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Leseprobe: Spiel der Tränen

Spiel der Tränen

Er mochte es nicht wahrhaben, doch immer wieder tauchten diese Bilder vor seinem geistigen Auge auf, und egal, was er auch tat, ihm gelang es beim besten Willen nicht, jene loszuwerden.
Gewaltsam riss er ihr den schwarzen Rock samt Slip herunter und streifte ihr das Shirt über den Kopf. Seine rauen Hände streichelten ihre nackten Brüste und zogen abwechselnd an ihren Brustwarzen. Er konnte ihrem Ausdruck im Gesicht entnehmen, wie verängstigt sie war und wie hilflos gleichermaßen, schlicht unsicher, wie sie reagieren sollte. Deutlich war, dass die Angst wohl die Lust überwog. Aber die würde noch kommen, davon war er überzeugt. Ihre Furcht, es könnte Schlimmeres passieren, war wie ein Buch in ihren Augen zu lesen. Zu Beginn hatte sie noch versucht, seine brutalen Griffe abzuwehren, doch war es aus dem Eingeständnis der eigenen Schwäche und wohl auch aus der Verwirrung heraus, dass sie das irgendwann kampflos aufgab. Ihrer eigenen Wehrlosigkeit bewusst, ließ sie das Unvermeidbare einfach über sich ergehen. Zu verängstigt war sie, nachdem sie die ersten, heftigen Schläge seiner flachen Hand einstecken hatte müssen. Was war nur in ihn gefahren? Seine Augen waren von einem merkwürdigen Glanz umgeben und wirkten ungewöhnlich leer. Wie besessen war er über sie hergefallen und würde sich kaum von seinem Vorhaben abbringen lassen. Die Geilheit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Im Gegensatz zu ihr. Er hatte wohl vollkommen falsch begonnen, um auch die Gier in ihr zu entfachen. Sie biss sich stattdessen auf die Lippen, als er seine Finger in ihr vergrub, erst nur einen und dann den zweiten gleich hinterher.
Ob er überhaupt ernsthaft daran interessiert war, auch ihr eine gewisse Befriedigung zu verschaffen? Schnell verwarf sie diesen Gedanken wieder – er war absurd in dieser Situation. Unklar, ob ihm überhaupt bewusst war, was er da gerade mit ihr anstellte, sah er denn nicht, dass sie sich wehrte, dass Sex mit Gewalt das Letzte war, was sie jetzt von ihm mochte?
Wieso tat er das nur? Hatte er immer noch keinen Respekt für sie? Unkontrollierbar strömten ihr diese Fragen durch den Kopf, auf die sie wohl nie wirklich eine ehrliche Antwort erhalten würde. Sie betete nur immer wieder, dass er endlich von ihr ablassen würde, doch schon in diesem Moment begann er damit, seinen schweren Gürtel zu öffnen und seine Hose herunterzulassen. Sie sah ihm dabei noch einmal in die Augen und hoffte, bei ihm Mitleid und Erbarmen auslösen zu können, doch er schien ihren Blick gar nicht deuten zu können und begann sie zu küssen. Er packte sie ziemlich unsanft an den Armen und warf sie aufs Bett.
Seinen Gesten zufolge verlangte er von ihr, ihn oral zu befriedigen, dass sie sein steifes Glied in den Mund nehmen und verwöhnen sollte. Auffordernd sah er sie an, bis sie seinem wortlosen Befehl tatsächlich nachkam. Hatte sie anfangs sogar Ekel dabei empfunden, tat sie nun brav, was von ihr verlangt wurde. Er drehte sie mit dem Rücken zu sich – heftig, brutal – und befeuchtete ihre Vagina, ehe er mit seinem erigierten Glied in sie eindrang. Sie schloss die Augen und betete erneut zu Gott, möge es doch bald zu Ende sein. Sie spürte bereits ein starkes Ziehen und Brennen innerhalb ihres Geschlechtes, ein stechender Schmerz durchzog ihren Körper. Ihr Bitten schien doch nach kurzer Zeit schon erhört worden zu sein. Er stöhnte nunmehr lauter und seinem Angesicht war anzusehen, dass er zum Höhepunkt gelangt war. Er sah sie lieben Blickes an, strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, betrachtete ihren grazilen Körper, der nunmehr gekrümmt auf dem weißen Laken lag.
Wie schön sie aussah, wie wunderschön. Hatte er doch nicht ernsthaft gewollt, ihr Schmerzen zuzufügen, doch war ihm keine andere Wahl geblieben, denn er hatte seine Lust nicht im Griff. Er wusste, jedesmal wenn sie sich sahen, wenn ihre Blicke sich trafen, überkam ihn schlicht das Verlangen, und das würde er nicht bändigen können. Er liebte es, mit ihr zu schlafen, ihr nahe zu sein, mit ihr eins zu sein. Würde sie das doch nur auch so sehen, könnten sie sich wirklich viel öfter treffen. Ihm war klar, sie waren beide gleichsam verrückt, sich zu verlassen, und sich dann immer wieder voller Begehren und Verlangen, voller Liebe, in die Arme zu fallen.
Als er seine Hose wieder anzog und das Hemd zuknöpfte, sah er, wie sie mit ihren Händen versuchte, das Blut, das ihr zwischen den Schenkeln entlanglief, am Tropfen zu hindern und er versuchte mühsam, darüber hinwegzusehen, versuchte krampfhaft gegen die Tränen, die sich in seinen Augenwinkeln sammelten, anzukämpfen.

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