{"id":1553,"date":"2022-05-07T12:32:49","date_gmt":"2022-05-07T10:32:49","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=1553"},"modified":"2022-05-07T12:32:50","modified_gmt":"2022-05-07T10:32:50","slug":"leseprobe-fiona-traumtanz-die-kristallwelten-saga-13-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/leseprobe-fiona-traumtanz-die-kristallwelten-saga-13-4\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Fiona &#8211; Traumtanz (Die Kristallwelten-Saga 13)"},"content":{"rendered":"<p>Wie findet man Drachen?<br \/>\nWir sitzen mal wieder alle zusammen in der K\u00fcche. Sarah auf Loikers Scho\u00df, Margret auf Michaels Scho\u00df, ich auf Katharinas. Nicht alle haben es \u00fcberwunden, dass Margret und Michael ein Paar sind. Vor allem John wirkt immer noch irritiert, als er heimlich die beiden anschaut.<br \/>\n\u201eWie findet man Drachen?\u201c, wiederhole ich meine Frage laut.<br \/>\n\u201eIndem man einem kleinen Drachen hinterher fliegt\u201c, antwortet Margret. \u201eDas habt ihr doch gemacht, oder?\u201c<br \/>\n\u201eUnd woher nehmen wir jetzt einen kleinen Drachen, du Genie?\u201c, erkundigt sich Ona. \u201eWir k\u00f6nnten ja ein paar Muonen holen. Oder Fionas niedlichen Drachen.\u201c<br \/>\nIch stelle mir kurz vor, wie mein niedlicher Drache auf dieses Ansinnen reagieren w\u00fcrde. Es g\u00e4be sicherlich Verletzte.<br \/>\n\u201eK\u00f6nnen wir uns mit der Frage etwas ernsthafter besch\u00e4ftigen?\u201c, fragt Halpha. \u201eWer war denn alles dabei im Drachenland? Ihr beide, Sarah. Wer noch?\u201c<br \/>\nElaine hebt stumm die Hand, Ryema genauso. Nach kurzem Z\u00f6gern auch Thomas.<br \/>\n\u201eUnd? Wie war der Weg?\u201c<br \/>\n\u201eDer Drache hat eine Dunkelt\u00fcr genutzt\u201c, erkl\u00e4re ich.<br \/>\n\u201eOh. Ich glaube, in der Verborgenen Welt gab es nie welche.\u201c<br \/>\n\u201eEben. Wir fliegen jetzt seit vier Tagen durch dieses embryonale Universum, ohne etwas zu finden. Nicht einmal eine Spur.\u201c<br \/>\n\u201eEmbryonal?\u201c, wiederholt Loiker. \u201eWas genau war es denn vorher?\u201c<br \/>\n\u201eNichts\u201c, zucke ich die Achseln. \u201eTodesstille.\u201c<br \/>\n\u201eH\u00f6r mir blo\u00df auf mit Todesstille!\u201c, ruft Ona.<br \/>\nEinige lachen. Ich betrachte Siana, die Kian bei sich hat. Lea sitzt auf dem Tisch, neben ihrer Mutter und Loiker. Eine gro\u00dfe Familie, im Grunde genommen. Mit allem, was dazu geh\u00f6rt.<br \/>\n\u201eLasst uns das mal logisch angehen\u201c, schl\u00e4gt Bridge vor. Da sie sich eher selten beteiligt, sehen alle sie erstaunt an. \u201eWas? Logik ist eine gute Sache!\u201c<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich\u201c, nickt Ryema. \u201eDeine Stimme ist so ungewohnt.\u201c<br \/>\n\u201eHahaha. Ich muss nicht st\u00e4ndig reden.\u201c<br \/>\n\u201eErz\u00e4hlst du uns trotzdem, wie du vorgehen w\u00fcrdest?\u201c, erkundige ich mich.<br \/>\n\u201eKlar. Wie sah es denn dort aus, wo euch der kleine Drache hingef\u00fchrt hat?