{"id":336,"date":"2020-08-24T16:18:09","date_gmt":"2020-08-24T14:18:09","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=336"},"modified":"2025-06-22T13:29:20","modified_gmt":"2025-06-22T11:29:20","slug":"leseprobe-fiona-leben-die-kristallwelten-saga-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/leseprobe-fiona-leben-die-kristallwelten-saga-5\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Fiona &#8211; Leben (Die Kristallwelten-Saga 5)"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"336\" class=\"elementor elementor-336\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-7ebaf583 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"7ebaf583\" data-element_type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-90b1388 e-con-full e-flex e-con e-child\" data-id=\"90b1388\" data-element_type=\"container\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-97958cb elementor-widget elementor-widget-theme-post-featured-image elementor-widget-image\" data-id=\"97958cb\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"theme-post-featured-image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"587\" height=\"900\" src=\"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/fiona_Band4_Web_gross.jpg\" class=\"attachment-medium_large size-medium_large wp-image-337\" alt=\"\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-33b5555c elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"33b5555c\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n<p>\u201eIch wurde hingerichtet.<br \/>Ich wei\u00df, was Sie jetzt denken. Das ist bestimmt irgendwie metaphorisch gemeint. Hingerichtet, sonst w\u00e4re sie ja tot. Und dann k\u00f6nnte sie mir das jetzt nicht erz\u00e4hlen. Und an lebende Toten und so, da glaube ich nicht dran.<br \/>Aber so ist das nicht. Ich wurde hingerichtet. Zwei Sch\u00fcsse von hinten in den Kopf.<br \/>Also, aufgekl\u00e4rte, moderne Menschen glauben ja, das Gehirn ist der Sitz des Bewusstseins, und wenn das Gehirn zerst\u00f6rt wird, ist es vorbei. Dann gibt es dieses Bewusstsein einfach nicht mehr. Wenn wir als Embryo heranwachsen, wird es langsam hell, und wenn wir sterben, wird es wieder dunkel. F\u00fcr immer. Manchmal geht es langsam, manchmal ganz schnell. Zum Beispiel wenn Ihnen von hinten zwei Kugeln in den Kopf geschossen werden.<br \/>Wenn Sie also zu den Menschen geh\u00f6ren, die rational, aufgekl\u00e4rt und modern sind, werden Sie mir vermutlich nicht glauben. Ich erz\u00e4hle es Ihnen trotzdem. Sie k\u00f6nnen hinterher ja entscheiden, wie Sie damit umgehen wollen.<br \/>Also, ich wurde hingerichtet. Es war wirklich eine Hinrichtung. Ich geriet in Gefangenschaft, wurde schuldig gesprochen, einer terroristischen Vereinigung anzugeh\u00f6ren, Attentate geplant zu haben, und dann an Ort und Stelle mit zwei Kugeln hingerichtet. Das mit den Attentaten stimmte sogar. Aber die wussten nicht, was ich wirklich wollte und dass sie mir sogar dabei helfen, meine Pl\u00e4ne auszuf\u00fchren. Wie h\u00e4tten sie es auch wissen sollen? Sie waren zwar weder modern noch aufgekl\u00e4rt, das sind diese Art von Diktaturen nie, aber sie konnten sich trotzdem nicht vorstellen, dass ich so eine Hinrichtung \u00fcberleben w\u00fcrde. Sie glauben zwar an Himmel und H\u00f6lle und so, an eine dualistische Welt, aber die Realit\u00e4t \u00fcbersteigt ihre Vorstellungskraft bei Weitem.<br \/>Doch zur\u00fcck zu der Hinrichtung. Meine H\u00e4nde waren am R\u00fccken gefesselt, mit einem Seil oder so. Kann sein, dass es ein Abschleppseil war, ich wei\u00df es nicht so ganz genau. W\u00e4hrend der Verhandlung musste ich knien und die ganze Zeit zum Tribunal schauen. So nannten sie es jedenfalls. In Wirklichkeit war es Lynchjustiz, aber das ist egal. Es spielt keine Rolle, denn jedes Gericht in jedem Staat h\u00e4lt sich f\u00fcr legitimiert und ist es doch nicht. Ich bin legitimiert, denn ich wurde von Gott dazu berechtigt. Doch das ist eine andere Geschichte, und Sie denken jetzt sowieso, ich bin eine Irre, v\u00f6llig durchgeknallt und gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig.<br \/>Tatsache ist allerdings, dass ich hier vor Ihnen sitze, obwohl ich hingerichtet wurde. Das sollte Ihnen m\u00f6glicherweise zu denken geben.<br \/>Nun, ich kniete also da auf dem harten Boden, was nach einer Weile sogar schmerzhaft wurde, aber Schmerzen bin ich ja gewohnt. Es geh\u00f6rt zu meinem Job, dass es ab und zu schmerzhaft wird. Ziemlich schmerzhaft sogar, denn nicht immer geht es so schnell und einfach zu wie meine Hinrichtung in diesem Fall.<br \/>Ich beobachtete den Richter und die beiden Soldaten rechts und links von ihm. Rings um uns herum waren noch andere, Soldaten, oder besser gesagt, Rebellen, die sich f\u00fcr Soldaten hielten. Nicht einmal Uniformen hatten sie, viele trugen Sandalen. Nicht wirklich die geeignete Kleidung zum K\u00e4mpfen, aber es waren ja auch Amateure. Verblendete Idioten, um ganz genau zu sein. Sie spielen Krieg und irgendwann begannen sie, das T\u00f6ten zu genie\u00dfen. Zuzuschauen, wie bei den Kopfsch\u00fcssen Augen, Nase und Gehirn der Hingerichteten durch die Gegend spritzen, das ist f\u00fcr sie sch\u00f6ner geworden als ihr Sperma zu verspritzen. Make war not love. Ganz sch\u00f6n pervers. Ich meine, ich t\u00f6te auch. Es macht mir wenig aus, allerdings wei\u00df ich, dass der K\u00f6rper eines Menschen nicht den Menschen ausmacht, und ich wei\u00df auch, dass das T\u00f6ten nicht mehr ist als das Verschrotten eines Autos. Sonst w\u00e4re ich ja nicht hier, trotz meiner Hinrichtung.<br \/>Hinter mir gestikulierten aufgeregt einige M\u00e4nner, vielleicht dar\u00fcber, wer mich erschie\u00dfen darf. Ich habe keine Ahnung. Ich wei\u00df noch, dass ich mir die krumme Nase des Richters anschaute, als der erste Schuss fiel. Die Kugel drang von oben ein, hier hinten, k\u00f6nnen Sie bei sich sp\u00fcren, oberhalb der Einbuchtung. Die Anatomen haben auch einen Namen daf\u00fcr, f\u00e4llt mir grad nicht ein. Egal. Etwas oberhalb der Augen also, und der Sch\u00fctze konnte oder wollte nicht vern\u00fcnftig zielen.<br \/>Es war ein ganz eigenartiges Gef\u00fchl. Erst einmal ein ziemlich heftiger Schlag, der meinen Oberk\u00f6rper nach vorne riss. Ich fiel nicht ganz um, schon allein wegen meiner K\u00f6rperlage. Mein Oberk\u00f6rper federte gegen meine Oberschenkel. In meinem Kopf f\u00fchlte es sich an wie \u2026 Ich wei\u00df nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Es tat nicht weh. Das Gehirn an sich f\u00fchlt ja keinen Schmerz. Es war mehr so eine Art Ziehen. Dauerte nicht lange, nicht einmal eine Sekunde, weil meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt wurde.<br \/>Wie gesagt, der Sch\u00fctze hatte schief geschossen, warum auch immer. Die Kugel verlie\u00df meinen Kopf durch das linke Auge, mit dem ich nat\u00fcrlich nichts mehr sehen konnte. Obwohl, ist schon interessant. In so einem Moment hat man ja ein ganz anderes Zeitgef\u00fchl. F\u00fcr die anderen sind es Sekundenbruchteile, aber ich konnte deutlich und wie in Zeitlupe sp\u00fcren, dass die Kugel mein Auge von innen traf. Ganz kurz, wie ein Aufblitzen, konnte ich die Kugel sogar sehen. Irgendwie unheimlich, wenn ich mir das so \u00fcberlege.<br \/>Ich hing da also auf meinen Oberschenkeln, starrte mit dem verbliebenen Auge auf den Boden und sah nebenbei die Reste meines anderen Auges zusammen mit Blut und einer hellen, rosafarbenen Fl\u00fcssigkeit auf den Boden tropfen.<br \/>Dann wurde mir klar, die rosafarbene Fl\u00fcssigkeit war ein Teil meines Gehirns. Ich hatte es ja schon gesehen, ich meine, au\u00dferhalb meines Kopfes. Neu war f\u00fcr mich das alles ja nicht.<br \/>Ich dachte noch, wie sch\u00f6n es ist, dass es dieses Mal so schnell geht. Ich meine, ich habe es mir selbst ausgesucht. Den Job so allgemein, und ich wusste vermutlich, dass es auch bedeutet, dass es physisch sehr anspruchsvoll wird. Deswegen regenerieren wir uns immer wieder. Aber das Sterben, das ist wie bei allen Menschen. Und manche Arten zu sterben sind \u2026 sehr unsch\u00f6n. Kopfsch\u00fcsse sind im Vergleich richtig angenehm. Wohlgemerkt, im Vergleich und f\u00fcr Leute wie mich, die \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit haben, diesen Vergleich anzustellen. Sie beispielsweise werden diese M\u00f6glichkeit nicht haben, wenn Sie gleich sterben. Deswegen erz\u00e4hle ich Ihnen das so genau, damit Sie wissen, was auf Sie zukommt.<br \/>Die zweite Kugel kam seitlich. Wahrscheinlich habe ich meinen Kopf gedreht, darum. Jedenfalls sp\u00fcrte ich noch, wie sie irgendwo neben dem Ohr in meinen Kopf eindrang. Sie zerfetzte mein rechtes Auge, sodass ich jetzt blind war. Ich glaube, es ging auch ganz schnell. Ich sp\u00fcrte noch, wie noch mehr von meinem Gehirn auf den Boden floss, dann wurde es pl\u00f6tzlich dunkel. Vermutlich als die kritische Masse meines Gehirns zerst\u00f6rt war.<br \/>Mein K\u00f6rper war damit deaktiviert. Vor\u00fcbergehend. Ich habe mich dann notd\u00fcrftig ges\u00e4ubert, aber in meinen Haaren klebt noch Blut und Reste von dem, was es sonst noch so in meinem Kopf gibt. Sehen Sie?<br \/>Mein Ich war nat\u00fcrlich noch da. Ich habe mittlerweile sehr viel \u00dcbung darin, die Zeit zu \u00fcberbr\u00fccken, bis mein K\u00f6rper sich regeneriert hat. Sie haben ihn zu den anderen Leichen geschafft. Als ich zu mir kam, lag ich auf den \u00dcberresten eines etwa dreij\u00e4hrigen M\u00e4dchens und eines Mannes, der wahrscheinlich sein Vater gewesen ist. H\u00e4tte ich zu dem Zeitpunkt auch nur den geringsten Zweifel gehabt, ob ich meinen Plan noch ausf\u00fchren wollte, w\u00e4re dieser Zweifel bei diesem Anblick sofort gefl\u00fcchtet.