Der Kopf ist eine Problemzone

Es gibt viele Tipps, wie Problemzonen bekämpft werden können. Im Einzelfall hängt die Lösung natürlich einerseits davon ab, um welche konkrete Problemzone es geht, andererseits aber auch vom „Problem“ an sich. Dies wiederum kann individuell ausgeprägt sein: Manche betrachten ihren Bauch als Problemzone (nicht immer zu unrecht, aber das betrifft nicht das Aussehen), andere ihre Hüften, die Oberschenkel oder die Brüste (zu klein, zu groß, zu schief, …). Nicht ganz neu ist, dass auch die Schamlippen korrigiert werden können. Inwieweit wir hier von einer Problemzone reden können, sei allerdings mal dahingestellt, denn bis auf Ausüberinnen einiger ausgewählten Berufsgruppen zählen die Schamlippen für gewöhnlich nicht zu den öffentlich einsehbaren Bereichen. Okay, FKK-Anhänger könnten das anders sehen, wobei diese mit dem Thema Problemzone generell meist lockerer umgehen.

Allen diesen Problemzonen ist (meistens) gemeinsam, dass das Problem nur im Auge des (vermeintlichen) Betrachters liegt. Eher selten dürfte der Fall sein, dass es auch eine medizinische Indikation gibt. So können (zu) große Brüste unter Umständen durchaus zu massiven Rückenproblemen führen, um ein bekanntes Beispiel anzuführen. Auch psychologische Begründungen sind möglich; hier dürften die Ursachen aber in anderen Bereichen als der physischen Problemzone liegen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Beschwerden der Betroffenen nicht ernst zu nehmen seien. Es bedeutet aber, dass ein körperlicher Eingriff nur Symptombekämpfung wäre und es sinnvoll sein kann, die ursächlichen Themen anzugehen. Wenn ein Mann, um nicht den Eindruck zu erwecken, das Thema beträfe nur Frauen, unter seiner riesigen Hakennase leidet und sich ein medizinisches „Problem“ ausschließen lässt, würde eine Nasenkorrektur vorübergehend für Linderung sorgen, doch dauerhaft keine Erleichterung bringen. Die Arbeit an der Ursache mit einem Coach oder Psychotherapeuten könnte hingegen langfristig die Lebensqualität verbessern.

Es ist keine Schande, mit den Lebensumständen zu hadern, das tun wir irgendwie alle mal. Aber es könnte vergeudete Lebenszeit sein, sie hinzunehmen, ohne den Versuch, sie unseren Wünschen entsprechend zu gestalten.

Und dann gibt es da noch eine Problemzone, da verhält es sich viel komplizierter. Und das ist der Kopf.

Jeder Mensch ist betroffen. Um es ganz klar zu sagen: Der Kopf ist das überflüssigste und unverzichtbarste Organ überhaupt. Mit ihm können wir nur schlecht, ohne ihn gar nicht. Ein echtes Dilemma.

Doch woran liegt das eigentlich?

Der Kopf ist das einzige Organ, das viele Aufgaben, zum Teil gleichzeitig, erfüllen muss.

  • denken
  • wahrnehmen (sehen, hören, schmecken, riechen)
  • fühlen
  • Krawatte tragen
  • Hut tragen
  • reden
  • Mimik
  • Haare tragen

Die Auflistung hat nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Einige dieser Aufgaben (Krawatte trage/Halstuch tragen) stellen keine besonders hohen Anforderungen, sodass sie zur Not sogar von Schaufensterpuppen erledigt werden können. Auf einer Skala von 1 (sehr einfach) bis 10 (unglaublich komplex) liegen diese Aufgaben bei 1. Etwas anspruchsvoller ist das mit der Wahrnehmung, vermutlich zwischen 3 bis 7, je nach Umständen. Hierbei ist ausdrücklich der Vorgang des Wahrnehmens gemeint, nicht die anschließende Verarbeitung, da diese bei 10+ rangiert. Ähnliches gilt für das Reden, das eigentlich die vollständige Skala von 1 bis 10+ abdeckt.

Es sind insbesondere zwei Aufgaben, die es kompliziert machen. Denken. Fühlen. Und eigentlich sogar drei, denn das Reden ist abhängig von den beiden Vorgenannten. Auch wenn man oft den Eindruck hat, dass insbesondere das Denken übersprungen wird.

An dieser Stelle eine richtig schlechte Nachricht: Es gibt absolut keine Möglichkeit, die Aufgabe des Fühlens zu erleichtern. Absolut keine. Es ist, wie es ist. Wir können nur lernen, mit unseren Gefühlen freundlicher umzugehen, sie wie wichtige Helfer zu behandeln und zugleich ihre Grenzen zu beachten: Gefühle sind Gefühle und keine Gedanken! Eigentlich eine ganz einfache Geschichte, sollte man meinen.

