{"id":339,"date":"2020-08-26T15:52:08","date_gmt":"2020-08-26T13:52:08","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=339"},"modified":"2020-08-26T15:52:43","modified_gmt":"2020-08-26T13:52:43","slug":"leseprobe-fiona-sterben-die-kristallwelten-saga-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/leseprobe-fiona-sterben-die-kristallwelten-saga-6\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Fiona &#8211; Sterben (Die Kristallwelten-Saga 6)"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">SPOILER-ALARM!<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHeute beginnt der Countdown.\u201c<br>\nIch starre Julie an. Habe ich was verpasst?<br>\n\u201eWas f\u00fcr ein Countdown?\u201c<br>\n\u201eNoch 365 Tage bis zu deinem 30. Geburtstag!\u201c<br>\n\u201eAha. H\u00f6rt sich an, als w\u00e4re das was Gef\u00e4hrliches.\u201c<br>\n\u201eNein, eigentlich ist das v\u00f6llig normal\u201c, erwidert Julie fr\u00f6hlich. \u201eAu\u00dferdem bist du heute ja erst 29 geworden. Kannst also noch ein ganzes Jahr lang dich dar\u00fcber freuen, nicht \u00fcber dein Alter l\u00fcgen zu m\u00fcssen.\u201c<br>\n\u201eSprichst du aus Erfahrung?\u201c Oh, Fiona, das war b\u00f6se! Aber Julie hat ein sonniges Gem\u00fct, sie lacht nur. Ich mache ihr einen Cocktail, etwas S\u00fc\u00dfes, Solero, f\u00fcr den Fall, dass sie insgeheim doch sauer ist; dann k\u00fcmmere ich mich um die anderen G\u00e4ste.<br>\nWobei, n\u00f6tig w\u00e4re das nicht. Der Star meiner Geburtstagsparty sorgt schon daf\u00fcr, dass alle besch\u00e4ftigt sind und sich gut am\u00fcsieren. T\u00f6chterchen ist begeistert davon, dass sie laufen und ansatzweise sprechen kann, und zeigt das allen. Sowohl ihre Freude als auch ihre F\u00e4higkeiten. Sonst schafft sie es damit, den Tag meiner Eltern zu f\u00fcllen, heute haben diese mal Urlaub.<br>\nJames ging vorhin mit Danny und einer Kinderschar los, die Gegend unsicher zu machen. F\u00fcr mich bleiben also nur meine Eltern, nachdem auch Julie eine neue Besch\u00e4ftigung gefunden hat. Ich mixe mir einen Caipi und gehe in den Garten, wo meine Mutter es sich in einer Gartenliege bequem gemacht hat, w\u00e4hrend mein Vater Sandras Sandkasten inspiziert.<br>\nIch setze mich neben meiner Mutter auf einen Stuhl und erkundige mich: \u201eWas genau macht er da eigentlich? Hat er Angst, das k\u00f6nnte Treibsand sein, der Sandra verschlingt?\u201c<br>\nMeine Mutter wirft mir einen am\u00fcsierten Blick zu. \u201eIch glaube, er sucht nach Hinterlassenschaften von Katzen. Die Viecher vermehren sich in letzter Zeit ziemlich.\u201c<br>\n\u201eHier nicht, hier herrscht Danny.\u201c<br>\n\u201eDu bist grausam.\u201c<br>\n\u201eIch bin nicht grausam, das Leben ist es. Ich kann auch nichts daf\u00fcr, dass Katzen und Danny nicht kompatibel sind. Ich glaube, das nennt sich Verhaltensbiologie.\u201c<br>\n\u201eWirst du auf deine alten Tage darwinistisch?\u201c<br>\nIch starre sie entgeistert an. \u201eIch? Darwin? Wenn \u00fcberhaupt, dann interessiert mich der Darwin Award. Da habe ich eine ganz lange Vorschlagsliste. Aber Darwinismus?\u201c<br>\n\u201eDas klang vorher aber ganz, als wenn du an nat\u00fcrliche Auslese glauben w\u00fcrdest.\u201c<br>\n\u201eKlar, ein nat\u00fcrlicher Engel.\u201c<br>\n\u201eAch ja.\u201c Meine Mutter lehnt sich zur\u00fcck und nippt an ihrem Drink. \u201eNach all den Jahren habe ich mich immer noch nicht daran gew\u00f6hnen k\u00f6nnen, dass du \u2026 Ich wei\u00df nicht einmal, wie ich es nennen soll. Statthalter, Krieger, Vampire \u2026 Das ist so unwirklich.\u201c<br>\n\u201eMama, schau nach oben. Was siehst du da?\u201c<br>\n\u201eDen Himmel.\u201c<br>\n\u201eWas noch?\u201c<br>\n\u201eDie Sonne.\u201c<br>\n\u201eWas noch?\u201c<br>\n\u201eKeine Ahnung. Worauf willst du hinaus?\u201c<br>\n\u201eDu akzeptierst ohne Probleme, dass es da den Himmel gibt, die Sonne, wei\u00dft nicht einmal genau, was das ist, akzeptierst, was du dar\u00fcber in der Schule gelernt hast, dass da so ein Feuerball ist, in dem es unvorstellbar hei\u00df ist, dass es Sterne gibt, du akzeptierst, dass du niemals zu den Sternen reisen wirst, weil Einstein was dagegen hat, all das bereitet dir keine Probleme. Ich sorge hier f\u00fcr ein bisschen Gleichgewicht und daran kannst du dich nicht gew\u00f6hnen?\u201c<br>\n\u201eDu solltest in die Politik gehen\u201c, bemerkt mein Vater, der die Inspektion des Sandkastens beendet hat und neben uns steht. \u201eApropos, ich hole mir was zu trinken, m\u00f6chtet ihr auch was?\u201c<br>\nMeine Mutter h\u00e4lt ihm ihr Glas hin. Ich mustere die traurigen Reste meines Caipi, dann nicke ich.<br>\n\u201eIch habe mich auch daran gew\u00f6hnt, dass es einen Gott gibt, dass Jesus f\u00fcr uns gestorben ist, dass in jedem noch so kleinen Kaff eine Kirche steht. Das war keine Gefahr, es ist eigentlich so weit entfernt vom t\u00e4glichen Leben wie die Sonne und die Sterne. Aber du, mit all deinen F\u00e4higkeiten, du bist Teil unseres Alltags.\u201c<br>\n\u201eIch achte schon darauf, dass ihr m\u00f6glichst wenig davon mitbekommt.\u201c<br>\n\u201eM\u00f6glichst, genau.\u201c <br>\nIch denke an die Ereignisse vor einem Jahr und seufze. \u201eOkay, klappt nicht immer. Vielleicht ist es ja auch ganz gut, wenn du nicht alles erf\u00e4hrst, was ich so erlebe.\u201c<br>\n\u201eDas glaube ich allerdings auch.\u201c Sie wendet den Blick von mir ab, denn ihre Schwester kommt auf uns zu. Ich schlie\u00dfe die Augen und h\u00f6re nur halb zu, wie die beiden sich \u00fcber irgendeine Nachbarin meiner Tante aufregen. Eigentlich regt sich nur meine Tante auf, meine Mutter nimmt es eher locker. Ich glaube, die letzten Jahre mit mir haben sie ziemlich abgeh\u00e4rtet, was aufregende Ereignisse angeht.<br>\nPl\u00f6tzlich passiert etwas. Mit aufgerissenen Augen setze ich mich auf und starre nach vorne.<br>\n\u201eFiona? Was ist los?\u201c Meine Mutter klingt panisch.<br>\nIch versuche herauszufinden, was mich so aufgeschreckt hat. Es war wie eine Ersch\u00fctterung, aber sie kam nicht vom Boden, nicht wie ein Erdbeben. Ich habe sie gef\u00fchlt. Was zum Teufel war das?<br>\nIch wende mich meiner Mutter und ihrer Schwester zu und l\u00e4chele etwas verkrampft. \u201eIch glaube, ich bin einged\u00f6st und habe etwas getr\u00e4umt.\u201c<br>\nIch sehe meiner Mutter deutlich an, dass sie mir nicht glaubt, aber wegen meiner Tante lieber nicht nachbohrt. Zum Gl\u00fcck kommt jetzt auch mein Vater mit den Drinks.<br>\nIch lehne mich wieder zur\u00fcck und nippe an meinem Caipi. Den hat mein Vater zubereitet und er kann das verdammt gut. Ich schenke ihm ein dankbares L\u00e4cheln, w\u00e4hrend mein Unterbewusstsein verzweifelt versucht, sich zu erinnern, wie die Ersch\u00fctterung sich angef\u00fchlt hat. Da anscheinend niemand au\u00dfer mir sie wahrgenommen hat, war es auf jeden Fall etwas, was mit meinem Kriegerdasein zu tun hat. Ich werde heute Abend mal die anderen fragen, ob sie auch was gemerkt haben. Und dann war da noch etwas anderes, was ich gar nicht einordnen kann. Wie eine Art Schrei \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eNicholas!\u201c, rufe ich erfreut.<br>\n\u201eWir haben ihn einfach gezwungen, mitzukommen\u201c, erkl\u00e4rt meine Mutter und schiebt den alten Mann durch die T\u00fcr. \u201eIch dachte, bei diesem eher privaten Teil kann er als quasi Familienmitglied ruhig mal dabei sein.\u201c<br>\n\u201eSo sehe ich das auch\u201c, erwidere ich und umarme Nicholas. \u201eKommt rein, ihr seid die Ersten.\u201c<br>\n\u201eSchon wieder?\u201c, bemerkt mein Vater.<br>\nNoch bevor ich antworten kann, sp\u00fcre ich, wie sich jemand der T\u00fcr n\u00e4hert und \u00f6ffne sie. Das Triumvirat ist da: Michael, Nilsson und John. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn Katharina auch dabei w\u00e4re. Und Elaine.<br>\nIch muss mich zwingen, mir nichts von meinen d\u00fcsteren Gedanken anmerken zu lassen und begr\u00fc\u00dfe die drei \u00fcberschw\u00e4nglich. Michael mustert mich von Kopf bis Fu\u00df.<br>\n\u201eHast du das heute Nachmittag auch getragen?\u201c<br>\n\u201eNein, der Hausanzug ist nur euch vorbehalten. Heute Nachmittag trug ich High Heels, eine schwarze Strumpfhose, Minirock und eine halb transparente Bluse. Und nat\u00fcrlich einen nicht transparenten BH.\u201c<br>\n\u201eDanke! So genau wollte ich das gar nicht wissen.\u201c<br>\n\u201eDu hast die Farbe des Schl\u00fcpfers vergessen\u201c, bemerkt John. \u201eOder hast du gar keinen getragen?\u201c<br>\nMeine Mutter verschluckt sich, ich verpasse John einen angedeuteten Tritt und begleite meine Mutter in die K\u00fcche, um ihr dort mit einem Glas Wasser das Leben zu retten.<br>\nKurz darauf klingelt es schon wieder und danach sind wir mit Ben und Jack komplett. Hat irgendwie was Vertrautes. Findet T\u00f6chterchen auch und knutscht sie der Reihe nach ab. <br>\nIch hole die Torte, die etwas kleiner ist als die heute Nachmittag f\u00fcr die Verwandtschaft. James k\u00fcmmert sich derweil um den Wein. Mein Vater verzichtet diesmal auf eine Rede, wof\u00fcr ich ihm ausgesprochen dankbar bin. Seit ich vorhin an Katharina denken musste, ist meine Stimmung sturzflugartig in den Keller gefallen.<br>\nIrgendwann landet Sandra wieder bei mir. Ich schnuppere an ihren Windeln, aber es besteht kein Handlungsbedarf.<br>\n\u201eDu machst das inzwischen richtig routiniert\u201c, stellt Nilsson fest.<br>\n\u201eWas?\u201c<br>\n\u201eWie du an Sandras Windeln geschnuppert hast.\u201c<br>\n\u201eHaha.\u201c<br>\n\u201eHast du schlechte Laune?\u201c<br>\n\u201eNein.\u201c<br>\nSandra verputzt den Rest meines Tortenst\u00fccks und greift dann blitzschnell nach dem Weinglas. Ihre Geschwindigkeit ist unglaublich. Ich schaffe es gerade so, ihr das Weinglas mit sanfter Gewalt zu entwinden, was lautstarken Protest bei ihr ausl\u00f6st. Erst als James ihr in einem Weinglas roten Traubensaft reicht, werden meine Ohren erl\u00f6st. Ich beobachte sie beim Trinken und streichele ihren Kopf. Sie wird eine verdammt starke Pers\u00f6nlichkeit werden.<br>\nWenn sie es erlebt, schie\u00dft es mir pl\u00f6tzlich durchs Hirn.<br>\nVor Schreck lasse ich sie fast fallen. Was war das denn schon wieder? Als ich hochblicke, merke ich, wie Michael mich beobachtet. Er sieht ziemlich nachdenklich aus.<br>\nSo nachdenklich, dass er mir sp\u00e4ter hilft, einige Sachen in die K\u00fcche zu tragen und dann leise sagt: \u201eWas ist denn mit dir los?\u201c<br>\n\u201eKeine Ahnung, was du meinst.\u201c Ich r\u00e4ume die Sachen in die Sp\u00fclmaschine. Michael reicht mir Gl\u00e4ser an, dabei ber\u00fchren sich unsere H\u00e4nde. Verdammt. Ich habe mich schon bewusst unsexy angezogen, den schwarzen Hausanzug und die F\u00fc\u00dfe nackt, trotzdem sp\u00fcre ich, wie es beinah knistert.<br>\n\u201eVorhin hat dich etwas erschreckt. Und als wir kamen, h\u00e4tte ich dich am liebsten auf den Arm genommen und getr\u00f6stet.\u201c<br>\n\u201eIdiot.\u201c<br>\n\u201eDas meine ich ernst. Du hast ausgesehen, als w\u00fcrdest du gleich anfangen zu weinen.\u201c<br>\n\u201eIch habe Geburtstag, da werde ich immer sentimental.\u201c<br>\n\u201eUnd du willst es mir nicht erz\u00e4hlen?\u201c<br>\nIch schlie\u00dfe die T\u00fcr des Geschirrsp\u00fclers und lehne mich dagegen. \u201eMichael, ich habe heute Nachmittag was gesp\u00fcrt. Einfach so. Als w\u00e4re da \u2026 Ich wei\u00df nicht, was es war. Eine Art Ersch\u00fctterung, aber sie war nicht physisch. Hast du auch was gemerkt?\u201c<br>\nEr sch\u00fcttelt den Kopf.<br>\n\u201eK\u00f6nnen Krieger verr\u00fcckt werden?\u201c<br>\n\u201eTheoretisch schon, aber nicht du.\u201c<br>\n\u201eWas soll das denn schon wieder bedeuten?\u201c<br>\n\u201eDu bist doch keine gew\u00f6hnliche Kriegerin.\u201c<br>\n\u201eAch? Wieso nicht?\u201c<br>\n\u201eFiona, willst du mich verarschen? Du hast einen Krumana-D\u00e4mon get\u00f6tet. Und auch wenn du dich weigerst, uns zu erz\u00e4hlen, wie du das geschafft hast, steht eines doch fest: Keiner von uns h\u00e4tte das geschafft. Krumana-D\u00e4monen verhalten sich zu Kriegern wie Kryptonit zu Superman.\u201c<br>\n\u201eSehr witzig.\u201c<br>\n\u201eAlso, was hat dich fast weinen lassen?\u201c<br>\nDer Kerl l\u00e4sst wohl nicht locker.<br>\n\u201eIch habe nur einen kurzen Moment daran gedacht, dass auch Katharina \u2026 mit euch \u2026 Egal.\u201c<br>\nMichael mustert mich, dann wischt er die eine d\u00e4mliche Tr\u00e4ne ab, die es gewagt hat, sich aus dem Augenwinkel zu schleichen.<br>\n\u201eSie ist \u00fcbrigens wieder in der Stadt.\u201c<br>\n\u201eSch\u00f6n f\u00fcr sie\u201c, erwidere ich und gehe zur\u00fcck zu den anderen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist hei\u00df. Das sp\u00fcre ich selbst durch die geschlossenen Fenster. Da ich nicht schon mit durchschwitzten Sachen losfahren will, gehe ich nackt hinunter zum Fr\u00fchst\u00fccken. James hat heute frei und den Tisch schon gedeckt. Sandra sitzt auf seinem Scho\u00df und malt mit Marmelade irgendwas auf seine Stirn.<br>\n\u201eIhr d\u00fcrft gleich baden gehen\u201c, teile ich ihnen mit.<br>\n\u201eMacht ja nix. Vielleicht gehen wir r\u00fcber zu deinen Eltern und in den Pool.\u201c<br>\n\u201eBei der Hitze eine gute Idee. Achte darauf, dass sie nicht zu lange in der Sonne ist.\u201c<br>\nJames mustert mich. \u201eIst nicht mein erstes Kind.\u201c<br>\n\u201eEntschuldige\u201c, murmele ich. Verdammte Schei\u00dfe.<br>\n\u201eSchon gut. Alles in Ordnung bei dir?\u201c<br>\nIch nicke. Warum sollte nicht alles in Ordnung bei mir sein? Wir haben bald Mitte August, der Sommer war sch\u00f6n und ist es noch, heute Morgen hatten wir ausgiebigen und vor allem ungest\u00f6rten Sex, auch wenn das bedeutete, dass James schon das Badezimmer unten renovieren durfte, also ist doch alles in bester Ordnung.<br>\nSo rein theoretisch.<br>\n\u201eVielleicht solltest du heute auch mal frei nehmen\u201c, schl\u00e4gt James vor.<br>\n\u201eGeht nicht, ich habe einen wichtigen Termin.\u201c<br>\n\u201eDann mach fr\u00fch Feierabend.\u201c<br>\n\u201eDas k\u00f6nnte ich machen.\u201c Ich nippe am hei\u00dfen Kaffee und \u00fcberlege, was ich essen soll. Eigentlich ist mir gar nicht nach Essen. Genau genommen ist mir irgendwie sogar schlecht. Ich werde doch nicht schon wieder schwanger sein?<br>\nIch beschlie\u00dfe, dass ich auf der Heimfahrt einen Test besorgen werde.<br>\nKann es sein? Ich \u00fcberlege, ob wir zu der infrage kommenden Zeit \u00fcberhaupt Sex hatten. Mir gelingt es aber nicht, die infrage kommende Zeit genau genug zu  bestimmen, also h\u00f6re ich mit dem Nachdenken auf..<br>\nDann fr\u00fchst\u00fccke ich heute eben nicht.<br>\nAls ich mich erhebe, um nach oben zu gehen und mich anzuziehen, fragt James: \u201eWillst du heute nichts essen?\u201c<br>\n\u201eKein Hunger.\u201c<br>\nIch stehe lange vor dem Kleiderschrank. Schlie\u00dflich entscheide ich mich f\u00fcr ein luftiges, helles Sommerkleid mit Spaghettitr\u00e4gern, das bis zu den Knien reicht und nach einem transparenten BH verlangt, wei\u00dfes H\u00f6schen und flache Sandalen. So sieht zwar kein Engel aus, aber eine Fiona, die ungewohnterweise wegen der Hitze leidet, die schon.<br>\nJames zieht eine Augenbraue etwa zwei Millimeter hoch, sagt aber nichts weiter. Er kriegt einen Kuss auf den Mund, Sandra tausende \u00fcberallhin, dann fahre ich mit meinem Auto ins B\u00fcro.<br>\nIn unser neues B\u00fcro. Ich werde wohl noch eine Weile brauchen, mich daran zu gew\u00f6hnen, dass wir umgezogen sind. Aus dem alten Wolkenkratzer mitten zwischen anderen B\u00fcrogeb\u00e4uden von Versicherungen, Banken und Anwaltskanzleien auf einen Campus, der nur uns geh\u00f6rt. Den Mittelpunkt bildet ein vollkommen gl\u00e4sernes Geb\u00e4ude f\u00fcr die Verwaltung, in dem mein B\u00fcro die oberste Etage einnimmt. Trotz meiner Gegenwehr, aber letztlich musste ich mich den Argumenten der Architekten, Monicas und meiner Mitarbeiter geschlagen geben. Die Chefin eines Unternehmens, die den Wert dieses Unternehmens in f\u00fcnf Jahren mehr als verzehnfacht hat, muss einfach einen repr\u00e4sentativen Sitz haben. Nicht f\u00fcr die eigenen Leute, sondern f\u00fcr die Partner. F\u00fcr die Autoren, f\u00fcr die Boygroups, f\u00fcr die Filmproduzenten, f\u00fcr die Regierungen, f\u00fcr alle, mit denen wir Gesch\u00e4fte machen.