{"id":309,"date":"2020-08-09T17:29:00","date_gmt":"2020-08-09T15:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=309"},"modified":"2021-09-08T09:19:33","modified_gmt":"2021-09-08T07:19:33","slug":"leseprobe-fiona-entscheidungen-kristallwelten-saga-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/leseprobe-fiona-entscheidungen-kristallwelten-saga-2\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Fiona &#8211; Entscheidungen (Kristallwelten-Saga 2)"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: center;\">&#8211; SPOILER-ALARM! &#8211;<\/h2>\n<p>Ich beobachte die Welle, die der letzte Tropfen aus der Kaffeemaschine verursacht. Eine einsame, letzte Welle. Wie in Trance nehme ich die Tasse und gehe zur\u00fcck in mein B\u00fcro.<br \/>\nDrau\u00dfen ist es bereits dunkel. Die Stille deutet darauf hin, dass ich wieder als Letzte gehen werde. Beim Gedanken an James und Danny beschlie\u00dfe ich, dass dies schon bald geschehen wird. Ich schlie\u00dfe am PC das Mailprogramm und die Pr\u00e4sentation der aktuellen Gesch\u00e4ftszahlen. Als das letzte Fenster sichtbar wird, z\u00f6gere ich.<br \/>\nFiona Flame, steht da. Mein Name. Mein Name?<br \/>\nEin Artikel in einer lokalen Zeitung, die Geschichte der Stadt w\u00e4hrend der letzten 10 Jahre. Immerhin eine halbe Seite \u00fcber Steve Connor und in diesem Zusammenhang \u00fcber mich. Hm. Ich \u00fcberlege beim Lesen, ob ich das gut finde oder nicht. Bei der recht rei\u00dferischen Aufmachung tendiere ich eher dazu, es nicht gut zu finden. Ich lehne mich zur\u00fcck und halte die Kaffeetasse mit beiden H\u00e4nden fest. Die Erinnerung an die Ereignisse von damals kommt hoch. Etwas \u00fcberrascht registriere ich, dass ich keinen Hass und auch keine Wut mehr auf Steve Connor versp\u00fcre.<br \/>\nMir f\u00e4llt der seltsame Besucher in der Nacht ein. Seitdem habe ich seine Visitenkarte immer bei mir. Zwei Jahre denke ich nun schon dar\u00fcber nach, ob ich ihn anrufen soll. Sollte ich diesen Artikel in der Lokalpresse etwa als Hinweis sehen, dass eine Entscheidung f\u00e4llig ist?<br \/>\nIch krame die Karte hervor und lege sie neben das Telefon.<br \/>\nDrol Wayne, Rechtsanwalt.<br \/>\nIn einem Anfall von Entschlossenheit nehme ich das Telefon und w\u00e4hle die Nummer auf der Karte. Nach einer kurzen Wartezeit klingelt es auf der Gegenseite. Ich ertappe mich dabei, dass ich an meiner Unterlippe herumkaue und \u00fcberlege, wieder aufzulegen. In diesem Moment geht jemand dran.<br \/>\n\u201eDrol Wayne hier.\u201c Eine angenehme, unauff\u00e4llige M\u00e4nnerstimme.<br \/>\n\u201eHallo\u201c, erwidere ich und komme mir sofort d\u00e4mlich vor.<br \/>\n\u201eHallo Fiona\u201c, sagt die M\u00e4nnerstimme und ich h\u00f6re f\u00f6rmlich, wie mein Gespr\u00e4chspartner grinst.<br \/>\n\u201eSie wissen, wer ich bin?\u201c<br \/>\n\u201eScheint so. Du bist Fiona Flame.\u201c<br \/>\n\u201eAls wir uns begegnet sind, hie\u00df ich noch anders!\u201c<br \/>\n\u201eDas ist wahr. Aber in der Zwischenzeit hast du ja auch geheiratet.\u201c<br \/>\nIch atme tief durch. \u201eBeobachten Sie mich etwa?\u201c<br \/>\n\u201eNein, nicht gezielt.\u201c<br \/>\n\u201eAber ungezielt. Na super. Wer sind Sie eigentlich?\u201c<br \/>\n\u201eDas ist die falsche Frage. Ich bin Drol Wayne.\u201c<br \/>\n\u201eUnd was sind Sie?