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Leseprobe: Himmelsstaub – gefangen im Koma (5)

Ein sonniger Tag! Ich habe gerade mein Brötchen mit Leberwurst und viel Zucker darauf gegessen und jetzt gehts ab in den Garten.
Ich bin 5 Jahre alt und darf noch nicht zur Schule. Gemein. Mein Bruder darf schon. Der ist knapp 3 Jahre älter als ich. Mann, war ich neidisch, als der zur Schule gehen durfte und so eine tolle Schultüte bekam mit vielen Süßigkeiten und so drin! Ich bekam damals aber auch eine. Kleiner zwar, aber sie hat mich ein wenig getröstet. Wir bekommen immer etwas geschenkt, wenn der jeweils andere Geburtstag oder Namenstag hat. Meine Eltern wollen keinen Neid zwischen uns und wir findens prima.
Zuerst gehe ich zum Sandkasten. Heute ist kein Kindergarten. Toll. Geh ich sowieso nicht gerne hin. Der Sand stinkt. Hat wieder eine Katze reingeschissen. Wenn ich die erwische! Ich grabe das mit meiner kleinen Schaufel aus und bringe es zur Mülltonne. Muss ich fast jeden Tag machen. Der Sand wird immer weniger! Papa wird mir bestimmt bald wieder neuen besorgen.
Unser Garten in Grevenbroich ist ein wahres Kinderparadies. Eine große Hoffläche mit festgefahrenem Kies zwischen dem schweren Eisentor zur Straße und den am Ende des Grundstücks liegenden Garagen.
Hier kann man klasse mit dem Fahrrad fahren. Rechts davon ist, durch eine niedrige Mauer getrennt, über die man laufen und springen kann, der eigentliche Garten mit Wiese und Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten. In einer Ecke leben in einem Stall unsere Meerschweinchen.
Wir haben auch Zwerghühner, eine kleine Ziege und eine Voliere mit Wellensittichen und Kanarienvögeln, die auch oft Junge haben.
Im letzten hinteren Teil des Grundstücks ist noch die Hauptattraktion, ein Bunker aus dem Krieg, wie Papa immer erzählt. Was Krieg genau ist, hab ich aber nicht verstanden. Der Bunker ist jedenfalls das Größte! Man kann drumrum laufen, wobei es an der Seite zum Nachbarn sehr eng ist. Gerade deshalb macht es so viel Spaß. Man kann auch mit etwas Mühe hinaufklettern und drüberlaufen. Ist aber viel höher, als meine kurzen Arme reichen. Zu zweit geht es besser. Vom Fahrrad aus klappt es manchmal auch. Man fällt dabei auch schon mal. Das ist nicht schlimm. In den Bunker hinein dürfen wir nicht. Hat man uns verboten. Es gibt eine Eingangstür. Die hab ich aber noch nie ganz aufgekriegt, nur einen Spaltbreit, sodass ich mich grade durchzwängen konnte. Da geht es eine kleine Treppe runter, allerlei Gerümpel liegt da und dann kommt noch eine verrostete Eisentür. Dahinter liegt das Geheimnis! Ich kriege die Tür aber selbst mit all der mir als Fünfjährigem zur Verfügung stehenden Kraft nicht auf. Mist. Irgendwann wirst du mir nachgeben müssen, verdammte Tür. Ist aber ja eh verboten.
Eine zweite Einstiegsmöglichkeit ist ein kleiner viereckiger Turm auf der anderen Seite des Bunkers. Da kann man sich mit sehr viel Kraftanstrengung hochziehen und steht dann auf einem kleinen Podest. Da ist eine Eisenplatte vor einer Öffnung. Die ist wackelig und lässt sich etwas bewegen. Aber nur etwas. Dann klemmt sie so fest, dass man auch hier nicht weiterkommt. Wirft man einen Stein durch den Spalt, hört man ihn kurz darauf in Wasser platschen. Klingt wie in einer Höhle. Hmm. Ist wohl tief. Sicher doch gefährlich. Irgendwann, Bunker, werd ich dich ganz erobern! Später. Warum reizt das einen so? Weil es verboten ist?!
Noch ein tolles Spielzeug ist unsere Teppichstange im Garten. Sehr, sehr hoch. In der Mitte ist eine Schaukel dran. Macht auch Spaß. Toller aber ist es, die Stange hinaufzuklettern und dann langsam wieder herunterzurutschen! Wie das so süß kribbelt! Zwischen den Beinen, bis ganz oben in den Bauch. Genau am Pipimann aber am stärksten. Kann ich immer wieder machen. So ein tolles Gefühl. Wo kommt das her? Immer wieder. Das Gefühl wird immer stärker und süßer. Nach zehnmal rauf und runter an der Stange hat man aber keine Kraft mehr. Schade!
