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Leseprobe: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – Die Asylentscheiderin

Die Asylentscheiderin

Dann folgte eine Unterrichtseinheit, die uns persönlich als Entscheider betraf. Wir bekamen Hilfestellungen mit auf den Weg, um uns nicht zu sehr in Einzelschicksale zu vertiefen.
„Sie dürfen das nicht persönlich nehmen, wenn Sie jemanden abweisen müssen und deshalb beschimpft werden. Oder noch schlimmer, wenn diese Menschen Ihnen verzweifelt erscheinen, wenn sie in Tränen ausbrechen. Nicht Sie entscheiden, sondern das Gesetz. Sie wenden lediglich das Gesetz an, Sie verantworten es nicht.“
Ich schluckte. Erinnerungen an früher kamen hoch, als ich hinter dem Postschalter alles getan hatte, um die Probleme, mit denen die Leute zu mir kamen, zu lösen. Und ich erinnerte mich, wie schlecht es mir immer gegangen war, wenn ich nicht helfen konnte, wenn einfach nicht mehr zu helfen war. Und im Vergleich zu dem was mir jetzt bevorstand, waren das wohl eher harmlose Konflikte gewesen.
„Nehmen Sie nichts mit nach Hause“, hörte ich, als ich aus meinen Gedanken auftauchte.
„Wenn Sie abends die Tür des Büros hinter sich schließen, spätestens wenn Sie das Gebäude verlassen, betreten Sie Ihr eigenes Leben und das hat nichts, rein gar nichts mit dem Leben der Flüchtlinge zu tun. Lassen Sie keine Verbindung zu. Stellen Sie sich notfalls vor, dass Sie im Kino gewesen sind und einen Film gesehen haben.“
Bevor ich wieder in meine Gedanken abtauchen konnte, folgte noch ein Satz, der mir im Lauf meiner Tätigkeit als Entscheiderin sehr wichtig werden sollte, jedenfalls so lange, bis ich feststellen musste, dass zumindest der erste Teil der Aussage nicht immer stimmte:
„Seien Sie sich bewusst, dass Sie nicht über Tod und Leben entscheiden. Ihre Klienten haben immer noch die Möglichkeit vor Gericht gegen Ihre Entscheidung zu klagen.“

 

Eine kurze Leseprobe aus dem Buch von Maria Braig über eine „Asylentscheiderin“. Interessiert Dich, wie sie ihr Wissen anwendet? Dann geht es hier zu der Seite, auf der Du das Buch kaufen kannst: Die Asylentscheiderin, von Maria Braig

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Leseprobe: Venus – Bericht über eine Wandlung

