{"id":346,"date":"2020-09-01T12:22:34","date_gmt":"2020-09-01T10:22:34","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=346"},"modified":"2020-09-01T12:22:35","modified_gmt":"2020-09-01T10:22:35","slug":"leseprobe-fiona-spinnen-die-kristallwelten-saga-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/leseprobe-fiona-spinnen-die-kristallwelten-saga-8\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Fiona &#8211; Spinnen (Die Kristallwelten-Saga 8)"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<p>\u201eVerfluchte Schei\u00dfe!\u201c<br>\nIch starre entgeistert nach unten. Und nach oben. Eigentlich egal, wohin ich blicke, ich sehe entweder schwarze Dunkelheit oder ein riesiges Spinnennetz. Letzteres befindet sich unter mir und damit unter dem, worauf ich stehe. Was es genau ist, wei\u00df ich noch nicht, aber es k\u00f6nnte sich um einen gigantischen Bahnhof handeln. Und gigantisch bedeutet hier wirklich gigantisch. Unz\u00e4hlige Schienen f\u00fchren in ihn hinein. Wie viele genau, das wei\u00df ich nicht, ich h\u00f6re bei etwa dreihundert auf zu z\u00e4hlen.<br>\n\u201eVerfluchte Schei\u00dfe\u201c, wiederhole ich. \u201eAus dem Mittelalter in eine Modelleisenbahn! Na toll!\u201c<br>\nIch betrachte das Spinnennetz, das sich unter den Schienen so weit erstreckt, wie ich \u00fcberhaupt sehen kann. Sehr weit ist es nicht, bald schon verliert sich alles in Dunkelheit. Und das, obwohl ich in der Dunkelheit eigentlich sehen kann.<br>\nDie Schienen sind faszinierend. Ehe sie das \u2026 Geb\u00e4ude, in dem ich mich befinde, erreichen, h\u00e4ngen sie v\u00f6llig freischwebend \u00fcber dem Spinnennetz. Nirgendwo ist irgendeine Art Aufh\u00e4ngung zu erkennen. Fahren darauf tats\u00e4chlich Z\u00fcge? Und was f\u00fcr welche? Jedenfalls andere als die, die ich aus meinem Universum kenne, denn den Schienen nach zu urteilen sind die Z\u00fcge hier mindestens doppelt so breit, wie sie auf der Erde waren. Mindestens.<br>\n\u201eIhr Arschl\u00f6cher!\u201c, schreie ich in die Dunkelheit hinaus. \u201eIhr verdammten Arschl\u00f6cher! Das macht euch wohl Spa\u00df?!\u201c<br>\nKeine Ahnung, ob sie mich h\u00f6ren, die G\u00f6tter, die es anscheinend lustig finden, mich an meine Grenzen zu treiben. Aber ein bisschen f\u00fchle ich mich nach diesem Ausbruch besser. Allerdings wirklich nur ein bisschen, und auch das ist wieder weg, als mir pl\u00f6tzlich Kian einf\u00e4llt. Und Askan. Und Katharina. Und James. Und Sandra.<br>\nVerdammt.<br>\nMir f\u00e4llt John ein, wie wir uns in einem Wartungsgang der U-Bahn gegenseitig fast den Sch\u00e4del eingeschlagen haben, bevor ich ihn mit meinem stilettom\u00e4\u00dfigen Absatz ruhigstellen konnte. Jetzt habe ich nur Stiefeln an, wie sie im Mittelalter \u00fcblich waren, daf\u00fcr habe ich mein Schwert, das beste in Marbutan.<br>\nAllerdings ist das hier ganz sicher kein Mittelalter, hier fahren Z\u00fcge, wohl eher nicht von Dampfloks gezogen. Keine Ahnung, in was f\u00fcr ein Universum mich die Schei\u00dfg\u00f6tter verfrachtet haben, aber ich h\u00e4tte es vermutlich schlimmer erwischen k\u00f6nnen. Zumindest gibt es hier Menschen und ich verstehe sogar ihre Sprache. Vieles ist dem \u00e4hnlich, was ich kenne, aber nicht alles. Ein bisschen habe ich das Gef\u00fchl, als h\u00e4tten die G\u00f6tter in diesem Universum ge\u00fcbt, bevor sie meins erschaffen haben.<br>\nNicht meins. Mein ehemaliges. Das ich nicht retten konnte.<br>\nIch bleibe stehen, um meine Fassung zu wiedererlangen. Die wird allerdings erneut empfindlich gest\u00f6rt, als irgendwo ein Zug ankommt. Gl\u00fccklicherweise weiter entfernt, denn er hat ein irrsinniges Tempo drauf. Mindestens Mach 3, wenn nicht mehr.<br>\nWas zum \u2026?<br>\nJedenfalls h\u00f6re ich ihn viel sp\u00e4ter als ich ihn sehe. Und w\u00e4re er auf einem der Gleise in meiner N\u00e4he angekommen, h\u00e4tte mich der Fahrtwind gnadenlos von den F\u00fc\u00dfen geholt.<br>\nIch sehe mich um. Seit einer halben Stunde, mindestens, laufe ich ins Innere dieses gigantisches Gebildes, weg von der Schw\u00e4rze, weg vom Spinnennetz. Allm\u00e4hlich kommt eine Wand n\u00e4her, von der ich hoffe, dass sich darin ein Wartungsgang befindet, durch den ich von dieser Plattform wegkomme, die gesch\u00e4tzt einige Dutzend Kilometer breit sein muss. Ein wenig erinnert sie mich an die Landeplattform aus \u201eStars Wars\u201c, sie ist nur gr\u00f6\u00dfer. Und in dem Film fahren keine Hunderte von Z\u00fcge rein.<br>\nAls ich endlich die Wand erreiche, erkenne ich eine Gittertreppe, die an einer T\u00fcr endet. Das sieht ja schon mal gut aus. Aber die Leute, die hier arbeiten, m\u00fcssen fit sein. Wieso gibt es hier keine Fahrst\u00fchle?<br>\nDie T\u00fcr ist aus Stahl, soweit ich es erkennen kann, und mit einem Knauf versehen. Allerdings l\u00e4sst er sich problemlos drehen, sodass ich die T\u00fcr \u00f6ffnen kann. Dahinter befindet sich ein Gang, der aussieht, wie solche G\u00e4nge eigentlich immer aussehen. An der Decke sind Neonlampen befestigt. Sie m\u00fcssten jetzt nur noch flackern, damit ich mir wie in einem schlechten Film vorkomme.<br>\nAber sie flackern nicht.<br>\nDer Boden ist sauber und genau wie die W\u00e4nde mit einem silberfarbenen Anstrich versehen. Ich kann nach rechts oder nach links gehen. Rechts gef\u00e4llt mir besser, dort sehe ich etwas weiter entfernt etwas blinken. Also nehme ich diese Richtung.<br>\nDas Blinken geh\u00f6rt zu einem Fahrstuhl, zum Rufknopf. Warum f\u00e4hrt der nicht einfach auf die Plattform? Das ist doch bescheuert. Dieser Korridor ist v\u00f6llig sinnlos.<br>\nIst es nicht, denke ich dann. So wie die Z\u00fcge da fahren, w\u00e4re es sehr unangenehm, wenn ausgerechnet in dem Augenblick, wenn die T\u00fcr aufgeht, ein Zug vorbeirauscht. Vielleicht hat doch jemand nachgedacht, als er die Anlage entworfen hat.<br>\nAber wer zum Teufel braucht so einen riesigen Bahnhof? Und was soll das Spinnennetz unter den Gleisen?<br>\nSehr eigenartig, das alles hier. Ich muss unbedingt schnellstm\u00f6glich herausfinden, in was f\u00fcr einer Welt ich gelandet bin. Und warum der Ring unbedingt wollte, dass ich durch diese T\u00fcr gehe.<br>\n\u00dcberhaupt, dieser Ring. Ich mustere ihn nachdenklich. In der Mittelalter-Welt hat er mir ja wirklich gute Dienste geleistet. Da er aber auch im Ewigen Turm gewirkt hat, geh\u00f6rt er nicht nur zu Kyo, wie alle glauben, sondern sogar zu Fiona. Fragt sich nur, wie er ins Spiel passt. Noch ein magic tool? Ich hoffe, er gibt mir noch weitere Hinweise. Cool w\u00e4re es ja, wenn er mir den Weg zu Katharina zeigen w\u00fcrde. Und noch cooler w\u00e4re es, wenn sie noch am Leben w\u00e4re. \u00dcber vier Jahre, die zumindest in der Mittelalter-Welt seit der Zerst\u00f6rung unseres Universums vergangen sind, k\u00f6nnen eine Ewigkeit sein. Ich sch\u00e4tze, Katharina wei\u00df auch nicht, wer sie ist. Was wiederum bedeutet, dass ich sie nicht nur finden, sondern auch \u00fcberzeugen muss, mich in den Ewigen Turm zu begleiten. Je nachdem, was sie inzwischen so treibt, k\u00f6nnte das eine echte Herausforderung werden.<br>\nZun\u00e4chst aber w\u00e4re ich schon froh, sie nur zu finden.<br>\nJetzt h\u00f6rt das Blinken auf und die T\u00fcr \u00f6ffnet sich. Ich sehe mich drei M\u00e4nnern gegen\u00fcber, die typische Monteurkleidung tragen. Wobei, einer von denen ist noch nicht wirklich ein Mann.<br>\n\u201eJa, wer bist du denn?\u201c, fragt ein anderer, der massem\u00e4\u00dfig locker die beiden anderen ersetzen k\u00f6nnte. Er ist dunkelblond, fast so hoch wie Askan oder James und hat blaue Augen.<br>\nIch \u00fcberlege kurz, ob ich mein Schwert ziehen soll, verzichte dann aber doch darauf. Die drei Jungs wirken nicht bedrohlich. Die beiden anderen sowieso nicht. Einer von ihnen ist schlank, etwa in meinem Alter und hat sich schnell von der \u00dcberraschung erholt.<br>\nDer dritte ist jung, noch nicht erwachsen, aber vermutlich ausgewachsen. Er ist deutlich kleiner als die beiden anderen und wird es vermutlich auch bleiben. Er mustert mich wie jemand, der nur selten eine Frau gesehen hat, nackt vielleicht noch nie.<br>\n\u201eMein Name ist Fiona\u201c, erwidere ich. \u201eWo ist der Ausgang?