Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Leseprobe: Geschichten einer Kriegerin – Der verliebte Dschinn

Der verliebte Dschinn

Mark schüttelt den Kopf. „Wie kann jemand, der so fit ist, so leicht frieren?“
„Sie friert schon, wenn ich den Kühlschrank aufmache.“ Danke, James!
Mark grinst breit, während ich meinen lieben Ehemann empört anstarre.
„Was denn? Stimmt das etwa nicht? Ich verstehe es sowieso nicht. Als du den einen Kerl aus dem Auto geholt hast, da warst du auch nicht gerade dick angezogen.“
„Aber voll mit Adrenalin!“
„Was für einen Kerl aus was für einem Auto?“
Ich überlasse es James, von unserem Abenteuer mit dem Selbstmörder zu berichten, und denke in der Zeit nach. Was für ein Wesen haust in einem See, streichelt unsichtbar fremde Frauen und erscheint in einem Kaftan einem vögelnden Paar? Irgendwas ist hier mehr als seltsam.
„Schatz?“
„Was?“
„Ich habe dich jetzt dreimal was gefragt.“
„Was denn?“
„Ob es okay ist, dass Mark den Anzug besorgt und uns Bescheid sagt, wenn er ihn hat. Mehr als zwei, drei Tage wird das ja wohl nicht dauern.“
„Er hat eine Woche Zeit.“
„Eine Woche?“
„Bis nächsten Samstag. Ich werde nicht im Dunkeln im See herumschwimmen.“
„Hast du etwa Angst?“
„Das habe ich überhört. Ich brauche Licht. Meine Sinne sind zwar deutlich feiner als eure, aber ganz ohne Licht in dem See wird es nicht gehen.“
„Ich kann auch eine Taucherlampe besorgen.“
„Trotzdem werde ich erst nächsten Samstag in den See gehen, und zwar tagsüber“, erwidere ich. „Hast du ein Problem damit?“
Mark mustert mich nachdenklich, dann schüttelt er den Kopf.
„Gut. War es das?“
„Der offizielle Teil. Wenn ihr noch bleiben wollt, alles geht aufs Haus.“
Ich brauche einen Moment, um zu begreifen, dass er uns gerade ernsthaft vorgeschlagen hat, Gruppensex auszuprobieren. Und dass er heute garantiert mitmachen würde. Kann es wirklich sein, dass er so scharf darauf ist, mit der Frau seines ehemaligen Kollegen zu vögeln? Ich glaub das einfach nicht. Steht auf meiner Stirn: „Fick mich“?
Mark scheint mein Zögern zu missverstehen, denn er sagt: „Nein? Schade. Vielleicht ein anderes Mal.“
„Ganz sicher nicht!“
Ich verzichte auf den Abschied und warte im Foyer auf James. Er kommt irgendwann ohne Mark, sieht mich kurz an, dann nimmt er seine Jacke. Ich habe meine bereits an, er zieht seine gar nicht erst an. Heute sind wir mit meinem Wagen da und ich fahre. Die ersten Minuten ist nur Musik zu hören.
„Mark wollte wissen, was du eigentlich gegen ihn hast“, sagt James plötzlich.
„Ist dir eigentlich klar, dass er scharf darauf ist, mich zu ficken?“
„Unübersehbar.“
„Und was sagst du dazu?“
„Du bist scharf.“
Ich verreiße fast das Steuer, als ich ihn nicht zum ersten Mal heute empört anstarre.
„Ist dir nicht das klar?“
„Natürlich ist mir das klar. Deswegen ficke ich doch nicht jeden!“
„Nicht mehr.“
Arschloch! Ich beherrsche mich gerade noch und denke das nur. Mit zusammengepressten Lippen starre ich nach vorne.
„Ich mache dir keine Vorwürfe. Schließlich habe ich mich in dich verliebt, so wie du bist.“
„Aha.“
„Wo ist das Problem? Du siehst gut aus, du liebst Sex. Männer wie Mark merken das und reagieren darauf.“
„Und das ist dir egal?“
„Es wäre mir dann nicht egal, wenn ich dir nicht vertrauen würde.“
Na toll. Wie soll ich weiterschmollen, wenn er solche Sachen sagt?
Ich werfe ihm einen Blick von der Seite zu. „Du vertraust mir? Trotz allem?“
„Ist das falsch?“
Ich schüttele den Kopf.
„Mich törnt das eh ab.“
Ein heftiger Themenwechsel. Oder er merkt nur, wie unangenehm mir das Thema geworden ist. Immerhin habe ich ihm erst vor ein paar Wochen Gelegenheit gegeben, sein Vertrauen mir gegenüber zu überdenken.
„Hast du nicht gesagt, du hast das schon mal gemacht?“
„Das ist lange her. Außerdem war es dienstlich.“
„Und du hast es nicht genossen?“
„Doch, sicher hat es Spaß gemacht. Ich bin nun auch nicht gerade ein Mönch.“
