{"id":312,"date":"2020-08-10T17:48:02","date_gmt":"2020-08-10T15:48:02","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=312"},"modified":"2021-09-08T09:18:43","modified_gmt":"2021-09-08T07:18:43","slug":"leseprobe-fiona-gefuehle-kristallwelten-saga-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/leseprobe-fiona-gefuehle-kristallwelten-saga-3\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Fiona &#8211; Gef\u00fchle (Kristallwelten-Saga 3)"},"content":{"rendered":"<p>Was zum Teufel tue ich hier \u00fcberhaupt? Zu Hause warten James und Danny, und ich stehe hier vor einer Bank herum. Ein paar Meter weiter kotzt sich ein Polizist aus.<br \/>\nDie Sonne scheint, ein herrlicher Sp\u00e4tfr\u00fchlingstag.<br \/>\n\u201eWas ist mit euch los?\u201c, erkundige ich mich.<br \/>\n\u201eKomm mit rein, dann wei\u00dft du es\u201c, erwidert Ben ungewohnt kurz angebunden.<br \/>\nIch folge ihm in die Bank. Die Fenster sind abgedunkelt, drinnen Scheinwerfer aufgestellt. Spurensicherer und \u00c4rzte sind schon da. F\u00fcr die \u00c4rzte gibt es nicht so viel zu tun, f\u00fcr die Spurensicherer umso mehr. Und weil sie schon mal da sind, helfen ihnen die \u00c4rzte. Zu helfen gibt es f\u00fcr sie eine Menge.<br \/>\n\u00dcberempfindlichkeit geh\u00f6rt nicht zu meinem Wesen, im Gegenteil. In der kurzen Zeit meines bisherigen Wirkens als Kriegerin hatte ich sehr h\u00e4ufig Gelegenheit, ziemlich unappetitliche Dinge zu sehen. Aber der Anblick, der sich mir hier bietet, l\u00e4sst meinen Magen rotieren. Zwar nur kurz, aber es reicht, dass Ben die Augenbrauen hochzieht.<br \/>\n\u201eAlles in Ordnung, Fiona?\u201c<br \/>\nIch nicke. \u201eGeht schon wieder. Ich war nur nicht darauf vorbereitet.\u201c<br \/>\n\u201eNiemand von uns war darauf vorbereitet.\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df.\u201c<br \/>\nDie Bank wurde \u00fcberfallen, das ist eindeutig. Ob auch Geld mitgenommen wurde, ist mir noch nicht bekannt. Aber wie es aussieht, hat niemand von den Kunden und Mitarbeitern \u00fcberlebt. Sie wurden nicht erschossen, sie wurden auch nicht erstochen, nicht einmal erschlagen. Sie wurden zerfetzt. Einige von ihnen sehen aus, als w\u00e4ren sie teilweise aufgegessen worden. Auf dem Boden liegen K\u00f6rperteile herum, die Bissspuren aufweisen.<br \/>\n\u00dcberall ist Blut.<br \/>\nAuch an der Wand gegen\u00fcber den Kassen. Dort hat jemand mit Blut hingeschrieben: Snow White was here.<br \/>\n\u201eSchneewittchen?\u201c Ich starre Ben fragend an. Er zuckt nur die Schultern.<br \/>\n\u201eNa sch\u00f6n. Hier waren also ein paar Irre am Werk. Und du meinst, das ist ein Fall f\u00fcr mich?\u201c<br \/>\n\u201eSiehst du das anders?\u201c<br \/>\nIch seufze. \u201eBen, nicht alle Irren sind \u00fcbermenschlich. Ich kenne Typen, die sind ziemlich menschlich und w\u00fcrden trotzdem so was veranstalten.\u201c<br \/>\n\u201eSchlie\u00dft du denn aus, dass es \u2026 nichtmenschliche Wesen waren?\u201c<br \/>\nIch sch\u00fcttle den Kopf. \u201eNein. Aber die wenigsten von denen rauben eine Bank aus. Ist Geld mitgenommen worden?\u201c<br \/>\n\u201eJa, sogar jede Menge. Etwa eine halbe Million.\u201c<br \/>\n\u201eDas wiederum wirkt menschlich.\u201c Ich schaue mich erneut um. Etwas gef\u00e4llt mir nicht. Und das ist nicht nur die Mitteilung an der Wand. \u201eIch wei\u00df nicht, Ben. Irgendwas passt nicht. Aber ich kann dir nicht sagen, was es ist. Vielleicht hast du recht, und das waren tats\u00e4chlich keine Menschen.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht findet die Spurensicherung Hinweise. Ich halte dich auf dem Laufenden.\u201c<br \/>\n\u201eJa, das ist auf jeden Fall eine gute Idee. Mann, Mann. So was habe ich noch nie gesehen. Das muss doch aufgefallen sein. Die Schreie. Hat niemand die Polizei gerufen?\u201c<br \/>\n\u201eDoch, wir wurden alarmiert von einem Zeugen. Ein Mann, der von drau\u00dfen alles beobachtet hat.\u201c<br \/>\n\u201eUnd?\u201c<br \/>\nBen zeigt auf etwas in der N\u00e4he der T\u00fcr. Es ist wohl mal ein Mann gewesen. Er wurde mit seinem eigenen Dickdarm erw\u00fcrgt. \u201eSeine Handynummer stimmt \u00fcberein.\u201c<br \/>\n\u201eHm. Ich revidiere meine Ansicht immer mehr. Was hat er denn gesagt?\u201c<br \/>\n\u201eDas war nicht ganz eindeutig. Jedenfalls etwas in der Art, dass sie sie auffressen. Klang wohl ziemlich panisch. Und dann brach pl\u00f6tzlich die Verbindung ab. Die Zentrale hat sofort mehrere Wagen hierhingeschickt, aber als sie eintrafen, fanden sie nur noch das vor.\u201c<br \/>\nIch habe genug gesehen und geh\u00f6rt. Vorne rausgehen mag ich trotzdem nicht, inzwischen ist auch das Fernsehen da. Schon schlimm genug, dass die Reporter gesehen haben, wie ich mit Ben hier hineingegangen bin. Ich nehme den Hinterausgang und atme tief durch. Bestialisch, der Gestank. Meine H\u00e4nde zittern, als ich mir eine Zigarette anz\u00fcnde. Allm\u00e4hlich werde ich ruhiger.<br \/>\nBen kommt nach drau\u00dfen und bleibt neben mir stehen, die H\u00e4nde in den Hosentaschen.<br \/>\n\u201eSo m\u00f6chte ich nicht sterben\u201c, sagt er leise.<br \/>\nIch werfe ihm einen Seitenblick zu. \u201eIch bin schon schlimmer gestorben.\u201c<br \/>\n\u201eSchlimmer als das?\u201c<br \/>\nIch nicke. \u201eJa.\u201c<br \/>\nWir schweigen eine Weile vor uns hin, bis meine Zigarette aufgeraucht ist. Ich trete sie aus und wende mich dann Ben zu. \u201eLass es mich wissen, wenn ihr eine Spur gefunden habt.\u201c<br \/>\n\u201eDu hast keine Idee, wer Schneewittchen sein k\u00f6nnte?\u201c<br \/>\n\u201eMir ist niemand aus der Szene bekannt, der sich so nennt oder der so ein Massaker anrichten w\u00fcrde. Schon mal gar nicht bei einem Bank\u00fcberfall.\u201c<br \/>\nEin tiefer Seufzer entf\u00e4hrt Ben. Dann schl\u00e4gt er unvermittelt gegen die T\u00fcr. Ich betrachte seine Hand.<br \/>\n\u201eGeht schon\u201c, meint er. \u201eAber das musste raus.\u201c<br \/>\n\u201eKlar.\u201c<br \/>\n\u201eWas ist mit dir? Macht dich das nicht w\u00fctend?\u201c<br \/>\n\u201eDoch, sicher. Aber vielleicht stumpfe ich ab.\u201c<br \/>\n\u201eDu? Niemals!\u201c<br \/>\nJetzt muss ich doch l\u00e4cheln. \u201eLieb von dir, Ben. Ich fahre mal nach Hause. Hast du keine Lust, eine Mini-Pressekonferenz zu geben?\u201c<br \/>\nEr braucht nur drei Sekunden, um zu verstehen. Dann nickt er grinsend.<br \/>\nUnd ich kann unbemerkt in meinen Wagen einsteigen und wegfahren.<\/p>\n<p>Zu Hause ist niemand. Da der Jaguar schon dasteht, sind die beiden wohl laufen. Ich ziehe mich aus und gehe in die Wanne. Das hei\u00dfe Wasser entspannt meine verkrampften Muskeln. Mit geschlossenen Augen d\u00f6se ich weg, bis sie nach Hause kommen.<br \/>\nAls ich die Augen \u00f6ffne, steht James in der T\u00fcr, Danny sitzt neben mir. Beide sehen mich irritiert an.<br \/>\n\u201eHallo, mein Schatz\u201c, sage ich.<br \/>\n\u201eWas ist los?\u201c Das liebe ich so an ihm. Immer direkt zur Sache kommen, und du kannst einfach kein Geheimnis vor ihm haben. Nicht nach fast drei Jahren Ehe. Er kennt mich in- und auswendig, fast besser als ich mich selbst.<br \/>\n\u201eSchneewittchen.\u201c<br \/>\n\u201eHm? War das jetzt eine Anrede?\u201c<br \/>\n\u201eNein\u201c, erwidere ich kopfsch\u00fcttelnd. \u201eSie hatte Hunger. Und hat eine Bank mit einem Schnellimbiss und die Menschen mit Hamburgern verwechselt.\u201c<br \/>\n\u201eIch verstehe kein Wort.\u201c<br \/>\nIch schlie\u00dfe wieder die Augen. \u201eBen rief mich an, ob ich nicht zu ihm kommen wolle. Er m\u00f6chte mir was zeigen. Eine Bank, sie wurde \u00fcberfallen. Die Menschen darin \u2026 auseinandergerissen, zerfetzt, angefressen. \u00dcberall Blut. Und mit Blut an die Wand geschrieben: Snow White was here.\u201c<br \/>\n\u201eShit.\u201c<br \/>\n\u201eDu sagst es, mein Schatz.\u201c<br \/>\nEr kommt zu mir, hockt sich hin und legt eine Hand ins Wasser. Sie ber\u00fchrt ganz leicht meine Br\u00fcste. \u201eEine Ahnung?\u201c<br \/>\n\u201eEine ganz d\u00fcstere.\u201c<br \/>\n\u201eAber nichts Konkretes?\u201c<br \/>\n\u201eNichts Konkretes. James, ich bin nicht leicht zu schocken, aber das war hart.\u201c<br \/>\n\u201eWie haben es die anderen verkraftet?\u201c<br \/>\n\u201eSchlecht.\u201c Er fragt nicht nach, wie schlecht. Ist ihm sowieso klar. Er kennt mich, und er hat genug Fantasie, sich die Szenerie auszumalen.<br \/>\n\u201eWas f\u00fcr dich?\u201c<br \/>\n\u201eM\u00f6glicherweise. Auch gew\u00f6hnliche Menschen k\u00f6nnen so was.\u201c<br \/>\n\u201eIn einer Bank? Am helllichten Tag?\u201c<br \/>\nEr stellt immer die unbequemen Fragen, die ich mir stellen m\u00fcsste. Auch dieses Mal.<br \/>\n\u201eEher selten.\u201c Ich sehe ihn an. \u201eAber warum sollten andere Wesen so was tun? Eine Bank ausrauben, eine halbe Million und ein paar Innereien mitgehen lassen?\u201c<br \/>\n\u201eSag du es mir!\u201c<br \/>\n\u201eMir f\u00e4llt kein Grund ein, der mir gefallen w\u00fcrde.\u201c<br \/>\n\u201eUnd ein Grund, der dir nicht gef\u00e4llt?\u201c<br \/>\n\u201eD\u00e4monen. Aber D\u00e4monen rauben keine Bank aus. Sie brauchen kein Geld.\u201c<br \/>\n\u201eWas ist mit Katharina?\u201c<br \/>\n\u201eWas soll mit ihr sein? Sie hat es nicht n\u00f6tig, Banken auszurauben!\u201c<br \/>\n\u201eDas stimmt. Sie kauft sie h\u00f6chstens. Aber sie hat eine Affinit\u00e4t zu Geld. Und ist ein D\u00e4mon.\u201c<br \/>\n\u201eSie frisst keine Menschen.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe ja auch nicht gesagt, dass sie es war. Ich wollte dich lediglich darauf hinweisen, dass es D\u00e4monen gibt, die sich mit Geld abgeben.\u201c<br \/>\n\u201eJa.\u201c Ich steige aus der Badewanne.<br \/>\n\u201eOh je, du hast ja wirklich schlechte Laune.\u201c<br \/>\nSeufzend bleibe ich stehen, dann lasse ich mich von ihm trocken rubbeln. Dass ich dabei an einer Stelle nur noch nasser werde, ist ein eindeutig gewollter Nebeneffekt.<\/p>\n<p>Ich gehe in die Hocke. Hinter dem Gestr\u00fcpp bin ich unsichtbar, aber selbst sehe ich alles. Es regnet wie aus einer Gie\u00dfkanne. Meine Sachen sind v\u00f6llig durchn\u00e4sst und kleben unangenehm auf der Haut. Am liebsten w\u00fcrde ich mich nackt ausziehen, aber kalte Windb\u00f6en halten mich davon ab. Ich dr\u00fccke den R\u00fccken gegen den Baumstamm hinter mir und lege die Arme um die Beine. Ich zittere, es ist pl\u00f6tzlich kalt. Das Wasser dringt durch die Kleidung, alles an mir ist nass.<br \/>\nWo bin ich?<br \/>\nUm mich herum Gestr\u00fcpp. Ein Baum. Grauer Himmel, aus dem es Bindf\u00e4den regnet. Ger\u00e4usche. Ich wende den Kopf nach rechts und versuche durch die Str\u00e4ucher hindurch zu erkennen, wo sie herkommen. Da ist ein Weg, schl\u00e4ngelt sich durch den Wald. Eine Prozession kommt, eine Beerdigung. Vorne gehen die Sargtr\u00e4ger mit dem Sarg. Dutzende von Schwarzgekleideten.<br \/>\nEtwas ist seltsam. Ich krieche unter dem Gestr\u00fcpp auf den Weg zu, um besser sehen zu k\u00f6nnen. Kinder. Es sind Kinder. Alles nur Kinder, gekleidet wie Erwachsene. Selbst die Sargtr\u00e4ger sind Kinder.<br \/>\nEs ist gespenstisch. Bis auf den Regen ist nichts zu h\u00f6ren. Die Gesichter der gesch\u00e4tzt 80 Kinder, die dem Sarg folgen, sind regungslos, wie Masken. Nirgendwo ein Regenschirm, eine Kapuze. Die in Anz\u00fcge und Kleider gekleideten Kindern sind genauso nass wie ich.<br \/>\nIch warte, bis die Prozession vorbeigezogen ist, dann krieche ich auf den Weg. Aufgerichtet folge ich den Kindern. Es f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrde ich durch einen See waten, so dicht ist inzwischen der Regen. Wenn ich den Mund aufmache, ertrinke ich. Am Wegesrand stehen Laternen, deren Licht sich im Wasser zerstreut.<br \/>\nDie Prozession erreicht ihr Ziel, die Kinder stellen sich um ein ausgehobenes Grab herum auf. Die Sargtr\u00e4ger lassen den Sarg hinunter in das Loch, w\u00e4hrend die anderen Kinder einen seltsamen Singsang anstimmen, wie Kinder im Vorschulalter oft singen. Das Bild ist verr\u00fcckt: Sie geben sich wie Erwachsene und dann dieser Gesang. Ich erschaudere, w\u00e4hrend ich die Kinder aus einem Versteck heraus beobachte. Der Regen ist mein Versteck.<br \/>\nNachdem das Grab zugeschaufelt ist, l\u00f6st sich die Gruppe auf und die Kinder zerstreuen sich in allen Richtungen. Schlie\u00dflich bin ich allein. Allein mit den Toten. Ich warte noch ein paar Minuten, bevor ich zum Grab laufe. F\u00fcr mich w\u00e4re es zu klein, aber warum sollten ausgerechnet Tote erwachsen sein in dieser Kinderwelt?<br \/>\nWer bin ich und was tue ich hier??<br \/>\nDie erste Frage bleibt offen, die zweite beantworte ich mir selbst, indem ich damit beginne, das Grab wieder auszuheben. Mit blo\u00dfen H\u00e4nden ist das eine m\u00fchselige und dreckige Arbeit, vor allem, da sich die Erde durch den Regen in einen Sumpf verwandelt. Dennoch habe ich irgendwann endlich den Sarg freigelegt. Ich lege mich auf den Bauch und versuche, den Deckel hochzuziehen. Auf dem nassen Holz rutschen meine Finger immer wieder ab, meine Fingerspitzen bluten schon. Doch schlie\u00dflich schaffe ich es, den Deckel mit beiden H\u00e4nden so festzuhalten, dass ich ihn anheben und dann von unten packen kann. Ich ziehe ihn heraus und werfe ihn achtlos zur Seite.<br \/>\nIm Sarg liegt ein Kind, doch es ist zu dunkel, als dass ich viel erkennen k\u00f6nnte. Ich suche meine Taschen ab nach etwas, womit ich Licht machen k\u00f6nnte. Aber selbst wenn ich etwas bei mir gehabt h\u00e4tte, w\u00e4re es inzwischen durch den Regen unbrauchbar geworden. Ich lege mich also erneut in den Schlamm und ziehe st\u00f6hnend und \u00e4chzend den Sarg aus dem Grab. Jetzt kann ich das Kind besser erkennen.<br \/>\nEin zehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen, die H\u00e4nde ordentlich auf dem Bauch gefaltet, die Augen verschlossen. Sie sind grau. Das wei\u00df ich sehr genau, denn ich starre entgeistert auf mich selbst.