Roman in Entwicklung: Fiona – Götter: 1

Romane leben und wachsen. Hier könnt Ihr ihnen dabei zuschauen. In der Rohfassung, unlektoriert, aber authentisch und echt.

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Ein Traum. Es ist alles nur ein beschissener, verdammter Traum.
Durch meine geschlossenen Augen dringt das schummerige Tageslicht, weil der Vorhang zugezogen ist. Und aus der Ferne dringen Geräusche an meine Ohren. Eigentlich nur an mein rechtes, denn mein Kopf liegt auf dem anderen. Mein Ohr und mein Kopf liegen auf etwas Weichem.
Kissen. Es wird das Kissen sein.
Ich liege auf dem Bauch in einem Bett. In meinem Bett. Den Kopf nach rechts gedreht. Und wenn ich die Augen öffnen würde, müsste ich meine Hand sehen. Meine rechte Hand.
Ich befeuchte meine trockenen Lippen und öffne die Augen.
Meine rechte Hand liegt da, wie vermutet. Die Finger sind leicht gekrümmt. Ich versuche, sie zu bewegen, was einwandfrei klappt. Ein gutes Zeichen.
Kein gutes Zeichen ist, wie ich mich fühle. Wie ausgekotzt. Also wie nach dem Sterben und dem Regenerieren anschließend. Das passt nicht wirklich zu einem Traum.
Aber wo zum Teufel bin ich dann?
Und was ist überhaupt passiert, verdammt nochmal?
Ich hebe langsam den Kopf und sehe mich um. Tatsächlich liege ich in einem Bett, tatsächlich ist das Licht irgendwie gedämpft, tatsächlich dringen irgendwelche weit entfernten Geräusche an meine Ohren.
Aber das ist nicht mein Bett. Ich bin nicht in meinem Zimmer. Das ist weder mein Elternhaus noch Katharinas Anwesen. Eigentlich habe ich nicht die geringste Ahnung, ob es überhaupt ein Gebäude ist.
Die Wand, auf die ich blicke, ist goldbraun. Von einer Art Stoff bedeckt. Es sieht aus, als würde dieser leuchten. Nicht wie damals unter der Stadt, wo wir Goldie begegnet waren. Es ist ein hellerer Ton, mehr Gold als Braun.
Von hinten höre ich plötzlich etwas, wie Flügelschläge. Ich spüre die Luftbewegung. Das muss ein riesiger Vogel sein, ein Adler oder noch größer. Aber was …?
Die Flügelschläge verstummen, dafür erklingen Schritte.
Und eine weiche, männliche Stimme.
„Du bist wach?“
Ich fahre auf dem Bett liegend herum und starre entgeistert das Wesen an, das am Fußende steht und mich freundlich anlächelt, während es seine Flügel hinter dem Rücken zusammenlegt.

Ich beobachte den ankommenden Nomu. Seine Flügel sind gestreckt, er schwebt majestätisch auf mich zu. Im Hintergrund sehe ich das, was er Miko-Nomana nannte: die Residenz seines Mikos, des Gottes dieser Mikoman. Mir raucht der Kopf von den vielen Namen, die er genannt hat, bevor er vorhin davonflog, um eben mit jenem Miko darüber zu reden, was mit mir geschehen soll.
Er sieht gut aus, das steht fest. Mich überragt er um Köpfe, ich schätze ihn auf 220 cm. Die langen, schwatzen Haare fallen auf seine breiten Schultern, zumindest wenn er nicht gerade durch die Gegend fliegt. Und er hat unglaublich tief wirkende, hellgrüne Augen.
Ich sitze am Rand seiner Wohnung. Wohnung ist vielleicht nicht der richtige Begriff dafür. Aber so hat er es genannt. Meine Füße baumeln in der Luft, mehrere hundert Meter über dem Boden. Ich kann die Wohnungen der anderen Engel sehen. Wobei, sie heißen nicht Engel, sondern Mikonos. Aber sie sehen definitiv wie Engel aus.
Die Wohnungen sind wie Waben an den Wänden des Gebildes, in dem wir uns befinden, angebracht. Wie auch immer. Zur Innenseite hin haben sie keine Wand und es gibt keine Treppe nach unten. Wozu auch, alle Mikonos können fliegen.