<br \/>Allerdings hatte ich keinen Zweifel. Ist nicht meine Art. Wissen Sie, mein Motto ist auch, dass ich bereit sein muss, zu Ende zu bringen, was ich beginne. Wof\u00fcr h\u00e4tte ich sonst auch all das auf mich genommen? Als Leiche gelangte ich in Ihr Haus, und auch wenn das nur Plan B war, f\u00fcr den Fall, dass ich erwischt werde, hat er doch ganz gut funktioniert.<br \/>Und das bedeutet, dass jetzt Sie hingerichtet werden.\u201c<br \/>Die Pupillen des Mannes auf der anderen Seite des Tisches weiten sich kaum merklich. Bevor er aufspringen kann, dr\u00fccke ich ab und beobachte, wie die Kugel durch die Stirn in seinen Kopf eindringt.<\/p>\n<p>\u201eMichael?\u201c In der Stille reicht dieses Wort schon gefl\u00fcstert, um einen Widerhall zu erzeugen. Untermalt vom Quietschen der T\u00fcr m\u00fcsste es meine Ankunft un\u00fcberh\u00f6rbar verk\u00fcnden. Dennoch gibt es keine Reaktion.<br \/>Aber ich sp\u00fcre, dass er da ist.<br \/>Ich durchquere den gro\u00dfen Raum, den man mit viel gutem Willen Wohnzimmer nennen k\u00f6nnte, und gehe zur T\u00fcr, die in den Nachbarraum f\u00fchrt. Darin befindet sich unter anderem das Bett.<br \/>Darauf Michael, zusammen mit einem Buch. Er sieht hoch und mustert mich schweigend.<br \/>\u201eHi\u201c, sage ich leise.<br \/>\u201eHi.\u201c Er l\u00e4sst seinen Blick \u00fcber meinen K\u00f6rper gleiten, dann wieder hoch zu meinen Augen. \u201eWelch ein hoher Besuch! Was verschafft mir diese unerwartete Ehre?\u201c<br \/>Das frage ich mich auch gerade. Was habe ich eigentlich erwartet? Noch ist es nicht zu sp\u00e4t, ich sollte mich einfach umdrehen und wieder gehen. Es w\u00e4re das Kl\u00fcgste.<br \/>Und damit ausgeschlossen.<br \/>\u201eIch komme gerade aus dem Irak.\u201c<br \/>\u201eWie sch\u00f6n f\u00fcr dich. Hast du dort Urlaub gemacht? Als Frau? Mutig.\u201c<br \/>\u201eIdiot. Ich habe jemanden hingerichtet. Und ich wei\u00df jetzt, wie sich Kopfsch\u00fcsse anf\u00fchlen.\u201c<br \/>Er zieht eine Augenbraue hoch. Die rechte. \u201eHast du jemanden hingerichtet oder wurdest du hingerichtet?\u201c<br \/>\u201eBeides.\u201c<br \/>\u201eAlso Abenteuerurlaub.\u201c<br \/>\u201eMichael \u2026\u201c<br \/>\u201eJa? Ich bin hier.\u201c Er legt das Buch weg und setzt sich auf. \u201eWas genau willst du von mir?\u201c<br \/>Eigentlich wei\u00df ich es immer noch nicht. Ich sollte nicht hier sein. Die Geschichte im Irak ist eine Sache, die meisten Menschen w\u00fcrden kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, doch das kann mir egal sein. Aber wieso bin ich hierhergekommen, statt nach Hause zu fahren?<br \/>\u201eHallo? Fiona?\u201c<br \/>Ich zucke zusammen. \u201eIch \u2026 Tut mir leid. War in Gedanken. Um ehrlich zu sein, versuche ich herauszufinden, warum ich hier bin.\u201c<br \/>\u201eWieso, bist du nicht selbst hergekommen?\u201c<br \/>\u201eDoch, schon. Aber ich habe noch gar nicht dar\u00fcber nachgedacht, wieso.\u201c<br \/>\u201eWie geht das denn? Du musst doch irgendwann die Entscheidung getroffen haben, dieses Ziel als Koordinaten in dein internes Navi einzugeben.\u201c<br \/>\u201eWas?\u201c<br \/>Er deutet auf seine Stirn. \u201eGehirn. Ged\u00e4chtnis. Gef\u00fchle. Manchmal auch Gedanken.\u201c<br \/>Ich muss lachen. \u201eDu bist doof. Michael, erinnerst du dich, was ich dir gesagt habe, nachdem du mich gek\u00fcsst hast?\u201c<br \/>\u201eWie k\u00f6nnte ich das je vergessen?\u201c, erwidert er. \u201eDu bl\u00e4st mir keinen, wir schlafen nicht miteinander und es wiederholt sich nicht.\u201c<br \/>Ich senke den Blick. \u201eDas \u2026 das war gelogen.\u201c<br \/>\u201eWas?\u201c<br \/>\u201eIch meine, damals meinte ich das wirklich. Aber \u2026 ich meine, ich habe dir erlaubt, mich zu k\u00fcssen. Das erlaube ich nicht jedem.\u201c<br \/>\u201eAch?\u201c<br \/>Langsam gehe ich n\u00e4her. Er zieht die Knie an und legt die Unterarme um seine Beine, mit einer Hand das andere Handgelenk umfassend. Weder eine Einladung noch eine Zur\u00fcckweisung. Ich bleibe unschl\u00fcssig stehen.<br \/>\u201eWas genau m\u00f6chtest du von mir?\u201c<br \/>\u201eDich k\u00fcssen. Dir einen blasen. Mit dir schlafen.\u201c<br \/>\u201eWarum so pl\u00f6tzlich? Ich habe n\u00e4mlich keine Lust, einfach nur als Ventil zu dienen, weil du dich mies f\u00fchlst nach so einem Job.\u201c<br \/>\u201eIch f\u00fchle mich nicht mies! Das Arschloch hat es verdient.\u201c<br \/>\u201eIch denke, wir richten nicht?\u201c<br \/>\u201eWir treffen Entscheidungen, und wenn wir der Meinung sind, jemand st\u00f6rt das Gleichgewicht, dann t\u00f6ten wir ihn. Das wei\u00dft du auch.\u201c<br \/>\u201eJa, wei\u00df ich\u201c, nickt er. \u201eMir sind deine Kriterien nur nicht ganz klar.\u201c<br \/>\u201eDar\u00fcber wollte ich nicht mit dir reden. Jedenfalls hat es nichts damit zu tun, dass ich hier bin. Zumindest nicht direkt. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken auf dem Flug.\u201c<br \/>\u201eZeit zum Nachdenken ist gut. Aber es f\u00e4llt dir immer noch schwer, mir den Grund f\u00fcr deinen Sinneswandel mitzuteilen?\u201c<br \/>Ich setze mich seufzend am Bettende auf den Rand. \u201eEs ist \u2026 es ist kein Sinneswandel. Ich wei\u00df, dass du in mich verliebt bist und \u2026\u201c<br \/>\u201eBin ich das?\u201c<br \/>Ich sehe ihn direkt an. \u201eBist du. Willst du es leugnen?\u201c<br \/>Er sch\u00fcttelt den Kopf.<br \/>\u201eMichael, ich wei\u00df nicht, ob ich in dich verliebt bin. Aber ich begehre dich. Deswegen durftest du mich k\u00fcssen. Etwas an dir bringt mich an den Rand des Wahnsinns. Ich habe mich dagegen gewehrt, doch jetzt will ich es nicht mehr.\u201c<br \/>Michael starrt mich schweigend an. Sein Blick gleitet von meinen Augen nach unten, auf meine Br\u00fcste. Viel zu sehen gibt es von ihnen nicht, unter dem schwarzen Pullover trage ich einen Sport-BH. Ich fasse den Pullover am Kragen und ziehe ihn langsam aus. Dann den BH. Michael starrt immer noch auf meine Br\u00fcste. Er sieht mich nicht zum ersten Mal nackt, aber zum ersten Mal mit der Aussicht, mehr als den Anblick zu bekommen.<br \/>Mit den F\u00fc\u00dfen streife ich die Stiefel ab, kn\u00f6pfe dann die Jeans auf und streife sie ebenfalls ab. Bis auf das hellblaue H\u00f6schen bin ich nackt. Nach einer kurzen Pause ziehe ich den Slip auch aus.<br \/>Als Michael sich immer noch nicht r\u00fchrt, steige ich auf das Bett und stelle mich mit gespreizten Beinen so vor ihm hin, dass er meine Muschi vor den Augen hat. Er hebt langsam den Kopf und schaut zu mir hoch.<br \/>\u201eDu meinst das ernst?\u201c<br \/>Ich nicke, dann lege ich beide H\u00e4nde auf seinen Kopf und dr\u00fccke sein Gesicht zwischen meine Beine. Ich sp\u00fcre, wie er den Mund \u00f6ffnet und seine Zunge zwischen meine Lippen schiebt. Ich schlie\u00dfe die Augen.<br \/>Nach einiger Zeit, in der er mich genau erkundet hat, umfasst er mit den H\u00e4nden meine Pobacken und zieht mich runter. Ich setze mich kniend auf meine Fersen und betrachte ihn. Er k\u00fcsst mich, erst sanft, dann immer fordernder, packt dabei mit beiden H\u00e4nden meine Br\u00fcste. Ich schlie\u00dfe wieder die Augen und ertaste die Kn\u00f6pfe seines Hemdes, \u00f6ffne sie und schiebe dann das Hemd nach hinten. Dazu muss er mich loslassen und als er die H\u00e4nde wieder frei hat, legt er eine auf meinen Oberschenkel, die andere zwischen meine Beine. Ich st\u00f6hne auf.<br \/>Ich lasse meine Fingerspitzen wie Krallen \u00fcber seine muskul\u00f6se Brust gleiten. Der Kuss soll blo\u00df nie aufh\u00f6ren! Als dann seine Finger in mich eindringen, \u00f6ffne ich seine Hose und greife hinein, bis ich sein hartes Glied umfassen und herausziehen kann. Nur ganz fl\u00fcchtig schie\u00dft mir der Gedanke durch den Kopf, wieso ein Vampir einen Steifen haben kann.<br \/>Ich l\u00f6se meinen Mund von seinen Lippen. \u201eFick. Mich.\u201c<br \/>Er lehnt sich zur\u00fcck, ich ziehe ihm Hose und Unterhose aus. Sein m\u00e4chtiger Brustkorb w\u00f6lbt sich unbewegt hervor. Ich rutsche auf den Knien nach vorne, bis ich mit dem Unterleib \u00fcber seinem Glied bin und es in mich einf\u00fchren kann. Es gleitet vollkommen m\u00fchelos in meine nasse Muschi. Ich beuge mich vor, um ihn weiter zu k\u00fcssen. Seine H\u00e4nde umklammern meinen Po.<br \/>Wir sind beide v\u00f6llig \u00fcberdreht und kommen schon nach kurzer Zeit. Ich presse meinen Unterleib gegen seinen und bewege ihn kreisend. Er zuckt wild, fast schmei\u00dft er mich runter. Ich schlinge die Arme um seinen Hals und dr\u00fccke schreiend das Gesicht gegen seine Schulter.<br \/>Viel sp\u00e4ter, ich wei\u00df nicht einmal, ob Minuten oder Stunden vergangen sind, hebe ich den Kopf und sehe ihn an.<br \/>Er grinst. \u201eDas war ja fast eine Vergewaltigung.\u201c<br \/>\u201eDeine Gegenwehr war kaum zu bemerken.\u201c<br \/>\u201eEs ging so schnell, ich hatte gar keine Gelegenheit dazu.\u201c<br \/>Damit bringt er mich zum Lachen. \u201eIdiot. Einen so harten Schwanz wie deinen habe ich schon lange nicht mehr erlebt.\u201c<br \/>\u201eJa, und er scheint so bleiben zu wollen.\u201c<br \/>Ich bewege meinen Unterleib kreisend. \u201eHat er etwa noch nicht genug?\u201c<br \/>\u201eGenug? Das war doch erst die Vorspeise!\u201c<br \/>Er meint es ernst. Sehr ernst.<\/p>\n<p>Michael reicht mir meine Zigaretten, dann geht er zum zugem\u00fcllten Schreibtisch und bef\u00f6rdert nach einiger Suche zwei Gl\u00e4ser und eine halbvolle Whiskyflasche ans Kerzenlicht. Ich setze mich auf und inhaliere den Rauch tief ein, w\u00e4hrend er die Gl\u00e4ser ordentlich f\u00fcllt. Dar\u00fcber, ob diese Gl\u00e4ser jemals gesp\u00fclt worden sind, mache ich mir lieber keine Gedanken.