<br>\nIch w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte mich von meinem Vater nicht \u00fcberreden lassen, die Firma zu \u00fcbernehmen.<br>\nDen Wagen stelle ich direkt neben dem riesigen Haupteingang ab und spaziere auf den Empfang zu. Claire l\u00e4chelt mir entgegen.<br>\n\u201eHi Fiona. So sommerlich angezogen heute.\u201c<br>\nIch deute nach drau\u00dfen. \u201eIst ja auch Sommer.\u201c<br>\n\u201eDas stimmt. Man sieht dich trotzdem selten in so einem Kleid.\u201c<br>\n\u201eIch sollte das \u00e4ndern.\u201c<br>\nClaire nickt. \u201eSteht dir gut.\u201c<br>\nMonica runzelt die Stirn, als sie mich aus dem ebenfalls gl\u00e4sernen Aufzug steigen sieht. \u201eDu siehst so luftig aus.\u201c<br>\n\u201eHallo? Erst Claire und jetzt du? Es ist Sommer!\u201c<br>\n\u201eWir haben eine Klimaanlage. Au\u00dferdem siehst du halt ungewohnt aus. Kaffee?\u201c<br>\n\u201eJa, stark und schwarz.\u201c<br>\nMonica runzelt erneut die Stirn, sagt aber dieses Mal nichts. Ich gehe ins B\u00fcro, das nur nach drau\u00dfen gl\u00e4sern ist. Mein Laptop ist bereits eingeschaltet. Ich entsperre den Bildschirm und lese die neuen Mails.<br>\nMonica stellt den Kaffee auf den Tisch und bemerkt: \u201eIrgendwie siehst du schei\u00dfe aus. Bist du krank?\u201c<br>\nIch starre sie an. Sie kann ja nicht wissen, dass es v\u00f6llig ausgeschlossen ist, dass ich krank bin. Nicht einmal durch eine Schwangerschaft. Aber was zum Teufel ist dann los? Ich f\u00fchle mich tats\u00e4chlich schlecht. Nicht einmal, als ich mit Sandra schwanger war, habe ich mich so gef\u00fchlt.<br>\nEs kommt urpl\u00f6tzlich. Ich schaffe es gerade so eben bis zur Toilette, bevor ich loskotze. Da ich schon lange nichts mehr gegessen habe, ist es vor allem gr\u00fcnlicher Schleim, den ich von mir gebe, und ich merke, dass Panik langsam in mir aufsteigt.<br>\nIch. Bin. Eine. Kriegerin. Ich kann nicht krank werden.<br>\nDann ist Monica da und hilft mir, mich aufzurichten. Sie packt mich am Kinn und blickt mir tief in die Augen.<br>\n\u201eDu solltest zum Arzt gehen\u201c, sagt sie dann.<br>\n\u201eMir fehlt nichts.\u201c<br>\n\u201eHallo? Du hast grad nur durch einen Raketenstart verhindern k\u00f6nnen, dass du ins B\u00fcro kotzt!\u201c<br>\n\u201eTrotzdem \u2026\u201c<br>\nIch gehe zur\u00fcck ins B\u00fcro. Monica bringt mir ein Glas Wasser, das ich brav trinke.<br>\n\u201eSoll ich nicht lieber den Arzt anrufen?\u201c<br>\n\u201eWelchen Arzt?\u201c, erwidere ich.<br>\nMonica stutzt. Wahrscheinlich wird ihr gerade klar, dass ich gar keinen Hausarzt habe. Und dass sie mich noch nie krank erlebt hat.<br>\n\u201eIch suche dir einen\u201c, sagt sie schlie\u00dflich.<br>\n\u201eLieb von dir, aber es geht schon wieder.\u201c<br>\n\u201eGanz sicher?\u201c<br>\nIch nicke. \u201eWann habe ich den Termin?\u201c<br>\n\u201eIn einer halben Stunde. Soll ich ihn ab\u2026\u201c<br>\n\u201e\u2026 vorbereiten\u201c, unterbreche ich sie und schaffe es sogar, ein L\u00e4cheln auf mein Gesicht zu zaubern.<br>\n\u201eNa gut. Ich bin nicht einverstanden, aber du bist die Chefin.\u201c<br>\nIch blicke ihr l\u00e4chelnd hinterher, dann klingelt mein Handy. Unbekannte Rufnummer.<br>\n\u201eJa?\u201c<br>\n\u201eHallo Fiona.\u201c<br>\nIch erstarre.  Niemals w\u00e4re mir, nicht einmal in meinen schlimmsten Albtr\u00e4umen, die Idee gekommen, ich w\u00fcrde diese Stimme jemals aus einem Telefon h\u00f6ren.<br>\n\u201eZanda \u2026\u201c<br>\n\u201eWie sch\u00f6n, du hast mich erkannt.\u201c<br>\n\u201eWas willst du?\u201c, fl\u00fcstere ich.<br>\n\u201eDu kommst wohl gerne direkt zur Sache? Das liebe ich so an dir. Nun, kannst du dich erinnern, dass ich dir etwas versprochen habe?\u201c<br>\n\u201eZanda, ich habe dir doch gesagt, dass ich sie nicht get\u00f6tet habe!\u201c<br>\n\u201eIch wei\u00df, was ich gesehen habe\u201c, erwidert er und pl\u00f6tzlich ist seine Stimme kalt. Sehr kalt. \u201eUnd ich will, dass du auch erf\u00e4hrst, wie es sich anf\u00fchlt, jemanden zu verlieren, den man mehr liebt als alles andere auf der Welt. Heute ist Zahltag.\u201c<br>\nAufgelegt.<br>\nIch starre das Handy an. \u201eHeute ist Zahltag\u201c \u2026 Heute? Jetzt!<br>\nIch w\u00e4hle hektisch die Nummer von James.<br>\n\u201eHallo, mein Schatz\u201c, meldet er sich, und er klingt fr\u00f6hlich.<br>\n\u201eSeid ihr schon bei meinen Eltern?\u201c<br>\n\u201eNein, w\u00e4hrend ich mich angezogen habe, hat Sandra die Kaffeemaschine einer gr\u00fcndlichen Ansicht unterzogen. Ich musste erst der K\u00fcche eine Grundreinigung zuteil werden lassen. Und als wir dann los wollten, kam der Techniker.\u201c<br>\n\u201eWas f\u00fcr ein Techniker?!\u201c<br>\n\u201eWegen des Internetanschlusses. Er sagte, du h\u00e4ttest einen neuen Tarif bestellt und \u2026\u201c<br>\n\u201eIch habe gar nichts bestellt\u201c, fl\u00fcstere ich und sp\u00fcre, wie mir kalt wird. Sehr kalt. \u201eWo ist er jetzt?\u201c<br>\n\u201eUnten, im Keller. H\u00f6r zu, mein Schatz, er will grad was von mir, ich ruf dich gleich wieder an.\u201c<br>\n\u201eNein, warte, nicht, geh nicht \u2026!\u201c Zu sp\u00e4t, er hat bereits aufgelegt.<br>\nVerdammt! Wenn ich die Polizei anrufe, ist sie niemals rechtzeitig da. Wenn ich selber fahre, genauso wenig. Und wenn ich nicht ganz schnell etwas unternehme, dann \u2026 <br>\nIch atme tief durch. Es gibt nur eine M\u00f6glichkeit, und im Moment kann und will ich nicht \u00fcber die Konsequenzen nachdenken.<br>\nIch gehe zum Fenster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Hand.<br>\nIch bewege einen Finger. Dann einen anderen. Es ist wirklich meine Hand, und sie funktioniert noch.<br>\nDoch wo bin ich \u00fcberhaupt?<br>\nIch liege auf etwas Weichem. Es k\u00f6nnte sogar ein Bett sein. Unter meinem Kopf wahrscheinlich ein Kissen. Es ist warm. Langsam kommt mein K\u00f6rpergef\u00fchl wieder. Ich sp\u00fcre, dass eine Decke auf mir liegt. Ich selbst liege auf dem Bauch, den Kopf nach links gedreht, sodass meine rechte Wange das Kissen ber\u00fchrt. Es ist meine linke Hand, die ich sehe. Jetzt nehme ich auch den rechten Arm wahr, er liegt leicht verdreht rechts von mir auf dem Bett und unter der Decke.<br>\nIch drehe mich auf die Seite und richte mich halb auf. Es ist dunkel, nur schemenhaft erkenne ich einige Umrisse. Meine erste Vermutung, ich k\u00f6nnte in einem Krankenhaus oder in einer Klinik sein, best\u00e4tigt sich nicht. Ein gro\u00dfes Schlafzimmer, sehr luxuri\u00f6s eingerichtet, mit schweren, massiven Holzm\u00f6beln.<br>\nHier war ich schon mal.<br>\nIch schlage die Decke zur\u00fcck, stehe auf und gehe zum Fenster, das von der Decke fast bis zum Boden reicht. Dabei wird mir bewusst, dass ich nackt bin.<br>\nRechts vom Fenster befindet sich der Schalter f\u00fcr den Rollladen. Ich bet\u00e4tige ihn kurz, gerade so lange, dass die Lamellen sich drehen und etwas vom Tageslicht reinlassen. Drau\u00dfen ist es blendend hell, die Augustsonne scheint weit oben zu stehen.<br>\nAber welcher Tag ist heute \u00fcberhaupt?<br>\nUnd wieso bin ich hier?<br>\nIch gehe zum riesigen Kleiderschrank. Vermutlich passt mir alles, was sich darin befindet. So ist es auch. Ich streife ein langes T-Shirt \u00fcber und ziehe einen Schl\u00fcpfer an. Dann verlasse ich das Schlafzimmer.<br>\nEs ist dasselbe wie vor einem Jahr.<br>\nIch gehe nach rechts den breiten, hellen Gang entlang, bis zur Mitte, dorthin, wo sich die gro\u00dfz\u00fcgige Treppe mit den ausladenden Stufen befindet. Ich muss nur eine Etage tiefer, um ins immer wieder faszinierende Erdgeschoss zu gelangen.<br>\nEin Ger\u00e4usch, das ich schon oben geh\u00f6rt habe, wird immer deutlicher. Tischtennis. Jemand spielt Tischtennis, und zwar ziemlich gut. Die Ballwechsel sind schnell, die B\u00e4lle hart und schnell geschlagen. Gegen wen mag Katharina da spielen?<br>\nDann wird mir klar, dass Katharina gar nicht spielt. Es sind zwei junge M\u00e4dchen in \u00e4rmellosen Shirts und kurzen Hosen, barfu\u00df. Das M\u00e4dchen mit dem R\u00fccken zu mir d\u00fcrfte Helena sein, das andere M\u00e4dchen, mit blondem Pferdeschwanz, kenne ich nicht.<br>\nAls es mich entdeckt, l\u00e4sst es den Schl\u00e4ger sinken und deutet mit einer Kopfbewegung in meine Richtung. Helena legt ihren Schl\u00e4ger weg und kommt auf mich zu.<br>\n\u201eFiona! Du bist aufgewacht!\u201c<br>\n\u201eJa \u2026 Vielleicht.\u201c Ich fasse an meine Schl\u00e4fe. \u201eDas alles kommt mir wie ein Traum vor. Wieso bin ich hier? Und wo ist Katharina?\u201c<br>\nHelena mustert mich kurz, dann dirigiert sie mich zu einer Sitzgruppe mit Rattanm\u00f6beln. Sanft dr\u00fcckt sie mich auf einen der St\u00fchle und legt meine F\u00fc\u00dfe hoch. In der Zwischenzeit holt die Blondine ein Glas mit Zitronenwasser. Helena nimmt es und dr\u00fcckt es mir in die Hand.<br>\n\u201eTrink das, du bist vermutlich ganz ausgetrocknet.\u201c<br>\nIch nippe daran. Es tut wirklich gut. Aber wieso bin ich ganz ausgetrocknet? Was ist \u00fcberhaupt passiert?<br>\n\u201eWas \u2026 was ist heute f\u00fcr ein Tag?\u201c<br>\n\u201eSamstag. 15. August.\u201c<br>\nIch schlie\u00dfe die Augen. Irgendwas stimmt hier nicht. Grad war es doch noch Mittwoch. Warum bin ich hier? Und wie bin ich hierher gekommen?<br>\n\u201eWie bin ich hierher gekommen?\u201c<br>\nHelena kaut auf ihrer Unterlippe herum, bevor sie antwortet: \u201eMama hat dich geholt.\u201c<br>\n\u201eSie hat mich geholt? Von wo?\u201c<br>\n\u201eAus dem Krankenhaus.\u201c<br>\nIch runzele die Stirn. Ich war im Krankenhaus? Warum? Und wieso erinnere ich mich \u00fcberhaupt nicht daran, dass ich im Krankenhaus war? Und wie kommt Katharina, ausgerechnet Katharina, eigentlich dazu, mich aus einem Krankenhaus zu holen? Zu sich?<br>\nIrgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.<br>\n\u201eErinnerst du dich denn gar nicht, was passiert ist?\u201c, fragt Helena leise. Sie hockt immer noch neben mir. Die Blondine steht hinter ihr und beobachtet mich.<br>\n\u201eNein. Wer ist das?\u201c<br>\nHelena schaut kurz nach hinten. \u201eDas ist Jody, meine Freundin.\u201c<br>\n\u201eHi Jody.\u201c<br>\n\u201eHi\u201c, erwidert sie. Ihre Stimme klingt angenehm. Kr\u00e4ftig und warm. Freundin? Was f\u00fcr eine Freundin?<br>\n\u201eUnd Kay?\u201c<br>\nWieder kaut sie auf ihrer Unterlippe herum. Hat sie das bei mir abgeschaut? \u201eMeine Eltern haben sich vor einigen Wochen getrennt. Mein Vater ist ausgezogen.\u201c<br>\nWie? Was? Wieso wei\u00df ich davon nichts?!<br>\n\u201eSie haben sich getrennt?\u201c<br>\nHelena nickt. Ihre Augen gl\u00e4nzen verd\u00e4chtig. Dann ist Katharina ja nicht mehr mit ihrem Mann zusammen und \u2026 Mir f\u00e4llt James ein und ich richte mich auf. Mir wird kalt. Sehr kalt.<br>\n\u201eWas \u2026 Ich \u2026 Ich erinnere mich jetzt, dass ich im B\u00fcro war. Und dann war da ein Anruf. Ist Katharina bei James?\u201c<br>\nHelena sch\u00fcttelt langsam den Kopf und fl\u00fcstert: \u201eJames ist tot.\u201c<br>\n\u201eTot? Was ist mit meiner Tochter?\u201c<br>\n\u201eSie ist auch tot. Sie \u2026\u201c Helena schluckt h\u00f6rbar, bevor sie fortf\u00e4hrt: \u201eDu bist hingeflogen, aber es war schon zu sp\u00e4t. Das Haus ist explodiert und bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Du bist zusammengebrochen. Deine Eltern waren auch da. Dann wurdest du in das Krankenhaus gebracht und mit Beruhigungsmitteln vollgespritzt. Es tut mir leid.\u201c<br>\nIch starre sie an.<br>\n\u201eIch konnte sie nicht retten?\u201c<br>\n\u201eNiemand h\u00e4tte das gekonnt. Das Haus ist explodiert, bevor du da warst. Die Explosion war so stark, dass alles, was sich im Haus befand, vergl\u00fcht ist.\u201c<br>\nIch wende den Blick ab und starre nach drau\u00dfen. Das war vor drei Tagen.<br>\n\u201eMama hat es im Internet geh\u00f6rt, wenige Minuten nach der Explosion. Sie ist sofort losgefahren und ist dem Krankenwagen begegnet, der dich abgeholt hat. Sie fuhr hinterher. In der Nacht hat sie dich rausgeholt und hergebracht. Seitdem hast du durchgeschlafen.\u201c Sie atmet tief durch. \u201eBis heute Mittag war sie die ganze Zeit bei dir, aber dann musste sie weg. Ein Termin, den sie schon verschoben hatte und nicht noch einmal verschieben konnte. Aber sie ist bald wieder hier.\u201c<br>\n\u201eWarum hat sie das getan?\u201c<br>\n\u201eSie war der Meinung, dass es nicht gut w\u00e4re, wenn sie dich im Krankenhaus dabehalten. Nicht f\u00fcr das Krankenhaus und nicht f\u00fcr dich.\u201c<br>\nIch nicke langsam. \u201eJa, das stimmt.\u201c Ich ziehe meine Beine an und beginne zu schaukeln. \u201eWas ist mit meinen Eltern?\u201c<br>\n\u201eDas wei\u00df ich nicht. Vielleicht hat Mama ihnen Bescheid gesagt.\u201c<br>\nJa, vielleicht. Ich starre wieder nach drau\u00dfen. Es ist ein wirklich sch\u00f6ner Sommertag. Ich kann den Pool sehen. Eigentlich m\u00fcssten wir jetzt am Pool sein, bei meinen Eltern. James, Sandra, Danny und ich. Unsere kleine Familie. An einem herrlichen Sommertag, an einem Wochenende, die kleine Sandra bei Oma und Opa. Wie so oft schon.<br>\nAber wir sind es nicht. Sie sind nirgendwo. Nur noch ich bin.<br>\nPl\u00f6tzlich wei\u00df ich, was ich zu tun habe. Ich springe auf und gehe auf die Treppe zu. Doch dann stellt sich mir Helena in den Weg.<br>\n\u201eWo willst du hin?\u201c<br>\n\u201eIch werde Zanda t\u00f6ten\u201c, erwidere ich ruhig.<br>\n\u201eMama wusste, dass du das sagen w\u00fcrdest. Sie hat gesagt, wir sollen es verhindern.\u201c Jetzt steht auch Jody zwischen der Treppe und mir.<br>\nIch starre die beiden an, versuche, an ihnen vorbei zu kommen, aber sie sind schnell. Beide sind schnell. Jody ist keine Kriegerin, das w\u00fcrde ich sp\u00fcren, aber sie ist auch kein gew\u00f6hnlicher Mensch.<br>\n\u201eLasst mich vorbei. Ich will euch nicht wehtun.\u201c<br>\n\u201eDas geht nicht. Wenn du vorbei willst, musst du uns wehtun. Aber das solltest du nicht tun. Ich meine, ich kann verstehen, dass du das tun willst. Aber du solltest es nicht jetzt, nicht in diesem Zustand tun.\u201c<br>\n\u201eWas redest du da? Ich werde Zanda t\u00f6ten. Jetzt.\u201c<br>\nIch mache einen Schritt vorw\u00e4rts und das N\u00e4chste, was ich wieder bewusst wahrnehme, ist, dass ich auf dem Boden kauere und die beiden M\u00e4dchen mich in den Armen halten. Ich sp\u00fcre, dass mein Gesicht nass ist. Mein Atem geht rasselnd, ich schnappe f\u00f6rmlich nach Luft.<br>\nMir wird klar, dass ich einen Blackout hatte, dass ich zusammengebrochen bin. Die Wucht des Schmerzes, als mir mit v\u00f6lliger Klarheit bewusst wurde, was geschehen ist, hat mich von den F\u00fc\u00dfen gerissen. Wortw\u00f6rtlich.<br>\nIch sehe Helena und Jody an, die mich festhalten. Sie haben auch geweint, das sehe ich an ihren Gesichtern, w\u00e4hrend ich verzweifelt um Luft k\u00e4mpfe.<br>\nEs dauert noch eine ganze Weile, bis ich nicht mehr das Gef\u00fchl habe, gleich ersticken zu m\u00fcssen. Jody springt auf und holt mir mein Wasser. Ich trinke das Glas gierig leer.<br>\n\u201eWie \u2026 wie lange war ich weg?\u201c<br>\n\u201eWei\u00df nicht. Vielleicht zehn Minuten. Wir haben ganz sch\u00f6n Angst bekommen.\u201c<br>\n\u201eEs tut mir leid.\u201c Ich senke den Blick. \u201eEs ist alles meine Schuld.\u201c<br>\n\u201eWas ist deine Schuld? Ich verstehe nicht.\u201c<br>\nIch sehe Helena an. \u201eAlles ist meine Schuld. Dass Sandra tot ist, und James, und Danny. Sie sind alle meinetwegen gestorben. Es ist meine Schuld.\u201c<br>\n\u201eDas ist doch nicht deine Schuld!\u201c<br>\n\u201eDoch.\u201c Ich schlie\u00dfe die Augen. \u201eWeil ich Anne Maries Avancen nicht zur\u00fcckgewiesen habe. Weil ich zugelassen habe, dass sie sich an mich klammert. Deswegen sind wir noch einmal zur\u00fcckgegangen, deswegen haben wir die Kette geholt, deswegen sind wir den Vampiren begegnet, deswegen ist Anne Marie gestorben.\u201c Ich \u00f6ffne die Augen wieder und starre Helena an.