Venus – Bericht über eine Wandlung

Ach, wissen Sie: Eigentlich ist das Wort Flitterwochen albern. Mich überläuft es kalt, wenn ich es höre. Außerdem traf es auf uns auch nicht zu, denn unsere Hochzeitsreise dauerte exakt zehn Tage, von Wochen also keine Rede.
Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, diese Gegend zu besuchen, das sogenannte Rheingau? Nun, der Wein dort ist – wie soll ich es anders nennen? – sehr süffig. Ich vertiefte mich deshalb in die eine oder andere Flasche. Auch ist die am Rhein entlangführende Eisenbahnstrecke eine häufig befahrene, wenn ich es recht bedenke, die meistbefahrene in Europa. So blühte meine alte Liebe für diese bequeme Art der Fortbewegung leicht wieder auf. Ich stand – sooft ich auch nur eine halbe Stunde die Gelegenheit hatte – an eben jener Bahnstrecke und schaute den vorbeieilenden Zügen nach.
Manches Mal verband ich beide Freuden miteinander, trank hurtig eine Flasche Riesling, um dann trunkselig den Intercitys hinterher zu winken. Cornelia saß derweil im Garten unserer Unterkunft und las über das grausame und harte Schicksal der Gräfin X oder der Arztgattin Y aus zu Recht so genannten Groschenromanen.
Doch auch gemeinsam unternahmen wir nicht wenig. Der Frankfurter Zoo bedankte sich für unseren Besuch, die Großstädte der direkten Umgebung – Koblenz, Mainz und Wiesbaden – wurden aufgesucht, die Schönheiten und herben Lieblichkeiten des Taunus wandernderweise verinnerlicht, eine Fahrt nach Luxemburg durchgeführt (allein um dort preisgünstigen Tabak zu erstehen), eine weinbrandherstellende Fabrikation besichtigt. Nicht nur an diesem Tage war ich einigermaßen vom Alkohol angeschlagen; langsam begann mir dieser leichte Rauschzustand zu gefallen und Spaß zu machen. Das Leben, das an mir vorbeirauschte, war so ein gänzlich anderes, ein leichter zu ertragendes, ein angenehmeres. Allerdings achtete ich damals noch darauf, den Konsum des Hochprozentigen nicht zu übertreiben. Aggression, möglicherweise körperliche Gewalt, wäre die Folge gewesen, ich bin recht sicher, was dies betrifft.
Aber so – in diesem angesäuselten Zustand – war meine Stimmung oft gut, ich scherzte gar in Maßen, ich ertappte mich dreimal beim Lachen. Manchmal schien es mir, als würde meine innerliche Decke langsam abgenutzt, als bildeten sich dünne Stellen, durch die man möglicherweise bald würde hindurchsehen können.
Natürlich gab ich auf dieser Hochzeitsreise nicht zu, dass ich Cornelia gar nicht liebte, sparte mir auch den Hinweis auf, dass es ihr mit mir womöglich genauso erging. Cornelia wollte nur das ihr selbst gegebene Versprechen (den heirate ich und sonst keinen) einhalten, obwohl es ja streng besehen schon eingetreten war. Aber mehr noch, wie sie einmal ohne Scham (und voller Stolz) zugab, als verkünde sie eine hingebungsvolle Aufgabe, nämlich aus mir einen ordentlichen Menschen machen zu wollen. Ich hoffe ernsthaft, dass ihr dies nicht gelungen ist.
Im Vorfeld unserer Hochzeit hatten wir zahlreiche Wohnungen und auch ein oder zwei Häuser, die zum Einzug bereitstanden, angesehen. Cornelia entschied uns für eine Wohnung am Rande des Ruhrgebietes, in einem Stadtteil von Essen, nahe am Rand von Niederberg, nicht weit entfernt vom Bergischen Land, und zwar wollte sie dort wohnen, weil die Miete fast lächerlich gering war. Natürlich auch, weil man mit der Wohnung herrlich angeben konnte. Wenn Bekannte fragten: „Und wie viele Zimmer habt ihr?“, konnte man ganz cool und auf eine Art, als sei die genannte Zahl das zum Leben absolut notwenige Minimum, „Sechs“ antworten, und allein dies verschaffte ihr wahrscheinlich mehr Befriedigung als meine gesammelten Anstrengungen innerhalb dieser … hm … Ehe. Über diese Tatsache vergaß sie auch gern, dass die Wohnung trotz der Anzahl der Räume nicht mehr als fünfundachtzig Quadratmeter maß. Erschwerend kam des Weiteren hinzu, dass die Höhe der Räume infolge der steinalten Eichenbalken unter der Decke für einen etwas überdurchschnittlich großen Mann wie mich sehr hinderlich war, ein Recken und Strecken verbot sich allein wegen der sofort einsetzenden Schmerzen: Immerhin ist uralte Eiche härter als ein Menschenkopf. Auch der Umstand, dass von den sieben vorhandenen Fenstern keines nach Süden wies, trug für mich nicht zum Beliebtheitsgrad dieser Wohnung bei. Aber einen Vorteil gab es dann doch: Ich hatte ein eigenes Zimmer!

 

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Leseprobe: Fiona – Entscheidungen

