Posted on 1 Kommentar

Leseprobe: Fiona – Reloaded

Fiona – Reloaded

Askan sitzt bereits am Tisch oder an der Tafel, wie es eigentlich genannt wird. Das erfahre ich von Shaka, als sie aufgeregt sagt: „Die Tafel ist bis auf dich vollständig!“
„Tafel? Welche Tafel?“
„Der Tisch da oben. Die Tafel des Königs.“
Ich sehe zwar keine Tafel, aber ich frage nicht weiter nach. Ich nehme es einfach hin, dass dieser besondere Tisch Tafel genannt wird. Es gibt wichtigere Dinge, um die ich mich kümmern muss.
Shaka und Mauka müssen wieder unten bleiben, Siana als meine Dienerin darf mich wieder begleiten. Sie gesellt sich zu den anderen Dienern, während ich von Askan in Empfang genommen, auf die Hand geküsst und zum Tisch, der eine Tafel ist, geführt werde.
Links von mir sitzt ein schlanker, hochgewachsener Mann, der mir freundlich zulächelt. Er ist einer der Minister, das weiß ich noch, mehr aber auch nicht. Doch da er so freundlich wirkt, erwidere ich sein Lächeln natürlich.
„Wir nähern uns dem Ende des Stadtfestes“, erklärt Askan. „Zumindest offiziell. Nach dem Gong werden viele Fackeln und Kerzen angezündet, dann wird noch lange getanzt. Doch jetzt essen wir.“
Ich nicke und trinke erst einmal Wein, denn ich bin ziemlich durstig. Noch während ich den Becher am Mund habe, erhebt sich weiter links von mir ein Mann, den ich nicht kenne, hält seinen Becher in die Höhe und ruft: „Ich möchte eine Wette aussprechen! Ich wette, dass Askan und Kyo sich nicht trauen, die alte Tradition des Aufsitzens fortzuführen!“
Das Volk schreit begeistert auf, Askan verschluckt sich.
Das ist irgendwie nicht gut.
„Was ist das Aufsitzen?“, erkundige ich mich, bekomme aber keine Antwort. Dafür sehe ich viele Gesichter in freudiger Erwartung, einige blicken auch entgeistert.
„Was ist das Aufsitzen?!“, wiederhole ich meine Frage lauter.
Endlich erbarmt sich jemand meiner. Der Minister neben mir beugt sich zu mir herüber und erklärt: „Das Aufsitzen ist eine Tradition, die schon sehr alt ist. Allerdings wurde sie zuletzt von Askans Eltern ausgeführt. Es geht darum, dass zum offiziellen Abschluss des Stadtfestes an der Tafel der König und die Königin sich als Symbol der Fruchtbarkeit vereinen und damit Elixa bitten, die Felder zu segnen.“
„Was?!“ Ich starre ihn fassungslos an. „Ihr meint das mit dem Vereinen aber auch nur symbolisch, oder?“
Er schüttelt bedauernd den Kopf.
Ich fahre zu Askan herum. „Was?!“
„Ich hätte diese Tradition vielleicht abschaffen sollen“, sagt er leise.
„Ich glaube kaum, dass das Volk zugestimmt hätte“, meint der Minister neben mir. „Und ohne die Zustimmung wäre es nicht gegangen.“
„Das stimmt.“ Askan seufzt.
„Heißt das, die erwarten von uns, dass wir hier nackt …?!“
„Nein, das nicht. Meistens behalten sie die Kleider an, sodass niemand etwas sieht. Dennoch muss es echt sein. Und es geht mindestens bis zum Höhepunkt des Königs.“
Ich atme tief durch. „Und wenn wir uns weigern?“
„Das hat noch nie jemand gewagt.“
Ich schließe die Augen und höre das Volk rufen. „Askan!Kyo! Aufsitzen!“
Unglaublich!
Ich wende mich an Askan. „Könntest du denn überhaupt?“
„Wenn du dich auf mich setzt? Wie könnte ich dann nicht?“
Jetzt muss ich doch lachen. Und ich weiß wieder, wieso ich ihn liebe.
