Querdenken, aber richtig

#pandemie2020 Datenerfassung zuverlässig?

Am 17. Juli 2020 erschien folgender Artikel auf NDR, also im öffentlich-rechtlichen Rundfunk:

Im Artikel geht es darum, dass Datensätze für Einzelfallmeldungen den Eindruck erweckten, als gebe es Infektionsfälle noch vor dem Patient 0 in Norddeutschland, teilweise sogar vor dem Infektionsfall bei Webasto. Nachforschungen vom NDR und NDR Data ergaben eine statistisch relevant hohe Zahl von Fehleingaben bei der Erfassung seitens der Gesundheitsämter.

78 Fälle sollen vor oder zeitgleich mit dem Patient 0 gelegen haben. Von diesen 78 Eintragungen zeigten sich mindestens 38 als fehlerhaft. Das ist fast 50%.

Zum Beispiel war es wohl in Hamburg so, dass in 8 von 22 Fällen die Erkrankungszeitpunkte falsch eingetragen waren.

Die Sprecherin für Region Hannover dazu:

Da prallten ja Digitalisierung und neues Personal aufeinander, das war ein sehr dynamischer Prozess und das waren einfach sehr komplexe Bearbeitungsgänge.

Tanja Schulz, Sprecherin Region Hannover

Hierbei handelt es sich um beispielhafte Einzelfälle, doch der Schluss liegt nahe, insbesondere wenn wir die Aussage von Tanja Schulz berücksichtigen, dass es sich um ein systemisches und systematisches Problem handelt.

Insofern stellt sich die Frage, wie zuverlässig die Daten sind, auf die sich Politiker bei ihren Entscheidungen stützen, welche Maßnahmen getroffen werden. Nehmen wir grob vereinfacht an, 50% der gemeldeten Infektionsfälle sind zumindest nicht korrekt erfasst, wobei das sowohl nach unten als auch nach oben gilt. Immerhin kann dann das Infektionsgeschehen bei einer gemeldeten Zahl von 10.000 Neuinfektionen an einem Tag zwischen 5.000 und 15.000 schwanken. Bei 20.000 gemeldeten Zahlen reden wir von einer Bandbreite von 10.000 bis 30.000 neuen Fällen.

Das bedeutet nicht, dass die Fehlerquote wirklich so hoch ist. Aber es bedeutet, dass wir potenziell alle Maßnahmen auf Zahlen stützen, die zumindest sehr fehlerhaft sein könnten.

Es stellt sich auch die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass das erwähnte Problem der „Digitalisierung und neues Personal“ innerhalb einiger Monate behoben werden kann. Immerhin ist Deutschland schon seit einigen Jahren Neuland im Internet, sofern wir Dr. Angela Merkel glauben dürfen. Und wenn Digitalisierung in den Behörden so neu ist, dann wird es noch mindestens Jahre dauern, bis das neue und alte Personal damit effektiv umgehen kann.

Das wiederum hieße, dass die ans RKI gemeldeten Daten anzuzweifeln wären.

#corona #pandemie2020 #covid

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