Doch da täuscht man sich, gerne und schnell. Gefühle sind tatsächlich etwas unglaublich Kompliziertes und, viel schlimmer, sehr fordernd, was unsere Aufmerksamkeit betrifft. Sie wollen immer beachtet werden und sie wollen immer die Hauptrolle spielen, am besten als Solokünstler.

Eine ganz böse Lebensfalle.

Nicht falsch verstehen. Gefühle sind wichtig, sehr wichtig sogar, sie gehören untrennbar zum Leben dazu. Sie sind wie das Salz in der Suppe. Und Kurkuma. Ingwer. Paprika. Ohne Gefühle ist das Leben wie eine Schüssel Wasser: fad. Natürlich, man kann Wasser trinken. Muss man sogar. Wasser ist wichtig, eine notwendige Voraussetzung für das menschliche Leben. Aber keine hinreichende.

Ohne die würzende Wirkung der Gefühle ist das menschliche Leben wie der Lebenszyklus eines Roboters.

Aber: Gefühle sind ganz schlechte Ratgeber. Sie wollen am besten ganz viel und alles. Wie mag wohl eine Schüssel Wasser mit einer Packung Salz darin schmecken? Stellen wir uns das lieber mal gar nicht vor. Und, noch ein interessanter und zutreffender Aspekt der Analogie: Zu viel kann durchaus richtig ungesund werden.

Ihr seht: Der Kopf ist eine echte Problemzone. Und da haben wir noch gar nicht über das Denken gesprochen.

Das Denken.

Das Denken ist die am meisten unterschätzte Tätigkeit eines Menschen überhaupt. Es ist ausgesprochen erstaunlich, was alles als Denken bezeichnet wird, obwohl es gar keins ist. Man könnte den Eindruck bekommen, dass Denken nicht in der Schule gelehrt wird. Natürlich stimmt das nicht, kann das nicht stimmen, denn das wäre ja ungefähr so, als wollte man einem Auszubildenden im Malerhandwerk das Malen ohne Pinsel beibringen.

Irgendwie sinnlos, oder?

Doch was genau ist Denken eigentlich?

Eine gute und berechtigte Frage, über die sich schon sehr viele Leute, Philosophen hauptsächlich, die Problemzone resp. den Kopf zerbrochen haben. Mit wechselndem Erfolg, möchte man zwischenrufen. Auch die Neurobiologen und Psychologen haben viele Gedanken darauf verschwendet. Was die Beschäftigung mit dem Denken so schwierig macht, ist die Tatsache, dass man dabei – denken muss. Das Denken versucht das Denken zu definieren.

Kann nur schiefgehen.

Ich will es an dieser Stelle dennoch versuchen, mich denkend dem Denken anzunähern. Aus grundsätzlichen Überlegungen wird es nicht gelingen (können), dies umfassend und näherungsweise genau zu tun, möglicherweise werden wichtige Aspekte sogar unbeachtet bleiben. Ein Auto kann sich schließlich auch nicht selbst erklären. Noch nicht, jedenfalls.

Ich möchte es anhand von Thesen versuchen.

  1. Denken und Fühlen sind zwei unterschiedliche, aber komplementäre Aktivitäten.
  2. Denken setzt Begriffe voraus.
  3. Denken ist immer bewusst (Was natürlich die Frage aufwirft: Wie nennen wir das, was wir unbewusst tun? Vielleicht ein anderes Mal werden wir nach der Antwort suchen.).

Schauen wir uns doch mal die Thesen im Einzelnen an.

Denken und Fühlen sind komplementär, aber nicht dasselbe.

Die Verbindung von Denken und Fühlen können wir als Intuition auffassen. Die beiden Komponenten sind daran keineswegs immer zu gleichen Anteilen beteiligt, schon gar nicht fifty-fifty, jedoch sind beide wichtige Bestandteile. Sie sind nicht die ausschließlichen Bestandteile, vermutlich, doch durchaus die wichtigsten.

Denken und Fühlen sind im Team am besten. Hat man eine Entscheidung (Denken) getroffen, kann es sich gut oder schlecht anfühlen. Wenn es sich gut anfühlt, hat man intuitiv das Richtige getan.

Ein Beispiel: Ich bin in der Stadt unterwegs und habe Hunger(gefühle). Ich überlege mir, was ich zu Hause habe und worauf ich Appetit habe (Denken und Fühlen). Dabei finde ich heraus, dass ich gerne eine vegane Pizza essen möchte, die ich aber nicht zu Hause habe. Also kann ich entweder im Supermarkt eine kaufen und nachher zu Hause zubereiten oder in eine Pizzeria gehen und von dort mitnehmen oder vor Ort essen (Denken). Die Vorstellung, in dem gemütlichen italienischen Restaurant in der Nähe meine Pizza zu essen, fühlt sich gut an (Fühlen). Allerdings ist das die teuerste Variante (Denken). Nach Abwägung verschiedener Argumente (Kosten, Zeitaufwand, Kleidung, …) komme ich zu dem Entschluss, dass ich die Pizza mitnehmen und zu Hause essen werde, was sich als Kompromiss sehr gut anfühlt (Denken, Fühlen).