Von der Mülltonne aus gehe ich nicht sofort zum Sandkasten zurück, obwohl ich für heute da ein größeres Bauwerk geplant hatte. Hat Zeit. Ich hab ja noch den ganzen Tag. Ich laufe über die kleine Wiese, auf der nicht allzu große Apfelbäume stehen. Plötzlich sehe ich etwas durchs Gras hüpfen. Ein kleiner Spatz!
Den muss ich fangen! Ich bücke mich langsam und krieche auf allen Vieren langsam auf das Vögelchen zu. Es duckt sich. Als ich die Hand danach ausstrecke, macht es sich noch kleiner, legt den Kopf zurück und sperrt den Schnabel auf. Es piepst laut. Hat sicher Hunger, denke ich. Ich nehme es vorsichtig in die Hand. Es bleibt mit aufgerissenem Schnabel leicht zitternd in meiner kleinen Hand geduckt sitzen. Neben mir liegt ein ziemlich großer Stein am Rand der Wiese im Blumenbeet. Da ist bestimmt ein Wurm drunter! Mit einer Hand kriege ich den Stein nicht gedreht. Mist! Ich setze mich auf den Hintern und drücke fest mit beiden Beinen dagegen. Geschafft! Tatsächlich! Ein riesengroßer Regenwurm liegt da und will schnell in der Erde verschwinden. Ich bin aber schneller, erwische ihn gerade noch und ziehe in aus seinem Loch. Hm. Der ist aber lang! Egal. Ich halte ihn dem Spatz in den geöffneten Schnabel. Der fängt auch tatsächlich an, den Wurm zu schlucken. Dann aber würgt er ihn wieder aus. Keinen Hunger, kleiner Spatz? Ich versuche es noch mal. Der Schnabel bleibt jetzt aber fest geschlossen. Na gut. Wenn du keinen Hunger hast!
Ich stecke den Wurm in die Hosentasche. Vielleicht mag er ihn ja später. Ich stehe auf und gehe mit meinem kleinen neuen Freund zum nächsten Apfelbaum. Ich schaue nach oben. Da muss doch irgendwo das Nest sein. Vielleicht kann ich ihn da wieder reinlegen. Kein Nest zu sehen. Auch in den anderen Bäumen nicht. Doof. Irgendwo muss er doch rausgefallen sein. Ich suche überall. Nichts. Egal. Dann zieh ich dich groß!
Der kleine Vogel hat noch nicht viele Federn, aber doch schon einige. Der muss ja auch das Fliegen sicher noch lernen, überlege ich. Und wenn der keine Mama mehr hat, muss ich es ihm beibringen. Also auf den Baum mit uns beiden. Ist gar nicht einfach mit einer Hand, aber ich hab ja eine große Tasche in meinem Hemd. Muss ich nur aufpassen. Ich stopfe den kleinen Kerl in meine Hemdentasche und schon bin ich auf dem ersten großen Ast angekommen.
So, kleiner Piepmatz, jetzt kommt der erste Flugunterricht! Ich hole ihn vorsichtig aus meiner Tasche, nehme ihn in die flache Hand und werfe ihn leicht nach oben von mir weg. Hui! Der Spatz schlägt einmal kurz mit den wenig befiederten Flügeln, dreht sich in der Luft einmal um sich selbst und trudelt im Sturzflug zur Erde. Das war aber noch nicht besonders gut! War ja auch der erste Versuch. Fliegen lernen dauert sicher länger! Ich springe vom Baum und nehme ihn wieder in meine Hand und stecke ihn in die Tasche. Wieder rauf auf den Baum. Diesmal etwas höher. Das ist sicher besser zum Fliegenlernen. Ich werfe ihn wieder von mir weg. Etwas höher als beim ersten Mal.
Wieder fällt er fast wie ein Stein zur Erde. Verdammt. Ist der zu dumm oder mach ich etwas falsch? Noch ein Versuch. Aller guten Dinge sind drei, sagt Mama immer. Noch höher klettere ich. Weiter trau ich mich nicht. Ganz schön hoch. Jetzt aber, kleiner Spatz! Danach machen wir dann mal Pause.
Etwas kräftiger werfe ich ihn abermals weit von mir, ganz vorsichtig. Als ob ich einen Ball geworfen hätte, plumpst er, ohne auch nur den Versuch gemacht zu haben, mit den Flügeln zu schlagen, in den ‚Robobembom‘ Strauch. Mama nennt den so. Komischer Name. Sollen wir nicht kaputtmachen. Wo ist der Spatz? Ah! Da hängt er ja im Strauch. Er lässt den Kopf so merkwürdig hängen. Ist ihm schlecht? Er rührt sich nicht mehr. Die Äuglein halb geöffnet, schaut er mich so traurig an. Ich hole den Regenwurm aus der Hosentasche. Dann freut er sich bestimmt. Ich halte ihn ihm vor den Schnabel. Nichts. Er holt noch mal tief Luft. Dann liegt er ganz still in meiner Hand. Schnell laufe ich durch das Büro meines Vaters die Treppe rauf.