\u201c<br>\nDie drei starren mich an und fangen dann an zu lachen. Hm. Eigentlich meinte ich das ja ernst. Aber gut. Je nachdem, was das f\u00fcr eine Welt ist, gibt es vielleicht keinen Ausgang und meine Frage ist \u00e4hnlich bescheuert wie auf der Erde, als es sie noch gab, die Frage nach einer Sp\u00fclmaschine, die sich selbst einr\u00e4umt, ausschaltet und wieder ausr\u00e4umt, gewesen w\u00e4re.<br>\nDann zeigt der Dicke in die Richtung, aus der ich gekommen bin: \u201eDer einzige Ausgang, den es hier gibt, ist dort. Aber ich w\u00fcrde den nicht nehmen. Die Dolgs sind sehr schnell.\u201c<br>\nWer? Ich kann mich gerade noch beherrschen, die Frage nicht laut zu stellen. Fl\u00fcchtig schie\u00dft mir der Gedanke durch den Kopf, wie sch\u00f6n es doch war, als Kyo die Welt nach einer Tabula rasa vollkommen ahnungslos kennenzulernen. Jetzt, mit dem Wissen \u00fcber mein altes Universum und die Mittelalter-Welt, ist es viel anstrengender.<br>\nSchei\u00dfg\u00f6tter! Ich hasse euch!<br>\n\u201eHast du dich denn verirrt?\u201c, fragte jetzt der andere \u00e4ltere.<br>\n\u201eIch glaube schon. Wo bin ich \u00fcberhaupt?\u201c<br>\n\u201eIm Wartungstunnel der A-Plattform\u201c, antwortet er. \u201eEigentlich d\u00fcrfen hier nur Wartungstechniker sein, also wir.\u201c<br>\n\u201eIch w\u00fcrde ja gerne gehen, aber wie komme ich hier weg?\u201c<br>\n\u201eDu musst doch irgendwie hergekommen sein\u201c, meint der Dicke.<br>\n\u201eIch wei\u00df aber nicht, wie.\u201c Die Nummer, sich an nichts zu erinnern, hat ja schon mal gut funktioniert. Allerdings war sie in der anderen Welt echt.<br>\n\u201eDu wei\u00dft nicht, wie?\u201c<br>\nIch sch\u00fcttele den Kopf.<br>\nDer Schlanke sieht den Dicken an und sagt: \u201eIch bringe sie nach oben. Ihr kommt sicher auch allein zurecht.\u201c<br>\n\u201eKlar, Omar\u201c, sagt der Dicke und winkt dann dem Kleinen zu. \u201eKomm, Kid. Wir lassen Omar mit seiner neuen Flamme allein.\u201c<br>\n\u201eIch k\u00f6nnte sie doch auch nach oben bringen, Danny\u201c, meint Kid.<br>\nDanny? Das auch noch!<br>\nDanny legt ihm freundschaftlich die Pranke auf die Schulter und zieht ihn mit sich. \u201eWerde du erst mal erwachsen, Kleiner. Komm jetzt!\u201c<br>\nDie beiden trotten Richtung Treppe davon, wobei Kid noch nicht ganz so \u00fcberzeugt ist, dass es so richtig ist, denn er blickt mehrmals zur\u00fcck.<br>\n\u201eMein Name ist Omar Caruso\u201c, sagt der dritte Mann. \u201eKomm in den Aufzug. Ich bringe dich zum Ausgang. Danny hat zwar gesagt, es gibt keinen, aber nat\u00fcrlich kannst du den Wartungsbereich verlassen.\u201c<br>\nIch nicke und betrete die Kabine. Omar dr\u00fcckt einen Knopf, woraufhin die T\u00fcr zugleitet und der Aufzug sich in Bewegung setzt. Erstaunlich leise und schnell.<br>\n\u201eDu meintest das doch nicht ernst, dass du dich nicht erinnerst, oder? Bist du eine Demonstrantin?\u201c<br>\n\u201eEine Demonstrantin? Nein, das glaube ich nicht. Wof\u00fcr sollte ich denn demonstrieren?\u201c<br>\nEr zuckte die Achseln. \u201eDas habe ich sowieso nicht verstanden, wof\u00fcr diese Demonstrationen gut sein sollen. Angeblich f\u00fcr bessere Lebensbedingungen. Aber das ist ja Bl\u00f6dsinn. Es gibt ja nur den Bahnhof.\u201c<br>\nAha. Soll er das ruhig glauben. \u201eIch erinnere mich nicht, was ich bin.\u201c<br>\n\u201eAber du wei\u00dft doch deinen Namen?\u201c<br>\n\u201eJa, und das war es auch schon.\u201c<br>\nEr mustert mich nachdenklich. \u201eSag mal, kann es sein, dass der Chef dich schickt?\u201c<br>\n\u201eDer Chef? Mich?\u201c<br>\n\u201eEr macht ja schon mal so einen Quatsch. Um uns aufzumuntern und zu motivieren.\u201c<br>\nMitarbeitermotivation. \u00dcberall auf dieselbe Art und Weise. Menschen sind Menschen, egal wo.<br>\n\u201eUnd wenn es so w\u00e4re?\u201c<br>\n\u201eDann h\u00e4ttest du das vorher sagen m\u00fcssen, damit die anderen auch was davon haben.\u201c<br>\n\u201eVielleicht gilt es aber nur dir?\u201c<br>\n\u201eDu wusstest doch gar nicht vorher, dass ich dich hochfahre.\u201c<br>\n\u201eNein, da hast du einfach nur Gl\u00fcck.\u201c<br>\n\u201eAha.\u201c Er schweigt und sieht mich an. Da ist er, dieser Wie-siehst-du-denn-darunter-nackt-aus-Blick. Und da ich im Moment absolut keine Ahnung habe, wie die Spielregeln in dieser Welt sind, beschlie\u00dfe ich, in den \u00dcberlebensmodus zu schalten. Und wenn es dazu geh\u00f6rt, mit einem wildfremden Mann zu ficken, dann ist es eben so.<br>\n\u201eWas h\u00e4ltst du davon, wenn du f\u00fcr heute Feierabend machst und wir zu dir gehen?\u201c, erkundige ich mich. Mehr als schiefgehen kann es ja nicht.<br>\n\u201eWenn der Chef das so gesagt hat, dann ist das schon okay\u201c, erwidert er. Ich wei\u00df nicht, ob ich seinen Fatalismus lange ertragen kann.<br>\n\u201eKlingt gut\u201c, sage ich und schenke ihm ein L\u00e4cheln.<br>\n\u201eIch sollte dich zur n\u00e4chsten TESZ bringen\u201c, sagt er.<br>\n\u201eZur was?\u201c<br>\n\u201eK\u00f6rperwartungsstation. TESZ.\u201c<br>\nIch \u00fcberlege kurz. Wahrscheinlich meint er ein Krankenhaus. Aber die Bezeichnung ist schon krass. K\u00f6rperwartungsstation. Hei\u00dft das wirklich so oder nennt er es nur so, weil er einen Berufsschaden hat? Ich beschlie\u00dfe, dass es im Moment keine Rolle spielt und dass ich das ganz sicher nicht will.<br>\n\u201eNicht n\u00f6tig\u201c, antworte ich knapp.<br>\n\u201eWie du willst.\u201c Er betrachtet mich. Sein Bett ist nicht besonders breit, daher liegt er auf der Seite, den Kopf in die Hand gest\u00fctzt. Auf meinem Gesicht verweilt sein Blick nur kurz, dann wechselt er ziemlich schnell zu meinen Br\u00fcsten, die er vorhin noch zerquetschen wollte, als er kam. Ich bin ja die unterschiedlichsten M\u00e4nner gewohnt, von ganz fr\u00fcher noch, als ich fast jede Nacht, mindestens aber an den Wochenenden, unterwegs war und recht wahllos die M\u00e4nner nahm, wie sie kommen wollten. Daher kenne ich die M\u00e4nner, die einer Frau ganz wild die Br\u00fcste kneten, wenn sie auf ihm sitzt. Auch der eine Idiot im Bordell von Emily war ja nicht anders gewesen. Aber Omar ist eigentlich kein typischer Brustzerquetscher. Andererseits ist hier m\u00f6glicherweise alles anders typisch, als ich es kenne. Ist ja schlie\u00dflich ein anderes Universum.<br>\nIch ziehe das rechte, ihm abgewandte Bein an, dann lasse ich das Knie nach au\u00dfen fallen. Dadurch h\u00e4ngt es in der Luft, aber Omar hat einen guten Blick auf meine Schamhaare. Und er wird der Versuchung nicht widerstehen k\u00f6nnen.<br>\nSo ist es auch. Seine linke Hand liegt pl\u00f6tzlich, sozusagen angriffsbereit, auf meinem Bauch.<br>\n\u201eDu hast einen sehr muskul\u00f6sen Bauch\u201c, bemerkt er.<br>\nIch sage nichts, lege nur meine rechte Hand auf meinen rechten Oberschenkel. Die andere ist irgendwo unter ihm begraben. Seine linke Hand bewegt sich nun nach unten, durch die blonden Schamhaare und noch weiter. Mit der f\u00fcr viele M\u00e4nner typischen Zielstrebigkeit schiebt sich sein Mittelfinger zwischen meine Lippen, verharrt nur kurz, sehr kurz, bei der Klitoris und dringt dann in mich ein.<br>\n\u201eBist du immer noch erregt oder schon wieder?\u201c, erkundigt er sich grinsend.<br>\nEigentlich weder noch, mein K\u00f6rper reagiert einfach nur. Wof\u00fcr ich ihm in dieser Situation ausgesprochen dankbar bin.<br>\n\u201eKomm, leg dich auf mich\u201c, erwidere ich.<br>\nEr gehorcht, ist dabei erstaunlich ungeschickt. Ich greife nach seinem Schwanz und f\u00fchre ihn ein. Hoffentlich sind nicht alle M\u00e4nner in dieser Welt so unbeholfen. Wobei, eigentlich interessieren sie mich alle nicht.<br>\nIch will Katharina!<br>\nIch lenke mich mit dem Gedanken an sie ab, w\u00e4hrend Omar rammelt. Anders kann man das nicht nennen, was er vollf\u00fchrt. Irgendwann reicht es mir und ich packe seinen Hintern, um ihm zu zeigen, wie er sich bewegen soll. Danach wird es besser.<br>\nTrotzdem bin ich froh, als er endlich kommt und sich danach von mir abrollt. Jetzt liegt mein linker Arm unter seinem Kopf. Ich befreie ihn und gehe ins Bad. Die T\u00fcr l\u00e4sst sich nicht abschlie\u00dfen. Egal. Tiefer kann ich sowieso nicht mehr sinken.<br>\nNach dem Pullern wische ich mich ab und blicke hoch, als ich seine Bewegung wahrnehme.<br>\nEr steht in der T\u00fcr und sieht mich an.