Fiona – Entscheidungen

Ich verbringe die Wartezeit mit einem Spaziergang und versuche dabei, jeglichen Gedanken aus meinem Kopf zu verscheuchen. Mein langjähriges Kampfsporttraining kommt mir dabei zugute. Als ich dann zum Parkplatz gehe, bin ich so entspannt, wie das unter den gegebenen Umständen nur möglich ist.
Das ändert sich wieder, als ich Katharina sehe. Ich weiß ja nicht, wie sie sich so eine Dämonenjagd vorstellt, obwohl sie damit eigentlich Erfahrung haben müsste. Jedenfalls hätte ich mich ganz sicher nicht so angezogen wie sie. Obwohl, sagt eine Stimme in mir, warst du immer passend angezogen, wenn du auf Verbrecherjagd warst, damals?
Katharina trägt hautenge, weiße Hosen, schwarze Overknees, wenigstens nicht aus Latex, dafür mit schwindelerregenden Absätzen, eine ebenfalls eng anliegende, weiße Bluse mit langen Ärmeln und die Haare offen.
„Wow“, sage ich nur, während sie mich umarmt. „Hast du vor, irgendwelche Dämonen mit den Absätzen aufzuspießen?“
Sie lacht. „Warum eigentlich nicht? Jedenfalls würde mich niemand für einen 400-jährigen Dämon halten, oder?“
„Ganz bestimmt nicht.“
„Tarnung ist alles.“
„Sollte ich mich auch umziehen?“, erkundige ich mich. „Ist das angebracht dort, wo wir hingehen?“
Katharina mustert meine ¾-Jeans und die lose darüberhängende Bluse, dann schüttelt sie den Kopf. „Ist schon in Ordnung so. Wir werden sehen, ob du in diesen Schuhen genug Trittkraft hast.“
„Wo du Herzen aufspießt, breche ich Rippen“, erwidere ich und bringe sie damit erneut zum Lachen.
„Gehen wir“, sagt sie.
„Wohin?“
„In die Bibliothek.“
„Oh, in Filmen gehen sie auch immer in die Bibliothek, wenn sie wissen wollen, mit was für einem übernatürlichen Ding sie es zu tun haben.“
„Ja, aber nicht in so eine“, sagt sie geheimnisvoll. „Wir fahren mal mit meinem Wagen, in Ordnung?“
Ich nicke. Dann falte ich mich in den Ferrari. Und stelle fest, dass ich eigentlich doch eine ganz zahme Fahrweise habe. Wäre ich nervös veranlagt, würde ich Blut und Wasser schwitzen auf dieser kurzen Fahrt. Das heißt, kurz ist sie nur, weil Katharina fährt wie sie fährt. Schließlich hält sie vor einem großen, aber ansonsten unscheinbaren Haus in South Village.
Wir steigen aus.
„Hier ist eine Bibliothek?“, erkundige ich mich skeptisch, während ich die graue Fassade betrachte.
„Beurteilst du die Dinge etwa nach Äußerlichkeiten?“
„Nein“, erwidere ich missmutig.
„Dann ist ja gut!“ Katharina hält auf eine schmale, ebenfalls graue Tür zu und schlägt mit der Faust dagegen. Mehrmals, so lange, bis von drinnen eine wütende Stimme ertönt: „Ist ja gut, verdammte Scheiße! Ich komme ja schon!“
Ich sehe mich amüsiert um, aber es scheint niemanden zu interessieren, wenn hier die Tür fast eingeschlagen wird. Dahinter erklingen jetzt Schritte, dann wird sie förmlich aufgerissen. Ein kleiner, schmächtiger Mann funkelt Katharina wütend an.
„Was soll das?“
„Och, jetzt reg dich doch nicht so auf. Ich wollte nur sicher sein, dass du es auch hörst.“ Katharina krault ihm den nicht vorhandenen Bart, dann tritt sie an ihm vorbei ein und winkt mir zu.
Ich folge ihr und reiche dem Gastgeber die Hand: „Ich bin Fiona Flame.“
„Ich weiß, wer du bist“, erwidert er mürrisch. „Mein Name ist Nasnat.“
„Woher weißt du, wer ich bin?“, frage ich.
„Ich weiß es eben“, sagt er und schlägt die Tür zu. „Was wollt ihr hier?“
„Wir brauchen deine unendliche Weisheit, Nasnat“, antwortet Katharina.
„Hey, verarschen kann ich mich auch allein. Was wollt ihr denn wissen?“