„Mama, Mama, guck mal schnell. Der kleine Spatz ist sicher krank. Was hat er nur?“
Mama nimmt den Spatz, betrachtet ihn und sagt: „Ich glaube, Hänschen, der ist tot!“
„Aber ich wollte ihm doch nur das Fliegen beibringen“, weine ich lauthals los.
„Das kann man doch nicht“, sagt Mama und nimmt mich auf den Schoß. „Und verhungert wäre er auch. Wenn die Vogelmama sich nicht kümmert, müssen die sterben. Du hast es sicher gut gemeint. Das nächste Mal wartest du aber erst mal ab. Manchmal kommen die Vogeleltern zurück und kümmern sich, auch wenn so ein Baby aus dem Nest gefallen ist. Geh jetzt und begrab ihn im Garten!“
Schluchzend nehme ich das Vögelchen vorsichtig wieder in die Hände und gehe traurig zurück in den Garten. Ich mache mit der Schaufel ein kleines Loch und lege ihn vorsichtig hinein.
„Schade, kleiner Freund. Ich hätte dich so gerne großgezogen.“ Ich fülle die Erde wieder auf ihn. Dann suche ich zwei kleine Stöcke, binde sie mit einem Stück Kordel – hat man ja alles in der Hosentasche – zu einem Kreuz und stecke es in die Erde. Der Regenwurm ist ja auch noch in meiner Tasche! Ich lege ihn wieder an die Stelle unter dem Stein. Langsam kriecht der wieder zurück in sein Loch. Wenigstens der lebt noch. Während ich den großen Stein wieder umdrehe, höre ich laut ‚tatütata-tatütata‘. Aufgeregt laufe ich zum Straßentor. Das ist bestimmt die Feuerwehr! Das riesengroße rote Auto mit der Leiter auf dem Dach. Das Tor ist immer abgeschlossen. Ich darf ja nicht alleine auf die Straße. Der Schlüssel steckt. Mal rausgucken darf ich sicher! Bestimmt! Sieht ja auch keiner. Ich drehe den Schlüssel um, öffne das Tor und gehe auf den Bürgersteig. Da kommt schon das Auto mit Blaulicht angerast. Ist aber nicht die Feuerwehr. Viel kleiner. Mit Fenstern rundherum. Ich glaube, das ist ein Krankenwagen.

Dumpf, wie durch Watte, höre ich das Martinshorn. Dieses verhasste Geräusch. Wie oft habe ich es verflucht, als ich selbst noch als Notarzt mit dem Rettungswagen den ganzen Tag und auch in der Nacht unterwegs war. Hatte selten was Gutes zu bedeuten. Wenn ich Glück hatte, war es ein Fehlalarm. Besser als ein Einsatz bei einem Verkehrsunfall. Man fühlte sich damals zwar wichtig, war man ja auch, aber es war oft wenig erfreulich. Sterbende, Tote, Verletzte. Aufgeregte Angehörige. Leid und Not. Schön war der Tag, als ich meinen allerletzten Einsatz hatte, mit dem Bewusstsein, niemals mehr solche Einsätze fahren zu müssen.
Warum höre ich jetzt wieder dieses verhasste Horn? Es nähert sich. Der Rettungswagen ist doch eben hier mit meinem Patienten Josef weggefahren. Warum kommt der zurück? Stimmt da was nicht? Ist da etwas passiert unterwegs?
Mir kommt das auch alles so seltsam vor. Warum liege ich hier auf dem Hof auf der Erde? Ich sehe nur verschwommen meine Frau, die sich über mich beugt und ständig meinen Namen ruft. Auch meine Angestellten stehen um mich herum. Das Martinshorn wird immer lauter, bis es urplötzlich verstummt.
Ich will aufstehen. Es geht nicht. Nichts kann ich bewegen, weder Arme noch Beine reagieren. Ich fühle sie aber. Sie wollen aber nicht. Was ist passiert? Ich versuche, mich zu erinnern. Weiß noch, dass ich auf den Hof gegangen bin, weil mir so mulmig und schlecht war. Dann bin ich zusammengesunken. Ja, und dann? Keine Erinnerung mehr. Ich bekomme Angst. Große Angst. Das Grauen. Habe ich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt? Eine Hirnblutung? Weitere schlimme Diagnosen fliegen durch meinen Kopf. Ist das jetzt mein Ende? Muss ich sterben? Ich muss doch noch so vieles tun! Noch für so vieles sorgen. Ich kann doch Gabi nicht allein lassen mit all dem Unfertigen auf unserem geliebten Lindenhof. Das schafft sie nicht alleine. Jeden Tag ist doch was kaputt und ich bin der Kaczmarek, der Hausmeister, der alles zu reparieren versucht und das auch meistens schafft. Lieber Gott, Vater und Mutter, lasst das nicht zu, noch nicht. In ein paar Jahren vielleicht. Aber doch jetzt noch nicht!