<\/p>\n<p>Graue Augen, die ins Nichts starren. Die Augen einer Toten? Ich trete so weit zur\u00fcck, dass ich meinen K\u00f6rper im Spiegel sehen kann. Ist das wirklich eine 26-J\u00e4hrige?<br \/>\nBin ich das wirklich?<br \/>\nMir ist kalt. Als ich die Arme um mich lege, f\u00e4llt mir auf, dass ich mich umarme. Was ist los mit mir? Wie kann ein Traum mich derart verwirren? Was bedeutet er?<br \/>\nMir ist klar, dass er eine Botschaft ist. Ich habe als Kriegerin oft genug mit Dingen zu tun, die sich in kein rationales Weltbild pressen lassen, mich eingeschlossen. Aber dieser Traum ist etwas sehr Pers\u00f6nliches. Der Anblick meines Kind-Ichs hat etwas sehr Tiefes ber\u00fchrt, und ich kann nicht einordnen, was das f\u00fcr Gef\u00fchle sind, die mich fast in einen Zombie verwandeln. Und das Letzte, was ich jetzt sehen will, ist die Visage des Psychoterroristen. Er wei\u00df eh schon viel zu viel \u00fcber mich. Ich glaube, er wei\u00df mehr als ich.<br \/>\nIch lasse die Arme sinken, bis sie einigerma\u00dfen locker an den Seiten herunterh\u00e4ngen. Schlanke, sehnige Gestalt, flacher, muskul\u00f6ser Bauch, kleine, runde Br\u00fcste. Kurze Haare. Gef\u00e4hrlich sehe ich wirklich nicht aus. Wer mich nicht kennt, h\u00e4lt mich f\u00fcr ein sch\u00fcchternes, unsicheres M\u00e4dchen. Zumindest wer nicht genau hinschaut, denn ich stehe aufrecht.<br \/>\nViel wichtiger ist jedoch, dass ich sehr deutlich auch das kleine M\u00e4dchen im Spiegel sehe.<br \/>\nIch trete wieder n\u00e4her an den Spiegel heran und betrachte mein Gesicht. Die unauff\u00e4llig vollen Lippen, die fast immer angedeutet diesen zynischen Zug haben. Die gerade, schmale Nase. Und die grauen Augen. Sie sind kalt \u2013 ja, fast leblos.<br \/>\n\u201eWer bist du?\u201c, fl\u00fcstere ich.<br \/>\nIn einem Anfall von Trotz beschlie\u00dfe ich, dass mich der Traum kreuzweise kann und verlasse emp\u00f6rt das Badezimmer. James ist gerade fertig mit dem Tischdecken, als ich nackt auftauche. Er mustert mich eindringlich. Ich kenne diesen Blick und mag ihn grad nicht. Er scheint es zu merken, denn die obligatorische Frage kommt nicht. Stattdessen reicht er mir stumm meinen Kaffee.<br \/>\n\u201eSchatz.\u201c Er mustert mich noch eindringlicher. Wenn ich nackt \u201eSchatz\u201c sage, scheint das was Bedrohliches zu haben. \u201eSchatz?\u201c<br \/>\n\u201eJa.\u201c<br \/>\n\u201eWas Ja?\u201c<br \/>\n\u201eWas du auch immer fragst.\u201c<br \/>\n\u201eWie kommst du darauf, dass ich was fragen will?\u201c<br \/>\n\u201eWeil du &#8218;Schatz&#8216; gesagt hast. Mit einem Punkt. Kein Fragezeichen, kein gedehntes &#8218;Schaaaaatz&#8216;, sondern kurz und knackig &#8218;Schatz&#8216;. Das bedeutet, du willst mir eine Frage stellen, und von der Antwort h\u00e4ngt mein Leben ab. Also habe ich schon mal vorsorglich Ja gesagt.\u201c<br \/>\nIch starre ihn mit offenem Mund an.<br \/>\n\u201eWie lautet denn nun die Frage?\u201c<br \/>\n\u201e\u00c4h \u2026 habe ich vergessen.\u201c<br \/>\n\u201eGl\u00fcck gehabt. M\u00f6chtest du fr\u00fchst\u00fccken, mein Schatz?\u201c<br \/>\nIch nicke stumm und setze mich. Er grinst. \u201eDas kommt nicht oft vor, dass man dich sprachlos kriegt.\u201c<br \/>\n\u201eDas stimmt. \u2013 Meinst du, ich sollte zum Psychoterroristen?\u201c<br \/>\n\u201eWas willst du da?\u201c<br \/>\n\u201eNa ja, vielleicht kann er mir den Traum erkl\u00e4ren.\u201c<br \/>\n\u201eWieso sollte dir ein Psychotherapeut den Traum erkl\u00e4ren k\u00f6nnen?\u201c<br \/>\n\u201eEr hat das gelernt.\u201c<br \/>\nJames versch\u00fcttet vor Lachen seinen eigenen Kaffee. \u201eSchei\u00dfe!\u201c Dann blickt er mich fassungslos an. \u201eDas glaubst du aber nicht ernsthaft, oder?\u201c<br \/>\n\u201eWieso nicht? Er hat wirklich was drauf.\u201c<br \/>\n\u201eDas glaube ich dir ja. Aber ein Trauma zu behandeln ist was ganz anderes, als einen Traum zu erkl\u00e4ren.\u201c<br \/>\n\u201eFreud hat auch &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eFreud! Lass den mal sch\u00f6n aus dem Spiel. Kannst ja deinen Psychoterroristen fragen, was er von dem h\u00e4lt.\u201c<br \/>\n\u201eNicht viel. \u2013 Und wie finde ich jetzt heraus, was mir der Traum sagen will?\u201c<br \/>\n\u201eHm. Bist du sicher, dass es ein Traum war?\u201c<br \/>\n\u201eFast. Also, eigentlich ziemlich sicher. Die Stimmung, das K\u00f6rpergef\u00fchl \u2026 sehr untypisch f\u00fcr eine Au\u00dferk\u00f6rperlichkeit. Und die Begegnung mit dem Kind \u2026 eigentlich nur in einem Traum m\u00f6glich.\u201c<br \/>\nMir f\u00e4llt ein, dass ich fr\u00fchst\u00fccken k\u00f6nnte und nehme ein Br\u00f6tchen. Als ich hineinbei\u00dfen will, nimmt James es mir aus der Hand, schneidet es auf und schmiert Marmelade auf beide H\u00e4lften. Dann bekomme ich es zusammengelegt wieder.<br \/>\n\u201eDanke \u2026 was symbolisiert ein Kind, das eigentlich mein junges Ich ist und in einem Sarg liegt? Dass ich bald sterben werde?\u201c<br \/>\n\u201eNa, dann brauchst du dir ja keine Sorgen zu machen. Darin hast du nun wirklich viel \u00dcbung.\u201c<br \/>\n\u201eDu &#8230;!\u201c Ich atme laut aus. \u201eJa. Und ich bin erwachsen.\u201c<br \/>\n\u201eEben. Kannst ja tags\u00fcber dar\u00fcber nachdenken oder n\u00e4chste Nacht das Kind fragen. Ich muss jetzt los, habe in einer Viertelstunde eine Besichtigung.\u201c<br \/>\n\u201eSoll ich heute Danny nehmen?\u201c<br \/>\n\u201eDas w\u00e4re super.\u201c Er gie\u00dft den Kaffee hinunter und gibt mir einen Kuss. \u201eBis heute Abend. Und vergiss nicht, dich anzuziehen, bevor du zur Arbeit f\u00e4hrst.\u201c<br \/>\nManchmal hasse ich ihn. Fast. Wenigstens ein bisschen. Wie kann ein Mensch nur so zynisch sein? Mich ausgenommen!?<\/p>\n<p>Mit 10 war ich ein Einzelkind. Nachdenklich betrachte ich meine Mutter, w\u00e4hrend ich lustlos im Essen herumstochere. James unterh\u00e4lt sich angeregt mit meinem Vater, aber ich wei\u00df genau, dass er mitkriegt, wie ich drauf bin. Deswegen unterh\u00e4lt er sich so angeregt mit meinem Vater. Aber er schafft es nicht, auch meine Mutter abzulenken. Sie beobachtet mich eine Weile, ehe sie mich anspricht.<br \/>\n\u201eWas ist los, mein Schatz?\u201c<br \/>\n\u201eNichts.\u201c Wir alle wissen, dass das gelogen ist.<br \/>\n\u201eErz\u00e4hlst du mir, welches Nichts dich so besch\u00e4ftigt?\u201c<br \/>\n\u201eDu bist fast so zynisch wie ich, Mama.\u201c<br \/>\n\u201eJa, ich habe viel von dir gelernt.\u201c<br \/>\nIch grinse. \u201eEcht? Die schlimmen Sachen auch?\u201c Ich atme tief durch. \u201eIch habe bl\u00f6d getr\u00e4umt, das ist alles.\u201c<br \/>\n\u201eMein Kind, hast du so wenig Vertrauen zu mir?\u201c<br \/>\nWas soll ich dazu sagen? M\u00fctter sind l\u00e4stig. Meiner Mutter kann ich nichts vormachen, sie kennt mich viel zu gut. Sie spielt oft und erfolgreich die Gattin des reichen Ex-Unternehmers und Entrepreneurs, aber sie kriegt einfach alles mit. Fast alles.<br \/>\nIch stehe auf und gehe nach drau\u00dfen. Es regnet leicht, daher bleibe ich unter dem Terrassendach stehen und z\u00fcnde mir eine Zigarette an. Meine Mutter legt von hinten ihre Arme um mich.<br \/>\n\u201eIn letzter Zeit wirkst du oft traurig\u201c, sagt sie pl\u00f6tzlich.<br \/>\n\u201eTraurig?\u201c<br \/>\n\u201eJa. Nicht immer. Aber ab und zu.\u201c<br \/>\n\u201eOft oder ab und zu?\u201c<br \/>\n\u201eMir kommt es oft vor, aber wahrscheinlich ist es gar nicht so oft, wie ich mir einbilde. \u2013 Gibt es Probleme mit James?\u201c<br \/>\n\u201eMit James?\u201c Ich sch\u00fcttle den Kopf. Nein, mit James habe ich keine Probleme. Ich liebe ihn. Mein Problem hei\u00dft Katharina. Aber das wei\u00df niemand au\u00dfer ihr. Ich lehne den Kopf zur\u00fcck, bis unsere Wangen sich ber\u00fchren. \u201eMama, ich wei\u00df es nicht. Ich meine, was mich so traurig macht. Mit James ist alles in Ordnung. Ich liebe ihn.\u201c<br \/>\n\u201eWann werde ich Gro\u00dfmutter?\u201c<br \/>\n\u201eWas?!\u201c Ich richte mich auf und starre sie entgeistert an.<br \/>\n\u201eWarum erschreckt dich dieser Gedanke so? Du bist eine junge Frau, und du w\u00e4rst eine wunderbare Mutter.\u201c<br \/>\n\u201eIch?\u201c Als Mutter kann ich mich nun wirklich nicht vorstellen. Kind stillen, wickeln, baden \u2026 ich??? \u201eMama, ich glaube nicht, dass ich eine gute Mutter w\u00e4re.\u201c<br \/>\n\u201eDoch, das w\u00e4rst du. Ich habe gesehen, wie du mit Kindern umgehst. Kinder lieben dich.\u201c<br \/>\n\u201eWeil ich auch ein Kind bin!\u201c<br \/>\n\u201eDu bist doch kein Kind mehr!\u201c<br \/>\nIch ziehe an meiner Zigarette. \u201eIn meinem Traum schon. Ich fand mich als Zehnj\u00e4hrige in einem Sarg liegend.\u201c<br \/>\n\u201eOh. \u2013 Jetzt verstehe ich. Aber es war nur ein Traum. Ein b\u00f6ser Traum.\u201c<br \/>\n\u201eJa, ein b\u00f6ser Traum \u2026 wie auch immer. Ich sollte vielleicht erst einmal erwachsen werden, bevor ich ein Kind bekomme.\u201c<br \/>\n\u201eDann w\u00fcrde die Menschheit aussterben, wenn das Bedingung w\u00e4re.\u201c Meine Mutter kichert. \u201eEs ist gar nicht so gut, ganz erwachsen zu werden.\u201c<br \/>\n\u201eDu \u00fcberrascht mich, Mama.\u201c<br \/>\n\u201eWirklich?\u201c<br \/>\n\u201eNein.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe mich schon fragen wollen, ob du mich wirklich so schlecht kennst.\u201c<br \/>\nIch zwinge ein L\u00e4cheln auf mein Gesicht. \u201eMama, im Moment kenne ich nicht einmal mich selbst.\u201c Seufzend nehme ich einen letzten Zug von der Zigarette, bevor ich sie ausdr\u00fccke. \u201eVor allem verstehe ich nicht, dass ein Traum mich so \u2026 depressiv macht.\u201c<br \/>\n\u201eGegen Depressionen gibt es gute Mittel.\u201c<br \/>\n\u201eWie den Psychoterroristen?\u201c<br \/>\n\u201eWieso nennst du ihn eigentlich immer so? Das ist abwertend, und das hat er nicht verdient.\u201c<br \/>\n\u201eWeil er wie ein Terrorist in mein Innerstes eingedrungen ist und dort alles durcheinandergebracht hat.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht hat er auch nur aufger\u00e4umt.\u201c<br \/>\n\u201eJa, nat\u00fcrlich. \u2013 Nein, Mama, das geht schon. Ich bin bestimmt nicht selbstmordgef\u00e4hrdet. W\u00fcsste sowieso nicht, wie ich das anstellen sollte.\u201c<br \/>\n\u201eZum Gl\u00fcck &#8230;\u201c Sie schweigt erschrocken. \u201eTut mir leid, verzeih mir. So war es nicht gemeint.\u201c<br \/>\nIch nehme sie in die Arme. \u201eIch wei\u00df, Mama. Ist schon gut. Ist lieb gemeint, dass du versuchst, mir zu helfen, aber ich muss mit diesem Ding, das sich mein Leben nennt, selbst fertig werden. Irgendwie. Und ich schaffe das schon. Trotzdem, danke.\u201c<br \/>\nSie streichelt mir mein Gesicht, dann gehen wir wieder hinein. Die M\u00e4nner sehen uns erwartungsvoll an, aber sie werden entt\u00e4uscht. Von uns erfahren sie nichts. Au\u00dferdem h\u00e4tten wir sowieso keine Gelegenheit etwas zu erz\u00e4hlen, denn mein Handy meldet sich lautstark. Auf dem Display steht der Name von Jack. Mein Herz verkrampft sich.<br \/>\n\u201eHallo Jack.\u201c<br \/>\n\u201eFiona \u2026 tut mir leid, dich zu st\u00f6ren.\u201c<br \/>\n\u201eHat Schneewittchen wieder zugeschlagen?\u201c<br \/>\n\u201eJa, wahrscheinlich.\u201c<br \/>\n\u201eSchei\u00dfe. Hast du Ben schon Bescheid gesagt?\u201c<br \/>\nEr z\u00f6gert. \u201eDas geht nicht\u201c, sagt er schlie\u00dflich. Dann r\u00e4uspert er sich. \u201eSie haben ihn entf\u00fchrt.\u201c<br \/>\n\u201eWen?\u201c Ich kapiere mal wieder nichts. \u201eWer hat wen entf\u00fchrt?\u201c<br \/>\n\u201eSo wie es aussieht, hat Schneewittchen Ben entf\u00fchrt.\u201c<br \/>\n\u201eWas!? Jack, wo bist du?\u201c<br \/>\n\u201eIn Bens Wohnung. Kannst du herkommen?\u201c<br \/>\n\u201eJa, nat\u00fcrlich. Bin gleich da.\u201c Ich lege auf und starre James an.<br \/>\n\u201eHabe ich das richtig verstanden, dass Ben entf\u00fchrt wurde?\u201c, fragt er. Ich nicke. \u201eVerdammt. Heftig. Wesen, die Polizisten pers\u00f6nlich angreifen, sind entweder sehr dumm oder sehr gef\u00e4hrlich.\u201c<br \/>\n\u201eOder beides. Schatz, ich muss hin.\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df.\u201c<br \/>\nIch gebe ihm einen Kuss, verabschiede mich von meinen Eltern und laufe r\u00fcber zu unserem Haus. Kurzerhand nehme ich den Jaguar, weil ich ihn sowieso wegsetzen m\u00fcsste. Vor dem Haus, in dem Ben wohnt, sehe ich schon von Weitem den \u00fcblichen Auflauf. Allerdings ist die Presse noch nicht da, also hat mich Jack ziemlich schnell, nachdem die Entf\u00fchrung Bens entdeckt wurde, angerufen. Ich parke neben einem Krankenwagen, und als ich aussteige, nimmt mich ein junger Polizist in Empfang.<br \/>\n\u201eDer Chief m\u00f6chte, dass ich Sie zu ihm bringe\u201c, sagt er ohne jede Begr\u00fc\u00dfung. \u201eIch finde das unverantwortlich.\u201c<br \/>\n\u201eWieso?\u201c, frage ich, unwillk\u00fcrlich schmunzelnd.<br \/>\n\u201eEs sieht nicht sch\u00f6n aus in der Wohnung des Lieutenants.\u201c<br \/>\n\u201eWieso?\u201c Mein Herz verkrampft sich. \u201eIch denke, er wurde entf\u00fchrt?\u201c<br \/>\n\u201eEr schon. Sein \u2026 Freund nicht.\u201c Mehr scheint der Polizist nicht sagen zu wollen. In der Zwischenzeit haben wir das Haus betreten und gehen zu Fu\u00df in die zweite Etage. Ich habe dabei mehrere D\u00e9j\u00e0-vus. Bleiche Polizisten, die aussehen, als w\u00fcrden sie gleich kotzen. Dank der Andeutungen des jungen Polizisten ahne ich allerdings, was der Ausl\u00f6ser f\u00fcr die allgemeinen \u00dcbelkeitsanf\u00e4lle sein k\u00f6nnte.<br \/>\nJack erwartet mich vor der Wohnung. Es ist eine dieser Luxuswohnungen in einem Luxusgeb\u00e4ude in einer Luxusgegend. Wo waren die Luxuswachleute des privaten Schutzdienstes? Und wieso kann sich Ben das eigentlich leisten? Zumindest die letztere Frage kann ich mir selbst beantworten: Weil er zur\u00fcckgezogen lebt und kaum Geld f\u00fcr irgendwas ausgibt, was nicht unbedingt n\u00f6tig ist.