Veröffentlicht am

Leseprobe: Fiona – Spinnen (Band 8) (1)

„Verfluchte Scheiße!“
Ich starre entgeistert nach unten. Und nach oben. Eigentlich egal, wohin ich blicke, ich sehe entweder schwarze Dunkelheit oder ein riesiges Spinnennetz. Letzteres befindet sich unter mir und damit unter dem, worauf ich stehe. Was es genau ist, weiß ich noch nicht, aber es könnte sich um einen gigantischen Bahnhof handeln. Und gigantisch bedeutet hier wirklich gigantisch. Unzählige Schienen führen in ihn hinein. Wie viele genau, das weiß ich nicht, ich höre bei etwa dreihundert auf zu zählen.
„Verfluchte Scheiße“, wiederhole ich. „Aus dem Mittelalter in eine Modelleisenbahn! Na toll!“
Ich betrachte das Spinnennetz, das sich unter den Schienen so weit erstreckt, wie ich überhaupt sehen kann. Sehr weit ist es nicht, bald schon verliert sich alles in Dunkelheit. Und das, obwohl ich in der Dunkelheit eigentlich sehen kann.
Die Schienen sind faszinierend. Ehe sie das … Gebäude, in dem ich mich befinde, erreichen, hängen sie völlig freischwebend über dem Spinnennetz. Nirgendwo ist irgendeine Art Aufhängung zu erkennen. Fahren darauf tatsächlich Züge? Und was für welche? Jedenfalls andere als die, die ich aus meinem Universum kenne, denn den Schienen nach zu urteilen sind die Züge hier mindestens doppelt so breit, wie sie auf der Erde waren. Mindestens.
„Ihr Arschlöcher!“, schreie ich in die Dunkelheit hinaus. „Ihr verdammten Arschlöcher! Das macht euch wohl Spaß?!“
Keine Ahnung, ob sie mich hören, die Götter, die es anscheinend lustig finden, mich an meine Grenzen zu treiben. Aber ein bisschen fühle ich mich nach diesem Ausbruch besser. Allerdings wirklich nur ein bisschen, und auch das ist wieder weg, als mir plötzlich Kian einfällt. Und Askan. Und Katharina. Und James. Und Sandra.
Verdammt.

Veröffentlicht am

Fiona – Beginn 2.0 (3)

Ich starre auf die Leute, ohne sie zu sehen. Es ist heiß und ich bin viel zu dick angezogen. Aber eigentlich ist mir das egal. Ich muss immerzu an Savas ausdrucksloses Gesicht denken, wie er da liegt in seinem Bett und ins Nichts starrt.
Ich lasse den Blick sinken und betrachte die Tasse mit Cappuccino. Durch die Sonnenbrille sieht der Schaum grünlich aus, aber natürlich ist der Cappuccino gut wie immer. Ich überlege, ob ich die Sonnenbrille absetzen sollte. Aber dann sehen die Leute meine verweinten Augen, und das will ich nicht.
Norman ist tot. Auch wenn das, was da in der Pathologie lag, kaum noch als Norman zu erkennen gewesen ist. Alles, was von einem Menschen übrig bleibt, ein Klumpen Fleisch und Knochen. Zumindest wenn ein Geländewagen über ihn mehr als einmal hergefahren ist. Mir fallen die totgefahrenen Katzen ein, die man manchmal auf der Straße sieht.
Die sehen genauso aus. Logisch. Ich weiß es ja. Muskeln, Knochen, Sehnen. Blut. Bei ausreichendem Druck platzt die Haut auf und alles schießt nach draußen. Zum Beispiel das Gehirn, wenn dir ein Zweitonner über den Kopf fährt.
Verdammte Scheiße, warum habe ich nicht verhindert, dass meine Mutter ins Krankenhaus fährt?
Ich nehme den Zucker, reiße das Papier an der vorgesehen Stelle auf und schütte alles in den Cappuccino. Dann beobachte ich, wie der Zucker langsam im Schaum versinkt. Schließlich nehme ich den Löffel und beginne zu rühren.
