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Leseprobe: Fiona – Spinnen (Band 8)

Fiona – Spinnen

Ich hole mir einen zweiten Drink, den gleichen, und setze mich in der Nähe an einen hohen Bistrotisch. Von hier aus kann ich die beiden unauffällig beobachten.
Der Schlanke scheint recht jung zu sein, aber ranghöher. Er hat keine Damenbegleitung, und die paar Mädchen, die versuchen, daran etwas zu ändern, blitzen gnadenlos ab. Scheiße, hoffentlich ist er nicht schwul. Nach einigen Minuten bin ich mir sicher, dass er auf Frauen steht. Anscheinend ist nur nichts dabei, was sein Interesse erregt.
Einmal kreuzen sich unsere Blicke. Ich halte seinen kurz fest, dann wende ich mich ab. Er hat grüne Augen und er hat mich länger angesehen als jede andere Frau vorher.
Sehr gut.
Mein Gefühl sagt mir, dass ich dennoch abblitzen würde, wenn ich einfach auf ihn zugehe. Ich habe also ungefähr zwei Möglichkeiten:
Entweder ziehe ich mich aus, werfe mich nackt auf ihn und blase ihm einen.
Oder ich sorge dafür, dass er mich unbedingt kennenlernen will.
Letzteres gefällt mir besser. Nicht einmal hauptsächlich wegen der Nacktheit. Ihm öffentlich einen zu blasen, wäre nicht angenehm, aber auch nicht völlig neu für mich, wenn ich an manche Party denke, so vor fünfzehn Jahren, nachdem Phil gestorben war.
Mir gefällt aber vor allem die Idee, dass er mich kennenlernen will. Ich hasse es einfach, wenn nicht ich die Kontrolle habe, und wenn nicht das geschieht, was ich will. Und jetzt, wo ich nicht bloß eine Prinzessin, sondern sogar eine Königin bin, kann ich mir das ja wohl erlauben.
Ich muss bei diesem Gedanken grinsen, so bescheuert ist er eigentlich. Das ändert aber nichts daran, dass es psychologisch geschickt sein könnte, ihn neugierig zu machen.
Ich gleite von meinem Hocker, marschiere auf einen der jungen Männer mit Waffe zu und rempele ihn an. Er wendet sich kopfschüttelnd ab, doch so leicht entkommt er mir nicht.
„Hast du keine Augen im Kopf, du Arschloch?“, fahre ich ihn an.
Endlich habe ich seine Aufmerksamkeit. Er mustert mich vom Kopf bis Fuß.
„Was ist dein Problem, Kleines?“
„Du hast mich angerempelt! Oder sollte das eine dämliche Anmache sein?“
Auf seinem Gesicht erscheint ein breites Grinsen. „Sorry, du bist nicht mein Typ. Kannst also deine Titten einpacken.“
Okay, die linke hängt fast raus, aber das kommt vom Rempler, war nicht so beabsichtigt. Hat aber Vorteile.
„Sag mal, hast du dir heute vorgenommen, ein Mädchen in den Selbstmord zu treiben, oder was? Kannst du dich wenigstens mal entschuldigen?“
Wieder Kopfschütteln, dann: „Verpiss dich einfach, am besten ganz aus dem Lokal, okay? Sonst lasse ich dich hinauswerfen.“
„Du willst mich hinauswerfen lassen, du Zwerg? Dass ich nicht lache.“
Ich weiß nicht, was genau ihn triggert. Es sieht aber danach aus, als möchte er nicht Zwerg genannt werden. Groß ist er ja echt nicht. Jedenfalls packt er mich an den Schultern. Dann bricht er aufstöhnend zusammen, als mein Knie sehr zielgerichtet und wohldosiert seinen Schwanz und das Drumherum für einige Zeit zu einer Schmerzquelle macht.
Spätestens jetzt habe ich die Aufmerksamkeit für mich. Und seine Kollegen am Hals. Ich merke schnell, dass sie ausgebildete Nahkämpfer sind. Allerdings haben sie definitiv keine Erfahrung mit Kriegerinnen.
Oder doch? Drei von ihnen liegen verteilt auf dem Boden, als ich von einem Stromschlag getroffen werde. Im nächsten Augenblick nehme ich die Kabel wahr, die an meiner Seite hängen.
Taser.
Scheiße.
Das bringt mich ein wenig aus dem Takt. Schließlich wurde ich bislang eher selten mit einem Taser traktiert. Die Koordinationsfähigkeit und das Gleichgewicht leiden darunter, sodass ich mich auf dem Boden wiederfinde.