Zwei Männer in roten Jacken beugen sich über mich. Sie öffnen mein Hemd, kleben mir Elektroden auf die Brust. Ich friere. Ich schwitze. Es dreht sich alles. Einer misst meinen Blutdruck.
„EKG sieht normal aus“, höre ich entfernt jemanden sagen. „Blutdruck ist normal. Kreislauf stabil.“
Hört sich schon mal nicht schlecht an.
„Keine Reflexe“, sagt ein anderer. „Pupillen starr. Könnte eine cerebrale Blutung sein.“
Neiiiiin!!!! Das bitte nicht!
„Wir müssen ihn auf schnellstem Wege in die Neurologie bringen, in die Stroke Unit!!“
Sie heben mich wenig vorsichtig auf und legen mich auf die Tragbahre. So sieht also das Ende aus? Es verschwimmt wieder alles, was sowieso nicht scharf zu sehen war.
„Hören Sie mich?“, schreit jemand.
Ja, verflucht, merkt ihr das nicht? Ich will antworten, aber es geht nicht. Ich kriege keinen Ton heraus. Ich kann den Mund nicht bewegen. Es wird wieder dunkel um mich und still, entsetzlich dunkel und still.
Es rumpelt. Ich höre wieder zwei oder drei Leute sich unterhalten. Einer legt mir eine Infusion an. Das Martinshorn schreit mich laut an. Wir fahren wohl ins Krankenhaus. Ein anderer gibt mir eine Spritze in den anderen Arm. Ich spüre das alles. Tut verdammt weh. Warum kann ich mich nicht bewegen, wenn ich doch alles fühle?
„Das wird nichts mehr mit dem“, höre ich den Sanitäter – oder ist es der Notarzt? – zu meiner Rechten sagen. „Pupillen reagieren nicht. Keine Reflexe!“
„Piks mal mit einer Nadel in den Fuß!“, sagt er zu einem anderen.
Au! Verdammt, tut das weh. Ich will den Fuß wegziehen. Geht nicht. Er sticht noch zweimal kräftig zu.
Hör doch endlich auf damit, du Arschloch!!
„Keine Reaktion“, sagt das Arschloch. „Der is fertig! Gut, dass er uns nicht hört!“
Ich höre alles, du Mistkerl! War ich auch so, als ich noch im Notarztwagen gefahren bin? Nein. Sicher nicht. Hoffentlich nicht! Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Gedacht und befürchtet habe ich es öfter.
„Hoffentlich kriegen wir den noch lebend zur Klinik. Tot nehmen die uns den nicht ab. Dann haben wir wieder die Fahrerei und das Palaver.“
Oh ihr Wichser! Könnte ich euch doch in eure verdammten Ärsche treten!
Die Fahrt geht weiter. Es schaukelt wie verrückt. Das Martinshorngeheule geht mir durch Mark und Bein. Ich werde auf der Trage nach rechts und links gerissen. Die fahren wie die Wilden. Wollen mich ja noch lebendig abliefern.
Ich will denen die Meinung sagen. Geht nicht. Kein Ton kommt über meine Lippen. Ich werde wahnsinnig. Warum war ich nicht gleich tot?
Durch den oberen Teil des hinteren Fensters, das zu zwei Dritteln undurchsichtig ist, sehe ich rechts und links große Häuser, Ampeln, Straßenschilder. Wir sind also irgendwo in der Stadt. Es geht rasant links herum, dann rechts, wieder ein Stück geradeaus. Das Blaulicht spiegelt sich in den Fenstern der Fassaden. Bei jeder Kurve zieht es mich heftig von der einen zur anderen Seite. Ich fall denen noch von der Trage!
Mit einem plötzlichen Ruck hält der Wagen auf einmal an. Die hintere Tür wird aufgerissen. Die Sanitäter springen raus und ziehen mich auf der Trage aus dem Auto.
„Der lebt zum Glück noch. Jetzt schnell in die Ambulanz!“, höre ich einen sagen.
Hastig rollen sie mich vom Rettungswagen weg und in einen großen Flur hinein. Hinter uns schließen sich automatisch große gläserne Schiebetüren.
„Notfall!“, ruft jemand. „Schnell, schnell, aus dem Weg!“
Weiter und weiter werde ich gerollt, durch endlose Flure, um zahlreiche Ecken, bis wir schließlich in einem Raum, der mit grellem Licht und vielen medizinischen Geräten ausgestattet ist, ankommen. Ich muss brechen. Will mich erheben, geht nicht. Ich merke, wie mir Erbrochenes aus dem Mund läuft.
„Der kotzt. Verdammt! Auf die Seite drehen, damit er nicht aspiriert!“
Sie rollen mich recht unzärtlich auf die Seite. Mein Arm liegt krumm unter mir, tut weh.
„Absaugen!“, ruft einer.
