Das göttliche Gesetz

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Johannesevangelium).

Mit Wort ist hier eigentlich der Ausdruck Logos gemeint, wobei der Logos weit mehr ist als das, was Wort meint, die Übersetzung ist daher einengend. Für unsere Zwecke soll es aber ausreichen, weil es um das göttliche Gesetz im Allgemeinen gehen soll, keineswegs einschränkend auf den christlichen Gott, wie im Neuen Testament.

Was aus diesem Beispiel bereits deutlich wird: Worte/Wörter haben Macht. Worte naturgemäß mehr als Wörter, doch auch die allgemeine Bedeutung und Wirkung von Sprache sollte nicht unterschätzt werden, will man nicht in eine beliebte Falle tappen:

Sprache ist nicht Realität.

Dieses Thema ist wichtig genug, um ihm mal einen eigenen Artikel zu widmen. Aber nicht jetzt, nicht in diesem Artikel. An dieser Stelle geht es um die Frage:

Gibt es ein göttliches Gesetz?

Um die Antwort vorweg zu nehmen:

Nein, gibt es nicht. Aber …

Ich fange mal mit einem Beispiel an: Man liest immer wieder die Behauptung, wer nicht arbeiten will, soll auch nichts bekommen. Mal abgesehen von der Frage, ob diese Leute ernsthaft jemanden, der sich konsequent weigert, zu arbeiten, verhungern lassen würden (und falls ja, was das über sie aussagt), lässt sich zudem auch fragen: In welchem göttlichen Gesetz ist festgelegt, dass der Wille zur Arbeit eine Voraussetzung auf das Lebensrecht ist?

Gut. Sagen wir, man kommt sich überein, dass es kein göttliches Gesetz ist, aber ein wesentlicher Bestandteil der Regeln, die notwendig sind, damit eine Gesellschaft (wie zum Beispiel die gesamtdeutsche) funktioniert. Okay. Welche Regel ist das? Wo steht sie?

Im Grundgesetz jedenfalls nicht. Dort steht hingegen Art. 2, Absatz 2:

„Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

Außerdem steht da auch noch Art. 12, insbesondere Satz 1 von Absatz 1:

„Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“

Dass Deutsche arbeiten müssen, steht hingegen nicht da. Es gibt in Art. 12 zwar Einschränkungen, aber diese beziehen sich auf Sonderfälle.

Als Nichtjurist gehe ich davon aus, dass die o.g. Behauptung durch keine gesetzliche Regelung gestützt wird; man kann vielmehr davon ausgehen, dass jemand, der einen Menschen, der konsequent nicht arbeiten will, verhungern lässt, sich sogar strafbar macht.

Okay. Der entscheidende Punkt dabei ist: Das Grundgesetz wurde von Menschen gemacht. Es ist freiwillig. Wenn sich jemand nicht daran hält, hat das nur dann Konsequenzen, wenn andere Menschen entsprechende Handlungen vornehmen. Das könnte in der Form geschehen, dass die Polizei ihn verhaftet, ein Richter ihn verurteilt und Vollzugsbeamte einer Haftanstalt ihn daran hindern, zu gehen. Aber das sind alles menschliche Handlungen, da ist nichts Göttliches dabei. Wenn jemand das Recht auf diese menschliche Handlungen nicht akzeptiert und dagegen vorgeht, verstößt er zwar gegen die Regeln dieser Gemeinschaft und muss mit den Konsequenzen umgehen, aber das war es auch schon. Der Ausgang der Situation ist offen. Im Falle eines göttlichen Gesetzes hätte hingegen ein Mensch keine Möglichkeit, den Ausgang zu verändern.

Gäbe es ein göttliches Gesetz, dass Menschen arbeiten müssen, damit sie ein Anrecht aufs Essen haben, würden Menschen, die sich weigern zu arbeiten, unweigerlich und unverhinderbar verhungern. Kein anderer Mensch könnte das verhindern. Offensichtlich ist dem aber nicht so. Beweisen lässt sich das nicht (aus grundsätzlichen Gründen lässt sich die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen), allerdings ist es ein Leichtes, ein Beispiel für die Nichtgültigkeit eines solchen göttlichen Gesetzes zu erbringen.

Es kann also hilfreich sein, zwischen Regeln, die Menschen aufstellen, und Regeln, die á priori existieren, zu unterscheiden. Erstere sind letztlich willkürlich und in ihrer Gültigkeit auf den Einflussbereich der Ersteller beschränkt. Wie schnell sich dieser Einflussbereich ändern kann, hat unter anderem die Französische Revolution gezeigt. Manche wurden sogar kopflos dabei.

Man kann davon ausgehen, dass göttliche Gesetze existieren. Voraussetzung hierfür ist allerdings, den Begriff göttlich umfassend zu definieren und nicht lediglich im religiösen Kontext. Fasst man den Begriff göttlich als etwas á priori gegeben auf, unabhängig von menschlicher Einwirkung seiend, fallen auch die sogenannten Naturgesetze darunter. Daher:

Göttlich ist etwas, was Menschen als „Wirkkraft“ prinzipiell erkennen, aber nicht an sich beeinflussen können.

Damit ist auch die wichtige Bedingung erfüllt, dass ein göttliches Gesetz unverhinderbar wirkt. (Randbemerkung: Diese Definition sagt nichts darüber aus, ob sie auch für andere Wesen als Menschen gilt. Das liegt daran, dass Menschen nur das erkennen können, was sich im „Kontext“ ihrer unmittelbaren und mittelbaren Wahrnehmungsmöglichkeiten befindet. Eine unmittelbare Wahrnehmung ist das Sehen mit den Augen, eine mittelbare die Spektraluntersuchung von Licht mit einem Oszilloskop.)