<br \/>\nIch nehme Jack kurz in die Arme. Dann deute ich auf die Wohnungst\u00fcr. \u201eDa drinnen muss es ja schlimm aussehen.\u201c<br \/>\n\u201eJa. Du warst in der Bank?\u201c<br \/>\nIch nicke.<br \/>\n\u201eDann wird es f\u00fcr dich nichts \u00dcberraschendes in der Wohnung geben. Wusstest du, dass Ben mit einem Mann zusammengelebt hat?\u201c<br \/>\n\u201eDu?\u201c<br \/>\n\u201eJa. Aber er machte es nie \u00f6ffentlich.\u201c<br \/>\n\u201eNun, ich habe es geahnt. Aber wir haben nie \u00fcber sein Privatleben gesprochen.\u201c<br \/>\nJack mustert mich mit einem undefinierbaren Ausdruck. Schlie\u00dflich \u00f6ffnet er die T\u00fcr und geht vor. Bestialischer Gestank schl\u00e4gt mir entgegen. Die Quelle liegt auf dem Boden zwischen Badezimmer und K\u00fcche. Es war mal ein Mann, das kann ich erkennen.<br \/>\nIch schlucke. \u201eKomisch, dass Menschen kein Problem haben, ein Huhn aus dem Supermarkt anzupacken, aber bei diesem Anblick loskotzen.\u201c<br \/>\n\u201eDu findest das komisch?\u201c<br \/>\n\u201eNicht wirklich.\u201c W\u00e4hrend ich an den Resten des Mannes, und es sind wirklich nur Reste, vorbeigehe, denke ich daran, dass es eben einen Unterschied macht, ob man ein Huhn als Huhn erkennen kann oder nicht. Nicht ohne Grund werden die H\u00fchner meistens in Einzelteilen und mariniert oder paniert angeboten, um blo\u00df keine Assoziationen zu wecken. Niemand w\u00e4re von einem Menschenschnitzel schockiert, wenn er den urspr\u00fcnglichen Menschen nicht mehr erkennen k\u00f6nnte und auch nicht w\u00fcsste, dass es Menschenfleisch ist, was da grad in der Pfanne bruzzelt.<br \/>\nDer Freund von Ben ist als Mensch erkennbar, auch wenn sein Kopf entkernt wurde.<br \/>\n\u201eWas ist passiert?\u201c, erkundige ich mich. Ich stehe nun mit Jack im Wohnzimmer. Es sieht wild aus. Und als ich erkenne, dass eins der Beweisst\u00fccke, das neben dem Sessel liegt, ein Teil von einem Fu\u00df ist, halte ich kurz den Atem an, sonst w\u00fcrde selbst mir schlecht werden.<br \/>\n\u201eSoweit wir rausgefunden haben, sind sie durch das Fenster gekommen. Es gab wohl einen kurzen Kampf. Dann haben sie den Freund \u2013 er hie\u00df George Wilson \u2013 ausgeweidet, vermutlich, als er noch lebte. Und sind wieder durch das Fenster gegangen.\u201c<br \/>\n\u201eDurch das Fenster? Wir sind im zweiten Stock.\u201c<br \/>\n\u201eDas scheint sie nicht gest\u00f6rt zu haben\u201c, erwidert Jack trocken.<br \/>\nIch trete zum Fenster, bleibe aber in einiger Entfernung stehen, um die Spurensicherung nicht zu st\u00f6ren. Die Scheiben liegen vor dem Fenster, in Tausenden von Scherben. Sie sind nicht durch das Fenster gekommen, sie sind durch das Fenster gesprungen. Blo\u00df wer?<br \/>\n\u201eGibt es Zeugen? Irgendwelche Hinweise, mit wem oder was wir es zu tun haben?\u201c<br \/>\nJack sch\u00fcttelt den Kopf. \u201eDas Ganze hat vielleicht zehn Minuten gedauert, wenn \u00fcberhaupt. Mehrere Bewohner haben was geh\u00f6rt, es hat ja auch ordentlich gerumst. Bei uns gingen zwei Notrufe ein. Als wir eintrafen, war es schon vorbei. Als unsere Leute die T\u00fcr aufbrachen, hat George noch gezuckt.\u201c<br \/>\n\u201eWie bitte? Er hat doch kein Gehirn mehr!\u201c<br \/>\nJack zuckt die Achseln. \u201eAnscheinend hatten sie es ihm erst kurz zuvor entfernt. Sein K\u00f6rper bewegte sich jedenfalls noch.\u201c<br \/>\nIch erschaudere. Erinnerungen kommen pl\u00f6tzlich hoch. Erinnerungen, die ich gut verschlossen w\u00e4hnte. Dann merke ich nur noch, dass Jack mich auff\u00e4ngt.<br \/>\n\u201eFiona? Fiona, was ist los?\u201c<br \/>\nIch klammere mich an Jack fest und warte darauf, dass die Welt um mich herum sich beruhigt. Das Ganze dauert sicher nicht l\u00e4nger als ein paar Sekunden, aber das reicht, um Jack einen panischen Ausdruck auf sein Gesicht zu zaubern.<br \/>\n\u201eFiona??\u201c<br \/>\nIch atme ein paarmal tief durch und richte mich langsam auf. \u201eSorry \u2026 ich \u2026 ich habe mich an etwas Unangenehmes erinnert.\u201c<br \/>\nJack mustert mich, dann nimmt er meinen Arm und zieht mich fort, fort von den neugierigen Blicken seiner Leute, in das Bad, und er schlie\u00dft die T\u00fcr.<br \/>\n\u201eFiona, das ist das erste Mal, dass ich eine solche Reaktion bei dir erlebe\u201c, sagt er dann langsam.<br \/>\n\u201ePuuh &#8230;\u201c Ich setze mich auf den Wannenrand und fische meine Zigaretten hervor. \u201eDu auch?\u201c Und als er den Kopf sch\u00fcttelt, z\u00fcnde ich mir eine an. \u201eDas Bild vom zuckenden Kerl \u2026 lie\u00df die Frage in mir hochkommen, ob und wie er sich dabei f\u00fchlte \u2026 und das wiederum in mir mit Urgewalt die Erinnerung daran erwachen, wie sich so was anf\u00fchlt.\u201c<br \/>\n\u201eWas anf\u00fchlt?\u201c<br \/>\n\u201eSeinen K\u00f6rper in St\u00fccken zu verlieren.\u201c Ich ziehe an der Zigarette und bin wieder halbwegs bei mir. \u201eDu wei\u00dft doch, wer ich bin.\u201c<br \/>\n\u201eJa. Aber wir haben uns noch nie \u00fcber Details unterhalten. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass du auch schon &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eAusgeweidet wurde? Nun, es lief etwas anders. Aber am Ende konnte ich die einzelnen Teile meines K\u00f6rpers auf dem Boden zerstreut rumliegen sehen, bevor ich endlich das Bewusstsein verlor. \u2013 Wie auch immer. Ich habe nicht mit diesem Flashback gerechnet.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht sollte jemand anderes den Fall \u00fcbernehmen? Schon allein, weil du pers\u00f6nlich befangen bist.\u201c<br \/>\n\u201eWillst du bei Gott anrufen? \u2013 Nein, so l\u00e4uft das nicht, Jack. Du wirst mit mir vorliebnehmen m\u00fcssen. Wir sind keine Beh\u00f6rde, bei uns gibt es keinen Notruf, keinen Dienstplan, keine Zust\u00e4ndigkeiten. Ich bin Fiona und zuf\u00e4llig in dieser Wohnung, zuf\u00e4llig in diesem Bad und sitze nur zuf\u00e4llig auf dieser Wanne und rauche zuf\u00e4llig diese schei\u00dfverdammte Zigarette!\u201c<br \/>\n\u201eSchon gut, ich habe verstanden.\u201c<br \/>\n\u201eTut mir leid.\u201c Ich dr\u00fccke die Zigarette aus und erhebe mich. \u201eIch will mir die Spuren drau\u00dfen ansehen.\u201c<br \/>\nAllerdings nicht die in der Wohnung. Um die k\u00fcmmern sich schon die Fachleute, die das besser k\u00f6nnen als ich. Ich gehe vorsichtig nahe an das Fenster heran, w\u00e4hrend unter meinen Sohlen Glas knirscht. Unter dem Fenster ein gr\u00f6\u00dferer Gem\u00fcsegarten. Pech f\u00fcr die Hobbyg\u00e4rtner, aber gut f\u00fcr mich, denn zwischen den Tomaten und der Paprika ist sehr gut zu erkennen, wo die Angreifer herkamen.<br \/>\n\u201eSie scheinen von da unten hier hochgesprungen zu sein\u201c, bemerke ich. \u201eHm.\u201c<br \/>\n\u201eHochklettern kommt nicht infrage?\u201c<br \/>\n\u201eDann h\u00e4tten sie die Scheibe eingeschlagen, und dann l\u00e4gen die Scherben ganz anders.\u201c<br \/>\n\u201eDas stimmt\u201c, gibt Jack zu. \u201eAber wer springt mal eben in ein Wohnung im zweiten Stock durch ein geschlossenes Fenster?\u201c<br \/>\n\u201eSehr gute Frage.\u201c Ich schaue mich drau\u00dfen um. Niemand zu sehen. Bevor Jack reagieren kann, springe ich durch das Fenster und lande im Gem\u00fcsebeet. Da ich mich dabei darum bem\u00fche, nicht die Spuren der Entf\u00fchrer zu zerst\u00f6ren, m\u00fcssen weitere Tomaten dran glauben. Das ist bl\u00f6d, denn der sich verteilende Saft erschwert etwas die Spurenlese. W\u00e4hrend ich mich \u00fcber die Spuren der Entf\u00fchrer beuge, denke ich fl\u00fcchtig dar\u00fcber nach, ob Tomatensaft gut aus Baumwolle rausgeht. Wir werden sehen.<br \/>\nIch konzentriere mich auf das Riechen. Meinem Anderssein verdanke ich unter anderem wesentlich h\u00f6her aufl\u00f6sende Sinneswahrnehmungen als normale Menschen. Was normal auch immer sein mag. Neben dem brutal intensiven Geruch der zerst\u00f6rten Tomaten rieche ich als erstes Angst. Todesangst. Ich rieche Bens Angst.<br \/>\nUnd dann ist da ein vertrauter Geruch, nur viel, viel intensiver. Der Geruch von D\u00e4monen. Er ist sehr spezifisch, f\u00fcr ge\u00fcbte Nasen wie meine gut erkennbar. Auch Katharina hat diesen Geruch, allerdings nur dezent. Hier jedoch, in diesem Gem\u00fcsegarten, waren Vollblutd\u00e4monen unterwegs. Damit ist jeder Zweifel ausger\u00e4umt \u2013 es waren keine Menschen. Wie konnte ich das auch nur annehmen? Dieser Geruch h\u00e4tte mir auffallen m\u00fcssen in der Bank, w\u00e4re er auch ohne den allgegenw\u00e4rtigen Gestank toter Seelen. Fiona! Ich korrigiere, nicht die Seelen stanken, sondern ihr brutaler Tod.<br \/>\nIn der Zwischenzeit sind Jack und zwei Polizisten auch da. Jack sieht mich vorwurfsvoll an, spart sich aber jede Bemerkung bez\u00fcglich meiner Stunteinlage.<br \/>\n\u201eHast du was rausgefunden?\u201c<br \/>\nIch mustere kurz die beiden Polizisten und deren mitleidigen Gesichtsausdruck, dann wende ich mich Jack zu. \u201eJa.\u201c Statt einer weiteren Erkl\u00e4rung folge ich der gut sichtbaren und noch besser riechbaren Spur. Ziemlich eindeutig verlie\u00dfen die Entf\u00fchrer das Grundst\u00fcck auf demselben Wege, auf dem sie gekommen waren. Der riesengro\u00dfe Gemeinschaftsgarten des Mietshauses grenzt an einen \u00f6ffentlichen Erholungspark, durch einen mindestens zwei Meter hohen Maschendrahtzahn davon abgetrennt.<br \/>\n\u201eAuf der anderen Seite geht es weiter\u201c, stellt Jack lakonisch fest.<br \/>\nIch betrachte den Park. Etwas weiter s\u00fcdlich flie\u00dft die Labe, sp\u00e4testens darin w\u00fcrde ich die Spur verlieren. Au\u00dferdem sind in dem Park zu viele Leute unterwegs.<br \/>\n\u201eManchmal liebe ich deinen Humor, Jack. Hast du hier noch was zu tun?\u201c<br \/>\n\u201eAlle w\u00e4ren froh, wenn ich sie hier nicht bei der Arbeit st\u00f6ren w\u00fcrde. Kann ich dir von unserem hervorragenden Kaffee in der Zentrale anbieten?\u201c<br \/>\n\u201eSandras Kaffee? Jederzeit.\u201c<br \/>\nWir fahren in die Polizeizentrale, getrennt. Im Vorzimmer des Polizeichefs werde ich \u00fcberschw\u00e4nglich von Sandra begr\u00fc\u00dft. Erstaunt stelle ich fest, dass ich Jack \u00fcberholt habe. Ich l\u00fcmmle mich in den Chefsessel und lege die Beine auf die Lehne. Dabei fallen mir die roten Tomatensaftflecken auf. Sie sehen wie Blutflecken aus.<br \/>\nJack und Sandra kommen gleichzeitig, sie mit dem Kaffee. Nachdem sie wieder drau\u00dfen ist, halte ich fragend meine Zigarettenschachtel hoch. Jack nickt. Ich z\u00fcnde mir eine Zigarette an und betrachte ihn neugierig.<br \/>\n\u201eIch habe ein paar Leute angesetzt, Bens letzte F\u00e4lle anzuschauen. Oder findest du es nicht seltsam, dass er entf\u00fchrt wurde?\u201c<br \/>\n\u201eIch finde im Moment alles seltsam\u201c, erwidere ich melancholisch.<br \/>\n\u201eFiona? Alles in Ordnung?\u201c<br \/>\n\u201eBestimmt\u201c, versichere ich und nehme einen tiefen Zug. \u201eJack, ich habe noch nie davon geh\u00f6rt, dass Vollblutd\u00e4monen sich mitten am Tag einen Menschen holen. Auf diese Weise nicht einmal nachts. Und noch ungew\u00f6hnlicher ist dieser Bank\u00fcberfall.\u201c<br \/>\n\u201eEr ist jedenfalls Thema Nummer eins in den Medien. Aber nicht mehr lange. Schwuler Polizist wird entf\u00fchrt, sein Freund ausgeweidet, und das mitten am helllichten Tag in einer bewachten Luxuswohnanlage.\u201c<br \/>\n\u201eKlingt nach einem Schundroman.\u201c<br \/>\n\u201eLeider.\u201c<br \/>\nIch grinse leicht. \u201eEs m\u00fcssten vier oder f\u00fcnf D\u00e4monen sein, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie v\u00f6llig unbemerkt durch die Gegend laufen.\u201c<br \/>\n\u201eIch auch nicht, deswegen lasse ich jeden Polizisten der Stadt alles auseinandernehmen, was irgendwie auff\u00e4llig ist.\u201c<br \/>\n\u201eDu warst ja richtig flei\u00dfig.\u201c<br \/>\nJack seufzt, dann setzt er sich an seinen Schreibtisch. Nachdenklich mustert er mich. \u201eDu hast dich ver\u00e4ndert.\u201c<br \/>\n\u201eIch esse keine Menschen.\u201c<br \/>\nEr lacht. \u201eDas wollte ich damit auch nicht behaupten. Ich sch\u00e4tze, du wirst mir den Grund nicht erz\u00e4hlen.\u201c<br \/>\n\u201eWarum ich keine Menschen esse? Oh, das ist einfach. Sie schmecken mir nicht.\u201c<br \/>\n\u201eIch sollte dir die Zigaretten wegnehmen, sie tun dir offensichtlich nicht gut.\u201c<br \/>\n\u201eVersuchs doch!\u201c Ich grinse. \u201eDu und James, ihr seid euch sehr \u00e4hnlich.\u201c<br \/>\n\u201eUnd das hei\u00dft konkret?\u201c<br \/>\n\u201eIhr bringt mich beide gezielt zum Lachen, wenn ich schei\u00dfe drauf bin.\u201c<br \/>\n\u201eAch, das meinst du.\u201c<br \/>\n\u201eUnd ihr werdet alt.\u201c Zack. Das konnte ich mir nicht verkneifen. F\u00fcr einen Moment bin ich unsicher, ob ich nicht zu weit gegangen bin. Mit James kann ich das machen, das wei\u00df ich. Aber Jack kenne ich nicht so gut. Doch dann entspannen sich seine Gesichtsz\u00fcge und er stellt fest: \u201eDu bist respektlos. Aber auf eine charmante Weise.\u201c<br \/>\n\u201eAutsch.\u201c<br \/>\n\u201eIch w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte eine Tochter wie dich.\u201c Und zack. Er ist ein guter Sparringspartner.<br \/>\n\u201eJetzt sind wir wohl quitt und k\u00f6nnen ernsthaft arbeiten\u201c, erwidere ich. Er grinst.<br \/>\nMein Handy macht H\u00f6llenkrach. Wer zum Teufel hat \u201eRace with the Devil\u201c als Klingelton eingestellt?<br \/>\n\u201eWas ist das?\u201c, fragt Jack entgeistert.<br \/>\n\u201eMein Motto: Race with the Devil.\u201c Ich muss grinsen, w\u00e4hrend ich den Anruf annehme. \u201eHallo, mein Schatz.\u201c<br \/>\n\u201eHi. St\u00f6re ich?\u201c<br \/>\n\u201eDu? Niemals!\u201c<br \/>\n\u201eIch werde dich gegebenenfalls daran erinnern. Wo bist du?