<br>\n\u201eUnd was hat das mit \u2026 mit dem Tod von \u2026\u201c<br>\n\u201eZanda hat sich ger\u00e4cht. Er glaubt, dass ich Anne Marie get\u00f6tet habe. Dabei h\u00e4tte ich alles getan, um sie zu besch\u00fctzen. Aber ich habe versagt. Sie ist tot und nun auch Sandra. Und James.\u201c<br>\nHelena will was sagen, doch dann schlie\u00dft sie den Mund wieder. Hinter ihr erklingen Schritte und dann kommt Katharina um die Treppe herum und bleibt wie angewurzelt stehen.<br>\nSie tr\u00e4gt einen eleganten Sommeranzug und sieht unglaublich sch\u00f6n aus. Nur die dunkle Sonnenbrille st\u00f6rt dabei etwas. Als sie diese jetzt abnimmt, sehe ich die rot ger\u00e4nderten Augen.<br>\nIch glaube, sie hat mehr geweint als ich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich beobachte Katharina. Sie sitzt mir gegen\u00fcber in einem der Rattanst\u00fchle, quer, die Beine l\u00e4ssig \u00fcber die Lehne gelegt. Sie ist barfu\u00df und tr\u00e4gt eine wei\u00dfe Leinenhose, dazu passend die Bluse. Ihre Fu\u00dfn\u00e4gel sind rot lackiert. Die Jacke hat sie ausgezogen und \u00fcber die R\u00fcckenlehne eines anderen Stuhls geh\u00e4ngt.<br>\nIch sitze wieder, wo ich vorhin schon sa\u00df, und umarme die angezogenen Beine. Und konzentriere mich darauf, nicht zu schaukeln.<br>\nAuf dem Tisch vor mir steht ein Glas, diesmal mit Caipi darin. Helena hat ihn gemacht, bevor sie mit Jody nach drau\u00dfen ging. Sie liegen jetzt in der Sonne, oben ohne.<br>\nIch angele mir das Glas vom Tisch, ohne meine Beine loszulassen. Katharina sieht zu mir her\u00fcber. Sie hat auch ein Glas, der Farbe nach zu urteilen ist Whisky darin. Pur.<br>\n\u201eWas ist geschehen?\u201c, erkundige ich mich.<br>\nKatharinas sonst hellblaue Augen verdunkeln sich, nur f\u00fcr einen kurzen Augenblick. Dann nimmt sie einen Schluck von ihrem Drink und antwortet: \u201eIch war im B\u00fcro und las E-Mails, als in den Nachrichten die Explosion erw\u00e4hnt wurde. Sie waren schnell, kaum mehr als f\u00fcnf Minuten waren vergangen. Ich wusste sofort, welches Haus gemeint ist. Ich setzte mich ins Auto und fuhr los. Kurz bevor ich dort war, kam mir ein Krankenwagen entgegen. Ich sp\u00fcrte darin deine Anwesenheit und auch, dass du nicht bei Sinnen warst. Also wendete ich und fuhr hinterher. Im Krankenhaus haben sie versucht, dich ruhigzustellen und haben daf\u00fcr so viel Barbiturate genommen, dass es f\u00fcr einen Elefanten gereicht h\u00e4tte.\u201c<br>\n\u201eBarbiturate?\u201c<br>\nSie zuckt die Achseln. \u201eIch glaube, sie haben es erst mit anderen Mitteln versucht, damit hatten sie aber \u00fcberhaupt keinen Erfolg. Sie konnten ja nicht wissen, dass dein Kriegerk\u00f6rper das Zeug praktisch sofort wieder abbaut, vor allem, wenn er mit Adrenalin geflutet ist. Jedenfalls, irgendwann haben sie es geschafft, dich zu beruhigen. Wenn ich es mir so \u00fcberlege, ist es fast ein Wunder, dass niemand zu Schaden gekommen ist.\u201c<br>\n\u201eVielleicht habe ich einen Schutzmechanismus eingebaut.\u201c<br>\n\u201eMag sein. Mir war klar, dass du nicht im Krankenhaus bleiben kannst. Erstens h\u00e4tten sie dich eh nicht behandeln k\u00f6nnen und zweitens durften die nicht merken, dass du kein gew\u00f6hnlicher Mensch bist. Deine Resistenz gegen Beruhigungsmittel haben sie hoffentlich auf das Adrenalin geschoben.\u201c<br>\n\u201eUnd was hast du getan?\u201c<br>\n\u201eGewartet, bis alles ruhig war. Es war schon lange dunkel drau\u00dfen. Dann habe ich dich geholt.\u201c<br>\n\u201eMich geholt? Du hast mich rausgetragen?\u201c<br>\nSie sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eDas war mein erster Plan, aber es w\u00e4re zu auff\u00e4llig gewesen. Zum Gl\u00fcck warst du bereit mitzugehen.\u201c<br>\n\u201eIch war wach?\u201c<br>\n\u201eNun, inzwischen glaube ich das nicht mehr, da du dich offensichtlich \u00fcberhaupt an nichts davon erinnern kannst. Aber ja, du hattest die Augen offen und hast brav getan, was ich dir gesagt habe. Wir sind hierher gefahren, ich habe dich ins Zimmer gebracht, dich ausgezogen und du hattest den Kopf noch nicht auf dem Kopfkissen und warst schon am Schlafen. Bis vorhin. Und das lag ganz sicher nicht an den Barbituraten.\u201c<br>\n\u201eNein, ganz sicher nicht. Wei\u00df denn jemand au\u00dfer euch, dass ich hier bin?\u201c<br>\nSie sch\u00fcttelt erneut den Kopf und nimmt einen Schluck von ihrem Drink. \u201eIch habe mit deinem Handy eine SMS an deine Mutter geschickt, gestern, als mir klar wurde, dass es l\u00e4nger dauern k\u00f6nnte, dass du in Sicherheit bist und dich meldest.\u201c<br>\nIch halte mein Glas zwischen den Knien und dr\u00fccke die Stirn dagegen. Die K\u00e4lte tut gut.<br>\n\u201eIch \u2026 ich kann das nicht.\u201c<br>\n\u201eWas?\u201c<br>\n\u201eMeine Mutter anrufen. Nicht jetzt.\u201c<br>\n\u201eDann ruf sie sp\u00e4ter an. Ist jetzt auch egal.\u201c<br>\n\u201eEigentlich nicht. Ich rufe sie vielleicht wirklich sp\u00e4ter an. Oder morgen.\u201c Ich hebe den Kopf und starre Katharina an. \u201eIch sollte gehen.\u201c<br>\n\u201eWohin? Und warum?\u201c<br>\nIhre hellblauen Augen mustern mich mit einem undefinierbaren Ausdruck. Dann wird mir klar, dass ich Angst sehe. Sie hat Angst, dass ich eine Antwort auf ihre Fragen habe.<br>\nHabe ich auch. Zumindest auf die erste. Bei der zweiten bin ich mir nicht so sicher.<br>\n\u201eIhr habt euch getrennt?\u201c<br>\nSie braucht einen Moment, um meinen pl\u00f6tzlichen Themenwechsel zu verdauen. Dann nickt sie. \u201eJa, schon vor einigen Wochen. Oder Monaten. Wir \u2026 wir haben uns entliebt. Und haben eingesehen, dass es keinen Sinn hat, krampfhaft die heile Familie spielen zu wollen. Und dass es besser ist, wir trennen uns, solange es noch friedlich geht. Kay ist nach London gezogen, hat dort eine sch\u00f6ne Wohnung, die ich bezahle. Auch seinen Lebensunterhalt, zumindest bis er es selbst kann.\u201c<br>\n\u201eHat er einen Job?\u201c<br>\n\u201eEr macht eine Detektei auf. Nach London wollte er sowieso schon immer.\u201c<br>\nDen Zusammenhang verstehe ich zwar nicht, aber es spielt auch keine Rolle, glaube ich.<br>\n\u201eBei seinen F\u00e4higkeiten und Kontakten ist eine Detektei wahrscheinlich genau das Richtige.\u201c<br>\n\u201eIch denke auch. Wie gesagt, wir sind noch Freunde. Mehr nicht.\u201c<br>\n\u201eIst schon irgendwie seltsam, oder? Ich meine, das Schicksal ist ein so richtig fieser Hund. Du trennst dich von deinem Mann und ich kurz darauf \u2026\u201c Auch, wollte ich noch sagen, aber das klappt nicht mehr. Ich merke noch, wie Katharina mit \u00fcbermenschlicher Geschwindigkeit zu mir springt und das Glas mit dem Caipi auff\u00e4ngt, dann habe ich wohl den n\u00e4chsten Aussetzer.<br>\nAls ich wieder einen halbwegs klaren Gedanken fassen kann, kniet Katharina neben mir und h\u00e4lt meinen Kopf an sich gedr\u00fcckt. Ich befreie mich und versuche, die Tr\u00e4nen abzuwischen, was bei der Menge schier aussichtslos zu sein scheint. Katharina reicht mir ein Taschentuch, damit habe ich mehr Erfolg.<br>\nIch schn\u00e4uze mich, dann kn\u00fclle ich das Taschentuch zusammen und sage schniefend: \u201eWie soll das funktionieren? Ich meine, vor drei Tagen ist mein Mann gestorben. Wir \u2026 wir sind beide frei, aber das geht doch nicht.\u201c<br>\nKatharina sieht mich ernst an. \u201eFiona, ich habe nicht aufgeh\u00f6rt, dich zu lieben. Und du kannst mir glauben, ich habe so ziemlich alles versucht, um dich zu vergessen. Vier Jahre lang. Meine Ehe ist nicht zuletzt auch daran kaputt gegangen. Ich war schlie\u00dflich vor einem Jahr so weit, dass ich gesagt habe, es ist mir egal. Und dann fiel mir das mit Michael ein und ich war froh, doch noch eine Ausrede zu haben. Es hat nur \u00fcberhaupt nichts gebracht. Ich habe mich nicht von Kay getrennt, um f\u00fcr dich frei zu sein. Wie h\u00e4tte ich auch ahnen k\u00f6nnen, was geschehen wird? Und du kannst mir auch glauben, ich w\u00fcrde alles tun, um es wieder ungeschehen zu machen. Aber das kann ich nicht, egal wie viel Macht ich habe.\u201c Sie atmet tief durch. \u201eMir ist klar, wie du dich f\u00fchlst und erwarte auch gar nicht, dass du etwas tust, was du gar nicht willst. Das verstehe ich, sehr gut sogar. Ich m\u00f6chte nur, dass du wei\u00dft, dass ich dich liebe und dass ich warten kann. Tage, Wochen, Monate, Jahre. Das ist mir egal. Ich werde solange warten, wie es eben dauert.\u201c<br>\nWas f\u00fcr eine perverse Situation. Da kniet sie neben mir, die Frau, nach der ich mich vier Jahre lang so verzehrt habe, und jetzt, wo ich sie haben k\u00f6nnte, ist es vollkommen unm\u00f6glich.<br>\nWarum eigentlich?<br>\nWeil vor drei Tagen erst James gestorben ist. Und Sandra. Und du so voller Schmerz bist, dass du dich gar nicht auf eine neue Beziehung einlassen kannst. Nicht jetzt.<br>\nIch sehe Katharina an. Sie erwidert meinen Blick. Ihre Augen gl\u00e4nzen und langsam l\u00e4uft eine Tr\u00e4ne aus dem Au\u00dfenwinkel ihres linken Auges. Sie rinnt an ihrer Wange hinab, an den Lippen vorbei, verharrt kurz an ihrem Kinn und f\u00e4llt dann wie in Zeitlupe hinunter.<br>\nIhre Lippen erzittern kaum merklich.<br>\nSie hat sehr sch\u00f6ne Lippen. Sie erinnern ein wenig an die Lippen von Brigitte Bardot. Vielleicht nicht ganz so voll. Mir f\u00e4llt ein, was sie mit diesen Lippen alles anstellen kann. Wie ihre Ber\u00fchrung sich anf\u00fchlt \u2026<br>\nFiona! Denk an James!<br>\nIch denke an ihn. James war durch und durch pragmatisch. W\u00fcrde er wollen, dass ich mich in Selbstmitleid zerfleische?<br>\nEs geht nicht um Selbstmitleid!<br>\nWirklich nicht? Um was geht es dann? Wer sollte denn ernsthaft was dagegen haben?<br>\nDie Leute \u2026<br>\nDie Leute? Das sagst du, Fiona Flame, der es sonst v\u00f6llig am Arsch vorbei geht, was die Leute denken? Wei\u00dft du, was ich glaube?<br>\nWas denn?<br>\nDu hast einfach nur Angst. Vier Jahre lang hast du dir nichts sehnlicher gew\u00fcnscht. Du hast es dir vorgestellt, immer wieder, wie es sein w\u00fcrde, sie wieder zu k\u00fcssen, sie wieder in den Armen zu halten. Du hast es dir so sehr gew\u00fcnscht und vorgestellt, dass du Angst davor hast, du k\u00f6nntest schon wieder entt\u00e4uscht werden.<br>\nJa, kann schon sein, dass ich Angst habe. Ist sie denn unberechtigt? Was, wenn sie die N\u00e4chste ist?<br>\nDann solltest du erst recht nicht warten.<br>\nKatharina legt den Kopf schief. \u201eWas ist passiert?\u201c<br>\nIch schlie\u00dfe die Augen. Ich werde es bereuen. Und wie ich es bereuen werde.<br>\nAber es ist mir schei\u00dfegal.<br>\nIch werfe mich ihr so heftig an den Hals, dass ich vom Stuhl falle und sie umschmei\u00dfe. Wir landen beide auf dem Boden, sie unter mir. Ich presse den Mund auf ihre Lippen und suche ihre Zunge, die mir bereitwillig entgegen kommt.<br>\nSchlie\u00dflich l\u00f6se ich mich keuchend von ihr und sp\u00fcre ihre H\u00e4nde auf meinem Po.<br>\n\u201eWir sollten nach oben gehen. Tr\u00e4gst du mich hoch?\u201c<br>\n\u201eJa, ich trage dich hoch\u201c, erwidert sie halb lachend und halb weinend und richtet sich auf. Ich schlinge die Beine um ihre H\u00fcften und verschr\u00e4nke die H\u00e4nde hinter ihrem Nacken. Die Lippen auf meinen Mund gepresst, tastet sie sich die Stufen hoch, in das Zimmer, in dem ich vorhin aufgewacht bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die s\u00fc\u00dfe Schwere, die so typisch ist nach einem heftigen Orgasmus, legt sich langsam auf uns. Katharinas Kopf liegt auf meinem linken Arm, ihr rechter Arm auf meinem Bauch und ihre rechte Hand locker zwischen meinen Oberschenkeln.<br>\n\u201eBereust du es?\u201c, fragt sie pl\u00f6tzlich.<br>\nIch drehe ihr meinen Kopf zu. Sie erwidert meinen Blick fragend.<br>\nBereue ich es? Es ist erst wenige Stunden her, dass sie mir gestanden hat, wie sehr sie mich liebt, wenige Stunden, dass ich mich gegen jede Vernunft f\u00fcr sie entschieden habe. Gestern Nachmittag haben wir uns leidenschaftlich geliebt, gestern Abend haben wir uns leidenschaftlich geliebt und heute Morgen, jetzt gerade. Dazwischen haben wir gegessen, zwei Filme angesehen und geschlafen.<br>\nIch verneine kopfsch\u00fcttelnd.<br>\n\u201eMusstest du so lange dar\u00fcber nachdenken?\u201c<br>\n\u201eNein. Nicht dar\u00fcber. Oder besser gesagt, nicht nachdenken. Ich habe mich erinnert, wie ich mich gef\u00fchlt habe, seitdem du mich hochgetragen hast. Aber da war keine einzige Sekunde des Bedauerns. Ich liebe dich.\u201c<br>\nF\u00fcr einen Moment wird sie ganz starr. Dann dreht sie sich auf die Seite und vergr\u00e4bt ihr Gesicht in meiner Halsbeuge. Innerhalb von Sekunden wird meine Schulter nass. Ich k\u00fcsse ihre Schl\u00e4fe und streichele ihren R\u00fccken, ohne etwas zu sagen. Es sind einfach keine Worte n\u00f6tig.<br>\nSchlie\u00dflich hebt sie den Kopf und sieht mich an. Ihr Gesicht ist von einem Tr\u00e4nenschleier bedeckt. Irgendwie schon fast lustig, wie wir die Rollen getauscht haben.<br>\n\u201eEntschuldige\u201c, sagt sie schniefend.<br>\n\u201eWof\u00fcr?\u201c<br>\n\u201eNa ja \u2026\u201c Sie ber\u00fchrt meinen Hals. \u201eIch habe dich nass gemacht.\u201c<br>\n\u201eDas stimmt allerdings.\u201c<br>\n\u201eWas?\u201c Sie scheint sich schon wieder nicht entscheiden zu k\u00f6nnen, ob sie lachen oder weinen soll. \u201eDu wirst nass, wenn ich weine?\u201c<br>\n\u201eAm Hals auf jeden Fall.\u201c<br>\nSie legt eine Hand zwischen meine Schenkel und ihre Augen weiten sich. \u201eDas ist ja unglaublich!\u201c<br>\n\u201eIch glaube, das kommt nicht von deinem Weinen\u201c, murmele ich.<br>\n\u201eSondern?\u201c<br>\n\u201eIst das jetzt wichtig?\u201c<br>\nSie sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eNicht wirklich. Ich sch\u00e4tze, ich muss jetzt was daf\u00fcr tun, dass du wieder trocken wirst. Wenn ich dich schon so nass mache \u2026\u201c<br>\nDas sehe ich genauso. Ganz schafft sie es zwar nicht, aber irgendwann entschwinde ich aus dieser Welt und kehre erst viel sp\u00e4ter und nur z\u00f6gerlich wieder. Katharina liegt mit erhobenem Kopf auf mir und beobachtet mich.<br>\n\u201eWas hast du gesehen?\u201c<br>\n\u201eEigentlich nichts Besonderes. Dein Gesicht war v\u00f6llig entspannt. Du hast irgendwann sogar gel\u00e4chelt.\u201c<br>\n\u201eDas m\u00fcssen wir im Kalender rot markieren!\u201c<br>\n\u201eOkay. Ich schreibe nachher rein: &#8218;Hat nach supergeilem Orgasmus selig gel\u00e4chelt.&#8217;\u201c<br>\n\u201eWehe!\u201c<br>\nSie grinst und wird pl\u00f6tzlich ernst. \u201eFiona, du musst jetzt wirklich deine Eltern anrufen.\u201c<br>\nIch ziehe eine Schnute. \u201eMusst du den Moment kaputt machen?\u201c<br>\n\u201eDer Moment ist schon vorbei.\u201c<br>\nDas stimmt auch wieder. Seufzend strecke ich mich nach dem Handy, das auf dem Nachttisch liegt. Auf die n\u00e4chsten Minuten freue ich mich nicht einmal ansatzweise.<br>\nDie Stimme meiner Mutter klingt schwach, als sie sich meldet: \u201eJa \u2026?\u201c<br>\n\u201eHallo, Mama. Ich bin es.\u201c<br>\n\u201eOh Gott sei dank! Wir haben uns solche Sorgen gemacht! Und als diese SMS kam, haben wir gedacht, du w\u00e4rst entf\u00fchrt worden!\u201c<br>\n\u201eVon wem sollte ich entf\u00fchrt worden sein?\u201c<br>\n\u201eWas wei\u00df ich! Du warst doch gar nicht du selbst! Die \u00c4rzte haben gesagt, sie h\u00e4tten so was noch nie erlebt. Sie haben so viel Schlafmittel in dich reinpumpen m\u00fcssen, dass sie schon Angst hatten. Aber es ging nicht anders.\u201c<br>\n\u201eMein K\u00f6rper betrachtet das Zeug als Gift und baut es sofort wieder ab. Mir geht es gut. Na ja, den Umst\u00e4nden entsprechend.\u201c<br>\n\u201eAber wo um Himmels willen bist du \u00fcberhaupt?\u201c<br>\n\u201eBei Katharina.\u201c<br>\n\u201eBei Katharina?\u201c<br>\nIch seufze und suche Katharinas Blick. Sie l\u00e4chelt mich aufmunternd an.<br>\n\u201eH\u00f6r zu, Mama, Katharina wusste, dass es nicht gut f\u00fcr mich im Krankenhaus ist und hat mich rausgeholt. Eigentlich war es nicht geplant, euch nicht Bescheid zu geben, aber ich habe einfach ein paar Tage geschlafen. Auch ohne das Zeug. Deswegen hat sie euch irgendwann die SMS geschickt, damit ihr wenigstens ein Lebenszeichen von mir habt.