\u201c<br \/>\nEr antwortet erst nach einer kurzen Pause. \u201eDiese Frage ist schon nicht so einfach zu beantworten. Und am Telefon gar nicht. Zumindest will ich sie nicht am Telefon beantworten.\u201c<br \/>\n\u201eWie dann? Pers\u00f6nlich?\u201c<br \/>\n\u201eJa, wenn du die Antworten auf deine Fragen wissen willst, werden wir uns treffen m\u00fcssen.\u201c Er wartet ein paar Sekunden, bevor er fortf\u00e4hrt. \u201eMorgen, 5 Uhr nachmittags im Caf\u00e9 LaSoleil?\u201c<br \/>\n\u201eNa, immerhin ein \u00f6ffentlicher Platz.\u201c<br \/>\nEr lacht. \u201eGenau, du brauchst keine Angst davor zu haben, dass ich dich entf\u00fchre.\u201c<br \/>\n\u201eIch glaube, davor habe ich auch so keine Angst\u201c, erwidere ich.<br \/>\n\u201eSolltest du aber\u201c, sagt Wayne, bevor er auflegt.<br \/>\nIch starre das Telefon an und bin unbegeistert. Was meinte er damit denn? Ich versuche, mich an ihn zu erinnern. Das Licht ist damals eher d\u00fcrftig und mein Zustand auch nicht gerade auf der H\u00f6he gewesen. Doch meine Erinnerung enth\u00e4lt nichts, was auch nur ann\u00e4hernd einen Mann ergeben k\u00f6nnte, dem ich zutrauen w\u00fcrde, mich zu entf\u00fchren. Trotzdem bleibt ein sehr ungutes Gef\u00fchl in mir zur\u00fcck, sodass ich mich mehrmals umsehe, als ich das B\u00fcro verlasse und mit dem Aufzug in die Tiefgarage fahre. Hier ist es leer und still, nur mein Auto steht in der N\u00e4he. W\u00e4hrend ich langsam darauf zugehe, lausche ich in meine Umgebung hinein. Nur meine Schritte sind zu h\u00f6ren, und mein Atem. Kopfsch\u00fcttelnd schlie\u00dfe ich meinen Wagen auf, steige ein und fahre los. So was Bescheuertes.<br \/>\nIch fahre fr\u00fch genug los, damit ich noch einkaufen kann. Danny hatte schon wieder ein paar Sachen zwischen die Z\u00e4hne gekriegt, also verweile ich besonders lange in einem Dessous-Shop. In Anbetracht der Summe, die auf dem Kassenzettel steht, nehme ich mir fest vor, in Zukunft alles an W\u00e4sche vom Boden aufzusammeln, bevor ich ins Koma falle, egal wie heftig und geil der Sex war.<br \/>\nBevor ich in das Caf\u00e9 gehe, packe ich den Einkauf in den Kofferraum des nur subtil bedrohlich wirkenden Kombis. Lediglich die vier dicken Endrohre verraten, dass der Wagen selbst Ferraris jagen kann.<br \/>\nObwohl ich vor 5 Uhr im Caf\u00e9 bin, ist Drol Wayne schon da. Er sitzt an einem Ecktisch, von wo aus er den gesamten Raum gut \u00fcberblicken kann. In einem ma\u00dfgeschneiderten, tadellos sitzenden, dunkelblauen Anzug, mit passender Krawatte und strahlend wei\u00dfem Hemd.<br \/>\nEr gibt mir l\u00e4chelnd die Hand.<br \/>\nNoch bevor wir ein paar Worte tauschen k\u00f6nnen, ist die Kellnerin da. Ich bestelle Cappuccino und Apfelkuchen, Drol Wayne eine zweite Tasse Kaffee, schwarz.<br \/>\nDann betrachte ich ihn.<br \/>\n\u201eSie haben mich inzwischen richtig neugierig gemacht, Mr. Wayne\u201c, bemerke ich schlie\u00dflich.<br \/>\n\u201eWarum?\u201c<br \/>\n\u201eWarum? Soll das ein Witz sein? Sie machen ja auf ziemlich mysteri\u00f6s. W\u00e4re ich abergl\u00e4ubisch, k\u00e4me ich vielleicht sogar auf seltsame Ideen!\u201c<br \/>\n\u201eAuf welche denn, zum Beispiel?\u201c<br \/>\nIch mustere ihn misstrauisch. \u201eK\u00f6nnen Sie sich das nicht denken?\u201c<br \/>\n\u201eEs spielt keine Rolle, was ich denken kann oder denke\u201c, erwidert er. \u201eWichtig ist lediglich, was du denkst oder f\u00fchlst. Um dich geht es, nicht um mich.