\u201c<br \/>\n\u201eBei Jack im B\u00fcro.\u201c<br \/>\n\u201eGr\u00fc\u00df ihn von mir. Gehe ich recht in der Annahme, dass du nicht in der n\u00e4chsten halben Stunde nach Hause kommst?\u201c<br \/>\n\u201eIch k\u00f6nnte auf die Idee kommen, Einsteins Relativit\u00e4tstheorie zu widerlegen, dann doch.\u201c<br \/>\n\u201eSchatz, h\u00fcbsche Blondinen haben keine Ahnung von Physik, also zerst\u00f6re bitte nicht mein Weltbild.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist ansatzweise zynisch.\u201c<br \/>\n\u201eZum Gl\u00fcck nur ansatzweise. \u2013 Und, wie sieht es aus?\u201c<br \/>\n\u201eBeschissen. Sie sprangen mal eben im zweiten Stock durch das Fenster, fra\u00dfen Bens Spielkameraden halb auf und sprangen wieder aus dem Fenster. Dabei nahmen sie Ben mit. Ob als Proviant oder aus weniger niederen Gr\u00fcnden, l\u00e4sst sich derzeit nicht sagen.\u201c<br \/>\n\u201eNenn du mich noch einmal zynisch.\u201c<br \/>\n\u201eWusstest du eigentlich, dass er schwul ist?\u201c<br \/>\n\u201eGewusst nicht, aber ich hatte so eine Vermutung. Nur ist das nichts, was man einfach mal so fragt.\u201c<br \/>\n\u201eJa, das ist wahr. Manchmal erschreckt mich meine eigene Naivit\u00e4t. \u2013 Bist du eigentlich noch bei meinen Eltern?\u201c<br \/>\n\u201eWir sind.\u201c<br \/>\n\u201eKlasse. Frag bitte meine Mutter, wie man Tomatensaftflecken aus Jeans entfernt.\u201c<br \/>\n\u201eWie bitte?\u201c<br \/>\n\u201eTomatensaftflecken. Jeans. Entfernen.\u201c Ich sehe Jack strafend an, der sich vor Lachen verschluckt.<br \/>\n\u201eWarum fragst du sie nicht selbst?\u201c, fragt James s\u00e4uerlich und reicht mich weiter.<br \/>\n\u201eMama?\u201c<br \/>\n\u201eMein Kind, James hat erz\u00e4hlt, was passiert ist. Ich habe davon ja auch im Fernsehen was gesehen, das ist ja schrecklich.\u201c<br \/>\n\u201eIm Fernsehen wurde berichtet, dass ich Tomatensaftflecken auf der Hose habe?\u201c<br \/>\n\u201eWas?\u201c<br \/>\nIch z\u00fcnde mir mit einer Hand eine neue Zigarette an, und Jack sieht sich unger\u00fchrt an, wie ich mich abm\u00fche. \u201eWie kriege ich Tomatensaftflecken aus Jeans?\u201c<br \/>\n\u201eIch verstehe nicht &#8230;\u201c<br \/>\nIch schlie\u00dfe die Augen und z\u00e4hle langsam r\u00fcckw\u00e4rts. \u201eWas ist mit euch los? Ich will einfach nur wissen, wie ich Tomatensaftflecken aus Jeans rauskriege. Das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein.\u201c<br \/>\nJack liegt halb auf dem Boden.<br \/>\n\u201eMit Kernseife. Einweichen, dann normal waschen.\u201c<br \/>\n\u201eNa, endlich eine vern\u00fcnftige Antwort.\u201c<br \/>\n\u201eAber \u2026 ich dachte, du bist bei der Polizei wegen \u2026 wegen dieser schrecklichen Sache.\u201c Arme Mama.<br \/>\n\u201eBin ich auch. Ich habe ein Tomatenbeet gekillt, und die Tomaten haben sich fieserweise an meiner Hose ger\u00e4cht.\u201c<br \/>\n\u201eTut mir leid, mein Kind, du hast grad eine Laune, die kann ich einfach nicht ertragen. Ciao.\u201c Und schon habe ich wieder James dran. Ich kann h\u00f6ren, dass er das Lachen nur mit M\u00fche unterdr\u00fcckt. \u201eDu machst deine Mutter ungl\u00fccklich.\u201c<br \/>\n\u201eTut mir leid.\u201c Glatt gelogen, und alle, die mich kennen, wissen das auch. \u201eAlso, wenn du nachher nach Hause gehst, schau bitte nach, ob wir Kernseife haben, sonst bringe ich welche mit.\u201c<br \/>\n\u201eJa, Chefin.\u201c<br \/>\n\u201eArschloch.\u201c Ich lege w\u00fctend auf. Und rufe ihn wieder an. \u201eTut mir leid. Diesmal wirklich.\u201c<br \/>\nJetzt z\u00e4hlt er r\u00fcckw\u00e4rts. Dann fragt er ruhig: \u201eWas ist passiert?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe Tomaten gekillt. \u2013 Ich \u2026 ich hatte einen Blackout in der Wohnung von Ben. Schei\u00dfe \u2026 davon war keine Rede, dass mein K\u00f6rper zwar heilt, aber meine Seele nicht.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht ist das die Aufgabe. Zu wachsen.\u201c<br \/>\n\u201eWas?\u201c<br \/>\n\u201eIst das nicht so? Ist das nicht etwas, woran deine Seele wachsen kann?\u201c<br \/>\n\u201eHm.\u201c Ich betrachte Jack, der jetzt sehr ernst an seinem Schreibtisch sitzt. \u201eJa, vielleicht. Jedenfalls wurde dadurch meine vorher schon nicht rosige Laune nicht besser.\u201c<br \/>\n\u201eVerst\u00e4ndlich. Und was habt ihr jetzt vor?\u201c<br \/>\n\u201eWir versuchen, in Bens F\u00e4llen einen Hinweis zu finden, wieso ausgerechnet er entf\u00fchrt wurde. Und wieso er \u00fcberhaupt entf\u00fchrt wurde.\u201c<br \/>\n\u201eViel Erfolg. Ich glaube nicht, dass ihr da was finden werdet.\u201c<br \/>\n\u201eIch auch nicht\u201c, erwidere ich m\u00fcde. \u201eAber ich habe im Moment keine bessere Idee.\u201c<br \/>\n\u201eHast du Katharina schon gefragt?\u201c<br \/>\nIch erstarre f\u00fcr den Bruchteil eines Moments. So kurz nur, dass es nicht einmal f\u00fcr eine Teilchenkollision reichen w\u00fcrde. Danach h\u00f6re ich mich antworten: \u201eNein. Ich glaube nicht, dass sie da helfen kann.\u201c<br \/>\n\u201eO. K. Wahrscheinlich hast du recht damit. \u2013 Na gut, ich halte euch nicht l\u00e4nger auf. Schatz &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eJa?\u201c<br \/>\n\u201eVersprich mir, dass du dich meldest, wenn es dir wieder so dreckig geht. Ich sp\u00fcre deinen Schmerz.\u201c<br \/>\nOh Mist. Ich schlie\u00dfe die Augen und halte den Atem an. Dann nicke ich. Doofkopf, er kann dich doch nicht sehen. \u201eJa, das werde ich. Ich liebe dich.\u201c Und lege schnell auf. Oh Mann, was f\u00fcr ein Tag.<br \/>\nJack mustert mich, ich mustere ihn. Dann z\u00fcnde ich meine n\u00e4chste Zigarette an. Heute werde ich bestimmt meinen eigenen Rekord brechen. Vielleicht sollte ich mit dem Rauchen aufh\u00f6ren. Andererseits \u2013 es entspannt, und ich werde ganz sicher nicht an den Folgen sterben. Zumindest nicht auf Dauer.<br \/>\n\u201eFiona \u2026 ich habe ein Problem mit der Vorstellung, dass sich D\u00e4monen einfach so in dieser Stadt verstecken k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen doch auffallen.\u201c<br \/>\nWenn er w\u00fcsste. \u201eJack, hast du eine Ahnung, wie viele D\u00e4monen oder \u00e4hnliche nicht ganz menschliche Wesen in Skyline leben?\u201c<br \/>\n\u201eNein. Bislang ist mir keine Statistik dazu untergekommen. Wie viele sind es denn?\u201c<br \/>\n\u201eWas sch\u00e4tzt du?\u201c<br \/>\n\u201eIch wollte nicht sch\u00e4tzen, aber wenn du schon so fragst, sind es vermutlich mehr, als ich zuerst gesch\u00e4tzt h\u00e4tte. 1000?\u201c<br \/>\n\u201eIch rede von Skyline, nicht von einem kleinen Dorf. Genaue Zahlen habe ich nat\u00fcrlich auch nicht, aber etwa eine halbe Million d\u00fcrfte realistisch sein.\u201c<br \/>\nDie Zahl l\u00e4sst seine Gesichtsz\u00fcge entgleisen. \u201eEine. Halbe. Million?\u201c<br \/>\n\u201ePlusminus, ja. Viele von denen leben in den Katakomben, die ja gr\u00f6\u00dfer sind als die Stadt. Aber selbst \u00fcberirdisch d\u00fcrften es an die 200.000 sein. Die Wenigsten von ihnen fallen auf, viele sind Mischlinge, entstanden aus Aff\u00e4ren oder l\u00e4ngeren Beziehungen zwischen Menschen und \u2026 \u00e4h \u2026 eben Nichtmenschen.\u201c<br \/>\n\u201eKennst du \u2026 Nichtmenschen?\u201c<br \/>\nIch nicke.<br \/>\n\u201eUnd das meinst du ernst, dass sich Menschen mit Nichtmenschen paaren?\u201c<br \/>\n\u201eDas kommt durchaus oft vor. Jack, vergiss alles, was du aus bl\u00f6den Filmen \u00fcber D\u00e4monen, Vampire und sonstige Gruselgestalten wei\u00dft. Manche, wie wir ja auch heute wieder gesehen haben, k\u00f6nnen sehr unangenehm werden, aber das ist keine typisch nichtmenschliche Eigenschaft.\u201c<br \/>\n\u201eEher im Gegenteil.\u201c<br \/>\n\u201eDu sagst es. \u2013 Verdammt, wer raucht immer meine Zigaretten auf?\u201c Ich werde es nie erfahren, denn Sandra steckt ihren Kopf durch die T\u00fcr. \u201eChef, da ist eine Polizistin, sie meint, sie hat vielleicht eine wichtige Information zu Ben.\u201c<br \/>\n\u201eDann soll sie reinkommen.\u201c<br \/>\nSie ist noch jung, etwa in meinem Alter, und sehr unsicher. Sie tritt von einem Bein auf das andere, w\u00e4hrend ich sie mustere. Jack bietet ihr einen Stuhl an. Sie setzt sich vorsichtig.<br \/>\n\u201eWie ist Ihr Name?\u201c, erkundigt sich Jack.<br \/>\n\u201eMarlen.\u201c<br \/>\n\u201eO. K., Marlen. Sie wissen etwas, was Ben helfen k\u00f6nnte?\u201c<br \/>\n\u201eNun \u2026 ich bin mir nicht ganz sicher \u2026 aber ich dachte, falls es doch wichtig ist und ich erz\u00e4hle es nicht &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDas ist ein guter Gedanke. Erz\u00e4hlen Sie es uns?\u201c<br \/>\nMarlen wirft mir einen scheuen Blick zu, als ich mir die n\u00e4chste Zigarette anz\u00fcnde. Mir ist bewusst, dass \u00fcber mich wahre Legenden erz\u00e4hlt werden, und auch wenn ich kein Unschuldslamm bin, ist das Meiste wahrscheinlich ma\u00dflos \u00fcbertrieben. Und nun sitzt diese Legende beim Chief, raucht in aller Seelenruhe eine Zigarette und sieht auch noch v\u00f6llig harmlos aus. Mit Tomatensaftflecken auf den Jeans.<br \/>\n\u201eAlso, das war so \u2026 heute Morgen kam jemand. Eine Frau, in Begleitung eines Mannes. Dieser Mann, er fiel mir auf, weil er so unsicher ging. Nicht wie ein Betrunkener oder so, eher wie ein kleines Kind, das noch nicht gelernt hat, sicher zu gehen. Und er trug einen langen Mantel.\u201c<br \/>\n\u201eBei dem Wetter?\u201c, frage ich.<br \/>\n\u201eJa, das fand ich auch seltsam. Die Frau war normal gekleidet. Na ja, vielleicht ein bisschen zu \u2026 freiz\u00fcgig. Aus der N\u00e4he konnte ich schon ziemlich tief in ihr Dekollet\u00e9 schauen. Und sie tat alles daf\u00fcr, dass ich da hinschaue.\u201c<br \/>\n\u201eWar sie lesbisch?\u201c<br \/>\n\u201eDas \u2026 das glaube ich nicht. Es wirkte sehr aufgesetzt.\u201c<br \/>\n\u201eO. K. Und was geschah dann?\u201c<br \/>\n\u201eSie wollte wissen, wo sie einen David findet.\u201c<br \/>\n\u201eDavid wer?\u201c<br \/>\n\u201eDas hat sie nicht gesagt, Sir. Sie hatte nur den Vornamen und fand es sehr seltsam, dass wir ihr nicht sagen konnten \u2013 und auch nicht sagen wollten \u2013 wo sie ihn finden k\u00f6nnte.\u201c<br \/>\n\u201eWirklich seltsam. Aber wieso glauben Sie, dass das was mit der Entf\u00fchrung zu tun hat?\u201c<br \/>\n\u201eNun, Sir, als sie gemerkt hat, dass sie nichts erreicht, obwohl ihr schon fast eine Brust aus dem Kleid gerutscht ist \u2013 und meine Kollegen sich pl\u00f6tzlich ziemlich kindisch benahmen \u2013, da hat sie ihre Taktik ge\u00e4ndert und fragte, ob sie jemanden sprechen k\u00f6nnte, der hier was zu sagen hat. Ich wollte ihr grad erkl\u00e4ren, dass sie erst einmal mir erz\u00e4hlen m\u00fcsste, um was es \u00fcberhaupt geht, da verlie\u00df Mr Norris das Haus, um heimzugehen. Sie fragte dann, wer das sei und ging dann. Das war sehr seltsam, wie sie es pl\u00f6tzlich eilig hatte, aber ich konnte ja nicht wissen, was passieren w\u00fcrde.\u201c Sie bricht in Tr\u00e4nen aus und Jack hat M\u00fche, sie zu beruhigen. Schlie\u00dflich reiche ich ihr eine Zigarette und gebe ihr Feuer. Das hilft. Das hilft immer. Sie wischt sich die Tr\u00e4nen ab und schnieft.<br \/>\nNachdem sie weg ist, sieht Jack mich an. \u201eSchneewittchen\u201c, nicke ich. \u201eEndlich eine Spur. Wir brauchen dringend das Phantombild.\u201c<br \/>\n\u201eSie l\u00e4sst es ja jetzt anfertigen. Was h\u00e4ltst du von ihrem Begleiter?\u201c<br \/>\nIch zucke die Achseln. \u201eEin D\u00e4mon. Spannend finde ich die Frau. Einerseits kannte sie sich mit unseren Gepflogenheiten aus, aber so richtig auch wieder nicht.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist wahr. Glaubt, dass wir ihr helfen k\u00f6nnen und wollen, einen David zu finden. Welchen von den zigtausend?\u201c<br \/>\n\u201eDas bedeutet, sie lebt nicht in der Zivilisation. Damit wird ihre Vorgehensweise zumindest teilweise verst\u00e4ndlich. Und es macht sie und ihren Begleiter gef\u00e4hrlich. Genauer gesagt, ihre Begleiter. Im Garten waren definitiv die Spuren von mehr als zwei D\u00e4monen.\u201c<br \/>\n\u201eWie viele?\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht 4. Oder mehr. Genau konnte ich das nicht erkennen, dazu waren die Spuren zu durcheinander.\u201c<br \/>\nJack l\u00e4sst sich seufzend in einem der Sessel nieder. \u201eJetzt nehme ich auch eine Zigarette.\u201c<br \/>\nWir sitzen schweigend da und rauchen.<\/p>\n<p>Falls Nasnat vor meiner Ankunft schlechte Laune hatte, wird sie durch meinen Anblick auch nicht besser. Da ich das allerdings schon gewohnt bin, lasse ich mich dadurch nicht verunsichern. Trotzdem w\u00e4re es sicherlich interessant zu erleben, wie Nasnat sich verh\u00e4lt, wenn er gute Laune hat. Falls er dazu \u00fcberhaupt f\u00e4hig ist. So allm\u00e4hlich habe ich da meine Zweifel.<br \/>\n\u201eWas willst du?\u201c, bellt er, nachdem ich mich an ihm vorbeigedr\u00e4ngelt habe.<br \/>\n\u201eZu dir.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist bei mir. Kannst also wieder gehen.\u201c<br \/>\n\u201eUnd mit dir reden!\u201c<br \/>\n\u201eDas kostet aber extra.\u201c<br \/>\n\u201eDas geh\u00f6rte mal zum Basistarif.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist eine harte Verhandlungspartnerin. Na sch\u00f6n. Willst du einen Tee?\u201c<br \/>\n\u201eKlar.\u201c<br \/>\nWir setzen uns in die K\u00fcche. An die unsichtbare Bedienung habe ich mich schnell gew\u00f6hnt, jetzt f\u00e4llt sie gar nicht mehr auf. Ich denke auch daran, mich nicht zu bedanken. Nasnat hatte mir mal erkl\u00e4rt, dass ich genauso gut zu der Wand \u201eDanke\u201c sagen k\u00f6nnte.<br \/>\n\u201eFang an zu reden.\u201c<br \/>\nIch mustere den kleinen Nasnat. Wenigstens sind wir auf Augenh\u00f6he. \u201eDu warst auch schon mal freundlicher. Nicht viel freundlicher, aber so eine kleine Nuance, da bin ich mir ganz sicher.