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Leseprobe: Hölle und Freiheit

Mit Klaus, bei dem ich meine Sachen unterbringen und auch vorübergehend wohnen konnte, hat sich dann etwas entwickelt und wir sind am 10.10.1995 zusammengekommen. Wir haben uns sehr gut verstanden und haben viel zusammen unternommen. Eines Tages habe ich seine Kinder kennengelernt, das war schon recht komisch für mich. Er hatte zwei Mädchen, eine Cristina und eine Nicole. Bei der Kleinen hatte ich gleich einen Stein im Brett gehabt, die Große hat mich erst auf die Probe gestellt, um zu sehen, wie weit sie mit mir gehen kann.

So wie sie es ihrem Vater gesagt haben, finden sie mich total nett und so konnte der neuen Beziehung nichts mehr im Wege stehen. Wenn ich das meinem Sohn erzählte, würde der wohl auch so denken. Mein Sohn kam dann auch am Wochenende zu Klaus nach Hause und war erst ziemlich still, ist aber dann aufgetaut und hat sich mit Klaus gut verstanden. An diesem Wochenende haben wir viel mit meinem Sohn zusammen unternommen und es war sehr schön. Sonntagabend musste er wieder zurück nach Merzen und es gab wieder Tränen. Es fiel mit immer noch sehr schwer, loszulassen. Zwei Wochen später bin ich wieder zu meinem Sohn gefahren, er war irgendwie ganz anders. Als ich in seinem Zimmer war sah ich, dass er alles verschenkt hatte, was er selbst geschenkt bekommen hatte und das machte mich richtig traurig. Wir haben dann darüber gesprochen, es konnte doch nicht sein, dass ich mir das Geld vom Mund abgespart hatte und dann komme ich auf Besuch und alles ist weg? Der Erzieher war genauso sprachlos wie ich. Er fragte dann meinen Sohn, warum er das gemacht hatte, doch es kam keine Antwort und wir haben das Thema dann sein gelassen.

In Merzen versuchten sie meinen Sohn zu kaufen, indem sie ihm Geld gaben, damit er nicht erzählte, was da abläuft. Er erzählte mir aber doch, was da in der Freizeit so ablief und dass die anderen Jungs am Klauen waren.

Ich habe das dann dem Erzieher erzählt und der wollte sich darum kümmern. Der Erzieher war eigentlich davon begeistert, wie sich mein Sohn eingelebt hatte. Doch er war nicht zufrieden damit, wie ich aussah. Ich wusste selbst, dass ich zu der Zeit nicht gut aussah und sagte ihm, dass wenn man so viel Stress hat wie ich, man das eben gleich im Gesicht sehen kann. Und diese Zeit war echt hart für mich, aber ich versprach ihm, es würde wieder besser werden. Gegen Abend fuhr ich wieder nach Veldhausen zu Klaus Er sah, dass ich wieder geweint hatte und nahm mich in die Arme. Da war alles wieder gut und wir hatten Spaß wie am ersten Tag. Am nächsten Tag sind wir dann zu meinen Eltern gefahren. Sie waren echt überrascht, sonst meldete ich mich immer an, wenn ich auf Besuch kommen wollte. Ich hatte nie damit gerechnet, dass meine Eltern so viel mit dem Mann reden würden, den ich mit nach Hause gebracht hatte. Meine Stimmung war damals: Ich denke mal, das mit uns wird für immer halten.

Am Montag musste ich zum Frauenarzt, weil ich Probleme hatte. Ich schilderte dem Arzt, was ich für Schmerzen hatte und er untersuchte mich, konnte aber zu dem Zeitpunkt nichts finden. Wir vereinbarten, dass ich zwei Wochen später zu einer erneuten Untersuchung kommen sollte.

Am 28.10., das war ein Samstag, sind Klaus und ich zu meinem Sohn gefahren, der ein Fußballspiel hatte. Als wir ankamen hat er uns gleich gesehen und sich sehr gefreut, dass wir da waren. Ich habe richtig mitgefiebert während die gespielt haben und dann stand das Ergebnis fest: Die Kleinen haben den 5. Platz gemacht. Ich fand es nicht schlecht und echt lustig, wie mein Sohn sich so geschlagen hat in dem Spiel. Dann war unsere Zeit auch schon wieder um, sie ist so schnell vergangen, aber es war schön, meinem Sohn zuzuschauen beim Spiel.

Am Tag danach sind wir wieder los und sind nach Lingen gefahren und haben eine Schwester von mir besucht. Sie hat sich sehr gefreut und, klar, wir hatten uns viel zu erzählen. Gegen Abend sind wir dann wieder nach Hause gefahren. Es war eigentlich wie jeden Abend, wir haben es uns gemütlich gemacht und ferngesehen.

