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Leseprobe: Fiona – Beginn

Fiona – Beginn

Zwei mit Maschinenpistolen bewaffnete Jungs eskortieren den Terminator. Er kommt auf mich zu, drückt mich, am Hals gepackt, gegen die Wand. Seine freie Hand umschließt meine Brust und drückt fest zu. Ein Zucken der Augenlider ist die einzige Reaktion, die ich mir leiste.
„Du bist nicht so verweichlicht wie andere Mädchen in deinem Alter“, sagt der Terminator. „Das gefällt mir. Ich glaube, wir werden viel Spaß miteinander haben.“
„Das kann ich dir versprechen“, erwidere ich zähneknirschend.
„Nicht so voreilig!“ Er rammt mir sein Knie in den Unterleib. Während ich mich nach Luft schnappend krümme, verbindet er mir die Augen mit einem schwarzen Tuch. „Zur Sicherheit. Blinde Löwinnen sind weniger gefährlich. Außerdem hat deine Mutter noch einige Finger, die wir ihr abschneiden könnten.“
„Mach nur weiter so“, erwidere ich keuchend, „irgendwann werde ich dir dann in die Fresse kotzen!“
Er packt meine Haare und reißt meinen Kopf hoch. „Wenn du das tust, frisst du Scheiße. Echte Scheiße.“
„Aber bitte mit Knoblauch … aua!“
„Fiona!“, schreit meine Mutter. „Hör bitte auf damit, ihn zu reizen!“
„Genau, Fiona, hör auf deine Mutter. Obwohl ich zugeben muss, dass es mir riesig viel Spaß macht, diese Sachen mit dir zu machen.“
„Fein“, erwidere ich, die Bitte meiner Mutter ignorierend. „Es wird auch mir Spaß machen, jede Lektion mit dir durchzuexerzieren.“
„Du hältst wohl nie das Maul? Soll ich dir die Zunge rausreißen?“
„Und dich damit des Vergnügens berauben, mit mir feuchte Zungenküsse auszutauschen? Mach dich doch nicht lächerlich!“
„Ach ja? Glaubst du ernsthaft, ich riskiere es, dass du mir die Zunge abbeißt, Hexe?“
„Der Trick war wohl nicht besonders gut, nicht wahr? Schade eigentlich …“
„Ja, schade eigentlich. Gehen wir!“
Eine kräftige Hand packt meinen Oberarm und führt mich. Unsere Schritte klingen hohl auf dem Korridor. Dann geht es eine Treppe rauf. Ich rieche, dass die Luft frischer wird. Ein leichter Windstoß berührt meine Haut. Weitere Männer stoßen dazu. Dass es Männer sind, erkenne ich an ihrem Geruch und an ihren harten Schritten. Hinter mir gehen meine Eltern. Ich rieche ihre Angst. Höre sie stoßweise atmen. Dann kommen wir ins Freie. Wir steigen in einen Van, trotzdem stoße ich mir den Kopf und lasse mich fluchend auf den Sitz sinken. Im Hintergrund lacht jemand.
Die Fahrt dauert etwa eine Viertelstunde. Jemand tritt an das Auto heran.
„Fahren Sie hinter dem weißen Wagen her, er führt Sie zum richtigen Flugzeug“, sagt eine männliche Stimme.
„In Ordnung. Keine Dummheiten, sonst sind die Geiseln tot!“ Wie zur Bekräftigung spüre ich plötzlich die kalte Mündung einer Waffe am Hals.
„Schon gut“, sagt beschwichtigend der fremde Mann, vermutlich ein Polizist. „Wir werden nichts unternehmen, wenn ihr vernünftig seid.“
„Ihr seid nicht in der Position, Forderungen zu stellen!“, erwidert Brodwich.
„Doch. Wenn ihr den Geiseln was antut, verliert ihr euer Schutzschild, und dann gnade euch Gott. Also spielt lieber nicht mit dem Feuer.“
„Vielen Dank für den guten Rat“, sagt Brodwich sarkastisch. „Und jetzt trete zur Seite!“
Der Van setzt sich wieder in Bewegung, nur der Fahrbahnbelag ändert sich. Offensichtlich sind wir auf dem Rollfeld des internationalen Flughafens, auf dem Weg zum Fluchtflugzeug. Die Bestätigung dafür erhalte ich beim Aussteigen. Die Motoren des Flugzeugs laufen bereits. Ich stolpere die Treppe rauf, und erst drinnen bekomme ich die Augenbinde abgenommen.