\u201c<br \/>\nIch denke kurz nach. \u201eZuerst landeten wir in irgendeiner Schlucht, in der mal Drachen gelebt hatten &#8230;\u201c<br \/>\n\u201eHeyges\u201c, unterbricht mich Sarah.<br \/>\n\u201eWie auch immer. Von dort gelangten wir durch eine Dunkelt\u00fcr in eine Welt, die meiner Ansicht nach ganz woanders war.\u201c<br \/>\n\u201eDurch eine Dunkelt\u00fcr kann man aber nicht die Welten wechseln\u201c, erwidert Sarah. \u201eHat zumindest Katharina gesagt.\u201c<br \/>\nDiese zuckt die Achseln. \u201eSo habe ich es mal geh\u00f6rt. Muss ja nicht stimmen.\u201c<br \/>\n\u201eIst eigentlich egal\u201c, sage ich. \u201eIch gehe jedenfalls davon aus, dass wir nicht einmal mehr in der N\u00e4he von Heyges waren.\u201c<br \/>\n\u201eSch\u00f6n\u201c, bemerkt Bridge. \u201eWie sah es denn dort aus?\u201c<br \/>\n\u201eViele, massive, hohe Berge mit sehr breiten T\u00e4lern, \u00fcber die Br\u00fccken f\u00fchrten. F\u00fcr die Besucher, nicht f\u00fcr die Drachen. Auch das Schloss von Drachenkind war in die Berge geschlagen, zumindest \u00fcberwiegend.\u201c<br \/>\n\u201eEine solche Landschaft w\u00e4re auch in der Verborgenen Welt vorstellbar\u201c, stellt Elaine fest. \u201eVielleicht war es sogar in der Verborgenen Welt.\u201c<br \/>\nIch nicke langsam. \u201eGut m\u00f6glich. Daran habe ich noch nicht gedacht.\u201c<br \/>\n\u201eDaf\u00fcr gab es ja auch keinen Grund\u201c, sagt Katharina. \u201eAber mein Schwesterchen hat recht.\u201c<br \/>\nElaine formt mit dem Mund ein stimmloses \u201eArschloch\u201c. Muss Liebe zwischen Schwestern sch\u00f6n sein. Na ja, eigentlich immer zwischen Geschwistern. Ich hatte mit Norman auch meine Spielchen. Und er mit mir.<br \/>\n\u201eDas ist alles gut und sch\u00f6n\u201c, bemerkt Margret. \u201eUnd inwiefern hilft uns das bei der Suche?\u201c<br \/>\n\u201eWeil wir nicht mehr nach irgendetwas suchen, was irgendwie mit Drachen zu tun haben k\u00f6nnte, sondern nach bestimmten Strukturen\u201c, antwortet Ryema.<br \/>\n\u201eIhr geht also davon aus, dass die Drachen auch jetzt in Bergen wohnen?\u201c<br \/>\nRyema nickt.<br \/>\n\u201eHm. Warum?\u201c<br \/>\n\u201eSagte Elaine grad schon\u201c, erwidere ich. \u201eEs war in der Verborgenen Welt.\u201c<br \/>\n\u201eSie sagte vielleicht.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist die Vorsicht der Medizinerin. F\u00fcr mich ist es eine Tatsache. Eine Alternative w\u00e4re f\u00fcr mich h\u00f6chstens au\u00dferhalb des Universums, doch das halte ich f\u00fcr unwahrscheinlich. Als ich Engelkind begegnet bin, da war ich au\u00dferhalb des Universums, dort das sah es anders aus, f\u00fchlte sich anders an.\u201c<br \/>\n\u201eAlles invertiert\u201c, wirft Sarah ein.<br \/>\nIch verneine kopfsch\u00fcttelnd.<br \/>\n\u201eNicht?\u201c<br \/>\n\u201eNein.\u201c<br \/>\n\u201eVerstehe ich nicht. Emily hat damals doch erz\u00e4hlt, die Wurzel des Erdenbaums sei mit Aylvan verbunden. Und da ist es invertiert.