Na schön.
„Wir nehmen die Wette an!“, rufe ich.
Augenblicklich wird es still. Und Askan ist mit Fassungslosigkeit dran. Ich weide mich kurz daran, dann nehme ich meinen Becher und erhebe mich. Einer der Diener mit der Weinkaraffe kommt bereits auf mich zu, ich gehe ihm entgegen und halte ihm den Becher hin. Er füllt ihn zur Hälfte, aber ich bin erst zufrieden, als der Becher randvoll ist. Dann trinke ich ihn in einem Zug leer, wische mit meinem Ärmel ab, was danebengelaufen ist, und drehe mich zur Tafel um. Dabei sehe ich kurz Sianas entsetzten Gesichtsausdruck und lächele ihr zu.
Nach einem Blick auf den Mann, der die Wette ausgerufen hat und mich neugierig beobachtet, gehe ich zurück zur Tafel. Neben Askan bleibe ich stehen, raffe meinen Rock hoch und ziehe die Unterhose aus, ohne dass irgendjemand mehr als meine Beine zu sehen bekommt.
„Willst du das wirklich tun?“, fragt Askan leise.
„Willst du kneifen?“
Er schüttelt den Kopf. Ich lege meine Unterhose auf die Tafel und stelle mich breitbeinig über seinen Schoss, mit dem Rücken zu ihm und das Gesicht dem Volk zugewandt, das erneut begeistert aufschreit. Den Blick starr auf die tobende Menge gerichtet, greife ich unter meinen Rock und öffne Askans Hose.
Er ist bereit.
Das Volk will also unterhalten werden. Na schön. Als Erstes kriegt es ein Lächeln von mir, ein vielsagendes Lächeln.
Bevor ich Askans Glied einführe, werfe ich einen Blick rechts und links auf die Leute an der Tafel. Sie starren uns alle wie gebannt an. Schließlich sehe ich kurz nach hinten zu Askan, dann wieder nach vorne und lasse sein Glied in mich hineingleiten. Das gelingt sehr leicht und ich spüre meine Erregung.
Das Volk schreit erneut auf, während Askan seine Hände auf meine Hüften legt und ich meine Hände auf die Tafel. Langsam bewege ich mich auf und ab. Doch dann merke ich, dass es mir so nicht viel bringt, und verlege mich darauf, den Unterleib kreisen zu lassen. Das Volk belohnt mich mit einem erneuten Aufschrei, dann beginnt es zu klatschen. Im Rhythmus meiner Bewegungen.
Ich spüre Askans Erregung, als ich schneller werde. Auch meine steigt. Und obwohl ich immer noch in die Menge schaue, sehe ich die Menschen nicht mehr. Von meinem Unterleib breitet sich die bereits bekannte Hitze aus, und zwar unglaublich schnell. Askans Glied pulsiert immer stärker in mir, dann packt er mich fester und hat seinen Höhepunkt. Ich presse meinen Unterleib gegen ihn und spanne mein Becken an, dadurch komme ich auch fast zeitgleich.
Als ich wieder klar denken kann, ist es still. Meine zu Fäusten geballten Hände liegen immer noch auf der Tafel, ich auch fast. Langsam richte ich mich auf und lehne mich gegen Askan, sehe ihn lächelnd an.
„Eine interessante Tradition, findest du nicht auch? Wir sollten sie unbedingt beibehalten.“
„Du bist unglaublich, Wildkatze“, erwidert er sehr leise.
Statt einer Antwort erhebe ich und steige auf den Tisch. Allerdings knöpfe ich vorher seine Hose zu, bevor das Volk noch etwas zu sehen bekommt, was nur mir gehört. Dann gehe ich betont langsam und immer noch bei vollkommener Stille zu dem, der gewettet hat, und bleibe vor ihm auf dem Tisch stehen.
Er starrt mich ziemlich ungläubig an. Wahrscheinlich kann er genau riechen, dass alles echt war. Soll er ruhig.