Am nächsten Tag ist Klaus nach Nordhorn gefahren, weil er dort noch ein paar Sachen zu regeln hatte. Ich hätte es ja gern gehabt, dass er mit mir zum Tätowierstudio gefahren wäre, aber ich wollte auch nicht drängeln, dass er mitfährt. Also habe ich meine Freundin gefragt, ob sie Zeit und Lust hätte, mit mir dorthin zu fahren. „Ja, klar“, sagte sie, „machen wir.“ Und wir sind dann losgefahren. Dort angekommen hatte ich ein wenig Angst, weil es mein erstes Tattoo werden sollte. Tanja sagte, dass es nicht weh tut und ich habe mir dann eine Rose ausgesucht, die mir auf die linke Seite meines Brustkorbs tätowiert wurde. Meine Freundin hat mir die Hand gehalten, weil es nämlich doch ganz schön weh tat, weil an der Stelle ja nicht viel Haut ist. Dann war das Tattoo fertig und sah super aus. Tanja fand das auch und sagte: „Was wird Klaus dazu sagen?“ „Ja, weiß ich nicht. Ist doch mein Körper und ich finde es gut.“ Da Klaus noch nicht wieder zu Hause war, habe ich mit Tanja noch einen Kaffee getrunken und sie hat mir Tipps gegeben, wie ich mit dem Tattoo umgehen sollte.

Als Tanja ging war Klaus immer noch nicht zu Hause und ich hatte so eine Langeweile. Ich bin Duschen gegangen und danach habe ich ein wenig Gitarre gespielt und ABBA gehört und Klaus war immer noch nicht nach Hause gekommen. Als er dann kam und ich ihn fragte, wo er so lange gewesen sei, hatte er erst eine Ausrede, aber dann erzählte er mir, dass er bei einer Freundin beim Kaffee gewesen sei. Klar war ich sauer und konnte es nicht verstehen, dass er da immer wieder hinfährt. Ich lebte immer mit der Angst, dass ich kein Glück in einer Beziehung haben kann und ihn wieder verlieren würde. Er meinte aber, da es nur eine frühere Bekannte von ihm sei, müsse ich mir keine Sorgen machen. Er sagte dann, sie hätte ihm so viel geholfen, als er sich scheiden ließ und dass sie sich eben zum Kaffeetrinken getroffen hätten. Ich weiß nicht, ob das alles so stimmte, aber ich traute ihm.

Das Zusammenleben mit Klaus war auch nicht immer einfach und so habe ich dann beschlossen, mir eine Wohnung zu suchen.

Wie es das Glück so wollte, war zum Ersten des nächsten Monats eine Wohnung gegenüber der von Klaus frei. Ich habe sie mir angesehen und dann auch gemietet. Ich brauchte das Alleinleben wohl, mir ging es damit gut und ich konnte mich so richtig schön zurückziehen.

Dann holte ich meinen Sohn wieder für ein Wochenende und wir hatte viel Spaß. Auf dem Nachhauseweg wollten wir noch bei Uli, einem früheren Bekannten aus Freren, der nun auch nach Neuenhaus gezogen war, vorbeifahren und ihn besuchen, aber er war nicht da. Wir sind dann nach Hause und Klaus war auch nicht da, er war wohl mit seinen Kindern unterwegs. Ich habe Essen gekocht und wir haben gegessen, danach habe ich mich mit meinem Sohn vor den Fernseher gesetzt und wir haben uns Asterix angesehen. Dann kam Klaus mit seinen Kindern und fragte, ob wir morgen mit zu seinem Vater fahren wollten, um dort Kaffee zu trinken. „O.k.“, sagte ich. „Machen wir.“ Wir sind dann also mit den ganzen Kindern zu Klauss Vater und erst war es ganz nett, aber dann konnte ich schon sehen, dass der Vater voll die Unterschiede gemacht hat und mein Sohn hat es auch gemerkt.

Der Anfang vom Wochenende war sehr schön gewesen, bis zum Besuch bei Klauss Vater. Von da an war es anders. Klaus musste seine Mädchen um 18 Uhr bei seiner Noch-Frau abgeben, nicht dass es da Ärger gäbe. Danach sind wir auch mit meinem Sohn nach Hause gefahren, da noch ein paar Sachen zu packen waren, bevor ich meinen Sohn wieder zurückbringen musste nach Merzen. Ich fuhr dann allein mit ihm dorthin und lieferte ihn ab und bin dann um 21 Uhr wieder nach Hause gekommen und war total müde. Dann hat Klaus mit mir rumgekibbelt und ich wurde wieder wach und wir hatten Spaß, doch aus Spaß wurde Ernst.

Wir haben uns gestritten und es ging ganz gut zur Sache und er sagte, ich hätte ihn angespuckt und ich habe versucht mich zu entschuldigen, aber er wollte die Entschuldigung nicht annehmen. Klaus hat kein Wort mehr mit mir geredet, das tat mir mehr weh, als sonst irgendwas, das ging ganz tief in mich rein. Aber ich hatte ihn nicht angespuckt und würde so was auch nie machen, einfach jemanden anspucken. Ich wollte über so viele Dinge mit ihm reden, auch wenn es schwer fällt, aber es hat eine ganze Zeit angehalten, dass er nicht mit mir gesprochen hat. Damals schrieb ich in mein Tagebuch: „Klaus, ich bin so doll in Dich verliebt und würde fast alles für Dich machen und werde immer zu Dir stehen. Das ist die Beziehung, die ich mir immer gewünscht habe und ich möchte Dich nicht verlieren.“

Eines Tages fing Klaus an zu trinken und ich dachte, was ist passiert, wir hatten uns doch gerade erst wieder vertragen. Ich wollte gerne wissen, warum es nicht so ist in unserer Beziehung, wie wir das in meiner Wohnung besprochen hatten.

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