\u201c<br>\n\u201eDas verstehe ich nicht. Wieso hat sie dich nicht zu uns gebracht?\u201c<br>\n\u201eWeil ich dort zu nah am Geschehen gewesen w\u00e4re, Mama. In jeder Hinsicht.\u201c<br>\n\u201eEs ist so furchtbar\u201c, sagt sie schniefend. \u201eNiemand wei\u00df, was passiert ist, zumindest will uns niemand was sagen. Nicht einmal Ben oder Jack. Ich habe sogar versucht, diesen Vampir zu erreichen, aber er ist unauffindbar.\u201c<br>\n\u201eMama, ich glaube, sie wissen wirklich nichts. Woher auch. Und ich m\u00f6chte nicht am Telefon dar\u00fcber reden.\u201c<br>\n\u201eAber wie dann? Sollen wir zu euch kommen?\u201c<br>\nIch denke kurz nach, dann erwidere ich: \u201eNein. Wir kommen zu euch.\u201c<br>\n\u201eWann?\u201c<br>\n\u201eHeute. In zwei, drei Stunden.\u201c<br>\n\u201eIn Ordnung. Wir \u2026 wir sind so entsetzt.\u201c<br>\n\u201eDas bin ich auch, Mama\u201c, sage ich leise. \u201eBis nachher.\u201c<br>\nIch beende die Verbindung und starre Katharina an. \u201eIch habe dich gar nicht gefragt, ob du \u00fcberhaupt mitkommen \u2026\u201c<br>\n\u201eNat\u00fcrlich.\u201c<br>\nIch liebe sie daf\u00fcr, wie sie alles in dieses eine Wort legt. Alles, was unsere Beziehung ausmacht. Was ich schon einmal gesp\u00fcrt habe, als sie in der Verborgenen Welt bedingungslos zu mir gehalten hat, selbst als ich dort bleiben wollte und sie genau wusste, was das mit ihrem physischen K\u00f6rper macht. Da ist nicht der Hauch eines Zweifels.<br>\nIch atme tief durch. \u201eWir sollten duschen und uns dann auf den Weg machen. Das wird hart.\u201c<br>\nSie sagt nichts, aber das braucht sie auch nicht. Ihr Gesichtsausdruck ist deutlich genug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWas soll ich anziehen?\u201c<br>\n\u201eNun ja. Das ist eine wirklich schwierige Frage.\u201c Katharina \u00f6ffnet die T\u00fcren des riesigen Kleiderschranks. \u201eSieht so aus, als h\u00e4ttest du jede Menge Auswahl.\u201c<br>\n\u201eZiehst du mich an?\u201c<br>\nSie mustert mich und ich bei\u00dfe unwillk\u00fcrlich auf meine Unterlippe. Grinsend sch\u00fcttelt sie den Kopf, dann beginnt sie, verschiedene Kleidungsst\u00fccke aus dem Schrank zu r\u00e4umen. Ihr nackter K\u00f6rper gl\u00e4nzt, ihre noch nassen Haare schmiegen sich an die Konturen ihres Kopfes an. Am liebsten w\u00fcrde ich weinen.<br>\nDa kommt es mir ganz recht, dass Katharina offensichtlich unter geistiger Verwirrung leidet.<br>\n\u201eWas willst du mit zwei Slips? Und zwei Blusen? Und\u2026?\u201c<br>\n\u201eSoll ich denn nackt gehen?\u201c<br>\n\u201e\u00c4hm \u2026\u201c<br>\nSie lacht auf. \u201eIch deute das mal als Zeichen der Verwirrung, nicht als Zustimmung. Jedenfalls d\u00fcrften deine Sachen auch mir passen.\u201c<br>\n\u201eNicht alles.\u201c<br>\nSie h\u00e4lt einen Sport-BH hoch. \u201eDer schon. Dann werde ich dich wenigstens nicht so verwirren.\u201c<br>\n\u201eDaf\u00fcr reicht es nicht, dir den Busen abzuquetschen.\u201c<br>\nSie sagt nichts mehr, sondern beginnt tats\u00e4chlich, mich anzuziehen. Schei\u00dfe, f\u00fchlt sich das bl\u00f6d an! Sie geht vor mir in die Hocke, hebt erst ein Bein hoch und zieht den Schl\u00fcpfer \u00fcber den Fu\u00df, dann das andere. Danach geht es weiter mit meinem BH, einer schwarzen Bluse und schwarzer Leinenhose. Und schlie\u00dflich bekomme ich noch Slipper auf die F\u00fc\u00dfe gezogen.<br>\n\u201eFertig\u201c, sagt sie und erhebt sich. \u201eJetzt bist du dran.\u201c<br>\nSchweigend mache ich mich an die Arbeit. Sie erfordert ernsthafte Konzentration, sp\u00e4testens als ich den Schl\u00fcpfer hochziehe und dabei f\u00fcr einen Moment ihre nackte, absolut glatt rasierte Muschi vor Augen und Nase habe. Ich schlucke, dann mache ich weiter. Dabei sehe ich, dass sie unversch\u00e4mt grinst. Klar, sie hat ja dasselbe schon hinter sich. Nach ein paar Sekunden ist sie auch eingekleidet.<br>\nIch gebe ihr einen Kuss auf den Mund, dann hole ich mein Handy und sehe sie fragend an.<br>\nSie erwidert den Blick nachdenklich.<br>\n\u201eWas?\u201c<br>\nStatt einer Antwort geht sie zu einem anderen Schrank und holt mehrere Taschent\u00fccher hervor, die sie einsteckt.<br>\n\u201eGehen wir\u201c, sagt sie dann.<br>\nMir wird pl\u00f6tzlich bewusst, was mir bevorsteht, und ich  w\u00fcrde am liebsten wieder umdrehen, ins Bett gehen, die Decke \u00fcber den Kopf ziehen und ein paar Wochen schlafen.<br>\nUnten treffen wir Helena und Jody an. Sie sind im Pool und knutschen herum. Anscheinend haben sie weniger Hemmungen als wir. Sie sind ja auch deutlich j\u00fcnger.<br>\nFiona!<br>\nSchon gut. Ist doch so.<br>\nIch winke den beiden zu, nachdem Katharina ihnen erkl\u00e4rt hat, wohin wir wollen und dass es sp\u00e4t werden kann.<br>\n\u201eWir kommen zurecht\u201c, erwidert Helena. \u201eUnd viel Kraft!\u201c<br>\n\u201eDanke.\u201c<br>\nWir gehen in die riesige unterirdische Garage.<br>\n\u201eHast du einen besonderen Wunsch?\u201c<br>\n\u201eM3, Cabrio.\u201c<br>\nSie starrt mich an, schlie\u00dflich nickt sie. \u201eDas kam ja spontan. Wenn du BMW liebst, wieso f\u00e4hrst du dann so einen ollen Kombi?\u201c<br>\n\u201eOller Kombi? So viel langsamer ist der gar nicht!\u201c<br>\n\u201eSieht aber schei\u00dfe aus.\u201c Sie deutet auf ein wei\u00dfes Cabrio. \u201eWillst du fahren?\u201c<br>\nStatt einer Antwort springe ich auf den Fahrersitz. Katharina steigt etwas l\u00e4ssiger auf der anderen Seite ein.<br>\n\u201eWo ist der Schl\u00fcssel?\u201c<br>\n\u201eVersuch es doch mit dem Knopf da.\u201c<br>\n\u201eTrotzdem muss der Schl\u00fcssel doch im Auto sein!\u201c<br>\nKatharina \u00f6ffnet das Handschuhfach und holt den Schl\u00fcssel hervor. \u201eZufrieden?\u201c<br>\nIch nicke und starte den Motor. Es ist eine Ewigkeit her, dass ich zuletzt einen BMW fuhr. Ich muss an meinen 3er denken, den ich damals geschrottet hatte, als der Motorradkiller hinter mir her war. Ganz so hei\u00df wie dieser hier war der zwar nicht, aber auch nicht gerade eine lahme Kr\u00fccke.<br>\nIch fahre den Wagen zivilisiert nach drau\u00dfen und gebe erst Gas, als wir auf der langen Geraden sind, die zum Tor f\u00fchrt. Die f\u00fcnf Kilometer haben wir in wenig mehr als einer Minute geschafft. Dann muss ich allerdings abbremsen, denn das Tor \u00f6ffnet sich erst, als wir davor stehen.<br>\n\u201eGeht das nicht auch etwas komfortabler?\u201c, erkundige ich mich, w\u00e4hrend ich den Wagen in die Schleuse fahre.<br>\n\u201eIch habe viele Feinde.\u201c<br>\nEin schlagendes Argument.<br>\nDrau\u00dfen gebe ich wieder Gas. Ich fahre die Strecke nicht zum ersten Mal und wei\u00df, wo die Blitzer stehen. Ich will Jacks Protektion nicht \u00fcberstrapazieren, au\u00dferdem erwarten sie mich nicht in einem wei\u00dfen Cabrio.<br>\nDann biegen wir auf die King Valley ein. Die ersten f\u00fcnf Grundst\u00fccke ziehen an uns vorbei und ich kann bereits die offene Einfahrt meiner Eltern sehen. Daneben die 13, wo wir gewohnt haben. Diese Einfahrt ist mit einem rotwei\u00dfen Plastikstreifen abgesperrt.<br>\nIch fahre langsamer, bis neben den Plastikstreifen, und starre geradeaus. In diesem Moment wei\u00df ich nicht, ob ich den Anblick ertragen kann.<br>\nAus dem Augenwinkel sehe ich, dass Katharina mich beobachtet. \u201eWir k\u00f6nnen auch sp\u00e4ter wiederkommen\u201c, sagt sie leise.<br>\nIch sch\u00fcttele den Kopf und bei\u00dfe auf meine Unterlippe. Dann sehe ich sie an. An ihr vorbei erkenne ich unscharf die Reste vom Haus, soweit sie von dieser Position aus \u00fcberhaupt zu sehen sind.<br>\nDie ersten Tr\u00e4nen sind drau\u00dfen.<br>\nSchlie\u00dflich wende ich mich ab und steige aus. Wie in Trance gehe ich um das Auto herum, klettere \u00fcber die Absperrung und betrete das Grundst\u00fcck.<br>\nDas ausgebrannte Wrack vom Jaguar steht an seinem gewohnten Platz. Nur das Haus ist nicht mehr wirklich da. Ein paar Grundmauern stehen noch, der Rest ist weg. Einfach weg. Und da sind Spuren. Spuren der Feuerwehr, der Polizei und wahrscheinlich auch atomisierte Spuren von James. Und Sandra. Und Danny. Der Rasen zertrampelt, verkohlt. <br>\nIch erinnere mich wieder. Mein Flug vom B\u00fcro hierher hat nicht lange gedauert, ich wusste ja, wo ich hin musste. Schon von oben sah ich das Feuer und mir war klar, dass niemand darin am Leben sein konnte. Die Explosion hatte das Haus f\u00f6rmlich weggesprengt und in einem normalen Viertel, wo die Nachbarh\u00e4user viel n\u00e4her zusammen stehen, h\u00e4tten diese auch Schaden genommen. Selbst so sind einige Scheiben zersplittert, bei meinen Eltern, und vermutlich auch auf der anderen Seite. Meine Mutter hatte das gesagt, als sie kurz nach mir angekommen waren, vollkommen entsetzt. Sie sagte, dass sie einen Knall geh\u00f6rt haben, dann die zerberstenden Scheiben und dass sie zuerst an ein Attentat gedacht haben.<br>\nEs war ja auch ein Attentat.<br>\nKatharina tritt neben mich und reicht mir stumm ein Taschentuch. Ich wische mein Gesicht ab und frage mich unwillk\u00fcrlich, f\u00fcr wie lange die Tr\u00e4nenvorr\u00e4te wohl reichen werden.<br>\nUnd ich bin erstaunt \u00fcber mich. Ich bin trotz der Tr\u00e4nen sehr ruhig. Viel zu ruhig.<br>\nDann h\u00f6re ich die Schritte und blicke zur Einfahrt. Meine Eltern stehen da, unschl\u00fcssig. Als ich nicht reagiere, kommen sie schlie\u00dflich langsam n\u00e4her. Ich starre meine Mutter an, dann nehme ich sie schweigend in die Arme. Ich sp\u00fcre, wie ihre Versteifung sich l\u00f6st und ansatzlos in heftiges Weinen \u00fcbergeht.<br>\nVerdammte Schei\u00dfe.<br>\nIch habe keine Ahnung, wie lange wir so da stehen, beide weinend. Sie ist es, die irgendwann den Kopf hebt und mich ansieht. Katharina reicht uns Taschent\u00fccher. Meine Mutter wischt erst mein Gesicht ab, dann ihr eigenes und schn\u00e4uzt sich anschlie\u00dfend.<br>\n\u201eWir sollten jetzt vielleicht hineingehen\u201c, schl\u00e4gt mein Vater vor.<br>\n\u201eDas ist eine gute Idee\u201c, sagt Katharina schnell.<br>\nIch zwinge mich, keinen letzten Blick auf die \u00dcberreste des Hauses zu werfen und gehe voran. W\u00e4hrend meine Eltern mir folgen, springt Katharina in den Wagen und f\u00e4hrt ihn auf den Hof. Mein Vater mustert ihn kurz, sagt aber nichts.<br>\nDer Tisch auf der Terrasse ist gedeckt. Von dort kommt uns Nicholas entgegen. Ich umarme ihn stumm, er sagt ebenfalls nichts. Was sollte er auch sagen?<br>\n\u201eWo ist eigentlich meine Mutter?\u201c, erkundige ich mich, weil mir pl\u00f6tzlich bewusst wird, dass sie nicht mit uns gekommen ist.<br>\n\u201eSie kommt gleich nach\u201c, erwidert mein Vater. \u201eSetzt euch schon mal. M\u00f6chtet ihr was trinken?\u201c<br>\nKatharina wirft mir einen Blick zu, dann nimmt sie Platz. Ich setze mich neben ihr. Die Anspannung, die mein Vater pl\u00f6tzlich ausstrahlt, gef\u00e4llt mir nicht, aber ich kann die Situation nicht so richtig einordnen. Meine Intuition sagt mir, dass keine Gefahr vorhanden ist. Aber etwas stimmt trotzdem nicht.<br>\n\u201eDa Fiona noch nachdenkt, gebe ich meine Bestellung ab. Ich h\u00e4tte gern einen Whisky.\u201c<br>\n\u201ePur? On the rocks? Als Cocktail?\u201c<br>\n\u201eOh, wenn du es schon anbietest: Ich nehme einen Scotch Sour.\u201c<br>\n\u201eKein Problem. Du, Fiona?\u201c<br>\nIch starre Katharina an, dann wende ich mich meinem Vater zu. \u201e\u00c4h \u2026 Ach so, trinken. Ich nehme einen Wodka Martini.\u201c<br>\n\u201eSoll ich mich darum k\u00fcmmern?\u201c, erkundigt sich Nicholas.<br>\nIch sehe meinem Vater an, dass er verneinen will, aber bevor er das tun kann, kommt meine Mutter, von wo auch immer. Sie nickt.<br>\n\u201eWas trinkst du, Barbara?\u201c<br>\n\u201eOh, trinken ist eine gute Idee. Ich nehme einen Rotwein.\u201c<br>\n\u201eUnd Sie, Mr. Carter?\u201c<br>\n\u201eIch nehme auch einen Sour. Danke, Nicholas.\u201c<br>\nDie beiden setzen sich und in der entstehenden Stille w\u00e4re das Pupsen einer Fliege wie eine Explosion. Zumindest f\u00fcr kurze Zeit, denn kurz darauf beginnt Nicholas mit der Zubereitung der Drinks und unterbricht damit die Todesstille.<br>\nMeine Mutter r\u00fcckt ihr Besteck zurecht, obwohl es perfekt ausgerichtet war. Sie ist nerv\u00f6s. Sie hat etwas getan, wovon sie wei\u00df, dass ich nicht begeistert w\u00e4re, wenn ich w\u00fcsste, was sie getan hat.<br>\n\u201eIch h\u00f6re\u201c, sage ich.<br>\n\u201eWas denn, Kind?\u201c<br>\nF\u00fcr einen kurzen, aber \u00e4u\u00dferst intensiven Moment habe ich das extreme Bed\u00fcrfnis, einfach loszuschreien. Ich schaffe es kaum, mich zu beherrschen. Aber ich schaffe es.<br>\n\u201eMama, ich m\u00f6chte jetzt sofort wissen, warum ihr so nerv\u00f6s seid. Und komm mir bitte nicht mit irgendwelchen Ausreden. Ich bin nicht bl\u00f6d.\u201c<br>\nIhre Augen flattern kurz. Sie wirft ihrem Mann einen Blick zu, dann antwortet sie: \u201eIch habe Jack angerufen. Und Nilsson. Sie kommen zum Abendessen hierher.\u201c<br>\n\u201eZum Abendessen? Es ist doch gerade mal Mittag!\u201c<br>\n\u201eSie sind unterwegs. Aber Ben k\u00f6nnte \u2026\u201c<br>\n\u201eHalt, stopp! Was soll \u00fcberhaupt diese Heimlichtuerei?\u201c<br>\n\u201eIch \u2026 ich dachte, dass es dir vielleicht nicht gefallen wird.\u201c<br>\nIch atme tief durch. \u201eDamit hast du recht, aber hast du geglaubt, ich schlage dir den Kopf ab?\u201c<br>\n\u201eFiona!\u201c Katharina und mein Vater sind absolut synchron. Ich fange an zu lachen und kann kaum aufh\u00f6ren. Erst als Nicholas mit den Drinks kommt habe ich mich einigerma\u00dfen wieder beruhigt.<br>\n\u201eEntschuldigt bitte\u201c, sage ich keuchend den vorwurfsvoll Dreinblickenden. \u201eDas war einfach zu komisch, wie Katharina und Papa spontan v\u00f6llig zeitgleich meinen Namen gerufen haben. Ich habe doch nur gefragt, ob Mama das geglaubt hat. Denn ihr wart so nerv\u00f6s, dass ich glauben muss, ihr traut mir die allergr\u00f6\u00dften Schweinereien zu.\u201c<br>\n\u201eNun, das vielleicht nicht\u201c, erwidert meine Mutter. \u201eAber du musst zugeben, die letzten Tage waren ziemlich seltsam.\u201c<br>\nIch werde augenblicklich ernst. \u201eJa, das ist wahr. Also gut, reden wir nicht mehr dar\u00fcber. Das hei\u00dft, werden die beiden dem Rest der Truppe Bescheid geben?\u201c<br>\nMeine Mutter nickt.<br>\n\u201eNa sch\u00f6n.\u201c Ich nehme den Wodka Martini und stelle fest, dass Nicholas keine Olive hineingetan hat. Daf\u00fcr ist das Glas und nur das Glas sch\u00f6n kalt. Woher kann er das?<br>\nEgal.<br>\n\u201eIch verzichte heute mal auf den Trinkspruch\u201c, fahre ich fort und trinke die H\u00e4lfte des Glases leer.<br>\nDer Moment der Wahrheit r\u00fcckt immer n\u00e4her. Ich sehe Katharina an. Wir haben gar nicht dar\u00fcber gesprochen, wie wir uns verhalten wollen. Doch f\u00fcr mich steht sowieso fest, dass ich keine Versteckspielchen spielen werde. Und wenn sie das nicht verkraftet, dann \u2026<br>\nIch atme mal wieder tief durch.<br>\n\u201eKind, was ist los? Ist dir schlecht?\u201c<br>\n\u201eNein. Das hei\u00dft, irgendwie schon, aber dagegen hilft nicht einmal frische Luft.\u201c Wie erwartet, rei\u00dfe ich mit dem Witz niemanden vom Hocker. \u201eIch vermute mal, ihr h\u00e4ttet jetzt gerne ein paar Erkl\u00e4rungen.\u201c<br>\n\u201eDas w\u00e4re angebracht\u201c, best\u00e4tigt mein Vater.<br>\nIch trinke schnell den Rest meines Drinks auch noch, bevor ich anfange. <br>\n\u201eIch erhielt am Mittwoch, kaum dass ich um B\u00fcro war, einen Anruf von Graf Zanda. Er teilte mir mit, dass Zahltag sei.\u201c<br>\n\u201eZahltag? Was f\u00fcr ein Zahltag?\u201c<br>\nIch halte kurz inne. Katharina wei\u00df ja auch nicht, was der wahre Grund f\u00fcr Zandas heftige Reaktion ist. Vielleicht sollte ich mir meine Worte gut \u00fcberlegen. Andererseits, es ist so was von schei\u00dfegal. Es ist lange vorbei. In jeder Hinsicht.<br>\nMit geschlossenen Augen fahre ich fort: \u201eAls vor ungef\u00e4hr drei Jahren Emily auf der Suche nach dem Spiegel zu uns kam und ich, durch verschiedene Umst\u00e4nde, die hier auszuf\u00fchren zu lange dauern w\u00fcrde, die Gastfreundschaft der Vampire genie\u00dfen durfte, lernte ich Anne Marie kennen. Sie war die Nichte von Graf Zanda, Katharina hat sie kennengelernt. Ich \u2026 ich wurde ihre Blutsklavin, weil sie sich in mich verliebt hat.