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin kein Psychoonkel.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist wohl wahr.\u201c Zum Gl\u00fcck habe ich nichts im Mund und kann mich auch nicht verschlucken. \u201eO. K., dann komme ich direkt zur Sache.\u201c<br \/>\n\u201eIch bitte darum.\u201c<br \/>\n\u201eKennst du Schneewittchen?\u201c<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich. Ich habe sie immer besucht, wenn die Zwerge in dem Berg waren.\u201c<br \/>\n\u201eOh. Warum hast du sie denn besucht?\u201c<br \/>\nNasnat betrachtet mich mitleidig. \u201eMeine Verehrteste, dein Mann tut mir leid. L\u00e4uft er schon \u00fcber?\u201c<br \/>\nIch schlage mir auf die Stirn. \u201eJetzt verstehe ich! Du hast einen Witz gemacht! \u2013 Entschuldige, es ist mir v\u00f6llig entgangen.\u201c<br \/>\n\u201eWie gesagt, dein Mann tut mir leid. Was ist mit Schneewittchen? Schon wieder schwanger?\u201c<br \/>\nIch umfasse die Teetasse mit beiden H\u00e4nden, beuge mich \u00fcber den Tisch und starre Nasnat in die Augen. \u201eSie und ihre Zwerge haben erst eine Bank \u00fcberfallen, alle Menschen dort zerfetzt und teilweise aufgefressen. Dann haben sie heute meinen Freund Lieutenant Ben Norris zu Hause \u00fcberfallen, entf\u00fchrt und vorher seinen Freund ausgeweidet und teilweise aufgegessen.\u201c<br \/>\n\u201eHm. So psychopathisch habe ich sie nie erlebt, da kann ich jetzt nichts dazu sagen. \u2013 Von der Bank habe ich geh\u00f6rt, das mit dem Polizisten ist neu f\u00fcr mich. Bist du sicher, dass es nicht blo\u00df besonders durchgeknallte, menschliche Idioten sind?\u201c<br \/>\n\u201eBin ich. Ich konnte sie riechen.\u201c<br \/>\nNasnat nickt langsam. \u201eDas ist schade. Durchgeknallte menschliche Idioten, die so was machen, sind mir deutlich lieber als durchgeknallte D\u00e4monen.\u201c<br \/>\n\u201eMir auch, Nasnat. Ich habe gehofft, du kannst mir helfen.\u201c<br \/>\n\u201eDas w\u00fcrde ich gerne. Ich f\u00fcrchte nur, dass ich in diesem Fall weniger wei\u00df als du.\u201c<br \/>\n\u201eDas geht gar nicht.\u201c<br \/>\n\u201eDann wissen wir beide nichts.\u201c<br \/>\n\u201eSchade.\u201c<br \/>\nNasnat nippt an seinem Tee und beobachtet mich aus den Augenwinkeln. \u201eEr ist ein guter Freund?\u201c<br \/>\n\u201eJa. Er war dabei, als das mit \u2026 mit meinem Onkel geschah. Gef\u00fchlt der einzige Polizist, der auf meiner Seite stand.\u201c<br \/>\n\u201eIch verstehe. Es tut mir leid. Vielleicht bringt es was, intensiv dar\u00fcber nachzudenken, wo sich solche D\u00e4monen verstecken k\u00f6nnten. Denn eins ist offensichtlich: Sie halten sich noch nicht lange in der Zivilisation auf.\u201c<br \/>\n\u201eDen Verdacht habe ich auch. Aber kannst du das ein wenig konkretisieren?\u201c<br \/>\nEr zuckt die Achseln. \u201eSie werden sich ja wohl kaum ein Appartement gemietet haben.\u201c<br \/>\n\u201eBleiben blo\u00df eine Million M\u00f6glichkeiten\u201c, erwidere ich. \u201eAber du hast recht, mit ihren Essgewohnheiten w\u00fcrden sie auffallen. Und wahrscheinlich auch mit ihren sonstigen Gewohnheiten. Jedenfalls, der Tee war mal wieder sehr gut.\u201c<br \/>\n\u201eDaran wird sich auch niemals etwas \u00e4ndern. Eher geht die Welt unter.\u201c<br \/>\nEr begleitet mich zur T\u00fcr hinaus. Wir verabschieden uns nicht, das tun wir nie. Denn dann m\u00fcsste er ja zugeben, dass er sich \u00fcber den Besuch gefreut hat.<br \/>\nDrau\u00dfen stelle ich erstaunt fest, dass es schon dunkel geworden ist. Mein Wagen, vielmehr der von James, steht unversehrt dort, wo ich ihn abgestellt habe. In dieser Gegend eigentlich gar nicht so selbstverst\u00e4ndlich, allerdings scheint es, als w\u00fcrden das Haus und die n\u00e4here Umgebung von Leuten, die der Idee des Eigentums ablehnend gegen\u00fcberstehen, gemieden. F\u00fcr den Rest der Gegend gilt das vermutlich eher nicht.<br \/>\nNach einem Blick auf die T\u00fcr zum geheimnisvollen Haus von Nasnat drehe ich mich um und will zu meinem Auto gehen. In der Drehbewegung nehme ich etwas wahr, was den inneren Roten Alarm ausl\u00f6st, bevor ich bewusst wahrgenommen habe, dass etwas Gro\u00dfes und Dunkles auf mich zukommt. Zukommt? Zurast! Und zwar so schnell, dass ich trotz meiner \u00fcbermenschlichen Reflexe keine Chance habe, den Angriff abzuwehren. Etwas Handartiges umschlie\u00dft meinen Hals, eine andere Hand packt meine kurzen Haare, zusammen heben sie mich hoch und dr\u00fccken mich gegen die Hauswand. In meinem Blickfeld erscheint das Gesicht meiner Albtr\u00e4ume.<br \/>\nLeuchtend blaue Augen mustern mich neugierig, Z\u00e4hne, die selbst einem wei\u00dfen Hai zur Ehre gereichen w\u00fcrden, blitzen hinter den sich \u00f6ffnenden Lippen auf, als das Etwas zu mir spricht: \u201eDu wirst Nasnat rausrufen.\u201c<br \/>\n\u201eWarum klopfst du nicht bei ihm an, wie es sich geh\u00f6rt?\u201c, erkundige ich mich.<br \/>\nEr schl\u00e4gt meinen Kopf mit einer l\u00e4ssigen Bewegung gegen die \u00e4u\u00dferst harte Hauswand. \u201eDein Humor ist ber\u00fcchtigt. Man sagt, dass man dir die Augen rausrei\u00dfen kann und du machst noch Witze \u00fcber innere Welten.\u201c<br \/>\n\u201eAnscheinend habe ich mir einen guten Ruf erarbeitet &#8230;\u201c Das zweite Mal, als mein Kopf gegen die Hauswand klopft, tut es schon richtig weh. Wahrscheinlich habe ich eine Platzwunde. Die Situation wird ungem\u00fctlich.<br \/>\n\u201eWas h\u00e4ltst du davon, wenn du mich losl\u00e4sst, bevor wir uns weiter unterhalten?\u201c<br \/>\n\u201eNichts. Du bist eine Kriegerin. Mit Kriegern mache ich f\u00fcr gew\u00f6hnlich kurzen Prozess. Dass du noch am Leben bist, hat einzig damit zu tun, dass ich dich brauche.\u201c<br \/>\n\u201eUm bei Nasnat reinzukommen, ja, das habe ich verstanden.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist ja intelligent\u201c, grinst das dunkle Wesen. Dunkel, weil es vollst\u00e4ndig in Schwarz gekleidet ist wie ein Nachtmahr. \u201eDu hast also die Wahl &#8230;\u201c<br \/>\nMir gef\u00e4llt diese Fortsetzung nicht. Ich packe seine Pranken, um mir mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Er merkt, dass wir kr\u00e4ftem\u00e4\u00dfig ausgeglichen sind, denn pl\u00f6tzlich schleudert er mich herum und l\u00e4sst mich los, sodass ich gegen ein Auto fliege und dessen Dach halb eindr\u00fccke, bevor ich ziemlich unsanft auf der Stra\u00dfe lande. Die Begegnung mit der Dachkante, die meinen Unterleib etwas in Mitleidenschaft zieht, raubt mir vor\u00fcbergehend den Atem, sodass ich noch auf der Stra\u00dfe liege, als mein neuer Feind in meinem Blickfeld auftaucht.<br \/>\n\u201eWie stehst du jetzt zu meinem Vorschlag?\u201c, erkundigt er sich.<br \/>\nStatt einer Antwort rolle ich mich von ihm weg, in der Hoffnung, schnell genug aufstehen zu k\u00f6nnen, aber das ist in meinem Zustand illusorisch. Die Pranken haben mich wieder, heben mich hoch und ich trete meinen n\u00e4chsten Flug an. Er endet in Glasscherben, und ich finde mich zwischen B\u00fcchern wieder. Mir fehlt allerdings die Zeit herauszufinden, in welchem Genre ich gelandet bin. Einerseits merke ich, dass ich diverse Glassplitter in mir habe und teilweise kr\u00e4ftig blute, andererseits sehe ich auch meinen neuen Feind auf den Buchladen zukommen.<br \/>\nW\u00e4hrend er in das Schaufenster einsteigt, drehe ich mich auf den Bauch und packe das dickste Buch in meiner Reichweite. Und als das dunkle Wesen neben mir stehen bleibt, um sein sadistisches Spiel fortzusetzen, richte ich mich halb auf und schlage mit der offenen Seite des Hardcoverbuchs in sein Gesicht. Das tut weh, selbst einem D\u00e4mon, denn das Buch ist wirklich dick und hart. Ich werfe einen Blick auf den Titel: die Bibel. Wie praktisch.<br \/>\nEr taumelt zur\u00fcck, ich richte mich ganz auf. Mich auf Lorbeeren auszuruhen w\u00e4re jetzt fatal. Ich versetze ihm einen linken Haken gegen die Wange, die ich soeben noch mit dem Buch maltr\u00e4tiert hatte. Er taumelt noch weiter zur\u00fcck, aus dem Schaufenster ins Ladengesch\u00e4ft, wo er das ein oder andere dekorative Element seines Daseinszwecks beraubt. Ich taumele hinterher, denn anders kann man das vermutlich nicht bezeichnen, was ich vollf\u00fchre. Zumindest bin ich schneller beim Taumeln als der D\u00e4mon, denn er f\u00e4ngt sich von mir den n\u00e4chsten Treffer ein. Und gleich noch einen. Langsam laufe ich mich warm und erinnere mich wieder, was ich so alles gelernt habe. Mehrere Beinkombinationen sp\u00e4ter liegt er auf dem Boden, und ich, wohlwissend, dass er ein D\u00e4mon ist und nicht verh\u00e4tschelt werden will, springe beidbeinig auf seinen Kopf. Das sorgt erst einmal f\u00fcr Ruhe.<br \/>\nIch bin sauer. Zu den Tomatensaftflecken kommen auch noch Blutflecken. Und nicht nur auf den Jeans. Mein Gesicht f\u00fchlt sich an wie ein Schnitzel nach dem Flachklopfen. Als ich es ber\u00fchre, sind hinterher meine H\u00e4nde rot, soweit ich es im schummrigen Alarmlicht beurteilen kann.<br \/>\nDie Polizei d\u00fcrfte auch bald da sein.<br \/>\nUnd das gef\u00e4llt mir im Moment nicht wirklich. Wie erkl\u00e4re ich denen, dass ich mich mit einem D\u00e4mon gepr\u00fcgelt habe und ihn dann mit der Bibel ruhigstellte? Wobei, es passt schon, irgendwie.<br \/>\nDer D\u00e4mon bewegt seinen Kopf. Sicherheitshalber springe ich auf seinen Bauch, damit er auf keine dummen Ideen kommt. Es wirkt.<br \/>\n\u201eWas willst du eigentlich von mir?\u201c, erkundige ich mich.<br \/>\n\u201eVon dir nichts &#8230;\u201c, erwidert er st\u00f6hnend. \u201eIch will Nasnat.\u201c<br \/>\n\u201eWarum?\u201c<br \/>\n\u201eDas geht dich nichts an.\u201c<br \/>\nIch entdecke meine sadistische Ader, er einen weiteren Schmerzpunkt in der Gegend seines Bauchs. Aber seine Meinung \u00e4ndert sich dadurch nicht. Ich beschlie\u00dfe angesichts des Zeitmangels, dass ich damit leben kann.<br \/>\n\u201eDie Polizei ist gleich da &#8230;\u201c, erz\u00e4hlt er mir dann, leicht gepresst.<br \/>\n\u201eIch wei\u00df.\u201c<br \/>\n\u201eWas willst du denen sagen? Und willst du riskieren, dass ich einige von deinen Freunden t\u00f6te?\u201c<br \/>\n\u201eDu wei\u00dft verd\u00e4chtig viel \u00fcber mich\u201c, knurre ich.<br \/>\n\u201eDu bist ber\u00fchmt.\u201c<br \/>\n\u201eAch?\u201c<br \/>\n\u201eDas war dir nicht bewusst?\u201c Er lacht leise. \u201eDu bist naiv, Fiona. Sehr naiv. Liebenswert naiv. Und du solltest mich gehen lassen, das w\u00e4re die beste L\u00f6sung f\u00fcr uns.\u201c<br \/>\nSoll ich wirklich zugeben, dass ich das auch so sehe? Einerseits bin ich sauer auf ihn, andererseits habe ich es ihm mit Zinseszins heimgezahlt. Und das Blaulicht kann man schon sehen. Schlechtgelaunt trete ich zur Seite und beobachte ihn dabei, wie er leicht gekr\u00fcmmt, aber dennoch flink durch das Schaufenster den Buchladen verl\u00e4sst und dann die Hauswand hochklettert. Ach ja, da ist eine Feuerleiter.<br \/>\nIch warte kurz, dann folge ich ihm.<br \/>\nWeit komme ich nicht. Unter mir h\u00e4lt ein Wagen, T\u00fcren klappen und ein Lichtkegel erfasst mich.<br \/>\n\u201eHalt! Kommen Sie runter! Wir schie\u00dfen sonst!\u201c<br \/>\nIch tue so, als w\u00fcrde ich vor Schreck erstarren.<br \/>\n\u201eLos, runterkommen!\u201c<br \/>\nIch setze mich langsam abw\u00e4rts in Bewegung. Noch bevor ich unten ankomme, werde ich von H\u00e4nden gepackt, runtergerissen und gegen die Wand gedr\u00fcckt. Zwei H\u00e4nde tasten mich flink ab, dann werden meine Arme nach hinten gedreht und die H\u00e4nde auf dem R\u00fccken gefesselt. Meine erste Verhaftung, na toll.<br \/>\nWenn ich gehofft habe, ich w\u00fcrde erkannt werden, so wird diese Hoffnung entt\u00e4uscht. Selbst als ich mich umdrehe und sie mir ins Gesicht leuchten, merken sie nicht, wer ich bin. Ich beschlie\u00dfe, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, wenn ich hier erst einmal wegkomme, daher lasse ich mich widerstandslos in den Streifenwagen bugsieren, nachdem mir meine Rechte vorgelesen wurden. Kaum sitze ich, kommen schon die n\u00e4chsten Streifenwagen und ein Sonderkommando. Der Leiter des SEK kann allerdings nur noch feststellen, dass es nichts zu tun gibt. Er leuchtet mich kurz an, dann fahren wir los.<br \/>\nIch lehne den Kopf zur\u00fcck und schlie\u00dfe die Augen. Trotzdem merke ich, dass ich von dem Beifahrer beobachtet werde.<br \/>\n\u201eWas war da los?\u201c, fragt er pl\u00f6tzlich.<br \/>\n\u201eHast du eine Zigarette?\u201c<br \/>\n\u201eNein\u201c, erwidert er m\u00fcrrisch und dreht sich wieder nach vorne.<br \/>\nManchmal muss man einen Ort mehrmals besuchen, ehe man begreift, wie wichtig er ist. Zumindest schie\u00dft mir dieser Gedanke durch den Kopf, als wir am Pr\u00e4sidium halten. Ich werde nicht besonders sanft aus dem Wagen geholt und Richtung Hintereingang bewegt. Dennoch landen wir am Empfang.<br \/>\nUnd hier starrt mich Marlen v\u00f6llig entgeistert an.<br \/>\n\u201eWas \u2026 wieso \u2026 was macht ihr da?\u201c, stottert sie meine Begleiter an.<br \/>\n\u201eWir bringen eine Verd\u00e4chtige, die wir verhaftet haben. Was ist denn mit dir los?\u201c<br \/>\n\u201eEine Verd\u00e4chtige? Himmel, wisst ihr eigentlich, wen ihr da verhaftet habt?\u201c<br \/>\n\u201eBis jetzt haben wir ihre Personalien nicht aufgenommen\u201c, erkl\u00e4rt der Beifahrer beleidigt. \u201eMarlen, was ist los?\u201c<br \/>\n\u201eWas los ist? Ihr Idioten, ihr habt Fiona Flame verhaftet!\u201c<br \/>\nDie Wirkung ist gewaltig. Fast so, als h\u00e4tte sie ihnen erkl\u00e4rt, dass ich die Pr\u00e4sidententochter bin. Ich mustere die beiden, dann Marlen.<br \/>\n\u201eIch muss pinkeln. Begleitet mich jemand, oder nimmt mir jemand die Handschellen ab?\u201c<br \/>\nEiner der beiden Jungs, die mich verhaftet haben, beeilt sich, mich von den viel zu engen Handschellen zu befreien. Ich reibe meine ger\u00f6teten Handgelenke.