Es herrscht die typische Düsternis in Großraumflugzeugen. Zwei Gänge, in der Mitte drei Sitzplätze, an den Fenstern zwei. Außer uns keine weiteren Fluggäste, was nicht weiter erstaunlich ist. Aber auch keine Flugbegleiterinnen. Nur zwei Piloten, die bereits im Cockpit sitzen.
„Die Alten setzen sich hin und schnallen sich an!“, befiehlt Brodwich. „Dann fesselt sie aneinander. Rechte Hand an rechte Hand und so weiter.“
Während die Anweisung ausgeführt wird, schaue ich mich weiter um. Es gibt nichts Ungewöhnliches zu sehen, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass eine Regierung wie die von Newope Kidnapper wie diese einfach ziehen lässt. Außerdem spüre ich es einfach, dass da noch was kommen muss.
„Die Piloten sagen, dass die Maschine in einer Viertelstunde bereit sein wird“, meldet einer der Kerle.
Zusammen mit Brodwich besteht die Bande der Kidnapper aus acht Männern, die alle in schwarz gekleidet und mit Pistolen bewaffnet sind. Einige mustern mich mit unverhohlener Begierde, die auch Brodwich nicht entgeht. Er grinst, doch da ist keine Freude, keine Fröhlichkeit in seinen Augen. Er kommt näher, bis unsere Gesichter sich beinahe berühren.
„Dann haben wir ja noch etwas Zeit, nicht wahr? Die sollten wir auch nutzen. Okay, drei Leute schieben Wache, die anderen können mit ihr machen, was sie wollen. Außer umbringen, natürlich.“
Es ist ein Gefühl, als wäre plötzlich gähnende Leere im Kopf. Gleichzeitig geht ein unterirdisches, kaum spürbares Rumoren vom Magen aus. Die Beine werden weich, Hitzewellen steigen hoch, bedingt durch den plötzlichen Adrenalinanstieg im Blut. Nur dumpf höre ich das Grölen der Männer, die mich in der Nähe meiner Eltern zu Boden reißen. Da meine Hände gefesselt sind, wird das Hemd einfach zerrissen. Die anderen Kerle sind damit beschäftigt, mir Schuhe, Jeans und Schlüpfer auszuziehen. Dann erinnern sie sich wieder daran, dass ich meine Tage habe. Ein Hindernis ist das für sie nicht. Einer von ihnen reißt brutal den Tampon raus und hält ihn erstaunt hoch.
„Das Ding hat ja eine unglaubliche Saugkraft!“, stellt er fest.
„Zeig mal her!“ Der Terminator untersucht den Tampon, nicht ohne vorher daran zu riechen. „Hm … ich freue mich schon auf deine Muschi, Mädchen. Aber erst mal dieses Ding hier … ich würde sagen, das ist so was wie ein Funksender in Miniatur. Das habt ihr ja richtig schlau eingefädelt! Aber jetzt ist es Geschichte.“ Er lässt den Sender fallen und zermatscht ihn mit dem Absatz. „Aber der Trick war wirklich gut. Erst serviert ihr uns eine Kamera, die wir finden sollen, und den wirklich kritischen Teil versteckt ihr einfach in deinem Körper. Klasse. Aber es wird dir gar nichts helfen. Zur Belohnung werde ich der erste sein, der dich fickt. Wie gefällt dir das?“
„Ist dein Schwanz denn groß genug, dass ich ihn spüren werde?“
„Ich denke schon.“ Er packt ihn aus, und ich muss unwillkürlich schlucken.

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Leseprobe: Fiona – Gefühle (Band 3)

Fiona – Gefühle (Band 3)

Die Sonne scheint. Ich starre auf das Fenster. Irgendwas ist anders. Dann kommt die Erinnerung wieder. Ich liege quer auf meinem alten Bett in meinem Jugendzimmer, halb bedeckt vom Bademantel. Was fehlt: James und Danny. Alternativ eine Flasche Johnny. Boah, Fiona, das ist Jahre her!
Ich rapple mich schwerfällig auf und gehe zum Kleiderschrank. Dabei lasse ich den Bademantel auf den Boden fallen. Alles, was ich dagelassen habe, ist noch da, sauber und gebügelt. In solchen Momenten finde ich manche Marotte meiner Mutter ganz praktisch. Ich ziehe ein Bigshirt an und wanke dann ins Bad.