Die Stromstöße hören auf. Vermutlich wäre ein normaler Mensch jetzt für länger ruhiggestellt. Aber normal bin ich ja sowieso nicht. Für einen Moment halte ich still und erwecke bewusst den Anschein, zu keiner kontrollierten Bewegung mehr fähig zu sein, nur um dann blitzschnell die Fäden von mir zu reißen und aufzuspringen.
Die Waffen, die auf mich gerichtet sind, haben aber nichts mit Tasern zu tun. Sie verschicken Kugeln.
Ich atme tief durch und hebe die Hände. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass auch die beiden Männer und die Schwarzhaarige die Szene beobachten.
„Das reicht jetzt“, sagt einer von denen, die bewaffnet sind. „Du bist ja völlig durchgeknallt. Schmeißt sie raus!“
„Halt!“
Wir sehen alle den Schlanken an, der nun eine Hand hebt und mir zuwinkt „Sie soll herkommen. Und bringt mir ihre Tasche!“
Oh, hat er mich etwa beobachtet? Ein gutes Zeichen.
Der Mann, der gerade gesprochen hat, deutet mit der Waffe eine Bewegung an, während ein anderer die Tasche holt. Ich gehe auf die kleine Gruppe zu, die im Halbkreis um einen niedrigen Bistrotisch sitzt.
Der Schlanke sieht aus der Nähe ganz sympathisch aus. Er macht den Eindruck, als wäre er das Nachdenken gewohnt. Zugleich strahlt er eine Selbstsicherheit aus, die mächtige Leute oft haben. Ich kenne das gut. Oft gesehen, als ich noch CEO war. Selbst selten durchscheinen lassen, schon allein, weil ich als Frau mich anders verhalten wollte, gerade eben kein besserer Mann sein wollte. Aber wenn es nötig war, konnte ich es auch, so wirken.
Jetzt signalisiere ich Unabhängigkeit, Furchtlosigkeit, ein ganz klein wenig auch Trotz.
Der Schlanke nimmt meine Tasche und sieht sich den Inhalt an. Klar findet er das Schwert und zieht es staunend heraus. Er betrachtet den Griff, entblößt die Klinge und lässt sie durch die Luft sirren, beobachtet von den Gästen. Dann nickt er.
„Das ist keine alltägliche Waffe und eine ausgezeichnete Arbeit. Wo hast du sie geklaut?“
„Sie gehört mir.“ Habe ich das nicht vor wenigen Tagen auch schon gesagt? Ist es wirklich erst wenige Tage her?
„Tatsächlich?“
Ich nicke.
Er reicht mir das Schwert. Das ist mutig. Aber aus meinem Verhalten wird er wissen, ob ich die Wahrheit sage. Wenn ich das Schwert nur geklaut habe, kann ich wahrscheinlich nicht gut genug damit umgehen, um ihn zu verletzen. Und wenn es mir wirklich gehört, dann verwende ich es nicht gegen ihn.
Gar nicht so blöd, der Typ.
Ich umfasse den vertrauten Griff und lasse die Klinge einige Figuren in der Luft beschreiben. Wichtig ist mir vor allem, dass er sieht, wie der Griff an meine Hand angepasst ist. Dass das ganze Schwert für mich maßgeschneidert wurde. Und auch, dass ich damit umgehen kann.
„Du sagst die Wahrheit, das Schwert wurde sogar für dich geschmiedet.“
Ich nicke erneut. Er reicht mir die Scheide, ich schiebe die Klinge hinein und lege das Schwert in die Tasche.
„Was genau machst du hier eigentlich?“, fragt er. Dabei sitzt er immer noch genau so da wie zu Beginn der Prügelei. Die Beine übereinander geschlagen, die ausgebreiteten Arme liegen auf der gepolsterten Lehne der Rundbank.
„Ich suche einen Job.“
„Einen Job? Als was?“
Ich zucke die Achseln. „Bodyguard? Deine Jungs sind ja nicht besonders gut darin.“
Ich merke, dass seine Jungs das gar nicht gut finden. Auch die Miene des Mannes neben ihm verdüstert sich. Der Schlanke winkt grinsend ab.