<br \/>Ein Glas gibt er mir, das andere f\u00fchrt er sich an die Lippen und nimmt einen gro\u00dfen Schluck. Ich nippe vorsichtig an meinem Glas. Es schmeckt einigerma\u00dfen.<br \/>\u201eWie geht es Sandra?\u201c, erkundigt er sich.<br \/>Dieses Arschloch! \u201eGanz gut. Seit wann interessierst du dich f\u00fcr meine Tochter?\u201c<br \/>\u201eIch finde die Vorstellung s\u00fc\u00df, dass du eine Tochter hast.\u201c<br \/>\u201eMichael, du solltest aufh\u00f6ren, irgendetwas im Zusammenhang mit mir s\u00fc\u00df zu finden.\u201c<br \/>\u201eUps. Empfindliche Stelle getroffen?\u201c<br \/>\u201eIch? Getroffen? Eher andersherum.\u201c Ich zaubere das s\u00fc\u00dfeste L\u00e4cheln auf mein Gesicht, dessen ich f\u00e4hig bin. Michaels Miene verd\u00fcstert sich.<br \/>\u201eErinnere mich nicht daran\u201c, knurrt er.<br \/>\u201eDann h\u00f6r auf, von meiner Tochter und von s\u00fc\u00df zu labern, okay?\u201c<br \/>\u201eWollte nur nett sein \u2026\u201c<br \/>\u201eWozu? Ich bin nicht hier, damit du nett bist. Nett ist langweilig. Ich hasse alles, was mit nett zu tun hat.\u201c<br \/>\u201eStimmt, du bist eher ein Tier.\u201c<br \/>\u201eDas sagt der Richtige!\u201c Ich proste ihm zu und nehme diesmal auch einen gro\u00dfen Schluck.<br \/>Er setzt sich neben mich. Ich betrachte seine ausgestreckten Beine neben meinen ausgestreckten Beinen. Seine sind behaart und muskul\u00f6s. Meine nur muskul\u00f6s. Und deutlich d\u00fcnner.<br \/>\u201eDu hast sch\u00f6ne Beine\u201c, bemerkt Michael grinsend.<br \/>\u201eDanke. Du auch. Zumindest f\u00fcr einen Mann.\u201c<br \/>\u201eDas ist mal wieder typisch f\u00fcr dich. Immer direkt eine Einschr\u00e4nkung.\u201c<br \/>\u201eNicht immer!\u201c, protestiere ich.<br \/>\u201eGut, du hast recht, nicht immer. Aber warum \u00fcberhaupt?\u201c<br \/>Ich zucke die Achseln. \u201eBin eben so. Gef\u00e4llt es dir etwa nicht, wie ich bin?\u201c<br \/>Er mustert mich von der Seite. \u201eWas ist das denn f\u00fcr eine Frage? Willst du jetzt h\u00f6ren, dass du geil aussiehst? Oder geht es um deinen Intellekt?\u201c<br \/>\u201eAch Michael.\u201c Ich seufze. \u201eIch wei\u00df, wie ich aussehe und wie ich auf M\u00e4nner wirke. Vor James habe ich die halbe Stadt gefickt, und auf der Schule gab es kaum einen, der nicht mit mir v\u00f6geln wollte.\u201c<br \/>\u201eEingebildet bist du aber nicht, oder?\u201c<br \/>\u201eWeil ich mir dessen bewusst bin? Komm schon. Ich war nicht die Schulk\u00f6nigin, habe mich nie, na ja, fast nie, zurechtgemacht. Und wahrscheinlich waren gerade deswegen alle scharf darauf, mit mir in die Kiste zu h\u00fcpfen.\u201c<br \/>\u201eJetzt mal ernsthaft, ist das eine Theorie?\u201c<br \/>Ich grinse. \u201eKeine Theorie. Habe es mehrmals getestet.\u201c<br \/>\u201eIn der Schule?\u201c<br \/>\u201eDa auch. Das Klo zu den Sportumkleiden war ein guter Ort. Und David, der mich entjungfert hat \u2026\u201c<br \/>\u201eAuf dem Klo?\u201c<br \/>\u201eNein! H\u00e4ltst du mich f\u00fcr so unromantisch?\u201c<br \/>\u201eAlso gut, wo hat er dich entjungfert?\u201c<br \/>\u201eIn meinem Bett, im Haus meiner Eltern. Ich war 15. Ich rief ihn an und sagte ihm, dass ich Hilfe br\u00e4uchte, in Mathe. Das war ein sicherer Hinweis f\u00fcr ihn.\u201c<br \/>\u201eWieso?\u201c<br \/>\u201eWir waren die Klassenbesten in Mathe.\u201c<br \/>\u201eOh. Und er kam?\u201c<br \/>\u201eOh ja! Mehr als einmal.\u201c<br \/>\u201eDas meinte ich grad nicht \u2026\u201c<br \/>\u201eIst mir klar. Wir waren zwei Monate zusammen, bis er meinte, ein anderes M\u00e4dchen knutschen zu m\u00fcssen, auf dem Schulhof, w\u00e4hrend die halbe Schule zuschaute, weil er Freistunde hatte, wir aber nicht. Es war echt lustig.\u201c<br \/>\u201eKlingt nach Drama.\u201c<br \/>\u201eHey, er war meine erste Liebe! Selbst mein Vater mochte ihn.\u201c<br \/>\u201eHast du ihn verpr\u00fcgelt?\u201c<br \/>\u201eNein\u201c, erwidere ich gepresst. \u201eAber ich habe ihn ignoriert danach. Na ja, und irgendwann begriff ich, was die Blicke der Jungs zu bedeuten haben. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir bis dahin dar\u00fcber keine Gedanken gemacht. Es gab einige M\u00e4dchen in meinem Alter, die Schulk\u00f6niginnen spielten und nat\u00fcrlich stets hofiert wurden. Ich konnte mit ihnen nichts anfangen und lief nicht aufgetakelt rum.\u201c<br \/>\u201eAlso eine Au\u00dfenseiterin?\u201c<br \/>Ich sch\u00fcttele den Kopf. \u201eSeltsamerweise nicht. Ich war schon beliebt. Ich f\u00fcrchte, die hielten mich alle f\u00fcr s\u00fc\u00df.\u201c<br \/>\u201eS\u00fc\u00df?\u201c<br \/>Ich nicke. \u201eIch habe nie was f\u00fcr All\u00fcren \u00fcbriggehabt, sagte aber, was ich dachte. Es war auch selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr mich, dass ich anderen half, wenn es n\u00f6tig war. Meine Noten waren zwar mittelm\u00e4\u00dfig, weil ich nie f\u00fcr Tests lernte, aber ich machte m\u00fcndlich mit. Reden kann ich ja. Ich begriff die Sachen, ich wollte nur nichts auswendig lernen. Lernen fand ich doof. Aber ich konnte alles erkl\u00e4ren.\u201c<br \/>\u201eIch glaube, ich verstehe\u201c, sagt Michael nachdenklich. \u201eDu warst einerseits der Kumpeltyp, andererseits aber nat\u00fcrlich s\u00fc\u00df.\u201c<br \/>Ich starre ihn von der Seite an. \u201eJa, vielleicht. \u2013 Warum erz\u00e4hle ich dir das alles eigentlich?\u201c<br \/>\u201eDir war wohl danach.\u201c<br \/>\u201eJa, irgendwie schon. Vielleicht ist es mir wichtig, dass du mich verstehst. Ich m\u00f6chte nicht, dass du mich f\u00fcr durchgeknallt h\u00e4ltst.\u201c<br \/>\u201eDu bist durchgeknallt, da kannst du mir erz\u00e4hlen, was du willst. Die Menschen k\u00f6nnen froh sein, dass du auf der richtigen Seite stehst. Du hast vor nichts Angst und wenn du dir etwas in den Kopf setzt, dann tust du es einfach. Als Kriminelle w\u00e4rst du richtig gef\u00e4hrlich.\u201c<br \/>\u201eIch bin gef\u00e4hrlich.\u201c<br \/>\u201eJa, f\u00fcr meine Unschuld\u201c, knurrt er.<br \/>Ich mustere seine schwindende Unschuld. \u201eIn der Tat. Es ist schon erstaunlich, dass du als Vampir \u00fcberhaupt einen Steifen kriegst, aber auch noch einen so harten?\u201c<br \/>\u201eDu wirst lachen, wenn ich Hunger habe, kriege ich ihn nicht hoch. Vampire sind sehr abh\u00e4ngig von ihrem Futter, was den Blutdruck angeht.\u201c<br \/>Ich kriege einen Lachkrampf und habe M\u00fche, mich zu beruhigen. Er wartet geduldig, bis ich wieder ansprechbar bin. Dann zieht er mich auf seinen Scho\u00df, dabei dringt er wie von selbst in mich ein. Seine kalten Augen mustern mich.<br \/>\u201eDanach musst du gehen.\u201c<br \/>\u201eIch wei\u00df.\u201c<br \/>\u201eGut.\u201c<br \/>Sp\u00e4ter, als ich wieder meinen Verstand eingesammelt habe, frage ich ihn, wo die Toilette sei.<br \/>\u201eToilette?\u201c<br \/>\u201e\u00c4h \u2026 ja?\u201c<br \/>\u201eHier gibt es keine.\u201c<br \/>\u201eWie meinst du das? Wie kann es hier keine Toilette geben?!\u201c<br \/>\u201eIch brauche keine. Was musst du denn?\u201c<br \/>\u201ePissen, und zwar tierisch!\u201c<br \/>\u201eDann geh doch nach drau\u00dfen und piss gegen die Wand. Interessiert doch niemanden. Kommt auch niemand vorbei.\u201c<br \/>\u201eHm.\u201c Aber es hilft nichts. Ich strecke erst den Kopf in den Gang raus und schaue mich um, bevor ich nackt ein paar Schritte weg gehe und mich neben der Wand hinhocke. Es riecht streng, kein Wunder, die Blase ist voll wie sonst was.<br \/>Erleichtert gehe ich wieder rein und ziehe mich an.<br \/>\u201eHat dich jemand gesehen?\u201c, erkundigt sich Michael, bl\u00f6de grinsend.<br \/>\u201eIch habe Eintrittsgeld kassiert.\u201c<br \/>\u201eCool. Aber die H\u00e4lfte geh\u00f6rt mir.\u201c<br \/>\u201eDu kannst mich mal.\u201c<br \/>\u201eSchon wieder?\u201c<br \/>Ich zeige ihm, wie sch\u00f6n meine Mittelfinger sind. Doch statt auf diese, starrt er auf meine noch nackten Br\u00fcste. Grinsend ziehe ich den BH und den Pullover an.<br \/>\u201eSchon wieder?\u201c, frage ich ihn l\u00e4chelnd.<br \/>\u201eDu bist ganz sch\u00f6n rachs\u00fcchtig.\u201c<br \/>\u201eSo bin ich eben.\u201c Ich gehe um das Bett herum und bleibe neben ihm stehen. Er sitzt nackt am Kopfende und mustert mich fragend. Sein Blick ist eindeutig. Nach kurzem Z\u00f6gern winke ich ab und gehe. Ich blicke nicht zur\u00fcck und er sagt nichts.<br \/>Ich nehme den Weg, den ich auch gekommen bin, n\u00e4mlich durch die Disco. Das bedeutet zwar Kletterpartie, aber mein Auto steht eh auf dem Parkplatz. Die Geheimt\u00fcr, die nur Eingeweihte kennen, befindet sich in einem kleinen Raum, der alibim\u00e4\u00dfig als Abstellkammer dient. Bevor ich die T\u00fcr \u00f6ffne, lausche ich kurz. Bis auf die dumpf dr\u00f6hnende Musik ist nichts zu h\u00f6ren. Ich eile an den Toiletten vorbei. Die Musik wird lauter, schlie\u00dflich befinde ich mich mittendrin.<br \/>Die unterirdische Disco kokettiert mit ihren Grotten und Felsw\u00e4nden, die andererseits f\u00fcr eine miserable Akustik sorgen. Bei der Lautst\u00e4rke spielt das allerdings f\u00fcr die zugedr\u00f6hnten G\u00e4ste keine Rolle. Ich \u00fcberlege kurz, eine zu rauchen und etwas zu trinken, entscheide mich aber schlie\u00dflich dagegen.<br \/>Dass es ein Fehler war, \u00fcberhaupt dar\u00fcber nachzudenken und dadurch l\u00e4nger als unbedingt n\u00f6tig in der Disco zu bleiben, wird mir klar, als ich Punky mit zwei anderen Vampiren entdecke. Sie schneiden mir den Weg zum einzigen Ausgang nach oben ab. Die beiden entschlossen dreinschauenden Vampirs\u00f6ldner bleiben in einiger Entfernung stehen, w\u00e4hrend Punky grinsend auf mich zukommt.