\u201c<br \/>\n\u201eDas war vielleicht das, was ihr gesehen habt. Zudem wir ja jetzt wissen, wo die Wurzeln starten.\u201c<br \/>\n\u201eIm Visz-Samen\u201c, sagt Sarah betr\u00fcbt. \u201eUnd Aylvan ist nicht invertiert?\u201c<br \/>\n\u201eIch traf Engelkind in ihrem Turm, von dort aus konnte ich auf die Kristallkugeln blicken. Da war gar nichts invertiert.\u201c<br \/>\n\u201eAuf dem Turm der Geschichte.\u201c<br \/>\nIch deute eine L\u00e4cheln an.<br \/>\n\u201eJa, ich wei\u00df, Dargk hat uns das nur erz\u00e4hlt, weil er uns die Wahrheit nicht zumuten wollte. Daf\u00fcr haben wir jetzt noch viel mehr Wahrheit.\u201c<br \/>\n\u201eUnd, habt ihr es vertragen?\u201c, fragt Halpha.<br \/>\n\u201eBin mir nicht ganz sicher. Der Schock lie\u00df meine Haare blau werden.\u201c<br \/>\nHalpha winkt ab. Lea bef\u00fchlt ihre Haare.<br \/>\n\u201eHatte ich auch einen Schock?\u201c, fragt sie.<br \/>\nDas Lachen lockert uns ein wenig auf. Halpha schl\u00e4gt vor, die Drohnen loszuschicken, damit sie nach Bergen suchen. Nachdem ich nicke, rennt sie los.<br \/>\nMargret blickt ihr hinterher, dann kratzt sie sich am Kopf. \u201eDas kann aber lange dauern, oder? Wenn ich es richtig verstanden habe, ist unser Universum jetzt so gro\u00df wie fr\u00fcher.\u201c<br \/>\n\u201eDie Verborgene Welt ist praktisch grenzenlos\u201c, bemerkt Tansan.<br \/>\n\u201eDanke, du machst mir Mut.\u201c<br \/>\nTansan zuckt die Achseln und mustert die Nachwuchszauberin mitleidig.<br \/>\n\u201eWas?\u201c<br \/>\n\u201eIch dachte, du h\u00e4ttest dich von der Illusion gel\u00f6st.\u201c<br \/>\n\u201eHabe ich auch. Und?\u201c<br \/>\n\u201eDann w\u00fcsstest du, dass Endlichkeit in der Realit\u00e4t keine Bedeutung hat. Das gilt auch f\u00fcr den Raum. Wenn die Drohnen nach einer bestimmten Struktur suchen, werden sie diese finden, und das hat nichts mit der Zeit zu tun. Dass die Verborgene Welt unendlich ist, bedeutet nicht, dass man in ihr unendlich lange unterwegs ist. Das genau ist das Wesen der Illusion.\u201c<br \/>\nWow! F\u00fcr Tansan war das nicht nur eine unglaublich lange Rede, quasi unendlich, sondern auch eine ungew\u00f6hnliche, weil er Margret mit ausgew\u00e4hlter Aufmerksamkeit beschenkt hat. Das kann nur bedeuten, dass er ihre besondere Macht sp\u00fcrt, die auch ich wahrnehme.<br \/>\n\u201eVielleicht wei\u00df ich das ja, aber es ist halt noch ungewohnt?\u201c<br \/>\n\u201eDarum scheiterst du.\u201c<br \/>\n\u201eH\u00e4? Ich scheitere?\u201c<br \/>\n\u201eDas war ein Zitat, du Genie\u201c, sagt Ona lachend.<br \/>\n\u201eZitat? Was f\u00fcr ein Zitat?\u201c<br \/>\n\u201eTu es oder tue es nicht es. Es gibt kein Versuchen.\u201c<br \/>\nMargret schl\u00e4gt sich auf die Stirn. \u201eIch Idiot! Moment mal! Hat Tansan ernsthaft gerade Yoda zitiert?\u201c<br \/>\n\u201eJetzt wissen wir wenigstens, wo er sich verortet\u201c, sagt Katharina trocken. \u201eOkay, Leute, das hilft uns nicht weiter. Dass die Drohnen m\u00f6glicherweise sehr lange brauchen, oder auch nicht, ist eine Sache. Eine andere ist, wie wir selbst uns schnell genug bewegen.