„Okay, du kämpfst ziemlich gut. Und dass du nach dem Taser sofort wieder aufstehen konntest, das ist beeindruckend. Wie heißt du?“
„Fiona. Und du?“
„Ich bin Loiker Maruka, der finstere Kerl neben mir heißt Karui Masaka, seine Freundin Carli. Mein Großvater ist der Chef des Sicherheitsdienstes von Lomas.“
Ups. Und seine Leute habe ich gerade ein wenig … gedemütigt. Eigentlich sollte ich lernen, meine Klappe zu halten. Aber das wäre dann langweilig.
„Ich nehme an, ihr habt dann immer mal offene Stellen“, bemerke ich betont leichthin.
„Ja, haben wir. Aber keine, die zu deinen Fähigkeiten passt. Ich möchte, dass du mich begleitest.“
„Wohin?“, frage ich misstrauisch. In diesem Moment interessiert mich der Job mehr als er selbst, denn er könnte die Möglichkeit bieten, unauffällig diese Welt kennenzulernen und sogar nach Katharina zu suchen. Eine Nacht mit ihm hingegen ist eben nur eine Nacht.
„Das wirst du dann sehen. Oder hast du Angst?“
Ich überlege blitzschnell. Wenn ich ihn jetzt zurückweise, habe ich möglicherweise gar nichts, wenn ich mitgehe, im allerbesten Fall die Nacht mit ihm und den Job. Zumindest aber die Nacht mit ihm und einen wertvollen Kontakt. Im Grunde kann ich nur gewinnen, wenn ich zustimme.
„Ich habe vor niemandem Angst“, erwidere ich trotzig. Anscheinend mag er dieses Verhalten. Soll er haben.
„Gut. Karui, du kannst bezahlen. Deine Leute können hier bleiben und sich amüsieren. Im Moment brauche ich sie nicht.“
Der Dunkelblonde nickt, wirft mir einen wütenden Blick zu und geht zur Bar. Loiker erhebt sich. Er ist etwa so groß wie Askan war, nur deutlich schlanker. Seine Bewegungen verraten, dass er Sport treibt. Eigentlich sieht er ganz gut aus, auch wenn er ein wenig zu jung für mich ist. Wie alt mag er sein? Ich schätze den Altersunterschied auf zehn Jahre. Das ist nicht wirklich viel, aber zwischen dem Entwicklungsstand eines Zwanzigjährigen und einer Dreißigjährigen liegen normalerweise Welten. Von meinen ganz persönlichen Erfahrungen ganz zu schweigen.
Ich folge ihm und werfe dabei einen nachdenklichen Blick auf seine Leute. Sie wirken nicht wirklich begeistert. Wir werden eher keine Freunde.
Scheiß drauf.
Draußen warten wir auf Karui. Carli ist mit uns gekommen. Die Schwarzhaarige verrät nicht, was sie von der Sache hält. Sie bietet mir Zigaretten aus einem silberfarbenen Etui an.
Mir stockt der Atem. Während der ganzen Zeit im Mittelalter habe ich nicht geraucht, also geschätzt seit fast fünf Jahren. Mehr oder weniger. Zum ersten Mal sehe ich in diesem Universum überhaupt eine Zigarette.
„Rauchst du nicht?“, erkundigt sich Carli.
„Doch“, erwidere ich und nehme mir eine. Sie gibt mir Feuer.
Ich atme den Rauch tief ein. Loiker beobachtet mich amüsiert. Er scheint Nichtraucher zu sein, macht aber nicht den Eindruck, als würde es ihn stören, wenn in seiner Gegenwart geraucht wird.
Endlich kommt auch Karui und wir begeben uns zu den Bomos. Da bin ich ja mal gespannt, was das wird.

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Leseprobe: Fiona – Spinnen (Band 8)

Fiona – Spinnen

„Ich sollte dich zur nächsten TESZ bringen“, sagt er.
„Zur was?“
„Körperwartungsstation. TESZ.“
Ich überlege kurz. Wahrscheinlich meint er ein Krankenhaus. Aber die Bezeichnung ist schon krass. Körperwartungsstation. Heißt das wirklich so oder nennt er es nur so, weil er einen Berufsschaden hat? Ich beschließe, dass es im Moment keine Rolle spielt und dass ich das ganz sicher nicht will.
„Nicht nötig“, antworte ich knapp.