<br>\n\u201eH\u00f6r zu, der Chef hat sich gemeldet. Ich muss zur Schicht. Du warst gar nicht von ihm.\u201c<br>\nIch nicke nur.<br>\n\u201eMeinetwegen kannst du bleiben, w\u00e4hrend ich arbeiten bin. Aber danach musst du gehen. Wenn du willst, fahre ich dich zur TESZ, aber das war es.\u201c<br>\n\u201eOkay.\u201c<br>\n\u201eIch bin mir nicht sicher, wer oder was du bist. Vielleicht doch eine Demonstrantin. Ist mir auch egal. Den Sex fand ich gut.\u201c<br>\nIch nicht, aber das sage ich ihm lieber nicht. Au\u00dferdem sind meine Anspr\u00fcche inzwischen sehr hoch. Vor allem, seitdem ich durch Katharina und Sarah wei\u00df, wie sich ein Orgasmus anf\u00fchlen kann. Aber auch Askan, obwohl ein Mann, hat es geschafft, mich aus meinem K\u00f6rper zu katapultieren.<br>\nDas alles sage ich Omar nat\u00fcrlich nicht. Ich frage mich nur, was eine Demonstrantin tun soll. Also, eine einzige, ganz allein. Im Wartungstunnel. So richtig viel Sinn macht das nicht, finde ich.<br>\n\u201eIch wei\u00df auch nicht, wer oder was ich bin. Habt ihr nicht irgendwelche Computer oder so was? Internet? Irgendetwas, wo ich mich informieren kann, was es gibt? Vielleicht f\u00e4llt mir dann wieder etwas ein.\u201c<br>\nOh Fiona, das ist sehr plump. Sehr, sehr plump. Andererseits glaubt er mir sowieso nichts mehr, das sehe ich ihm an. Dennoch zeigt er mir den E-TERM. Das ist tats\u00e4chlich etwas \u00c4hnliches wie ein Computer. Im Wesentlichen ein Touchscreen mit einem Betriebssystem, mit dem verglichen Windows 3.1 ausgesprochen fortschrittlich war.<br>\nAber wenigstens etwas.<br>\nEr zieht sich an, w\u00e4hrend ich am E-TERM sitze und mich mit der Bedienung vertraut mache. Danach kommt er zu mir, gibt mir einen Kuss, der in seiner Unbeholfenheit fast schon r\u00fchrend ist, ber\u00fchrt dabei nat\u00fcrlich meine linke Brust und sagt: \u201eIch gehe dann. Wo es was zu essen gibt, wei\u00dft du ja.\u201c<br>\nDas wei\u00df ich, weil er mir den K\u00fchlschrank, der auch warm machen kann, gezeigt hat. Ich nicke also und sehe ihm zu, wie er seine ID nimmt und dann die kleine Wohnung verl\u00e4sst.<br>\nDann atme ich tief durch. Nichts f\u00fcr ungut, Omar, aber mich findest du hier nicht mehr, wenn du zur\u00fcckkommst.<br>\nOmars Wohnung erinnert mich ein wenig an diese Appartements f\u00fcr Saisonarbeiter auf der Erde. Klein, funktional. Im Wesentlichen besteht sie aus dem Wohn- und Schlafbereich, dem Bad und einer K\u00fcche. In einem Wandschrank, der erstaunlich gro\u00df ist, finde ich Kleidung. M\u00e4nnerkleidung und viel zu gro\u00df, also bleibe ich erst einmal nackt, w\u00e4hrend ich mich an den E-TERM setze.<br>\nIch muss unbedingt herausfinden, wo ich \u00fcberhaupt gelandet bin. Wozu, verdammt nochmal, gibt es so viele Gleise? Auch das Spinnennetz finde ich \u00e4u\u00dferst irritierend.<br>\nDer E-TERM erinnert mich ein wenig an meine ersten Erfahrungen an einem PC. Da war ich etwa zehn. Die Grafik ist hier allerdings deutlich besser und der Bildschirm ber\u00fchrungsempfindlich. Tastatur oder eine Maus gibt es nicht. Und auch kein Internet oder etwas \u00c4hnliches.<br>\nDas System dient vor allem dazu, sich mit allem zu versorgen, was n\u00f6tig ist. Wenn ich es richtig verstehe, gibt es zwar auch die M\u00f6glichkeit, einkaufen zu gehen, aber es scheint nicht \u00fcblich zu sein.<br>\nDer Ort, wo ich mich befinde, hei\u00dft Lomas. Im Grunde scheint er ein riesiger Bahnhof zu sein. In einem Programm, das f\u00fcr die Wartungstechniker zu sein scheint, erfahre ich, dass von maximal m\u00f6glichen 42.000 Z\u00fcgen derzeit 38.734 im Bahnhof sind.<br>\n38.734??? Hallo? Was zum Teufel ist das hier? Und wie gro\u00df ist der Bahnhof eigentlich?<br>\nLetzteres finde ich nicht heraus, aber es gibt wohl ein Programm, mit dem ich Routen zu verschiedenen Zielen in oder auf Lomas berechnen lassen kann. Manche Routen scheinen ziemlich lang zu sein, denn ich w\u00fcrde mit so einem Aufzug, der Bomo hei\u00dft, mehrere Ruls brauchen. Omar hat erw\u00e4hnt, dass er \u00fcblicherweise zwei Ruls zwischen zwei Schichten hat. Wenn es nur halbwegs \u00e4hnlich ist wie bei uns, wird ein Rul etwa acht Stunden entsprechen.<br>\nDas Programm nutzt zur Fortbewegung allerdings nicht nur die Bomos, die sich sowohl vertikal als auch horizontal bewegen k\u00f6nnen, sondern auch Magnetbahnen. Ich gehe davon aus, dass Magnetbahnen ziemlich schnell sind, Lomas also richtig gro\u00df sein muss. Bei fast 40.000 Z\u00fcgen sowieso.<br>\nWo bin ich blo\u00df gelandet?<br>\nIch denke nach. Soweit ich es sehen kann, ist in dieser Welt die Technik, wenn man von einigen Eigenarten absieht, auf einem \u00e4hnlichen Stand wie in der Welt, aus der ich urspr\u00fcnglich komme. Die Computertechnologie erinnert mich teilweise ans Ende der Achtziger, teilweise an das 21. Jahrhundert. Auch die Kleidung ist durchaus vergleichbar, im Kleiderschrank h\u00e4ngen sogar Jeans. Wo die Baumwolle daf\u00fcr auch immer herkommen mag. In gewisser Weise scheint Lomas einer riesige Weltraumstation nicht un\u00e4hnlich zu sein, und die Menschen hier biologisch und psychologisch den Menschen, die ich kenne, zumindest, sagen wir mal, nachempfunden. Da ich ja, wahrscheinlich im Gegensatz zu ihnen, von den G\u00f6ttern und ihrem Monopoly wei\u00df, w\u00e4re ich nicht \u00fcberrascht, wenn dieses Universum als eine Art Vorl\u00e4ufer meines urspr\u00fcnglichen Universums gedient h\u00e4tte. Daf\u00fcr spricht, dass die Welt, in der ich die letzten Jahre verbracht habe, wie eine sehr vereinfachte Version des irdischen Mittelalters wirkt.<br>\nIch brauche eine Bar. Oder etwas \u00c4hnliches. Da k\u00f6nnte ich Kontakte kn\u00fcpfen. Das bedeutet zwar auch, dass ich schon lange nicht mehr genutzte Verhaltensweisen hervorholen muss, aber ich glaube, ich kann es mir nicht leisten, zimperlich zu sein. Dann h\u00e4tte ich ja auch nicht mit Omar schlafen d\u00fcrfen.<br>\nIch habe eine nicht zu untersch\u00e4tzende Waffe: meinen K\u00f6rper. Ich kann ihn zum K\u00e4mpfen einsetzen oder eben zum Verf\u00fchren. Und solange ich nicht genau verstehe, wie diese Welt funktioniert, sollte ich mich nach M\u00f6glichkeit auf Sex beschr\u00e4nken.<br>\nIch bediene mich im Kleiderschrank Omars. Jeans, deren Beine ich hochkrempele, eine Art Holzf\u00e4llerhemd, darunter die kleinste Unterhose, die ich finden kann, Sportschuhe. Auf einen BH muss ich gezwungenerma\u00dfen verzichten, auf Socken verzichte ich freiwillig, nachdem ich sehe, was f\u00fcr welche Omar hat. Nein, danke.<br>\nF\u00fcr mein Schwert finde ich eine Sporttasche, die gro\u00df genug ist. Ich stopfe sie mit Hemden voll und hoffe, dass es keine Scanner in den Bomos gibt. Oder sonst irgendwo. Zur Not kann ich auf das Schwert durchaus verzichten, aber es erinnert mich an Askan und Marbutan, deswegen ist es mir wichtig. Vielleicht ergibt sich noch eine Gelegenheit, es irgendwo sicher aufzubewahren. Aber ganz sicher nicht in der Wohnung von Omar. Ich w\u00fcrde eine weitere Begegnung mit ihm gerne vermeiden. Auch wenn er mir sehr geholfen hat, mehr, als er ahnt, sind meine Gef\u00fchle f\u00fcr ihn, nachdem wir zweimal Sex hatten, nicht positiv, um es mal freundlich auszudr\u00fccken. Eigentlich w\u00fcrde ich am liebsten kotzen.<br>\nZum Schluss suche ich noch etwas, womit ich meine Haare binden kann. Sie sind offen zu lang und zu auff\u00e4llig. Abschneiden will ich sie erst, wenn es sich gar nicht vermeiden l\u00e4sst. Ich habe sie fast 20 Jahre lang kurz getragen, irgendwie gefallen sie mir so lang.<br>\nSchlie\u00dflich finde ich ein Dekoband von irgendeiner Geschenkverpackung, die unauff\u00e4llig genug ist, damit binde ich mir einen hohen Pferdeschwanz. Dann nehme ich die Tasche mit dem Schwert und verlasse die Wohnung.<br>\nEin sehr langer Korridor mit sehr vielen gleichen T\u00fcren m\u00fcndet in einen kleinen Raum mit einer Haltestelle f\u00fcr Bomos. Diese werden \u00fcber einen Touchscreen gesteuert. Ich gebe das Ziel ein, dessen Schl\u00fcsselnummer ich mir gemerkt habe.<br>\nDie T\u00fcr schlie\u00dft sich und die Kabine setzt sich in Bewegung.<br>\nZum Gl\u00fcck bin ich allein. Ich setze mich, lehne mich gegen die Wand und schlie\u00dfe die Augen.