„Willst du uns nicht einladen und einen deiner vorzüglichen Tees anbieten?“, erkundigt sich Katharina.
„Kommt mit.“ Nasnat schlurft vor in einen karg eingerichteten, großen Raum, den ich nach einigem Blinzeln als Küche erkenne. Nasnat setzt einen Wasserkessel auf den Gasherd, dann holt er vier Tassen aus dem einzigen Schrank und eine Dose aus einem Nachbarraum. Daraus füllt er irgendein Pulver in die Tassen. Bis er damit fertig ist, kocht das Wasser im Kessel, und er füllt die Tassen randvoll mit dem Wasser.
Dann stellt er die Tassen auf einen kleinen Tisch, der inmitten des Raumes steht.
„Du hast dich verzählt“, bemerke ich.
„Nein, habe ich nicht. Trink, der Tee schmeckt heiß am besten.“
Mit einem skeptischen Blick auf die vierte Tasse hebe ich meine an die Lippen und schlürfe vorsichtig an dem Getränk. Es schmeckt wirklich sehr gut.
„Woraus ist das?“, erkundige ich mich.
„Redet die immer so viel?“, fragt Nasnat.
Katharina schüttelt grinsend den Kopf. „Sie ist eben eine Kriegerin. Weiß das allerdings erst seit ein paar Tagen.“
Nasnat mustert mich gründlich. „Eine Kriegerin, so so. Bist du sicher, dass sie das kann?“
„Ja, bin ich. Sie ist stark. Sehr stark sogar.“
„Hm.“
„Komm schon, spürst du das gar nicht?“
„Doch“, erwidert Nasnat langsam. „Aber sie akzeptiert ihre Kraft nicht. Unterdrückt sie. So ist sie immer in Gefahr zu versagen.“
„Nasnat.“ Katharina beugt sich vor, sie wirkt sehr ernst. „Ich habe noch nie eine solche Macht in einer Kriegerin verspürt wie bei ihr. Sie ist eine der ältesten Seelen, denen ich begegnet bin.“
„Mag schon sein. Und was wollt ihr nun von mir?“
„Deine Bibliothek“, antwortet Katharina. „Wir suchen ein Wesen oder eine Art, die ihre Brut in menschliche Gebärmütter einpflanzt. Die Geburt tötet allerdings die Brüterin, ihre Gebärmutter zerplatzt.“
„So was gibt es auf der Erde nicht“, sagt Nasnat düster.
„Jetzt schon“, entgegne ich, nicht minder düster, wenn auch aus anderen Gründen.
Nasnat blickt mir in die Augen. „Nicht auf der Erde.“
„Ich bin ihm begegnet. Und ich habe vorhin eine junge Frau gesehen, die vor ein paar Tagen noch schlank und rank war. Gestern Abend war sie vor allem tot. Ihr Oberkörper aufgeschnitten, die Gebärmutter geplatzt, die anderen Organe zerstört, der Bauch aufgeschnitten. Etwas war in ihr, wuchs heran, wurde rausgeholt. Dabei starb sie. Und ich will wissen, wer oder was das war.“
„Du bist ihm begegnet?“, fragt Nasnat langsam.
„Ich bin jemandem begegnet, der merkte, dass ich eine Kriegerin bin.“
„Was hast du mit ihm gemacht?“
„Er hat mich getötet“, antworte ich leise.
„Das wird er auch wieder tun.“
„Nein. Ganz sicher nicht!“
Nasnat lächelt ansatzweise. „Wenn du das sagst.“
„Hey, Nasnat, erzähl uns mal, was das für ein Wesen ist, deiner Meinung nach“, sagt Katharina.
Nasnat nickt und deutet an, dass wir ihm folgen sollen. Das tun wir auch, in einen Raum, der mir den Atem raubt. Jetzt weiß ich, was Katharina mit Bibliothek meinte. Ich verstehe nicht, wie das sein kann, aber der Raum, der vollgestopft ist mit Büchern, die in Tausenden von Regalen stehen, ist mit Sicherheit sehr viel größer als das Haus von außen aussieht.
„Ach du Scheiße!“, sage ich. „Das ist unmöglich!“
Nasnat wirft mir einen Blick zu. „Darum versagst du!“
Ich erwidere den Blick. „Deine Ähnlichkeit mit Yoda ist tatsächlich nicht zu übersehen.“
„Das ist kein Wunder, ich stand ja auch Modell für ihn. Zumindest was den Intellekt angeht.“