„Wie du willst.“ Er betrachtet mich. Sein Bett ist nicht besonders breit, daher liegt er auf der Seite, den Kopf in die Hand gestützt. Auf meinem Gesicht verweilt sein Blick nur kurz, dann wechselt er ziemlich schnell zu meinen Brüsten, die er vorhin noch zerquetschen wollte, als er kam. Ich bin ja die unterschiedlichsten Männer gewohnt, von ganz früher noch, als ich fast jede Nacht, mindestens aber an den Wochenenden, unterwegs war und recht wahllos die Männer nahm, wie sie kommen wollten. Daher kenne ich die Männer, die einer Frau ganz wild die Brüste kneten, wenn sie auf ihm sitzt. Auch der eine Idiot im Bordell von Emily war ja nicht anders gewesen. Aber Omar ist eigentlich kein typischer Brustzerquetscher. Andererseits ist hier möglicherweise alles anders typisch, als ich es kenne. Ist ja schließlich ein anderes Universum.
Ich ziehe das rechte, ihm abgewandte Bein an, dann lasse ich das Knie nach außen fallen. Dadurch hängt es in der Luft, aber Omar hat einen guten Blick auf meine Schamhaare. Und er wird der Versuchung nicht widerstehen können.
So ist es auch. Seine linke Hand liegt plötzlich, sozusagen angriffsbereit, auf meinem Bauch.
„Du hast einen sehr muskulösen Bauch“, bemerkt er.
Ich sage nichts, lege nur meine rechte Hand auf meinen rechten Oberschenkel. Die andere ist irgendwo unter ihm begraben. Seine linke Hand bewegt sich nun nach unten, durch die blonden Schamhaare und noch weiter. Mit der für viele Männer typischen Zielstrebigkeit schiebt sich sein Mittelfinger zwischen meine Lippen, verharrt nur kurz, sehr kurz, bei der Klitoris und dringt dann in mich ein.
„Bist du immer noch erregt oder schon wieder?“, erkundigt er sich grinsend.
Eigentlich weder noch, mein Körper reagiert einfach nur. Wofür ich ihm in dieser Situation ausgesprochen dankbar bin.
„Komm, leg dich auf mich“, erwidere ich.
Er gehorcht, ist dabei erstaunlich ungeschickt. Ich greife nach seinem Schwanz und führe ihn ein. Hoffentlich sind nicht alle Männer in dieser Welt so unbeholfen. Wobei, eigentlich interessieren sie mich alle nicht.
Ich will Katharina!
Ich lenke mich mit dem Gedanken an sie ab, während Omar rammelt. Anders kann man das nicht nennen, was er vollführt. Irgendwann reicht es mir und ich packe seinen Hintern, um ihm zu zeigen, wie er sich bewegen soll. Danach wird es besser.
Trotzdem bin ich froh, als er endlich kommt und sich danach von mir abrollt. Jetzt liegt mein linker Arm unter seinem Kopf. Ich befreie ihn und gehe ins Bad. Die Tür lässt sich nicht abschließen. Egal. Tiefer kann ich sowieso nicht mehr sinken.
Nach dem Pullern wische ich mich ab und blicke hoch, als ich seine Bewegung wahrnehme.
Er steht in der Tür und sieht mich an.
„Hör zu, der Chef hat sich gemeldet. Ich muss zur Schicht. Du warst gar nicht von ihm.“
Ich nicke nur.
„Meinetwegen kannst du bleiben, während ich arbeiten bin. Aber danach musst du gehen. Wenn du willst, fahre ich dich zur TESZ, aber das war es.“
„Okay.“
„Ich bin mir nicht sicher, wer oder was du bist. Vielleicht doch eine Demonstrantin. Ist mir auch egal. Den Sex fand ich gut.“
Ich nicht, aber das sage ich ihm lieber nicht. Außerdem sind meine Ansprüche inzwischen sehr hoch. Vor allem, seitdem ich durch Katharina und Sarah weiß, wie sich ein Orgasmus anfühlen kann. Aber auch Askan, obwohl ein Mann, hat es geschafft, mich aus meinem Körper zu katapultieren.
Das alles sage ich Omar natürlich nicht. Ich frage mich nur, was eine Demonstrantin tun soll. Also, eine einzige, ganz allein. Im Wartungstunnel. So richtig viel Sinn macht das nicht, finde ich.
„Ich weiß auch nicht, wer oder was ich bin. Habt ihr nicht irgendwelche Computer oder so was? Internet? Irgendetwas, wo ich mich informieren kann, was es gibt? Vielleicht fällt mir dann wieder etwas ein.“
Oh Fiona, das ist sehr plump. Sehr, sehr plump. Andererseits glaubt er mir sowieso nichts mehr, das sehe ich ihm an. Dennoch zeigt er mir den E-TERM. Das ist tatsächlich etwas Ähnliches wie ein Computer. Im Wesentlichen ein Touchscreen mit einem Betriebssystem, mit dem verglichen Windows 3.1 ausgesprochen fortschrittlich war.