<br \/>\nMarlen zeigt mir, wo die Toilette ist. Sie blicken mir alle stumm hinterher, bis ich die T\u00fcr hinter mir zuziehe. Die Toilette ist sauber. Ich verschanze mich in einer der Kabinen und lasse meinen Tr\u00e4nen freien Lauf.<br \/>\nAnschlie\u00dfend bem\u00fche ich mich vor dem Spiegel, meinem Gesicht wieder ein halbwegs menschliches Aussehen zu geben. Dazu muss ich eine Menge Splitter entfernen, was zu diversen Nachblutungen f\u00fchrt. Und etwas schmerzhaft ist die Prozedur auch noch, was wiederum zu weiteren Tr\u00e4nen f\u00fchrt. Irgendwann bin ich fertig, wasche mein Gesicht, so gut es geht, und trockne es mit den Papiert\u00fcchern ab. Endlich erkenne ich mich selbst im Spiegel wieder.<br \/>\nNachdem ich Marlen davon \u00fcberzeugt habe, dass es keinen Grund gibt, Jack aus dem Bett oder aus was auch immer zu klingeln und es viel besser w\u00e4re, mich einfach wieder zu meinem Wagen zu fahren, bieten sich meine neuen Freunde an, den Chauffeurdienst zu \u00fcbernehmen. Da sage ich nat\u00fcrlich nicht Nein.<br \/>\nUnd so sitze ich wieder auf meinem angestammten Platz. Nur habe ich diesmal wenigstens die H\u00e4nde frei.<br \/>\n\u201eHey, Freunde, habt ihr eine Zigarette? Oder ist das Rauchen hier verboten?\u201c<br \/>\n\u201eBeides\u201c, erkl\u00e4rt der Beifahrer und h\u00e4lt seine Schachtel an das Gitter. Sogar Feuer gibt er mir, und er f\u00e4hrt die Seitenscheibe hinten hinunter. Ich kann das nicht.<br \/>\n\u201eEines w\u00fcrde mich interessieren\u201c, sagt der Beifahrer. Sein Kollege ist m\u00f6glicherweise stumm. Obwohl, so weit ich wei\u00df, d\u00fcrfte er dann keine Streife fahren. Also \u00fcberl\u00e4sst er wohl einfach nur das Reden seinem Kollegen, der das mit sichtlicher Begeisterung tut.<br \/>\n\u201eSo gl\u00fccklich m\u00f6chte ich auch mal sein.\u201c<br \/>\n\u201eWie bitte?\u201c<br \/>\n\u201eDass mich nur Eines interessiert.\u201c<br \/>\nJetzt lachen sie endlich, und zwar beide.<br \/>\n\u201eNein, ernsthaft. Wieso l\u00e4sst sich jemand wie Fiona von uns festnehmen?\u201c<br \/>\n\u201eWieso habt ihr mich nicht erkannt?\u201c<br \/>\n\u201eEs war dunkel und dein Gesicht \u2026 na ja \u2026 nicht gut zu erkennen.\u201c<br \/>\nIch denke an die vielen Glassplitter und nicke. \u201eIch war auch nicht ganz bei mir. Beim Kampf habe ich ein paar Treffer abbekommen.\u201c<br \/>\n\u201eJa, das stimmt. Sollen wir dich nicht lieber ins Krankenhaus fahren?\u201c<br \/>\n\u201eAuf keinen Fall!\u201c Ich hasse Krankenh\u00e4user, au\u00dferdem m\u00fcssen sie nicht mitkriegen, dass meine Wunden schon alle verheilt sind. \u201eMir geht es gut, mein Mann wird mich hegen und pflegen.\u201c<br \/>\nDas befriedigt sie nicht wirklich, aber sie lassen sich \u00fcberzeugen, keine Plan\u00e4nderung vorzunehmen.<br \/>\n\u201eGegen wen hast du \u00fcberhaupt gek\u00e4mpft? Wir haben niemanden mehr gesehen.\u201c<br \/>\n\u201eEr ist auf das Dach entkommen\u201c, erwidere ich. \u201eIch wollte grad zu meinem Auto, als er \u00fcber mich herfiel.\u201c<br \/>\n\u201eIst eine gef\u00e4hrliche Gegend hier. Aber dass ausgerechnet Fiona sich von so einem Typen &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDas war kein Stra\u00dfenr\u00e4uber.\u201c Ein schwacher Versuch, meine Ehre zu retten. \u201eDie fliehen selten auf Hausd\u00e4cher.\u201c<br \/>\n\u201eDas stimmt. Der Jaguar?\u201c<br \/>\n\u201eJa.\u201c Ich verabschiede mich mehr oder weniger herzlich und steige aus. Um den Buchladen herum wird noch spurengesichert, aber der Auflauf h\u00e4lt sich in Grenzen. Nicht einmal die Presse ist da. Sie wissen ja auch nicht, dass Fiona beteiligt war. Ziel erreicht.<br \/>\nIch beuge mich zum Beifahrer hinunter. \u201eH\u00e4tte ich beinah vergessen. Es ist einiges kaputt gegangen, und wenn mal die Versicherung nicht daf\u00fcr aufkommen will, sorgt bitte daf\u00fcr, dass ich davon erfahre. O. K.?\u201c<br \/>\n\u201eGeht klar\u201c, sagt der Fahrer l\u00e4chelnd.<br \/>\n\u201eHuch! Du kannst sprechen?\u201c<br \/>\nEr l\u00e4chelt immer noch, sagt aber nichts mehr. Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet. Nach einem Gute-Nacht-Gru\u00df fahren sie davon. Ich steige in den Jaguar ein und fahre ebenfalls davon.<br \/>\nZwei Dinge werden mir schnell und schmerzlich bewusst. Erstens ist mein Handy im Arsch. Und zweitens, viel schlimmer, habe ich weder Zigaretten noch ein Feuerzeug. Beides scheint auch nicht zur Notfallausr\u00fcstung des Wagens zu geh\u00f6ren. Ich muss wohl ein ernsthaftes W\u00f6rtchen mit meinem geliebten Ehemann reden.<br \/>\nZum Gl\u00fcck gibt es noch Tankstellen auf meiner Strecke, auch solche, die Tag und Nacht ge\u00f6ffnet haben. Als ich schon im Laden bin, f\u00e4llt mir auf, dass ich \u00fcberhaupt kein Geld dabei habe. Ich denke einen Moment nach, dann gehe ich zur\u00fcck zum Auto. Nach kurzer Suche finde ich das Versteck des 20-Dollar-Scheins, der f\u00fcr solche und \u00e4hnliche Notf\u00e4lle dort deponiert ist, und betrete wieder den Laden. Der Tankwart grinst d\u00e4mlich.<br \/>\n\u201eMarlboro und Feuerzeug!\u201c<br \/>\nDa ich heute eh schon verhaftet wurde, pfeife ich auf Verkehrsregeln und \u00f6ffne die Packung, w\u00e4hrend ich mit den Knien den Wagen lenke. Anschlie\u00dfend werfe ich alles auf den Beifahrersitz, damit das Handy nicht zu allein ist und fahre nach Hause. F\u00fcr heute reicht es mir, echt.<br \/>\nDanny meldet mich an, und nachdem James die Haust\u00fcr ge\u00f6ffnet hat, leckt er mir auch noch das Gesicht ab, bis ich ihn lachend wegschiebe. Dann trete ich vor James, der mich nachdenklich mustert.<br \/>\n\u201eIst das alles Tomatensaft oder auch Blut dabei?\u201c<br \/>\n\u201eBlut ist auch dabei.\u201c<br \/>\n\u201eDeins?\u201c<br \/>\n\u201eAuch.\u201c<br \/>\n\u201eAha.\u201c F\u00fcr einen Moment versp\u00fcre ich gro\u00dfe Lust, ihm eine Ohrfeige zu verpassen. \u201eUnd dein Telefon?\u201c<br \/>\n\u201eLiegt auf dem Beifahrersitz, bereit, beerdigt zu werden!\u201c<br \/>\n\u201eOh &#8230;\u201c Er atmet tief durch. \u201eTut mir leid, Fiona. Ich war ziemlich sauer und auf 180, weil du dich nicht mehr gemeldet hast.\u201c<br \/>\n\u201eIch \u2026 ich war verhindert. Und als ich endlich dazu kam, musste ich feststellen, dass mein Handy hin\u00fcber ist. Ich h\u00e4tte von dem Pr\u00e4sidium aus aber anrufen k\u00f6nnen. Mir tut es auch leid.\u201c<br \/>\nJetzt grinst er. \u201eGut. Es tut uns beiden leid, was h\u00e4ltst du von einem Friedenskuss?\u201c<br \/>\n\u201eJede Menge!\u201c Ich springe in seine starken Arme und k\u00fcsse ihn wild. Seine H\u00e4nde umklammern meinen Po, w\u00e4hrend er den Kuss genauso wild erwidert.<br \/>\nAls wir uns schlie\u00dflich atemlos voneinander l\u00f6sen, erkundigt er sich: \u201eUnd wo kommt das Blut denn nun her?\u201c<br \/>\n\u201eDas ist eine lange Geschichte.\u201c Da Danny mittlerweile jeden Busch einzeln markiert hat, gehen wir rein. \u201eIch war noch bei dem Zauberer in der Hoffnung, er w\u00fcsste was \u00fcber Schneewittchen, aber das war eine Fehlanzeige. Und als ich das Haus verlie\u00df, fiel ein D\u00e4mon \u00fcber mich her, den ich \u00fcberhaupt nicht kannte. Er wollte mich sozusagen als T\u00fcr\u00f6ffner benutzen. Nach etwas gegenseitigem Gemetzel habe ich ihn beruhigt, aber da kam schon die Polizei. Und was h\u00e4tte ich denen erz\u00e4hlen sollen, warum mich so ein Ding in das Schaufenster des Buchladens geschmissen hat? Also lie\u00df ich ihn laufen und tat so, als wollte ich ihn verfolgen. Leider wurde das ein wenig fehlinterpretiert und ich wurde verhaftet.\u201c<br \/>\n\u201eDu wurdest verhaftet??\u201c<br \/>\n\u201eJa.\u201c<br \/>\n\u201eAber jeder Polizist in Skyline kennt dich doch!\u201c<br \/>\n\u201eSie haben mich im Dunkeln und blutbedeckt nicht erkannt.\u201c<br \/>\n\u201eUnd warum hast du dich nicht zu erkennen gegeben?\u201c<br \/>\n\u201eEine gute Frage. Wei\u00df ich auch nicht. Wahrscheinlich war ich noch benommen vom Kampf. Der D\u00e4mon hatte einen ganz ordentlichen Schlag.\u201c<br \/>\n\u201eNa sch\u00f6n. Du solltest dich ausziehen und baden. Ich weiche die Sachen schon mal ein, vielleicht kriegen wir die Flecken noch raus. Und wir haben tats\u00e4chlich Kernseife da.\u201c Er grinst stolz.<br \/>\n\u201eSuper.\u201c Ich ziehe die Bluse und die Jeans aus, der Schuhe hatte ich mich ja schon beim Reinkommen entledigt. W\u00e4hrend er die Sachen in den Keller mitnimmt, marschiere ich Richtung Badezimmer, gefolgt von Danny. Wieso h\u00e4lt er eigentlich mich f\u00fcr besch\u00fctzenswerter als Herrchen?<br \/>\nIch ziehe beim Gehen den Schl\u00fcpfer auch noch aus und lasse ihn einfach fallen. Dann bleibe ich stehen und drehe mich um. Danny starrt mich an, vor ihm liegt das H\u00f6schen. Jetzt wei\u00df ich auch, warum er mir gefolgt ist.<br \/>\n\u201eVergiss es!\u201c, erkl\u00e4re ich ihm, aber er scheint mir nicht zu glauben. Ich lasse mich langsam auf alle viere runter, bis ich mit ihm auf Augenh\u00f6he bin. \u201eVergiss. Es.\u201c<br \/>\nEr f\u00e4hrt mir mit der Zunge durch das Gesicht und setzt sich hin.<br \/>\n\u201eAuf keinen Fall!\u201c, bekr\u00e4ftige ich mein Verbot, dann packe ich den Schl\u00fcpfer mit den Z\u00e4hnen und richte mich auf. Danny wedelt mit dem Schwanz. M\u00e4nner sind doch alle gleich.<br \/>\nDen Schl\u00fcpfer sichere ich im Bad und lasse Wasser in die Wanne laufen. Dann kommt die schwierigste Entscheidung des Tages: Welchen Badezusatz soll ich nehmen? Bis ich mich f\u00fcr Wildrose entschieden und eine ordentliche Portion in das Wasser gesch\u00fcttet habe, ist auch James da. Er beobachtet mich, als ich mich in die Wanne gleiten lasse und setzt sich dann auf den Wannenrand.<br \/>\n\u201eUnd jetzt?\u201c, fragt er.<br \/>\n\u201eJetzt bade ich.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist doch schon mal was. Was ist der Stand wegen Ben?\u201c<br \/>\nEine gute Frage. Ich w\u00fcnschte, es g\u00e4be eine eindeutige Antwort darauf. \u201eIch wei\u00df es nicht. Wenn ich daran denke, dass es ihm in diesem Moment vielleicht richtig dreckig geht \u2026 es gibt so viele Puzzlest\u00fcckchen, die aber scheinbar gar nicht zusammenpassen.\u201c Seufzend nehme ich seine Hand und halte sie mir an den Mund. \u201eDas Bl\u00f6de ist \u2026 da f\u00e4llt mir ein, das wei\u00dft du ja noch gar nicht!\u201c<br \/>\n\u201eWahrscheinlich nicht.\u201c<br \/>\nEr bringt mich mal wieder zum Lachen. Zwar nur zu einem kurzen und leisen Lachen, aber bereits das l\u00f6st die Verkrampfung in meinem Bauch \u2013 wenigstens ein bisschen.<br \/>\n\u201eSchneewittchen war im Pr\u00e4sidium.\u201c<br \/>\n\u201eOch! Und, habt ihr sie wenigstens verhaftet?\u201c<br \/>\n\u201eDu bist manchmal ein echter Idiot, habe ich dir das schon gesagt, mein Schatz? Nein, nat\u00fcrlich nicht, wir waren nicht da. Das war vor der Entf\u00fchrung, wahrscheinlich sogar direkt davor.\u201c Ich erz\u00e4hle James, was ich wei\u00df und auch, was ich nur vermute. Er h\u00f6rt mir aufmerksam zu.<br \/>\n\u201eSie sucht also jemanden\u201c, fasst er anschlie\u00dfend zusammen. \u201eUnd daf\u00fcr riskiert sie eine Menge, was sie vermutlich auch wei\u00df.\u201c<br \/>\nIch nicke. \u201eWenn es wenigstens ein vollst\u00e4ndiger Name w\u00e4re. David gibt es in Skyline vermutlich noch mehr als James.\u201c<br \/>\n\u201eNa!\u201c<br \/>\n\u201eDu bist eine Ausnahme. Und \u00fcberhaupt, wieso sitzt du eigentlich drau\u00dfen? Komm in die Wanne!\u201c Ich ziehe an seinem Arm, und da er nicht sonderlich stabil sitzt, ist er ziemlich schnell im Wasser. Danny bellt, fast k\u00f6nnte man meinen, er findet das lustig. So wie ich. James setzt sich auf und starrt mich an.<br \/>\n\u201eEntschuldige, Schatz\u201c, sage ich, muss aber dabei f\u00fcrchterlich lachen. Das scheint ansteckend zu sein, denn schlie\u00dflich stimmt er mit ein und beginnt sich auszuziehen. Als er sich an das gegen\u00fcberliegende Ende der Wanne dr\u00fcckt, drehe ich mich um und setze mich auf seine Beine, so dass ich ihn mit meinem R\u00fccken sp\u00fcre. Seine H\u00e4nde lege ich \u00fcber Kreuz auf meine Br\u00fcste.<br \/>\n\u201eSo ist es doch viel gem\u00fctlicher.\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, ob ich das als gem\u00fctlich bezeichnen w\u00fcrde\u201c, erwidert James, \u201eaber es ist in Ordnung so.\u201c<br \/>\n\u201eWas ist daran nicht gem\u00fctlich?\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht findest du es nicht gem\u00fctlich, wenn du abhebst.\u201c<br \/>\n\u201eJetzt \u00fcbertreib mal nicht so. Und au\u00dferdem, es gibt Wege und L\u00f6sungen.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist wohl wahr.\u201c<br \/>\n\u201eSchatz \u2026 ich habe dir noch gar nicht erz\u00e4hlt, wie mein Besuch bei Nasnat verlaufen ist.\u201c<br \/>\n\u201eDu hast gesagt, er w\u00e4re frustrierend gewesen.\u201c<br \/>\nIch muss grinsen, denn ich hatte etwas anderes gesagt und James kennt mich gut genug, um es auf das Wesentliche zu reduzieren. \u201eJa, das stimmt schon. Aber er sagte auch, dass ich mal dar\u00fcber nachdenken sollte, wo sich so ein D\u00e4mon mit Gefolge wohl verstecken k\u00f6nnte. Dar\u00fcber habe ich auch nachgedacht, und wenn er nicht in den Katakomben lebt, was ich nicht glaube, dann kommt nicht viel infrage.\u201c<br \/>\n\u201eWarum nicht in den Katakomben?\u201c<br \/>\n\u201eNenn es Intuition. Es passt einfach nicht. Viel zu auff\u00e4llig, auch wenn es da unten jede Menge auff\u00e4llige Typen gibt. Aber ich glaube, jemand wie Schneewittchen w\u00e4re bekannt. Und dann w\u00fcsste Nasnat davon. Au\u00dferdem benimmt sie sich, als w\u00e4re sie in unserer Welt nicht heimisch.\u201c<br \/>\n\u201eGut, verstehe ich. Wo dann?