Während ich auf Nomu gewartet habe, versuchte ich, die Waben zu zählen. Also die Wohnungen. Dabei musste ich mich konzentrieren, mich nicht von den vielen Mikonos ablenken zu lassen, die durch die Gegend flogen. Einige beobachteten mich, andere nicht.
Eine Wand der Mikoman, diesem Gebilde, in dem wir uns befinden und das eine Quaderform zu haben scheint, dürfte zehn Kilometer breit sein, vielleicht auch etwas mehr. Es gibt genau 100 Reihen an Wohnungen, und das auf, sagen wir mal, 10 Kilometer Breite, an jeder Wand. Eine Wabe ist 100 Meter breit, ziemlich genau, da ich von einer Wand zur anderen in der Wohnung von Nomu gegangen bin und meine Schritte gezählt habe.
In einer Reihe sind also 100 Wohnungen, oder mehr. Mal 100 Reihen, macht pro Wand 10.000 Wohnungen, in der gesamten Mikoman 40.000.
Ach du verdammte Scheiße! 40.000 Engel??
Ihr verdammten, verfluchten, verfickten Götter! Ich will ein Handbuch für diese Welt! Jetzt sofort!
Und ich will Katharina zurück! Auch sofort!
Da die Landebahn mit 100 Meter Breite groß genug ist, bewege ich mich nicht, als Nomu in seine Wabe gleitet und landet. Erst weiter hinten gibt es Trennwände für die einzelnen Räume, beispielsweise für das Schlafzimmer, in dem ich vorhin aufgewacht bin.
„Hast du keine Angst, herunterzufallen?“, erkundigt sich Nomu.
„Nein.“
„Wieso nicht? Nomos haben Angst vor der Höhe.“
„Wer?“
„Nomos. Ungeflügelte, gewöhnliche Sterbliche, wie du.“
„Ich bin vielleicht ungeflügelt, aber ganz sicher keine gewöhnliche Sterbliche.“
„Du bist ungewöhnlich?“, fragt er und lächelt sanft.
„Ungewöhnlich und unsterblich.“
„Unsterblich?“ Statt zu lächeln, runzelt er nun die Stirn.
Seufzend erhebe ich mich und trete vor ihn. Dabei komme ich mir wie ein Zwerg vor. Bin ich ja auch, im Vergleich zu ihm.
„Was hat die Nachfrage ergeben?“
„Hm. Du verhältst dich auf jeden Fall seltsam.“
„Das ist bei mir der Normalzustand.“
„Und du hast keine Angst vor mir.“
„Sollte ich?“
„Ich könnte dich töten. Oder zwingen, mir zu Gefallen sein. Und danach töten.“
„Keine Ahnung.“
„Wie meinst du das?“
„Bisher war ich unsterblich und ob du überhaupt stärker bist als ich, steht auch noch nicht fest.“
„Wir können es ja ausprobieren.“ Seine Flügel spannen sich auf, dabei sehe ich, dass sie scharfe Kanten haben. Ziemlich scharfe. Gut zum Köpfen. „Oder erst später. Der Miko will dich sehen.“ Er fährt seine Flügel wieder ein. „Eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich möchte, dass du mir zu Gefallen bist.“ Er lacht kurz auf.
Scheint einen seltsamen Humor zu haben. Irgendwie mag ich ihn trotzdem. Oder gerade deswegen.
„Du kannst ja noch darüber nachdenken, und ich überlege mir bis dahin eine freundliche Formulierung für mein Nein. Wie kommen wir zum Miko? Oder soll ich alleine dorthin?“
„Ich bringe dich hin“, erwidert er knapp. Scheint ihm nicht zu gefallen, was ich gesagt habe.
Scheiß drauf.
Als er sich vorbeugt und seine Arme unter meine Kniekehlen und Schultern schiebt, versteife ich mich reflexartig. Es kostet mich viel Überwindung, mich nicht zu wehren, doch ich schätze, das wäre der falsche Zeitpunkt.
Also konzentriere ich mich lieber darauf, so viel wie möglich zu beobachten. Sehr unwahrscheinlich, dass es tatsächlich noch ein Handbuch gibt.
Nomu entfaltet seine Flügel, dann tritt er aus seiner Wohnungswabe und gleitet geschmeidig durch die Luft. Seine großen Flügel bewegen sich nur leicht.
Ich beobachte seine Wohnung. Eine riesige Öffnung von vielen. Von hunderten. Tausenden. In was für eine Scheiße bin ich nur schon wieder geraten? Zum Kotzen, echt.