\u201c<br \/>\n\u201eAuch wir sind Illusion\u201c, bemerkt der Zauberer.<br \/>\nKatharina starrt ihn an. \u201eDas wei\u00df ich auch, Meister Yoda. Kannst du bisschen konkreter werden? Wie bewegen wir ein Raumschiff von Illusionskoordinate XY nach Illusionskoordinate ZA?\u201c<br \/>\n\u201eIch habe keine Ahnung. Mit Raumschiffen haben ich nichts zu tun.\u201c<br \/>\nKatharina verdreht die Augen, w\u00e4hrend ich mich verdrehe, um sie anzusehen.<br \/>\n\u201eEhrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass es was mit Raumschiffen zu tun hat\u201c, sage ich. \u201eEs muss was mit den Eigenschaften der Verborgenen Welt zu tun haben. An den Wurzeln entlang konnten wir uns einfach so bewegen, praktisch zeitlos.\u201c<br \/>\n\u201eDas mag sein\u201c, erwidert Sarah. \u201eBlo\u00df gibt es noch keine Wurzeln.\u201c<br \/>\nIch nicke.<br \/>\n\u201eHast du eigentlich auch Wurzeln genutzt?\u201c, fragt pl\u00f6tzlich Elaine.<br \/>\n\u201eWovon redest du \u00fcberhaupt?\u201c<br \/>\n\u201eDu konntest dich doch zwischen den Welten, ja, selbst durch die Zeit bewegen, zumindest f\u00fcr eine kurze Zeit. Oh Mann, was f\u00fcr ein Widerspruch in sich. Egal. Wie hast du das gemacht?\u201c<br \/>\nIch denke nach. Die Frage ist gut. Wie habe ich das \u00fcberhaupt gemacht?<br \/>\nSchlie\u00dflich zucke ich die Achseln. \u201eKeine Ahnung. Es funktionierte einfach, genau wie das Laufen. Von selbst. Ich muss nicht dar\u00fcber nachdenken, wie meine Beine sich bewegen sollen.\u201c<br \/>\n\u201eUnd trotzdem wissen sie, in welche Richtung sie sich bewegen sollen\u201c, sagt Ona nachdenklich.<br \/>\n\u201eOffensichtlich\u201c, best\u00e4tige ich. \u201eUnd?\u201c<br \/>\nOna springt auf und geht ein paar Schritte auf und ab, irritiert beobachtet vom Rest. Pl\u00f6tzlich stolpert sie und f\u00e4llt fast hin.<br \/>\n\u201eHaben sich deine Beine verknotet?\u201c, erkundigt sich Helena am\u00fcsiert.<br \/>\nOna sieht sie nachdenklich an, dann sch\u00fcttelt sie den Kopf. \u201eIch habe mir versucht vorzustellen, dass ich nach links gehen will, gleichzeitig gab ich mir den Befehl, nach rechts zu gehen. Ich habe mich nach rechts gedreht, nur die Beine nicht. Die wollten nach links.\u201c<br \/>\n\u201eHm\u201c, sage ich.<br \/>\n\u201eWas denn?\u201c, fragt Katharina. \u201eHast du eine Idee?\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht. Du hast dir vorgestellt, nach links zu gehen?\u201c<br \/>\n\u201eJa, genau.\u201c<br \/>\n\u201eUnd das war deinen Beinen wichtiger als der Befehl?\u201c<br \/>\n\u201eEindeutig. Ein irres Gef\u00fchl, \u00fcbrigens.\u201c<br \/>\nIch nicke. Und \u00fcberlege. Normalerweise stellt man sich nicht bewusst vor, welche Bewegung man ausf\u00fchren will, aber der K\u00f6rper wei\u00df es trotzdem. Nicht ohne Grund lernt man bei jeder T\u00e4tigkeit, wenn es um Zielen geht, dass man auf das Ziel schauen soll. Alle Bewegungen richten sich daran aus.