Ich spüre, wie sie mir einen Schlauch in den Hals stecken. Scheißgefühl. Nach einiger Zeit ziehen sie das verdammte Ding wieder heraus. Sie drehen mich wieder auf den Rücken. Mein Arm ist wieder frei, schmerzt aber noch heftig.
Ein weißer Kittel mit einem bärtigen Kopf beugt sich über mich und leuchtet mir mit einer Taschenlampe in die Augen. Das ist so schrecklich hell, dass es wehtut. Will die Augen schließen. Klappt nicht. Mach die Lampe weg!
„Keine Pupillenreaktion“, klingt es aus dem Bart.
Ich sehe, wie er einen Reflexhammer nimmt und mir auf Beine und Arme klopft.
„Nichts!“
Wieder ein Stechen mit einem spitzen Ding in meine Fußsohlen. Ein brennender Schmerz durchbohrt mich wieder. Ich kann die Füße nicht zurückziehen.
„Da ist nichts mehr bei dem, außer, dass er noch nicht ganz tot ist. Den können wir hier nicht brauchen. Wir haben kein Bett frei!“, sagt der Bart zu den Sanitätern. „Versucht es mal an der Uni. Die werden auch nicht begeistert sein!“
Während die alle, jetzt etwas leiser, miteinander reden, höre ich meine Frau laut und schnell sprechend den Raum betreten. Ach Gabi, hol mich schnell hier raus und lass mich zu Hause sterben, in Ruhe und Frieden! Bitte, bitte!
„Machen Sie doch was!“, schreit sie fast. „Helfen Sie bitte meinem Mann. Der stirbt doch sonst noch!“
„Mmh, Frau, äh, äh, ich weiß Ihren Namen nicht. Aber das sieht sehr schlecht aus. Wir haben auch kein Bett frei für solche Fälle.“
„Das geht doch wohl nicht!“, schreit Gabi ihn an. „Mein Mann ist privat versichert und außerdem ein Kollege von Ihnen!“
Zuerst betretenes Schweigen. Dann sagt der Bart, plötzlich freundlicher, wie verwandelt: „Das ist natürlich etwas anderes. Ich rufe sofort den Professor und dann sehen wir weiter!“
Zu den anderen schreit er, schon aus dem Raum laufend: „Los, bringt den Kollegen sofort auf die Intensivstation. Aber rasch!“ Schon ist er weg.
Gabi beugt sich über mich und ich spüre Tränen auf meine Wangen tropfen. Sie weint. „Bald bist du wieder gesund“, schluchzt sie.
Wieder werde ich durch endlose Flure gerollt. Schnell geht die Fahrt. Eine Krankenschwester läuft mit einer Infusionsflasche, die sie in Kopfhöhe hält, neben mir her. Der Schlauch der Infusion wackelt vor meinem Gesicht und führt zu meinem Arm.
„Schnell! Aus dem Weg da!“, ruft sie in den Flur.
Sie schieben mich in einen riesigen Aufzug. Dann geht es aufwärts. Ich höre die Stimmen von drei oder vier Personen. Sie unterhalten sich ziemlich leise. Alles kann ich nicht verstehen.
„Wieder typisch! Privatpatient!“
„Klar. Dann geht alles.“
„Der ist doch am Ende! Schon fast tot! Aber der Chef muss ja auch noch was verdienen. Sonst kann der sich den neuen Ferrari nicht leisten!“ Ich höre die anderen leise lachen, bis der Aufzug sanft zum Stillstand kommt.
Weiter geht die Fahrt durch noch mehr, noch längere Flure, bis wir in einem riesigen Raum ankommen. Es stehen einige Betten an einer Wand. Es piepst und blinkt von zahlreichen Monitoren, helles Licht schmerzt in meinen Augen, die ich nicht schließen kann. Überall laufen Pfleger und Schwestern in blauen Kitteln und mit Mundschutz sowie Kopfbedeckung – blauen OP-Papiermützen – herum. Hier ruft einer, da reißt einer eine Schranktür auf und holt etwas Verpacktes heraus.
„Los! Beeilung! Nummer drei verblutet! Schnell! Plasmaexpander!“
Drei laufen zu dem Bett neben mir. Da ich den Kopf nicht bewegen kann, sehe ich nicht, was sie machen. Zwei andere beginnen, mich auszuziehen. Sie heben meine Beine hoch und ziehen an meiner Hose.
„Schneller!“, höre ich einen anderen. „Schneidet die Klamotten doch auf, sonst müssen wir die Braunülen ja wieder neu legen! Der braucht die Sachen ja doch nicht mehr! EKG anschließen! Zentralen Zugang legen! Oxymeter anlegen! Sauerstoffmaske auf die Nase! Beeilt euch. Gleich kommt bestimmt der Alte. Dann muss das alles laufen. Privatpatient!“
Ich werde verkabelt, ein weißes, langes Hemd wird über mich gelegt, eine Klammer spüre ich am Zeigefinger der rechten Hand. Eine Schwester stülpt mir eine Sauerstoffmaske auf Nase und Mund. Ein anderer dreht meinen Kopf zur Seite und sticht, wohl mit einer dicken metallenen Kanüle, kräftig zu.