„Haben Sie keine Angst, dass die Tasse irgendwann durchgescheuert ist?“
„Was?“
Ich starre den Mann an, der mich vom Nebentisch aus angesprochen hat. Anfangsvierziger, mit dunkelblonden Haaren und braunen Augen. T-Shirt, Jeans, Sportschuhe. Freundliches Gesicht. Hat alles nichts zu bedeuten, ich habe Dreißigjährige mit Babyface erlebt, die auf Fesselspiele standen.
Was will er von mir?
Er deutet auf die Tasse. „Sie rühren den Cappuccino seit etwa zehn Minuten. Der Zucker dürfte schon längst aufgespalten sein in seine atomaren Bestandteile.“
„Die da wären?“
„Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff“, erwidert er schmunzelnd. „Im Wesentlichen.“
„Kommt mir bekannt vor.“ Ich nehme den Löffel heraus und lecke ihn ab. „Tut mir leid, ich war in Gedanken.“
„Offensichtlich. Müssen traurige Gedanken gewesen sein.“
„Wieso?“
„Ein paar Tränen haben sich unter der Sonnenbrille hervorgewagt.“
Ich fasse an mein Gesicht. Meine Fingerspitzen werden feucht.
Scheiße. Hatte ich einen Aussetzer? Zum ersten Mal in meinem Leben?
Na ja, der Anlass wäre ja gegeben.
„Sorry.“
„Kein Problem. Von mir aus dürfen Sie weinen. Oder Sie erzählen mir, was Sie so traurig macht.“
Ich denke nach. Irgendwie erinnert er mich an Phil, und das kotzt mich an. Das Letzte, was ich jetzt brauche, ist eine Affäre. Mit wem auch immer. Schon mal keine wie damals mit Phil.
Scheiße. Mein neues Lieblingswort.
„Mein Bruder ist heute gestorben“, sage ich achselzuckend.
Er starrt mich entgeistert an.
„Ich sollte wohl am Boden zerstört sein?“
„Jeder Mensch trauert anders. Bei Ihnen habe ich das Gefühl, Sie haben es noch gar nicht richtig begriffen. Hat man Sie angerufen?“
Ich verneine kopfschüttelnd und nippe an meinem Cappuccino.
„Ich war vorhin mit meinen Eltern in der Pathologie, weil meine Mutter ihn unbedingt sehen wollte. Er wurde von einem Geländewagen überfahren. Und vorhin habe ich seinen Freund besucht, der Zeuge gewesen ist. Und wenn ich eine Maschinenpistole hätte, würde ich alle auf der Straße erschießen.“ Ich sehe ihn an. „Habe ich Sie geschockt?“
„Ein wenig. Aber ich komme damit klar. Allerdings weiß ich nicht, was ich mit Ihnen machen soll.“
„Keine Sorge, ich habe keine Maschinenpistole.“
Er schmunzelt. „Das ist auch nicht das, was mir Sorgen macht.“
„Ich werde mich auch nicht umbringen. Ich muss nur irgendwie diesen beschissenen Tag überstehen.“
„Ich fürchte, ein Tag wird da nicht ausreichen.“
„Wahrscheinlich nicht.“ Ich trinke den Rest von meinem Cappuccino und beginne, den Schaum auszulöffeln. „Hören Sie, es tut mir leid. Wäre nicht das mit meinem Bruder, würde ich mich sogar zu Ihnen setzen und wir könnten was unternehmen. Aber mir ist nicht danach.“
Er zieht beide Augenbrauen hoch. „Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, als hätte ich Sie angesprochen, um …“
„Ist mir schon klar. Weinende Blondinen mit Sonnenbrille, die sich mit Cappuccino totrühren, üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf jeden normalen Mann aus.“
„Aha. Das wusste ich noch gar nicht. Aber wo wir schon dabei sind: Sie kommen mir bekannt vor.“
„Sie mir nicht.“
„Autsch.“
Ich atme tief durch, dann nehme ich die Sonnenbrille ab.
„Sorry. Ehrlich. Ich werde so oft angemacht, dass ich manchmal reflexartig reagiere.“
„Das kann ich mir vorstellen. Verraten Sie mir, woher ich Sie kenne?“
„Aus der Klatschpresse? Ich habe früher gelegentlich halbnackt auf Tischen getanzt, bei Empfängen.“
„Ach ja. Fiona Carter?“
Ich nicke.