Ich gebe ihm mit dem Zeigefinger ein Zeichen, dass er auch auf den Tisch klettern soll. Als er vor mir steht, umarme ich ihn und bringe den Mund ganz nah an sein Ohr.
„Wage es niemals wieder, den König und mich so zu provozieren“, flüstere ich lächelnd. „Hast du das verstanden?“
Als er nickt, sage ich „Gut“, lasse ihn los und drehe mich um.
Mit nach oben gestreckten Armen rufe ich ins Volk: „Lasst uns feiern!“
In dem aufbrausenden, ohrenbetäubenden Lärm, in den sich auch Musik mischt, gehe ich, immer noch auf dem Tisch, zurück an meinen Platz und klettere auf meinen Sitz. Dann halte ich den Weinbecher über meinen Kopf. Schon einen kurzen Augenblick später füllt er sich.
Randvoll. Der Diener ist lernfähig.
Ich trinke den Becher leer und schaue danach den König an. „Eine schöne Num. Ich habe mich prächtig amüsiert. Es gab auch heftige Momente bei den Hinrichtungen, aber insgesamt war es eine richtig schöne Num!“
„Es freut mich, dass dir das Stadtfest gefallen hat“, erwidert er lächelnd. „Was hast du dem Fürsten gesagt?“
„Dass er es niemals wieder wagen soll, dich und mich so zu provozieren.“
„Oh, oh“, meint der Minister neben mir. „Askan, sieh dich bloß vor!“
Dieser lacht. „Ich wusste ja vom Anfang an, worauf ich mich einlasse. Bis jetzt hat sie mich nicht enttäuscht.“
„Ihr wisst schon, dass ich genau zwischen euch sitze?“, erkundige ich mich.
„Das ist nicht zu übersehen“, antwortet Askan.
„Gut. Dann redet nicht über mich, als wäre ich gar nicht dabei. Und jetzt, mein liebster König, gehe ich tanzen!“ Ich küsse ihn aber erst. Lange und innig. Sollen doch ruhig alle was zu sehen haben. Ab heute gelten neue Regeln hier! Mich hat ja auch niemand gefragt.
Danach klettere ich über die Tafel und tauche dann in die Menge ein. Shaka, Mauka und Siana gesellen sich zu mir, was gut ist, denn ich brauche Hilfe bei den meisten Tänzen. Bald stelle ich fest, dass mein Körper das Tanzen liebt. Ich passe mich mühelos dem Rhythmus an und lasse die Musik durch mich fließen. Als hätte ich nie etwas anderes gemacht.
Der Dunkelgong ist schon viele Quons her, als wir ins Schloss zurückfahren. Der Tanz und der Wein sorgen dafür, dass ich es gerade so schaffe, mich gemeinsam mit Askan in unser Schlafgemach zu begeben. Siana und er ziehen mich aus, dann verabschiedet sich Siana und Askan legt sich zu mir.
Beim Einschlafen fällt mir dann ein, dass ich doch einige Dinge mit ihm besprechen wollte und beschließe, das auf morgen zu verschieben.

Mein Autor
Blick ins Buch

Posted on

Leseprobe: Fiona – Entscheidungen

Fiona – Entscheidungen

Ich verbringe die Wartezeit mit einem Spaziergang und versuche dabei, jeglichen Gedanken aus meinem Kopf zu verscheuchen. Mein langjähriges Kampfsporttraining kommt mir dabei zugute. Als ich dann zum Parkplatz gehe, bin ich so entspannt, wie das unter den gegebenen Umständen nur möglich ist.
Das ändert sich wieder, als ich Katharina sehe. Ich weiß ja nicht, wie sie sich so eine Dämonenjagd vorstellt, obwohl sie damit eigentlich Erfahrung haben müsste. Jedenfalls hätte ich mich ganz sicher nicht so angezogen wie sie. Obwohl, sagt eine Stimme in mir, warst du immer passend angezogen, wenn du auf Verbrecherjagd warst, damals?
Katharina trägt hautenge, weiße Hosen, schwarze Overknees, wenigstens nicht aus Latex, dafür mit schwindelerregenden Absätzen, eine ebenfalls eng anliegende, weiße Bluse mit langen Ärmeln und die Haare offen.