Nach dem Pinkeln erschrecke ich mich, bis mir klar wird, dass ich mein Spiegelbild sehe. Das erschreckt mich noch mehr als der bloße Anblick. Das? Bin? Ich? Nach einem Moment der Schockstarre beschließe ich, mich dem Unvermeidbaren zu stellen und gehe nach unten.
Mein Vater sitzt im Wohnzimmer und liest Zeitung. Er mustert mich und sagt dann: „Guten Morgen. Über deinen Streit mit James steht nichts in der Zeitung. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.“
„Was?“ Ich brauche eine Weile, bis ich kapiere, dass er versucht hat, einen Scherz zu machen. „Oh, tut mir leid, ich bin noch nicht ganz da …“
„Ja, den Eindruck habe ich auch. Möchtest du einen Kaffee?“
„Das klingt nach einer guten Idee.“ Stöhnend lasse ich mich in einen der cremefarbenen Sessel fallen. „Wo ist Mama?“
„Ich bin hier!“, antwortet die Angefragte postwendend und bringt mir den angekündigten Kaffee. „Wie geht es dir, Kind?“
Ich denke kurz darüber nach, ihr meinen Namen zu nennen, doch dann winke ich im Geiste ab. „Beschissen.“
„Kind …“
„Was denn? Du hast gefragt. Ich bin ehrlich und offen. Meistens jedenfalls.“
„Ich glaube, du bist immer ehrlich und offen“, erwidert meine Mutter und setzt sich neben meinem Vater auf die Couch. „Möchtest du was essen?“
Ich verneine kopfschüttelnd. „Vielleicht später. Ich … ich dachte erst, das wäre alles ein Albtraum gewesen. Aber irgendwie werde ich nicht wach.“
„Kind, das wird sich alles aufklären. Ganz sicher. Soll ich rübergehen und mit ihm reden?“
„Untersteh dich!“ Ich atme tief durch. „Tut mir leid, ich bin etwas nervös.“
Das Gesicht meiner Mutter spricht Bände, doch sie findet ihre Beherrschung wie gewohnt schnell wieder. „Was genau ist passiert? Ich glaube, ihr habt euch noch nie so gestritten, oder?“
„Das hättest du ja mitbekommen.“ Halt die Klappe, Fiona. Oder sei wenigstens nett. „Oh Mann … entschuldige, ich hatte ein paar harte Tage.“
„Hat das … hat das mit dem Streit zu tun?“
„Irgendwie schon.“ Ich stelle die leere Kaffeetasse ab. „Kann ich was Richtiges haben?“
Mein Vater mustert mich nachdenklich, dann steht er auf und macht mir einen Scotch fertig. Ich halte das Glas mit beiden Händen fest, während ich den ersten Schluck nehme. „Wahrscheinlich erschrecke ich euch ganz schön mit meinem augenblicklichen Zustand.“
„Nun“, erwidert meine Mutter, „für eine 26-Jährige benimmst du dich in der Tat etwas seltsam.“
Das hat sie nett gesagt. „Du meinst, in den letzten 3 Jahren war ich normal?“
„Das habe ich so nicht gesagt.“
„Schon klar. – Also gut, ich erzähle euch, was los ist, auch auf die Gefahr hin, dass ihr mich rausschmeißt.“
„Das wird ganz sicher nicht passieren!“, sagt meine Mutter entrüstet.
„Ich habe in einem Bordell gearbeitet.“
Ihr Mund bleibt offen. Ich schwenke den Blick zu meinem Vater, er sieht nicht weniger entgeistert aus.
„Zweieinhalb Nächte lang.“
„Du … du hast …?“
„Ja, ich war eine Hure. Für zweieinhalb Nächte.“
„Du … hast mit … fremden Männern …?“
„Gefickt, genau.“ Ich atme tief durch. „Erinnert ihr euch an Schneewittchen?“
„Schneewittchen? Ja, ich habe mal den Film von Disney gesehen. Aber was …?“ Sie scheint ernsthafte Probleme zu haben, ganze Sätze zu bilden.
„Ich glaube, deine Tochter meint die Geschichte mit dem Banküberfall, als Kunden und Mitarbeiter grausam niedergemetzelt wurden. Das war im Sommer, oder?“ Mein Vater hat seine Fassung wiedergefunden.