<br \/>\nIch schaue wieder Katharina an.<br \/>\n\u201eWas?\u201c<br \/>\n\u201eDie neue Kulisse folgt der Logik der Gedanken, die die alte gesprengt haben.\u201c<br \/>\n\u201eWovon redest du eigentlich?\u201c<br \/>\n\u201eDas hast du gesagt.\u201c<br \/>\n\u201eIch? Wann?\u201c<br \/>\n\u201eNach meinem ersten Logout.\u201c<br \/>\nIhr entgleisen die Gesichtsz\u00fcge. \u201eDu hast echt einen Computer im Kopf.\u201c<br \/>\n\u201eWas ist ein Logout?\u201c, erkundigt sich Ona.<br \/>\n\u201eDas willst du nicht wissen\u201c, erwidert Nilsson, ziemlich bleich geworden.<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich will ich das wissen! W\u00fcrde ich sonst fragen? \u00c4ffchen?\u201c<br \/>\nF\u00fcr einen Moment wirkt Nilsson, als w\u00fcrde er aufspringen und Ona verpr\u00fcgeln wollen. K\u00f6nnte spannend oder lustig werden. Oder beides. Doch dann atmet er tief durch und holt sich einen Whisky.<br \/>\n\u201eAlso?\u201c, sagt Ona.<br \/>\n\u201eEin Logout ist eine bestimmte Eigenschaft der Verborgenen Welt\u201c, erkl\u00e4rt Elaine. \u201e\u00dcblicherweise passiert er, wenn jemand emotional sehr instabil ist. Dann bricht die aktuelle Kulisse f\u00f6rmlich auseinander und eine neue entsteht.\u201c<br \/>\n\u201eGenau\u201c, nicke ich. \u201eUnd die neue orientiert sich daran, was man gerade gedacht hat. Oder sich vorgestellt. Wie die Beine, die dann in die richtige Richtung gehen.\u201c<br \/>\n\u201eDu willst dich mit Logouts durch die Verborgene Welt bewegen?\u201c, fragt Katharina entgeistert.<br \/>\n\u201eEinen Versuch w\u00e4re es doch wert. Ich meine, damals passierte das, weil ich so aufgeregt war. Wir haben es nicht bewusst genutzt und hatten sp\u00e4ter etwas zuverl\u00e4ssigere M\u00f6glichkeiten. Aber die stehen uns halt noch nicht zur Verf\u00fcgung.\u201c<br \/>\n\u201eUnd womit willst du dich so aufregen, dass es einen Logout erzeugt?!\u201c<br \/>\n\u201eMichael hilft mir da bestimmt.\u201c<br \/>\n\u201eHa. Ha. Ha.\u201c, sagt Michael.<br \/>\n\u201eOkay. Das w\u00fcrde vielleicht sogar funktionieren. Und wenn es das Raumschiff zerrei\u00dft? Oder wir irgendwo landen? Erinnere dich an die etwas eigenartigen Sprungziele damals.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist ein Risiko\u201c, gebe ich zu. \u201eWir m\u00fcssten einen Weg finden, die Ver\u00e4nderung zu kontrollieren.\u201c<br \/>\n\u201eEinen absichtlich herbeigef\u00fchrten Logout auch noch kontrollieren?\u201c, sagt Nilsson. \u201eWie soll das gehen?\u201c<br \/>\nIch zucke die Achseln. \u201eIch habe das doch auch noch nie gemacht, Herr Nilsson.\u201c Ich ignoriere seinen Gesichtsausdruck und Onas Lachen. \u201eH\u00f6r zu, Nilsson, ich bin dankbar f\u00fcr jede bessere Idee. Aber ganz ehrlich, ich w\u00e4re sehr frustriert, wenn Kelly eher geboren w\u00fcrde als die Drachen gefunden.