\u201c<br \/>\n\u201eIch k\u00f6nnte mir z. B. gut vorstellen, dass sie sich in einem verlassenen Haus einquartiert hat. Zwar k\u00f6nnte sie mit dem Geld auch eins kaufen oder mieten, aber das halte ich, zumindest so schnell, nicht f\u00fcr wahrscheinlich. Scheint auch nicht ihre Art zu sein.\u201c<br \/>\n\u201eWieso nicht?\u201c<br \/>\n\u201eWeil sie sich einfach nimmt, was sie haben will.\u201c<br \/>\n\u201eSo wie du?\u201c<br \/>\n\u201eSo wie ich?\u201c<br \/>\n\u201eTust du das etwa nicht?\u201c<br \/>\nHm. \u201eDoch.\u201c<br \/>\n\u201eNa siehst du. Aber kommen wir zur\u00fcck zu Schneewittchen. Also verlassene H\u00e4user?\u201c<br \/>\n\u201eOder gar Villen. Die m\u00f6glichst abseits stehen, sodass es nicht auff\u00e4llt, wenn pl\u00f6tzlich D\u00e4monen darin w\u00fcten. So arg viele d\u00fcrfte es davon nicht geben. Aber wie finden?\u201c<br \/>\n\u201eDa w\u00fcsste ich was.\u201c<br \/>\nIch verrenke mir den Hals, um ihn anzustarren. Nat\u00fcrlich! Wie bl\u00f6d bin ich denn? Ich sitze direkt auf der Quelle. James ahnt meine Gedanken, denn er grinst. \u201eErst die Arbeit, dann das Vergn\u00fcgen?\u201c<br \/>\n\u201eArbeit geht nur mit Vergn\u00fcgen\u201c, erwidere ich, und ich sp\u00fcre, dass er es eigentlich genauso sieht. Ich erhebe mich leicht, bis ich die F\u00fc\u00dfe aufstellen kann, dann umfasse ich sein Glied und lasse es hinten langsam eindringen. Im Wasser f\u00fchlt sich das ganz anders an als auf dem Trockenen. Sein Schwanz pulsiert in mir, seine H\u00e4nde lassen mich pulsieren. Mit einer Hand streichelt er abwechselnd meine Br\u00fcste, die andere k\u00fcmmert sich um meinen Kitzler. Erst sanft, dann immer energischer kreisend. Als ich meinen \u2013 ziemlich lauten \u2013 H\u00f6hepunkt habe, kommt er in mir auch.<br \/>\nMit geschlossenen Augen lausche ich unseren Atemz\u00fcgen, die ganz langsam auf normale Frequenz zur\u00fcckgehen. Als James aus mir herausflutscht, erhebe ich mich seufzend.<br \/>\n\u201eWas nimmst du?\u201c<br \/>\n\u201eWas du nimmst.\u201c<br \/>\nNass und nackt gehe ich in das Wohnzimmer. Zum Gl\u00fcck liegen die Fenster auf der Gartenseite, obwohl es mich nur bedingt st\u00f6ren w\u00fcrde, wenn man mich von der Stra\u00dfe her sehen k\u00f6nnte.<br \/>\nIch bereite zwei Whisky on the Rocks zu, was keine besondere Herausforderung darstellt, und dann ist auch James schon da. Er stellt sich dicht hinter mich und nimmt sein Glas.<br \/>\n\u201eVon nur Vergn\u00fcgen war aber nicht die Rede!\u201c, sage ich lachend.<br \/>\n\u201eIch bin arbeitsbereit.\u201c<br \/>\n\u201eJa, das merke ich. Cheers!\u201c<br \/>\nWir schaffen es dann aber doch noch ohne weitere Unterbrechung an den Laptop von James, um uns in proDB einzuloggen. Als Makler hat James einen ganz anderen Zugriff auf die Datenbank als gew\u00f6hnliche Sterbliche. Das ist jetzt ausgesprochen hilfreich.<br \/>\nNach zwei Stunden haben wir insgesamt 5 H\u00e4user ausgesucht, die in die engere Wahl kommen und die ich mir morgen anschauen will. Kurz denke ich dar\u00fcber nach, sofort loszuziehen, denn jede Minute kann f\u00fcr Ben eine Minute zu viel sein. Letztlich \u00fcberzeugt mich James\u00b4 Argument, dass ich wenigstens ein paar Stunden Erholung vom Kampf gegen den D\u00e4mon brauche, bevor ich gegen andere, wom\u00f6glich viel gef\u00e4hrlichere D\u00e4monen losziehe.<br \/>\nAls ich dann aufstehe und mich leise anziehe, hat die Morgend\u00e4mmerung bereits eingesetzt. Ich f\u00fchle mich einigerma\u00dfen frisch, obwohl die Nacht unruhig war. Tr\u00e4ume, an die ich mich nicht erinnern m\u00f6chte, und die dennoch in meinen Erinnerungen rumspuken. Ich betrachte James, der tief und fest schl\u00e4ft. Danny liegt neben ihm, als wenn er mir sagen wollte, ich k\u00f6nne ruhig losziehen, er wird James besch\u00fctzen, und wisse auch, dass er jetzt nicht mit kann.<br \/>\nKluger Hund.<br \/>\nDiesmal nehme ich wieder meinen eigenen Wagen. Mein erstes Ziel liegt au\u00dferhalb der Stadt, mitten im Wald. Eigentlich ideal geeignet f\u00fcr Schneewittchen. Die Stra\u00dfen sind noch ziemlich leer, ich komme gut voran. Schon bald habe ich das Gef\u00fchl, aus der Zivilisation herauszufahren. Wem die Villa, der ich einen Besuch abstatten will, auch immer geh\u00f6rt hat, er liebte die Einsamkeit und wollte darin nicht gest\u00f6rt werden. Ein schmaler, asphaltierter Weg schl\u00e4ngelt sich durch den Wald, und laut der Beschreibung, die James mir ausgedruckt hat, geht der Zufahrtsweg von diesem ab.<br \/>\nIch verpasse ihn beinah.<br \/>\nAb hier geht es zu Fu\u00df weiter, nachdem ich den Wagen zwischen zwei B\u00e4umen geparkt habe. Zum Gl\u00fcck ist der Boden trocken, bei Regen k\u00f6nnte ich Schwierigkeiten haben, wieder auf den befestigten Weg zu fahren.<br \/>\nEs sind einige hundert Meter bis zum Zaun um das Anwesen, denn von der Gr\u00f6\u00dfe her ist es eins. Der Zaun ist dicht bewachsen und dadurch undurchsichtig, und auch hoch genug, dass nicht einmal Menschen, die gr\u00f6\u00dfer sind als ich, dar\u00fcber hinwegschauen k\u00f6nnen. Gerade darum n\u00e4here ich mich ihm so leise wie m\u00f6glich und kampfbereit. Meine Intuition steht auf Alarm, ich sp\u00fcre, dass die Villa nicht leer ist, wie sie eigentlich sein sollte. Zugleich sp\u00fcre ich aber auch, dass es hier keine \u00fcbernat\u00fcrlichen Wesen gibt.<br \/>\nDa es von vornherein klar war, dass ich nicht immer die vorgegebenen Wege nutzen werde, trage ich nicht nur bequeme, sondern auch stabile Kleidung, in Tarnfarbe. Zumindest im Dunkeln. Ich klettere am Zaun hoch und betrachte die andere Seite. Nichts Aufregendes zu sehen, ein verwilderter, zugewucherter Garten. Ich schwinge mich r\u00fcber und lande im weichen Moos.<br \/>\nIrgendwo bellen Hunde.<br \/>\nIrgendwo bellen Hunde?<br \/>\nIch atme tief durch. So was mag ich gar nicht. Ich will Hunden nicht wehtun, so wie ich eigentlich auch Menschen nicht wehtun will. Aber Letztere haben f\u00fcr gew\u00f6hnlich mehr Entscheidungsfreiheit und wenn sie mich angreifen, ist meine Hemmung, mich zu wehren, niedriger als bei Hunden. Irgendwie pervers.<br \/>\nEs bringt nichts, die Zeit mit Rumgr\u00fcbeln zu verbringen. Aufmerksam marschiere ich Richtung Villa los. Das geht keineswegs in einer geraden Linie, derart zugewuchert ist der Garten. Und au\u00dferdem wird das Hundegebell immer lauter. Allerdings n\u00e4here ich mich den Hunden, nicht sie sich mir.<br \/>\nUnd dann sehe ich sie. Etwa zwei Dutzend Hunde aller Gr\u00f6\u00dfen und aller Rassen toben \u00fcber den Rasen. Offenbar ist der Garten nur am Zaun entlang so verwildert, um den Eindruck zu erwecken, die Villa w\u00e4re unbewohnt. Um sie herum hingegen sieht alles gepflegt aus, wenngleich von einem Ziergarten keine Rede sein kann. Bei so vielen Hunden w\u00fcrde der auch nicht lange halten.<br \/>\nJedenfalls ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich hier Ben und irgendwelche D\u00e4monen finden werde. R\u00fcckzug k\u00f6nnte eine sinnvolle Alternative sein.<br \/>\nLeises Knurren.<br \/>\nMist.<br \/>\nIch drehe mich langsam um und starre den Rottweiler an, der z\u00e4hnefletschend vor mir steht. Das Gebell verstummt, und ich brauche mich gar nicht erst umzuschauen, um zu wissen, dass die anderen Hunde auch n\u00e4her kommen. Beeindruckend, wie sie zusammenarbeiten. Das muss ihnen jemand beigebracht haben.<br \/>\nIch blicke mich suchend um. Selbst wenn ich bereit w\u00e4re, die Hunde zu t\u00f6ten, es sind zu viele und am Ende w\u00fcrden sie mich zerfetzen. Ausnahmsweise k\u00f6nnte Flucht die bessere Alternative sein. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass ich es bis zum n\u00e4chsten Baum schaffe und hochspringen kann, bevor sich die Z\u00e4hne eines Hundes irgendwo in meinen K\u00f6rper bohren.<br \/>\n\u201eSie sollten sich nicht bewegen.\u201c<br \/>\nIch wende den Kopf langsam dem Sprecher zu. Er steht schr\u00e4g hinter mir, die Arme vor der Brust verschr\u00e4nkt. Seine Augen mustern mich durchdringend.<br \/>\n\u201eIch will hier nicht \u00fcbernachten.\u201c<br \/>\n\u201eDas h\u00e4tten Sie sich \u00fcberlegen sollen, bevor Sie hier eingebrochen sind. Das hier ist Privatbesitz.\u201c<br \/>\n\u201eAber nicht Ihrer!\u201c<br \/>\n\u201eWer sagt das?\u201c<br \/>\n\u201eMein Mann ist Immobilienmakler. In der Datenbank ist dieses Grundst\u00fcck als unbewohnt hinterlegt.\u201c<br \/>\nEr lacht kurz, bitter. \u201eAch ja, diese schlauen Datenbanken. Ich habe das Grundst\u00fcck gekauft, aber es nirgendwo eintragen lassen. Es war v\u00f6llig verwahrlost.\u201c<br \/>\n\u201eUnd Sie haben sich M\u00fche gegeben, dass es von au\u00dfen immer noch so wirkt.\u201c<br \/>\n\u201eJa, das h\u00e4lt Neugierige ab. Meistens. Was wollen Sie \u00fcberhaupt hier?\u201c<br \/>\n\u201eIch suche jemanden.\u201c<br \/>\n\u201eAuf einem vermeintlich leeren Grundst\u00fcck?\u201c<br \/>\n\u201eGenau. \u2013 H\u00f6ren Sie, ich habe weder die Zeit noch Lust zu diesem Spielchen. Ich konnte nicht wissen, dass hier jemand wohnt. Und ich will weder Ihnen noch den Hunden was antun, aber ich werde nicht l\u00e4nger hier rumstehen.\u201c<br \/>\n\u201eOhne meine Erlaubnis sollten Sie sich aber nicht bewegen. Es sind viele Hunde und alle haben noch ihre Z\u00e4hne.\u201c<br \/>\nIch betrachte die Hunde. Einige unter ihnen wirken selbst mit Z\u00e4hnen nicht besonders furchterregend, aber andere haben ein \u00e4hnliches Kaliber wie der unabl\u00e4ssig leise knurrende Rottweiler.<br \/>\n\u201eSehe ich so gef\u00e4hrlich aus?\u201c<br \/>\n\u201eEigentlich nicht. Aber Sie sind bis hierher unbemerkt vorgedrungen, und das macht Sie durchaus gef\u00e4hrlich.\u201c Ja, eine voll logische Antwort.<br \/>\n\u201ePrima. Und was haben Sie genau vor? Die Polizei rufen? Oder mich hier stehen lassen, bis ich vor Schw\u00e4che umfalle?\u201c<br \/>\n\u201eHm. Interessante Ideen. Kann es sein, dass Sie einen leichten Hang zum Sadismus haben?\u201c<br \/>\nIch sehe ihn an. Er ist Ende Vierzig oder knapp \u00fcber F\u00fcnfzig. Also wie James. Graue Haare, grauer, gepflegter und gestutzter Bart. Legere, bequeme Kleidung: Pullover, abgewetzte Jeans, Wanderschuhe. Wache Augen. Tief eingebrannte Furchen im Gesicht. Eigentlich ganz sympathisch.<br \/>\n\u201eNa sch\u00f6n, ich habe keine Zeit f\u00fcr Spielchen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich entweder \u00fcber die B\u00e4ume wegkomme oder mit den Hunden fertig werde. Es w\u00e4re aber f\u00fcr alle besser, Sie riefen die Hunde einfach zur\u00fcck.\u201c<br \/>\n\u201eMeinen Sie, die h\u00f6ren auf mich?\u201c, fragt er am\u00fcsiert. Der Mistkerl scheint mich einfach nur f\u00fcr mein Eindringen bestrafen zu wollen. Ich schlie\u00dfe kurz die Augen, um nicht auf b\u00f6se Gedanken zu kommen. Obwohl, es geht eher darum, sie wieder zu verscheuchen.<br \/>\n\u201eDa bin ich mir sogar sehr sicher. Ich habe auch einen Hund und erkenne es, wenn Hunde auf jede Mimik reagieren. Au\u00dferdem hat jemand diesen Hunden beigebracht, als ein Team zu agieren. Sie sind der Boss.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht stimmt das sogar.\u201c Er mustert mich jetzt genauer. \u201eIrgendwie kommen Sie mir bekannt vor.\u201c<br \/>\n\u201eSie pfeifen die Hunde zur\u00fcck, und ich stelle mich vor.\u201c<br \/>\nEr denkt dar\u00fcber nach. Dann seufzt er und dreht sich um. Sofort wenden sich die Hunde von mir ab und setzen ihr ausgelassenes Spiel fort. Bis auf den Rottweiler. Er knurrt zwar nicht mehr, aber er bleibt mir auf den Fersen. Ich bleibe testweise stehen, er stoppt sofort auch.<br \/>\n\u201eEr wird Sie nicht aus den Augen lassen, solange Sie auf dem Grundst\u00fcck sind\u201c, erkl\u00e4rt der Mann, ohne sich umzudrehen.<br \/>\n\u201eEin guter Gastgeber.\u201c<br \/>\nEr lacht wieder kurz. \u201eIhr Humor ist bewundernswert. Die meisten Menschen, und insbesondere Frauen, so ungern ich das sage, in einer vergleichbaren Situation verlieren den Humor oder werden sogar panisch.\u201c W\u00e4hrend er spricht, biegen wir um die Ecke und gelangen auf eine geflieste Terrasse mit einem Tisch und einem Stuhl. Aber der Geheimnisvolle ist auf Besuch eingerichtet, denn aus einer kleinen Laube holt er einen zweiten Stuhl. \u201eKaffee?\u201c<br \/>\nIch schwanke kurz. Einerseits m\u00fcsste ich weiter, andererseits bin ich inzwischen sehr neugierig geworden, und man kann nie wissen, wof\u00fcr so eine Begegnung gut ist. Also nicke ich.<br \/>\n\u201eSetzen Sie sich bitte. Ronin wird Ihnen Gesellschaft leisten.\u201c<br \/>\nRonin? Ich betrachte den Hund neugierig. Er sitzt in etwa zwei Meter Entfernung von mir und starrt ins Nichts. Wobei dieser Eindruck garantiert nur t\u00e4uscht. Als ich testweise eine Hand hebe, habe ich seinen Blick blitzschnell an mir kleben. Ich winke ihm zu. \u201eBraver Hund.\u201c<br \/>\nDer Geheimnisvolle kommt gleich darauf mit zwei Tassen Kaffee zur\u00fcck. Er setzt sich mir gegen\u00fcber. \u201eIch glaube, Sie sind Schwarztrinkerin.\u201c<br \/>\n\u201eMeistens.\u201c Ich nehme einen Schluck von dem hei\u00dfen Kaffee.<br \/>\n\u201eAlso, wie hei\u00dfen Sie, unbekannte Sch\u00f6ne?\u201c<br \/>\n\u201eDas ist unh\u00f6flich.\u201c<br \/>\n\u201eDas stimmt, aber immerhin sind Sie hier eingedrungen, das ver\u00e4ndert die Dinge etwas.\u201c<br \/>\n\u201eAuch wieder wahr.\u201c Ich seufze. \u201eMein Name ist Fiona Flame.\u201c<br \/>\n\u201eFiona Flame\u201c, wiederholt er leise. \u201eJa, ich kenne Sie. Eine Zeit lang sah man Sie \u00fcberall, im Fernsehen, in den Zeitungen, wohin man schaute, sah man Sie. Es hie\u00df, Sie w\u00e4ren gef\u00e4hrlich f\u00fcr das B\u00f6se. Was also wollen Sie hier?\u201c<br \/>\n\u201eDas B\u00f6se finden. Es ern\u00e4hrt sich von Menschenfleisch.\u201c<br \/>\nSeine Augen weiten sich leicht. \u201eAh, ich habe davon gelesen. Und Sie suchen jetzt die unbewohnten H\u00e4user ab, die abseits liegen?