\u201c<br \/>\n\u201eWieso geht es um mich? Mit mir ist alles in Ordnung, mein Leben endlich auf der Geraden. Mir ist \u00fcberhaupt nicht nach irgendwelchen Abenteuern. Ich will weder angeschossen noch verpr\u00fcgelt werden, falls Sie wissen, was ich meine!\u201c<br \/>\n\u201eOh ja, das wei\u00df ich durchaus. Aber leider kann ich diesem Wunsch nicht entsprechen. Schlie\u00dflich hast du dir diesen Weg ausgesucht.\u201c<br \/>\n\u201eWelchen Weg?\u201c, frage ich und merke, wie mein Adrenalinspiegel in die H\u00f6he geht.<br \/>\n\u201eDen Weg der Kriegerin.\u201c<br \/>\n\u201eAha. H\u00f6ren Sie, Sie Komiker \u2026\u201c Ich unterbreche mich, als die Kellnerin mit unserer Bestellung kommt. Ich bezahle direkt, dann betrachte ich meinen Kuchen. Seufzend trenne ich mit der Gabel ein St\u00fcck ab und f\u00fchre es in meinen Mund. Kauend sage ich zu Wayne: \u201eIch wei\u00df nicht, wer oder was Sie sind und woher Sie all das wissen, was Sie wissen, aber ich bin nur eine einfache, junge Frau, die zuf\u00e4llig mal in ein Abenteuer geraten ist, das Aufregung genug f\u00fcr den Rest meines ganzen Lebens geboten hat.\u201c<br \/>\n\u201eNicht zuf\u00e4llig\u201c, widerspricht Wayne.<br \/>\n\u201eWie, nicht zuf\u00e4llig?\u201c<br \/>\nJetzt ist es an Wayne zu seufzen. Er nippt an seinem Kaffee, bevor er mir antwortet. \u201eGlaubst du wirklich, du hast all deine Talente, all deine F\u00e4higkeiten nur zuf\u00e4llig?\u201c<br \/>\n\u201eWelche Talente meinen Sie?\u201c Mir gef\u00e4llt es \u00fcberhaupt nicht, welche Wendung dieses Gespr\u00e4ch nimmt. \u00dcberhaupt und gar nicht.<br \/>\n\u201eH\u00f6r zu, Fiona, lass uns mit diesem Spielchen aufh\u00f6ren und offen miteinander reden. Einverstanden?\u201c<br \/>\nIch verkneife mir eine zynische Bemerkung und nicke.<br \/>\n\u201eSch\u00f6n. Du wei\u00dft genau, was ich meine. Und ich wei\u00df, dass du dir da durchaus deine Gedanken dazu gemacht hast. Die Tatsache, dass du hier sitzt, ergab sich daraus, dass du mich angerufen hast. Warum hast du mich angerufen?\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df es nicht.\u201c Ich stochere lustlos in den Resten meines Kuchens rum. \u201eIch wurde an diese Geschichte durch einen Zeitungsartikel erinnert. Und da fielen Sie mir eben auch ein. Und dass das alles ziemlich seltsam war.\u201c<br \/>\n\u201eWas genau war seltsam?\u201c<br \/>\nIch blicke ihn an. \u201eJetzt spielen Sie, Wayne.\u201c<br \/>\n\u201eIch m\u00f6chte, dass du es aussprichst.\u201c<br \/>\n\u201eAlso sch\u00f6n, ich fand es seltsam, dass ich das alles durchgehalten habe. Ich fand es seltsam, dass ich nach zwei Wochen aus dem Krankenhaus ging und weitermachte wie davor. Ich fand es schon seltsam, dass ich da 9 M\u00e4nner mal eben zusammenschlug. Eigentlich fand ich so ziemlich alles seltsam.\u201c<br \/>\n\u201eUnd welche Erkl\u00e4rung hast du daf\u00fcr?\u201c<br \/>\n\u201eWenn ich ganz ehrlich bin, gar keine.\u201c<br \/>\nDrol Wayne l\u00e4chelte. \u201eEine ehrliche Antwort. Dann ist es also an mir, dich dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin sehr gespannt, was ich jetzt zu h\u00f6ren kriege. Wahrscheinlich bin ich Teil eines ultrageheimen Regierungsexperiments. Oder so was.\u201c<br \/>\n\u201eNicht ganz. Die Regierung hat nichts damit zu tun. Wenn ihr davon was bekannt w\u00e4re, w\u00fcrde sie sich vermutlich auf euch st\u00fcrzen \u2026\u201c<br \/>\n\u201eAuf uns?!