Au! Verflixt, tut das weh! Schon mal was von Lokalanästhesie gehört? Scheiße! Ein wahnsinniger Schmerz ist das. Die denken ja, ich fühle nichts. Ich spüre genau, wie der mit der Nadel in meinem Hals bohrt und immer tiefer geht.
„Mist!“, ruft er. „Das war die Arterie!“
Ich merke, wie etwas Warmes meinen Hals hinunterläuft und auf meine Schulter spritzt. Blut.
„Abdrücken!“, schreit er einem Pfleger zu. „Ich versuchs an der anderen Seite!“
Man drückt mit Gewalt gegen meinen Hals, während mein Kopf nach rechts gerissen wird. Wieder sticht die dicke Nadel. Noch schmerzhafter als vorher. Immer tiefer bohrt sie sich in meinen Hals. Ich kriege kaum Luft. Der Schmerz, der verdrehte Kopf, die pressende Hand an meiner rechten Halsseite.
„Jetzt liegt das Ding richtig! Her mit dem Katheter!“
Sterile Handschuhe reichen ihm einen langen, dünnen Plastikschlauch. Das Gefühl, wie der Schlauch langsam, aber zügig innen in meinem Hals durch die Vene bis zur Brust geschoben wird, ist nicht angenehm, aber immerhin nicht so sehr schmerzhaft.
„Fixieren und an den Perfusor anschließen!“, wendet sich der Meister ab und verschwindet aus meinem Gesichtsfeld. Endlich liegt der Kopf wieder gerade und relativ schmerzfrei. Der Druck rechts am Hals hat auch aufgehört. Hoffentlich sind die jetzt erst mal fertig und lassen ab von mir. Was kommt wohl als Nächstes? Ich weiß ja ganz genau, wie es weitergeht!
„Exitus!“ Hektisches Laufen um mich herum.
Was jetzt? Ich? Bin ich gemeint? Ich sehe euch doch! Ich höre euch doch! Bin ich trotzdem tot? Hatte ich mir anders vorgestellt.
Sie huschen aber alle an mir vorbei zu dem Bett nebenan. Kurz darauf wird das Bett an mir vorbei weggeschoben. Einen kurzen Moment sehe ich aus den Augenwinkeln, dass das Bettlaken auch den Kopf des anderen Patienten bedeckt. Der ist also tot! Nicht ich! Soll ich jetzt froh oder traurig sein? Hat der es jetzt besser als ich? In jedem Fall braucht er nicht mehr zu leiden, was auch immer er hatte. Fast beneide ich ihn!
Ich weiß zu gut, was noch alles auf mich zukommen kann. Schmerzen. Schmerzhafte Untersuchungen. Qual. Vielleicht schneidet man mich auf. Den Kopf? Spritzen, die ich so hasse. Was habe ich bloß? Kann mir keinen Reim machen. Sich nicht bewegen können, nicht die kleinste Bewegung, aber alles hören, alles sehen, alles fühlen. In welche Diagnose passt das denn? Mir fällt keine ein. Habe ich etwas, das noch niemand hatte? Blödsinn!
„Achtung, der Chef kommt!“, tönt es von der anderen Seite des Raumes.
Es herrscht auf einmal andächtige Stille, vom Piepsen der Monitore und verschiedenen Motorengeräuschen, einem Saugen und Pumpen, abgesehen.
Schon tauchen drei große, weiß bekittelte Gestalten an meinem Bett auf. In einigem Abstand bleiben sie am Fußende stehen wie die Heilige Dreifaltigkeit.
Bin ich jetzt also doch tot? Habe ich es nicht gemerkt? Sind die drei Figuren das ‚Jüngste Gericht‘? Ich war sicher, das gäbs nicht. Nee, haben alle ein Stethoskop um den Hals. Gibts im Himmel bestimmt nicht!
Ich würde schmunzeln, wenn ich nur könnte! Kenne ich alles noch aus meiner Zeit als Assistenzarzt. Respekt hatte man zu haben und Ehrfurcht! Unsere Scherze über diese Auftritte haben wir natürlich hinterher auch gemacht.