<br \/>\u201eHallo Fiona, das ist aber eine \u00dcberraschung, dich hier zu sehen. Hast du etwa Sehnsucht nach dem Herrn?\u201c<br \/>Ich mustere ihn kurz, dann will ich an ihm vorbei. Er macht einen Schritt zur Seite, sodass er mir erneut den Weg versperrt. Und als er den Mund \u00f6ffnet, vermutlich um weiter zu quasseln, trete ich blitzschnell und mit aller Kraft gegen seinen Brustkorb. Er hebt regelrecht ab und fliegt davon \u2013 wohin, darauf achte ich nicht mehr, denn seine beiden Begleiter erfordern meine ganze Aufmerksamkeit.<br \/>Den, der n\u00e4her steht, erwische ich mit zwei Halbkreistritten, die ihn aus meinem Blickfeld bef\u00f6rdern. Schnell wende ich mich dem Dritten zu, allerdings nicht schnell genug. Seine Faust explodiert mitten in meinem Gesicht. Ich sp\u00fcre, dass ich durch die Gegend fliege, Menschen zur Seite sto\u00dfe und dann sehr unsanft auf dem harten Boden lande.<br \/>Nach einigen Sekunden der Benommenheit dr\u00fccke ich mich mit einer Hand hoch, mit der anderen Hand ber\u00fchre ich meine Lippen. Blut. Doch bevor ich w\u00fctend aufspringen kann, werde ich an den Haaren gepackt, hochgerissen und mein rechter Arm wird auf den R\u00fccken gedreht. Zum Protestieren habe ich keine Zeit, denn Punky kommt von vorne auf mich zugeschossen. Ich empfange ihn mit einem Tritt zwischen die Beine und lasse einen zweiten in sein Gesicht folgen, als er sich nach vorne kr\u00fcmmt. Einigerma\u00dfen zeitgleich hole ich mit der freien Hand aus und schlage sie an meinem Kopf vorbei in das Gesicht des Vampirs, der mich von hinten festh\u00e4lt. Er taumelt, l\u00e4sst aber meinen verdrehten Arm nicht los. Ich drehe mich jetzt schwungvoll nach rechts, packe dabei mit der rechten Hand seinen rechten Arm. Das zwingt ihn in eine geb\u00fcckte Haltung, so kann ich mit dem Ellbogen des freien Arms gegen sein Genick schlagen. Endlich l\u00e4sst er los und geht in die Knie.<br \/>Daf\u00fcr habe ich den dritten Vampir wieder am Hals. Sein Gesicht ist blutverschmiert, ansonsten sieht er aber ziemlich fit aus. Nicht fit genug f\u00fcr mich. Ich brauche nur ein paar Sekunden, um seine Deckung zu zertr\u00fcmmern und ihm die Nase. Dann erwische ich einen seiner Arme und breche ihn am Ellbogen. Sein Geheul geht im Aufschrei der Menge unter.<br \/>Diesmal vertr\u00f6del ich nicht unn\u00f6tig Zeit. Niemand h\u00e4lt mich auf, als ich auf den Ausgang zulaufe. Mein Auto steht noch da, wo ich es abgestellt hatte, was keineswegs selbstverst\u00e4ndlich ist.<br \/>Ich betrachte mein Gesicht im R\u00fcckspiegel. Das Blut aus meiner Nase hat sich um den Mund herum verteilt, ich sehe aus, als h\u00e4tte ich einen Menschen leergetrunken. F\u00fcr solche F\u00e4lle habe ich zum Gl\u00fcck immer Reinigungst\u00fccher dabei.<br \/>Ich fahre nach Hause.<\/p>\n<p>Zu Hause ist niemand, also laufe ich hin\u00fcber ins Nachbarhaus. Nicholas \u00f6ffnet und begr\u00fc\u00dft mich erfreut. Ich umarme ihn, dann gehe ich in den Salon, dort finde ich meine Eltern mit Sandra auf dem Scho\u00df meiner Mutter. Die Augen der Kleinen leuchten auf, als sie mich erblicken. Lachend nehme ich sie an mich und begr\u00fc\u00dfe sie innig, bevor auch meine Eltern was von mir abbekommen.<br \/>\u201eDanny?\u201c<br \/>\u201eDen hat James mitgenommen\u201c, antwortet mein Vater. \u201eM\u00f6chtest du was trinken? Oder essen?\u201c<br \/>\u201eEinen Kaffee k\u00f6nnte ich vertragen. Aber erst nach der F\u00fctterung des Raubtiers.\u201c Ich setze mich neben meiner Mutter auf die Couch, schiebe Pullover und BH hoch und betrachte l\u00e4chelnd meine Tochter beim Trinken.<br \/>\u201eSie ist so s\u00fc\u00df\u201c, sagt meine Mutter und sieht Sandra verliebt an.<br \/>\u201eMeins!\u201c<br \/>\u201eSchon gut, schon gut. Ich bin gl\u00fccklich, wenn ich mich ab und zu um sie k\u00fcmmern darf.\u201c<br \/>\u201eMal sehen, ob du das in 15 Jahren immer noch so denkst\u201c, erwidere ich.<br \/>\u201eGanz sicher.\u201c<br \/>\u201eUnd wenn sie wird wie ich?\u201c<br \/>\u201eDann erst recht.\u201c<br \/>Zack. Sowohl meine Frage als auch die Antwort darauf treffen mich unvorbereitet. Sandra starrt mich erschrocken an, ich habe M\u00fche, sie zu beruhigen und zu animieren weiterzutrinken. Wenigstens kann ich dabei auch selbst die Beherrschung wiedererlangen.<br \/>Nat\u00fcrlich ist es meiner Mutter nicht entgangen, was sie ausgel\u00f6st hat. Sie ist aber feinf\u00fchlig genug, nicht weiter darauf einzugehen.<br \/>Wir schweigen, bis mein Vater mit dem Kaffee kommt. Und danach schweigen wir auch, ich mit Tochter auf der Couch und umrahmt von meinen Eltern. Ein ganz, ganz seltsames Gef\u00fchl.<br \/>Erst als Sandra fertig ist und ich meine Kleidung wieder gerichtet habe, reicht mir mein Vater den Kaffee, den ich gierig trinke. Mir f\u00e4llt pl\u00f6tzlich der Whisky ein, aber nun ist es zu sp\u00e4t.<br \/>\u201eWar deine Reise erfolgreich?\u201c, erkundigt sich mein Vater.<br \/>\u201eOh ja, das war sie.\u201c<br \/>\u201eDu warst aber nicht auf Gesch\u00e4ftsreise.\u201c Keine Frage, sondern eine Feststellung.<br \/>\u201eWie man es nimmt.\u201c Meine Tochter steht auf meinen Beinen und lacht mich an. Ich bin erst einmal damit besch\u00e4ftigt, in einen Lachwettstreit mit ihr zu treten. Danach fahre ich fort. \u201eIch war im Irak.\u201c<br \/>\u201eIm Irak?\u201c, wiederholt meine Mutter. \u201eWas hast du denn da gemacht?\u201c<br \/>\u201eEine St\u00f6rung des Gleichgewichts beseitigt.\u201c<br \/>Mein Vater versteht schneller, aber dann gefriert auch der Gesichtsausdruck meiner Mutter. \u201eAber \u2026 ist das nicht gef\u00e4hrlich?\u201c<br \/>\u201eIch wurde hingerichtet mit zwei Kopfsch\u00fcssen\u201c, erwidere ich in einer Tonlage, als w\u00fcrde ich \u00fcber Kuchenessen sprechen, denn Sandra untersucht gerade meine Stirn und den Haaransatz. Letzteres ist etwas schmerzhaft. \u201eJunge Dame! Das sind meine Haare! \u2013 Dadurch kam ich an \u2026 mein Zielobjekt dran. Er wird sich von den Kopfsch\u00fcssen nicht erholen.\u201c<br \/>\u201eDu hast \u2026 du hast \u2026\u201c<br \/>\u201eBarbara!\u201c, unterbricht sie mein Vater freundlich, aber nachdr\u00fccklich.<br \/>\u201eSchon gut. Ich war nur \u2026 bin \u2026 etwas geschockt.\u201c<br \/>\u201eMan muss sich erst daran gew\u00f6hnen, dass unsere Tochter als Racheengel unterwegs ist und Menschen im Auftrag Gottes t\u00f6tet\u201c, bemerkt mein Vater.<br \/>\u201eMit Rache hat das nichts zu tun\u201c, entgegne ich, Sandra sanft davon \u00fcberzeugend, dass es wirklich, wirklich meine Haare sind. \u201eUnd auch nicht im Auftrag Gottes. Gott ist es schei\u00dfegal, was wir hier so treiben.\u201c<br \/>\u201eRed doch nicht so \u00fcber Gott\u201c, sagt meine Mutter entsetzt.<br \/>\u201eWarum denn nicht? Es ist die Wahrheit. Gott hat seine Hausmeistergilde, die sind f\u00fcr Ordnung zust\u00e4ndig. Und der hiesige Hausmeister hat unter anderem mich auserkoren.\u201c<br \/>\u201eWenn das die Menschen erfahren w\u00fcrden, dann br\u00e4chen sofort alle Religionen zusammen und Frieden kehrte ein.\u201c<br \/>Ich starre meinen Vater entgeistert an. \u201eWieso sollten sie das glauben? Sie glauben ja nicht einmal viel leichter zu verdauende Sachen, zum Beispiel die einfache Tatsache, dass jeder Mensch selbst denken darf.\u201c<br \/>\u201eDas ist zynisch\u201c, stellt meine Mutter fest.<br \/>\u201eAch was. Ich und zynisch?\u201c Ich setze Sandra auf meinen Scho\u00df, so kommt sie nicht an meine Haare dran. Komisch, wie weh das tun kann, wenn so ein Kind an den Haaren zerrt. Einer Fortsetzung der l\u00e4stigen Diskussion entgehe ich zum Gl\u00fcck, Danny und, mit etwas Versp\u00e4tung, James st\u00fcrmen das Wohnzimmer. Ich bringe Sandra vor Danny in Sicherheit und kriege daf\u00fcr die Zungenk\u00fcsse ab. Zum Ausgleich auch den Kuss von James. Einen Kuss. Einen zweiten bekommt Sandra.<br \/>\u201eBleibt ihr zum Abendessen?\u201c, erkundigt sich mein Vater.<br \/>\u201eNein, heute nicht. Vielleicht morgen?\u201c, schlage ich vor, bevor mein geliebter Ehemann reagieren kann.<br \/>\u201eIn Ordnung, morgen bei uns. Gegen acht?\u201c<br \/>Wir einigen uns auf acht Uhr, dann gehen wir r\u00fcber in unser Heim. W\u00e4hrend James ein kleines Abendessen zubereitet, bade ich Sandra und bringe sie danach ins Bett.<br \/>Ich ziehe mich aus, stopfe alles in die Schmutzw\u00e4sche und streife ein T-Shirt \u00fcber. James zieht kurz eine Augenbraue hoch, als er das sieht, enth\u00e4lt sich aber eines Kommentars.<br \/>Beim Abendessen schweigen wir uns an. Ab und zu mustert James mich und sieht fast so aus, als wollte er was sagen. Aber nur fast. Ich setze mich danach auf die Couch und mache den Fernseher an. James kommt einige Minuten sp\u00e4ter mit einer Flasche Wein nach, \u00f6ffnet sie routiniert, schenkt in zwei Gl\u00e4ser ein und reicht mir eins, w\u00e4hrend er sich neben mich setzt.<br \/>\u201eWie war dein Auftrag?\u201c<br \/>\u201eEs war kein Auftrag. Ich habe selbst entschieden, den Kerl zu t\u00f6ten.\u201c<br \/>\u201eDann: Wie war deine Entscheidung?\u201c<br \/>Ich betrachte ihn nachdenklich. Da sitze ich im kurzen T-Shirt, die nackten Beine angewinkelt hochgezogen, und der Kerl sitzt v\u00f6llig unger\u00fchrt neben mir.<br \/>\u201eBlutig\u201c, erwidere ich knapp.<br \/>\u201eAlso wie \u00fcblich.\u201c<br \/>\u201eJaaames \u2026\u201c<br \/>\u201eAuf jeden Fall.\u201c Damit bringt er mich zum Lachen, und das wei\u00df er auch genau. Ich proste ihm zu und trinke mein Glas leer. \u201eDas ist Rotwein aus Frankreich!\u201c, ruft er entgeistert.