\u201c<br \/>\n\u201eDu bist damit nicht allein. Es gibt auf der ganzen Erde ein paar tausend Menschen mit vergleichbaren F\u00e4higkeiten.\u201c<br \/>\n\u201eOkay, ich habe Ihnen fast geglaubt. Aber das wird mir jetzt zu verschw\u00f6rungstheoretisch. Ich gehe jetzt.\u201c<br \/>\nWayne sieht mich l\u00e4chelnd an, als ich Geld auf den Tisch lege und sagt ruhig: \u201eDu kannst gehen, wohin du willst, du bist ja frei. Aber deinem Schicksal entkommst du nicht. \u00dcbrigens hast du schon bezahlt.\u201c<br \/>\n\u201eAch du Schei\u00dfe, das wird jetzt melodramatisch. Welchem Schicksal denn, gro\u00dfer Meister? Das Geld lasse ich liegen, die Kellnerin wird sich freuen.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist eine Kriegerin. Deine Kr\u00e4fte und F\u00e4higkeiten hast du bekommen, weil du mit ihrer Hilfe Gott dienen sollst und willst.\u201c<br \/>\n\u201eWill? Ich wei\u00df ja nicht einmal was davon!\u201c<br \/>\n\u201eDu hast dich daf\u00fcr entschieden, bevor du geboren wurdest.\u201c<br \/>\n\u201eOkay, also melodramatisch und esoterisch. Was haben Sie noch auf Lager, alter Mann? Hat Ihnen das alles ein Engel erz\u00e4hlt?\u201c<br \/>\n\u201eNein\u201c, erwidert Wayne grinsend. \u201eDie Engel geben bei mir h\u00f6chstens ihre Berichte ab.\u201c<br \/>\n\u201eOha. Sie sind sogar so was wie der Chef von den Engeln. Das ist ja eine ganz neue Dimension. Sagen Sie mal, Sie sind doch nicht etwa inkognito hier unterwegs und hei\u00dfen mit echtem Namen Gott?\u201c<br \/>\n\u201eNein, Gott gibt sich mit einzelnen Planeten nicht ab. Daf\u00fcr hat er seine Statthalter.\u201c<br \/>\nIch setze mich wieder. Vielleicht rufe ich gleich die von der Irrenanstalt an, und dann muss ich ihn ja festhalten, bis die Jungs da sind.<br \/>\n\u201eUnd Sie sind so ein Statthalter? F\u00fcr die Erde, richtig?\u201c<br \/>\nEr nickt. \u201eDas ist korrekt.\u201c<br \/>\n\u201eDa m\u00fcssten Sie ja ziemlich m\u00e4chtig sein und so ziemlich alles wissen, was auf der Erde abl\u00e4uft.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin ja nicht Gott. Aber ich wei\u00df schon eine Menge, das stimmt.\u201c<br \/>\n\u201eK\u00f6nnen Sie denn auch Gedanken lesen?\u201c<br \/>\n\u201eNicht ohne deine Zustimmung. Das kann nur Gott.\u201c<br \/>\n\u201eOha, Gottes Hausmeistergilde hat so was wie eine Datenschutzverordnung. Das beruhigt mich grad etwas.\u201c<br \/>\n\u201eIch mag deinen Humor, Fiona. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich mit Leichtigkeit beweisen, dass alles wahr ist, was ich sage. Allerdings haben wir Statthalter uns verpflichtet, uns so wenig wie m\u00f6glich in die Angelegenheiten der Bewohner unserer Planeten einzumischen. Zumindest direkt. Das ist die Aufgabe der Krieger, f\u00fcr Ordnung zu sorgen. Besser gesagt, f\u00fcr das Gleichgewicht. Ganz ohne Batmanmaske und so.\u201c<br \/>\n\u201eJetzt bin ich noch mehr beruhigt. Ich muss also keine Maske, Uniform und so ein Zeug tragen?\u201c Ich wische den imagin\u00e4ren Schwei\u00df von meiner Stirn ab. \u201eAber wie erfahre ich dann, dass es was zu tun gibt f\u00fcr mich?\u201c<br \/>\n\u201eSo wie bisher auch.\u201c<br \/>\n\u201eAch? Ich habe doch noch gar nichts f\u00fcr den Kriegerverein getan.