\u201c<br>\n\u201eOh, das erkl\u00e4rt einiges\u201c, bemerkt Katharina. \u201eUnd du?\u201c<br>\nIch sch\u00fcttele den Kopf. \u201eIch h\u00e4tte mich nicht in sie verlieben k\u00f6nnen.\u201c<br>\nKatharina braucht nur Sekundenbruchteile, um zu verstehen, das sehe ich an ihrem Gesichtsausdruck.<br>\n\u201eNa ja, sie war ja schlie\u00dflich eine Frau, nehme ich mal an\u201c, sagt mein Vater.<br>\n\u201eDas \u2026 das war nicht der Grund. Ich habe durchaus Sex mit ihr gehabt, als Blutsklavin war ich dazu verpflichtet. Au\u00dferdem w\u00e4re es f\u00fcr mich unangenehm geworden, wenn ich mich geweigert h\u00e4tte.\u201c<br>\n\u201eDas glaube ich nicht\u201c, erwidert Katharina leise. Sie hat es wirklich verstanden.<br>\n\u201eDu hattest Sex mit einer Frau? Das ist ja mal was Neues.\u201c<br>\n\u201eNicht wirklich\u201c, entf\u00e4hrt es mir.<br>\nMein Vater zieht die Augenbrauen hoch, meine Mutter starrt mich entgeistert an.<br>\n\u201eDas war nicht das erste Mal? Ich habe dich noch nie mit einer Frau gesehen. Nur mit sehr vielen M\u00e4nnern. Vor James \u2026\u201c<br>\nIch schlucke und werde direkt abgelenkt durch meine Mutter: \u201eOh mein Gott\u201c, fl\u00fcstert sie.<br>\n\u201eWerde ich jetzt enterbt?\u201c, erkundige ich mich, sie ansehend.<br>\nSie sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eNein, nein, ich habe nur an was denken m\u00fcssen. Tut mir leid. Ich bin aufgekl\u00e4rt genug und habe nichts gegen Homosexuelle.\u201c<br>\n\u201eIch bin nicht lesbisch\u201c, entgegne ich stirnrunzelnd. \u201eIch \u2026 Ach, verdammt, dar\u00fcber wollte ich gerade gar nicht reden.\u201c Tief Luft holen, ich wei\u00df nicht zum wievielten Male heute. \u201eOkay, also, Zanda lie\u00df mich zu sich holen und hat mir, bei einem hervorragenden Glas Whisky, klar gemacht, dass er seine Nichte, deren Eltern schon lange tot sind, \u00fcber alles liebt. Und dass er mich, sollte ihr was zusto\u00dfen, bis ans Ende der Welt jagen w\u00fcrde.\u201c<br>\n\u201eIst ihr denn was zugesto\u00dfen?\u201c, fragt mein Vater.<br>\nIch nicke langsam. \u201eLetztes Jahr, als James und Jack in der Vampirstadt gefangen gehalten wurden, hat uns Anne Marie geholfen. Sie entschied sich dabei, dass sie mit uns kommen will. Die anderen sind schon vorgegangen, aber sie wollte noch einmal zur\u00fcck, um etwas zu holen.\u201c<br>\nIn die entstehende Pause hinein erkundigt sich Katharina: \u201eWas war es denn?\u201c<br>\n\u201eEine Kette. Die einzige verbliebene Erinnerung an ihre Mutter.\u201c Ich schlucke, denn ich habe das Gef\u00fchl, gleich ersticken zu m\u00fcssen. \u201eAuf dem R\u00fcckweg sind wir zwei Vampiren begegnet. Viele waren an jenem Tag gestorben, von den Zauberern get\u00f6tet. Dementsprechend nerv\u00f6s und bewaffnet waren sie. Mit Armbrust und Spezialpfeilen. Die Pfeile enthielten mit Visz gef\u00fcllte Explosivgeschosse. Damit kriegt man sogar Krieger klein. Ich wusste das nicht, und als sie auf mich schossen und ich auswich, traf einer der Pfeile Anne Marie mitten ins Herz.\u201c<br>\n\u201eOh mein Gott!\u201c, entf\u00e4hrt es meiner Mutter.<br>\n\u201eAber du hast sie doch nicht get\u00f6tet?\u201c, stellt mein Vater fest.<br>\n\u201eAber Zanda glaubt das. Nachdem ich die beiden Vampire erledigt habe, kniete ich neben Anne Marie. So fand Zanda uns. Und bevor ich es aufkl\u00e4ren konnte, stie\u00df er mir einen Dolch ins Herz. Zum Gl\u00fcck kamen dann einige von uns, sonst s\u00e4\u00dfe ich vielleicht nicht hier.\u201c Und James w\u00fcrde noch leben. Und Sandra auch. Ich sp\u00fcre, wie dieser Gedanke mir die Luft abschn\u00fcrt.<br>\nKatharina legt eine Hand auf meinen Unterarm und sieht mich durchdringend an. Das hilft, ich kann kr\u00e4ftig durchatmen.<br>\n\u201eJetzt verstehe ich, was mit Zahltag gemeint war. Und du hattest keine Chance, rechtzeitig zu kommen.\u201c<br>\n\u201eIch habe James sofort angerufen. Er sagte, es w\u00e4re ein Techniker da, wegen des Anschlusses. Und dass ich ihn bestellt h\u00e4tte. Da wusste ich, was los war. Ich wollte ihn warnen, aber der Techniker hatte grad nach ihm gerufen und James legte auf, ohne meine Rufe zu h\u00f6ren.\u201c<br>\n\u201eSchei\u00dfe\u201c, sagt Katharina.<br>\nJa, Schei\u00dfe. Die Tr\u00e4nen brechen sich Bahn wie Lava aus einem Vulkan. Katharina zieht mich an sich und wie durch Watte h\u00f6re ich, wie sie weitererz\u00e4hlt. Dass sie hinter uns hergefahren ist und mich aus dem Krankenhaus holte. Sie erkl\u00e4rt, warum und wieso. Wie ich tagelang geschlafen habe und sie schlie\u00dflich die SMS geschickt hat.<br>\nDanach wird es still. Meine Tr\u00e4nen sind versiegt, vorl\u00e4ufig zumindest. Ich lehne den Kopf gegen Katharinas Schulter. Sie umarmt mich, ihre Hand ruht auf meiner H\u00fcfte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Eltern das nicht sehen und verstehen.<br>\n\u201eIch verstehe trotzdem nicht, warum du so schnell zur Stelle warst\u201c, sagt schlie\u00dflich mein Vater.<br>\n\u201eIch habe die Nachricht im Internet geh\u00f6rt\u201c, erkl\u00e4rt Katharina.<br>\n\u201eDen Teil verstehe ich und das habe ich mir so \u00e4hnlich gedacht. Aber welchen Grund gibt es daf\u00fcr, dass du dich sofort ins Auto setzt und losf\u00e4hrst?\u201c<br>\nIch hebe den Kopf und sehe meinen Vater an. \u201eWeil sie mich liebt.\u201c<br>\nDie Augen meiner Mutter weiten sich entsetzt, sie hat es also nicht erkannt. Mein Vater wirkt nicht \u00fcberrascht, nur unangenehm ber\u00fchrt.<br>\n\u201eUnd du?\u201c<br>\n\u201eIch liebe sie auch.\u201c<br>\n\u201eVerstehe.\u201c Mein Vater nimmt einen gro\u00dfen Schluck von seinem Drink.<br>\n\u201eWie \u2026 Seit wann?\u201c<br>\n\u201eSeit vier Jahren.\u201c<br>\n\u201eIhr habt seit vier Jahren ein Verh\u00e4ltnis?\u201c, fragt meine Mutter entgeistert.<br>\n\u201eNein. Es ist kompliziert.\u201c<br>\n\u201eAber seit gestern?\u201c Mein Vater \u00fcberrascht mich.<br>\n\u201eEs ist kompliziert\u201c, wiederhole ich. \u201eWir \u2026 haben uns ineinander verliebt, als wir damals die Cuculus gejagt haben. Uns war beiden klar, dass \u2026 dass es nicht geht. Sie war verheiratet, ich war es.\u201c<br>\n\u201eSie war?\u201c, fragt mein Vater.<br>\n\u201eKay und ich haben uns vor ein paar Wochen getrennt. Er lebt jetzt in London.\u201c<br>\n\u201eOh\u201c, sagt er nur.<br>\n\u201eVerstehe ich das richtig? Ihr habt vier Jahre lang die Finger voneinander gelassen und jetzt, drei Tage, nachdem James tot ist, entdeckt ihr eure Liebe f\u00fcreinander wieder?\u201c<br>\nOh, oh, das wird unangenehm. Meine Mutter ist w\u00fctend und emp\u00f6rt. Sehr w\u00fctend.<br>\n\u201eNein, so war das nicht\u201c, erwidere ich und sp\u00fcre, dass auch ich w\u00fctend werde. \u201eIch sagte doch, es ist kompliziert. Ich habe James geliebt! Und auch Katharina! Und das hat mir die schlimmsten vier Jahre meines Lebens beschert! Es ist unfair, mir jetzt vorzuwerfen, ich h\u00e4tte kaum abwarten k\u00f6nnen, dass James aus dem Weg ist!\u201c<br>\n\u201eDas habe ich nicht gesagt\u201c, fl\u00fcstert meine Mutter.<br>\n\u201eAch nein, wirklich nicht? Und was sollte deine Frage dann? Ich antworte f\u00fcr dich: genau das! Genau das hast du vorhin gedacht! Verdammt noch mal! Glaubst du wirklich, dass ich so bin? Vor vier Tagen stand ich vor diesem lichterloh brennenden schei\u00dfverdammten Haus und wusste, dass da drin Sandra und James nur wenige Sekunden vorher gestorben sind! Wie kannst du auch nur denken, ich h\u00e4tte da nichts Besseres zu tun, als mich in eine Beziehung zu st\u00fcrzen? Ich habe James geliebt, verstehst du das? Hast du auch nur die geringste Ahnung, wie weh das tut? Und ja, ich liebe auch Katharina! Ich kann es selbst nicht erkl\u00e4ren, was da passiert, wie so was \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist! Diesen fast unertr\u00e4glichen Schmerz und gleichzeitig diese irrsinnige Liebe zu sp\u00fcren! Gleichzeitig! Es zerrei\u00dft mich, verdammte Schei\u00dfe!\u201c<br>\nIch merke, dass ich stehe und dass sowohl Katharina als auch mein Vater vergeblich versuchen, mich zu beruhigen. Doch daf\u00fcr ist es bereits zu sp\u00e4t. Ich habe das Gef\u00fchl, von innen heraus zerrissen zu werden und breche zusammen. Es ist kein Blackout, wie schon ein paar Mal in den letzten Tagen. Diese Gnade wird mir diesmal nicht gew\u00e4hrt. Ich erlebe den Schmerz bei vollem Bewusstsein, jede Sekunde davon. Mein K\u00f6rper gehorcht mir nicht mehr, er schreit den Schmerz nur noch hinaus, w\u00e4hrend Katharina mich mit \u00fcbermenschlicher Kraft festh\u00e4lt und mit mir auf den Boden sinkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sehe schon wieder meine Hand. Und dieses Mal ist es die andere, ich liege ja auch auf der linken Seite. Schlagartig bin ich hellwach. Der Rollladen ist oben, nur der Vorhang d\u00e4mpft das Licht. Doch das Zimmer stimmt nicht. Es ist mein Zimmer, das Zimmer, in dem ich aufgewachsen bin. Was zum Teufel ist passiert? Habe ich alles nur getr\u00e4umt?<br>\nIch setze mich auf und sehe mich um. Dann entdecke ich die Leinenhosen, die Slipper. Jetzt sp\u00fcre ich auch, dass ich nackt bin. Mit einem Blick nach rechts sehe ich, dass ich allein im Bett bin. Aber getr\u00e4umt habe ich es nicht, so viel steht fest. Und von irgendwoher h\u00f6re ich ged\u00e4mpfte Stimmen.<br>\nIch gehe ins Bad und setze mich aufs Klo, um zu pinkeln. Dabei versuche ich verzweifelt, mich zu erinnern, was geschehen ist. Ich habe meine Mutter angeschrien, ich bin regelrecht ausgerastet. Katharina hat mich festgehalten und dann lagen wir auf dem Boden. Ich kann mich an diesen wahnsinnigen Schmerz erinnern, an meine unmenschlichen Schreie.<br>\nAber was geschah danach?<br>\nLangsam machen mir diese st\u00e4ndigen Blackouts Angst. Ist das vielleicht normal, wenn jemand einen solchen Verlust erlebt hat wie ich? Oder ist bei mir einfach alles intensiver, also auch meine Gef\u00fchle, weil ich eine Kriegerin bin? Eine Kriegerin mit besonderen F\u00e4higkeiten?<br>\nSeufzend erhebe ich mich, bet\u00e4tige die Sp\u00fclung, wasche mir bewusst nicht die H\u00e4nde, weil ich dann in den Spiegel blicken m\u00fcsste, und gehe zur\u00fcck in mein Zimmer. Im Kleiderschrank finde ich alte Sachen von mir, sauber und geb\u00fcgelt. Diese Marotte von meiner Mutter, die ich anfangs so schrecklich fand, ist durchaus praktisch. Nicht zum ersten Mal.<br>\nIch ziehe eine hellgraue Schlabberhose und ein dunkles T-Shirt an, dann gehe ich aus dem Zimmer. Die Stimmen werden lauter, sie kommen von unten. Ich stutze. Deutlich h\u00f6re ich Jack, dann meinen Vater. Wollten sie nicht am Abend erst kommen?<br>\nIch gehe die Treppe nach unten und wende mich nach rechts, wo die K\u00fcche und der Eingang zum gro\u00dfen Wohnzimmer liegen. Verteilt auf die Couch und Sessel sitzen Michael, Nilsson, John mit Katharina, eine zweite Gruppe bilden Ben, Jack und mein Vater. Nicholas und meine Mutter sind auf der Terrasse, sie decken den Tisch. Sie decken ihn zum Fr\u00fchst\u00fcck.<br>\nWas zur H\u00f6lle \u2026?<br>\nKatharina erblickt mich als Erste. Sie springt auf, kommt zu mir und gibt mir einen Kuss auf den Mund. Ihre Zunge schiebt sich kurz und neckisch zwischen meine Lippen, dann l\u00f6st sie sich wieder von mir.<br>\n\u201eGuten Morgen\u201c, sagt sie l\u00e4chelnd. \u201eAusgeschlafen?\u201c<br>\n\u201eGuten Morgen?\u201c, wiederhole ich. \u201eWie lange habe ich denn geschlafen?\u201c<br>\n\u201eEinen Nachmittag und die Nacht durch.\u201c<br>\n\u201eAch du Schei\u00dfe!\u201c<br>\n\u201eHast du ein Meeting?\u201c<br>\nIch sch\u00fcttele den Kopf, dann muss ich doch grinsen. Wahrscheinlich etwas schief und gequ\u00e4lt, aber immerhin ein Grinsen. Katharina scheint zufrieden zu sein, denn sie zieht mich zu einem Sessel, setzt sich hinein und zwingt mich mit sanfter Gewalt auf ihren Scho\u00df.<br>\nIch begr\u00fc\u00dfe die anderen mit einem Handzeichen. Sie gr\u00fc\u00dfen zur\u00fcck und mustern mich mehr oder weniger unverhohlen neugierig, betroffen, entsetzt, nachdenklich.<br>\n\u201eM\u00f6chtest du einen Kaffee?\u201c, erkundigt sich mein Vater.<br>\nIch nicke, und nachdem mein Vater gegangen ist, lehne ich mich zur\u00fcck. Katharina legt ihre Arme um mich. Es tut gut, ihren K\u00f6rper zu sp\u00fcren. Sie tr\u00e4gt fast das Gleiche wie ich, nur das T-Shirt ist heller. Weniger angenehm sind die Blicke der anderen, die ich ebenfalls deutlich sp\u00fcre. Bis auf Ben sind alle entweder entgeistert oder, zumindest einer, eifers\u00fcchtig. Michael wird genau wissen, dass sp\u00e4testens ab jetzt er nicht mehr an mich herankommen wird. Und ich glaube, Nilsson hat was geahnt. Immerhin wusste er ja, dass Katharina und ich mal was miteinander hatten.<br>\nIch bringe meinen Mund ganz nahe an Katharinas rechtes Ohr heran und fl\u00fcstere: \u201eWie geht es meiner Mutter?\u201c<br>\n\u201eEine gute Frage. Als ich mit dir hoch gegangen war gestern, um dich ins Bett zu bringen, und noch eine Weile bei dir lag, bis du eingeschlafen bist, haben deine Eltern sich wohl lange unterhalten. Danach hatte deine Mutter ziemlich verweinte Augen. Aber heute wirkt sie einigerma\u00dfen ruhig. Ich denke, sie hat viel nachgedacht.\u201c<br>\n\u201eIch wei\u00df nicht, wie ich mich verhalten soll!\u201c Ich vergrabe mein Gesicht in den H\u00e4nden und denke ernsthaft dar\u00fcber nach, wieder hoch zu gehen und weiterzuschlafen.<br>\n\u201eSie kommt\u201c, sagt Katharina leise.<br>\nIch rei\u00dfe den Kopf hoch und starre meine Mutter an, die auf uns zukommt. Sie tr\u00e4gt einen leichten Sommeranzug und Sandalen. Au\u00dferdem dezentes Make-up, was m\u00f6glicherweise ihren Augen geschuldet ist.<br>\nSie bleibt vor uns stehen, etwa einen Meter entfernt, und sagt: \u201eEs tut mir leid, Fiona.\u201c<br>\nOh, oh! Sie nennt mich beim Namen, das ist normalerweise kein gutes Zeichen. Aber vielleicht liegt das auch nur an ihrer Anspannung, weil sie genauso unsicher ist wie ich.<br>\nUnd jetzt?<br>\nIch erinnere mich daran, wie ich sie angeschrien habe. Dass sie sich entschuldigt, muss sie eine unheimliche \u00dcberwindung kosten. Und wenn sie das kann, kann ich das auch.<br>\nIch springe auf und nehme sie in die Arme. Nach einem kurzen Moment entspannt sie sich und erwidert die Umarmung mit aller Kraft.<br>\nWir stehen eine ganze Weile da, bis pl\u00f6tzlich mein Vater in meinem Blickfeld auftaucht und eine Kaffeetasse hochh\u00e4lt.<br>\nIch l\u00f6se mich vorsichtig aus der Umarmung und r\u00e4uspere mich. Meine Mutter nimmt mein Gesicht zwischen die H\u00e4nde, sieht mich durchdringend an, dann gibt sie mir einen sanften, sehr m\u00fctterlichen Kuss auf den Mund und geht wieder nach drau\u00dfen.<br>\nSchei\u00dfe, was war das denn?<br>\n\u201eDer Kaffee wird kalt\u201c, sagt mein pragmatischer Vater.<br>\nIch nehme mit einem gemurmelten \u201eDanke\u201c die Tasse in die H\u00e4nde und setze mich wieder auf Katharina. Sie l\u00e4chelt mich an und fl\u00fcstert: \u201eDanke.\u201c<br>\nKurz darauf kommt Nicholas rein und bittet zu Tisch. Bei der Gelegenheit erhasche ich einen Blick auf eine Standuhr. Kurz vor zehn. Und das an einem Montagmorgen.<br>\nIch sitze zwischen Katharina und Ben. Die schwule Ecke, schie\u00dft es mir durch den Kopf. Gegen\u00fcber die drei Kriegerkollegen, neben ihnen meine Mutter und mein Vater.<br>\n\u201eGibt es schon einen Termin f\u00fcr die Beerdigung?\u201c, erkundige ich mich.<br>\n\u201eNoch nicht, da du nicht auffindbar warst\u201c, erwidert mein Vater. \u201eIch werde nach dem Fr\u00fchst\u00fcck einen Termin organisieren.\u201c<br>\n\u201eIst gut. Ich nehme an, es werden einige Leute kommen.\u201c<br>\n\u201eJa, die Highfooter haben sich bereits angek\u00fcndigt, auch von unserer Seite viele. Und einige Kollegen.\u201c<br>\n\u201eUnd wir auch, wenn wir d\u00fcrfen\u201c, bemerkt Jack.<br>\n\u201eNat\u00fcrlich. Ich w\u00fcrde mich freuen.