„Ja, genau. Da war es noch schön warm draußen“, bemerke ich sehnsüchtig. „Nun ja, Schneewittchen war oder ist eine Art … äh, kein Dämon, aber auch nicht wirklich Mensch. Deswegen durfte ich mich mit ihr beschäftigen. Ich will nicht alles erzählen, weil das ist eine lange Geschichte. Jedenfalls, nachdem viel Blut geflossen war, haben wir gedacht, sie wäre tot, bei einer Explosion in Sky Village gestorben. Bis ich sie vor ein paar Tagen wiedersah. Sie hatte ihr Gedächtnis verloren.“ Ich erzähle in groben Zügen von der Begegnung am Tower, von der Rückfahrt aus Highfoot und dem Selbstmörder und von seinem Abschiedsbrief. „Aus dem Fundus besorgte ich mir eine Perücke und eine Brille und tat so, als wäre ich eine Journalistin, nannte mich passenderweise Lois Nale – und wurde prompt für eine Bewerberin gehalten. Also habe ich schnell umdisponiert und war eine Studentin, die kein Geld mehr von ihren Eltern bekommt.“
„Wie fantasievoll“, stellt mein Vater fest.
„Ja, ich fand die Geschichte auch gut. Könnt ihr euch meinen Schreck vorstellen, als ich herausfand, dass die Chefin des Bordells Schneewittchen war?“
„Oh … wie kam das denn?“
„Eine gute Frage. Ich denke, sie ist bei der Explosion weggeflogen und hat dadurch das Gedächtnis verloren. Sie landete in der Nähe des Bordells und fand dort Unterschlupf, hat sich hochgefi… hochgearbeitet, vielleicht auch die damalige Puffmutter beseitigt. Und dann angefangen, ein Netzwerk aus betrogenen Frauen aufzubauen. So kam es dazu, dass einer von den Freiern ausgerechnet in dem See Selbstmord begangen hat. Ich habe gestern Abend einen Schwächeanfall simuliert und in der ersten Stunde war auch Emily immer im Salon, also nutzte ich die Zeit, um mich im Büro umzusehen. Leider war kein Verlass auf sie, viel zu früh stand sie in der Tür. Wir haben dann das halbe Bordell in Schutt und Asche gelegt, und ich haute mit ihrem Laptop ab, als die Polizei sich ankündigte. Blöderweise hatte ich nichts außer einem Babydoll und weißen Strümpfen an. So kam ich mit einem Taxi zu Hause an. Und während ich am Duschen war, entdeckte James die Videos.“
„Videos?“, fragt mein Vater stirnrunzelnd.
„Ach so, genau, alle Aktivitäten auf den Zimmern wurden aufgenommen, um so die Gäste zu erpressen, das heißt, ihre Frauen zu überzeugen, dass es Zeit wird für eine weltumspannende Revolution gegen die männlich chauvinistische Ausbeutung der Frau.“
„Sie scheint nicht nur ihr Gedächtnis verloren zu haben.“
„Ich fürchte, sie meinte das sehr ernst und ich bin mir gar nicht so sicher, ob sie nicht sogar Chancen gehabt hätte, wie ich sie einschätze.“
„Das klingt fast bewundernd.“
„Tja, Papa, unter anderen Umständen hätte sie durchaus Karriere machen können. Eine starke Frau, die weiß, was sie will. Bewunderung? Das ist vielleicht übertrieben. Aber durchaus Respekt.“
„Was geschah mit James?“ Meine Mutter kommt auf das Wesentliche zurück.
„Kannst du dir das nicht denken? Der Kerl ist ein Eisblock und verschießt in Säure getränkte Pfeile, wenn er sauer ist.“
„Hm. Das kannst du normalerweise auch. Ich meine, du bist sicher kein Eisblock, eher ein Vulkan, aber das mit den Pfeilen passt auch ganz gut zu dir.“
„Danke, Mama, du hast es echt drauf, mich aufzurichten.“
„Das kommt später. Erst will ich wissen, warum du mitten in der Nacht nackt und heulend an unserer Tür stehst.“
Das wüsste ich auch gern. „Ich … ich glaube, ich habe Dinge zu ihm gesagt, die nicht so nett waren.“
„Und dann rennst du weg?“
Ja, dann renne ich weg. Und ich will jetzt nicht weinen. Nein, nein, nein! Ich will nicht!
