{"id":1267,"date":"2021-09-12T12:14:57","date_gmt":"2021-09-12T10:14:57","guid":{"rendered":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/?p=1267"},"modified":"2021-09-12T12:14:59","modified_gmt":"2021-09-12T10:14:59","slug":"leseprobe-die-prinzessin-die-ihre-eltern-toetete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buch-ist-mehr.de\/zsoltmajsai\/leseprobe-die-prinzessin-die-ihre-eltern-toetete\/","title":{"rendered":"Leseprobe: Die Prinzessin, die ihre Eltern t\u00f6tete"},"content":{"rendered":"<p>\u201eNicht!\u201c, rief Sarah. \u201eT\u00f6te ihn nicht!\u201c<br \/>\nThomas sah sie an, dann den Mann, auf dem er kniete und an dessen Hals er sein Messer hielt. Der Mann zitterte, seine Augen waren angsterf\u00fcllt. Er war weich und kraftlos.<br \/>\n\u201eIn Ordnung\u201c, brummte Thomas und erhob sich. \u201eIch glaube, er versteht uns nicht!\u201c<br \/>\nEr, der sie nicht verstand, erhob sich vorsichtig. Er war ungef\u00e4hr so gro\u00df wie Thomas, aber d\u00fcnner und er wirkte im Vergleich schwach und ungeschickt. Schlaksig. Seine grauen Augen musterten die beiden Neuank\u00f6mmlinge absch\u00e4tzend und misstrauisch, doch er wirkte keineswegs \u00fcberrascht.<br \/>\nEr sagte etwas, von dem die beiden nichts verstanden. Sarah zuckte die Achseln und antwortete: \u201eKannst du unsere Sprache denn \u00fcberhaupt nicht?\u201c<br \/>\nDer Mann starrte sie an.<br \/>\n\u201eOh je, das wird aber sehr eint\u00f6nig!\u201c, rief Thomas. \u201eSo schnell endet also unsere Reise, weil Lord Dargk vergessen hat, uns auf Sprachbarrieren hinzuweisen!\u201c<br \/>\n\u201eDargk?\u201c, fragte der Mann.<br \/>\nSarah und Thomas blickten ihn \u00fcberrascht an. Dann nickten sie gleichzeitig.<br \/>\n\u201eDargk!\u201c, rief der Mann und erstrahlte. Er hob eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger, sagte etwas Unverst\u00e4ndliches und rannte davon.<br \/>\n\u201eWir sollten uns auf einen Angriff gefasst machen\u201c, stellte Thomas trocken fest. \u201eIch glaube, Dargk hat sich hier unbeliebt gemacht.\u201c<br \/>\n\u201eSo ein Bl\u00f6dsinn\u201c, erwiderte Sarah. \u201eIch glaube, er will, dass wir hier warten!\u201c<br \/>\n\u201eAuf jeden Fall.\u201c Thomas nickte. \u201eDie Frage ist nur, worauf.\u201c<br \/>\n\u201eAuf ihn.\u201c<br \/>\n\u201eDu bist sehr witzig, seit wir durch diese T\u00fcr gekommen und hier gelandet sind \u2026 Wo denn \u00fcberhaupt?\u201c<br \/>\nSie schauten sich neugierig um. Zuerst dachten sie, sie w\u00e4ren in einer H\u00f6hle. Es gab nur k\u00fcnstliches Licht und sie hatten das Gef\u00fchl, von Steinmassen erdr\u00fcckt zu werden. Dann stellten sie aber fest, dass die W\u00e4nde aus regelm\u00e4\u00dfig geformten Steinen bestanden. Sie waren von Menschenhand gebaut. Das konnte keine H\u00f6hle sein. Aber was dann?<br \/>\nBevor sie sich in diese Frage vertiefen konnten, kehrte der schlaksige Mann zur\u00fcck. Allein. Das war bewundernswert. Sarah und Thomas entspannten sich etwas, bevor sie das kleine Ding in seiner Hand entdeckten. Es war eine Art Kasten, aber es blinkte. So etwas hatten sie noch nie gesehen, und es machte sie nerv\u00f6s. Thomas zog sein Schwert.