„Der neue Privatpatient. Eben mit dem Notarztwagen hier eingetroffen und sofort hier auf die ITV und versorgt“, berichtet der kleinere der Dreifaltigkeit. Der Bart steht an der anderen Seite. Der Professor, natürlich in der Mitte, wie Gottvater persönlich, allerdings ohne Bart, dafür mit goldgefasster, randloser Brille tief auf der Nase, sodass er über sie hinweg auf mich hinabschaut, und um den Hals eine große, grellbunte Fliege, fragt mit ruhiger, aber sehr bestimmender Stimme, die für seine Größe etwas hoch klingt: „Klinik?“
„Im Moment noch unklarer Fall“, erwidert sichtlich angespannt der Kleinere zu seiner Linken. „Zu Hause zusammengebrochen. Nicht ansprechbar. Keine Reflexe. Keine Schmerzreaktionen. Schlaffe Tetraplegie, wie es scheint. Pupillen ohne Reaktion. Auf Geräusche keinerlei Reaktion. Herz und Kreislauf stabil. Spontanatmung. Keine Inkontinenz – bis jetzt. Möglicherweise eine Hirnblutung!“
Gottvater hat die rechte Hand an sein Kinn gelegt. „Schädel-CT. Sobald wie möglich. Privat, sagten Sie? Dann besser auch noch Ganzkörper-MRT. EEG, neurologische Untersuchung, komplettes Labor und so weiter. Sie wissen ja! Das ganze Programm. Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt!“
Anstandshalber verhaltenes Lächeln und zustimmendes Kopfnicken vom Bart und dem Kleineren.
„Gut. Danach so schnell wie möglich auf meine Privatstation“, verkündet er, dreht sich um und entschwindet mit den beiden anderen im wehenden Kittel aus meinem Gesichtsfeld.
Ich höre sie an einem anderen Bett kurz verhoffen.
„Was ist hier?“
„Apoplex“, antwortet der Bart. „Stabil. Noch keine Besserung seit drei Tagen.“
„Auch privat versichert?“
„Nein. AOK.“
„Gut, gut“, höre ich Gottvater sagen. „Dann kann er auf die Allgemeinstation. Sie kümmern sich um das Weitere. Wir brauchen die Betten hier!“ Er wendet sich ab und die Schritte der Dreifaltigkeit entfernen sich rasch.
Die Geschäftigkeit im Raum beginnt wieder. Hastende Schritte von allen Seiten. Gemurmel. Manchmal leises Lachen. Zurufe. Geklapper von Geräten und Instrumenten. Das Piepsen der Monitore. Summen. Brummen. Rauschen. Ich merke, wie ich immer müder werde. Könnte ich doch die Augen schließen! Irgendwann schlafe ich wohl ein.
Ich fliege. Schwerelos schwebe ich über eine weite Landschaft mit vielen großen Feldern und Wiesen. Ein Kirchturm kommt mir entgegen. Das ist doch unsere kleine Kirche! Da, da ist unser Hof. Wie toll das von oben aussieht! So ordentlich alles! Wie früher meine Modelleisenbahn. Da steht ein Krankenwagen mit Blaulicht vor dem Tor zu meiner Praxis. Was macht der da? Viele Leute laufen da herum. Plötzlich fährt er los. Dieses schreckliche Getute hört man bis hier oben. Ich fliege hinterher. Aus dem Dorf hinaus, über die Landstraße bis zur Autobahn. Über rote Ampeln hinweg. Mann, hat der es eilig! Weiter rast er auf der Überholspur der Autobahn. Ich komme kaum mit. Er erreicht eine größere Stadt. Links ab. Rechts ab. Hält vor einem riesigen Gebäudekomplex. Die Fahrer springen heraus. Auf einer Bahre schieben sie jemanden in das Gebäude. Ich schwebe weiter hinterher, komme gerade noch durch die Tür, die sich genau hinter mir schließt. Viele weiße Kittel. Hektik. Meine Frau! Was macht die denn hier? Rennt da schreiend herum. Bist du verrückt geworden, Gabi?!
Weiter fliege ich hinter der Bahre her, die kreuz und quer durch das ganze Gebäude geschoben wird. Ich halte über einem Bett in einem hell erleuchteten Raum. Ich gleite etwas tiefer, wer liegt da in dem Bett? Ich? So was! Ich träume wohl! Wieso sehe ich mich selbst da liegen, mit Schläuchen am Arm? Scheißtraum. Es wird dunkler. Dunkler und auf einmal ganz still. Schwarz. Schweigen.
Habe wohl kurz geschlafen und was Blödes geträumt. Ein hübsches Gesicht beugt sich über mich. Lange blonde Locken. Ganz in Weiß gekleidet lächelt es mich freundlich, aber ernst an. Jetzt fällt mir alles wieder ein. Wo ich bin und wie ich hierhergekommen bin. Was passiert ist.
Die sieht aber doch aus wie ein Engel! Gibt es die doch? Bin ich jetzt doch schon im Himmel? Bei solch hübschen Engeln wäre das ja nicht das Schlechteste!
„Hallo! Hallo! Hören Sie mich?“, schreit der Engel mich mit einer recht tiefen, aber eher doch menschlichen Stimme an. „Ich bin Neurologin und werde Sie jetzt untersuchen!“
Doch nicht der Himmel! Doch kein Engel! Irgendwie schade!