Meine Mutter nimmt mich in die Arme, auf der Armlehne sitzend, während mein Vater das Glas sichert. Ich wollte doch nicht weinen …
Später dann, nachdem ich mich geschnäuzt und auch sonst etwas hergerichtet habe, fragt meine Mutter, ob sie mit James reden soll. Ich starre sie an. „Worüber?“
„Wie es weitergehen soll. Er wird sich ja wohl kaum deswegen scheiden lassen wollen, oder?“
„Barbara!“ Es kommt nicht oft vor, dass mein Vater über meine Mutter entsetzt ist.
„Ist doch so. Und wenn doch, dann kenne ich ihn ab sofort nicht mehr.“
„Mama.“ Ich lege beide Hände auf ihre Arme. „Du gehst nicht rüber zu James. Ich werde das tun, ich habe das Ganze verbockt und muss dafür geradestehen.“
„Aber bestimmt nicht so. Wenigstens eine Jacke solltest du dir schon anziehen!“
Ich überlege kurz, dann schüttle ich den Kopf. „Nein.“
„Du holst dir noch den Tod!“
„Leider nein.“
„Kind, langsam mache ich mir doch Sorgen. Gestern hast du schon so seltsam geredet und jetzt schon wieder.“
„Ja, manchmal ist mir danach. Aber mach dir keine Sorgen, ich bin absolut sicher, was das angeht. Es würde höchstens irgendwelche masochistischen Gelüste von mir befriedigen, wenn ich aus meinem Bürofenster springe. Ich meine, auch wenn ich unsterblich bin, das Sterben selbst ist wie bei allen. Das kann ich dir aus Erfahrung sagen.“
„Du bist schon gestorben?“, fragt meine Mutter entsetzt.
„Ein paarmal. Lassen wir das Thema, es sind sehr unschöne Erinnerungen.“ Ich erhebe mich, trinke mein Glas aus und wende mich der Tür zu. Jetzt oder nie. Wenn ich noch lange warte, verkrieche ich mich wieder in meiner bequemen Mama-Höhle, und das will ich nicht. Mit 26 sollte ich erwachsen sein, schließlich spiele ich Erwachsenenspiele.
„Willst du dir wirklich nicht was anziehen?“, fragt meine Mutter händeringend.
„Ich habe mehr an als gestern, als ich herkam.“ Ein unschlagbares Argument. Schätzchen, disqualifiziert. Gestern warst du in einem Ausnahmegefühlszustand, du hättest es nicht einmal gemerkt, wenn du durch Lava gelaufen wärst.
Heute ist es allerdings kalt. Richtig kalt. Das muss irgend so eine Selbstbestrafungsscheiße sein, die mich das machen lässt. Auch ein Thema für den Psychoterroristen. Ich werde ihn morgen anrufen. Ganz sicher.
Ich gehe, nein, ich laufe hinüber zu unserem Haus. Danny schlägt an, ich klingele trotzdem. Meine Füße drohen abzusterben in der Kälte. Zitternd schlinge ich die Arme um mich und starre die Tür an.
Dann geht sie auf.
Danny stürmt an James vorbei und bremst ab. Er beschnuppert mich vorsichtig, schließlich geht er wieder ins Haus und legt sich in die Diele.
James mustert mich fragend.
„Hi …“, beginne ich unser Gespräch.
„Ja?“ Fängt ja echt gut an. „Du könntest ja noch ein paarmal hin und her laufen, irgendwann wärst du der Jahreszeit entsprechend angezogen.“

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Leseprobe: Die Alchimar – Start ins Leben

Start ins Leben

Den ganzen Tag grübelte Maja darüber nach, ob der Besuch von Salomir nun Traum oder Wirklichkeit gewesen war. Sie kam zu keinem Ergebnis und beschloss, einfach die Nacht abzuwarten. Spätestens bei Einbruch der Dunkelheit würde sie Gewissheit bekommen.
Vorsorglich trug Maja an diesem Abend einen gelben Schlafanzug, man konnte ja nie wissen was passierte und im Nachthemd wollte sie nicht auf Reisen gehen. Aufgeregt kuschelte sie sich in ihre Kissen, fest entschlossen, wach zu bleiben und abzuwarten. Irgendwann in der Nacht erwachte sie durch ein sanftes Rütteln an der Schulter. Verschlafen öffnete sie die Augen und sah Salomirs fast schon vertrautes Gesicht direkt über sich in der Dunkelheit schweben. »Es ist Zeit zu gehen.« Mit einem Ruck hob Salomir das kleine Mädchen aus dem Bett und stellte es auf die Füße.