Aber wenigstens etwas.
Er zieht sich an, während ich am E-TERM sitze und mich mit der Bedienung vertraut mache. Danach kommt er zu mir, gibt mir einen Kuss, der in seiner Unbeholfenheit fast schon rührend ist, berührt dabei natürlich meine linke Brust und sagt: „Ich gehe dann. Wo es was zu essen gibt, weißt du ja.“
Das weiß ich, weil er mir den Kühlschrank, der auch warm machen kann, gezeigt hat. Ich nicke also und sehe ihm zu, wie er seine ID nimmt und dann die kleine Wohnung verlässt.
Dann atme ich tief durch. Nichts für ungut, Omar, aber mich findest du hier nicht mehr, wenn du zurückkommst.

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Leseprobe: Fiona – Beginn

Fiona – Beginn

Zwei mit Maschinenpistolen bewaffnete Jungs eskortieren den Terminator. Er kommt auf mich zu, drückt mich, am Hals gepackt, gegen die Wand. Seine freie Hand umschließt meine Brust und drückt fest zu. Ein Zucken der Augenlider ist die einzige Reaktion, die ich mir leiste.
„Du bist nicht so verweichlicht wie andere Mädchen in deinem Alter“, sagt der Terminator. „Das gefällt mir. Ich glaube, wir werden viel Spaß miteinander haben.“
„Das kann ich dir versprechen“, erwidere ich zähneknirschend.
„Nicht so voreilig!“ Er rammt mir sein Knie in den Unterleib. Während ich mich nach Luft schnappend krümme, verbindet er mir die Augen mit einem schwarzen Tuch. „Zur Sicherheit. Blinde Löwinnen sind weniger gefährlich. Außerdem hat deine Mutter noch einige Finger, die wir ihr abschneiden könnten.“
„Mach nur weiter so“, erwidere ich keuchend, „irgendwann werde ich dir dann in die Fresse kotzen!“
Er packt meine Haare und reißt meinen Kopf hoch. „Wenn du das tust, frisst du Scheiße. Echte Scheiße.“
„Aber bitte mit Knoblauch … aua!“
„Fiona!“, schreit meine Mutter. „Hör bitte auf damit, ihn zu reizen!“
„Genau, Fiona, hör auf deine Mutter. Obwohl ich zugeben muss, dass es mir riesig viel Spaß macht, diese Sachen mit dir zu machen.“
„Fein“, erwidere ich, die Bitte meiner Mutter ignorierend. „Es wird auch mir Spaß machen, jede Lektion mit dir durchzuexerzieren.“
„Du hältst wohl nie das Maul? Soll ich dir die Zunge rausreißen?“
„Und dich damit des Vergnügens berauben, mit mir feuchte Zungenküsse auszutauschen? Mach dich doch nicht lächerlich!“
„Ach ja? Glaubst du ernsthaft, ich riskiere es, dass du mir die Zunge abbeißt, Hexe?“
„Der Trick war wohl nicht besonders gut, nicht wahr? Schade eigentlich …“
„Ja, schade eigentlich. Gehen wir!“
Eine kräftige Hand packt meinen Oberarm und führt mich. Unsere Schritte klingen hohl auf dem Korridor. Dann geht es eine Treppe rauf. Ich rieche, dass die Luft frischer wird. Ein leichter Windstoß berührt meine Haut. Weitere Männer stoßen dazu. Dass es Männer sind, erkenne ich an ihrem Geruch und an ihren harten Schritten. Hinter mir gehen meine Eltern. Ich rieche ihre Angst. Höre sie stoßweise atmen. Dann kommen wir ins Freie. Wir steigen in einen Van, trotzdem stoße ich mir den Kopf und lasse mich fluchend auf den Sitz sinken. Im Hintergrund lacht jemand.
Die Fahrt dauert etwa eine Viertelstunde. Jemand tritt an das Auto heran.
„Fahren Sie hinter dem weißen Wagen her, er führt Sie zum richtigen Flugzeug“, sagt eine männliche Stimme.
„In Ordnung. Keine Dummheiten, sonst sind die Geiseln tot!“ Wie zur Bekräftigung spüre ich plötzlich die kalte Mündung einer Waffe am Hals.