<br \/>\nDer schlaksige Mann hob abwehrend die freie Hand, dann hielt er den Kasten hoch und sagte etwas. Doch statt seiner Stimme h\u00f6rten die beiden eine fremde Stimme, die aus dem Kasten zu kommen schien: \u201eBitte tut das Schwert weg! Ich bin nicht euer Feind!\u201c<br \/>\nThomas sah Sarah mit hochgezogenen Augenbrauen an.<br \/>\n\u201eIch glaube, der Kasten versteht unsere Sprache und erz\u00e4hlt uns, was der Mann sagt.\u201c<br \/>\nDer Mann nickte heftig. Dann sagte er: \u201eUnd er versteht euch und kann euch in meine Sprache \u00fcbersetzen.\u201c<br \/>\n\u201eAha. Und woher wei\u00dft du, welche Sprache wir sprechen, wenn du uns gar nicht verstanden hast?\u201c<br \/>\n\u201eWeil ich wei\u00df, in welcher Zeit Lord Dargk lebt.\u201c<br \/>\nSarah und Thomas blickten einander an. \u201eDu wei\u00dft, was der Turm der Geschichte ist?\u201c<br \/>\nDer Mann nickte. \u201eIch bin ein W\u00e4chter.\u201c<br \/>\n\u201eEin W\u00e4chter?\u201c Thomas begann zu lachen. \u201eDer W\u00e4chter dort, wo wir in den Turm der Geschichte hineingegangen sind, sah bedeutend glaubw\u00fcrdiger aus!\u201c<br \/>\nDer Mann senkte den Blick. \u201eSolche W\u00e4chter gibt es auf der Erde nicht mehr. Wir &#8230; wir haben nur die Aufgabe, Reisende in Empfang zu nehmen.\u201c<br \/>\n\u201eAha. Wie hei\u00dft du \u00fcberhaupt?\u201c<br \/>\n\u201eIch bin Gyel Orot.\u201c<br \/>\n\u201eSch\u00f6n, Gyel Orot. Mein Name ist Thomas Ay, und das ist Sarah Kayla, K\u00f6nigin von Untes. Aber vermutlich wei\u00dft du gar nicht, wo das ist.\u201c<br \/>\n\u201eDoch.\u201c Gyel schien die \u00fcberraschten Gesichter der beiden zu genie\u00dfen. \u201eWir haben viel Zeit und lesen die alten Schriften. Darin wird auch \u00fcber Untes berichtet. Aber eure Namen sind mir seltsamerweise unbekannt.\u201c<br \/>\n\u201eHm\u201c, machte Thomas. \u201eDas ist kein gutes Zeichen!\u201c<br \/>\n\u201eWir sind grad dabei, die Vergangenheit zu \u00e4ndern!\u201c, knurrte Sarah. \u201eDu verstehst mal wieder nichts!\u201c<br \/>\n\u201eGanz sch\u00f6n bissig heute, Hoheit\u201c, erwiderte Thomas stirnrunzelnd und grinsend.<br \/>\n\u201eSei doch still!\u201c Sarah wandte sich an Gyel und sagte nach einem misstrauischen Blick auf den Kasten in seiner Hand: \u201eF\u00fchre uns zu deinem K\u00f6nig!\u201c<br \/>\n\u201e\u00c4h &#8230; es gibt keinen K\u00f6nig mehr. Schon seit Jahrhunderten nicht!\u201c<br \/>\n\u201eKeinen K\u00f6nig? In welchem Jahr des Herrn befinden wir uns denn?\u201c<br \/>\n\u201eIm Jahre 4024.\u201c<br \/>\n\u201eTja.\u201c Thomas ignorierte Sarahs w\u00fctenden Blick. \u201eDargk hat uns ja gewarnt, dass in 5000 Jahren sich eine Menge ge\u00e4ndert haben wird.\u201c<br \/>\n\u201eSehr sch\u00f6n! Und nach diesem philosophischen Leckerbissen kannst du bestimmt auch noch sagen, was wir jetzt tun sollen!\u201c<br \/>\n\u201eWarum seid ihr \u00fcberhaupt hierhergekommen?\u201c, erkundigte sich Gyel.<br \/>\n\u201eWeil &#8230; \u00e4hm &#8230; Du kennst wahrscheinlich auch nicht die Darbietung der Unterw\u00fcrfigkeit wie Niederknien, oder?\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df, dass es in deiner Zeit \u00fcblich war. Aber in meiner Zeit, hier auf der Erde, ist es ohne Bedeutung. Wenn du Gott w\u00e4rst, das w\u00e4re was anderes.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin mir nicht sicher, ob ich den noch mag\u201c, murmelte Sarah. \u201eAlso gut, wo sind wir hier \u00fcberhaupt?