Völlig überrumpelt drehte Maja sich zu ihrem Bett um und erschrak. Ihr Körper lag noch immer warm und sicher eingekuschelt zwischen den Laken. Fragend blickte sie sich nach Salomir um. Doch der lächelte nur nichtssagend und griff nach ihrer Hand. »Bist du bereit?«
Ohne eine Antwort abzuwarten, schloss Salomir die Augen. Fasziniert beobachtet Maja, wie die Luft um sie herum zu flimmern begann. Als dann aber ihr ganzer Körper anfing zu vibrieren und wie ein Blatt im Wind zitterte, wurde ihr mulmig und ängstlich klammerte sie sich fester an Salomirs Hand. Unsicher schaute sie zu ihm auf, konnte sein Gesicht aber kaum noch erkennen.
Es schien so, als würden seine Züge wie warmes Wachs zer-
laufen, begleitet von einem Strahlen, das von Sekunde zu Sekunde greller wurde. Geblendet schloss Maja die Augen, sie konnte sich nicht erklären, was mit ihr geschah. Um sie herum schien sich alles zu drehen und ihr wurde leicht übel von den Vibrationen, die durch ihren Körper schossen.
Kaum hatte Maja die Augen geschlossen, spürte sie, wie ihr Bauch sich wieder beruhigte. Sie fühlte sich seltsam leicht und losgelöst von allem, ein Zustand den sie kaum hätte beschreiben können, nicht vergleichbar mit irgend etwas, das sie kannte. Das Rauschen um sie herum verebbte allmählich und auch die Helligkeit ließ ein wenig nach. »Wir sind angekommen.« Salomirs Stimme schien wieder direkt aus ihr selbst zu kommen, wie schon am Abend zuvor hatte Maja das Gefühl, er würde direkt in ihrem Kopf sitzen. Vorsichtig öffnete das kleine Mädchen die Augen. Der letzte Rest ihrer Angst verflog endgültig, während sie sich begeistert umsah. Sie standen auf einer Wiese, deren Gras grüner und saftiger war als alles, was Maja bisher gesehen hatte.
Um sie herum standen riesige Bäume, deren buntes Laub leise raschelte, obwohl kein Windhauch zu spüren war. Ausgelassen begann Maja, sich um sich selbst zu drehen, rannte hierhin und dorthin, wie ein junges Fohlen. Sie wollte alles sehen, nichts verpassen und dieses völlig neue Gefühl der Freiheit voll auskosten. Amüsiert ließ Salomir sie gewähren. Diese Begeisterungsfähigkeit hatte sie schon immer gehabt. Sie ist und bleibt einfach ein Naturkind, das hat niemand auslöschen können, dachte er, bevor er Maja zur Ordnung rief. »Wir müssen los, die Einweihung wird gleich beginnen.« Unwillig kehrte Maja zu ihm zurück, aber lange schmollen konnte sie bei all der Schönheit um sie herum nicht. Begierig alle Eindrücke in sich aufsaugend, wie ein kleiner Schwamm, lief sie neben Salomir her. Wobei Maja das Gefühl hatte, als würde sie nicht wirklich laufen.
Vielmehr glaubte sie zu schweben. Obwohl es stellenweise leicht bergauf ging, spürte sie keinerlei Anstrengung. Sie fühlte sich leicht wie eine Feder, völlig losgelöst von allem Irdischen. Maja hätte diesen Zustand nicht in Worte fassen können, so ungewohnt und doch wunderschön. Sie folgten einem schmalen, geschwungenen Sandweg, der glitzerte, als bestünde er aus Tausenden von kleinen Diamanten. Links und rechts säumten knorrige alte Bäume den Weg, dazwischen wuchsen die unterschiedlichsten Blumen, die in allen nur erdenklichen Farben leuchteten. Dann machte der Weg einen Knick nach links und wie vom Donner gerührt blieb Maja stehen.
Ehrfürchtig starrte sie auf einen Palast, der durch und durch strahlte, als ob er aus Licht erbaut wäre. »Das ist wunderschön!« Mit großen Augen und offenem Mund stand Maja da und betrachtete das Gebäude. Auch Salomir spürte, wie Bewunderung und Demut in ihm aufstiegen. Er war schon oft hier gewesen, aber dieses prachtvolle Bauwerk hatte immer wieder seine ganz eigene Wirkung auf ihn. »Das ist die Akademie der Alchimar«, erklärte er Maja, die den Blick nicht von dem Gebäude abwenden konnte.