<br>\nSo viel habe ich bereits verstanden: Sonne, Sterne, \u00fcberhaupt einen Himmel, all das gibt es hier nicht. Das gab es schon in der Mittelalter-Welt nicht, nur das Spiegelbild eines Mondes, aber dort gab es wenigstens etwas \u00c4hnliches. Die Treppe f\u00fchrte im Ewigen Turm nach unten, vielleicht ist dieses Universum in Ebenen aufgebaut und es geht nur noch nach unten.<br>\nWas f\u00fcr eine symbolische Aussage!<br>\nAls ich die Bomo verlasse, vergesse ich f\u00fcr einen Augenblick, dass ich mich gar nicht mehr in meinem Universum befinde und w\u00e4hne mich in einer Shopping Mall. Dann ist der Augenblick auch schon vorbei. Gesch\u00e4fte gibt es hier nicht, nur Bars, einige Dutzende. Die meisten sind jetzt geschlossen, die normalen Menschen arbeiten anscheinend.<br>\nDennoch finde ich eine Bar, die offen hat. Viele G\u00e4ste sind nicht darin. Sie sieht sauber und ordentlich aus, einfach eingerichtet, am ehesten mit einem Bistro von der Erde vergleichbar.<br>\n\u201eSoumbala\u201c, so steht es \u00fcber der Eingangst\u00fcr. Erinnert mich an Tiefschlaf. Nun ja.<br>\nIch betrete die Bar und sehe mich unauff\u00e4llig um, w\u00e4hrend ich auf einen Tisch am Fenster zugehe. Der Wirt, in sauberes T-Shirt gekleidet, kr\u00e4ftig gebaut, \u00e4lter, mit grauem, sch\u00fctterem Haar. Eine Kellnerin, blond, aber gef\u00e4rbt, ungeschickt geschminkt, die gro\u00dfen Br\u00fcste mit M\u00fche in einem viel zu tiefen Ausschnitt geb\u00e4ndigt. Ein Paar in meinem Alter und zwei M\u00e4nner Anfang vierzig, eindeutig schwul. Ein Mann ohne Begleitung, Glatze, \u00fcber f\u00fcnfzig.<br>\nDie \u00fcberblonde Kellnerin kommt sofort auf mich zugest\u00fcrzt und taxiert mich. Eigentlich bin ich keine Konkurrenz f\u00fcr sie, abgesehen vom \u00e4hnlichen Alter d\u00fcrften wir nichts gemeinsam haben. Au\u00dferdem blondiert sie ihre Haare, meine hingegen sind erkennbar von Natur aus so hell.<br>\n\u201eKaffee?\u201c, fragt sie, w\u00e4hrend sie sich so neben mir aufbaut, dass der Glatzkopf mich kaum sehen kann.<br>\n\u201eJa. Was gibt es zu trinken?\u201c<br>\n\u201eBier!\u201c<br>\n\u201eGut, dann nehme ich Bier.\u201c<br>\nDa bin ich ja mal gespannt, was f\u00fcr ein Bier die haben. Dar\u00fcber, wo die Rohstoffe daf\u00fcr herkommen, denke ich lieber gar nicht erst nach. Irgendwie habe ich pl\u00f6tzlich Sehnsucht nach der Landwirtschaft von Kasunga. Auch ohne Sonne war der Wein erstaunlich gut.<br>\nIch beobachte fl\u00fcchtig die G\u00e4ste. Die beiden P\u00e4rchen sind f\u00fcr mich uninteressant,  ich kann ihnen nichts bieten, was sie haben wollen. Leider anscheinend auch dem Glatzkopf nicht, denn er sieht mich gar nicht an. Entweder ist der auch schwul oder ganz raus aus dem Spiel. Bei einem Glatzkopf eher verwunderlich. Andererseits, ein Klischee, das auf der Erde wahr war, muss nicht auch hier stimmen.<br>\nW\u00e4re gut zu wissen, womit hier eigentlich bezahlt wird. Auf der Tafel \u00fcber der Bar stehen nur die Zahlen, keine W\u00e4hrungsangabe.<br>\nMein Bier und Kaffee werden gebracht. Dabei beugt sich die falsche Blondine unn\u00f6tig weit vor, so kann ich ihre Titten, den Bauchnabel und die Schamhaare bewundern. Na gut, nur die schweren Titten. Sieht man mir eigentlich an, dass ich auch Frauen mag? Oder liegt es an meiner m\u00e4nnlichen Kleidung, dass sie mich so anmacht?<br>\nIch schenke ihr ein L\u00e4cheln und kann mich gerade so beherrschen, sie nicht zu fragen, wann sie Feierabend hat. Eigentlich will ich nichts von ihr. Doch vielleicht werde ich nicht umhin kommen, erneut Sex als Waffe zu nutzen. Ich hoffe aber noch. Ich hoffe, dass jemand hereinkommt, der sich f\u00fcr mich interessiert. Der meine Rechnung bezahlt. Und den Rest sehen wir dann.<br>\nDie Kellnerin erinnert mich mit ihren gro\u00dfen Br\u00fcsten zu sehr an Katharina, auch wenn sie ansonsten nicht einmal ansatzweise in deren Liga spielt.<br>\n\u201eJeky!\u201c, ruft der Wirt meinem neuen Schwarm zu. \u201eDa m\u00f6chte jemand was bestellen!\u201c Er deutet auf das Schwulenp\u00e4rchen.<br>\nJeky sieht mich bedauernd an, dann rauscht sie davon. Ich probiere den Kaffee. Schmeckt \u00e4tzend. Ich probiere das Bier. Schmeckt nicht wie der Kaffee, nur schlimmer. Ich werde mich geschmacklich wohl sehr einschr\u00e4nken m\u00fcssen.<br>\nIch hasse euch, ihr schei\u00dfverdammten G\u00f6tter!<br>\nIch betrachte Jeky, die an der Bar steht. Enger, schwarzer Rock, der ihren nicht schmalen, aber durchaus gut geformten Hintern deutlich nachzeichnet und au\u00dferdem verr\u00e4t, dass sie einen Tanga tr\u00e4gt. Kr\u00e4ftige Waden, aber nicht dick.<br>\nNein, Fiona, nein.<br>\nImmer noch besser als Omar!<br>\nDu w\u00fcrdest trotzdem nur an Katharina denken und so trocken sein wie die W\u00fcste vor Augle!<br>\nDas stimmt nat\u00fcrlich.<br>\nInnerlich seufzend wende ich den Blick von der Kellnerin ab und mustere den Glatzkopf. Aber der interessiert sich nur f\u00fcr sein Buch. Immerhin, hier gibt es B\u00fccher. Das ist gut. Die Leute lesen. Okay, je nachdem, was in den B\u00fcchern steht, kann das auch ein Nachteil sein. Wir werden sehen.<br>\nIch habe kein Buch dabei. Ich habe auch sonst ziemlich wenig dabei, was ich ansehen k\u00f6nnte. Eigentlich nur mein Schwert, aber das sollte ich lieber dort lassen, wo es ist. Also nehme ich die Speisekarte, aber die ist nicht sehr aufregend. Daf\u00fcr steht Jeky wieder neben mir.<br>\n\u201eM\u00f6chten Sie was essen?\u201c<br>\n\u201eIm Moment nicht. Ich war nur neugierig.\u201c Ich schenke ihr wieder ein L\u00e4cheln. Vielleicht sollte ich das nicht tun, sie kommt nur auf falsche Gedanken. Keine Chance, dass sie Sex mit mir hat, obwohl sie m\u00f6chte, das kann ich sehr deutlich riechen.<br>\nVerdammt! Geh und fick doch deinen Chef!<br>\nIch mustere diesen kurz. So schlecht sieht er doch nicht aus. Okay, fast doppelt so alt wie sie, aber das ist nun wirklich kein Thema. Vertraue mir, S\u00fc\u00dfe, ich habe damit Erfahrung.<br>\nMir wird bewusst, dass ich sie gerade S\u00fc\u00dfe genannt habe. Das zeigt mir, in welcher schlechten Verfassung ich mich befinde. Wenn wenigstens der Sex gut gewesen w\u00e4re \u2026<br>\nSeufzend erhebe ich mich.<br>\n\u201eIch bringe die Rechnung!\u201c, ruft Jeky.<br>\n\u201eNicht n\u00f6tig!\u201c<br>\n\u201eWieso nicht?\u201c<br>\n\u201eHabe sowieso kein Geld und kann nicht zahlen.\u201c<br>\n\u201eDam!\u201c, kreischt sie. Ich brauche ein paar Sekunden, um zu kapieren, dass sie nicht geflucht, sondern ihren Chef gerufen hat. \u201eDam, sie will abhauen, ohne zu zahlen!\u201c<br>\nSehr weit ist es mit ihrer Liebe ja nicht her. Oder ich habe sie entt\u00e4uscht und sie ist sauer. K\u00f6nnte nat\u00fcrlich auch sein.<br>\nDam baut sich zwischen mir und der T\u00fcr auf und sagt mit tiefer Stimme: \u201eDu kommst hier nicht raus, wenn du nicht bezahlst.\u201c<br>\n\u201eH\u00f6r zu, das schwarze Wasser und das andere Wasser sind ungenie\u00dfbar. Au\u00dferdem m\u00f6chte ich dich nicht verpr\u00fcgeln. Geh mir also aus dem Weg.\u201c<br>\nErst starrt er mich ungl\u00e4ubig an. Dann erscheint ein breites Grinsen auf seinem Gesicht.<br>\n\u201eJeky, ruf den Sicherheitsdienst! &#8211; M\u00e4dchen, letzte Gelegenheit, die Rechnung zu bezahlen. Wenn die Sicherheitsleute da sind, nehmen sie dich mit.\u201c<br>\n\u201eDas bezweifle ich. Ich werde jetzt gehen.\u201c<br>\n\u201eDarfst du ja. Nachdem du bezahlt hast.\u201c<br>\nIch mache einen Schritt auf ihn zu, als Jeky sich sozusagen auf mich wirft. Nicht sehr professionell, daf\u00fcr aber mit vollem Gewicht. Es kommt \u00fcberraschend f\u00fcr mich, ich verliere das Gleichgewicht, wir landen beide zusammen auf dem Boden. Von dort aus sehe ich zwei uniformierte M\u00e4nner zur T\u00fcr hereinkommen.<br>\nIch \u00fcberrede Jeky, nicht mehr auf mir zu liegen, und da ich sauer bin, mache ich das relativ unsanft. Dabei f\u00e4llt ihr etwas aus der Rocktasche. Sieht aus wie eine Ausweiskarte oder \u00c4hnliches. Vielleicht kann ich sie noch gebrauchen, also lasse ich sie schnell verschwinden, bevor ich hochspringe und mich den Uniformierten gegen\u00fcber finde.