\u201c<br>\nEs wird ein hei\u00dfer Tag. Bereits jetzt ist es sehr warm. Die Holzdielen unter meinen nackten F\u00fc\u00dfen arbeiten. Ich mustere das Wasser im Pool zwischen Michael und Nilsson hindurch, w\u00e4hrend ich an einem Marmeladenbr\u00f6tchen herumkaue.<br>\nDann bin ich froh, als das Fr\u00fchst\u00fcck ohne besondere Peinlichkeiten und Blackouts von mir vorbei ist. Mein Vater geht ins Haus, vermutlich will er die Beerdigung organisieren. Ich werfe einen Blick auf Katharina, die ihn nachdenklich erwidert. <br>\nPl\u00f6tzlich steht meine Mutter hinter uns und legt den linken Arm um meine Schulter und den rechten Arm um Katharinas Schulter, beugt sich zwischen uns vor und sagt: \u201eIch glaube zu verstehen, wie Fiona sich f\u00fchlt, was sie meint, wenn sie davon spricht, innerlich zerrissen zu werden. Und wenn eure Liebe ihr hilft, das irgendwie durchzustehen, dann akzeptiere ich das. Aber eins muss euch klar sein: Wenn du, Katharina, meiner Tochter wehtust, wirst du mich als Muttertier kennenlernen. Das meine ich sehr ernst. Ich habe ein Kind verloren und wei\u00df, wie sich das anf\u00fchlt. Diese Erfahrung m\u00f6chte ich nicht noch einmal durchmachen. Ist das klar?\u201c<br>\n\u201eOkaaay\u201c, sagt Katharina, aber sie l\u00e4chelt ansatzweise. \u201eH\u00f6rt sich an, als h\u00e4tten wir gemeinsame Interessen.\u201c<br>\n\u201eSehr gut. M\u00f6chtet ihr noch einen Kaffee?\u201c<br>\nWir m\u00f6chten. Dann starre ich meiner Mutter mit offenem Mund hinterher.<br>\n\u201eIch glaube, ich mag deine Mutter\u201c, stellt Katharina fest.<br>\n\u201e\u00c4hm \u2026 Und ich glaube, ich kenne sie noch gar nicht\u201c, erwidere ich, immer noch durcheinander.<br>\n\u201eDas kommt vor.\u201c <br>\nWir werden von meinem Vater unterbrochen, der uns mitteilt, dass die Beerdigung um halb eins am Freitag stattfinden wird. Die Zusammenkunft danach findet hier statt.<br>\nIch seufze: \u201eWieso ist es nicht schon Samstag?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWie sehe ich aus?\u201c<br>\nIch drehe mich um und mustere Katharina, die in der Badezimmert\u00fcr steht. Die leicht gewellten Haare fallen sanft auf die Schultern, sie tr\u00e4gt einen schwarzen matten Anzug mit wei\u00dfer Bluse unter dem Blazer, dazu schwarze Lackschuhe mit h\u00f6chstens sechs Zentimeter Absatz, schwarze, halterlose Str\u00fcmpfe und einen ebenfalls schwarzen Tanga.<br>\n\u201eS\u00fc\u00df. Besonders der Tanga.\u201c<br>\nSie runzelt die Stirn. \u201eDen siehst du doch gar nicht!\u201c<br>\n\u201eAber ich wei\u00df, dass du den anhast\u201c, erwidere ich grinsend, froh \u00fcber die Ablenkung von meinen d\u00fcsteren Gedanken.<br>\n\u201eUnd au\u00dferdem bin ich nicht s\u00fc\u00df.\u201c<br>\n\u201eDoch, jetzt schon. Eigentlich viel zu s\u00fc\u00df f\u00fcr eine Beerdigung.\u201c<br>\n\u201eSoll ich mich umziehen?\u201c<br>\nIch verneine kopfsch\u00fcttelnd.<br>\n\u201eNa gut. In zehn Minuten m\u00fcssen wir los.\u201c<br>\n\u201eBin gleich fertig.\u201c<br>\nIch wende mich wieder meinem Spiegelbild zu. Es ist brav und tut, was es soll. Ich betrachte mich. Wasserfeste Wimperntusche, leicht gl\u00e4nzender Lippenstift, die wilden Haare wild wie immer. James w\u00fcrde es gefallen. Seufzend gehe ich ins Schlafzimmer und ziehe mich an. Katharina hat eher konventionelle Sachen f\u00fcr mich rausgelegt. Schwarzes Rockkost\u00fcm \u00fcber schwarzer Unterw\u00e4sche, Bluse und Strumpfhose ebenfalls schwarz. Genauso die Schuhe, mit etwas h\u00f6heren Abs\u00e4tzen wie ihre eigenen, passend zum Rock.<br>\nAls ich fertig bin, korrigiert Katharina den Blazer an der linken Schulter, dann nickt sie zufrieden.<br>\n\u201eSo kannst du gehen.\u201c<br>\n\u201eJa, James w\u00fcrde es gefallen.\u201c<br>\n\u201eIch wei\u00df, ich habe ja mitbekommen, was er gut fand. Deswegen habe ich diese Sachen ausgesucht.\u201c<br>\n\u201eMeinst du, er wird da sein?\u201c<br>\n\u201eIch wei\u00df es nicht, mein Schatz. Du m\u00fcsstest es doch eigentlich sp\u00fcren.\u201c<br>\n\u201eIch sp\u00fcre gar nichts, das ist es ja.\u201c<br>\n\u201eEr wird sich vom Schock erholen m\u00fcssen. Das kam ja ziemlich pl\u00f6tzlich und heftig. Und es ist nicht so einfach, sich in der Verborgenen Welt zurechtzufinden, wenn man erst einmal ein paar Jahre in der Gefrorenen Welt gelebt hat.\u201c<br>\nDas stimmt nat\u00fcrlich auch. Ich gebe ihr einen Kuss und hake mich bei ihr unter.<br>\n\u201eAlso gut, lass uns fahren, bevor ich es mir anders \u00fcberlege.\u201c<br>\n\u201eDas geht nicht, du bist die Hauptperson.\u201c<br>\nIch will schon protestieren, aber dann wird mir bewusst, dass sie recht hat. Um James und Sandra geht es nicht, sie sind nicht da. Und selbst wenn ihre Seelen dabei sein sollten, was ich nicht glaube, denn das w\u00fcrde ich merken, so wissen die anderen nichts davon. Die meisten jedenfalls.<br>\nHelena und Jody warten schon. Sie sind ebenfalls in Schwarz, allerdings l\u00e4ssiger mit Jeans und Blusen. Da wir zu viert unterwegs sind, nehmen wir einen gr\u00f6\u00dferen Wagen und kein Cabrio. Jody darf ihn sich aussuchen, sie entscheidet sich f\u00fcr einen A8.<br>\nDiesmal f\u00e4hrt Katharina. W\u00e4hrend wir auf die Schleuse zugleiten, hole ich mein Handy hervor und schicke meiner Mutter eine SMS, dass wir unterwegs sind.<br>\nWir treffen gleichzeitig auf dem Parkplatz vor dem Friedhof ein. Einige sind schon da und stehen vor der Kapelle herum. Ich begr\u00fc\u00dfe sie und stelle Katharina und die M\u00e4dchen vor, dann gehen wir hinein. <br>\nRechts und links vom Altar stehen zwei geschlossene S\u00e4rge. Von Ben wei\u00df ich, dass sich darin das befindet, was vermutlich von James und Sandra \u00fcbriggeblieben ist. Trotz DNA-Analyse war das nicht ganz eindeutig zuzuordnen.<br>\nIch bleibe kurz vor dem Altar stehen und betrachte das Kreuz. Irgendwie kann ich gut nachvollziehen, dass in solchen Momenten viele Menschen gl\u00e4ubig werden. Oder ihren Glauben verlieren. Je nachdem. Auch ich h\u00e4tte jetzt sehr gerne etwas, woran ich mich festhalten kann. Aber da ist einfach nichts. Ich bin nur froh, dass sie ziemlich sicher nicht gelitten haben. Ich bin oft genug gestorben, um zu wissen, dass sie nicht die Zeit daf\u00fcr hatten, auch nur zu merken, was geschehen ist.<br>\nSp\u00e4ter dann, in der Verborgenen Welt, das ist was Anderes.<br>\nMit tr\u00e4nenverschleiertem Blick setze ich mich rechts in die vorderste Reihe und Katharina setzt sich daneben. Helena und Jody nehmen hinter uns Platz.<br>\nWenig sp\u00e4ter kommen Eleonor und die Geschwister von James. Ich begr\u00fc\u00dfe sie. Eleonor sieht mich lange an, dann nickt sie langsam, bevor sie sich auf der anderen Seite neben mich setzt.<br>\nMichael, Nilsson und John sind die Letzten, die hereinkommen. Unwillk\u00fcrlich muss ich daran denken, was die Leute wohl sagen w\u00fcrden, wenn sie w\u00fcssten, dass ein Vampir an der Zeremonie teilnimmt.<br>\nDie Zeremonie selbst blende ich aus. Da ich wei\u00df, dass nichts von dem stimmt, was der Priester erz\u00e4hlt, interessiert es mich auch nicht. Erst als mich Katharina heimlich anstupst, werde ich aufmerksam.<br>\nIch sehe sie fragend an. Dabei wird mir bewusst, dass alle Leute in der Kirche irgendwie mich anstarren.<br>\nKatharina antwortet, allerdings ohne dabei den Mund zu bewegen: \u201eDer Priester hat dich gefragt, ob du ein paar Worte sagen willst.\u201c<br>\nDa es nicht das erste Mal ist, dass ich Gedanken h\u00f6re, gelingt es mir einigerma\u00dfen, nichts von meiner \u00dcberraschung zu verraten.<br>\nIch wende mich an den Priester, der offenbar auf eine Antwort von mir wartet. Dann nicke ich und erhebe mich.<br>\nIch stelle mich zwischen die S\u00e4rge, nicht an den Rednerpult. Da ich mich nicht vorbereitet habe, brauche ich auch keine Ablage. Und das freie Reden vor vielen Leuten bin ich sowieso gewohnt. Vor sehr vielen Leuten. Unwillk\u00fcrlich muss ich daran denken, wie ich vor nicht ganz zwei Jahren zum ersten Mal vor Zehntausenden stand, ganz zu schweigen von den Millionen, die es sp\u00e4ter im Fernsehen gesehen haben. Damals k\u00fcndigte ich ein Rockkonzert an, ein wesentlich erfreulicherer Anlass meiner Rede. Und au\u00dferdem werde ich heute ganz sicher nicht singen.<br>\nIch lasse meinen Blick schweifen. Links sitzt die Familie von James. Nadine, Margret, Kevin, Edgar, Peter und James\u2018 Mutter, die mir aufmunternd zul\u00e4chelt. Auf der anderen Seite meine Eltern, Mamas beide Schwestern, Papas Schwester und Bruder. Weiter hinten sitzt auch Monica, daneben Luke Koolman. Sogar Elaine ist da.<br>\nIch hole tief Luft. \u201eDie meisten von euch werden es ungewohnt finden, dass ich so wenig rede.\u201c Ich warte, bis das verhaltene Lachen verklungen ist. \u201eAber ich musste halt immer f\u00fcr James mitreden.\u201c Pause. \u201eNein, ein Mann vieler Worte war er nicht, der gro\u00dfen aber schon. Obwohl er durchaus reden konnte. Ich m\u00f6chte nicht wissen, wie viele Leute nur darum neue H\u00e4user gekauft haben, weil James sie ihnen verkauft hat. Er war auch keiner, der die Gefahr gef\u00fcrchtet hat. Die meisten hier werden wissen, dass er zehn Jahre lang als Agent gearbeitet hat. Er hat mich auch in meiner bis vorletzten Mittwoch schw\u00e4rzesten Stunde unterst\u00fctzt, vor sechs Jahren. Und wie wenig er die Gefahr gef\u00fcrchtet hat, das sieht man auch daran, dass er mich geheiratet hat.\u201c Ich warte wieder, bis das Lachen verstummt. \u201eIch wei\u00df nicht, ob es etwas zu bedeuten hat, aber in der ersten Augusth\u00e4lfte passieren die Katastrophen in Intervallen von drei Tagen. Am 6. August Hiroshima, am 9. August Nagasaki und am 12. August King Valley. Und ja, das ist schwarzer Humor. Tiefschwarzer Humor. Genau die Art, die auch James so geliebt hat. Er konnte die b\u00f6sesten Pointen bringen, ohne auch nur einen einzigen Muskel in seinem Gesicht zu verziehen. Ich meine, das fiel ihm ja auch nicht schwer, seine Gesichtsmuskeln waren v\u00f6llig unterentwickelt. Aber \u2026\u201c Ich mache eine kleine Pause, bis sich alle wieder beruhigt haben. \u201eAber ich habe mit der Zeit gelernt, ihn zu verstehen, immer ganz genau zu wissen, was er denkt, was er f\u00fchlt. Das bleibt normalerweise nicht aus, wenn man das Leben zusammen verbringt, wenn man sich so liebt, wie wir uns geliebt haben.\u201c Ich mache wieder eine Pause, diesmal, um mich selbst zu beruhigen und ein paar vorwitzige Tr\u00e4nen abzuwischen. \u201eEs waren Kleinigkeiten, die ihn verraten haben, insbesondere die Augen.\u201c Ich sehe, wie Eleonor nickt. \u201eDass er keine Gef\u00fchle zeigte, hie\u00df nicht, dass er keine hatte. Im Gegenteil, er hatte sogar sehr tiefe. Auf ihn traf das Sprichwort vom stillen Wasser sehr zu.\u201c Ich halte inne und muss mir eingestehen, dass ich an meiner Grenze bin. \u201eIch \u2026 ich k\u00f6nnte noch so viel \u00fcber James erz\u00e4hlen. Und \u00fcber Sandra. Aber es geht nicht, tut mir leid. James, ich werde dich nie vergessen.\u201c<br>\nKatharina springt auf und hilft mir, wieder zur Sitzbank zu gelangen. Dann vergrabe ich das Gesicht in beiden H\u00e4nden und bin dankbar, als mein Weinen in Orgelmusik untergeht.<br>\nIrgendwann ist endlich diese Messe auch vorbei und die S\u00e4rge werden auf kleine, elektrische Wagen geladen, die fast lautlos ihre Last zur letzten Ruhest\u00e4tte transportieren. Ich gehe zusammen mit Eleonor vorneweg, auf meine ausdr\u00fcckliche Bitte hin begleitet mich auch Katharina, was einige fragende und sogar missbilligende Blicke ausl\u00f6st. Eleonor allerdings scheint damit kein Problem zu haben, denn sie hakt sich bei mir unter und sagt leise: \u201eSie wird dich besch\u00fctzen.\u201c<br>\nIch blicke sie erstaunt an, aber mehr kommt von ihr nicht. Sie l\u00e4chelt nur. Ich sehe zu Katharina auf der anderen Seite und ihr Gesichtsausdruck verr\u00e4t, dass sie es auch geh\u00f6rt hat.<br>\nEs ist ein langer Weg bis zur Grabstelle, insbesondere bei unserem Tempo. Ich h\u00e4nge d\u00fcsteren Gedanken nach, die sich vor allem um Zanda drehen. Zwischendurch scanne ich die Umgebung nach James ab, doch er ist definitiv nicht da. Ich sp\u00fcre, wie mein Bauch sich verkrampft.<br>\nAm Grab l\u00e4sst der Priester noch einige Bibelstellen los, dann werden die S\u00e4rge hinuntergelassen. Zuerst James, dann direkt dar\u00fcber Sandra. Meine Mutter dr\u00fcckt mir eine rote und eine wei\u00dfe Rose in die Hand, die ich pflichtschuldig auf die S\u00e4rge fallenlasse.<br>\nW\u00e4hrend die Friedhofsangestellten, angeleitet von Martin Cartwright, das Grab zusch\u00fctten, lassen James\u2018 Familie und ich die Beileidsbekundungen \u00fcber uns ergehen. Als Michael ankommt, halte ich kurz die Luft an, weil ich an Eleonors Hellsichtigkeit denken muss. W\u00e4hrend ich Michael umarme, fl\u00fcstere ich ihm ins Ohr: \u201eNicht erschrecken, meine Schwiegermutter wird dich erkennen.\u201c<br>\nSo ist er zum Gl\u00fcck vorbereitet und l\u00e4chelt sanft, als Eleonors Gesichtsz\u00fcge kurz entgleisen. Dann wirft sie mir einen Blick zu und ich schenke ihr ein angedeutetes L\u00e4cheln. Das scheint sie wieder zu beruhigen, Gott sei \u2026 Wem auch immer.<br>\nNachdem die Prozedur endlich vorbei ist, gehen wir langsam zur\u00fcck zu den Autos. Der Plan ist, in einem geschlossenen Konvoi nach King Valley zu fahren, zumindest diejenigen, die dabei sein werden. Das gilt f\u00fcr die meisten, lediglich die Kollegen und Monica wollen nicht mit. Was ich irgendwie sogar verstehen kann.<br>\nMargret schlie\u00dft sich ihrer Gro\u00dfmutter und mir an und hakt sich bei uns unter.<br>\n\u201eTan\u2026 Fiona, darf ich bei Euch mitfahren?\u201c<br>\n\u201eNur weil du dich korrigiert hast. Aber du musst die R\u00fcckbank mit Helena und Jody teilen.\u201c<br>\n\u201eEinverstanden. Fahren wir mit dem schnellen Kombi?\u201c<br>\n\u201eNein, wir sind mit einem A8 da. Der ist auch schnell. Was auf dieser Fahrt aber keine Rolle spielt.\u201c<br>\n\u201eNa gut. \u00dcbrigens fand ich deine Rede sehr sch\u00f6n.\u201c<br>\n\u201eDanke.\u201c<br>\nAuf dem Parkplatz verabschiede ich mich von Monica und James\u2018 ehemaligen Kollegen. Dann steigen wir in unsere Autos. Meine Eltern und Nicholas fahren vorne, direkt hinter ihnen wir.<br>\nIch beobachte Margret im R\u00fcckspiegel. Sie sitzt hinten links, weil Jody und Helena sich nicht zur Trennung \u00fcberreden lie\u00dfen. Ich sehe Margret an, dass sie versteht, warum, aber auch, dass sie \u00fcber Katharina und mich nachdenkt.<br>\nDer Platz vor dem Haus meiner Eltern f\u00fcllt sich mit Autos. Einige m\u00f6chten sich die \u00dcberreste von James\u2018 Haus ansehen. Katharina \u00fcbernimmt es, sie zu f\u00fchren und zu erkl\u00e4ren, was \u00fcberhaupt erkl\u00e4rt werden kann.<br>\nIm Haus hat inzwischen eine Cateringfirma das Buffet aufgebaut und sorgt auch f\u00fcr die Getr\u00e4nke. Mein Vater hei\u00dft kurz alle willkommen und teilt mit, dass das Buffet er\u00f6ffnet ist.<br>\nMittlerweile ist es schon fast drei Uhr.<br>\nIch gehe zum Rauchen in den Garten. Bin damit gerade fertig, als Katharina auftaucht und sich zu mir gesellt. Ich begr\u00fc\u00dfe sie mit einem innigen Kuss.<br>\n\u201eWas macht ihr da?\u201c<br>\nIch fahre herum. Kevin steht auf der Terrasse und starrt uns ungl\u00e4ubig an.<br>\n\u201eWir haben uns gek\u00fcsst\u201c, erwidere ich.<br>\n\u201eIhr habt euch gek\u00fcsst wie Mann und Frau!\u201c<br>\n\u201eOder wie zwei Frauen, die sich lieben.\u201c<br>\n\u201eSeid ihr etwa lesbisch? Und James? Hat er davon gewusst?\u201c<br>\nOb James das gewusst hat? Das ist eine gute Frage. Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich so ahnungslos war, wie er immer tat.<br>\n\u201eEs gab nichts, wovon er h\u00e4tte wissen m\u00fcssen\u201c, antworte ich, immer noch einigerma\u00dfen ruhig, obwohl ich ahne, dass da gerade ein schweres Gewitter aufzieht. Kevin ist jetzt vierzehn, alt genug, um zu verstehen, was er gesehen hat, aber vermutlich viel zu jung, um es wirklich zu verstehen.<br>\nKatharina ber\u00fchrt meinen Arm. \u201eVielleicht sollte ich gehen.\u201c<br>\n\u201eDann gehe ich mit!