; allerdings bevor die Feuerb\u00e4lle ankommen.<br>\u201eDas ist irgendwie nicht gut, glaube ich\u201c, sagt Loiker, bleich geworden.<br>\u201eWir laufen!\u201c, entscheide ich kurzfristig und setze den Plan auch sofort in die Tat um.<br>Meine Gef\u00e4hrten versuchen nicht einmal, dar\u00fcber zu diskutieren. Sie folgen mir sogar sehr bereitwillig. Das Problem dabei ist Loiker, denn er ist zu langsam. Egal, wie durchtrainiert er ist, es reicht nicht. Katharina und ich w\u00fcrden die Wolke vermutlich abh\u00e4ngen, wenn wir allein w\u00e4ren.<br>\u201eEigentlich m\u00fcsste er jetzt heldenhaft sagen, dass wir ihn zur\u00fccklassen sollen\u201c, sagt Katharina.<br>Boah, ist die eifers\u00fcchtig!<br>\u201eWer?\u201c, erkundigt sich Loiker.<br>\u201eDu! Das machen die in Filmen immer so!\u201c Und als Loiker sie nur verst\u00e4ndnislos anstarrt, winkt sie ab. \u201eVergiss es! Wir w\u00fcrden dich sowieso nicht zur\u00fccklassen!\u201c<br>Nanu?<br>Katharina reicht mir mein Schwert, dann packt sie Loiker und hebt ihn m\u00fchelos hoch. Sieht lustig aus. Der gro\u00dfe Loiker h\u00e4ngt wie ein Baby an Katharina. Im Spinnenanzug. Das ist echt verr\u00fcckt.<br>Aber wir k\u00f6nnen auf diese Weise etwas schneller laufen. Nicht unsere volle Geschwindigkeit, denn ich bin noch geschw\u00e4cht und Katharina tr\u00e4gt zus\u00e4tzliche Last.<br>\u201eDa, eine Treppe!\u201c, ruft Loiker pl\u00f6tzlich und deutet schr\u00e4g nach vorne.<br>Er hat recht. Das wird immer verr\u00fcckter. Andererseits, eine Treppe bedeutet, dass es hier Wesen gibt, die sich \u00e4hnlich wie wir auf F\u00fc\u00dfen oder H\u00e4nden vorw\u00e4rtsbewegen. Das ist kein Nachteil. Vielleicht. Hoffentlich.<br>Katharina l\u00e4uft mit Loiker vor, ich hinter ihnen her und schie\u00dfe dabei zwei Salven Feuerb\u00e4lle auf die Schmetterlinge ab. Anscheinend rechnen sie damit nicht mehr, jedenfalls purzeln wieder verkohlte Tierchen auf den Boden und wir gewinnen etwas Raum.<br>Wie k\u00f6nnen nur so sch\u00f6ne Wesen so biestig sein?<br>Katharina denkt nicht lange nach, als sie bei der Treppe ankommt, sondern rennt nach unten. Wahrscheinlich hat sie recht, hier oben ist es definitiv doof, da unten nur vielleicht. Okay, daf\u00fcr k\u00f6nnte es noch doofer sein.<br>Ist aber gerade v\u00f6llig egal.<br>Ich folge den beiden keuchend. Auf halber Strecke drehe ich mich um und will den sch\u00f6nen Wesen einheizen, bemerke aber erstaunt, dass sie uns nicht folgen. Als w\u00e4re am Anfang der Treppe eine unsichtbare Barriere, die sie nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen.<br>\u201eOkaaay &#8230;\u201c<br>\u201eWas denn?\u201c Katharina bleibt ebenfalls stehen und blickt zur\u00fcck. Dann zieht sie die Augenbrauen hoch und setzt Loiker ab. \u201eIst das gut oder schlecht?\u201c<br>\u201eDa bin ich mir nicht ganz so sicher\u201c, erwidere ich nachdenklich. \u201eMeiner Lebenserfahrung nach ist das tendenziell schlecht.\u201c<br>\u201eDu scheinst ein interessantes Leben gehabt zu haben\u201c, stellt Loiker fest.<br>\u201eAuf jeden Fall!\u201c, best\u00e4tigt Katharina. \u201eAlso, ich schlage vor, wir gehen weiter. Hier abzuwarten ist keine sinnvolle Alternative.\u201c<br>\u201eKeine sinnvolle Alternative\u201c, murmele ich.<br>\u201eWas?\u201c<br>\u201eNichts. Hast du fr\u00fcher auch schon so geredet?\u201c<br>Sie starrt mich an. Dann grinst sie. \u201eVielleicht haben wir uns beide ver\u00e4ndert. Du auf jeden Fall.\u201c Und packt meinen Zopf.<br>\u201eHey!\u201c<br>\u201eGef\u00e4llt dir das nicht?\u201c Sie ber\u00fchrt meinen Mund mit ihren Lippen. \u201eDie Jahre bei den Augenlosen haben mich wohl abgeh\u00e4rtet.\u201c<br>\u201eJa, klar. Und die Jahre auf dem K\u00f6nigshof mich verweichlicht.\u201c<br>\u201eDas kann ich mir nicht vorstellen.\u201c<br>\u201eWieso nicht?\u201c<br>\u201eDu warst schon immer eine K\u00f6nigin, warum sollte dich dann ein K\u00f6nigshof ver\u00e4ndern?\u201c<br>\u201eWie, was? Ich war schon immer eine K\u00f6nigin?\u201c<br>\u201eIch k\u00f6nnte auch Prinzessin sagen, aber das trifft es nicht ganz. Mein Schatz, k\u00f6nnen wir das sp\u00e4ter ausdiskutieren?\u201c<br>\u201eKlar\u201c, knurre ich.<br>Mir f\u00e4llt ein, dass ich \u00c4hnliches in letzter Zeit schon \u00f6fter geh\u00f6rt habe. Selbst Leslie hatte gesagt, ich w\u00e4re eine F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit. Inzwischen glaube ich das ja auch, und die Jahre in Marbutan haben es best\u00e4tigt.<br>Aber jetzt wurde aus der F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit eine K\u00f6nigin, und das ist nicht dasselbe.<br>Ich beschlie\u00dfe, mich wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Wo und wann das auch immer sein mag.<\/p>\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVerfluchte Schei\u00dfe!\u201cMir f\u00e4llt ein, dass das exakt meine Reaktion gewesen ist, als ich die Spinnenwelt eine Etage h\u00f6her betreten hatte. Unwillk\u00fcrlich muss ich kurz auflachen.\u201eSollte ich mir Sorgen machen?\u201c, erkundigt sich Katharina mit gerunzelter Stirn. \u201eIst das ein Anzeichen beginnender Hysterie?\u201c\u201eNein, alles gut. Zumindest was meinen Gesundheitszustand betrifft. 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