<br>\nSie k\u00f6nnten Profis sein, wehtun will ich ihnen aber nicht, jedenfalls nicht mehr, als unbedingt n\u00f6tig. Ich nutze einige Dim-Mak-Punkte, um die beiden schnell und effektiv au\u00dfer Gefecht zu setzen, dann packe ich meine Tasche und renne nach drau\u00dfen. Dam vergisst vor lauter Verbl\u00fcffung, mich aufhalten zu wollen. Oder er ist beeindruckt, wie ich die beiden Sicherheitsleute ausgeschaltet habe. Das war ja auch ein Teil meiner Absicht. Mit Dim Mak kann man schnell f\u00fcr gro\u00dfen Respekt sorgen, wenn man es richtig anzuwenden wei\u00df.<br>\nDrau\u00dfen laufe ich in die Richtung, aus der ich gekommen bin. In diesem Bereich zu bleiben, ist nicht sehr ratsam. Die Bomos scheinen eine recht kleine Reichweite zu haben. Doch ich habe vorhin einen Hinweis auf eine Magnetbahn gesehen und folge jetzt diesem. So gelange ich nach wenigen Minuten auf etwas, was fast eine Metrostation sein k\u00f6nnte. Nur f\u00e4hrt die Bahn nicht auf Schienen, zumindest nicht konventionell. Der Name deutet es ja schon an. Und ich bin froh \u00fcber die Karte, die Jeky verloren hat, denn die brauche ich, um gewaltfrei auf den Bahnhof zu kommen.<br>\nWenn jetzt auch noch eine Bahn k\u00e4me, w\u00e4re das perfekt. Es wird nicht lange dauern, bis die Sicherheitsleute zu sich kommen und mehr von ihrer Sorte alarmieren. Bis dahin m\u00f6chte ich weg sein.<br>\nIch habe Gl\u00fcck, nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit zwar, aber auf jeden Fall eher als irgendwelche Uniformierten, kommt die Bahn und ich steige ein. Von innen sieht der Wagen eher wie ein Fernreisezug aus, aber das kann mir nur recht sein. Weit weg von hier ist nicht schlecht. Und bisschen durchatmen, nachdenken, das h\u00e4tte auch was.<br>\nIch setze mich so hin, dass ich von drau\u00dfen nicht zu erkennen bin. Lange dauert der Aufenthalt nicht, nach einem kurzen Piepston schlie\u00dfen sich die T\u00fcren und der Zug setzt sich in Bewegung.<br>\nBye, bye, Jeky.<br>\nDer Bahnhof muss einfach gro\u00df sein. Nicht der Bahnhof der Magnetbahn, sondern der Bahnhof der 40.000 Z\u00fcge. Also Lomas. Denn die Magnetbahn, in der ich sitze, gleitet nicht nur recht leise, sondern auch ziemlich schnell durch einen Tunnel. Und wenn ich mich nicht t\u00e4usche, ist er nach dem Verlassen des Bahnhofs in eine evakuierte R\u00f6hre gefahren, was eine fast lautlose und ziemlich schnelle Fahrt erm\u00f6glicht.<br>\nDie Ausstattung des Zuges deutet darauf hin, dass die Fahrt lange dauern kann. Bei einem so schnellen Zug kann das nur bedeuten, dass die Strecke lang ist. Und da die Z\u00fcge au\u00dferhalb von Lomas auf Schienen fuhren, dieser Zug hingegen kontaktlos f\u00e4hrt, gehe ich davon aus, dass er niemals Lomas verl\u00e4sst.<br>\nDann muss Lomas gro\u00df sein. Ziemlich gro\u00df. Was ja auch logisch ist, wenn 42.000 Z\u00fcge gleichzeitig hineinpassen.<br>\n42.000 Z\u00fcge! In einem Bahnhof! Verdammte Schei\u00dfe, das ist verflucht viel!<br>\nIch sehe mich um. Voll besetzt ist der Zug oder zumindest diese Wagen nicht. Eigentlich bin ich in Sichtweite alleine, aber ich kann andere Fahrg\u00e4ste h\u00f6ren. Und beim Einfahren vorhin konnte ich weitere Fahrg\u00e4ste sogar sehen.<br>\nDie Sitze sind bequem mit viel Beinfreiheit, bezogen mit dunkelblauem Stoff. Unter der Decke befinden sich Staum\u00f6glichkeiten f\u00fcrs Gep\u00e4ck. Und unter dem Fenster ist ein klappbarer Tisch befestigt. Ganz so, wie ich es aus meiner Heimat kenne, wobei ich in meinem Leben nicht allzu oft mit dem Zug gefahren bin. Eigentlich ausgesprochen selten. In erster Linie als Jugendliche, wenn ich zu meiner Oma fuhr und ausnahmsweise mal den Zug nahm, weil meine Mutter keine Zeit zum Chauffieren hatte. Und das kam selten vor.<br>\nBeim n\u00e4chsten Halt steigt jemand hinzu und setzt sich auf der anderen Seite des Zuges ans Fenster. Ein gro\u00dfer, kr\u00e4ftig gebauter Mann mit Halbglatze. Sein Schnaufen verr\u00e4t, dass er jederzeit an einem Herzinfarkt sterben k\u00f6nnte und nichts dagegen unternimmt. Ansonsten wirkt er sauber und gepflegt. Seine hohe Stirn deutet auf \u00fcberdurchschnittliche Intelligenz hin, der Blick aus seinen gr\u00fcn-grauen Augen, mit dem er mich auszieht, auf libidin\u00f6se Veranlagung.<br>\nNa toll.<br>\nEr hat eine Aktentasche dabei, die er neben sich stellt, nachdem er ein dickes Buch daraus hervorgezogen hat. Nach einem zweiten, absch\u00e4tzenden Blick auf mich beginnt er zu lesen.<br>\nIch betrachte mich in der Scheibe, die mich spiegelt. Was zum Teufel ist an mir im Moment so sexy? Ich trage ein kariertes Holzf\u00e4llerhemd aus Omars Fundus, dazu die uns\u00e4glichen Jeans und Sportschuhe. Okay, mindestens zwei Kn\u00f6pfe sind offen, m\u00f6glicherweise kann er von der Seite meine linke Brust sehen. Aber dann muss er schon unglaublich gute Augen haben. Und nochmal okay, die Haare sind zwar zum Pferdeschwanz gebunden, aber das offene Gesicht ist halt nicht h\u00e4sslich. Ich wei\u00df es, wurde mir ja oft genug erz\u00e4hlt. Kann nicht beurteilen, ob das stimmt, bin voreingenommen. Mir gef\u00e4llt eher der Typ, den Katharina repr\u00e4sentiert, die vollen Lippen, die gro\u00dfen, blauen Augen, das Gesicht nicht so schmal. Okay, okay, ich mag meinen Mund, vor allem diesen leicht sp\u00f6ttischen Ausdruck, den ich h\u00e4ufig habe, wenn ich die Lippen leicht \u00f6ffne und den linken Mundwinkel ansatzweise hochziehe. Manche nennen das s\u00fc\u00df, aber sie haben nur keine Ahnung, was ich dabei denke.<br>\nUnd das ist auch besser so. Meistens.<br>\nAlso gut, mein Gesicht und der Blick unter mein Hemd k\u00f6nnten den Kerl auf falsche Gedanken gebracht haben. Aber bis jetzt scheint das keine Konsequenzen zu haben, was mich echt froh macht.<br>\nZu fr\u00fch gefreut.<br>\n\u201eHaben Sie es weit?\u201c<br>\nIch sehe ihn an, er sieht mich an, mit dem Buch in der Hand, die ausgestreckten Beine an den Kn\u00f6cheln gekreuzt.<br>\n\u201eUngef\u00e4hr bis zu meinem Ziel\u201c, erwidere ich nach einer Weile.<br>\nEr lacht. \u201eEine gute Antwort. Demnach ist es ein Geheimnis.\u201c<br>\n\u201eManchmal wei\u00df man im Leben selbst nicht so genau, wo man aussteigt.\u201c<br>\n\u201eDas ist wohl wahr. Ich gedenke, noch lange im Zug des Lebens mitzufahren. In meinem Job verdient man gut und kommt viel herum.\u201c<br>\nIch tue ihm den Gefallen: \u201eWas haben Sie denn f\u00fcr einen Job?\u201c<br>\n\u201eIch pr\u00fcfe, ob sich alle sch\u00f6n an die Vorschriften f\u00fcr Abrechnungen halten. Ich glaube \u00fcbrigens, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Hyaki Jomuo.\u201c<br>\nOh mein Gott! Das hei\u00dft, oh mein Drol! Ein Betriebspr\u00fcfer!<br>\n\u201eUnd das macht Spa\u00df?\u201c<br>\n\u201eIch glaube, f\u00fcr ein junges M\u00e4dchen wie Sie w\u00e4re das eher nichts, aber ich liebe die Zahlen. Und man lernt viele Leute kennen.\u201c<br>\nDie du ungestraft vollquatschen darfst. Idiot.<br>\n\u201eHaben die nicht alle Angst vor Ihnen?\u201c<br>\n\u201eOh, so schrecklich bin ich ja nun nicht. Wer sich an die Vorschriften h\u00e4lt, hat nichts zu bef\u00fcrchten.\u201c<br>\nDoppelt Idiot.<br>\n\u201eNa ja, aber macht nicht jeder mal etwas anders, als es die Vorschriften verlangen?\u201c<br>\n\u201eNa, bei Kleinigkeiten, die niemandem schaden, bin ich nicht so pingelig. Bin ja kein Unmensch!\u201c<br>\nUnd wenn es um eine attraktive Blondine geht, dann sowieso nicht. Und wenn diejenige sich von dir ficken l\u00e4sst, dann bist du auch bei gr\u00f6\u00dferen Sachen nicht pingelig, nicht wahr? Arschloch.<br>\n\u201eJeder geht mal bei Rot \u00fcber die Stra\u00dfe.\u201c<br>\n\u201eBitte? Wie meinen Sie das?\u201c<br>\nIch muss kurz \u00fcberlegen, was f\u00fcr ein Problem er schon wieder hat, dann wird mir klar, dass er vermutlich weder rote Ampeln noch Stra\u00dfen kennt. Ich bei\u00dfe mir auf die Unterlippe.<br>\n\u201eKeine Ahnung, ist so ein Spruch, habe ich mal in einem Buch gelesen.\u201c<br>\n\u201eAch so. Versteht man wahrscheinlich nur, wenn man das Buch kennt. Klingt aber nach einem guten Spruch!\u201c Er lacht.<br>\nUnd dann, zu meinem Entsetzen, nimmt er sein Buch und seine Tasche und setzt sich mir gegen\u00fcber.<br>\nSpinnst du? Hilfe!<br>\n\u201eDann brauche ich nicht so zu schreien\u201c, sagt er l\u00e4chelnd.<br>\nDann halt doch den Mund! Au\u00dferdem habe ich gute Ohren!<br>\n\u201eSie haben eine etwas ungew\u00f6hnliche Art, sich zu kleiden\u201c, f\u00e4hrt er fort. \u201eAber es hat was.