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Leseprobe: Heimgeschichten – alt und im Abseits

Heimgeschichten – alt und im Abseits

 

Der Weg
von
„Das kann nicht sein“
zu
„Das ist so“
ist für mich oft ein unmöglicher.
Ich verirre mich.
Auf dem Weg
von
„Das kann nicht sein, dass wir das zulassen“
nach
„Das ist aber so.“
Wo ist der Weg?
Den die anderen gehen?
Konnten.
Können.
Ich kann ihn nicht finden.
Den Weg.
„Das ist so“
Ruft´s jede Sekunde meines Lebens.
Ich höre ihn.
Den Ruf.
Sagt mir, welchen Weg seid Ihr gegangen von
„Das kann nicht sein!“
Zu
„Das ist so.“?

Wie habt Ihr es nur geschafft?
Wie schafft Ihr es?
Schafft Ihr es?

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Leseprobe: Sei einfach und Du wirst

Sei einfach Und Du wirst

»Nun gut, ich werde dir meine Geschichte erzählen. Du musst mir aber ganz fest versprechen, dass du mich nie wieder mit deinen dummen Fragen stören wirst. Einverstanden?« Ich nickte und sagte: »Ich werde dich nie wieder mit meinen dummen Fragen stören. Einverstanden.« »Danke«, sagte sie und begann mir ihre Geschichte zu erzählen.
»Ich bin unter den Rennmäusen aufgewachsen. Mein Leben mit ihnen war schon immer sehr schwierig, denn ständig lachten sie über mich und mein langsames Tempo. Sie haben mich immer mit sich verglichen, immer gesagt, ich müsse so schnell sein wie sie. Lange, sehr lange glaubte auch ich, eine Rennmaus zu sein. Wie hätte ich etwas anderes glauben können? Keiner hatte mir je etwas anderes gesagt! Nur selten wunderte ich mich über die Unterschiede zwischen ihnen und mir, schnell vergaß ich sie und glaubte lieber, ich sei eine langsame Rennmaus. Tagtäglich und immer wieder musste ich sehen, wie flink die anderen im Gegensatz zu mir waren. Wie sie mit einer Leichtigkeit Dinge vollbrachten, mit denen ich trotz größter Anstrengungen nicht fertig wurde.
Sie lachten und lachen noch immer über mich. Sie nannten mich immer einen ›trägen Trottel‹. Sie sagten, ich sei eine Missgeburt, denn Rennmäuse seien schnelle Tiere. Etwas schiene mit mir nicht zu stimmen und wenn ich mich nicht endlich anstrengen würde und so würde, wie ich sein müsste, dann würden sie mich verstoßen. Ich würde draußen in der kalten Welt hungern müssen, denn kein Tier könne solch ein langsames Ding wie mich gebrauchen.
Eines Tages aber hatte ich eine eigenartige Begegnung mit einem Tier, das auch so langsam war wie ich. Ich freute mich, eine andere langsame Rennmaus kennenlernen zu dürfen. Wir unterhielten uns lange, und ich fand sie sehr sympathisch. Irgendwie schienen wir uns zu gleichen – mehr als ich mit den anderen Rennmäusen. Ich war überaus erleichtert und sagte ihr, dass ich mich freute, endlich nicht mehr die einzige langsame Rennmaus sein zu müssen. Daraufhin brach sie in lautes Gelächter aus. Sie schaute mich an und sagte: »Mädel, weißt du denn nicht, dass du keine Rennmaus sondern eine Schnecke bist?«
Natürlich bekam ich einen Schock und rannte sofort weg.
Bald sah ich sie wieder, nun aber in Begleitung mit anderen Tieren, so wie sie eines war. Alle waren sie sehr langsam und allen sah ich irgendwie sehr ähnlich. Sie kamen zu mir und sagten, sie seien Schnecken und ich gehörte zu ihnen. Sie hätten von meiner Geschichte gehört und würden sich sehr freuen, wenn ich zu ihnen ziehen und die Rennmäuse vergessen würde. Natürlich lachte ich über sie und sagte, dass sie zwar Schnecken sein mochten, ich aber nicht: Ich sei eine Rennmaus.
Als ich dann zu Hause ankam, erzählte ich den anderen mein Abenteuer mit den Schnecken. Alle lachten über mich und sagten, ich könne tatsächlich sehr leicht mit einer Schnecke verwechselt werden, denn die seien genau so langsam wie ich. Allerdings solle ich mir keine Illusionen machen. Ich könne nämlich keine Schnecke sein, weil ich unter Rennmäusen aufgewachsen sei. Seitdem gehe ich den Schnecken aus dem Weg.«
Hier hielt Augustine inne. Ich wartete ein wenig und fragte dann vorsichtig: »Aber glaubst du eine Rennmaus zu sein, nur weil du unter ihnen aufgewachsen bist? Kann es nicht sein, dass du trotzdem tatsächlich eine Schnecke bist?« Ihre Antwort auf meine Frage kam schnell. »Hast du mir nicht etwas versprochen? Keine weiteren Fragen mehr! Ich freue mich, dass wir uns kennenlernen durften. So, wenn du mich jetzt bitte gehen lassen würdest!« Damit verabschiedete sie sich, verzog ihr Gesicht und beeilte sich.
Lange stand ich noch neben ihr und überlegte, ob ich vielleicht noch etwas sagen sollte. Doch dann entschloss ich mich, mein Versprechen ihr gegenüber zu einzuhalten. Damit verließ ich sie.