Katharina lacht mit heller Stimme. „Ihr zwei seid köstlich.“
„Köstlich“, murmelt Nasnat. Dann geht er an einer mehrstöckigen Bücherwand entlang und liest lautlos die Indexschilder. Schließlich bleibt er stehen und deutet auf ein Buch in der zweiten Etage. „Das Buch da brauche ich!“
Katharina nickt, packt das Männchen und wirft es hoch. Nasnat turnt geschickt über das Geländer, holt das gesuchte Buch aus dem Regal und springt runter. Katharina fängt ihn auf. Er geht mit dem Buch zu einem Tisch, legt das Buch drauf und sagt dann: „Dieses Buch wurde von einem Vorfahren von Marco Polo geschrieben, der die Planeten bewandert hat. Zumindest einige. In den offiziellen Geschichtsbüchern taucht er nirgends auf, denn das würde überhaupt nicht zu dem Dogma passen, dass es Menschen nur auf der Erde gibt. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass diese bornierten Wissenschaftsgläubigen mit ihrer Relativitätstheorie ja dann zugeben müssten, dass ihre kruden Ideen nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun haben.“
„Wie hieß denn dieser Vorfahr?“, erkundige ich mich.
„Marco Polo.“ Er lacht schallend, als er unsere Gesichter sieht. „Nur ein kleiner Scherz. Luke Skywalker? Nein, auch ein Scherz. Sein richtiger Name ist nicht bekannt. Er hat sozusagen unter Pseudonym geschrieben, und weil er offenbar einen Sinn für Humor hatte, benutzte er den Namen Euklid.“
„Ein echter Scherzkeks“, meint Katharina grinsend. „Ausgerechnet Euklid!“
„Sag ich ja. So, dann wollen wir mal schauen, was wir hier haben.“ Nasnat schlägt das Buch irgendwo auf. Es ist vollständig handgeschrieben, dennoch wirkt das Papier, als wäre das Buch erst vor wenigen Jahren gedruckt worden.
„Wie alt soll das sein?“, frage ich misstrauisch.
„Weil es so gut aussieht? Ich habe das Buch seit über 200 Jahren in meinem Besitz, und so sah es von Anfang an aus.“
„Ich komme mir vor wie ein Baby!“
Katharina streichelt meinen Kopf. „Du bist es ja auch, im Vergleich zu uns.“
„Vorsicht, ich könnte beißen!“
„Huch!“ Katharina zieht schnell ihre Hand weg.
„Wenn ihr damit fertig seid, können wir dann weitermachen?“, erkundigt sich Nasnat.
„Sofort, jetzt, direkt …“
Nasnat mustert Katharina, als wäre sie für alles Böse auf dieser Welt verantwortlich. Dann versenkt er den Blick im Buch und sagt: „Mir ist, als hätte ich in den Berichten von Euklid über eine Rasse gelesen, die ihre Nachkommen in fremde Rassen einpflanzt, austragen lässt und dass die Wirte dann sterben. Wo war das nur?“ Nasnat blättert minutenlang in dem dicken Buch rum, ehe er zufrieden auf eine Zeichnung zeigt.
Eine Frau mit offenem Oberkörper.
„Hm. Sieht der Frau von gestern ähnlich“, stelle ich fest.
„Also haben wir es mit Außerirdischen zu tun?“ Katharina schüttelt den Kopf. „Wie sind die denn auf die Erde gelangt?“
„Wie ist denn Euklid vor über 1000 Jahren zu ihnen gelangt?“, stellt Nasnat die Gegenfrage.
„Wahrscheinlich durch ein Wurmloch.“ Katharina zuckt die Achseln. „Also los, sags schon!“
„Ich weiß es nicht. Jedenfalls nicht mit einem Raumschiff und wohl auch nicht durch ein Wurmloch. Euklid hatte, wie viele seiner Zeitgenossen, das alte Wissen von Alchemisten. Es heißt, dass manche von ihnen rausgefunden haben, wie man durch Zeit und Raum reist. Aber dieses Wissen wurde nicht in die heutige Zeit mitgebracht.“
„Zumindest ist uns nichts davon bekannt“, sagt Katharina. „Wenn jemand es weiß, hält er es unter Verschluss.“

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