„Nein, wirklich nicht.“ Ich grinse ihn an. „Hast du auch mit Männern geschlafen?“
Er schüttelt den Kopf.
„Keine Lust oder keine Gelegenheit?“
Mir wird plötzlich bewusst, dass ich mich auf sehr dünnem Eis bewege. Was antworte ich, wenn er mich fragt, ob ich schon mit einer Frau geschlafen habe? Okay, zur Not kann ich Anne Marie ins Spiel bringen. Wäre ja nicht einmal gelogen. Aber auch nicht ganz ehrlich. Kann er mir wirklich vertrauen?
„Jemand, den ich mal kannte, hat gesagt: Homosexuell sei man nur solange nicht, bis einem der Richtige begegnet.“
Stimmt. Genau so ist es mir mit Katharina ergangen. Dass sie seitdem nicht die einzige Frau geblieben ist, mit der ich Sex hatte, ist wahrscheinlich eine Konsequenz daraus, dass ich nun weiß, wie viel Spaß es machen kann.
„Wie müsste denn dein Angebeteter aussehen?“, erkundige ich mich.
„Wie du.“
Okay, er will darüber nicht reden, oder wenigstens nicht in die Tiefe gehen. Ich kann ja nur hoffen, dass er nicht auch ein Geheimnis hat.
Ach was, hat er nicht.
„Demnach hattest du mit mehreren Frauen gleichzeitig Sex.“
„Demnach?“
„Na ja, wenn du Gruppensex in einem Swinger-Club hattest und noch nie Sex mit einem Mann, müssen es ja mehrere Frauen gewesen sein.“
„Das ist logisch. Und ja. Mit dreien.“
„Oh. Unterfordere ich dich da nicht?“
„Du? Ganz sicher nicht.“
Hm. Das ist jetzt eindeutig mehrdeutig. Ich beschließe, dass es ein Kompliment war.
„Und du?“
„Ich war noch nie in einem Swinger-Club.“
„Und auch noch nie mit mehr als einem Mann Sex gehabt?“
„Doch. Einmal.“
„Oh.“
„Ich war neunzehn. Mein erster Urlaub allein, nach der Schule und bevor ich als Trainee anfing. Ich hatte mich im Hilton in Bay Arrival einquartiert und zwei Jungs in der Disco kennengelernt.“
„Also lag ich doch gar nicht so falsch.“
„Womit?“
„Nicht mehr.“
Ich brauche einen Moment, bis ich kapiere, was er meint. Dann sehe ich ihn an. „Idiot.“
Er grinst. „Wie ich schon sagte, ich habe mich in dich verliebt, weil du bist, wie du bist.“
„Wie bin ich denn?“
„Wieso wusste ich, dass jetzt diese Frage kommen wird?“
„Vielleicht weißt du ja wirklich, wie ich bin.“
James mustert mich nachdenklich.
„Du hast noch fünf Minuten, dann sind wir zu Hause.“
„Das geht schnell. Du bist süß wie Schokolade, heiß wie ein Vulkan und wild wie eine Löwin.“
Vielleicht sollte ich ihm erzählen, dass ich nicht süß bin. Andererseits, mir fehlt gerade die Luft zum Reden. Das ist so richtig typisch James, wie er eigentlich immer Komplimente macht. Wieso sagt er nicht einfach, dass ich die tollste Frau bin, der er je begegnet ist? Eine Göttin halt?
„Habe ich dich sprachlos gemacht?“
„Ein bisschen. Meine Eltern haben mich auch erst vor Kurzem mit einem Vulkan verglichen, als ich sagte, du seist wie ein Eisberg.“
„Wann war das denn?“
„Als ich … ich nackt zu ihnen rübergelaufen bin.“
„Ah, das meinst du.“
Zum Glück kommen wir jetzt zu Hause an und ich bin erlöst. Solche Gespräche hatten wir ja wirklich noch nicht oft. Eher noch nie. Was so ein Swinger-Club auslösen kann. Schon erstaunlich.
Wir drehen eine kurze Runde mit Danny. Als wir wieder im Haus sind und ich mich aus meiner der Kälte angemessenen Kleidung schäle, sage ich plötzlich, sogar für mich überraschend: „Auch gleichzeitig.“
James starrt mich fragend an.
„Einer von hinten, einer von vorne.“
„Oh.“ Er denkt kurz nach. „Zwei in Reiterstellung.“
„Und die Dritte?“
„Sie küsste die Zweite.“
„Verstehe.“ Ich vergesse, bei der Hose haltzumachen und stehe plötzlich im Schlüpfer da. „Wir küssten uns gleichzeitig.“
„Wir zu viert. Und zu dritt.“
Ich gehe rückwärts ins Wohnzimmer, bis ich mit den Kniekehlen gegen einen der Sessel stoße.
„Zwei gleichzeitig im Vordereingang.“
James zieht eine Augenbraue hoch. „Waren das keine Männer?“
„Du Arschloch“, erwidere ich lachend.
Er kommt näher und zieht mir den Pullover aus. Dann das Sweatshirt. Und schließlich das T-Shirt.
„Warst du am Nordpol?“, erkundigt er sich amüsiert.

Schreibe einen Kommentar