„Wow“, sage ich nur, während sie mich umarmt. „Hast du vor, irgendwelche Dämonen mit den Absätzen aufzuspießen?“
Sie lacht. „Warum eigentlich nicht? Jedenfalls würde mich niemand für einen 400-jährigen Dämon halten, oder?“
„Ganz bestimmt nicht.“
„Tarnung ist alles.“
„Sollte ich mich auch umziehen?“, erkundige ich mich. „Ist das angebracht dort, wo wir hingehen?“
Katharina mustert meine ¾-Jeans und die lose darüberhängende Bluse, dann schüttelt sie den Kopf. „Ist schon in Ordnung so. Wir werden sehen, ob du in diesen Schuhen genug Trittkraft hast.“
„Wo du Herzen aufspießt, breche ich Rippen“, erwidere ich und bringe sie damit erneut zum Lachen.
„Gehen wir“, sagt sie.
„Wohin?“
„In die Bibliothek.“
„Oh, in Filmen gehen sie auch immer in die Bibliothek, wenn sie wissen wollen, mit was für einem übernatürlichen Ding sie es zu tun haben.“
„Ja, aber nicht in so eine“, sagt sie geheimnisvoll. „Wir fahren mal mit meinem Wagen, in Ordnung?“
Ich nicke. Dann falte ich mich in den Ferrari. Und stelle fest, dass ich eigentlich doch eine ganz zahme Fahrweise habe. Wäre ich nervös veranlagt, würde ich Blut und Wasser schwitzen auf dieser kurzen Fahrt. Das heißt, kurz ist sie nur, weil Katharina fährt wie sie fährt. Schließlich hält sie vor einem großen, aber ansonsten unscheinbaren Haus in South Village.
Wir steigen aus.
„Hier ist eine Bibliothek?“, erkundige ich mich skeptisch, während ich die graue Fassade betrachte.
„Beurteilst du die Dinge etwa nach Äußerlichkeiten?“
„Nein“, erwidere ich missmutig.
„Dann ist ja gut!“ Katharina hält auf eine schmale, ebenfalls graue Tür zu und schlägt mit der Faust dagegen. Mehrmals, so lange, bis von drinnen eine wütende Stimme ertönt: „Ist ja gut, verdammte Scheiße! Ich komme ja schon!“
Ich sehe mich amüsiert um, aber es scheint niemanden zu interessieren, wenn hier die Tür fast eingeschlagen wird. Dahinter erklingen jetzt Schritte, dann wird sie förmlich aufgerissen. Ein kleiner, schmächtiger Mann funkelt Katharina wütend an.
„Was soll das?“
„Och, jetzt reg dich doch nicht so auf. Ich wollte nur sicher sein, dass du es auch hörst.“ Katharina krault ihm den nicht vorhandenen Bart, dann tritt sie an ihm vorbei ein und winkt mir zu.
Ich folge ihr und reiche dem Gastgeber die Hand: „Ich bin Fiona Flame.“
„Ich weiß, wer du bist“, erwidert er mürrisch. „Mein Name ist Nasnat.“
„Woher weißt du, wer ich bin?“, frage ich.
„Ich weiß es eben“, sagt er und schlägt die Tür zu. „Was wollt ihr hier?“
„Wir brauchen deine unendliche Weisheit, Nasnat“, antwortet Katharina.
„Hey, verarschen kann ich mich auch allein. Was wollt ihr denn wissen?“
„Willst du uns nicht einladen und einen deiner vorzüglichen Tees anbieten?“, erkundigt sich Katharina.
„Kommt mit.“ Nasnat schlurft vor in einen karg eingerichteten, großen Raum, den ich nach einigem Blinzeln als Küche erkenne. Nasnat setzt einen Wasserkessel auf den Gasherd, dann holt er vier Tassen aus dem einzigen Schrank und eine Dose aus einem Nachbarraum. Daraus füllt er irgendein Pulver in die Tassen. Bis er damit fertig ist, kocht das Wasser im Kessel, und er füllt die Tassen randvoll mit dem Wasser.