Okay. Jetzt dürfte auch das Aber eingangs klar geworden sein. Es ist der Tatsache geschuldet, dass es keine echte Objektivität geben kann, da der Mensch immer nur das weiß, was er wahrnimmt. Bildlich gesprochen besteht seine Realität nur aus dem, was sich im Lichtkegel seiner Taschenlampe in der möglicherweise unendlichen Dunkelheit der Realität befindet. Weder kann er wissen, ob sich etwas außerhalb dieses Lichtkegels befindet, noch was. Und das, was sich innerhalb des Lichtkegels befindet, kennt er nur, weil und wenn er es sieht. „Sieht“ steht hier stellvertretend für den Transfer dessen, was er „weiß“, in sein Bewusstsein (Gedächtnis, Kopf, Gehirn, etc.). In seinem Bewusstsein befindet sich (vermutlich) nichts, was nicht irgendwie hineintransferiert wurde, und das ist immer mit einem Akt der Wahrnehmung verbunden: sehen, hören, schmecken, spüren, riechen. Wenn er zum Beispiel etwas liest, ist der Sehsinn in Benutzung. Erst in seinem „Geist“ wird aus dem, was er sieht (Buchstaben) etwas, was Bedeutung hat, und das auch nur dann, wenn er weiß, wie er den Code entschlüsselt. Wer einen chinesischen Text liest, aber keine Ahnung von der chinesischen Schrift hat, für den bleibt es bei der reinen sensorischen Seh-Wahrnehmung.

Okay. Es gibt also keine Objektivität, sodass eigentlich die Unterscheidung zwischen subjektiv und objektiv sinnlos ist. Oder ein Mittel der Manipulation. In der Sache aber, also dem Erkennen der Realität, ohne Bedeutung.

Daraus ergibt sich, bezogen auf unser aktuelles Thema, dass die Erkenntnis göttlicher Gesetze ebenfalls subjektiv ist. Das wird in der o. g. Definition durch „prinzipiell erkennen“ ausgedrückt. Menschen können zu solchen göttlichen Gesetzen also keine Aussage darüber treffen, ob sie auch außerhalb ihrer (potenziellen) Wahrnehmung existieren. (Was, nebenbei bemerkt, solche Aussagen wie „Die Naturgesetze sind im ganzen Universum gleich“ sinnlos macht. Sie dürften auch eher Ausdruck der menschlichen Sehnsucht nach Gewissheit sein und daher psychologisch interessant.)

Entscheidend ist:

Göttliche Gesetze sind das, was wir im Rahmen unserer menschlichen Vermögen der Erkenntnis wahrnehmen und worauf wir grundsätzlich keine Einflussmöglichkeiten haben.

Ob sie außerhalb unserer Realität existieren, und falls ja, wie, können wir nicht wissen. Und: Es spielt auch überhaupt keine Rolle. Wir „leben“ nun einmal in unserer Realität, grundsätzlich und immer. Wir sind wohl in der Lage, den Lichtkegel zu vergrößern, also mehr zu wissen (umgekehrt dürfte es aber auch gehen), doch wir wissen (derzeit jedenfalls) nicht, ob und welche Grenzen es für die Größe des Lichtkegels gibt und wir wissen auch nicht, ob sich dort, wo wir hinleuchten, nur das befindet, was wir sehen, oder auch noch anderes, was wir grundsätzlich oder nur mit unserem momentanen Stand der Fähigkeiten nicht erkennen (können).

Die Unsicherheit und Ungewissheit ist also möglicherweise groß. Es sieht so aus, dass Menschen an sich mit dieser Unsicherheit nicht gut umgehen können und um sich selbst davon abzulenken (also sich selbst zu verarschen), haben sie sich einiges einfallen lassen. Religionen, Naturwissenschaften, Dogmen aller Art, Absolutheitsansprüche sind nur einige Beispiele.

Daraus ergibt sich übrigens auch dieser (scheinbare) Widerspruch weiter oben:

Nein, gibt es nicht. Aber …

Ich persönlich finde es schade, dass Menschen eine so starke Neigung haben, dieser Unsicherheit und Ungewissheit aus dem Weg zu gehen. Ich denke, wer sie zulässt, öffnet seinen Geist neuen Erkenntnissen, neuem Wissen, erlaubt sich die unvoreingenommene (soweit das überhaupt möglich ist) Neugier auf die Welt. Ist es das nicht wert?

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Ich renne zu Katharina und drehe sie auf den Rücken. Es ist dunkel, trotzdem kann ich erahnen, dass sie eine Schusswunde im Bauch hat.
Fuck! Verdammte Scheiße!Nein, nein, nein! Du stirbst mir jetzt nicht in letzter Sekunde noch weg! Verdammt nochmal, du stirbst nicht! Hast du das kapiert?!“
Sie bewegt ihre rechte Hand. „Es tut mir leid … Ich ...“
Von draußen kommen schon wieder Schüsse. Garoan zuckt zusammen.
Fuck!
Ich packe beide und ziehe sie tiefer ins Haus, hinter der Treppe in Deckung. Heftig keuchend lasse ich mich auch fallen und versuche einige Sekunden lang nur, nicht zu ersticken.