„Schon gut“, sagt beschwichtigend der fremde Mann, vermutlich ein Polizist. „Wir werden nichts unternehmen, wenn ihr vernünftig seid.“
„Ihr seid nicht in der Position, Forderungen zu stellen!“, erwidert Brodwich.
„Doch. Wenn ihr den Geiseln was antut, verliert ihr euer Schutzschild, und dann gnade euch Gott. Also spielt lieber nicht mit dem Feuer.“
„Vielen Dank für den guten Rat“, sagt Brodwich sarkastisch. „Und jetzt trete zur Seite!“
Der Van setzt sich wieder in Bewegung, nur der Fahrbahnbelag ändert sich. Offensichtlich sind wir auf dem Rollfeld des internationalen Flughafens, auf dem Weg zum Fluchtflugzeug. Die Bestätigung dafür erhalte ich beim Aussteigen. Die Motoren des Flugzeugs laufen bereits. Ich stolpere die Treppe rauf, und erst drinnen bekomme ich die Augenbinde abgenommen.
Es herrscht die typische Düsternis in Großraumflugzeugen. Zwei Gänge, in der Mitte drei Sitzplätze, an den Fenstern zwei. Außer uns keine weiteren Fluggäste, was nicht weiter erstaunlich ist. Aber auch keine Flugbegleiterinnen. Nur zwei Piloten, die bereits im Cockpit sitzen.
„Die Alten setzen sich hin und schnallen sich an!“, befiehlt Brodwich. „Dann fesselt sie aneinander. Rechte Hand an rechte Hand und so weiter.“
Während die Anweisung ausgeführt wird, schaue ich mich weiter um. Es gibt nichts Ungewöhnliches zu sehen, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass eine Regierung wie die von Newope Kidnapper wie diese einfach ziehen lässt. Außerdem spüre ich es einfach, dass da noch was kommen muss.
„Die Piloten sagen, dass die Maschine in einer Viertelstunde bereit sein wird“, meldet einer der Kerle.
Zusammen mit Brodwich besteht die Bande der Kidnapper aus acht Männern, die alle in schwarz gekleidet und mit Pistolen bewaffnet sind. Einige mustern mich mit unverhohlener Begierde, die auch Brodwich nicht entgeht. Er grinst, doch da ist keine Freude, keine Fröhlichkeit in seinen Augen. Er kommt näher, bis unsere Gesichter sich beinahe berühren.
„Dann haben wir ja noch etwas Zeit, nicht wahr? Die sollten wir auch nutzen. Okay, drei Leute schieben Wache, die anderen können mit ihr machen, was sie wollen. Außer umbringen, natürlich.“
Es ist ein Gefühl, als wäre plötzlich gähnende Leere im Kopf. Gleichzeitig geht ein unterirdisches, kaum spürbares Rumoren vom Magen aus. Die Beine werden weich, Hitzewellen steigen hoch, bedingt durch den plötzlichen Adrenalinanstieg im Blut. Nur dumpf höre ich das Grölen der Männer, die mich in der Nähe meiner Eltern zu Boden reißen. Da meine Hände gefesselt sind, wird das Hemd einfach zerrissen. Die anderen Kerle sind damit beschäftigt, mir Schuhe, Jeans und Schlüpfer auszuziehen. Dann erinnern sie sich wieder daran, dass ich meine Tage habe. Ein Hindernis ist das für sie nicht. Einer von ihnen reißt brutal den Tampon raus und hält ihn erstaunt hoch.
„Das Ding hat ja eine unglaubliche Saugkraft!“, stellt er fest.
„Zeig mal her!“ Der Terminator untersucht den Tampon, nicht ohne vorher daran zu riechen. „Hm … ich freue mich schon auf deine Muschi, Mädchen. Aber erst mal dieses Ding hier … ich würde sagen, das ist so was wie ein Funksender in Miniatur. Das habt ihr ja richtig schlau eingefädelt! Aber jetzt ist es Geschichte.“ Er lässt den Sender fallen und zermatscht ihn mit dem Absatz. „Aber der Trick war wirklich gut. Erst serviert ihr uns eine Kamera, die wir finden sollen, und den wirklich kritischen Teil versteckt ihr einfach in deinem Körper. Klasse. Aber es wird dir gar nichts helfen. Zur Belohnung werde ich der erste sein, der dich fickt. Wie gefällt dir das?“
„Ist dein Schwanz denn groß genug, dass ich ihn spüren werde?“
„Ich denke schon.“ Er packt ihn aus, und ich muss unwillkürlich schlucken.