\u201c<br \/>\n\u201eDoch. Mit allem, was du tust. Was du bist. Du bist Fiona, die Kriegerin. Du hast die Vergewaltigung \u00fcberstanden, du hast Pr\u00fcgel \u00fcberstanden, die Schusswunden, du hast bei einem Glas Milch vor der Glotze mitten in der Nacht erkannt, dass dein Onkel hinter dem Pornoring steckt, du hast \u2026\u201c<br \/>\n\u201eMoment mal! Woher wissen Sie das mit dem Glas Milch? Ich glaube einfach nicht, dass James das jemandem erz\u00e4hlt hat!\u201c<br \/>\n\u201eHat er auch nicht. Ich sagte ja, dass ich eine Menge wei\u00df. \u00adFiona, es liegt an dir, ob und wann du die Fakten akzeptierst. Dass es wahr ist, was ich sage, sp\u00fcrst du genau. Weitermachen macht aber nur Sinn, wenn du es akzeptierst.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin mir nicht sicher, ob ich das will. Denn wenn das wirklich stimmt, kann ich mein ganzes Weltbild \u00fcber Bord werfen.\u201c Ich betrachte m\u00fcrrisch die Kellnerin, die kommt, um den Tisch abzur\u00e4umen. Bei der Gelegenheit bestelle ich noch einen Kaffee.<br \/>\n\u201eWarum denn?\u201c, fragt Wayne, als die Kellnerin wieder abgezogen ist.<br \/>\n\u201eWeil mein Weltbild weder Gott noch seine Statthalter enth\u00e4lt, darum!\u201c<br \/>\n\u201eDann erweitere es doch einfach\u201c, schl\u00e4gt Wayne vor. \u201eWieso glaubt ihr Menschen, dass euer Weltbild direkt zerst\u00f6rt wird, blo\u00df weil ihr was Neues erkennt? Du hast 26 Jahre lang diese Welt schon erfahren, all das ist doch nicht einfach weg oder falsch.\u201c<br \/>\n\u201eHach! Erwischt! Ich bin erst 25!\u201c<br \/>\n\u201eJa, du wurdest am 30. Mai 1980 geboren, aber du wurdest am 6. August 1979 gezeugt. Deine Mutter lag dabei auf dem R\u00fccken, dein Vater hat exakt 5 Minuten und 37 Sekunden bis zum Samen\u00aderguss gebraucht.\u201c<br \/>\n\u201eSchei\u00dfe!\u201c Ich starre ihn entgeistert an. \u201eVorhin dachte ich noch, es g\u00e4be so was wie Intimsph\u00e4re!\u201c<br \/>\n\u201eGibt es auch. Solche Informationen rufe ich nur in einzelnen Situationen ab, in denen es sinnvoll ist. Es gibt keine Aufzeichnungen dazu.\u201c<br \/>\n\u201eUnd woher wissen Sie es dann?\u201c<br \/>\n\u201eDie Regeln von Raum und Zeit gelten f\u00fcr mich nicht.\u201c<br \/>\n\u201eSie k\u00f6nnten also jeden einzelnen Orgasmus von mir, wie sagten Sie es doch, abrufen?\u201c<br \/>\n\u201eWenn ich das unbedingt wollte, dann ja.\u201c Wayne l\u00e4chelt. \u201eEs verschafft mir nichts, das zu wissen. Dass du Sex und dabei Spa\u00df hast, ist fein. Aber es ist deine Sache und im Moment noch von James.\u201c<br \/>\n\u201eIm Moment noch?\u201c<br \/>\n\u201eIm Moment. Noch war eine Addition. Und du hattest keineswegs nur mit James Sex in deinem Leben.\u201c<br \/>\n\u201e\u00c4h \u2026 das stimmt.\u201c<br \/>\nWayne lehnt sich zur\u00fcck und mustert mich eindringlich. Er macht mich nerv\u00f6s damit. Eine Zeit lang beherrsche ich mich, aber schlie\u00dflich fahre ich ihn an: \u201eWas soll das?\u201c<br \/>\n\u201eWie machen wir jetzt weiter? Ich bin mir nicht sicher, ob du schon bereit bist, deine Aufgabe zu akzeptieren.\u201c<br \/>\n\u201eDas sehe ich genauso\u201c, erwidere ich.<br \/>\n\u201eDas Problem ist, dass du jetzt, wo du es wei\u00dft, viele Dinge wahrnehmen wirst, die du bis jetzt einfach ausgeblendet hast. Und diese Dinge werden dich erschrecken, wenn du auf sie nicht vorbereitet wirst. Im schlimmsten Fall k\u00f6nntest du wahnsinnig werden.\u201c<br \/>\n\u201eReizende Aussichten. Eigentlich habe ich also gar keine Wahl.\u201c<br \/>\n\u201eDoch, die Wahl hast du, immer.