Auf diese Weise lässt sich praktisch alles, was wir tun, auf Denken und Fühlen analysieren. Das Beispiel ist dabei bewusst einfach gehalten. Allerdings gilt eigentlich bei einer Analyse immer, dass das zu Betrachtende in kleinere Teile zerlegt wird. Das ergibt sich schon aus der Definition von Analyse. Das heißt, auch komplexe Vorgänge lassen sich in die einfacheren Bestandteile zerlegen, was bereits Bestandteil der Analyse ist. Der umgekehrte Vorgang, die Synthese, kann übrigens zu emergenten Effekten führen, was bei einer Analyse zu bedenken ist. Oder: Aus der Synthese eines Lenkrads und einer Kardanwelle ergibt sich noch kein Auto.

Denken setzt Begriffe voraus.

Versucht mal, ohne Begriffe zu denken. 🙂 Klappt es?

Schaut man sich die Definitionen von Denken an, zeigt sich vor allem, dass sie nicht viel sagen. Oder, noch besser, das Denken wird durch das Denken erklärt. Sinnvoll? Eher nicht, oder? Ich definiere für mich das Denken als die innere Nutzung von Begriffen, um eine Struktur zu formen und zu verändern, nach Regeln, die willkürlich oder extrinsisch definiert (Logik z. B.) sein können.

Aus dieser Definition ergibt sich konsequenterweise die Voraussetzung der Begriffe und böse Geister könnten behaupten, die Definition folge der Voraussetzung und nicht umgekehrt. Mag sein. Es geht aber letztlich darum, das, was das Denken ausmacht, irgendwie zu erfassen. Da dies denkend geschieht, führt das auf jeden Fall zu einem anfechtbaren Ergebnis. Wichtiger ist hier die Nützlichkeit und Nutzbarkeit.

Denken ist immer bewusst.

Diese These ist etwas problematisch, denn eigentlich müssten wir Bewusstheit definieren. Doch es geht auch anders. Akzeptieren wir die These, dass Denken Begriffe voraussetzt, ergibt sich zwangsläufig die Bewusstheit des Denkens, da Begriffe im Unbewussten nicht existieren.

Wirklich nicht?

Denken wir mal an Träume, an die wir uns nicht erinnern. Was passiert, wenn wir uns dann doch erinnern? Möglicherweise sind da nur irgendwelche Bilder, die wir nicht in Begriffe kleiden und somit auch nicht darüber reden können. Versuchen wir sie zu beschreiben, funktioniert das nicht, selbst wenn wir den Traum „sehen“ können. Wir können auch nicht über ihn nachdenken. Oder? Es ist, als würden wir ein Bild betrachten, ohne zu wissen, was wir sehen. Das ändert sich in dem Augenblick, in dem es uns gelingt, dem Traum wenigstens einen Begriff zuzuordnen. Plötzlich können wir über den Traum nachdenken und sogar darüber reden – wenn wir wollen. Manchmal stehen uns da die Gefühle im Weg, aber das ist ein anderes Thema.

Es sieht so aus, als würde das Denken durch die Begriffe erstens sich definieren und zweitens zu einem bewussten Akt werden – und nur dadurch.

So weit der kleine Gedankentrip zur Problemzone Kopf. Das Thema ist dadurch nicht ansatzweise erschöpfend abgehandelt, doch das ist auch nicht das Ziel dieses kleinen schreibgezwungenen Artikels. Aber vielleicht ist er eine Anregung, sich mit dem Thema näher zu befassen? Wir setzen so selbstverständlich voraus, dass wir denken und dass unsere Gedanken unkritisch übernommen werden dürfen. Doch schon das sehr einfache Pizza-Beispiel zeigt, in welchem Maße uns die Gefühle beeinflussen, oft, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Ihr könnt ja als Übung unterschiedliche Lebenssituationen, die Ihr kennt, auf die gleiche Art und Weise analysieren und darüber nachdenken (sic!), wie Euch die Gefühle beeinflussen – beim Denken.

Wer weiß, was sich daraus ergibt.

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Ich renne zu Katharina und drehe sie auf den Rücken. Es ist dunkel, trotzdem kann ich erahnen, dass sie eine Schusswunde im Bauch hat.
Fuck! Verdammte Scheiße!Nein, nein, nein! Du stirbst mir jetzt nicht in letzter Sekunde noch weg! Verdammt nochmal, du stirbst nicht! Hast du das kapiert?!“
Sie bewegt ihre rechte Hand. „Es tut mir leid … Ich ...“
Von draußen kommen schon wieder Schüsse. Garoan zuckt zusammen.
Fuck!
Ich packe beide und ziehe sie tiefer ins Haus, hinter der Treppe in Deckung. Heftig keuchend lasse ich mich auch fallen und versuche einige Sekunden lang nur, nicht zu ersticken.