Ich betrachte jetzt das Gebilde, auf das wir zufliegen. Es ist eine Art Rondell und nur wenige Kilometer breit. Die Grundform wohl auch rechteckig oder sogar quadratisch, also eigentlich kein Rondell. Ich schätze die Entfernung von den Waben auf etwa drei Kilometer.
Spannend ist die Wendeltreppe, die von der Mitte des Gebildes nach unten führt. Und nun sehe ich auch, dass sie durch den Boden weiter nach unten geht. Viel weiter, wenn mich nicht alles täuscht.
Fuck! Gibt es da etwa noch mehr von den Mikonos? Und ihren Waben?
„Wohin führt die Treppe?“, erkundige ich mich. „Das hier vor uns ist ja …“
„Die Miko-Nomana, die Residenz des Mikos dieser Mikoman. Da unten wohnen die Nomos.“
„Die Ungeflügelten?“
„Ja.“ Endlich lacht er wieder.
„Ist es da auch so groß wie hier? Das sind ja mindestens 40.000.“
„48.000. Der Nomoman, in dem die Nomos wohnen, ist viel größer. Du weißt gar nichts über diese Welt?“
„Doch, aber ich will nur testen, ob du es auch weißt.“
„Ich könnte dich fallen lassen“, sagt er nach einem Moment. „Wenn du wirklich unsterblich bist, müsste es dir ja egal sein.“
„Ist es auch.“
„Dann findest du es bestimmt schade, dass ich es nicht tue, weil der Miko dann warten müsste, was wir nicht wollen.“
„Auf jeden Fall.“
Er sagt jetzt nichts mehr, und das ist auch gut so, denn ich hätte wahrscheinlich sowieso Probleme, auch nur einen einzigen vernünftigen Satz zustande zu bringen. Wir fliegen jetzt über die Miko-Nomana. Wenn es 48.000 Wohnungswaben gibt, dann ist eine Wand etwa 12 Kilometer lang. Und dann hat diese Miko-Nomana eine Seitenlänge von 6 Kilometern.
Fuck!
Von oben sieht es aus, als wären es Lustgärten. Nur die Farbe stimmt nicht ganz. Es gibt Wasser, das ist weiß, und es gibt auch Pflanzen, in unterschiedlichen Größen und Formen, aber alle leuchten goldfarben. Alle. Weißes Wasser und goldene Pflanzen.
Das ist ja noch krasser als die Welt über uns!
Und Lustgärten, die aus einem japanischen Liebesfilm sein könnten! Pavillons, verschlungene Wege, Sitzbänke, Brunnen, Wasserläufe – alles da. Nur eben weißes Wasser und goldfarbene Pflanzen.
Ich schließe kurz die Augen, was von Nomu prompt falsch interpretiert wird.
„Ist dir schlecht?“
„Nein.“
Nach einem kleinen Schlenker fliegt er auf einen größeren Pavillon zu. Er ist rund, das Dach läuft in einer Spitze nach oben. Irgendwie sehr kitschig.
Wir landen auf dem Weg vor dem Pavillon, von dem eine Treppe nach oben führt, und er setzt mich ab. Eigentlich hat es sich nicht schlecht angefühlt, von ihm gehalten zu werden. Er riecht gut und ich konnte seine Kraft fühlen. Hoffentlich werde ich nicht gezwungen sein, ihm wehzutun oder ihn gar zu töten. Das würde mir nicht gefallen.
„Ist der Miko im Pavillon?“
Er nickt.
Ich mustere die Treppe, dann gehe ich die paar Stufen hoch. Das Material erinnert mich an Holz, aber müsste es dann nicht goldfarben sein. Ach, egal jetzt. Es gibt Wichtigeres.
Im Pavillon steht eine riesige Ausgabe einer goldenen Pflanze, in einem Kübel, mittendrin. Um den Kübel herum eine gepolsterte Sitzbank. Nur die Stelle, wo die Stufen hochkommen, ist sie nicht. Logisch, müssten ja sonst darüber klettern. Wer will das schon? Bestimmt nicht, wenn man ein Miko ist. Was das auch immer bedeutet.
Der Miko sitzt gegenüber dem Eingang, ich sehe ihn erst, als ich um den Kübel herum gehe. Er ist noch etwas größer als Nomu, aber nicht ganz so schön. Er wirkt älter, obwohl er keine grauen Haare hat, sondern goldfarbene. Und er müsste vielleicht Sport oder eine Diät machen. Wobei, ist das in dieser Welt wichtig?