\u201c<br \/>\nGyel sah sich um. \u201eIm Inneren einer Pyramide. Der Turm der Geschichte geht durch sie hindurch. Er wurde eher zuf\u00e4llig entdeckt, als man auf der Suche nach einer versteckten Grabkammer einige W\u00e4nde eingerissen hat.\u201c<br \/>\n\u201eDer Turm der Geschichte ragt doch bis in den Himmel!\u201c<br \/>\nGyel sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eSeltsamerweise nicht. Er ist von au\u00dferhalb der Pyramide nicht zu sehen, obwohl er aus dem Inneren wirklich so aussieht, als w\u00fcrde er in den Himmel ragen. Das ist ein bis heute ungel\u00f6stes R\u00e4tsel.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe gelernt, ungel\u00f6ste R\u00e4tsel nicht zu m\u00f6gen\u201c, stellte Thomas fest. \u201eNun, wir sind in deine Zeit gekommen, weil wir deinen &#8230; K\u00f6nig, den du nicht hast, um Hilfe bitten &#8230; Du hast mich irgendwie durcheinandergebracht. Wir wollen das K\u00f6nigreich zur\u00fcckerobern, das Sarah hinterlistig genommen wurde. Kannst du uns zu jemandem bringen, der eine solche Entscheidung treffen kann?\u201c<br \/>\nGyel runzelte die Stirn. \u201eIch wei\u00df nicht. Es gibt so viele V\u00f6lker. Vielleicht kann euch der Rat der F\u00f6deration helfen. Aber der ist weit weg. Sehr weit. Auf dem Planeten Tad Aretan.\u201c<br \/>\n\u201ePlaneten?\u201c, fragte Sarah verwirrt.<br \/>\nGyel seufzte. \u201eOh, ich verga\u00df. Ihr wisst gar nicht, dass die Erde nur ein Planet von vielen ist. Genauer gesagt, ihr wisst ja nicht einmal, dass die Erde ein Planet ist!\u201c<br \/>\n\u201eWas ist ein Planet?\u201c, erkundigte sich Thomas. Er hatte das Gef\u00fchl, dass sein Wissen \u00fcber die Welt und ihre Zusammensetzung nicht einmal ansatzweise dem entsprach, was Gyel dar\u00fcber wusste. Und was Dargk dar\u00fcber wusste, ihnen aber nicht mitgeteilt hatte. Das machte ihn nerv\u00f6s.<br \/>\nGyel wirkte auch nerv\u00f6s. \u201eNun &#8230; \u00e4h &#8230; ein Planet &#8230; ein Planet ist sozusagen eine Kugel. Ja, sowas wie eine Kugel. Und die Erde ist ein Planet. Also ist sie eine Kugel.\u201c<br \/>\n\u201eBl\u00f6dsinn!\u201c, rief Sarah und trat mit gezogenem Schwert auf ihn zu. \u201eDie Erde kann keine Kugel sein! Ich kann eine Kugel in der Hand halten, doch wer sollte die Erde halten? Etwa Gott? Du bist ein L\u00fcgner, ich sollte dir die Zunge rausschneiden!\u201c<br \/>\nGyel sprang entsetzt zur\u00fcck. \u201eWarte, warte! Ich kann es euch beweisen!\u201c<br \/>\n\u201eWie willst du sowas beweisen?\u201c, fragte Thomas am\u00fcsiert. \u201eDu kannst keine L\u00fcge beweisen!\u201c<br \/>\n\u201eIch beweise euch, dass es keine L\u00fcge ist. Kommt mit!\u201c Damit drehte sich Gyel um und verschwand durch eine T\u00fcr, bevor die beiden Durchgeknallten ihm etwas tun konnten.<br \/>\nSarah und Thomas blickten sich an, dann zuckten sie gleichzeitig die Achseln und folgten dem verweichlichten Kerl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNicht!\u201c, rief Sarah. \u201eT\u00f6te ihn nicht!\u201c Thomas sah sie an, dann den Mann, auf dem er kniete und an dessen Hals er sein Messer hielt. Der Mann zitterte, seine Augen waren angsterf\u00fcllt. 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