\u201c<br \/>\nMir kommt pl\u00f6tzlich eine Idee und ich lehne mich vor, w\u00e4hrend ich zu ihm sage: \u201eIrgendwie ist das alles unlogisch. Wenn Sie au\u00dferhalb von Raum und Zeit sind, wieso nutzen Sie Begriffe des Zeitverlaufs?\u201c<br \/>\nWayne l\u00e4chelt freundlich. \u201eWeil du dich nur in diesen Begriffen mit mir unterhalten kannst. Die Unlogik liegt nicht bei mir, sondern bei dir. Ein Wesen der vierdimensionalen Welt kann nur vierdimensional mit anderen Wesen reden, selbst wenn diese f\u00fcnfdimensional sind. Du kannst die f\u00fcnfte Dimension einfach nicht wahrnehmen.\u201c<br \/>\n\u201eHei\u00dft das, was ich hier als Drol Wayne wahrnehme, ist nur die vierdimensionale Abbildung von ihm?\u201c<br \/>\n\u201eSo ungef\u00e4hr\u201c, antwortet er.<br \/>\n\u201eUnd ich bin nur vierdimensional?\u201c<br \/>\n\u201eDas ist nicht ganz so einfach. Genaugenommen gibt es so was wie Zeit und Raum \u00fcberhaupt nicht. Aus Gr\u00fcnden, die du nicht verstehen kannst, hast du dich entschieden, eine vierdimensionale Manifestierung von dir zu erschaffen, n\u00e4mlich Fiona Carter. Wenn du willst, einen Avatar. Das, was von dir Fiona Carter ist, das ist vierdimensional.\u201c<br \/>\n\u201eDas verstehe ich nicht.\u201c<br \/>\n\u201eKannst du auch nicht verstehen. Dazu m\u00fcsstest du dich von deiner Manifestierung l\u00f6sen. Und das w\u00e4re der Tod von Fiona Carter.\u201c<br \/>\n\u201eWas ist denn mit au\u00dferk\u00f6rperlichen Erfahrungen?\u201c<br \/>\n\u201eDu hast recht. Aber bei einer au\u00dferk\u00f6rperlichen Erfahrung bleibt die Manifestierung bestehen und die Wahrnehmung der wirklichen Welt bleibt sehr unscharf. Zumindest vermitteln solche Erfahrungen eine Ahnung von dem, was au\u00dferhalb der Grenzen der raumzeitlichen Existenz noch alles da ist.\u201c<br \/>\n\u201eAlso haben die ganzen Esoteriker recht?\u201c<br \/>\n\u201eSagen wir es mal so: Sie haben nicht ganz unrecht. Manche haben diese Ahnung erlebt und im Ansatz auch verstanden. Aber sie sind die Ausnahmen. Die meisten wissen nicht, wovon sie reden.\u201c<br \/>\n\u201ePrima, dann gibt es also die ganzen Engel und D\u00e4monen gar nicht!\u201c<br \/>\nWayne l\u00e4chelt. \u201eDoch, die gibt es, und noch viel mehr. Sie sind Teil des Spiels, das ihr Menschen erschaffen habt. Alles, was ein Mensch sich vorstellt, wird Manifestierung. Selten so, wie er es sich vorgestellt hat, denn alle Menschen stellen sich was vor, und das beeinflusst das Ergebnis massiv. Vor allem ist das Ergebnis dynamisch, st\u00e4ndig in Bewegung, immer im Fluss.\u201c<br \/>\n\u201eAutsch.\u201c<br \/>\n\u201eDeswegen gibt es die Krieger. Die Aufgabe der Krieger ist es, das Gleichgewicht zu wahren. Krieger m\u00fcssen eingreifen, wenn das Gleichgewicht bedroht wird. Das kann immer wieder passieren, eigentlich ist das v\u00f6llig normal und allt\u00e4glich.\u201c<br \/>\n\u201eWas bedeutet es, das Gleichgewicht wahren?\u201c<br \/>\n\u201eDas kann ich dir nicht erkl\u00e4ren, das musst du und wirst du sp\u00fcren. Du wirst sp\u00fcren, wann du und wie du eingreifen musst. Daf\u00fcr hast du dich entschieden, bevor du dich manifestiert hast.\u201c<br \/>\n\u201eWarum?\u201c<br \/>\n\u201eEs liegt au\u00dferhalb der M\u00f6glichkeiten von Fiona Carter, das zu verstehen.\u201c<br \/>\n\u201eIch hei\u00dfe Fiona Flame.\u201c<br \/>\n\u201eNamen sind ohne Bedeutung. Du hast dich als Fiona Carter manifestiert.