\u201c<br \/>\nEr ist intelligent, keine Frage.<br \/>\n\u201eUnd Sie? Was ist mit Ihnen?\u201c<br \/>\n\u201e\u00dcber mich werden Sie au\u00dfer in \u00e4lteren Telefonb\u00fcchern vermutlich nichts finden\u201c, erwidert er l\u00e4chelnd. \u201eMein Name ist David Conrad.\u201c<br \/>\n\u201eDavid?\u201c<br \/>\n\u201eJa, ein durchaus nicht seltener Vorname hierzulande\u201c, erwidert er schmunzelnd.<br \/>\n\u201eJa, das habe ich mitbekommen\u201c, murmele ich. Und f\u00fcge lauter hinzu: \u201eUnd wieso sind Sie ausgestiegen?\u201c<br \/>\n\u201eBin ich das?\u201c<br \/>\nIch werfe einen Seitenblick auf Ronin. \u201eJa.\u201c<br \/>\n\u201eMacht Ronin Sie nerv\u00f6s?\u201c<br \/>\nIch sch\u00fcttle den Kopf und lange in meine Hosentasche. Sofort spannt sich der K\u00f6rper des Hundes an. Ich hole meine Zigaretten und ein Feuerzeug hervor. \u201eDarf ich?\u201c Als David nickt, halte ich ihm die Schachtel auch hin, aber er sch\u00fcttelt den Kopf. Also z\u00fcnde ich nur mir selbst eine Zigarette an und halte sie mit der linken Hand.<br \/>\n\u201eSie wollten mir was \u00fcber sich erz\u00e4hlen, David.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist Ihre Interpretation\u201c, erwidert er ernst.<br \/>\n\u201eWie alles.\u201c Ich mustere ihn intensiv, aber nerv\u00f6s macht ihn das nicht. \u201eAlso gut, Sie wollen es mir nicht erz\u00e4hlen. Sie k\u00f6nnten aber wenigstens dem Hund erlauben, sich zu entspannen.\u201c<br \/>\n\u201eGlauben Sie, dass ich das kann? Es ist Ihre Anwesenheit, die ihn angespannt macht.\u201c<br \/>\n\u201eAber nur, weil er Ihre Angst sp\u00fcrt.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe keine Angst!\u201c<br \/>\n\u201eSie haben gerade das Gegenteil bewiesen\u201c, stelle ich fest und nehme einen tiefen Zug.<br \/>\n\u201eRauchen ist ungesund.\u201c<br \/>\n\u201eUnd jetzt lenken Sie auch noch ab. Und ja, ich wei\u00df.\u201c Ich sehe den Hund an, der David anstarrt. Ein Wink von dem und er st\u00fcrzt sich auf mich.<br \/>\n\u201eIch habe keine Angst, aber ich frage mich, wonach genau Sie suchen.\u201c<br \/>\n\u201eHm.\u201c Ich lege den Kopf in den Nacken und betrachte den leicht grauen Himmel. \u201eEin guter Freund von mir wurde entf\u00fchrt, und ich w\u00fcrde ihn gerne in einem St\u00fcck finden.\u201c<br \/>\n\u201eUnd dann sitzen Sie hier \u2026 ah, jetzt verstehe ich! Sie vertrauen wohl niemandem?\u201c<br \/>\nIch muss l\u00e4cheln. Er ist wirklich intelligent. \u201eDas ist keine Frage des Vertrauens. \u2013 Wollen Sie Ronin nicht doch erlauben, sich zu entspannen? Ich m\u00f6chte ihn streicheln.\u201c<br \/>\n\u201eEr wird sich nicht streicheln lassen.\u201c David macht eine angedeutete Bewegung, und Ronin geht zu ihm hin. Nachdem er seine Kopfmassage bekommen hat, setzt er sich so hin, dass er mich wieder im Blickfeld hat.<br \/>\nIch halte ihm meine rechte Hand entgegen.<br \/>\nDavid beobachtet uns neugierig.<br \/>\nRonin mustert die Hand, dann sucht er meinen Blick. Danach mustert er wieder die Hand. Ich warte ab. Nach einigen Minuten erhebt er sich, kommt n\u00e4her und schnuppert an meinen Fingern. Ich lasse ihn gew\u00e4hren, auch als seine Nase an meinem Handgelenk ankommt. Dabei schaue ich ihn nicht direkt an, um ihn nicht zu verunsichern. Schlie\u00dflich setzt er sich hin und l\u00e4sst es zu, dass ich sanft seinen Kopf ber\u00fchre und streichele.<br \/>\n\u201eAlle Achtung\u201c, sagt David. \u201eDas hat noch niemand geschafft.\u201c<br \/>\n\u201eEr merkt, dass ich keine Angst vor ihm habe, aber auch, dass ich ihm nichts B\u00f6ses will. Und er sp\u00fcrt vermutlich auch &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eWas denn?\u201c<br \/>\n\u201eNichts\u201c, erwidere ich. \u201eErz\u00e4hlen Sie was \u00fcber sich. Wieso leben Sie hier mit einem Hunderudel?\u201c<br \/>\n\u201eEin Geheimnis? Faszinierend.\u201c Er lehnt sich zur\u00fcck und legt seine H\u00e4nde aneinander, mit den Fingerspitzen Kinn und Lippen ber\u00fchrend. \u201eIm Grunde ist es keine gro\u00dfe Geschichte. Ich war 20 Jahre lang Kinderarzt mit eigener Praxis. Und eines Tages hatte ich es satt. Ich hatte es satt, die vielen Kinder, die geschlagen und missbraucht wurden, die verwahrlost wurden, die gezwungen wurden, Abbilder ihrer Eltern zu werden, deren verlorene W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. Kinder, die vergewaltigt und schwanger wurden. Kinder, die angeblich die Treppe runtergefallen sind. Irgendwann w\u00fcnschte ich mir, eine Pistole nehmen zu k\u00f6nnen und diese Eltern einfach zu erschie\u00dfen. Und die Onkel und Tanten. Die Polizisten, die dann noch einmal auf der Seele der Kinder herumtrampelten. Die unf\u00e4higen Idioten von den Jugend\u00e4mtern. Und irgendwann beschloss ich, dass ich einfach gehen sollte, bevor es ein Blutbad gibt.\u201c<br \/>\nEr schaut mir in die Augen. \u201eHabe ich Sie erschreckt?\u201c<br \/>\nMeine Hand liegt auf dem Kopf von Ronin. Ich verneine kopfsch\u00fcttelnd.<br \/>\n\u201eSie haben Tr\u00e4nen in den Augen, Fiona. Wen beweinen Sie?\u201c<br \/>\n\u201eAlle.\u201c<br \/>\nEr nickt langsam. \u201eDanke, dass Sie das sagen. Haben Sie Kinder?\u201c Und als ich verneine: \u201eWerden Sie welche haben?\u201c<br \/>\n\u201eKeine Ahnung &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eIch glaube, dass ja. Sie werden eine gute Mutter sein. Ich wei\u00df, Sie denken jetzt, wie kann der das wissen, er kennt mich ja erst seit ein paar Minuten. Nun, das stimmt. Aber ich sehe, wie Sie mit den Hunden umgehen. Und ich sehe, welches Vertrauen Ronin Ihnen entgegenbringt. Das reicht mir.\u201c<br \/>\nIch wische meine Tr\u00e4nen ab und nehme einen Zug von der Zigarette, bevor ich sie ausdr\u00fccke. \u201eIch sollte jetzt gehen.\u201c<br \/>\n\u201eDas finde ich bedauerlich, aber ich kann verstehen, dass Sie Ihre Suche fortsetzen wollen.\u201c<br \/>\nEr bringt mich zum Gartentor, begleitet von den Hunden und vor allem Ronin. Ich halte ihm die Hand hin, die er nimmt. Sein Griff ist fest, seine Hand rau. Dann wende ich mich Ronin zu, der sich vor mich setzt. L\u00e4chelnd gehe ich vor ihm in die Hocke und streichele seinen Kopf.<br \/>\n\u201eLangsam werden Sie mir unheimlich.\u201c Ich genie\u00dfe Davids Verbl\u00fcffung mit einem L\u00e4cheln.<br \/>\nDas n\u00e4chste Haus befindet sich in einer Gegend, die schon mal bessere Zeiten erlebt hat. Es ist nicht ansatzweise so abgelegen wie das von David, und schon als ich es erblicke, wei\u00df ich, dass ich hier nichts finden werde. Dennoch mache ich einen Rundgang auf dem Grundst\u00fcck und durch das Haus.<br \/>\nEs ist kurz vor Zehn, als ich in der N\u00e4he von dem dritten Haus den Wagen abstelle. Der Himmel bleibt bew\u00f6lkt. Die Villa, die ich von au\u00dfen betrachte, hat bis vor wenigen Monaten einer alten, einsamen Million\u00e4rin geh\u00f6rt, die ihr Geld mit \u00d6l gemacht hatte. Genauer, ihr Mann war mal vor vielen, vielen Jahren einer der Drei \u00d6lbarone gewesen. Er starb vor 30 Jahren und hinterlie\u00df Norma J. Elko ein nicht unbetr\u00e4chtliches Verm\u00f6gen. Vor einem halben Jahr etwa fand ihr Butler sie tot im Bett, als er ihr das Fr\u00fchst\u00fcck servieren wollte. Mit 96 war sie sanft entschlummert. Gar kein \u00fcbler Tod. Und was unangenehme Tode angeht, da kenne ich mich aus.<br \/>\nIch stehe auf einem Waldparkplatz, von dem aus die hohe Mauer und die Einfahrt zu sehen sind, und rauche eine Zigarette. Hohe Mauer, moderne \u00dcberwachungsanlage, das Ganze noch sehr gut erhalten \u2026 keine guten Voraussetzungen f\u00fcr mich. Durchaus m\u00f6glich, dass von den sich streitenden Erben so viel Geld in die Anlage gepumpt wurde, dass die Polizei in zwei Minuten da ist, wenn nicht sogar ein privater Wachdienst.<br \/>\nAlternativ ist Schneewittchen hinter dieser Mauer. Und dann w\u00e4re der Wachdienst wahrscheinlich die angenehmere Variante.<br \/>\nHilft aber alles nichts.<br \/>\nIch mache die Zigarette aus und lasse den Wagen zur\u00fcck. Man kann wunderbar joggen, ohne die Mauer aus den Augen zu verlieren. An das Grundst\u00fcck grenzt Waldgebiet, durch das zwar kein Weg f\u00fchrt, aber das st\u00f6rt mich ja nicht. Daf\u00fcr kann ich mich unbeobachtet w\u00e4hnen, sofern keine unsichtbaren Kameras mich l\u00e4ngst entdeckt haben. Die Stra\u00dfe ist nicht mehr zu sehen und auch kein Mensch. Eine gute Gelegenheit, einen Blick zu riskieren.<br \/>\nIch springe so weit hoch, dass ich die Mauerkrone zu fassen kriege und mich hochziehen kann. Sicher k\u00f6nnte ich problemlos \u00fcber die Mauer springen, aber wer wei\u00df, was auf der anderen Seite lauert.<br \/>\nNoch mehr Wald.<br \/>\nIch blicke nach rechts, ich blicke nach links. Keine Kameras. Ich schwinge mich \u00fcber die Mauer und lande auf dem weichen Boden. Ich verharre regungslos und lausche mit angehaltenem Atem.<br \/>\nKann es wirklich sein, dass das Grundst\u00fcck so schlecht gesichert ist? F\u00e4llt mir schwer, das zu glauben. Wahrscheinlich stehe ich gleich einem wei\u00dfen Tiger oder so was gegen\u00fcber.<br \/>\nIch ziehe meine Pistole aus dem Hosenbund unter dem Pullover hervor. Die hatte ich David gar nicht erst gezeigt, weil es keine Notwendigkeit gab. Er wird sich auch so gedacht haben, dass ich nicht unbewaffnet bin.<br \/>\nDer Wald wirkt gepflegt, allerdings sieht man ihm an, dass er keine Besitzerin mehr hat. Aber verlassen ist er trotzdem nicht. Und es sind nicht nur Eichh\u00f6rnchen, Kaninchen und F\u00fcchse, die in ihm wohnen, nicht nur Kr\u00e4hen und Elster.<br \/>\nIch werde beobachtet.<br \/>\nMein Magen verkrampft sich kurz, als mir bewusst wird, dass ich mein Ziel gefunden habe.<br \/>\nIch entsichere die Pistole, w\u00e4hrend ich mich umschaue. Es ist nichts Verd\u00e4chtiges zu sehen, dennoch str\u00e4uben sich meine Nackenhaare. Sicheres Zeichen daf\u00fcr, dass sich etwas in meiner N\u00e4he befindet, das ich eigentlich gar nicht in meiner N\u00e4he haben m\u00f6chte.<br \/>\nDann geht es rasend schnell.<br \/>\nF\u00fcr die Pistole viel zu schnell, wobei diese mir gegen solche Gegner sowieso nichts n\u00fctzen w\u00fcrde, was mir schnell klar wird. Ich wei\u00df nicht, womit ich es zu tun habe. Sie bewegen sich unglaublich schnell, sind klein und haben gro\u00dfe Z\u00e4hne in gro\u00dfen M\u00e4ulern, die aus runden K\u00f6pfen herausragen. Der erste kommt von hinten und versetzt mir einen heftige Sto\u00df. Ich fliege der Pistole hinterher und lande im Gras. Meine Reflexe sorgen daf\u00fcr, dass ich mich umdrehe. So landet die Axt im Boden statt in meinem R\u00fccken. Dem Wesen, das die Axt umklammert, verpasse ich einen Fu\u00dftritt ins Gesicht. Die Genugtuung, dass es nun an ihm ist, meterweit durch die Luft zu fliegen, kann ich dennoch nicht auskosten, denn die n\u00e4chste Axt steuert meinen K\u00f6rper an. Ich rolle seitw\u00e4rts, bis ich gegen etwas Hartes sto\u00dfe. Einen Baumstamm. Mit einem Fu\u00df wehre ich den Arm ab, die Axt kracht dicht hinter meinem Kopf in den Boden. Mit dem anderen Fu\u00df treffe ich die Z\u00e4hne des Wesens, das grunzend zur\u00fccktaumelt.<br \/>\nIch packe die Axt und springe auf.<br \/>\nDer dritte Gegner. Er steht hinter dem Baum, der Stiel seiner Axt presst meinen Hals gegen den Baumstamm. Die Kraft, die das kleine Wesen besitzt, ist atemberaubend. Wortw\u00f6rtlich.<br \/>\nDas zweite Ding, dem ich grad die Axt abgenommen habe, versucht, sie sich zur\u00fcckzuholen. R\u00f6chelnd lasse ich seine Axt los, von seinem eigenen Schwung getragen, purzelt er davon. Meine Hoffnung, dadurch Zeit genug zu gewinnen, mich um den W\u00fcrger zu k\u00fcmmern, erf\u00fcllt sich allerdings nicht, denn der Erste ist wieder auf den Beinen und visiert mit seiner Waffe meinen Kopf an. Ich empfange ihn hoch in der Luft mit einem wenig eleganten Fu\u00dftritt. Aber er erf\u00fcllt seinen Zweck, das Ding landet ebenfalls wenig elegant im Gras, seine Axt neben meinem Kopf im Baum.<br \/>\nNa ja, fast neben meinem Kopf. Rasender Schmerz schie\u00dft durch mein Ohr, das ich wahrscheinlich grad verloren haben. Und auch wenn ich wei\u00df, dass es bald nachwachsen wird, der Luftmangel und der Schmerz zusammen machen mich verwundbar. Bevor ich reagieren kann, krallt sich der waffenlose Gnom in meinen K\u00f6rper, was an sich schon mehr als unangenehm ist. Richtig schmerzhaft wird es allerdings, als er aus derselben Bewegung heraus seine Z\u00e4hne in meinen Kopf schl\u00e4gt.<br \/>\nVor Schmerz rasend, zugleich blind, weil Blut aus meinem Kopf str\u00f6mt und augenblicklich mein Blickfeld vernebelt, packe ich die Haare des Wesens und rei\u00dfe seinen Kopf zur\u00fcck. Zumindest versuche ich es, denn seine Z\u00e4hne stecken fest in meinem Sch\u00e4del. Und auch wenn das Gehirn selbst keinen Schmerz empfindet, sieht das bei der Kopfhaut schon anders aus. Hinzu kommen seine Krallen, die auch in meinem K\u00f6rper w\u00fcten.<br \/>\nMir wird klar, dass ich diesen Kampf verloren habe. Zwar wei\u00df ich, dass das noch nichts \u00fcber die Schlacht aussagt, trotzdem steigt schiere Verzweiflung in mir hoch. Verzweiflung und Wut \u00fcber meine unglaubliche Naivit\u00e4t.<br \/>\nIch lasse den Kopf des D\u00e4mons los und schlage die F\u00e4uste von beiden Seiten gegen seine Ohren. Das hilft etwas, sein Griff lockert sich. Nach dem zweiten Schlag l\u00e4sst er mich los und springt mit einem R\u00fcckw\u00e4rtssalto weg.<br \/>\nAllerdings, das wird mir zu sp\u00e4t klar, nur, um den Weg f\u00fcr die Axt des ersten D\u00e4mons freizumachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was zum Teufel tue ich hier \u00fcberhaupt? Zu Hause warten James und Danny, und ich stehe hier vor einer Bank herum. Ein paar Meter weiter kotzt sich ein Polizist aus. 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