\u201c<br \/>\n\u201eKann ich verstehen\u201c, erwidert Nilsson. \u201eMir macht es nur Sorgen, dass wir keine Ahnung haben, wie sich ein Logout auswirken k\u00f6nnte. Was Katharina sagte, ist nicht unberechtigt.\u201c<br \/>\n\u201eDu hast recht. Und jetzt?\u201c<br \/>\n\u201eHm.\u201c Das kommt von Nidea. \u201eWas, wenn der Logout eigentlich eine grundlegende Eigenschaft der Verborgenen Welt ist? Wenn die Verborgene Welt auf die Fokussierung reagiert?\u201c<br \/>\n\u201eFokussierung?\u201c, wiederholt Elaine. \u201eNiemand hat was von Fokussierung gesagt. Emotional sehr instabil waren meine Worte.\u201c<br \/>\n\u201eJa, ich wei\u00df. Was passiert, wenn jemand emotional sehr instabil ist? Er fokussiert unbewusst auf sich und seine negativen Gef\u00fchle.\u201c<br \/>\n\u201eHm\u201c, bemerke ich. \u201eBevor wir riskante Experimente mit unkontrollierten Gef\u00fchlsausbr\u00fcchen starten, w\u00e4re das einen Versuch wert. Vielleicht k\u00f6nnten wir sogar gemeinsam fokussieren.\u201c<br \/>\n\u201eBleep\u201c, sagt Katharina.<br \/>\n\u201eAlles in Ordnung bei dir?\u201c, erkundige ich mich.<br \/>\n\u201eBleep \u2013 down the rabbit hole.\u201c<br \/>\n\u201eOffenbar nicht\u201c, stellt Ona fest.<br \/>\n\u201eWir verstehen sie nur nicht\u201c, widerspricht Margret.<br \/>\n\u201eDu hast es verstanden?\u201c, frage ich sie.<br \/>\nMargret nickt. \u201eIch habe den Film gesehen. Okay, ein Film ist es nicht direkt. Darin geht es auch um Fokussierung. Wenn sehr, sehr viele Menschen, also Millionen, auf etwas fokussieren, verschiebt sich die Zufallswahrscheinlichkeit. Ich wei\u00df die Details nicht mehr, aber es ging um den Prozess von O. J. Simpson.\u201c<br \/>\n\u201eIch erinnere mich\u201c, sagt Nilsson. \u201eSoweit ich wei\u00df, wurde der Film als ziemlicher Unsinn zerrissen.\u201c<br \/>\n\u201eJa\u201c, antwortet Margret. \u201eAllerdings mit den falschen Argumenten, wie wir alle, die hier sitzen, ja nun wissen.\u201c<br \/>\n\u201eWird wohl eine der vielen falschen Spuren sein, die die G\u00f6tter gelegt haben\u201c, bemerke ich achselzuckend. \u201eIch glaube, ich habe auch davon geh\u00f6rt. Ging es um Quantenphysik und Bewusstsein? Ach ja. Wenn die w\u00fcssten, wie falsch sie alle liegen.\u201c<br \/>\n\u201eUnd das sagst du als Physikgenie?\u201c, fragt Michael.<br \/>\n\u201eGerade darum. Wobei ich sicher kein Physikgenie bin. Die Physik gilt \u2013 dort wo die G\u00f6tter es so wollen. Also vor allem in der Gefrorenen Welt. Oder in anderen Universen, in denen es etwas Vergleichbares gibt. Ich meine, wir treiben hier in der Verborgenen Welt in einem Raumschiff, essen, trinken, lieben. Gibt es ein sch\u00f6neres Gleichnis daf\u00fcr, wie die Welt tats\u00e4chlich aufgebaut ist?\u201c<br \/>\n\u201eNein, mein Schatz\u201c, sagt Katharina. \u201eGibt es nicht. Wirst du wieder depressiv?\u201c<br \/>\n\u201eLust darauf h\u00e4tte ich schon.\u201c<br \/>\n\u201eKannst du damit noch warten, bis wir alles erledigt haben?\u201c<br \/>\n\u201eDu meinst, ich soll lieber eine postnatale Depression haben?