Dann stellt er die Tassen auf einen kleinen Tisch, der inmitten des Raumes steht.
„Du hast dich verzählt“, bemerke ich.
„Nein, habe ich nicht. Trink, der Tee schmeckt heiß am besten.“
Mit einem skeptischen Blick auf die vierte Tasse hebe ich meine an die Lippen und schlürfe vorsichtig an dem Getränk. Es schmeckt wirklich sehr gut.
„Woraus ist das?“, erkundige ich mich.
„Redet die immer so viel?“, fragt Nasnat.
Katharina schüttelt grinsend den Kopf. „Sie ist eben eine Kriegerin. Weiß das allerdings erst seit ein paar Tagen.“
Nasnat mustert mich gründlich. „Eine Kriegerin, so so. Bist du sicher, dass sie das kann?“
„Ja, bin ich. Sie ist stark. Sehr stark sogar.“
„Hm.“
„Komm schon, spürst du das gar nicht?“
„Doch“, erwidert Nasnat langsam. „Aber sie akzeptiert ihre Kraft nicht. Unterdrückt sie. So ist sie immer in Gefahr zu versagen.“
„Nasnat.“ Katharina beugt sich vor, sie wirkt sehr ernst. „Ich habe noch nie eine solche Macht in einer Kriegerin verspürt wie bei ihr. Sie ist eine der ältesten Seelen, denen ich begegnet bin.“
„Mag schon sein. Und was wollt ihr nun von mir?“
„Deine Bibliothek“, antwortet Katharina. „Wir suchen ein Wesen oder eine Art, die ihre Brut in menschliche Gebärmütter einpflanzt. Die Geburt tötet allerdings die Brüterin, ihre Gebärmutter zerplatzt.“
„So was gibt es auf der Erde nicht“, sagt Nasnat düster.
„Jetzt schon“, entgegne ich, nicht minder düster, wenn auch aus anderen Gründen.
Nasnat blickt mir in die Augen. „Nicht auf der Erde.“
„Ich bin ihm begegnet. Und ich habe vorhin eine junge Frau gesehen, die vor ein paar Tagen noch schlank und rank war. Gestern Abend war sie vor allem tot. Ihr Oberkörper aufgeschnitten, die Gebärmutter geplatzt, die anderen Organe zerstört, der Bauch aufgeschnitten. Etwas war in ihr, wuchs heran, wurde rausgeholt. Dabei starb sie. Und ich will wissen, wer oder was das war.“
„Du bist ihm begegnet?“, fragt Nasnat langsam.
„Ich bin jemandem begegnet, der merkte, dass ich eine Kriegerin bin.“
„Was hast du mit ihm gemacht?“
„Er hat mich getötet“, antworte ich leise.
„Das wird er auch wieder tun.“
„Nein. Ganz sicher nicht!“
Nasnat lächelt ansatzweise. „Wenn du das sagst.“
„Hey, Nasnat, erzähl uns mal, was das für ein Wesen ist, deiner Meinung nach“, sagt Katharina.
Nasnat nickt und deutet an, dass wir ihm folgen sollen. Das tun wir auch, in einen Raum, der mir den Atem raubt. Jetzt weiß ich, was Katharina mit Bibliothek meinte. Ich verstehe nicht, wie das sein kann, aber der Raum, der vollgestopft ist mit Büchern, die in Tausenden von Regalen stehen, ist mit Sicherheit sehr viel größer als das Haus von außen aussieht.
