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Leseprobe: Spiel der Tränen

♂ ER 03. Mai 2012, 09:00 Uhr

Schnell hatte er genug von Maren. Wie bei jeder seiner bisherigen Freundinnen dauerte es nur eine gewisse Zeit, in der er sich in einer Beziehung wohlfühlte. Und Maren wollte er eigentlich nicht mehr sehen, sie nervte ihn nur noch und er war wieder einmal in einer Phase, in der er einfach keine Frau ertragen konnte, die keine Achtung besaß vor sich selbst, sich quasi für sein Geld verkaufte, für Sex, die billig aussah und für jeden gern zu haben war. Er missachtete diese Frauen. Er verachtete sie zutiefst. Und es stellte sich heraus, dass auch Maren so eine war. Er hatte sie wohl falsch eingeschätzt, er hatte es sich anders vorgestellt. Aber er sah sich gezwungen, dieses Spiel nun weiterzuspielen, das er fast schon wieder vergessen hatte.
„Es tauchen plötzlich Bilder in meinem Kopf auf.“ „Was für Bilder?“ entgegnete er teilnahmslos. „Bilder von einem großen, starken Mann mit kurzen, dunklen Haaren. Er hält mich an der Hand und zerrt mich. Mir wird schwummerig, als hätte jemand etwas in mein Glas getan…“ Auf einmal wurde er hellhörig. „Was sagst du? Wie kommst du darauf?“ „Nun, so sehen eben die Bilder aus, die mir immer durch den Kopf irren. Was glaubst du, sind es bloß Träume?“ „Das sind sie sicher. Oft träumst man nur Verrücktes…“, grinste er verhalten und hoffte, das Thema schnell wechseln zu können. „Aber das glaube ich nicht“, sagte sie. „Vielleicht ist mir tatsächlich etwas Furchtbares geschehen an diesem Abend, weswegen ich mich auch an nichts mehr erinnern konnte. Ein Mann könnte mich angesprochen und mich betäubt haben.“ Als er sie ansah, konnte er sehen, wie weit ihre Augen plötzlich geöffnet waren, wie im Wahn nahezu. „Ein Mann könnte mich vergewaltigt haben.“ Er erschrak über ihre Worte. „Das ist doch absurd. Wie kommst du denn darauf?“
„Es gibt Zeugen, die das bestätigen können“, lautete ihre Antwort und er dachte, er würde jeden Moment ohnmächtig werden. Nun konnte sie sich tatsächlich erinnern, was sollte er nun machen? Wie würden sie nun vorgehen? Wie könnte er sie davon abhalten, zur Polizei zu gehen?