\u201c Dabei starrt er die offenen Kn\u00f6pfe von meinem Hemd an.<br>\n\u201eIch war sp\u00e4t dran und hatte es eilig, habe wohl Sachen von meinem Mann erwischt\u201c, sage ich mit dem s\u00fc\u00dfesten L\u00e4cheln, dessen ich im Moment f\u00e4hig bin. F\u00fcr einige Sekunden gebe ich mich der Fantasie hin, ihn von hinten mit einem Dildo zu ficken. Aber wenn er bi sein sollte, genie\u00dft er das am Ende auch noch.<br>\n\u201eDann scheint es so, dass Sie immer gut aussehen, egal, was Sie anziehen.\u201c<br>\nOh mein Drol! Hilf mir! Das wird ja immer plumper! Meine mehrj\u00e4hrige Erfahrung von damals hat mich gelehrt, dass der Sex proportional schlecht zu den Spr\u00fcchen eines Mannes ist. Der Kerl hier muss der schlechteste Ficker dieses Universums sein.<br>\n\u201e\u00c4hm \u2026 Danke. Ich nehme an, Ihre Frau freut sich auch \u00fcber den gut bezahlten Job?\u201c<br>\nEr lacht schon wieder. Muss ich ihm die Nase brechen, damit er das sein l\u00e4sst?<br>\n\u201eOh, ich war nie verheiratet. Das wollte ich mir nie antun.\u201c<br>\nWenigstens ist er ehrlich. Au\u00dferdem ist es gut, dass er das keiner Frau angetan hat.<br>\n\u201eIch verstehe. Sie lieben die Jagd.\u201c<br>\n\u201eGenau. Das ist viel spannender. Ersp\u00e4hen, anschleichen, fangen und genie\u00dfen.\u201c<br>\nGenau so siehst du aus, Arschloch. Ich meine, ich war auch kein Kind von Traurigkeit und will lieber gar nicht erst anfangen zu z\u00e4hlen, wie oft ich in meinem Leben Sex hatte. Aber viel zu oft eben auch schlechten, wegen Leuten wie dir. Es gab bisher nur zwei M\u00e4nner, mit denen der Sex wirklich gut war: James und Askan. Und einige Frauen. Eigentlich mit allen Frauen, wenn auch unterschiedlich. Anne Marie mit ihrer scheuen Art, Katharina, wie sie auf mich eingeht. Und Sarah ist ein Tier.<br>\n\u201eUnd was genie\u00dfen dabei die Frauen?\u201c, erkundige ich mich.<br>\n\u201eBei mir alles!\u201c<br>\n\u201eOh, sagen sie das?\u201c<br>\n\u201eDas brauchen die nicht, so was sehe ich.\u201c<br>\nOh mein Drol, der Kerl best\u00e4tigt ja wirklich alle Klischees und Vorurteile!<br>\n\u201eJetzt bin ich ja neugierig. Woran sehen Sie das?\u201c<br>\nEr mustert mich kurz, dann erwidert er: \u201eDas l\u00e4sst sich nicht so gut erkl\u00e4ren. Zeigen geht besser.\u201c<br>\n\u201eAch ja.\u201c Ich werfe einen Blick auf die Infotafel und sehe, dass der n\u00e4chste Bahnhof fast schon in Sichtweite ist. \u201eSorry, aber ich muss jetzt raus. War nett, mit Ihnen zu plaudern.\u201c<br>\n\u201eErnsthaft? Das glaube ich Ihnen nicht. Sie steigen doch nur wegen mir schon aus. Ich denke, Sie haben einfach nur Angst, mal etwas richtig Geiles zu erleben.\u201c<br>\nMir f\u00e4llt fast die Kinnlade herunter. Ich starre ihn kurz an, dann nehme ich meine Tasche und erhebe mich. Erst dann antworte ich: \u201eIch glaube, ich hatte mehr geilen Sex in meinem Leben, als du gepupst hast. Und so, wie du aussiehst, pupst du st\u00e4ndig. Eine sch\u00f6ne Reise noch.\u201c<br>\nEndlich ist er mal sprachlos. Ich gehe zur T\u00fcr und atme tief durch. Keine Ahnung, warum mich solche Typen regelm\u00e4\u00dfig aufregen. Diesmal war ich ja noch sehr zur\u00fcckhaltend, weil ich eigentlich nicht auffallen wollte. Aber auch ich habe meine Grenzen.<br>\nIrgendwie f\u00fchle ich mich schon fast wie zu Hause, als ich aussteige.<br>\nDiesmal f\u00e4llt es mir auf. Der Name der Station, er steht auf einem gro\u00dfen Schild: F559. Das sieht nach Koordinaten aus. Ich denke mal, damit ist nicht nur dieser Bahnhof gemeint, sondern der ganze Bezirk. Dass Lomas in Bezirke aufgeteilt ist, wei\u00df ich vom E-TERM. Und ich denke au\u00dferdem, dass es ziemlich viele Bezirke sind. Der Name dieses Bezirks best\u00e4tigt mich darin, denn sie werden durchnummeriert sein. Also mindestens 559 Bezirke allein in Kombination mit F. Mal 26.<br>\nIch blicke dem Zug hinterher, der in den Tunnel reinf\u00e4hrt. Hinter ihm schlie\u00dft sich ein massives Doppeltor, das ziemlich luftdicht aussieht. Ich gehe davon aus, dass in einem kurzen Tunnelst\u00fcck dahinter die Evakuierung erfolgt und ein zweites Tor in die luftleere R\u00f6hre f\u00fchrt. Einfach und pragmatisch gel\u00f6st. Und wenn das System versagt, ersticken die Leute hier, falls sie das Einsaugen \u00fcberleben. Und bei ganz viel Pech, wenn das Sicherheitssystem auch versagt und der Bahnsteig nicht sofort hermetisch abgeriegelt wird, wof\u00fcr Tore in den Decken zust\u00e4ndig sind, dann ist der Bezirk auch futsch. Es w\u00fcrde mich daher nicht wundern, wenn es weitere luftdichte Trennsysteme gebe, die sowohl Teile eines Bezirks als auch ganze Bezirke abschotten k\u00f6nnen.<br>\nIch entdecke einen Wegweiser. Sehr praktisch. Wieso habe ich ihn vorhin nicht bemerkt? Vermutlich, weil ich auf der Flucht war. In dem Bezirk, den ich so hastig verlassen habe, h\u00e4tte mir der Wegweiser daher sowieso nichts gen\u00fctzt.<br>\nIch beschlie\u00dfe, mein Gl\u00fcck erneut zu versuchen und finde auf dem Wegweiser den Vergn\u00fcgungspark. Die nennen ihn nicht so, aber darauf l\u00e4uft es hinaus. Eine Bar neben der anderen. Das sagt viel dar\u00fcber aus, wie die Menschen hier ihr Leben verbringen. Hier werde ich sicher nicht heimisch werden. Jetzt ist es aber erst einmal ganz hilfreich.<br>\nAls ich bei den Bars ankomme, wird mir klar, dass ich schnellstm\u00f6glich neue Kleidung brauche. Weiblicher, vor allem. Ich werde teilweise geradezu angestarrt, und das liegt nicht an meinem Aussehen, denn es gibt hier viele gutaussehende Frauen, die ihre Attraktivit\u00e4t zur Schau stellen. Aber auch die M\u00e4nner sind anders gekleidet. Meine Kleidung ist also doppelt ung\u00fcnstig. Die Kleidung eines Mannes und die Kleidung eines Mannes, der nicht hierher geh\u00f6rt.<br>\nEs gibt auch einige Gesch\u00e4fte in der N\u00e4he, da ich aber kein Geld habe und kein Aufsehen erregen will, mir das unbemerkte Klauen aber nicht zutraue mangels \u00dcbung, sind sie noch nutzlos.<br>\nNun, ich habe ja schon mal als Nutte gearbeitet, wenn auch nur f\u00fcr wenige N\u00e4chte. Und M\u00e4nner aufrei\u00dfen kann ich ebenfalls wirklich gut. Also werde ich doch einen Mann in einer der Bars dazu bringen k\u00f6nnen, mir einen Drink oder auch zwei zu spendieren. Der Rest ergibt sich dann.<br>\nIch w\u00e4hle eine Bar namens \u201eSundera\u201c aus. Eigentlich ist sie keine Bar, eher eine Disco, grell und bunt wie sie ist. Einlasskontrollen scheint es hier nicht zu geben, ich komme also ungehindert hinein. Drinnen best\u00e4tigt sich mein Eindruck, dass es eine Disco ist, denn es gibt Musik und es wird getanzt. Selbst die Lichtshow k\u00f6nnte glatt von der Erde sein. Menschen sind wohl \u00fcberall gleich.<br>\nEine Bar gibt es auch, sie ist mittendrin. Ich setze mich an die Theke, lege meine Tasche ab und \u00f6ffne unauff\u00e4llig zwei weitere Kn\u00f6pfe. Sie sind etwas doof angeordnet, jetzt besteht durchaus die Gefahr, dass ich pl\u00f6tzlich mit nackter Brust dastehe. Lasse ich aber einen Knopf mehr zu, sieht man zu wenig.<br>\nNun gut. No risk, no fun. Ist ja nicht so, dass ich es nicht gewohnt w\u00e4re, auch mal nackt zu sein. Wird schon niemand vor Schreck weglaufen.<br>\nDann mache ich eine wichtige Entdeckung: Mit der ID-Karte, die ich Jeky geklaut habe, kann man auch bezahlen. Also habe ich doch Geld! Ich nutze mein neues Wissen umgehend, um mir einen Drink zu bestellen. Keine Ahnung, was es ist, aber 40% Alkohol klingt gut. Nennt sich Mariosa.<br>\nAls es kommt, merke ich schon, das ist was f\u00fcr mich. Die Farbe ist r\u00f6tlich und ich rieche Himbeeren, wenn auch nur dezent. Das Zeug schmeckt etwas s\u00fc\u00dflich wie ein Lik\u00f6r, aber gut. Gek\u00fchlt und stark. Zumindest f\u00fcr mich, da ich derzeit nichts gewohnt bin.<br>\nIch sehe mich beim Trinken um. Die Theke und einige Tische bilden den Mittelpunkt, getanzt wird um ihn herum. Ganz au\u00dfen sind weitere Tische und Sitzgelegenheiten aufgestellt. In der N\u00e4he des Eingangs befindet sich die Toilette.<br>\nDie G\u00e4ste sind \u00fcberwiegend jung, h\u00f6chstens in meinem Alter, wobei man mir die 34 wohl kaum ansehen d\u00fcrfte. Allerdings kann ich mein eigenes Alter im Moment auch nur sch\u00e4tzen, da ich nicht wei\u00df, wie lange ich tats\u00e4chlich in der Mittelalter-Welt war. Grob f\u00fcnf Jahre, als ich hinkam, war ich noch 29. Kommt ungef\u00e4hr schon hin mit 34.