<br \/>\u201eJetzt nicht mehr. Jetzt ist er Rotwein auf dem Weg in meinen Bauch. Hier, schau.\u201c Ich ziehe mein T-Shirt bis zum Kinn hoch und zeige mit dem Finger, wo der Wein hinunterl\u00e4uft. Seine Reaktion w\u00fcrde jeder Steinstatue Ehre machen.<br \/>\u201eJames, was ist los?\u201c<br \/>\u201eIm Moment nichts.\u201c<br \/>\u201eJa, das sehe ich auch. Aber was ist der Grund?\u201c<br \/>\u201eLass uns fernsehen.\u201c<br \/>\u201eJames!\u201c Ich springe w\u00fctend auf und stelle mich zwischen ihn und den Fernseher. \u201eDas ist nicht dein Ernst? Kannst du dich \u00fcberhaupt noch daran erinnern, wann wir das letzte Mal miteinander geschlafen haben?\u201c<br \/>\u201eIst eine Weile her. Schatz, meinst du, ich kriege einen hoch, wenn du mich so anschnauzt?\u201c<br \/>\u201eDann sag mir wenigstens, warum du keinen hochkriegst!\u201c<br \/>\u201eIch wei\u00df es nicht. Postnatale Depression.\u201c<br \/>\u201eWas? Das kriegen die Frauen!\u201c<br \/>\u201eIch habe es f\u00fcr dich \u00fcbernommen.\u201c<br \/>\u201eOkay, du bist also nicht gewillt, dich ernsthaft dar\u00fcber zu unterhalten?\u201c<br \/>\u201eNicht weniger als du.\u201c<br \/>\u201eWie? Was?\u201c<br \/>\u201eDu findest, das, was du tust, kann man als ernsthafte Absicht bezeichnen?\u201c<br \/>\u201eDas ist ja wohl die H\u00f6he! Ich habe dich ganz normal gefragt, was los ist! Erst als du daraufhin fernsehen wolltest, wurde ich laut!\u201c<br \/>\u201eWarum eigentlich?\u201c<br \/>Ich bekomme Schnappatmung und habe Schwierigkeiten, \u00fcberhaupt die passenden Worte zu finden. \u201eDas fragst du noch? Verdammt nochmal, Sandra ist 8 Monate alt, und seit 8 Monaten hatten wir keinen Sex mehr!\u201c<br \/>\u201eDu warst ja auch entweder mit ihr besch\u00e4ftigt oder in g\u00f6ttlicher Mission unterwegs.\u201c<br \/>Ich starre ihn v\u00f6llig entgeistert an. \u201eWas?\u201c<br \/>\u201eSchatz, diese Diskussion ist m\u00fc\u00dfig.\u201c<br \/>\u201eWas? \u00c4h \u2026 Bin ich im falschen Film, oder was? Du hast mir nicht grad ernsthaft vorgeworfen, dass ich mich um unsere Tochter k\u00fcmmere?\u201c<br \/>\u201eDas war kein Vorwurf, lediglich eine Feststellung. Und au\u00dferdem solltest du vielleicht \u2026\u201c<br \/>\u201eSag mal, spinnst du jetzt v\u00f6llig?!\u201c, br\u00fclle ich los.<br \/>\u201e\u2026 nicht so rumschreien, du weckst das Kind.\u201c Womit er recht hat.<br \/>Ich atme ein paarmal tief durch, dann gehe ich nach oben und nehme Sandra auf den Arm. Sie weint ziemlich heftig und ich brauche lange, um sie wieder zu beruhigen.<br \/>Nachdem ich Sandra abgelegt und zugedeckt habe, gehe ich langsam zur Treppe. G\u00f6ttliche Mission? Was f\u00e4llt dem Kerl eigentlich ein?<br \/>Der Kerl steht an der Bar und trinkt etwas, vermutlich Whisky. Er sieht mich nachdenklich an, als ich ins Wohnzimmer komme.<br \/>\u201eSie schl\u00e4ft.\u201c<br \/>James nickt.<br \/>Ich gehe zu ihm. \u201eH\u00f6r zu, es tut mir leid, dass ich grad so ausgeflippt bin.\u201c<br \/>Erneutes Nicken. \u201eIch war wohl nicht sehr \u2026 kooperativ.\u201c<br \/>\u201eAch was. Du wolltest halt fernsehen.\u201c<br \/>Ein Grinsen. Tats\u00e4chlich! Ein. Grinsen!<br \/>Ich lege die H\u00e4nde auf seine breite Brust. \u201eJames, ich liebe dich. Ich \u2026 Verdammt, in g\u00f6ttlicher Mission?\u201c<br \/>Grinsen wird breiter. Unglaublich.<br \/>\u201eTut mir leid, ich wollte dich damit nicht verletzen.\u201c<br \/>\u201eEs geht um das Gleichgewicht.\u201c<br \/>\u201eJa, ich wei\u00df. Ich hoffe, ich st\u00f6re dein Gleichgewicht nicht, sonst wird mein Leben doch recht kurz.\u201c<br \/>\u201eJames? Wenn du glaubst, \u2026\u201c<br \/>\u201eDas war ein Scherz.\u201c<br \/>Ich atme tief durch. \u201eKannst du die bitte ank\u00fcndigen, deine Scherze? Du bringst n\u00e4mlich mein psychisches Gleichgewicht durcheinander. Daf\u00fcr gibt es nicht den Tod, aber \u2026 Und au\u00dferdem, wenn schon Mission, dann Fiona Mission.\u201c<br \/>\u201eOje.\u201c<br \/>\u201eIch h\u00f6r schon auf damit. Gehen wir ins Bett?\u201c<br \/>Das dritte Nicken. Unfassbar.<br \/>W\u00e4hrend James das Badezimmer oben nimmt, gehe ich in das untere. Beim Z\u00e4hneputzen mustere ich mein Gesicht. Es ist immer noch das Gesicht einer 27j\u00e4hrigen Mutter, trotzdem hat sich etwas ver\u00e4ndert. Die Augen. Es ist eine alte Frau, die mich aus diesen Augen anstarrt.<br \/>An diesem Abend schlafen James und ich das erste Mal nach acht Monaten wieder miteinander.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich wie die Geldeintreiber stehen wir bei meinen Eltern auf der Matte. Die ganze Meute. Und nachdem die T\u00fcr aufgegangen ist, schie\u00dft Danny an Nicholas vorbei. Wir finden ihn vor meiner Mutter sitzend wieder, gen\u00fcsslich die Reste der Reste kauend.<br \/>\u201eIch verstehe echt nicht, wieso er noch nicht rollen kann\u201c, bemerke ich grinsend.<br \/>\u201eDanny arbeitet hart, da kann nichts ansetzen\u201c, erkl\u00e4rt meine Mutter. \u201eGib mir mal das Kind.\u201c<br \/>\u201eHier. Aber gib ihm keinen Kaffee.\u201c Ich gehe an die Hausbar und schenke James und mir Whisky ein.<br \/>\u201eWieso darf sie heute keinen Kaffee haben?\u201c, erkundigt sich meine Mutter.<br \/>\u201eWie, was?\u201c<br \/>\u201eDass ich das mal erlebe, ich habe es geschafft, dich reinzulegen!\u201c<br \/>\u201eGar nicht wahr\u201c, murmele ich. \u201eIch wollte dir nur eine Freude machen \u2026\u201c<br \/>Klugerweise geht meine Mutter darauf nicht weiter ein, sondern bittet uns zu Tisch. Sandra beh\u00e4lt sie, was dem T\u00f6chterchen offensichtlich gef\u00e4llt. Schon erstaunlich, wie genau sie schon mit ihren acht Monaten erkennt, wo es die gr\u00f6\u00dften Kuchenst\u00fccke gibt. Und Pommes.<br \/>Nach dem Essen gehe ich nach drau\u00dfen, um zu rauchen. W\u00e4hrend meine Mutter sich um Sandra k\u00fcmmert, unterhalten sich die M\u00e4nner \u00fcber Politik. Ich muss innerlich schmunzeln, wie wenig das Bild der Realit\u00e4t entspricht. Durch meine Arbeit als CEO und als Kriegerin ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich mehr dar\u00fcber wei\u00df, was in dieser Stadt passiert, als die beiden. Aber sie sind halt alte M\u00e4nner und brauchen das.<br \/>Ich werde allerdings hellh\u00f6rig, als ich einen mir unbekannten Namen h\u00f6re. Mein Vater erz\u00e4hlt von einem Pr\u00e4sidentschaftskandidaten, der wie aus dem Nichts aufgetaucht sei. Wieso wei\u00df ich nichts davon? Wie kann jemand f\u00fcr das Amt des Pr\u00e4sidenten kandidieren und ich kenne nicht einmal seinen Namen?<br \/>Ich dr\u00fccke die Zigarette aus und gehe rein.<br \/>\u201eIch habe James gerade von Frost erz\u00e4hlt\u201c, sagt mein Vater.<br \/>\u201eIch habe es geh\u00f6rt. Und wieso wei\u00df ich nichts \u00fcber den?\u201c<br \/>\u201eVielleicht will er nicht als Ungleichgewicht gelten\u201c, sagt James grinsend.<br \/>\u201eBl\u00f6dmann. Wann hast du das erste Mal von dem geh\u00f6rt, Papa?\u201c<br \/>\u201eDas ist gar nicht so lange her. Beim Tennis erz\u00e4hlte mir ein befreundeter Journalist von ihm, da war es ziemlich neu.\u201c<br \/>\u201eHm. Da bin ich ein paar Tage im Irak und schon haben wir einen neuen Kandidaten? Findet ihr das normal?\u201c<br \/>\u201eEs ist durchaus seltsam\u201c, gibt James zu. \u201eWas wei\u00df man denn \u00fcber ihn?\u201c<br \/>\u201eEr hei\u00dft Deal B. Frost\u201c, antwortet mein Vater.<br \/>\u201eDas ist alles?\u201c<br \/>\u201eIm Wesentlichen. Morgen soll es eine gro\u00dfe Pressekonferenz geben, dann will er sich vorstellen.\u201c<br \/>\u201eHm. Sehr ungew\u00f6hnlich.\u201c<br \/>\u201eDa gebe ich dir recht\u201c, sagt mein Vater. \u201eAber es k\u00f6nnte sich auch einfach nur um sehr gutes Marketing handeln.\u201c<br \/>\u201eDie Aufmerksamkeit d\u00fcrfte er sich gesichert haben, ja.\u201c<br \/>Ich mache eine Notiz in meinem Handy, dass ich mir diesen Frost mal anschaue. Ich kann es f\u00f6rmlich riechen, da stimmt etwas nicht. Ob es eine Sache f\u00fcr Krieger ist, das muss sich allerdings erst noch zeigen.<br \/>Ich friere.<\/p>\n<p>Ich frage mich zum tausendsten Mal, warum ich das alles eigentlich tue, w\u00e4hrend ich von meinem Sitzplatz auf dem Gehweg neben dem kleinen Caf\u00e9 in Downhill den Logan-Tower betrachte. Es ist Sp\u00e4tnachmittag. Feierabend. Die Leute aus dem Tower gehen alle nach Hause oder ins Fitness-Center oder ins Kino, vielleicht auch erst shoppen, oder zum Chinesen essen \u2026 Und ich sitze hier und starre das Geb\u00e4ude an.<br \/>Ich f\u00fchre langsam die Tasse mit dem Cappuccino an den Mund und nippe am Schaum. Mit der Zunge wische ich ihn dann von meiner Oberlippe.<br \/>Der Tower wird bewacht. Mich interessiert in erster Linie das zweist\u00f6ckige Penthouse ganz oben, das von Frost bewohnt wird. Unauff\u00e4llig komme ich durch das Geb\u00e4ude da nicht rein, so viel habe ich schon herausgefunden. Selbst von hier unten ist zu erkennen, dass das Penthouse nach innen versetzt gebaut wurde, und das Gel\u00e4nder, das um das Dach herum verl\u00e4uft, l\u00e4sst vermuten, dass da eine Terrasse ist.<br \/>Vern\u00fcnftig w\u00e4re es, einfach nach einem Termin bei Frost zu fragen.<br \/>Aber erstens hasse ich vern\u00fcnftige L\u00f6sungen, und zweitens sagt mir mein Gef\u00fchl, dass ich Frost keine Gelegenheit geben sollte, sich auf meinen Besuch vorzubereiten.<br \/>Ich z\u00fcnde mir eine Zigarette an. Es ist fr\u00fchlingshaft k\u00fchl, vor allem hier in der Stra\u00dfenschlucht. Aber drinnen herrscht Rauchverbot, ganz abgesehen von der fehlenden Aussicht. Und da ich hier drau\u00dfen eh auch von den Autoabgasen vergiftet werde, st\u00f6rt sich niemand daran, dass ich rauche.