\u201c Wayne trinkt den letzten Schluck aus seiner Tasse und verzieht das Gesicht. \u201eKalter Kaffee schmeckt scheu\u00dflich.\u201c<br \/>\nIch grinse ihn s\u00fcffisant an. \u201eDas stimmt.\u201c<br \/>\nSein L\u00e4cheln verr\u00e4t, dass er verstanden hat. \u201eEs gibt ja Rezepte, f\u00fcr die man kalten Kaffee ben\u00f6tigt.\u201c<br \/>\n\u201eAuch das stimmt. Aber zus\u00e4tzliche Bestandteile sind notwendig. Ohne sie schmeckt kalter Kaffee einfach nur \u00e4tzend.\u201c<br \/>\n\u201eDa kann ich dir nur zustimmen\u201c, sagt Drol Wayne nickend. \u201eDeswegen die Frage an dich: Was kann ich dir noch sagen? Was m\u00f6chtest du noch wissen?\u201c<br \/>\n\u201eOb ich das alles noch tr\u00e4ume? Diesen ganzen Schwachsinn.\u201c<br \/>\n\u201eDiese Frage wirst du dir schon selbst beantworten m\u00fcssen. Niemand au\u00dfer dir kann das wissen und entscheiden, was du als Wahrheit und Realit\u00e4t akzeptierst und was nicht.\u201c<br \/>\n\u201eOh Gott \u2026 das ist nun wirklich unterste Schublade von fader Esoterik, finden Sie nicht?\u201c<br \/>\n\u201eDas kommt darauf an, in welchen Kontext du es stellst, \u00adFiona. Auch die Physiker werden dir nichts anderes sagen, denn schlie\u00dflich ist Licht, das du mit deinen optischen Rezeptoren wahrnimmst, doch nichts anderes als ein kleiner Ausschnitt s\u00e4mtlicher Strahlungsfrequenzen \u2013 und damit nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Welt der Strahlung. Und auf die gleiche Weise ist das, was du glaubst, was du als Realit\u00e4t wahrnimmst, nichts weiter als ein kleiner Teil dessen, was durch deine Rezeptoren in dich gelangt. In jedem Sekundenbruchteil triffst du immer wieder die unbewussten Entscheidungen dar\u00fcber, was f\u00fcr dich legitime Wahrheit ist und was nur ein fl\u00fcchtiger Gedanke oder gar eine Einbildung oder eine Halluzination.\u201c<br \/>\n\u201eJa, klar. Blo\u00df, bei der Strahlung, da gibt es ein definiertes Spektrum, h\u00f6chste und niedrigste Frequenz. Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass ich Physik als Abiturfach hatte. Wie ist es denn mit dem Spektrum der Wahrheit?\u201c<br \/>\n\u201eWas ist die h\u00f6chste und die niedrigste Frequenz?\u201c<br \/>\nIch \u00fcberlege kurz. \u201eZumindest die niedrigste ist klar. Die, die nach Null konvergiert.\u201c<br \/>\n\u201eDas hast du aber sch\u00f6n gesagt\u201c, sagt Drol Wayne l\u00e4chelnd. \u201eWas macht dich da denn so sicher?\u201c<br \/>\n\u201eWeil das in etwa 0 Kelvin entspricht. Darunter geht nichts.\u201c<br \/>\n\u201eUnd das wei\u00dft du genau? Woher eigentlich?\u201c<br \/>\nIch sehe ihn an und \u00fcberlege, wie ernst ich den Schwachsinn nehmen soll. Das ist die Art von Diskussionen, die ich schon immer gehasst habe. \u201eH\u00f6ren Sie, Sie Platonverschnitt, nat\u00fcrlich wei\u00df ich das nicht. Niemand kann das wissen.\u201c<br \/>\n\u201eEben.\u201c Drol Wayne winkt der Kellnerin. \u201eDas ist ein wichtiger Punkt. Ihr Menschen neigt stark dazu, Aussagen \u00fcber Dinge zu treffen, von denen ihr gar nichts wisst. Und dann tut ihr so, als h\u00e4ttet ihr die Wahrheit beschrieben. Und das macht euch blind f\u00fcr eure Welt. Im \u00dcbrigen gilt das f\u00fcr die Esoteriker, die du angesprochen hast, genauso. Sie sind ebenso blind wie die sogenannten Naturwissenschaftler und alle anderen. Halt alle. Oder fast alle.