\u201c<br \/>\n\u201eZum Beispiel.\u201c<br \/>\nMir f\u00e4llt mein Streit mit James ein, nachdem ich aus dem Irak zur\u00fcckgekehrt war und vorher einen kleinen Schlenker zu Michael machte. Als ich James fragte, was denn los sein, antwortete er, er h\u00e4tte postnatale Depression. Was nat\u00fcrlich Bl\u00f6dsinn war.<br \/>\n\u201eSchatz! Was ist los?!\u201c In Katharinas Stimme klingt echte Panik.<br \/>\nIch blicke hoch und sehe, dass alle mich entgeistert anstarren. Ich springe auf und renne nach drau\u00dfen. H\u00f6re, wie Katharina mir folgt und bleibe stehen, damit sie mich einholen kann. Sie sieht mich an, dann nimmt sie meine Hand und f\u00fchrt mich in unsere Suite. Dort setzt sie mich auf die Bettkante und hockt sich vor mich.<br \/>\n\u201eWas ist passiert?\u201c<br \/>\nIch erz\u00e4hle mit stockender Stimme von dem Einsatz, dem Besuch bei Michael und vom Streit. Sie h\u00f6rt schweigend zu. Dann erhebt sie sich und setzt sich seufzend neben mich.<br \/>\n\u201eWar das vor Sorned?\u201c<br \/>\nIch nicke. Wische mir die Tr\u00e4nen ab. \u201eTut mir leid.\u201c<br \/>\n\u201eWas tut dir leid?\u201c<br \/>\n\u201eIch \u2026 Wie musst du dich f\u00fchlen, dass ich nach so vielen Jahren so wegen James reagiere?\u201c<br \/>\n\u201eSchatz.\u201c Sie nimmt mein Gesicht und zwingt mich, sie anzusehen. \u201eDeine grenzenlose Empathie geh\u00f6rt zu den Wesensz\u00fcgen von dir, die dich so liebenswert machen. Dass du noch so viel f\u00fcr James, Askan und wie sie alle hie\u00dfen empfindest, macht dich aus. Hauptsache, mich liebst du ein bisschen mehr.\u201c<br \/>\nIch muss lachen. \u201eIdiot.\u201c<br \/>\n\u201eIrre ich mich denn?\u201c<br \/>\n\u201eNein. Nat\u00fcrlich nicht. Bist du denn gar nicht eifers\u00fcchtig?\u201c<br \/>\n\u201eDoch, sehr sogar\u201c, gesteht sie. \u201eAber ich wei\u00df auch, dass deine Vergangenheit zu dir geh\u00f6rt. Ich werde ganz sicher mich davor h\u00fcten, etwas davon schlechtzureden.\u201c<br \/>\nIch seufze. \u201eIch glaube, ich bin wirklich durchgeknallt.\u201c<br \/>\n\u201eGanz definitiv sogar. Das st\u00f6rt mich nicht.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist \u00fcbrigens auch durchgeknallt. Und mich st\u00f6rt es auch nicht.\u201c<br \/>\n\u201eDa bin ich aber froh. Wollen wir zur\u00fcckgehen?\u201c<br \/>\nWir wollen. Die Anderen sehen uns fragend an, aber wir schweigen zu diesem Thema. Schlie\u00dflich verabreden wir uns in einer Stunde zum ersten gemeinsamen \u00dcben.<br \/>\nDa bin ich ja mal echt gespannt, was das gibt. Hoffentlich zerrei\u00dft es wirklich nicht das Raumschiff. Das w\u00e4re ganz sch\u00f6n bl\u00f6d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie findet man Drachen? Wir sitzen mal wieder alle zusammen in der K\u00fcche. Sarah auf Loikers Scho\u00df, Margret auf Michaels Scho\u00df, ich auf Katharinas. Nicht alle haben es \u00fcberwunden, dass Margret und Michael ein Paar sind. 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