„Es tut mir leid mit Ihrem Bruder. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir versprechen, dass Sie wirklich keine Maschinenpistole haben und auch nicht vorhaben, sich selbst etwas anzutun. Ich bin Polizist und müsste sonst etwas unternehmen.“
Ich schließe kurz die Augen. Scheiße. Noch eine Ähnlichkeit mit Phil.
„Ich verspreche es.“
Er starrt mich an, dann nickt er.
„In Ordnung. Meine Frau und die Kinder warten in irgendeinem Spielzeugladen in der Nähe auf mich. Fast würde ich lieber hierbleiben. Aber das käme wohl nicht so gut.“
Ich muss unwillkürlich lachen. Er winkt mir zu, nachdem er Geld auf den Tisch gelegt hat, und schlendert davon.
Ich bleibe noch ein paar Minuten sitzen, dann bezahle ich auch und fahre nach Hause.

Veröffentlicht am

Geschichten einer Kriegerin – Magie der Angst (2)

Graue Augen, riesengroße Brille mit braunem Rand. Furchtbar hässlicher, aber äußerst angenehm warmer Rollkragenpullover, schulterlange, mittelgescheitelte, braune Haare.
Furchtbar. Vor allem, weil es mich an meine kurze Karriere als Prostituierte erinnert. Außerdem sieht die da im Spiegel irgendwie so brav aus. Viel zu brav. Okay, im Babydoll nicht mehr ganz so brav. Trotzdem.
Seufzend verlasse ich die Zugtoilette und kehre an meinen Platz zurück. Laut Fahrplan und wohl auch tatsächlich noch etwa eine Viertelstunde. Ich bin echt gespannt, was mich in Males erwartet.
Ein hübscher, kleiner Ort, laut den wenigen Prospekten, die ich gefunden habe. Im Internet steht, dass er 7.342 Einwohner hat, aber ich glaube, der aktuelle Schwund wurde da noch nicht berücksichtigt, also 7.340. Obwohl, es könnten ja auch andere gestorben sein, und vielleicht gibt es zudem Neuzugänge?
Scheißegal.
Als der Zug mit quietschenden Bremsen in den niedlich kleinen Bahnhof einfährt, stehe ich bereits mit meinem Gepäck an der Tür. Dienstag, drei Uhr nachmittags und wer steigt aus dem Zug?
Ich.
Sonst niemand.
Na toll.
Und wer erwartet mich?
John Wayne. Dunkelblaues Holzfällerhemd, schwarze Jeans, Stiefel, Revolver an der Hüfte, daneben die Polizeimarke und ein wettergegerbtes Gesicht.
Ach du heilige Scheiße.
Und wieso trägt er nicht wenigstens einen Pullover bei dieser Kälte? Ich friere, obwohl ich auch noch eine Jeansjacke über den Pulli gezogen habe.
Hilfe! Das ist ja ein Mann! Stünde er mit dem Rücken zu mir neben James an einer Theke, ich könnte die beiden kaum unterscheiden!
Seit wann bis du so voller Vorurteile, Schätzchen?
Halt die Klappe, Loisfiona. Ich muss mich konzentrieren.
John Wayne kommt grinsend auf mich zu und hält mir die Hand hin.
„Sie sind Lois Nale, nicht wahr? Ich bin Captain Daniel Morgin, der Chef der örtlichen Polizei.“
Nur Captain? Ich kann es mir gerade noch verkneifen, die Frage laut zu stellen.
„Hallo, Captain Morgin“, hauche ich stattdessen, ganz im Sinne der Rolle. Zumindest der Rolle, wie sie mal der schüchternen Prostituierten-Rookie Lois entsprach. „Ja, ich bin Lois Nale.“
Er mustert mich. „Niemand außer mir weiß, dass Sie Fiona Flame sind. Aber ich frage mich schon, wieso die vom Verein ausgerechnet Sie hierher schicken.“
„Weil die wissen, dass Fiona Flame auch mit dreiarmigen, Visz-Dolch schwingenden Mörderbabys fertig wird“, erwidere ich lächelnd.