\u201c<br>\nSie seufzt. \u201eOkay. Wie m\u00f6chtest du, dass ich mich verhalte?\u201c<br>\n\u201eWeise mich nicht ab.\u201c Ich sp\u00fcre, wie die Tr\u00e4nen in meine Augen schie\u00dfen. \u201eIch ertrage alles, aber das nicht.\u201c<br>\n\u201eIst gut\u201c, fl\u00fcstert sie und nimmt mich in die Arme. \u201eIst gut. Ich weise dich nicht ab und ich lasse dich nicht allein.\u201c<br>\n\u201eDanke \u2026\u201c<br>\nIn der Zwischenzeit hat Kevin Verst\u00e4rkung geholt. Das scheint ihm ja echt nahe zu gehen. Jedenfalls taucht er pl\u00f6tzlich mit Margret und Nadine auf, Eleonor, Edgar und Peter dahinter. Und alle anderen beobachten uns, meine entgeisterte Mutter eingeschlossen.<br>\n\u201eIch verstehe das nicht\u201c, sagt Nadine. \u201eWir haben James doch gerade eben beerdigt.\u201c<br>\nIch mustere sie und dann Margret. Sie reagiert sofort: \u201eJetzt verstehe ich, dass Jody und Helena am Knutschen waren. Aber ich verstehe auch nicht, wie ihr so \u2026 so gef\u00fchllos sein k\u00f6nnt! Das ist die Beerdigungsfeier deines Mannes!\u201c<br>\nIch atme tief durch. \u201eWas wird das denn? Eine Abrechnung? Urteilt ihr immer nach dem ersten Anschein? Wie kommt ihr \u00fcberhaupt auf die Idee, James w\u00fcrde sich \u00fcber irgendetwas aufregen, was hier passiert?\u201c<br>\n\u201eWie kannst du es wagen?\u201c, fl\u00fcstert Nadine. \u201eJames w\u00fcrde niemals etwas Derartiges guthei\u00dfen! Er war durch und durch anst\u00e4ndig und  \u2026\u201c<br>\n\u201eHalt! Stopp! Bevor du irgendetwas sagst, was du sp\u00e4ter bereuen w\u00fcrdest! Und erz\u00e4hl mir bitte nicht, was James gut oder nicht gut fand! Ich glaube, du hast ihn gar nicht gekannt! Ich habe in den sechs Jahren eine Menge mit ihm zusammen erlebt und ich wei\u00df, was er nicht gut fand und was ihn nicht gest\u00f6rt hat. Was glaubst du \u00fcberhaupt, was ein Geheimagent macht?\u201c<br>\nNadine wendet sich an ihre Mutter: \u201eWarum sagst du eigentlich nichts dazu? Es geht um James!\u201c<br>\n\u201eJames ist tot\u201c, erwidert Eleonor leise. \u201eUnd er hat Fiona geliebt, das wissen wir doch alle. Und ich wei\u00df genau, dass Fiona ihn geliebt hat. Ich kenne die Hintergr\u00fcnde nicht f\u00fcr das, was wir gerade gesehen haben, aber ich wei\u00df, dass es uns nicht zusteht, dar\u00fcber zu urteilen. Ich bin mir sicher, dass Fiona niemals etwas tun w\u00fcrde, was James wehtun k\u00f6nnte.\u201c<br>\nMir fallen pl\u00f6tzlich einige Dinge ein, die ich getan habe und die James wehgetan haben, aber das behalte ich lieber f\u00fcr mich. Au\u00dferdem war es ja gegenseitig \u2026 Boah, Fiona, du f\u00e4ngst doch jetzt keine Abrechnung mit einem Toten an?!<br>\n\u201eDanke\u201c, sage ich. Meine Stimme zittert. Kommt auch nicht oft vor.<br>\n\u201eIch glaube das einfach nicht, Oma!\u201c, ruft Margret. \u201eWie kannst du nur so was sagen?\u201c<br>\n\u201eWeil ich meinen Sohn geliebt habe. Und weil ich gesehen habe, wie er Fiona angeschaut hat. Und weil ich Fionas Seele gesehen habe.\u201c<br>\n\u201eOh nein, nicht das schon wieder\u201c, st\u00f6hnt Edgar.<br>\nW\u00e4hrend ich mich darauf einstelle, dass es in diesem und heftigerem Ton weitergeht, dr\u00e4ngelt sich pl\u00f6tzlich mein Vater in unserer Richtung durch und stellt sich vor mich.<br>\n\u201eIch glaube nicht, was ich hier gerade erlebe\u201c, sagt er ruhig, aber sehr bestimmt. \u201eWir sind alle, und ich betone: alle, hier, weil wir von James und von Sandra Abschied nehmen m\u00f6chten. Ich werde nicht dulden, dass dieser Anlass durch irgendwelche Vorw\u00fcrfe und Vorhaltungen gegen wen auch immer in den Dreck gezogen wird. Und ich kann euch auch noch sagen, dass ich ein wenig den Hintergrund kenne und mir sehr, sehr sicher bin, dass James Fiona ganz sicher keine Vorw\u00fcrfe machen w\u00fcrde. James war nicht nur mein Schwiegersohn, er war auch mein Freund, mit dem ich viel geredet habe, und ich bin mir absolut sicher, dass er sich genauso vor Fiona stellen w\u00fcrde. Also, bitte, beruhigt euch alle.\u201c<br>\nIch bewundere meinen Vater. Er schafft es tats\u00e4chlich, dass Margret sich umdreht und zum Buffet geht. Nach kurzem Z\u00f6gern folgen Nadine und Kevin ihrem Beispiel.<br>\nMein Vater wirft uns einen kurzen Blick zu, dann geht er wieder ins Haus. Er ist w\u00fctend, das sehe ich ihm an, aber er hat sich gut im Griff.<br>\nEleonor kommt zu uns. \u201eBitte entschuldigt das Verhalten meiner Tochter\u201c, sagt sie. \u201eDer Schmerz macht sie ungerecht.\u201c<br>\n\u201eIch \u2026 ich kann es ja verstehen\u201c, erwidere ich und wische meine Tr\u00e4nen mit einem Taschentuch, das Katharina mir reicht, ab. \u201eEs ist selbst f\u00fcr mich schwer zu begreifen, was da geschieht. Und die anderen sehen ja nicht, was du siehst.\u201c<br>\n\u201eDas stimmt. Ich kann auch sehen, dass Katharina kein gew\u00f6hnlicher Mensch ist, genauso wenig wie dieser \u2026 Michael hei\u00dft er, glaube ich.\u201c<br>\n\u201eIch bin auch kein gew\u00f6hnlicher Mensch.\u201c<br>\n\u201eDas wei\u00df ich, denn ich habe in deine Seele schauen d\u00fcrfen\u201c, sagt Eleonor l\u00e4chelnd.<br>\n\u201eWann?\u201c, erkundigt sich Katharina stirnrunzelnd.<br>\n\u201eAls wir bei Nadine zu ihrem Geburtstag eingeladen waren. Bei der Gelegenheit wurde Sandra gezeugt.\u201c<br>\n\u201eSo genau wollte ich es gar nicht wissen\u201c, murmelt Katharina, aber sie l\u00e4chelt.<br>\nEleonor legt eine Hand auf meinen Arm. \u201eIch glaube, ich gehe jetzt wieder zu meinen Lieben und beruhige sie ein wenig.\u201c<br>\n\u201eDanke.\u201c<br>\nIch blicke ihr hinterher, dann lehne ich mich seufzend gegen Katharina. Sie legt ihre Arme um mich.<br>\n\u201eEs w\u00e4re vielleicht kl\u00fcger gewesen, unsere Beziehung nicht so offen zu zeigen\u201c, sagt sie ruhig.<br>\nIch drehe meinen Kopf, bis ich ihr in die Augen sehen kann, und erwidere: \u201eVielleicht w\u00e4re es kl\u00fcger gewesen, aber trotzdem falsch. Ich w\u00fcrde durchdrehen ohne dich.\u201c<br>\n\u201eIch w\u00e4re ja trotzdem da.\u201c<br>\n\u201eNein, w\u00e4rst du nicht.\u201c<br>\nSie mustert mich nachdenklich. \u201eMein Schatz, du hast gesehen, wie es auch mich umgehauen hat. Ich \u2026 ich liebe dich und jede Sekunde, die du nicht in meinem Blickfeld bist, f\u00fchlt sich leer und trostlos an. Ich kann mir also vorstellen, wie du dich f\u00fchlst. Ein wenig jedenfalls. Aber die meisten da drin k\u00f6nnen das nicht. Nicht einmal Michael oder Nilsson werden das k\u00f6nnen.\u201c<br>\n\u201eIch wei\u00df\u201c, sage ich leise. \u201eAber auch du kennst es, dich verstellen und verstecken zu m\u00fcssen \u2026\u201c<br>\n\u201eOh ja.\u201c<br>\n\u201eIch kenne das erst seit vier Jahren, seitdem ich wei\u00df, dass ich eine Kriegerin bin. Und es macht mich wahnsinnig. Ich bin es nicht gewohnt, nicht einfach zu sagen, was ich denke und f\u00fchle. Es macht mich wahnsinnig, wirklich wahnsinnig. Ich will das einfach nicht mehr. Wenigstens nicht in Bezug auf uns. Ich kann das auch gar nicht, selbst wenn ich wollte. Ich w\u00fcrde mich mit jedem Blick, jeder Geste verraten. Mein K\u00f6rper w\u00fcrde mir gar nicht gehorchen.\u201c<br>\n\u201eDu bist heute ja ganz sch\u00f6n melodramatisch.\u201c<br>\n\u201eHey, mich gibt es nur als Komplettpaket.\u201c<br>\n\u201eZum Gl\u00fcck.\u201c Sie k\u00fcsst mich, sanft und lange. Ich bin mir sicher, dass wir beobachtet werden, aber es ist mir egal. Jetzt erst recht.<br>\nWir werden von meiner Mutter unterbrochen. \u201eWollt ihr nicht reinkommen? Wir wollen auf James trinken.\u201c<br>\nIch nicke. Wir gehen hinter ihr her. Nicholas gibt uns Gl\u00e4ser mit Champagner. Ich werfe einen Blick in die Runde. Margret, Kevin und Nadine wenden sich ab.<br>\nMein Vater hebt das Glas. \u201eIch trinke auf James Flame, den besten James, den es je gab!\u201c<br>\nWoher kennt er den Spruch? Meinen Spruch?<br>\n\u201eAuf den besten James!\u201c erwidere ich und halte mein Glas auch hoch. Die anderen folgen meinem Beispiel, einige nur z\u00f6gerlich, aber schlie\u00dflich sind alle Gl\u00e4ser oben.<br>\nDie n\u00e4chsten Stunden gehen qu\u00e4lend langsam vor\u00fcber. Vor allem die Delfors \u00fcben sich darin, mir aus dem Weg zu gehen. Meine Mutter hingegen ist demonstrativ oft bei uns, redet mit Katharina, ber\u00fchrt uns beide gleichzeitig. Auch Eleonor setzt sich zwischendurch zu uns und wir unterhalten uns \u00fcber neutrale Themen, die nichts mit Krieg oder Tod zu tun haben.<br>\nViel sp\u00e4ter stehen wir an der Bar und mixen uns Cocktails, als Ben sich zu uns gesellt.<br>\n\u201eHi, mein Lieblingspolizist. M\u00f6chtest du einen Drink?\u201c<br>\n\u201eJa, meine Lieblingskriegerin. Ich nehme einen hundsgew\u00f6hnlichen Caipi.\u201c<br>\nL\u00e4chelnd greife ich nach dem Cacha\u00e7a und einem Glas. <br>\n\u201eDie Luft ist heute zum Schneiden hier\u201c, bemerkt Ben.<br>\n\u201eAch, wie kommst du darauf?\u201c<br>\n\u201eIst so eine Vorahnung.\u201c<br>\n\u201eVorahnung? Also wird die Luft zum Schneiden werden sein?\u201c Katharina grinst den Lieutenant an, als der beleidigt dreinschaut. \u201eUnd, was denkst du?\u201c<br>\n\u201e\u00dcber euch?\u201c Er zuckt die Achseln. \u201eGanz ehrlich, viel zu viel Aufstand. Klar, irgendwo verst\u00e4ndlich. Und nicht alle wissen, wie Fiona gelitten hat.\u201c<br>\n\u201eDu wei\u00dft es?\u201c Katharina zieht beide Augenbrauen hoch.<br>\n\u201eIch habe den ein oder anderen Weinkrampf abgefangen deswegen, ja.\u201c<br>\n\u201eOh.\u201c Katharinas Blick verschleiert sich. \u201eDas wusste ich nicht.\u201c<br>\n\u201eEs wundert mich nicht, dass Fiona andere Dinge f\u00fcr wichtiger hielt, dir zu erz\u00e4hlen.\u201c<br>\n\u201eHey, Leute\u201c, mische ich mich ein. \u201eIst gut jetzt. Es ist vorbei. Katharina hat auch gelitten, das ist ausgleichende Gerechtigkeit.\u201c<br>\n\u201eOh.\u201c Das wird heute noch ihr Lieblingsspruch. Und der Caipi ist fertig. Ich reiche ihn Ben.<br>\n\u201eH\u00f6rt zu, irgendwie \u00fcberstehen wir alle diesen Tag und diesen Abend. Und danach sehen wir uns wahrscheinlich nie wieder, die Delfors und ich.\u201c<br>\n\u201eHei\u00dfen sie so? Nicht Flame?\u201c<br>\n\u201eHallo, du Genie? Nadine hei\u00dft mit M\u00e4dchennamen nat\u00fcrlich Flame, aber als sie Edgar geheiratet hat, nahm sie seinen Namen an.\u201c<br>\n\u201eJa. Klingt logisch.\u201c<br>\nIch betrachte die Delfors, die wieder mal auf einem Haufen hocken. Wahrscheinlich bin ich ihr Dauerthema. Unwillk\u00fcrlich f\u00e4llt mir das Wochenende in Highfoot ein und die herzliche Atmosph\u00e4re damals. Die Erinnerung geht wie ein Stich durch mein Herz.<br>\n\u201eFiona?\u201c<br>\nIch sehe Katharina an. \u201eWas?\u201c<br>\n\u201eDu weinst. Merkst du das gar nicht?\u201c<br>\nIch fasse an mein Gesicht und meine Hand wird nass. Nein, das habe ich gar nicht gemerkt. Ob ich mir Sorgen machen muss? Die Blackouts, jetzt das, das ist schon seltsam.<br>\n\u201eIch \u2026 ich habe mich nur erinnert.\u201c<br>\n\u201eWoran?\u201c<br>\nIch deute auf Nadine. \u201eAls wir damals zu ihrem Geburtstag da waren, das war alles so herzlich gewesen. Ich f\u00fchlte mich richtig zu Hause. Es \u2026 es \u2026 Ach Schei\u00dfe, ist alles einfach nur Schei\u00dfe!\u201c<br>\nKatharina starrt mich entgeistert an. Aber nicht nur sie. Eigentlich alle. Ich w\u00fcrde mich auch entgeistert anstarren, wenn ich k\u00f6nnte. So starre ich entgeistert die Stelle an, wo das Glas zerschellt ist, das ich soeben noch in der Hand gehalten hatte. Ich kann mich daran erinnern, dass mein Arm ausgeholt und dann das Glas gegen die Wand geschleudert hat, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ihm diesen Befehl gegeben h\u00e4tte.<br>\n\u201eWas war das denn?\u201c, erkundigt sich Katharina.<br>\n\u201eMir war grad danach!\u201c Ich starre meine Mutter an, die zu uns kommt und vermutlich dasselbe fragen will. \u201eDu brauchst gar nicht erst zu fragen! Mir war danach und fertig!\u201c<br>\n\u201eIst schon gut, Kind. Du brauchst deswegen nicht gleich ausfallend zu werden. Jemand fegt das zusammen und alles ist wieder gut.\u201c<br>\n\u201eNichts ist wieder gut!\u201c, erwidere ich, viel lauter als ich eigentlich wollte. \u201eVerstehst du? Nichts, aber auch absolut gar nichts ist gut! Wie k\u00f6nnte denn alles gut sein? Glaubst du, ich merke das nicht, wie fast alle mich anstarren? Was fast alle denken? Fiona, die Schlampe! Ich bin doch nicht v\u00f6llig bescheuert, verdammt noch mal! Und ja, wenn ihr Schlampe so definiert, dann bin ich eben eine! Ist mir doch egal! Wahrscheinlich war ich nie etwas anderes!\u201c<br>\nIch beuge mich keuchend \u00fcber die Theke und presse mein Gesicht gegen das harte Holz. Vielleicht sollte ich einfach mit dem Kopf dagegen schlagen, solange bis entweder mein Kopf oder die Theke zertr\u00fcmmert ist.<br>\nIch sp\u00fcre zwei Arme, die sich um mich legen und richte mich auf. Katharina. Und ich sehe Michael, Nilsson und John herannahen. Die anderen sind immer noch nur entgeistert.<br>\n\u201eLass mich los!\u201c, will ich schreien, doch statt der W\u00f6rter kommt nur ein wilder Schrei aus meiner Kehle, und dann l\u00e4sst mich der Schmerz f\u00f6rmlich zusammenklappen. Am Rande bekomme ich mit, wie Katharina mich zu Boden gleiten l\u00e4sst, ohne mich loszulassen, dann verschwindet alles in einem dichten, blutroten Nebel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechte Hand. Ich bewege die Finger.<br>\nD\u00e9j\u00e0-vu.<br>\nAuch ohne mich aufzurichten, erkenne ich, dass ich in meinem alten Bett in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern liege. Allein. Nackt.<br>\nD\u00e9j\u00e0-vu eben.<br>\nIch setze mich auf und sehe mich um. Es d\u00fcrfte wieder ein Morgen sein. Hoffentlich Samstagmorgen. Ich dr\u00fccke die Stirn gegen die Knie und fahre mit den H\u00e4nden durch die Haare.<br>\nOh Mann.<br>\nIch versuche, meine Erinnerungen zu ordnen. Deutlich h\u00f6re ich meinen eigenen Schrei und sp\u00fcre ich Katharinas Umarmung, als ich auf dem Boden liegend von einem Weinkrampf nach dem anderen gesch\u00fcttelt werde. Danach verblassen die Erinnerungen sehr schnell.<br>\nAus Erfahrung wei\u00df ich, dass sie mich irgendwann hochgetragen und ausgezogen hat. Sowohl ihre als auch meine Sachen h\u00e4ngen \u00fcber den St\u00fchlen. Vermutlich hat sie sich wieder was Bequemes angezogen.<br>\nSeufzend gehe ich ins Bad, diesmal weiche ich meinem Spiegelbild allerdings nicht aus. Es sieht schei\u00dfe aus, ich also vermutlich auch.<br>\nEcht klasse.<br>\nAls ich mich vom Spiegel abwende, scheint mein Spiegelbild die Zunge rauszustrecken, doch als ich blitzschnell wieder in den Spiegel sehe, benimmt es sich wieder ganz normal. Soweit es bei mir \u00fcberhaupt Normalit\u00e4t gibt.<br>\nNach dem Pinkeln ziehe ich einen Schl\u00fcpfer und ein langes T-Shirt an und gehe langsam nach unten. Es ist alles genauso wie vor f\u00fcnf Tagen, nur dass die Zusammensetzung der Stimmenwolke eine etwas andere ist.<br>\nIn der T\u00fcr zum Salon bleibe ich stehen und lehne mich gegen den Rahmen.<br>\nAuf der Terrasse wird der Fr\u00fchst\u00fcckstisch gedeckt, haupts\u00e4chlich von meiner Mutter und Nadine. Margret sitzt in einem Gartenstuhl und sonnt sich, Kevin unweit davon entfernt im Schatten und spielt Nintendo. Mein Vater, Edgar und Peter spielen Karten und trinken Bier. Helena und Jody sind im Pool.<br>\nKatharina unterh\u00e4lt sich mit Eleonor. Als Eleonor mich erblickt, wird Katharina aufmerksam, springt auf und kommt zu mir. Sie tr\u00e4gt einen hellgrauen Hausanzug, sonst anscheinend nichts. Sie riecht frisch und gut. Ihre Lippen f\u00fchlen sich weich an, als sie z\u00e4rtlich meinen Mund ber\u00fchren.<br>\n\u201eAusgeschlafen?\u201c<br>\n\u201eJa\u201c, erwidere ich. \u201eBitte sag mir, dass wir erst Samstag haben.\u201c<br>\n\u201eHaben wir\u201c, sagt sie l\u00e4chelnd.<br>\n\u201eDrol sei Dank!\u201c<br>\nKatharina lacht schallend auf und zieht damit die Aufmerksamkeit aller auf uns. Ich winke nach drau\u00dfen, ohne jemanden Bestimmten anzusehen. Meine Mutter und Margret kommen rein.<br>\n\u201eKind, wie f\u00fchlst du dich?