<br \/>Alle Geb\u00e4ude um den Tower herum sind niedriger. Aber eins davon h\u00f6rt nur zwei Etagen unterhalb der Terrasse des Penthouses auf. F\u00fcr mich kein Problem. Allerdings sollte ich warten, bis es dunkel geworden ist. Frost ist noch bis Mitternacht auf der Pressekonferenz. Was nicht hei\u00dft, dass sein Penthouse unbewacht ist.<\/p>\n<p>Ich fahre nach Hause und mache Abendessen. Danach hole ich Sandra und Danny ab und komme gleichzeitig mit James an der Haust\u00fcr an. Fast dunkel. Beim Abendessen erz\u00e4hle ich James, was ich vorhabe.<br \/>Er mustert mich nachdenklich.<br \/>\u201eWas denn?\u201c<br \/>\u201eNichts. Eigentlich nichts. Ich hatte die Frage auf der Zunge, warum du das machst, aber mir fiel dann ein, dass deine Intuition immer recht beh\u00e4lt. Also sag ich lieber nichts.\u201c<br \/>\u201eIch w\u00fcsste eh keine gute Antwort. Ich wei\u00df nur, dass ich ein beschissenes Gef\u00fchl habe, wenn ich an diesen Kerl denke. Alles an dem ist seltsam, und ich verstehe nicht, wieso das niemand merkt.\u201c<br \/>\u201eWas sollte denn wer tun? Ich meine, du tust doch was. Und vielleicht sind auch andere aktiv, werden das aber wohl kaum \u00f6ffentlich tun.\u201c<br \/>\u201eDeine ehemaligen Kollegen? Ja, gut m\u00f6glich.\u201c Ich betrachte l\u00e4chelnd Sandra, die das Essen von ihrem Teller entfernt hat. \u00dcberallhin. Au\u00dfer in ihren Mund. Eigentlich bin ich doof, ihr \u00fcberhaupt etwas zu geben, nachdem sie den ganzen Tag bei meinen Eltern verbracht hat. Sie kann einfach keinen Hunger haben, mindestens bis morgen Abend.<br \/>\u201eDu siehst m\u00fcde aus\u201c, stellt James fest.<br \/>\u201eIch bin auch m\u00fcde. Was gar nicht sein d\u00fcrfte.\u201c<br \/>\u201eDie M\u00fcdigkeit hat nichts mit deinem K\u00f6rper zu tun.\u201c Der oberschlaue James. Ich schenke auch ihm ein L\u00e4cheln.<br \/>\u201eIst mir auch klar, mein Lieber. Vielleicht passiert das irgendwann, wenn man st\u00e4ndig t\u00f6tet.\u201c<br \/>\u201eOh. Hast du so viel get\u00f6tet?\u201c<br \/>\u201eZu viel. Zumindest habe ich manchmal das Gef\u00fchl. Dabei sind es keine, die es nicht herausgefordert h\u00e4tten. Na ja, Jammern auf hohem Niveau.\u201c<br \/>\u201eWillst du kein Engel mehr sein?\u201c James grinst.<br \/>\u201eIch? Engel?\u201c Ich zeige ihm, wie ich ein Engel sein will. Allerdings erst, nachdem wir Sandra gebadet und ins Bett gebracht haben.<\/p>\n<p>Danach geht James an seinen Computer, ich arbeiten. Passend angezogen fahre ich wieder nach Downhill und parke den Wagen in einer dunklen Seitenstra\u00dfe. In dem Haus neben dem Tower befinden sich Luxusappartements. Ich dr\u00fccke wahllos mehrere Klingeln und habe Gl\u00fcck, denn der Summer ert\u00f6nt. Nach kurzem \u00dcberlegen nehme ich die Treppe statt des Aufzugs. Keuchend komme ich oben an. 30 Stockwerke merke selbst ich mit meiner Kondition.<br \/>Vom Dach aus erkunde ich die Umgebung und die M\u00f6glichkeiten, auf die Terrasse des Penthouses zu gelangen. Springen ist eine echte Alternative. Es sind etwa zehn H\u00f6henmeter, f\u00fcr mich kein Problem, f\u00fcr normale Menschen ohne Hilfsmittel un\u00fcberwindbar.<br \/>Ich ziehe Handschuhe an, denn es ist nicht n\u00f6tig, dass Ben mich wegen Einbruchs verhaften muss. Kurz denke ich dar\u00fcber nach, wie wahrscheinlich eine Kamera\u00fcberwachung der Terrasse sein d\u00fcrfte. Sehr wahrscheinlich. Also streife ich die Kapuze \u00fcber und ziehe sie tief ins Gesicht.<br \/>Die Terrasse ist mit glatten Fliesen ausgelegt, das Penthouse v\u00f6llig dunkel. Niemand da. Oder gut getarnt. Ich gehe einmal ganz herum, finde die hochwertigen Terrassenm\u00f6bel aus Teakholz, aber keine M\u00f6glichkeit, ohne Gewaltanwendung nach drinnen zu gelangen.<br \/>Ich denke nach. Genaugenommen gibt es keinen rationalen Grund f\u00fcr das, was ich hier tue. Ich sollte einfach wieder nach Hause fahren. Politik zu machen ist weder verboten noch strafbar, leider. Jedenfalls aus der Perspektive des Gleichgewichts habe ich keine Veranlassung, mich mit Frost zu befassen. Dennoch, da ist dieses bohrende Gef\u00fchl irgendwo tief im Bauch, tief in den Eingeweiden, das mir keine Ruhe l\u00e4sst.<br \/>Etwas stimmt nicht.<br \/>Es ist nicht so offensichtlich wie katzenjagende M\u00e4use, aber ich sp\u00fcre es trotzdem deutlich. Ich beschlie\u00dfe, meine recht rudiment\u00e4ren magischen F\u00e4higkeiten einzusetzen, um die T\u00fcr zerst\u00f6rungsfrei zu \u00f6ffnen. Zumindest will ich es versuchen. Wenn es nicht klappt, w\u00e4re dies halt das Zeichen daf\u00fcr, dass ich wieder nach Hause fahren kann.<br \/>Dann wird mir klar, wieso es keine \u00dcberwachungskameras gibt, wieso kein Alarm losging \u2013 und wieso mein Bauch sich so eindr\u00fccklich gemeldet hat.<br \/>Das Wesen ist pl\u00f6tzlich da. Das ist erschreckend, denn selbst wenn ich besch\u00e4ftigt und abgelenkt bin, so bekomme ich dennoch mittlerweile ziemlich gut mit, was um mich herum geschieht. Doch dieses in einen dunklen Umhang geh\u00fcllte Wesen schafft es, mich zu \u00fcberraschen. Genau wie der D\u00e4mon damals vor Nasnats Haus.<br \/>Als das Wesen sich n\u00e4hert, erkenne ich, dass es nicht derselbe D\u00e4mon ist. Er ist kleiner und wirkt dennoch bedrohlicher. Eine be\u00e4ngstigend starke Aura umgibt ihn.<br \/>\u201eWomit bezahlt Frost einen D\u00e4mon?\u201c, erkundige ich mich, gleichzeitig meine H\u00e4nde zu F\u00e4usten spannend.<br \/>\u201eDie falsche Frage\u201c, erwidert er mit einer derart tiefen Stimme, dass ich M\u00fche habe, die einzelnen W\u00f6rter zu verstehen.<br \/>\u201eWas ist denn die richtige?\u201c<br \/>\u201eDu darfst sie aus der Antwort erraten.\u201c Und die kommt sofort. Schraubstockartig schlie\u00dfen sich seine Finger, oder was auch immer er dahat, um meinen Hals und heben mich m\u00fchelos in die H\u00f6he. Ich packe seinen Unterarm und stelle erschrocken fest, dass er sich wie aus Stahl anf\u00fchlt. Sein harter Griff l\u00e4sst mein Genick knacken. Ich sollte ziemlich schnell etwas tun, was mich aus dieser \u00e4u\u00dferst misslichen Lage befreit.<br \/>Ich trete fest dorthin, wo Menschen und \u00e4hnliche Wesen empfindliche Stellen zu haben pflegen. Dieses hier zuckt sogar zusammen und dr\u00fcckt dann noch fester zu. Ich brauche ganz dringend eine sehr gute L\u00f6sung.<br \/>Ich ziehe beide Beine hoch und stemme sie gegen seinen Brustkorb. Nicht einmal ein Flusspferd k\u00f6nnte davon unbeeindruckt bleiben, ich bin schlie\u00dflich eine Kriegerin. Tats\u00e4chlich schaffe ich es, seinen Arm l\u00e4nger werden zu lassen.<br \/>Doch die Freude w\u00e4hrt nicht lange, denn pl\u00f6tzlich f\u00e4hrt er herum und schleudert mich gegen die gepanzerte Glaswand des Penthouses. Die Begegnung ist laut und ziemlich schmerzhaft. Wenn alle Knochen heil geblieben sind, dann habe ich riesiges Gl\u00fcck gehabt.<br \/>Der D\u00e4mon g\u00f6nnt mir nicht einmal so viel Zeit, dass ich herausfinden kann, ob ich \u00fcberhaupt noch lebe, und rei\u00dft mich wieder am Hals in die H\u00f6he.<br \/>\u201eVerabschiede dich\u201c, sagt er.<br \/>\u201eFick dich!\u201c, presse ich zwischen seinen Klauen hervor. \u201eIch bin eine Kriegerin, ich komme wieder!\u201c<br \/>\u201eNicht, wenn ich dich endg\u00fcltig t\u00f6te\u201c, erwidert das Ding und ich h\u00f6re so was wie Belustigung aus dem tiefen Brummen heraus.<br \/>\u201eDu h\u00e4ltst dich wohl f\u00fcr Gott \u2026\u201c<br \/>\u201eKleines M\u00e4dchen, wie ahnungslos du doch eigentlich bist.\u201c<br \/>Ich mag keine Beleidigungen. Und als kleines M\u00e4dchen bezeichnet zu werden, ist so ziemlich die schlimmste Beleidigung, die man mir antun kann. Wutentbrannt beginne ich ihn zu schlagen und zu treten und zu kratzen, doch genauso k\u00f6nnte ich irgendeine Statue schlagen und treten und kratzen.<br \/>Bis ihn ein Tornado von der Seite einfach umweht. Und mich mit. Ich lande hart und schlage mit dem Kopf gegen die Fliesen, was ziemlich schmerzhaft ist. Ich schmecke Blut und finde, dass es einfach keinen Sinn hat.<br \/>Ich schlie\u00dfe die Augen.<br \/>Genie\u00dfe die Stille, die nicht lange w\u00e4hrt. Schritte n\u00e4hern sich. Der D\u00e4mon kommt also, um sein Werk zu vollenden. Was ihn auch umgeweht haben mag, so m\u00e4chtig, wie der D\u00e4mon ist, wird niemand, den ich kenne, mit ihm fertig.<br \/>\u201eFiona!\u201c<br \/>Ich rei\u00dfe die Augen auf und starre die Frau an, die sich \u00fcber mich beugt.<br \/>\u201eKatharina!\u201c<br \/>Sie atmet laut aus und l\u00e4sst sich neben mich sinken. \u201eJetzt bin ich ganz sch\u00f6n erleichtert.\u201c<br \/>\u201eKatharina?\u201c<br \/>\u201eDu hast ganz sch\u00f6n Gl\u00fcck gehabt, dass ich im richtigen Moment ankam.\u201c<br \/>Ich sehe sie an. Sie ist es wirklich. Katharina. Die Frau, die ich mehr liebe als alles andere auf der Welt. Sie sitzt neben mir, ganz nah, und eigentlich doch unerreichbar weit weg.<br \/>\u201eWieso \u2026 wieso bist du \u00fcberhaupt hier?\u201c<br \/>\u201eUnd du?\u201c<br \/>Eine gute Frage. Ich setze mich langsam auf, eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit. Vielleicht sind doch einige Knochen gebrochen. Ich habe immer noch den Geschmack von Salz und Eisen im Mund.<br \/>\u201eIch wollte mir Frost ansehen.\u201c<br \/>Katharina nickt. \u201eIch auch.\u201c<br \/>\u201eDu auch? Warum?\u201c<br \/>Sie schaut mich an, wie ich sonst jemanden anschaue, mit dem ich Mitleid habe aufgrund seiner eingeschr\u00e4nkten geistigen F\u00e4higkeiten. \u201eWeil ich ihn bewundere. Und ich glaube, du hast eine Gehirnersch\u00fctterung. Kann das sein?