<br>\nVerdammt, es ist also elf Jahre her, dass Norman get\u00f6tet wurde und ich begann, erwachsen zu werden. Und neun, dass das Arschloch Drol mich sozusagen als Kriegerin aktiviert hat.<br>\nIch \u00fcberlege, welche Kr\u00e4fte ich eigentlich habe. Unsterblich bin ich. Und ich habe magische Kr\u00e4fte, ich kann Sachen, die Krieger eigentlich nicht k\u00f6nnen. Wie ist es eigentlich mit Fliegen? Kann ich das noch? Jedenfalls habe ich meine F\u00e4higkeit, durch die Zeit zu reisen und mich zu beamen, verloren.<br>\nIch drehe mein Glas unauff\u00e4llig, ohne es zu ber\u00fchren. Das klappt also. Doch ich schaffe es nicht, mich selbst auch nur einen Millimeter in die H\u00f6he zu heben. Fliegen kann ich also nicht. Ob ich es wieder lernen kann? Beim ersten Mal war ja auch die Todesangst n\u00f6tig.<br>\nVielleicht sollte ich trotzdem vorsichtig sein. Erstens wei\u00df ich nicht, wie die Menschen hier auf Magie reagieren. Und zweitens wei\u00df ich nicht, welche Seiteneffekte Zauberei hat. Dieses Universum ist ganz anders aufgebaut als meins. Okay, nicht ganz, es gibt auch sehr viele Parallelen. Insbesondere was die Menschen angeht. Auch die Technologien sind vergleichbar mit den Technologien in unterschiedlichen Epochen meiner Erde. Es scheint so, als st\u00fcnde in diesem Universum der Mensch noch viel mehr im Mittelpunkt als in meinem alten, wo er nur eine Art von sehr vielen war. M\u00f6glicherweise ist dieses Universum auch viel kleiner. Allerdings wei\u00df ich nicht, wie viele Ebenen es eigentlich nach unten noch gibt. Sicher ist nur, dass von der Mittelalter-Welt aus im Ewigen Turm keine Treppe nach oben f\u00fchrte.<br>\nLustigerweise gibt es hier anscheinend keinen Himmel, denn selbst als ich auf der Plattform stand und entgeistert die Schienen und das Spinnennetz entdeckte, konnte ich nach oben nichts sehen. Nur Dunkelheit. Ob dieses Universum aus Welten besteht, die einfach \u00fcbereinander geschichtet sind?<br>\nIch habe das Gef\u00fchl, die G\u00f6tter wollen mich ein wenig verarschen. Ich trinke hier einen Lik\u00f6r mit Himbeergeschmack in einer Welt, in der es anscheinend gar keine Sonne gibt. Wo zum Teufel kommen dann Himbeeren her? Will ich \u00fcberhaupt wissen, woraus dieser Lik\u00f6r tats\u00e4chlich besteht?<br>\nIch beschlie\u00dfe, lieber etwas f\u00fcr meine n\u00e4chste \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit zu tun und erhebe mich, um ein wenig herumzugehen und mir die Leute anzusehen. Dar\u00fcber, welchen Eindruck ich in meiner Kleidung und mit der Tasche erwecke, denke ich besser mal nicht nach.<br>\nDie Tanzenden beachte ich erst einmal gar nicht. Mich interessieren die Leute, die au\u00dfen sitzen. \u00dcberwiegend sind es Gruppen von Leuten, die damals auf der Erde Yuppies hie\u00dfen. Oder so \u00e4hnlich. Meist mit einem Porsche vor der Disco. F\u00fcr meine Zwecke uninteressant.<br>\nAls ich an der Toilette vorbei komme, folge ich einem nat\u00fcrlichen Impuls. Zwei M\u00e4dels, die vor den Waschbecken stehen, starren mich ablehnend an, bevor sie zwitschernd den Raum verlassen. Nachdem ich fertig bin und mir die H\u00e4nde wasche, ausnahmsweise mal, aber hier vielleicht eine gute Idee, gesellt sich eine schwarzhaarige Sch\u00f6nheit dazu. Sie l\u00e4chelt mich kurz an. Braune Augen und volle Lippen.<br>\nWow.<br>\nDrau\u00dfen folge ich ihr unauff\u00e4llig. Sie setzt sich zu zwei M\u00e4nnern, die ich noch nicht unter die Lupe genommen habe. Einem von ihnen gibt sie einen Kuss. Er hat dunkelblonde, kurze Haare, breite Schultern, muskul\u00f6se Arme.<br>\nUnd eine Pistole.<br>\nDer andere erinnert mich irgendwie an Mohk. \u00c4hnlich gro\u00df und schlank. Er hat schulterlange, hellbraune Haare. Allerdings wirkt er trainierter als Mohk. Auch er tr\u00e4gt eine Waffe an der H\u00fcfte. Hm.<br>\nTrotzdem, die beiden sind ganz sicher keine gew\u00f6hnlichen Sicherheitsleute. Ihr ganzes Verhalten verr\u00e4t, dass sie es gewohnt sind, dass man ihnen gehorcht. Mir wird bewusst, dass unter den Tanzenden einige Bewaffnete sind, die offenbar die beiden kennen \u2013 und ihnen gehorchen.<br>\nIch hole mir einen zweiten Drink, den gleichen, und setze mich in der N\u00e4he an einen hohen Bistrotisch. Von hier aus kann ich die beiden unauff\u00e4llig beobachten.<br>\nDer Schlanke scheint recht jung zu sein, aber rangh\u00f6her. Er hat keine Damenbegleitung, und die paar M\u00e4dchen, die versuchen, daran etwas zu \u00e4ndern, blitzen gnadenlos ab. Schei\u00dfe, hoffentlich ist er nicht schwul. Nach einigen Minuten bin ich mir sicher, dass er auf Frauen steht. Anscheinend ist nur nichts dabei, was sein Interesse erregt.<br>\nEinmal kreuzen sich unsere Blicke. Ich halte seinen kurz fest, dann wende ich mich ab. Er hat gr\u00fcne Augen und er hat mich l\u00e4nger angesehen als jede andere Frau vorher.<br>\nSehr gut.<br>\nMein Gef\u00fchl sagt mir, dass ich dennoch abblitzen w\u00fcrde, wenn ich einfach auf ihn zugehe. Ich habe also ungef\u00e4hr zwei M\u00f6glichkeiten:<br>\nEntweder ziehe ich mich aus, werfe mich nackt auf ihn und blase ihm einen.<br>\nOder ich sorge daf\u00fcr, dass er mich unbedingt kennenlernen will.<br>\nLetzteres gef\u00e4llt mir besser. Nicht einmal haupts\u00e4chlich wegen der Nacktheit. Ihm \u00f6ffentlich einen zu blasen, w\u00e4re nicht angenehm, aber auch nicht v\u00f6llig neu f\u00fcr mich, wenn ich an manche Party denke, so vor f\u00fcnfzehn Jahren, nachdem Phil gestorben war.<br>\nMir gef\u00e4llt aber vor allem die Idee, dass er mich kennenlernen will. Ich hasse es einfach, wenn nicht ich die Kontrolle habe, und wenn nicht das geschieht, was ich will. Und jetzt, wo ich nicht blo\u00df eine Prinzessin, sondern sogar eine K\u00f6nigin bin, kann ich mir das ja wohl erlauben.<br>\nIch muss bei diesem Gedanken grinsen, so bescheuert ist er eigentlich. Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass es psychologisch geschickt sein k\u00f6nnte, ihn neugierig zu machen.<br>\nIch gleite von meinem Hocker, marschiere auf einen der jungen M\u00e4nner mit Waffe zu und rempele ihn an. Er wendet sich kopfsch\u00fcttelnd ab, doch so leicht entkommt er mir nicht.<br>\n\u201eHast du keine Augen im Kopf, du Arschloch?\u201c, fahre ich ihn an.<br>\nEndlich habe ich seine Aufmerksamkeit. Er mustert mich vom Kopf bis Fu\u00df.<br>\n\u201eWas ist dein Problem, Kleines?\u201c<br>\n\u201eDu hast mich angerempelt! Oder sollte das eine d\u00e4mliche Anmache sein?\u201c<br>\nAuf seinem Gesicht erscheint ein breites Grinsen. \u201eSorry, du bist nicht mein Typ. Kannst also deine Titten einpacken.\u201c<br>\nOkay, die linke h\u00e4ngt fast raus, aber das kommt vom Rempler, war nicht so beabsichtigt. Hat aber Vorteile.<br>\n\u201eSag mal, hast du dir heute vorgenommen, ein M\u00e4dchen in den Selbstmord zu treiben, oder was? Kannst du dich wenigstens mal entschuldigen?\u201c<br>\nWieder Kopfsch\u00fctteln, dann: \u201eVerpiss dich einfach, am besten ganz aus dem Lokal, okay? Sonst lasse ich dich hinauswerfen.\u201c<br>\n\u201eDu willst mich hinauswerfen lassen, du Zwerg? Dass ich nicht lache.\u201c<br>\nIch wei\u00df nicht, was genau ihn triggert. Es sieht aber danach aus, als m\u00f6chte er nicht Zwerg genannt werden. Gro\u00df ist er ja echt nicht. Jedenfalls packt er mich an den Schultern. Dann bricht er aufst\u00f6hnend zusammen, als mein Knie sehr zielgerichtet und wohldosiert seinen Schwanz und das Drumherum f\u00fcr einige Zeit zu einer Schmerzquelle macht.<br>\nSp\u00e4testens jetzt habe ich die Aufmerksamkeit f\u00fcr mich. Und seine Kollegen am Hals. Ich merke schnell, dass sie ausgebildete Nahk\u00e4mpfer sind. Allerdings haben sie definitiv keine Erfahrung mit Kriegerinnen.<br>\nOder doch? Drei von ihnen liegen verteilt auf dem Boden, als ich von einem Stromschlag getroffen werde. Im n\u00e4chsten Augenblick nehme ich die Kabel wahr, die an meiner Seite h\u00e4ngen.<br>\nTaser.<br>\nSchei\u00dfe.<br>\nDas bringt mich ein wenig aus dem Takt. Schlie\u00dflich wurde ich bislang eher selten mit einem Taser traktiert. Die Koordinationsf\u00e4higkeit und das Gleichgewicht leiden darunter, sodass ich mich auf dem Boden wiederfinde.