James starrt mich entsetzt an. Selbst Danny weicht winselnd vor mir zurück. Dank des Rückspiegels weiß ich, dass ich einen heftigen Anblick biete.
„Was ist denn geschehen?“, fragt James. Er ist ungewohnt bleich.
„Ich brauche ein Vollbad“, krächze ich.
Ohne weitere Fragen begleitet mich James ins Badezimmer, lässt Wasser ein und hilft mir beim Ausziehen. Stöhnend lasse ich mich ins Wasser gleiten.
„Brauchst du noch etwas?“
„Irgendwas Starkes“, antworte ich und schließe die Augen. „Und danach erzähle ich dir, was passiert ist.“
James nickt und geht raus. Schon kurze Zeit später, in der ich versuche, mich zu entspannen, kehrt er zurück, mit zwei Gläsern. Ordinärer Whisky, wie ich schnell erkenne.
James setzt sich neben der Wanne auf einen Hocker und hält mir ein Glas hin. Ich nehme es und trinke die Hälfte des Inhalts auf einen Zug.
„Das hat gut getan“, flüstere ich.
„Freut mich, das zu hören. Ist das dein Blut in deinen Haaren?“
Ich nicke, dann tauche ich mit offenen Augen unter und beobachte, wie sich das Wasser rot färbt. Nach einer Weile komme ich wieder hoch.
„Nun?“
Ich hole tief Luft. „Ich war tot, James.“
„Du warst tot? Wann?“
„Vor einer Stunde oder so.“
„Tot? Ist das metaphorisch gemeint?“
Ich sehe ihn an. „James, ich konnte mich da liegen sehen, und mein Gehirn lag neben mir. Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich wach wurde und beschissene Kopfschmerzen hatte. Ich lag so da, wie ich mich vorher gesehen hatte. Nur schien die Sonne, als ich mich von meinem Bewusstsein verabschiedete, als ich aufwachte, war es dunkel. Und dann fand ich wesentliche Teile meines Gehirns neben meinem Kopf, in einer riesigen Blutlache. Nur war da kein Loch mehr in meinem Kopf. Und auch der Rest meines Körpers war heil, wenn man von den irrsinnigen Schmerzen absieht, die ich in den gebrochenen Teilen meines Körpers verspürte.“
„Was war denn alles gebrochen?“
„Mein Arm, meine Nase.“
„Warum?“
Meistens liebe ich James´ pragmatische Art, aber jetzt würde ich am liebsten schreien. Mit viel Willenskraft beherrsche ich mich.
„Ich war auf der Heimfahrt vom Büro. Aus dem Auto sah ich, wie ein Mädchen in einen Hauseingang gezerrt wurde. Habe den Wagen geparkt und bin hinterher. In der obersten Etage wurde ich von dem Kerl mit einer Metallstange empfangen. Er war schnell und stark. Letztlich stärker als ich. Er brach mir die Nase mit einem Fußtritt, den Arm mit der Metallstange und schleuderte mich schließlich mit solcher Wucht gegen die Wand, dass mein Kopf regelrecht zerplatzte.“
„Autsch.“ James verzog das Gesicht. „Normalerweise würdest du also jetzt beim Pathologen liegen. Wie stehst du unter diesen Umständen zu dem, was Drol Wayne dir erzählt hat?“
Ich lehne den Kopf zurück, verschätze mich und stoße hart gegen die Wannenwand. Fluchend reibe ich die Stelle, die vorhin noch offen war. James kann nur mit Mühe ein Grinsen unterdrücken.
„Verhält sich so ein liebender Ehemann?“, erkundige ich mich vorwurfsvoll.
„Die wenigsten liebenden Ehemänner unterhalten sich mit ihren Frauen, nachdem diese umgebracht wurden“, erwidert James, jetzt wieder ernst.
„Auch wieder wahr“, murmele ich. „Der Kerl, wer oder was er auch war, quasselte was von, ob ich eine Kriegerin sein könnte.“
„Oho!“
„Ja, genau, oho. James, kommt dir nicht merkwürdig vor, dass ich die Begegnung mit Drol Wayne habe, nicht weiß, was ich davon halten soll und dann das hier passiert?“
„Nein“, erwidert James.
„Aha.“ Ich schweige irritiert eine ganze Weile. Da auch James nichts sagt, frage ich schließlich nach: „Und warum nicht?“
„Weil die Begegnung mit Wayne dir eine Tür geöffnet hat und du nun sehen kannst, was sich dahinter befindet. Deswegen hast du Begegnungen, die du vorher nicht hattest.“

 

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