„Ist das so?“
„Keine Ahnung, Captain. Hatte noch nie mit einem zu tun. Aber ich denke schon. Okay, die Lois Nale ist eine eher schüchterne Studentin, die sich mit PSI-Geschichten beschäftigt und sich da gut auskennt. Sie ist normalerweise nicht so die große Heldin, aber wenn es sein muss … Ich hoffe jedenfalls, dass ich das Geschöpf erwischen kann, ohne dass Fotografen in der Nähe sind.“
„Aha. Dann darf ich bestimmt Ihre Tasche nehmen?“
„Ja, gerne. Vielen Dank.“ Ich bin wieder in meiner Rolle, was sich seltsamerweise auch auf meine Stimme auswirkt. Ich mache das nicht einmal absichtlich. Als Lois bin ich schüchtern und zurückhaltend. Erstaunlich, wie gut das gelingt. Ob das mein wahres Ich ist?
Du bist dämlich, sagt mein wahres Ich.
John Wayne alias Captain Morgin fährt natürlich einen Landrover. Alles andere hätte mich auch sehr gewundert. Bequem geht anders, aber in dieser Gegend bestimmt zweckmäßig. Zwar ist die Stadt überwiegend eben gebaut, doch sie liegt am Fuß eines Berges, und wenn man nicht durch den Eisenbahntunnel fährt, was mit dem Auto eine schlechte Idee wäre, dann sind Strecken zu bewältigen, für die ein Landrover nicht die schlechteste Wahl ist.
Jetzt jedoch verlassen wir die Stadt nicht.
Wir fahren aufs Revier. Es ist logischerweise sehr viel kleiner als das Präsidium von Skyline, etwa im selben Verhältnis wie die Einwohnerzahlen. Okay, vielleicht nicht ganz, dann müsste das Gebäude die Größe einer Zigarettenschachtel haben. Viel größer ist es zwar nicht, aber ein bisschen schon.
Der Captain stellt mich drei Polizisten vor, deren Namen ich mir auf die Schnelle nicht merken kann, dann begleitet er mich in sein Büro, schließt die Tür und deutet auf seinen Schreibtisch.
„Da liegt die Akte. Viel steht ja noch nicht drin.“
Der geht aber ran. Wow!
Ich setze mich an den Schreibtisch und schlage die Akte auf. Viel ist echt nicht drin. Ein Bericht mit Fotos zum Tatort, außerdem das Ergebnis der Obduktion.
„Ich nehme an, an so einem Ort gibt es nicht viel für einen Leichenbeschauer zu tun“, bemerke ich als Fiona.
„Wieso?“
„Äh … Entschuldigung. Ich wollte nicht unhöflich sein oder etwas andeuten. Ich meine nur, das ging ziemlich schnell, die Obduktion, oder meinen Sie nicht?“
Er starrt mich verwirrt an. Ich beschließe, ihn möglichst nicht mit Persönlichkeitswechseln zu irritieren und in meiner Rolle zu bleiben.
„Es … es ist nicht wichtig, Captain Morgin. Es tut mir leid.“
„Okay.“ Verdammt, in wie vielen Personen ist der Vorgänger von James´ Seele reinkarniert?
Ich betrachte die Bilder vom Tatort, um mich abzulenken. Wie es aussieht, hat der Täter die beiden im Wohnzimmer beim Fernsehen überrascht. Die Opfer haben keine Chance gehabt. Sie wurden regelrecht zerstückelt. Nicht gerade appetitlich, außer man liebt Menschenfleisch. Dann schon.
Ich rücke meine Brille zurecht. „Das sieht aus, als hätte jemand die beiden Menschen sehr gehasst.“
„Ja, das sieht so aus.“ Gütiger Drol, lass ihn schweigen oder richtig reden!
„Und … und Zeugen haben jemanden mit drei Armen in der Nähe gesehen?“
„Ja.“ Ich schreie gleich!
„Gibt … gibt es eine Beschreibung?“ Ich glaube, das Stottern ist eine ganz gute Therapie gegen den Schreizwang, der in mir um Freiheit kämpft.