<br>\nDie Stromst\u00f6\u00dfe h\u00f6ren auf. Vermutlich w\u00e4re ein normaler Mensch jetzt f\u00fcr l\u00e4nger ruhiggestellt. Aber normal bin ich ja sowieso nicht. F\u00fcr einen Moment halte ich still und erwecke bewusst den Anschein, zu keiner kontrollierten Bewegung mehr f\u00e4hig zu sein, nur um dann blitzschnell die F\u00e4den von mir zu rei\u00dfen und aufzuspringen.<br>\nDie Waffen, die auf mich gerichtet sind, haben aber nichts mit Tasern zu tun. Sie verschicken Kugeln.<br>\nIch atme tief durch und hebe die H\u00e4nde. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass auch die beiden M\u00e4nner und die Schwarzhaarige die Szene beobachten.<br>\n\u201eDas reicht jetzt\u201c, sagt einer von denen, die bewaffnet sind. \u201eDu bist ja v\u00f6llig durchgeknallt. Schmei\u00dft sie raus!\u201c<br>\n\u201eHalt!\u201c<br>\nWir sehen alle den Schlanken an, der nun eine Hand hebt und mir zuwinkt \u201eSie soll herkommen. Und bringt mir ihre Tasche!\u201c<br>\nOh, hat er mich etwa beobachtet? Ein gutes Zeichen.<br>\nDer Mann, der gerade gesprochen hat, deutet mit der Waffe eine Bewegung an, w\u00e4hrend ein anderer die Tasche holt. Ich gehe auf die kleine Gruppe zu, die im Halbkreis um einen niedrigen Bistrotisch sitzt.<br>\nDer Schlanke sieht aus der N\u00e4he ganz sympathisch aus. Er macht den Eindruck, als w\u00e4re er das Nachdenken gewohnt. Zugleich strahlt er eine Selbstsicherheit aus, die m\u00e4chtige Leute oft haben. Ich kenne das gut. Oft gesehen, als ich noch CEO war. Selbst selten durchscheinen lassen, schon allein, weil ich als Frau mich anders verhalten wollte, gerade eben kein besserer Mann sein wollte. Aber wenn es n\u00f6tig war, konnte ich es auch, so wirken.<br>\nJetzt signalisiere ich Unabh\u00e4ngigkeit, Furchtlosigkeit, ein ganz klein wenig auch Trotz.<br>\nDer Schlanke nimmt meine Tasche und sieht sich den Inhalt an. Klar findet er das Schwert und zieht es staunend heraus. Er betrachtet den Griff, entbl\u00f6\u00dft die Klinge und l\u00e4sst sie durch die Luft sirren, beobachtet von den G\u00e4sten. Dann nickt er.<br>\n\u201eDas ist keine allt\u00e4gliche Waffe und eine ausgezeichnete Arbeit. Wo hast du sie geklaut?\u201c<br>\n\u201eSie geh\u00f6rt mir.\u201c Habe ich das nicht vor wenigen Tagen auch schon gesagt? Ist es wirklich erst wenige Tage her?<br>\n\u201eTats\u00e4chlich?\u201c<br>\nIch nicke.<br>\nEr reicht mir das Schwert. Das ist mutig. Aber aus meinem Verhalten wird er wissen, ob ich die Wahrheit sage. Wenn ich das Schwert nur geklaut habe, kann ich wahrscheinlich nicht gut genug damit umgehen, um ihn zu verletzen. Und wenn es mir wirklich geh\u00f6rt, dann verwende ich es nicht gegen ihn.<br>\nGar nicht so bl\u00f6d, der Typ.<br>\nIch umfasse den vertrauten Griff und lasse die Klinge einige Figuren in der Luft beschreiben. Wichtig ist mir vor allem, dass er sieht, wie der Griff an meine Hand angepasst ist. Dass das ganze Schwert f\u00fcr mich ma\u00dfgeschneidert wurde. Und auch, dass ich damit umgehen kann.<br>\n\u201eDu sagst die Wahrheit, das Schwert wurde sogar f\u00fcr dich geschmiedet.\u201c<br>\nIch nicke erneut. Er reicht mir die Scheide, ich schiebe die Klinge hinein und lege das Schwert in die Tasche.<br>\n\u201eWas genau machst du hier eigentlich?\u201c, fragt er. Dabei sitzt er immer noch genau so da wie zu Beginn der Pr\u00fcgelei. Die Beine \u00fcbereinander geschlagen, die ausgebreiteten Arme liegen auf der gepolsterten Lehne der Rundbank.<br>\n\u201eIch suche einen Job.\u201c<br>\n\u201eEinen Job? Als was?\u201c<br>\nIch zucke die Achseln. \u201eBodyguard? Deine Jungs sind ja nicht besonders gut darin.\u201c<br>\nIch merke, dass seine Jungs das gar nicht gut finden. Auch die Miene des Mannes neben ihm verd\u00fcstert sich. Der Schlanke winkt grinsend ab.<br>\n\u201eOkay, du k\u00e4mpfst ziemlich gut. Und dass du nach dem Taser sofort wieder aufstehen konntest, das ist beeindruckend. Wie hei\u00dft du?\u201c<br>\n\u201eFiona. Und du?\u201c<br>\n\u201eIch bin Loiker Maruka, der finstere Kerl neben mir hei\u00dft Karui Masaka, seine Freundin Carli. Mein Gro\u00dfvater ist der Chef des Sicherheitsdienstes von Lomas.\u201c<br>\nUps. Und seine Leute habe ich gerade ein wenig \u2026 gedem\u00fctigt. Eigentlich sollte ich lernen, meine Klappe zu halten. Aber das w\u00e4re dann langweilig.<br>\n\u201eIch nehme an, ihr habt dann immer mal offene Stellen\u201c, bemerke ich betont leichthin.<br>\n\u201eJa, haben wir. Aber keine, die zu deinen F\u00e4higkeiten passt. Ich m\u00f6chte, dass du mich begleitest.\u201c<br>\n\u201eWohin?\u201c, frage ich misstrauisch. In diesem Moment interessiert mich der Job mehr als er selbst, denn er k\u00f6nnte die M\u00f6glichkeit bieten, unauff\u00e4llig diese Welt kennenzulernen und sogar nach Katharina zu suchen. Eine Nacht mit ihm hingegen ist eben nur eine Nacht.<br>\n\u201eDas wirst du dann sehen. Oder hast du Angst?\u201c<br>\nIch \u00fcberlege blitzschnell. Wenn ich ihn jetzt zur\u00fcckweise, habe ich m\u00f6glicherweise gar nichts, wenn ich mitgehe, im allerbesten Fall die Nacht mit ihm und den Job. Zumindest aber die Nacht mit ihm und einen wertvollen Kontakt. Im Grunde kann ich nur gewinnen, wenn ich zustimme.<br>\n\u201eIch habe vor niemandem Angst\u201c, erwidere ich trotzig. Anscheinend mag er dieses Verhalten. Soll er haben.<br>\n\u201eGut. Karui, du kannst bezahlen. Deine Leute k\u00f6nnen hier bleiben und sich am\u00fcsieren. Im Moment brauche ich sie nicht.\u201c<br>\nDer Dunkelblonde nickt, wirft mir einen w\u00fctenden Blick zu und geht zur Bar. Loiker erhebt sich. Er ist etwa so gro\u00df wie Askan war, nur deutlich schlanker. Seine Bewegungen verraten, dass er Sport treibt. Eigentlich sieht er ganz gut aus, auch wenn er ein wenig zu jung f\u00fcr mich ist. Wie alt mag er sein? Ich sch\u00e4tze den Altersunterschied auf zehn Jahre. Das ist nicht wirklich viel, aber zwischen dem Entwicklungsstand eines Zwanzigj\u00e4hrigen und einer Drei\u00dfigj\u00e4hrigen liegen normalerweise Welten. Von meinen ganz pers\u00f6nlichen Erfahrungen ganz zu schweigen.<br>\nIch folge ihm und werfe dabei einen nachdenklichen Blick auf seine Leute. Sie wirken nicht wirklich begeistert. Wir werden eher keine Freunde.<br>\nSchei\u00df drauf.<br>\nDrau\u00dfen warten wir auf Karui. Carli ist mit uns gekommen. Die Schwarzhaarige verr\u00e4t nicht, was sie von der Sache h\u00e4lt. Sie bietet mir Zigaretten aus einem silberfarbenen Etui an.<br>\nMir stockt der Atem. W\u00e4hrend der ganzen Zeit im Mittelalter habe ich nicht geraucht, also gesch\u00e4tzt seit fast f\u00fcnf Jahren. Mehr oder weniger. Zum ersten Mal sehe ich in diesem Universum \u00fcberhaupt eine Zigarette.<br>\n\u201eRauchst du nicht?\u201c, erkundigt sich Carli.<br>\n\u201eDoch\u201c, erwidere ich und nehme mir eine. Sie gibt mir Feuer.<br>\nIch atme den Rauch tief ein. Loiker beobachtet mich am\u00fcsiert. Er scheint Nichtraucher zu sein, macht aber nicht den Eindruck, als w\u00fcrde es ihn st\u00f6ren, wenn in seiner Gegenwart geraucht wird.<br>\nEndlich kommt auch Karui und wir begeben uns zu den Bomos. Da bin ich ja mal gespannt, was das wird.<\/p>\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eVerfluchte Schei\u00dfe!\u201c Ich starre entgeistert nach unten. Und nach oben. Eigentlich egal, wohin ich blicke, ich sehe entweder schwarze Dunkelheit oder ein riesiges Spinnennetz. Letzteres befindet sich unter mir und damit unter dem, worauf ich stehe. Was es genau ist, wei\u00df ich noch nicht, aber es k\u00f6nnte sich um einen gigantischen Bahnhof handeln. Und gigantisch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":347,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,14],"tags":[12,43,10,46],"class_list":["post-346","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kristallwelten-saga","category-leseproben","tag-fiona","tag-katharina","tag-kristallwelten-saga","tag-spinnen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=346"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":348,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346\/revisions\/348"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/media\/347"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}