Zu seinen Füßen, auf dem Boden, drei Grazien. Okay, vielleicht keine Grazien. Auf jeden Fall drei Menschen, also Ungeflügelte, also Nomos. Sie wirken eingeschüchtert und ich weiß grad nicht, ob wegen mir oder wegen des Mikos. Sie tragen nur kurze Röcke, vielleicht auch was darunter, aber sonst jedenfalls nichts.
Nomu bleibt in einiger Entfernung vor ihm stehen und verschränkt die Hände hinter dem Rücken. So standen auch die Bodyguards vom Krogman in der Gegend herum. Hat dieser Kerl etwa 48.000 Bodyguards?
Er beobachtet mich. Seine Augen sind hellbraun und verleihen ihm einen wachsamen Eindruck.
„Sie sieht aus wie alle Ungeflügelten“, sagt er schließlich an Nomu gewandt. „Warum hast du sie hergebracht?“
„Urteilst du nach dem Äußeren?“, erkundige ich mich. „Ein großer Fehler, den schon viele vor dir begangen haben!“
Sein Blick schwenkt zu mir. Ob verärgert oder amüsiert, kann ich nicht eindeutig erkennen.
„Kein Nomos würde es wagen, so mit einem Miko zu sprechen.“
„Ich bin ja auch keiner.“
„Was bist du dann? Eine Garana? Dafür siehst du viel zu gepflegt aus. Ein Zoman? Oder vielleicht das Experiment eines Mikos, und dein Herr sucht dich schon verzweifelt.“ Er lacht auf und Nomu lacht mit. Allerdings wohl eher, weil er muss, nicht weil er es lustig findet. „Also, was bist du? Ist dein Platz hier, bei diesen?“ Er deutet auf die Grazien, die das wohl nicht so gut finden. Sie wirken noch nervöser als sowieso schon.
„Ich schätze mal, eher nicht. Okay, hör zu, ich habe nicht die geringste Ahnung, wieso ich hier bin. Wahrscheinlich ein schlechter Scherz. Ich habe auch keine Ahnung, wer oder was du bist. Ich will nur meine Freunde suchen und dann gehen wir wieder.“
„Gehen? Wohin denn?“
Ich mache eine ausladende Bewegung mit den Arme. „Keine Ahnung. Weiter, in die nächste Welt.“
„In die nächste Welt? Willst du behaupten, du kommst aus einer anderen Welt?“
Das klingt, als wüssten sie davon, dass es andere Welten gibt. Seltsam.
„Ja, das tue ich.“
„Und wieso bist du hier?“
„Das wüsste ich auch gern.“
Der Miko starrt mich an. Ich frage mich, worüber er nachdenkt. Mein Gefühl sagt, dass er mir nicht glaubt. Dafür spricht auch, dass er sich schließlich abwendet und zu Nomu sagt, ohne ihn anzusehen: „Schaff sie fort.“
Na toll.
Ich beobachte den hübschen Engel, der mit einem bedauernden Gesichtsausdruck auf mich zukommt. Hinter seinem nackten Oberkörper kommen die Flügel hervor, er greift nach mir.
Mit der offenen Hand schlage ich dorthin, wo bei gewöhnlichen Menschen der Solarplexus ist. Das stoppt ihn.
„Worauf wartest du noch?“, fragt der Miko, er schaut nicht einmal hoch dabei, denn seine Aufmerksamkeit gilt einer der Grazien, die größer und vollbusiger ist als die anderen beiden.
„Sie ist ungewöhnlich stark“, erwidert Nomu überrascht.
„Das war noch gar nichts“, erwidere ich. „Ich wollte dich nicht verletzen. Geh mal bitte ein paar Schritte zurück, ich möchte dir nicht die Flügel stutzen müssen, wenn du versuchst, mir den Kopf abzuschneiden.“
Er schüttelt den seinen, dann packt er blitzschnell meine Schultern und hebt mich hoch. Ich trete mit beiden Füßen gegen seine Brust, das lässt ihn zurückfliegen und ich falle auf die Füße.
Der Miko reißt den Kopf hoch und starrt den Mikono an.
Ich würde am liebsten meine Schultern massieren, der Engel hat einen verflucht harten Griff. Aber ich halte mich zurück. Sie sollen nicht auf falschen Gedanken kommen.