\u201c<br \/>Ich betaste meinen maltr\u00e4tierten Kopf und stelle dabei fest, dass in meinem Gesicht jede Menge Blut verteilt ist. \u201eNein, glaube ich nicht. Es hat zwar ordentlich gekracht, aber ich kann noch geradeaus denken.\u201c<br \/>\u201eGeradeaus denken?\u201c Katharina lacht. \u201eDu hast immer noch eine manchmal herrlich schr\u00e4ge Ausdrucksweise.\u201c<br \/>\u201eDie stirbt zuletzt. \u2013 Mal ehrlich, warum wolltest du dir Frost anschauen?\u201c<br \/>\u201eIch will es immer noch, Sch\u00e4tzchen. Vermutlich aus demselben Grund wie du. Da taucht ein Pr\u00e4sidentschaftskandidat aus heiterem Himmel auf und tut so, als w\u00e4re das v\u00f6llig normal. Soweit ich mitbekommen habe, stellt er das als Marketinggag dar.\u201c<br \/>\u201eDu warst auf der Pressekonferenz?\u201c<br \/>\u201eDie l\u00e4uft noch. Ich habe meine Leute da, die mich informieren.\u201c<br \/>\u201eAch ja, ich verga\u00df.\u201c Ich erhebe mich st\u00f6hnend.<br \/>\u201eWo willst du hin?\u201c, erkundigt sich Katharina und steht ebenfalls auf.<br \/>\u201eKeine Ahnung. Irgendwohin. Sag mal, kanntest du den Typen eigentlich?\u201c<br \/>Ihr Gesichtsausdruck verd\u00fcstert sich. \u201eOh ja. Das war Sorned, ein Krumana-D\u00e4mon.\u201c<br \/>\u201eWas f\u00fcr ein Hasta Ma\u00f1ana?\u201c<br \/>\u201eKrumana. Weder Hasta Ma\u00f1ana noch Cro-Magnon, obwohl Letzteres eher passen w\u00fcrde. Krumana war ein m\u00e4chtiger Zauberer, der vor ungef\u00e4hr 12.000 Jahren gelebt und gewirkt hat. Er erschuf eine ganze Armee von sehr starken Kampfd\u00e4monen, die Krumana-D\u00e4monen. Die meisten von ihnen existieren nicht mehr. Sorned ist einer von ihnen. Und er kann unangenehm werden.\u201c<br \/>\u201eDas hast du nett ausgedr\u00fcckt. Meine Tritte haben ihn weniger beeindruckt als mich M\u00fcckenstiche!\u201c<br \/>\u201eWie ich schon sagte, sehr starke Kampfd\u00e4monen.\u201c<br \/>\u201eWoher kennst du ihn \u00fcberhaupt?\u201c<br \/>Katharinas Mundwinkel zuckt. Ein verr\u00e4terisches Zeichen.<br \/>\u201eEin Geheimnis?\u201c<br \/>Sie winkt ab. \u201eWir hatten mal \u2026 eine Beziehung.\u201c<br \/>\u201eWas?\u201c Ich starre sie entgeistert an. \u201eDu? Mit? Diesem? Ding?\u201c<br \/>\u201eLange her\u201c, sagt sie seufzend. \u201eAu\u00dferdem kann er auch nett sein. Manchmal zumindest. Und auch nicht zu allen.\u201c<br \/>\u201eWo ist er eigentlich?\u201c<br \/>\u201eFort. Als er mich erkannt hat, ist er abgehauen. Zum Gl\u00fcck, denn ich wei\u00df nicht, ob ich mit ihm fertiggeworden w\u00e4re.\u201c<br \/>\u201eOkay. Katharina, es hat sich eine Menge ge\u00e4ndert. Ich wei\u00df jetzt viel mehr, was es bedeutet, eine Kriegerin zu sein. Ich bin inzwischen oft gestorben und ich mache Dinge, die ich mir fr\u00fcher nicht einmal in meinen wildesten Tr\u00e4umen h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen. Dieser D\u00e4mon hat mich geschockt, denn er holte mich zur\u00fcck auf den Boden der Tatsachen. Ich habe ernsthaft geglaubt, dass ich m\u00e4chtig genug bin, zumindest chancengleich mit anderen, magischen Wesen zu sein.\u201c<br \/>\u201eBist du ja auch.\u201c<br \/>\u201eKlar. Ich habe das grad blo\u00df getr\u00e4umt.\u201c<br \/>\u201eSorned ist absolut kein Ma\u00dfstab. Er wurde geschaffen, um zu vernichten.\u201c<br \/>\u201eUnd Krieger wurden geschaffen, um das Gleichgewicht zu bewahren. Bisschen schwierig, wenn die Waage so sehr in die andere Richtung kippt.\u201c<br \/>\u201eOh Lady, so kenne ich dich ja gar nicht.\u201c<br \/>\u201eWie schon gesagt, es hat sich eine Menge ge\u00e4ndert. Mich interessiert jetzt vor allem, wie wir diesen Wahnsinnigen stoppen k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\u201eIch habe das ja auch schon einmal geschafft. Gut, ich hatte dabei Hilfe von einer Hexe. Aber ich habe es geschafft. Er ist also nicht unbesiegbar.\u201c<br \/>\u201eWas hast du mit ihm gemacht?\u201c<br \/>\u201eWir haben ihn eingesperrt. Verbannt. In das Gef\u00e4ngnis des Vergessens.\u201c<br \/>\u201eDavon habe ich schon mal geh\u00f6rt\u201c, bemerke ich. \u201eAlso sch\u00f6n. Du hast Sorned irgendwann mal sozusagen eingesperrt. Anscheinend hatte das Schloss dieses Gef\u00e4ngnisses aber ein Verfallsdatum.\u201c<br \/>Ein angedeutetes Grinsen schleicht sich auf Katharinas Gesicht. \u201eDeine Art, deinen Zynismus in die unm\u00f6glichsten Vergleiche zu packen, ist einfach herrlich. So wie es aussieht, hat ihn jemand befreit. M\u00f6glicherweise dient er diesem Jemand als Gegenleistung, was bedeutet, dieser Frost ist mehr als eigenartig.\u201c<br \/>\u201eDas ist er auf jeden Fall. Hast du eine Idee, wer es gewesen sein k\u00f6nnte?\u201c<br \/>Sie sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eLeider nein. Normalerweise w\u00fcrde ich jetzt Nasnat fragen, aber \u2026\u201c<br \/>\u201e\u2026 aber den habe ich sozusagen aus der Stadt vertrieben\u201c, erg\u00e4nze ich verkniffen.<br \/>\u201eSo ungef\u00e4hr.\u201c<br \/>\u201eAlso, was jetzt?\u201c<br \/>\u201eJetzt fragen wir halt jemand anderen.\u201c<br \/>\u201eWen?\u201c<br \/>\u201eDas ist eine \u00dcberraschung. Fahren wir mit einem Auto oder mit beiden?\u201c<br \/>\u201eMit beiden\u201c, antworte ich nach kurzem Z\u00f6gern. \u201eIch fahre dir hinterher.\u201c<br \/>\u201eIn Ordnung. Wo stehst du?\u201c<br \/>\u201eIrgendwo da unten. Und du?\u201c<br \/>\u201eIch auch\u201c, erwidert sie mit einem leicht verkniffenen L\u00e4cheln. \u201eDann geh einfach vor, okay?\u201c<br \/>Ich nicke. Es wird eh Zeit, hier zu verschwinden. Ich laufe los und springe m\u00fchelos nach unten, ohne mir etwas zu brechen. Fl\u00fcchtig schie\u00dft mir der Gedanke durch den Kopf, dass es irgendwie schon auch Spa\u00df macht, egal wie viel Schei\u00dfe dabei passiert.<br \/>Und ich bin mit Katharina zusammen.<\/p>\n<p>Das Objekt meiner Begierde nutzt eine Parkl\u00fccke, in die ihr Auto eigentlich gar nicht reinpassen d\u00fcrfte. Aber Katharina schafft es wider die Natur, ihr Auto in diese L\u00fccke zu man\u00f6vrieren. Ich suche mir derweil grummelnd eine andere Parkgelegenheit und laufe die 50 Meter zur\u00fcck zu ihr, nachdem ich im Auto halbwegs mein Gesicht wieder gesellschaftsf\u00e4hig gemacht habe.<br \/>Sie wartet grinsend gegen ihren Ferrari gelehnt.<br \/>\u201eEin sehr unauff\u00e4lliges Auto in dieser Gegend\u201c, bemerke ich.<br \/>\u201eDefinitiv. Komm.\u201c<br \/>\u201eWohin?\u201c<br \/>Statt einer Antwort nimmt sie mich an der Hand, was meine Knie schlagartig weich werden l\u00e4sst. Sehr weich. Ich erinnere mich daran, was diese Hand so alles mit mir anstellen kann. Verdammt, wieso bleibt sie dabei so unnahbar? Erinnert sie sich an gar nichts?<br \/>Zum Gl\u00fcck werde ich durch die Ereignisse abgelenkt. Katharina f\u00fchrt mich in eine Bar, \u00fcber deren Eingangst\u00fcr der Name \u201cCat\u00b4s Meow\u201c prangt. Entf\u00fchrt sie mich jetzt in eine Lesbenbar??<br \/>Meine Entt\u00e4uschung h\u00e4lt sich in Grenzen, nachdem mir klar wird, dass es ein ganz normaler Pub ist. Mehr oder weniger normal. Es muss schlie\u00dflich einen Grund daf\u00fcr geben, warum Katharina mich ausgerechnet hierher gef\u00fchrt hat. Und irgendwann werde ich ihn auch erfahren. Vielleicht.<br \/>Katharina steuert zielgerichtet auf die Theke zu und schwingt sich auf einen der wenigen Hocker. Ich auf einen direkt daneben.<br \/>Dann mustere ich die Leute. Rechts von uns zwei M\u00e4nner, denen ich nicht im Dunkeln begegnen wollen w\u00fcrde, w\u00e4re ich eine ganz normale Mutter mit kleinem Kind. Und der Rest der G\u00e4ste wirkt auch nicht vertrauenserweckender.<br \/>Am normalsten scheint mir noch die Barfrau zu sein.<br \/>\u201eWas wollt ihr trinken?\u201c, erkundigt sie sich.<br \/>\u201eHi Elaine\u201c, sagt Katharina grinsend. \u201eIch liebe dich auch, aber das wei\u00dft du ja.\u201c<br \/>H\u00e4? Ich mustere die Braunhaarige, die ihre Augen verdreht. Katharina scheint Geheimnisse zu haben, von denen ich nicht sicher wei\u00df, ob ich sie kennen m\u00f6chte.<br \/>\u201eSo ganz sicher war ich mir dessen nicht\u201c, erwidert Elaine. Eigentlich ist sie ziemlich h\u00fcbsch, stelle ich fest. \u201eTut wenigstens so, als wolltet ihr was trinken.\u201c<br \/>\u201eKlar. Ich nehme einen Scotch.\u201c<br \/>\u201eMartini. Pur.\u201c Ich schenke der jungen Frau ein L\u00e4cheln. Sie mustert mich kurz, dann geht sie.<br \/>Ich beuge mich r\u00fcber zu Katharina. \u201eWas wollen wir hier?\u201c<br \/>\u201eDas ist meine Schwester\u201c, erkl\u00e4rt Katharina. \u201eSie kann uns vielleicht helfen.\u201c<br \/>Es dauert einen Moment, bis ich schalte. \u201eDeine Schwester? Aber \u2026 ich meine \u2026\u201c<br \/>\u201eMeine Halbschwester, um genau zu sein. Selber Vater, unterschiedliche M\u00fctter.\u201c<br \/>\u201eOh.\u201c Das muss ich erst einmal verdauen. \u201eDu hast Geschwister?\u201c<br \/>\u201eAuf jeden Fall eine Schwester, ja. Mein Vater war vermutlich nicht sparsam mit seinem Samen.\u201c<br \/>Ich suche mit dem Blick Elaine. Sie unterh\u00e4lt sich mit einem Gast, scheint aber etwas zu sp\u00fcren und schaut in meine Richtung. Sie deutet ein L\u00e4cheln an. Mit Katharina hat sie \u00fcberhaupt keine \u00c4hnlichkeit, dennoch sp\u00fcre ich dieselbe Macht in ihr.<br \/>Ich wende mich wieder ab.<br \/>\u201eUnd wieso kann sie uns vielleicht helfen?\u201c, erkundige ich mich.<br \/>\u201eNa ja, wer wei\u00df immer alles, abgesehen vom Postboten?\u201c<br \/>\u201eFriseure.\u201c<br \/>\u201eStimmt, die auch.\u201c Sie lacht. \u201eUnd wer noch?\u201c<br \/>\u201ePriester!\u201c<br \/>\u201eGut, sehr gut. Du machst es also spannend, liebe Fiona.