\u201c<br \/>\nDrol Wayne bestellt ein Glas Wasser bei der Kellnerin, ich nichts. Dann frage ich ihn: \u201eWas meinen Sie mit fast alle?\u201c<br \/>\n\u201eEs gibt Menschen, die l\u00f6sen sich von der Idee der Wahrheit, der Wirklichkeit, der Realit\u00e4t, der Subjektivit\u00e4t und Objektivit\u00e4t und so fort. Das sind alles Konzepte, die Sinn machen und lebenswichtig sind, solange man die Sicherheit der eigenen Existenz braucht, um die Angst vor der eigenen Vernichtung in Schach zu halten. Es gibt aber Menschen, wenn auch nur ganz wenige, die es geschafft haben, hinter diese Angst zu blicken. Sie brauchen solche Konzepte nicht mehr.\u201c<br \/>\n\u201eNa ja, wenn sie ja keine eigene Existenz mehr haben, brauchen sie nat\u00fcrlich solche Konzepte auch nicht.\u201c<br \/>\n\u201eDie Sicherheit der eigenen Existenz ist nicht dasselbe wie die eigene Existenz, und schon mal gar nicht dasselbe wie Existenz\u201c, erwidert Drol Wayne l\u00e4chelnd. \u201eIch denke, eine solche Diskussion ist aber m\u00fc\u00dfig. Ging es doch eigentlich um die Frage, ob du diesen Schwachsinn alles tr\u00e4umst.\u201c<br \/>\n\u201eAch ja, genau! Mir kommt er zwar grad sehr real vor, aber vielleicht ist es doch nur ein Traum.\u201c<br \/>\n\u201eDann finde es heraus, Fiona.\u201c<br \/>\n\u201eW\u00fcrde ich ja gerne, wenn ich w\u00fcsste, wie!\u201c<br \/>\n\u201eDazu m\u00fcsstest du den Unterschied kennen.\u201c<br \/>\n\u201eWieso wusste ich, dass jetzt so eine Antwort kommt?\u201c<br \/>\nDrol Wayne l\u00e4chelt mitleidig. \u201eWeil du dir das gew\u00fcnscht hast, und ich wollte dich nicht entt\u00e4uschen. Warum ist es dir eigentlich so wichtig, ob es real ist oder ein Traum? Nicht nur, dass du den Unterschied nicht wirklich erkl\u00e4ren kannst, dar\u00fcber hinaus kann ich mir keinen Grund vorstellen, warum es eine Rolle spielen sollte. So oder so erlebst du es jetzt gerade.\u201c<br \/>\n\u201eLeider\u201c, sage ich seufzend.<br \/>\n\u201eWas hast du also zu verlieren?\u201c<br \/>\n\u201eMein Leben, wenn ich grad wach bin.\u201c<br \/>\n\u201eWirklich? Glaubst du das ernsthaft?\u201c<br \/>\n\u201eIch hoffe das sehr! Sonst best\u00fcnde die Gefahr, dass mein Onkel pl\u00f6tzlich auftaucht!\u201c<br \/>\nDrol Wayne trinkt sein Wasser und legt dann Geld auf den Tisch. \u201eIch denke, du hast erst einmal genug erfahren. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Niemand kann und wird dir diese abnehmen.\u201c<br \/>\n\u201eWayne \u2026\u201c<br \/>\nEr blickt stehend auf mich herab. \u201eJa, Fiona?\u201c<br \/>\n\u201eSie sind doch au\u00dferhalb von Zeit und Raum, dann wissen Sie doch, wie es mit mir weitergeht?\u201c<br \/>\nEr grinst s\u00fcffisant. \u201eNetter Versuch, Fiona.\u201c<br \/>\nIch beobachte ihn, als er das Bistro verl\u00e4sst. Die Kellnerin kommt, um Waynes Glas abzur\u00e4umen, und ich bestelle einen Martini. Ich w\u00fcrde in Drol Wayne gern einen Spinner sehen, aber leider gibt es ein paar Gr\u00fcnde, ihn und das, was er sagte, ernst zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; SPOILER-ALARM! &#8211; Ich beobachte die Welle, die der letzte Tropfen aus der Kaffeemaschine verursacht. Eine einsame, letzte Welle. Wie in Trance nehme ich die Tasse und gehe zur\u00fcck in mein B\u00fcro. Drau\u00dfen ist es bereits dunkel. Die Stille deutet darauf hin, dass ich wieder als Letzte gehen werde. 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