„Sie ist auf keinen Fall ein Nomos“, sagt Nomu, während er sich langsam erhebt. „Nicht einmal die stärksten Goranas haben so viel Kraft!“
Wenn ich nur herausfinden könnte, was das schon wieder für Wesen sind. Na ja, wahrscheinlich werde ich es herausfinden. Ich werde diese Welt ganz sicher nicht verlassen, bevor ich Katharina und die anderen gefunden habe.
„Das ist noch längst nicht alles, was ich kann“, sage ich, einer Eingebung folgend. Auch wenn ich bezweifle, es hier mit echten Engeln oder gar einem echten Gott zu tun zu haben, so spricht Einiges dafür, dass sie Magie kennen.
Ich strecke meine rechte Hand mit der Handfläche nach oben vor und lasse eine kleine Flamme züngeln. Das reicht, um die Grazien in Panik davon kriechen zu lassen. Nomu und der Miko bleiben auch nicht unbeeindruckt.
„Soll er mich immer noch fortschaffen?“
„Nein.“ Der Miko gibt den Grazien ein Handzeichen, woraufhin diese sich erheben und mit gesenkten Häuptern davoneilen. Dann berührt er die Sitzbank rechts von sich. „Setz dich.“
Ich zögere nur kurz, dann lasse ich die Flamme verschwinden und gehorche. Nomu stellt sich wieder vor dem Miko auf, wie vorhin schon mit vor der Brust verschränkten Armen und in einigem Abstand. Seine Miene verrät nicht, was er über mich denkt.
Ich schlage das rechte Bein über das linke und lasse die rechte Hand locker vom Knie hängen. Die andere Hand lege ich auf den rechten Unterarm. Auf diese Weise sitze ich, scheinbar entspannt, dem Miko zugewandt und kann sehr schnell mit der linken Hand agieren. Falls nötig. Vielleicht ja nicht. Ich hoffe es.
„Du sagst also, du kommst aus einer anderen Welt?“, setzt der Miko unsere kurz unterbrochene Unterhaltung fort. Ob er mir glaubt, wage ich nicht zu sagen, aber zumindest bin ich für ihn keine gewöhnliche Ungeflügelte mehr, das steht fest.
„Ich sage es nicht nur, es ist auch so“, erwidere ich.
„Und wieso bist du hier?“
„Wie ich schon sagte, habe ich keine Ahnung.“
„Aber du musst ja irgendwie hergekommen sein.“
„Genau, irgendwie. Hilf mir, meine Freunde zu finden, dann gehen wir wieder und lassen euch in Ruhe. So schwer kann das ja nicht sein.“
„Meinst du?“, fragt er lächelnd. „Wieso glaubst du das?“
„Diese Welt wirkt nicht sehr groß …“
Ich ahne Schlimmes. Sein Blick sagt mir, dass ich mich da wohl irre. Und zwar gewaltig.
„Nun, es ist wahr, eine Mikoman ist nicht so groß. Hier leben neben mir 48.000 Mikonos und 1,2 Milliarden Nomos. Allerdings gibt es 150.000 Mikoman.“
Ach du verdammte Scheiße!!! Das wären ja etwa 180.000 Milliarden Menschen! Von den Millionen von Engeln ganz zu schweigen!
„Und dann habe ich noch gar nicht die Goranas, Garanas und die Zomans in den Taranam erwähnt“, fährt der Miko unbarmherzig fort.
Er beobachtet mich mit einem leichten Lächeln. Mein Gesichtsausdruck dürfte eindeutig sein. Demnach ist diese Welt größer als die Welt der Skegs. Oder die Spinnenwelt. Oder die Mittelalterwelt.
Wie zum Teufel soll ich hier Katharina und die anderen finden?!
„Ich mache dir einen Vorschlag“, sagt der Miko. „Ich bringe dich zum Sukumo. Wenn du wirklich aus einer anderen Welt kommst, fällt das sowieso in seine Zuständigkeit.“
„Wer ist der Sukumo?“
„Der Miko aller Mikos, immer für die Dauer einer Mikonomon.“
Das klingt schon mal nicht ganz so schlecht. Nur schlecht. Vielleicht aber auch nicht. Einer, der der Miko von 150.000 Mikos ist, kann mir vielleicht wirklich helfen.
Wenn er das will.
Aber ich kann sehr überzeugend sein.
Also nicke ich langsam.