\u201c Musste sie das jetzt sagen? Liebe Fiona? Wie h\u00f6rt sich das denn an? So nennt vielleicht eine Lehrerin die etwas minderbemittelte Sch\u00fclerin. Verdammt!<br \/>\u201eFiona?\u201c<br \/>\u201eIch \u2026 nicht so wichtig. Also sch\u00f6n, eine Frau, die eine Bar f\u00fchrt, noch dazu eine Art Hexe, oder meinetwegen ein D\u00e4mon, wei\u00df auch ziemlich viel. Vielleicht sogar alles.\u201c<br \/>Katharina mustert mich nachdenklich. Dann erwidert sie: \u201eGenau. Elaine wei\u00df alles. Was sie nicht wei\u00df, wei\u00df niemand.\u201c<br \/>\u201eKlingt doch super. Als Kriegerin kann ich dann die Liquidation von Frost beschlie\u00dfen.\u201c<br \/>\u201eDu willst ihn liquidieren? Warum?\u201c<br \/>\u201eWie, warum? Sein Penthouse wird von einem Dingsbumskampfd\u00e4mon bewacht.\u201c<br \/>\u201eKrumana-D\u00e4mon. Diese Tatsache allein stellt ja wohl kaum eine St\u00f6rung des Gleichgewichts dar.\u201c<br \/>\u201eAber die Idee dahinter mit hoher Wahrscheinlichkeit.\u201c<br \/>\u201eMehr als eine Vermutung ist das aber nicht. Reicht dir das wirklich f\u00fcr eine solche Entscheidung?\u201c<br \/>\u201eIch wei\u00df es nicht.\u201c Elaine bringt uns die Getr\u00e4nke. Ich nehme mein Glas und spiele damit herum. Sie bleibt bei uns stehen. \u201eIhr wollt zu mir?\u201c<br \/>\u201e\u00dcberrascht dich das?\u201c, erkundigt sich Katharina.<br \/>Elaine zuckt die Achseln. \u201eSo oft schaust du hier ja nicht vorbei.\u201c<br \/>\u201eAlle 10 Jahre, das ist nicht selten!\u201c<br \/>Jetzt lacht sie, die Schwester. \u201eAlso gut, kommt, setzen wir uns da r\u00fcber, da haben wir etwas mehr Ruhe.\u201c<br \/>Ich nehme mein Glas und folge den Schwestern in eine halbwegs stille Ecke mit Eckbank. Katharina setzt sich genau in die Ecke und schaut mich provozierend an. Ich beschlie\u00dfe, dass sie sich noch an alles erinnert und setze mich neben sie.<br \/>Elaine mustert mich neugierig. \u201eWas l\u00e4uft da zwischen euch?\u201c<br \/>\u201eNichts. Wir sind befreundet, jagen b\u00f6se Vampire, Werw\u00f6lfe und Au\u00dferirdische gemeinsam und jetzt einen Dingsbumsd\u00e4mon.\u201c<br \/>\u201eKrumana-D\u00e4mon\u201c, sagt Katharina hilfsbereit.<br \/>\u201eMeinetwegen. Das ist alles. Oder, Katharina?\u201c<br \/>Ich halte den Atem an. Es ist, als h\u00e4tte pl\u00f6tzlich jemand die Zeit angehalten. Langsam wende ich den Kopf Katharina zu, die meinen Blick d\u00fcster erwidert. Dann nickt sie langsam. \u201eJa, das ist alles.\u201c<br \/>\u201eZumindest beim L\u00fcgen seid ihr ein Team\u201c, stellt Elaine grinsend fest. \u201eCheers!\u201c<br \/>Ich nippe an meinem Martini. Hoffentlich ist sie einfach nur als Katharinas Schwester so mit deren Mimik vertraut, dass sie die L\u00fcge sofort durchschaut. Ich m\u00f6chte nicht, dass alle uns das sofort ansehen.<br \/>\u201eDu k\u00f6nntest jeden L\u00fcgen-Detektor ersetzen, nicht wahr?\u201c, bemerkt Katharina l\u00e4chelnd. \u201eDoch wir sind wegen einer anderen F\u00e4higkeit von dir hier.\u201c<br \/>\u201eIch habe keine F\u00e4higkeiten\u201c, erwidert Elaine.<br \/>\u201eNicht? Schwesterherz, ich liebe dich auch.\u201c<br \/>\u201eAch, ist das so?\u201c Elaine beugt sich vor. \u201eKatharina, ich betreibe hier eine Bar, weil ich meine Ruhe haben will.\u201c<br \/>\u201eAch, ist das so? Ich kann mich noch erinnern, was du getan hast, als du wirklich deine Ruhe haben wolltest.\u201c<br \/>Elaine kaut auf ihrer Unterlippe herum. \u201eAlso sch\u00f6n, vielleicht erfahre ich Manches. Aber ich halte mich aus allem raus. Ich habe viel zu viele sterben sehen.\u201c<br \/>\u201eDas geht nicht nur dir so. Fiona ist eine Kriegerin.\u201c<br \/>\u201eJa, das sp\u00fcre ich.\u201c<br \/>\u201eUnd sie ist die m\u00e4chtigste Kriegerin, der ich je begegnet bin.\u201c<br \/>Elaine mustert mich nachdenklich. \u201eJa, das kann sein.\u201c<br \/>\u201eVielleicht werden wir ihre F\u00e4higkeiten brauchen, damit wir nicht noch viel mehr Wesen sterben sehen als jemals zuvor.\u201c<br \/>Elaine und ich starren sie an. \u201eGibt es etwas, was ich wissen sollte?\u201c, erkundige ich mich.<br \/>\u201eNichts Konkretes. Nennt es Intuition. So vieles, was sich ver\u00e4ndert hat. Der Krumana-D\u00e4mon ist nur eine Sache von vielen. Er d\u00fcrfte nicht hier sein. Elaine, wenn du etwas wei\u00dft, solltest du es uns sagen.\u201c<br \/>Elaine lehnt sich zur\u00fcck. Ihre Hand spielt mit ihrem Glas. Dann sch\u00fcttelt sie den Kopf. \u201eNein, mir ist nichts bekannt. Aber ich gebe dir recht, etwas liegt m\u00f6glicherweise in der Luft. Und das Auftauchen eines Krumana-D\u00e4mons ist definitiv ein schlechtes Zeichen. Alles, was in letzter Zeit ungew\u00f6hnlich war, ist eine Werwolf-Gruppe, die immer st\u00e4rker wird.\u201c<br \/>\u201eWerwolf-Gruppe?\u201c, wiederhole ich.<br \/>Elaine l\u00e4chelt. \u201eNazis.\u201c<br \/>\u201eOh. Die sind fast so schlimm wie echte Werw\u00f6lfe.\u201c<br \/>\u201eSchlimmer. Werw\u00f6lfe handeln intuitiv, fast instinktiv. Nazis sind einfach nur b\u00f6se.\u201c<br \/>\u201eB\u00f6se? Ein D\u00e4mon sagt, Nazis sind b\u00f6se? Entschuldige, ich will nicht darauf anspielen, dass du ein D\u00e4mon bist, das wei\u00df ich besser. Aber hast du nicht ganz andere Dinge gesehen als Nazis, die man b\u00f6se nennen k\u00f6nnte? Falls es so was wie Gut und B\u00f6se g\u00e4be?\u201c<br \/>\u201eWenig von dem, was ich gesehen habe, kann es mit den Nazis aufnehmen\u201c, erwidert Elaine. \u201eIch habe die gesamte Nazizeit erlebt, ich ging nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland, der Liebe wegen. Ich habe erlebt, wie eine Familie an dieser Last kaputtging. Und ich habe gesehen, wie Geschwister sich gegenseitig t\u00f6teten, indem sie sich verrieten. Nat\u00fcrlich sind nicht die Nazis selbst b\u00f6se, es sind Menschen wie wir alle. Ihre Gef\u00fchle werden dunkel und lassen sie Dinge machen, die b\u00f6se sind. Sehr b\u00f6se. Und ja, ich wei\u00df, es gibt keinen Gott und der Teufel ist nur ein armer Irrer, der glaubt, den Statthalter \u00e4rgern zu m\u00fcssen. Aber auch diese Schei\u00dfwelt, in der wir verk\u00f6rperlicht leben, ist ein Teil der Welt, mit allem, was dazu geh\u00f6rt. Und glaub mir, Moral ist keine Erfindung der Gefrorenen Welt. Ganz im Gegenteil.\u201c<br \/>\u201eWow\u201c, sagt Katharina nur.<br \/>\u201eIch wei\u00df von alldem noch nicht wirklich viel\u201c, sage ich langsam. \u201eUnd Moral ist mir sogar sehr wichtig \u2026\u201c<br \/>\u201eWie wahr\u201c, stellt Katharina fest.<br \/>\u201e\u2026 aber glaubst du wirklich, die Nazis haben noch die Macht, die Welt erneut in Dunkelheit zu st\u00fcrzen?\u201c<br \/>\u201eOh ja\u201c, erwidert Elaine d\u00fcster. \u201eDoch du hast wohl recht, das ist nichts, was eine Kriegerin richten muss.\u201c<br \/>\u201eKommt darauf an.\u201c Ich lehne mich gegen die Wand hinter mir und trinke mein Glas leer. \u201eDoch im Moment interessiert mich tats\u00e4chlich ein Dingsbumsd\u00e4mon mehr. Ja, ich wei\u00df, Krumana-D\u00e4mon.\u201c<br \/>Katharina applaudiert.<br \/>\u201eDas verstehe ich.\u201c Elaine nickt. \u201eAber da kann ich euch nicht helfen.\u201c<br \/>\u201eSchade. Sagst du uns Bescheid, wenn du was h\u00f6rst?\u201c<br \/>\u201eKlar.\u201c<br \/>\u201eGut. Ich k\u00f6nnte Ben wegen der Werw\u00f6lfe ansprechen. Er ist Lieutenant bei der Polizei. Ich vertraue ihm.\u201c<br \/>\u201eEine gute Idee. Wenn du willst, kannst du ihn zu mir schicken. Allein. Ich habe mich daran gew\u00f6hnt, nicht auf der Flucht zu sein.\u201c<br \/>\u201eSicher. Er wei\u00df \u00fcbrigens, was ich bin. Wir \u2026 wir hatten einige gemeinsame Erlebnisse.\u201c<br \/>\u201eAch?\u201c Katharina schaut mich fragend an.<br \/>\u201eErz\u00e4hle ich dir bei Gelegenheit. Was schulde ich dir f\u00fcr die Drinks, Elaine?\u201c<br \/>\u201eNichts. Geht aufs Haus.\u201c<br \/>\u201eDanke. Bleibst du noch, Katharina?\u201c<br \/>Sie nickt. \u201eDas hei\u00dft, nur wenn Elaine nicht zu besch\u00e4ftigt ist. Willst du den D\u00e4mon suchen?\u201c<br \/>\u201eJa, aber nicht heute. Oder meinst du, es ist so dringend?\u201c<br \/>Katharina sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eHeute w\u00fcrden wir ihn eh nicht mehr finden. Und du brauchst vermutlich etwas Pflege.\u201c<br \/>\u201eVor allem seelische\u201c, erwidere ich finster.<br \/>\u201eGut. Treffen wir uns morgen, um Mitternacht? Wir k\u00f6nnten ein paar Orte abklappern, wo sich ein D\u00e4mon aufhalten k\u00f6nnte.\u201c<br \/>\u201eOkay. Holst du mich ab?\u201c<br \/>Sie l\u00e4chelt ansatzweise. \u201eSicher. Bis morgen, Fiona.\u201c<br \/>Ich winke ihnen zu. Im Auto verliere ich die Beherrschung und heule mich aus. Es kostet mich mehr als ein Papiertuch, bis ich wieder halbwegs wie ein Mensch aussehe.<br \/>Diese verfluchten Gef\u00fchle. Wie ich sie hasse!<\/p>\n\n<div aria-hidden=\"true\"><a href=\"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fiona_Sturzflug_gestoppt_Bd5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2365 size-medium\" src=\"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fiona_Sturzflug_gestoppt_Bd5-300x300.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fiona_Sturzflug_gestoppt_Bd5-300x300.png 300w, https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fiona_Sturzflug_gestoppt_Bd5-150x150.png 150w, https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fiona_Sturzflug_gestoppt_Bd5-768x768.png 768w, https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fiona_Sturzflug_gestoppt_Bd5.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch wurde hingerichtet.Ich wei\u00df, was Sie jetzt denken. 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