Sie fängt an, mit einem silbernen Reflexhammer auf mir herumzuklopfen. Auf die Fersen, auf die Knie, mehrfach auf den Bauch, auf beide Arme, auf die Handgelenke und auf die Ellenbeugen. Ich spüre jeden Schlag. Tut nicht besonders weh. Mit dem spitzen Ende des Hammerstiels zieht sie kräftig über meine Fußsohlen. Das kitzelt. Dann rechts und links unterm Bauchnabel nach unten. Sie schüttelt den Kopf langsam, das Engelshaar wogt schön um ihren Hals.
„Nichts!“, murmelt sie zu sich selbst. Sie klatscht laut mit den Händen vor meinen Ohren und sieht mir dabei direkt in die Augen.
Hübsch bist du ja, du vermeintlicher Engel! Was hast du jetzt noch auf Lager? Dachte ich es mir! Sie nimmt ein kleines Köfferchen und stellt es auf meinen Bauch. Zwei Kabel mit spitzen Nadeln am Ende hält sie in ihren Händen, die sehr schön schmal und wohlgeformt sind, aber von zahlreichen, wohl modischen und auffälligen Ringen geziert werden. Eher nicht mein Geschmack! Ich weiß wohl, dass die Nadeln Schmerz bringen und schon fährt die erste in meinen Oberschenkel, gefolgt von der zweiten in die Wade. Verdammt, das pikst aber mehr, als ich dachte. Nach kurzer Zeit zieht sie die Dinger heraus und sticht sie ins andere Bein. Hat sie ein leicht sadistisches Lächeln auf ihren geschwungenen, beinah wollüstigen Lippen? Ich tue ihr sicher Unrecht. Kenne die Untersuchung ja. Elektromyogramm nennt man das. Wieder scheint sie unzufrieden mit dem Messergebnis und haut mir die Nadeln in beide Arme, erst rechter Oberarm und Unterarm. Dann noch mal das gleiche links. Engelshauptschütteln.
Sie packt das Köfferchen wieder ein und stellt es neben sich auf einen fahrbaren kleinen Tisch, steht auf und zieht einen anderen Tisch mit einem großen Monitor zu sich heran. Sie nimmt eine Menge Kabel mit kleinen Saugelektroden und pappt sie mir auf die Stirn, die Schläfen und hinter die Ohren, sowie in den Nacken. Dann befestigt sie noch einige an verschiedenen Stellen mitten auf dem Kopf zwischen den Haaren. Der Monitor leuchtet auf und ein Gewirr von Kurven erscheint. Sicher ein Dutzend verschiedene untereinander. Ein EEG. Da verstehe ich nichts von. EEGs waren mir immer ein Rätsel. Nacheinander drückt sie auf verschiedene Knöpfe. Immer andere, noch verrücktere Kurven werden sichtbar. Sie steht staunend mit verschränkten Armen davor, eine Hand am Kinn und zwei Finger auf dem Mund, und sieht den laufenden Zacken zu. So ähnlich sehen die Kurven der Seismologen bei Erdbeben aus, geht mir durch den Kopf.
Während der Monitor noch läuft, greift sie zu einer kleinen Taschenlampe und leuchtet mir abwechselnd in das rechte und linke Auge. Das ist wieder so grell! Schlimmer als die Nadeln. Jetzt drückt sie mit dem Daumen auf meinen Augapfel. Hör auf, du Teufel! Niemals bist du ein Engel! Auch wenn du so aussiehst! Das ist ein höllischer Druckschmerz. Das andere Auge auch noch! Du Biest! Könnte ich dich bloß packen!
Sie zaubert eine lange, dünne und scherenartige Zange aus der Kitteltasche und nähert sich damit langsam meiner Nase.
Neiiiiiiin! Bitte das nicht! Das ist der schlimmste Test. Habe ich früher auch schon mal gemacht. Jetzt gerade tut mir das leid. Damit kann man testen, ob jemand Bewusstlosigkeit simuliert.
Niemand hält den Schmerz aus.
Sie öffnet die Zange und schiebt sie langsam in meine Nase, in jedes Nasenloch ein Zangenmaul. Dabei sieht sie mir wieder genau in die Augen. Langsam, ganz langsam schließt sich die Zange. Zunächst ist es nur ein leichter Druck. Dann drückt sie das Gerät immer fester. Grinst sie hämisch dabei? Um den leicht geöffneten Mund spielt ein Lächeln, ein böses Lächeln. Zwischen den schönen Zahnreihen sieht man die Zungenspitze blitzen wie bei einer Schlange. Immer kräftiger wird der Druck. Es schmerzt. Der Schmerz wird immer größer, je kräftiger sie drückt. Das ist brutal! Ich halte das nicht mehr lange aus. Weg mit der Klemme. Ich bin doch kein Tanzbär oder Bulle! Hölle pur! Will schreien. Kein Ton. Wie weit lässt sich Schmerz steigern? Ich kann nicht mehr. Das hält keiner aus. Mir verschwimmt alles vor Augen. Werde ich endlich bewusstlos? Was kann der Mensch noch aushalten? Schwarze Stille. Kein Schmerz mehr.