\u201c<br>\n\u201eBis zu dem Moment, als du mich Kind genannt hast, ging es mir ganz gut.\u201c<br>\nMeine Mutter sieht mich irritiert an, aber Katharina und Margret grinsen.<br>\n\u201eM\u00f6chtest du einen Kaffee?\u201c, fragt meine Mutter schlie\u00dflich.<br>\nIch nicke und sie zieht davon. Ich blicke Margret an.<br>\n\u201eIch m\u00f6chte mich entschuldigen f\u00fcr mein Verhalten gestern\u201c, sagt sie. \u201eWeder steht es mir zu, \u00fcber dich zu urteilen, noch wei\u00df ich, welche Gr\u00fcnde du hast. Und aus unseren Gespr\u00e4chen habe ich den Eindruck, dass du ganz sicher keine Schlampe bist, sondern eine feinf\u00fchlige, intelligente Frau. Deswegen bitte ich dich hiermit um Entschuldigung.\u201c<br>\nIch r\u00e4uspere mich. \u201eDas \u2026 das nehme ich nat\u00fcrlich sehr gerne an, Margret.\u201c<br>\n\u201eSuper!\u201c Sie l\u00e4chelt mich an. \u201eDarf ich dich umarmen, ohne dass Katharina eifers\u00fcchtig wird?\u201c<br>\nDie hat es faustdick hinter den Ohren! Das muss an der Familie liegen.<br>\n\u201eNat\u00fcrlich\u201c, erwidere ich.<br>\nNach der Umarmung nimmt Katharina mich an der Hand und zieht mich zu der Couch, auf der Eleonor sitzt.<br>\n\u201eGuten Morgen, meine Liebe\u201c, sagt diese.<br>\n\u201eGuten Morgen. Habe ich wirklich nur eine Nacht geschlafen?\u201c<br>\n\u201eOh, die anderen denken noch nach. Aber Margret ist ein besonderes Kind mit ihren eigenen Ansichten zu vielen Themen.\u201c<br>\n\u201eDas scheint mir auch so.\u201c Ich setze mich neben ihr und Katharina neben mir.<br>\n\u201eKatharina hat mir vertraulich einige Dinge \u00fcber euch erz\u00e4hlt. Ich habe ihr versprochen, dass ich mit niemandem dar\u00fcber reden werde, au\u00dfer mit deinen Eltern. Und mit Michael. Der nicht nur kein Mensch, sondern sogar ein Vampir ist. Ich habe zwar gewusst, dass er anders ist, aber mit einem Vampir habe ich nicht gerechnet.\u201c<br>\n\u201eAber du bist nicht fortgelaufen\u201c, stelle ich fest.<br>\n\u201eIn meinem Alter macht man das nicht mehr so\u201c, antwortet sie mit einem angedeuteten L\u00e4cheln. \u201eMit der Zeit lernt auch der alte Mensch, dass es keinen Sinn hat, vor der Erfahrung davonzulaufen.\u201c<br>\n\u201eDas hast du sch\u00f6n gesagt. Dann habe ich ja noch bisschen was zu lernen.\u201c<br>\n\u201eDas glaube ich nicht, denn du hast die Weisheit der alten Seele in dir. Diese leitet dich ganz gut durch das Leben, wie es mir scheint. Und au\u00dferdem hast du Katharina an deiner Seite.\u201c<br>\nIch werfe einen schnellen Blick auf die Erw\u00e4hnte, unsicher, ob sie ihr Geheimnis auch verraten hat. Aber der letzte Satz klingt ganz danach.<br>\n\u201eIch \u2026 Es tut mir leid, wie ich mich gestern aufgef\u00fchrt habe.\u201c<br>\n\u201eDas braucht dir nicht leidzutun, meine Liebe.\u201c Sie nimmt meine H\u00e4nde. \u201eDu hast unter einem unglaublichen Druck gestanden. Und dieser Schmerz. Einige Reaktionen, die du erleben musstest, waren nicht sch\u00f6n. Und auch jemand wie du kommt an die Grenzen. Aber das ist nichts, wof\u00fcr du dich entschuldigen musst.\u201c<br>\nIch nicke langsam und atme tief durch. \u201eJa, vielleicht hast du recht. Ich glaube, ich brauche jetzt \u2026\u201c<br>\n\u201eEinen Kaffee!\u201c, erg\u00e4nzt Katharina und deutet auf meine Mutter, die genug Kaffee f\u00fcr eine ganze Armee mitbringt. Ich nehme eine Tasse, dann gehe ich auf die Suche nach Zigaretten. Mit meiner Beute gehe ich nach drau\u00dfen und setze mich neben dem Pool in einen Rattanstuhl. Jody und Helena sehen mich kurz an, dann spielen sie weiter.<br>\nDas Fr\u00fchst\u00fcck verl\u00e4uft ohne Aussetzer und andere Peinlichkeiten. Nadine und Kevin benehmen sich freundlich, aber reserviert mir und Katharina gegen\u00fcber, im Gegensatz zu Margret, die sich sogar neben Katharina setzt und sich intensiv mit der \u00fcber Arbeitschancen in Marketingabteilungen unterh\u00e4lt. Katharina macht ihr klar, dass sie die besten Chancen mit einem schnell absolvierten Studium hat, in dem sie die handwerklichen Grundlagen lernt und bietet ihr an, sich bei ihr zu melden, wenn sie in diese Richtung gehen m\u00f6chte.<br>\nDanach ist Abschied angesagt. Nadine l\u00e4sst sich sogar zu einer kurzen Umarmung hinrei\u00dfen, Kevin winkt uns nur kurz zu und setzt sich schnell ins Auto. Margret verabschiedet sich herzlich von allen und bekommt von Katharina noch eine Visitenkarte mit ihrer privaten Handynummer.<br>\nNach der obligatorischen Umarmung legt Eleonor die H\u00e4nde auf Katharinas Arme und sagt ernst: \u201eIch hoffe f\u00fcr euch und auch f\u00fcr uns, dass ihr dieses schreckliche Verbrechen aufkl\u00e4ren werdet. Nicht, weil ich Rache f\u00fcr meinen Sohn will, was ich nat\u00fcrlich auch will, aber man soll sich ja besser nicht von Rache leiten lassen, sondern weil mein Gef\u00fchl mir sagt, dass schwere Zeiten auf uns zukommen.\u201c<br>\nNoch eine, die das sagt. Es beruhigt mich nicht, im Gegenteil, denn schlie\u00dflich sp\u00fcre ich es ja auch.<br>\nKatharina nickt. \u201eWir werden uns darum k\u00fcmmern, ebenfalls nicht, um uns zu r\u00e4chen.\u201c<br>\n\u201eGut.\u201c Eleonor streichelt mein Gesicht, dann setzt sie sich zu Peter ins Auto und gemeinsam fahren sie vom Grundst\u00fcck.<br>\n\u201ePuh\u201c, sagt meine Mutter. \u201eDas war ja aufregend.\u201c<br>\n\u201eWolltest du nicht peinlich sagen?\u201c, erkundige ich mich.<br>\n\u201eWieso peinlich? Weil selbst du Nerven hast und deine Gef\u00fchle auch mal zeigst?\u201c<br>\n\u201e\u00c4h \u2026\u201c<br>\nKatharina nimmt mich schnell in die Arme und sagt lachend: \u201eNimm es einfach an, mein Schatz. Deine Mutter hat recht, auch wenn du sehr emotional agierst, zeigst du selten deine wahren Gef\u00fchle. Wir lieben dich so, wie du bist.\u201c<br>\n\u201eAha. Dann ist ja gut. K\u00f6nnen wir jetzt wieder reingehen?\u201c<br>\nIch gehe vor. Das ist ja furchtbar. Meine Gef\u00fchle gehen nur mich was an. Okay, vielleicht auch Katharina. Und \u00fcberhaupt. Wieso sagen die das st\u00e4ndig? Wie kommen sie auch nur auf die Idee, ich w\u00fcrde meine Gef\u00fchle nicht zeigen?<br>\nMir f\u00e4llt ein, was James dazu gesagt hat, als wir unseren gro\u00dfen Streit hatten. Er, der gro\u00dfe Meister im Verbergen von Gef\u00fchlen, ausgerechnet er, wies mich darauf hin, dass ich das ebenfalls gut k\u00f6nnte.<br>\nUnd au\u00dferdem, Katharina? Hat nicht sie mich vier Jahre lang hingehalten und dabei voll ihre masochistischen Gel\u00fcste ausgelebt?<br>\nWie kommen diese Leute dazu, mir zu sagen, ich soll mal meine wahren Gef\u00fchle zeigen?<br>\nHallo?<br>\nIch bleibe neben dem Pool stehen und Katharina legt von hinten die Arme um mich.<br>\n\u201eHab dich! Wo wolltest du denn hin? Kann es sein, dass du ein wenig sauer bist?\u201c<br>\n\u201eJa!\u201c<br>\n\u201eMein armer Schatz, alle hacken st\u00e4ndig auf dir herum. Aber, und das meine ich jetzt mal ernst, vielleicht hat es was zu bedeuten, wenn mehrere Leute dir ab und zu sagen, dass du deine wahren Gef\u00fchle ganz gut verbergen kannst.\u201c<br>\nIch sehe sie an und renke mir dabei fast das Genick aus. \u201eIch kann doch mit meinen Gef\u00fchlen machen, was ich will?\u201c<br>\n\u201eDas schon. Nur solltest du dich dann halt nicht \u00fcber die Reaktionen wundern.\u201c<br>\n\u201eIch bin im Moment eben etwas d\u00fcnnh\u00e4utig\u201c, sage ich seufzend.<br>\n\u201eWei\u00df ich doch. Aber gerade du musst ein bisschen aufpassen, und im Moment \u00fcbernehme ich das f\u00fcr dich.\u201c<br>\n\u201eWieso?\u201c, erkundigt sich meine Mutter, denn meine Eltern sind auch auf die Terrasse gekommen.<br>\n\u201eWeil sie sehr m\u00e4chtig ist, viel m\u00e4chtiger als andere Krieger.\u201c<br>\n\u201eKatharina!\u201c<br>\n\u201eWas denn? Deine Eltern sollten das wissen.\u201c<br>\n\u201eWas sollten wir wissen?\u201c, fragt meine Mutter verwundert. \u201eWir wissen, dass sie unsterblich ist, schnell, stark. So wie Nilsson, John oder eben dieser Vampir.\u201c<br>\nIst lustig, wie Michael alle etwas irritiert. Ich wei\u00df ja, dass meine Mutter ihn inzwischen sogar mag, aber sich nicht so richtig an seine Daseinsform gew\u00f6hnt hat.<br>\n\u201eFiona kann weit mehr als andere Krieger\u201c, bemerkt Katharina, dabei h\u00e4lt sie mich nach wie vor fest. Unbemerkt von den anderen schiebt sie eine Hand mitsamt T-Shirt langsam unter meinen Schl\u00fcpfer. Dieses Biest!<br>\nIch fl\u00fcstere ihr ins Ohr: \u201eWenn du so weiter machst und ich auslaufe, sehen es alle, denn dann l\u00e4uft es an meinen Beinen hinunter.\u201c Und stecke ihr die Zunge ins Ohr.<br>\nDas wirkt, sie zieht die Hand wieder aus meinem Schl\u00fcpfer.<br>\n\u201eWas genau bedeutet weit mehr?\u201c, hakt mein Vater nach.<br>\n\u201eDas w\u00fcrde mich auch interessieren\u201c, sagt Helena, die es sich auf einer Liege gem\u00fctlich gemacht hat und uns aufmerksam zuh\u00f6rt. Vielleicht hat sie auch das mit der Hand mitbekommen. Eh egal.<br>\n\u201eWillst du es nicht zeigen?\u201c<br>\nIch mustere Katharina, dann l\u00f6se ich mich aus ihrer Umarmung und beschlie\u00dfe, selbst sie zu schocken. Denn auch sie wei\u00df nicht alles. Dass ich fliegen kann, ist ja sch\u00f6n und gut, aber das kann ich nicht, weil die Erde kaum Dichte h\u00e4tte, sondern weil ich die Illusion manipulieren kann. Und das er\u00f6ffnet noch ganz andere M\u00f6glichkeiten, wie ich mit der Zeit rausgefunden habe.<br>\nIch stelle mich ganz an den Rand des Beckens und strecke einen Arm aus. Fast genau darunter bildet sich im Wasser ein Wirbel, der immer st\u00e4rker wird, bis schlie\u00dflich das Wasser nach oben steigt. Wie eine Schlange aus Wasser w\u00e4chst es nach oben, umflie\u00dft meine Hand und windet sich spiralf\u00f6rmig an meinem Unterarm entlang, bis zum Ellbogen, und flie\u00dft von dort wieder zur\u00fcck in das Becken.<br>\n\u201eCool!\u201c, entf\u00e4hrt es Jody.<br>\nKatharinas Reaktion f\u00e4llt etwas verhaltener aus: \u201eOkaaaay \u2026 Damit schaffst du es, sogar mich zu \u00fcberraschen.\u201c<br>\nIch schenke ihr ein L\u00e4cheln. \u201eIch wei\u00df.\u201c<br>\nDann betrachte ich meine Eltern, die mich beide mit offenem Mund anstarren.<br>\n\u201eWie geht das denn?\u201c, fragt schlie\u00dflich mein Vater.<br>\n\u201eNun, die Illusion ist Realit\u00e4t und Realit\u00e4t ist Illusion. Und wer das wirklich wei\u00df, und ich musste das lernen, der kann die Illusion und damit die Realit\u00e4t beeinflussen. So funktioniert jede Art von Magie. Ich muss noch viel lernen, aber das, was ich bereits kann, ist gut f\u00fcr &#8218;Ohs&#8216; und &#8218;Ahs&#8216;.\u201c<br>\n\u201eWillst du nicht verraten, dass du auch fliegen kannst?\u201c<br>\n\u201eFliegen?\u201c, echot meine Mutter.<br>\n\u201eJa. Hast du dich gar nicht gefragt, wieso ich so schnell da war und das auch noch ohne Auto?\u201c<br>\n\u201eHm\u201c, macht mein Vater.<br>\n\u201eDer Gedanke ging mir mal durch den Kopf, aber ich habe ihn nicht weiter verfolgt.\u201c<br>\n\u201eNach dem Telefonat mit Zanda war mir, ehrlich gesagt, alles egal, deswegen bin ich einfach aus dem B\u00fcrofenster gesprungen und hierher geflogen.\u201c<br>\n\u201eDas ist noch viel cooler als die Wasserschlange\u201c, stellt Jody fest. \u201eWie lange wei\u00dft du das denn schon?\u201c<br>\n\u201eIch habe es entdeckt, als Sorned mich aus der drei\u00dfigsten Etage geworfen hat. Er hatte angek\u00fcndigt, mich danach endg\u00fcltig zu t\u00f6ten und das h\u00e4tte ich nicht verhindern k\u00f6nnen, wenn ich als Fettfleck unten herumgelegen h\u00e4tte. Die Kraft der Verzweiflung half mir, die Illusion so stark zu beherrschen, dass ich ungef\u00e4hr einen halben Meter \u00fcber den Pflastersteinen zum Stehen kam. Beziehungsweise zum Schweben.\u201c<br>\n\u201eOh\u201c, sagt meine Mutter nur.<br>\n\u201eDas klingt nach einem sehr eindr\u00fccklichen Erlebnis\u201c, bemerkt mein Vater. \u201eAber was genau meinst du mit endg\u00fcltig t\u00f6ten?\u201c<br>\n\u201eEs gibt eine M\u00f6glichkeit, jedes Wesen endg\u00fcltig und unwiderruflich aus diesem Universum zu entfernen. Da hilft dann auch keine Unsterblichkeit mehr. Ich werde nicht verraten, wie das geht, euch w\u00fcrde dieses Wissen sowieso nichts bringen.\u201c<br>\n\u201eUnd du hast dann den Spie\u00df umgedreht?\u201c Mein Vater ist gef\u00e4hrlich. Er nutzt seinen Verstand gerne und effizient, das ist mir \u00f6fter aufgefallen, seitdem ich ihn nicht mehr hasse.<br>\n\u201eJa, ich habe Sorned ein f\u00fcr alle Mal entfernt.\u201c<br>\nIch betrachte die Wasserschlange, dann lasse ich sie wieder in das Becken gleiten.<br>\n\u201eOkay, mehr Zaubertricks gibt es vielleicht sp\u00e4ter. Und ja, Katharinas Sorge ist nicht unberechtigt. Aber du besch\u00fctzt mich und die anderen ja, oder?\u201c Ich gebe ihr einen Kuss auf den staunenden Mund.<br>\n\u201eIch versuche es.\u201c<br>\n\u201eNicht versuchen. Tue es oder lass es.\u201c<br>\n\u201eDas ich werde\u201c, erwidert sie grinsend.<br>\n\u201eBestens! Und was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag?\u201c<br>\n\u201eBleibt doch einfach noch bis morgen hier\u201c, schl\u00e4gt meine Mutter vor. \u201eNat\u00fcrlich nur, wenn das nicht zu viel f\u00fcr dich ist, Kind.\u201c<br>\n\u201eEs geht schon. Oder auch nicht. Aber das h\u00e4ngt nicht davon ab, ob ich hier bin oder bei Katharina.\u201c<br>\n\u201eGut. \u00dcbrigens, hast du dir schon Gedanken gemacht, wo du wohnen wirst? Dein Zimmer hier ist ja noch da.\u201c<br>\n\u201eMama.\u201c Ich nehme ihre H\u00e4nde und sehe ihr tief in die Augen. \u201eMama, das ist wirklich lieb von euch. Aber wenn Katharina es erlaubt, werde ich bei ihr wohnen.\u201c<br>\n\u201eBl\u00f6de Frage!\u201c, kommt es von hinten.<br>\n\u201eAber es ist so weit weg!\u201c<br>\n\u201eIst es nicht. Nat\u00fcrlich weiter weg als nebenan, aber keinesfalls aus der Welt. Und ihr kennt den Weg.\u201c<br>\n\u201eJa, kennen wir.\u201c Sie seufzt. \u201eIch sch\u00e4tze mal, das ist vielleicht ganz gut so, wenn sie immer da ist, um auf dich aufzupassen.\u201c Sie legt den Zeigefinger auf meinen Mund. \u201eLass deiner alten Mutter ihre Marotten.\u201c Ich denke an den vollen Kleiderschrank oben und nicke. \u201eOkay, also ich werde mich jetzt ein wenig hinlegen, die Nacht war kurz.\u201c<br>\n\u201eIch gehe mit\u201c, erkl\u00e4rt mein Vater.<br>\nHelena und Jody erkl\u00e4ren wie aus einem Mund, dass sie nicht m\u00fcde sind und sich sonnen wollen. Und dabei einen Film gucken. Nicholas erkl\u00e4rt sich bereit, den Fernseher auf der Terrasse aufzubauen.<br>\nIch sehe Katharina an. \u201eGehen wir auch ins Bett? So f\u00fcr ein paar Stunden?\u201c<br>\n\u201eKlar. Meine Nacht war auch kurz.\u201c<br>\n\u201eNa, dann bis sp\u00e4ter\u201c, sagt mein Vater und zieht Mama mit sich.<br>\nIch winke den M\u00e4dchen zu, dann gehe ich mit Katharina nach oben. Dass sie schlafen wird, bezweifle ich allerdings.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SPOILER-ALARM! \u201eHeute beginnt der Countdown.\u201c Ich starre Julie an. Habe ich was verpasst? \u201eWas f\u00fcr ein Countdown?\u201c \u201eNoch 365 Tage bis zu deinem 30. Geburtstag!\u201c \u201eAha. H\u00f6rt sich an, als w\u00e4re das was Gef\u00e4hrliches.\u201c \u201eNein, eigentlich ist das v\u00f6llig normal\u201c, erwidert Julie fr\u00f6hlich. \u201eAu\u00dferdem bist du heute ja erst 29 geworden. Kannst also noch ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":340,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,14],"tags":[43,10,42],"class_list":["post-339","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kristallwelten-saga","category-leseproben","tag-katharina","tag-kristallwelten-saga","tag-sterben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=339"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":342,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339\/revisions\/342"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/media\/340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=339"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=339"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}