„Keine einheitliche. Bis auf den dritten Arm.“
„Der wird einheitlich beschrieben?“
„Nur dass es ihn gab.“
„Ach so.“ Ich rücke meine Brille zurecht, obwohl sie perfekt saß. Aber ich will nicht den Captain verprügeln. Er kann wahrscheinlich genau sowenig etwas dafür wie James. „Könnte … könnte ich den Tatort besichtigen, Captain Morgin?“
„Natürlich. Aber da ist der Dreiarmige nicht mehr.“
„Wissen Sie denn, wo er ist?“
„Nein, natürlich nicht.“
Natürlich. Wie konnte ich auch nur denken …
Ich beiße die Zähne zusammen und erhebe mich. Wenn der Captain noch am Leben ist bei meiner Abreise, dann würde meine Selbstbeherrschung auf eine ganz neue Stufe gehoben worden sein. Ich will es ja wirklich sehr hoffen.
Scheiße.
Der Tatort ist bereits gesäubert, insofern uninteressant. Wahrscheinlich war er vorher auch uninteressant. Das sagen zumindest meine übermenschlichen Sinne. Hier gibt es nichts, was mich weiterbringt. Ich spüre allerdings den Hauch von etwas, das mal hier war. Und es war böse. Sofern es das Böse überhaupt gibt. Aber das, was hier war, kam dem schon recht nahe. Da ist etwas unglaublich Dunkles, Beängstigendes. Selbst ich merke das, obwohl ich gegen Angst eigentlich immun bin. Mehr oder weniger.
Hm. Eigenartig. Was ist das nur für ein Wesen? Ich schätze, auf jeden Fall ein Dämon, einer der ungemütlichen Sorte. Hoffentlich kein Krumana-Quatsch, darauf habe ich überhaupt keine Lust.
Danach werde ich in mein Quartier gebracht. Eigentlich ist es nur eine namenlose Pension. Sie wird von einer Liane Cook geführt, wie ich auf dem Schild erkennen kann. Ein großes, dunkles Haus mit einer Dachterrasse. Wow! Der Vorgarten ist sehr sauber und sehr ordentlich. Könnte glatt von meiner Mutter sein.
Liane Cook könnte nicht meine Mutter sein. Liane Cook ist klein und schmächtig, hat graue Haare, die jungenhaft kurz geschnitten sind, und braune Augen. Abgesehen von der Statur erinnert sie mich irgendwie an …
„Liane ist meine Schwester“, sagt der Captain. „Liane, das ist Lois Nale. Sie unterstützt uns.“
„Hallo“, flüstere ich und gebe ihr die Hand. Ihr Händedruck erinnert an einen Lufthauch, nur nicht so kräftig. Die passt gut zu Lois. Und zu ihrem Bruder.
Mann, Mann.
„Hallo, Lois. Darf ich Ihnen die Tasche abnehmen?“
„Die nehme ich“, erwidert der Captain und macht es auch. Er geht voran, ich folge ihm, seine Schwester mir.
Immerhin, das Zimmer ist schön. Ordentliche Möbel, rustikal, aber in sehr gutem Zustand. Alles sauber, es gibt sogar ein Bad nur für mich. Und Fernsehen! Und Telefon! Ein Flyer informiert über die Sender und dass die Erotikkanäle pro Film drei Dollar kosten. Ich stelle mir gerade das Gesicht von Liane vor, falls ich den einen oder anderen Film bezahlen müsste. Wobei, wenn da Filme mit Frauen, die wie Katharina
Die ist fort!
Ja, ja. Arschloch.
Ich hoffe, dass niemand meinen kurzen Anfall mitbekommen hat. Der Gedanke an Katharina war nicht gut. Überhaupt, warum sollten mich Pornos zwischen Frauen noch interessieren? Anne Marie tot, Katharina fort. Dieser Teil meines Lebens ist Geschichte. Ende, aus, vorbei.
Scheiße. Verdammte Scheiße.
Der Captain teilt mir mit, dass er mich in einer Stunde abholt und wir dann zu Abend essen werden.
Nachdem die Tür sich geschlossen hat, setze ich mich auf den Bettrand und atme tief durch.