„Ach du Scheiße!“, sage ich. „Das ist unmöglich!“
Nasnat wirft mir einen Blick zu. „Darum versagst du!“
Ich erwidere den Blick. „Deine Ähnlichkeit mit Yoda ist tatsächlich nicht zu übersehen.“
„Das ist kein Wunder, ich stand ja auch Modell für ihn. Zumindest was den Intellekt angeht.“
Katharina lacht mit heller Stimme. „Ihr zwei seid köstlich.“
„Köstlich“, murmelt Nasnat. Dann geht er an einer mehrstöckigen Bücherwand entlang und liest lautlos die Indexschilder. Schließlich bleibt er stehen und deutet auf ein Buch in der zweiten Etage. „Das Buch da brauche ich!“
Katharina nickt, packt das Männchen und wirft es hoch. Nasnat turnt geschickt über das Geländer, holt das gesuchte Buch aus dem Regal und springt runter. Katharina fängt ihn auf. Er geht mit dem Buch zu einem Tisch, legt das Buch drauf und sagt dann: „Dieses Buch wurde von einem Vorfahren von Marco Polo geschrieben, der die Planeten bewandert hat. Zumindest einige. In den offiziellen Geschichtsbüchern taucht er nirgends auf, denn das würde überhaupt nicht zu dem Dogma passen, dass es Menschen nur auf der Erde gibt. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass diese bornierten Wissenschaftsgläubigen mit ihrer Relativitätstheorie ja dann zugeben müssten, dass ihre kruden Ideen nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun haben.“
„Wie hieß denn dieser Vorfahr?“, erkundige ich mich.
„Marco Polo.“ Er lacht schallend, als er unsere Gesichter sieht. „Nur ein kleiner Scherz. Luke Skywalker? Nein, auch ein Scherz. Sein richtiger Name ist nicht bekannt. Er hat sozusagen unter Pseudonym geschrieben, und weil er offenbar einen Sinn für Humor hatte, benutzte er den Namen Euklid.“
„Ein echter Scherzkeks“, meint Katharina grinsend. „Ausgerechnet Euklid!“
„Sag ich ja. So, dann wollen wir mal schauen, was wir hier haben.“ Nasnat schlägt das Buch irgendwo auf. Es ist vollständig handgeschrieben, dennoch wirkt das Papier, als wäre das Buch erst vor wenigen Jahren gedruckt worden.
„Wie alt soll das sein?“, frage ich misstrauisch.
„Weil es so gut aussieht? Ich habe das Buch seit über 200 Jahren in meinem Besitz, und so sah es von Anfang an aus.“
„Ich komme mir vor wie ein Baby!“
Katharina streichelt meinen Kopf. „Du bist es ja auch, im Vergleich zu uns.“
„Vorsicht, ich könnte beißen!“
„Huch!“ Katharina zieht schnell ihre Hand weg.
„Wenn ihr damit fertig seid, können wir dann weitermachen?“, erkundigt sich Nasnat.
„Sofort, jetzt, direkt …“
Nasnat mustert Katharina, als wäre sie für alles Böse auf dieser Welt verantwortlich. Dann versenkt er den Blick im Buch und sagt: „Mir ist, als hätte ich in den Berichten von Euklid über eine Rasse gelesen, die ihre Nachkommen in fremde Rassen einpflanzt, austragen lässt und dass die Wirte dann sterben. Wo war das nur?“ Nasnat blättert minutenlang in dem dicken Buch rum, ehe er zufrieden auf eine Zeichnung zeigt.
Eine Frau mit offenem Oberkörper.
„Hm. Sieht der Frau von gestern ähnlich“, stelle ich fest.
„Also haben wir es mit Außerirdischen zu tun?“ Katharina schüttelt den Kopf. „Wie sind die denn auf die Erde gelangt?“
„Wie ist denn Euklid vor über 1000 Jahren zu ihnen gelangt?“, stellt Nasnat die Gegenfrage.
„Wahrscheinlich durch ein Wurmloch.“ Katharina zuckt die Achseln. „Also los, sags schon!“
„Ich weiß es nicht. Jedenfalls nicht mit einem Raumschiff und wohl auch nicht durch ein Wurmloch. Euklid hatte, wie viele seiner Zeitgenossen, das alte Wissen von Alchemisten. Es heißt, dass manche von ihnen rausgefunden haben, wie man durch Zeit und Raum reist. Aber dieses Wissen wurde nicht in die heutige Zeit mitgebracht.“
„Zumindest ist uns nichts davon bekannt“, sagt Katharina. „Wenn jemand es weiß, hält er es unter Verschluss.“

Mein Autor