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Leseprobe: Fiona – Spinnen (Band 8 der Fantasy-Saga)

Fiona – Spinnen

Ich hasse das Sterben. Und das Aufwachen danach auch.
Was ist passiert? Im Moment weiß ich nur, dass ich gerade wieder zum Leben erwache. Das ist diesmal ungewöhnlich schmerzhaft, als hätte etwas meinen Körper zerfetzt. Ich spüre, dass ich auf einer harten Unterlage liege.
Neben mir befindet sich noch etwas. Weich, ansatzweise warm. Ein Körper, nackt wie meiner.
Langsam erinnere ich mich wieder. Ich drehe den Kopf und sehe Katharina. Ihre Augen sind offen, sie atmet. Auf ihrem Kopf Blut und noch etwas.
Mein rechter Arm ist eingeklemmt. Ich glaube, sie liegt auf ihm. Ich taste mich mit dem anderen Arm ab. Einige Stellen sind sauber und trocken, andere von verkrustetem Blut und was auch immer bedeckt.
Die Explosion. Sie hat uns zumindest teilweise zerfetzt, und Reste unseres alten Körpers bedecken uns.
Na toll.
Ich setze mich auf und sehe mich um. Eine Kammer. In einer ähnlichen war ich schon. Von diesem Raum aus werden die Leichen in den Shadartunnel gekippt. Wir liegen nebeneinander auf einer Bahre, nackt. Um uns herum weitere Reste von uns. Vermutlich sind sie beim Regenerieren abgestoßen worden, wie die alte Haut bei der Entpuppung. Besonders appetitlich sieht es nicht aus.
Scheiß drauf.
Katharina rührt sich auch. Und stöhnt. Ich betrachte ihren Körper, dann entferne ich einige Teile, die sie nicht mehr braucht. Ich glaube, ein Stück Darm ist auch dabei. Und obwohl ich ihren Körper wirklich sehr gut kenne und liebe, ist das ein Teil davon, den ich weder sehen noch berühren möchte.
Bäh!
„Was ist passiert?“, fragt sie und stöhnt erneut. „Ich war wohl tot …“
„Ich auch. Irgendwas ist explodiert.“
„Explodiert?“
„Zerplatzt. Bumm. Unsere Körper auch zum Teil.“ Ich halte einen weiteren ehemaligen Bestandteil ihres Körpers hoch. „Keine Ahnung, was das ist, aber ich glaube, es war mal in deinem Körper.“
Sie verzieht das Gesicht. „Das ist ja widerlich.“ Sie setzt sich auf. „Wo sind wir überhaupt?“
„Kurz vor dem Shadartunnel.“
„Oh. Ich dachte, Matrixbeauftragte sind unberührbar?“
„Das dachte ich auch. Mir scheint, unser Auftrag wird spannend.“
Sie mustert mich. Meine Augen. Meinen Mund. Meine Brüste. Meinen Bauch. Meine Beine. Und das dazwischen. Ich glaube das einfach nicht.
„Katharina?“
„Ist ja schon gut. Bist du nicht geil?“
„Ich bin gerade erst zu den Lebenden zurückgekehrt, mir tut alles weh. Tut mir leid, da denke nicht einmal ich an Sex.“
„Schade. Mir tut auch alles weh, übrigens. Aber Sex ist eine gute Ablenkung. Vertreibt den Schmerz.“
„Wir holen das nach. Okay?“ Ich gebe ihr einen schnellen Kuss, dann stelle ich die Füße auf dem kalten Boden ab. Dabei versuche ich, über unsere Situation nachzudenken. Inzwischen funktioniert mein Gehirn wieder und ich schaffe es, die Bilder von den letzten Sekunden abzurufen. Sana war aufgestanden und gegangen, um Getränke zu besorgen. Er wusste also, dass gleich etwas passieren wird. Das wiederum bedeutet, es war geplant.
Nicht gut. Überhaupt nicht gut.
Ich drehe den Kopf um, bis ich Katharina sehen kann. Sie sitzt noch mit angezogenen Beinen auf der Bahre und stützt ihren Kopf mit den Händen ab. Sie scheint ganz ordentliche Schmerzen zu haben. Na ja, sie sind gleich vorbei, wenn der Körper sich vollständig regeneriert hat.
„Kannst du dich erinnern?“, erkundige ich mich. „Sana ist kurz vor der Explosion gegangen.“
„Ja, er wollte Getränke holen.“
„Er hat gewusst, was passieren wird.“
Sie blickt hoch. „Sor hat wohl recht.“
„Wie stehst du jetzt dazu, Niasman zu töten? Uns hat er ja nun getötet. Dass das nichts bringt, konnte er ja nicht wissen.“
„Nein, Unsterblichkeit ist hier nicht so verbreitet, glaube ich. Wir sollten ihn uns vornehmen.“
„Sehe ich auch so.“
„Und zuerst brauchen wir Kleidung.“
Ich nicke, dann horche ich auf. Stimmen. Wenn mich nicht alles täuscht, nähern sich zwei Männer. Wir wechseln schnell einen Blick, dann stellen wir uns rechts und links von der Tür auf. Noch wenige Meter, bis sie an der Tür sind.
„Was haben die beiden Hübschen eigentlich verbrochen?“
„Sind beim eigenen Attentat umgekommen. Hübsch und blöd.“
Na warte.
Als die Tür aufgeht, werden wir sofort aktiv. Ich packe den auf meiner Seiten an den kurzen, rotblonden Haaren und knalle seine Nasenwurzel gegen die Kante der Metallbahre. Das gibt ein ziemlich hässliches Geräusch, vermutlich das Letzte, was der hübsche Rotblonde in seinem Leben hört. Zu blöd auch.
Ich sehe nach Katharina. Sie ist auch fertig. Sie hat dem Anderen erst die Luftröhre mit der Handkante zerschmettert und ihm dann mit einer schnellen Bewegung das Genick gebrochen.
Sie sind etwas größer als wir, aber das stellt kein Problem dar. Die Hosen stopfen wir in die Stiefel und die Ärmel werden hochgekrempelt. ID-Karten haben wir nun auch wieder.
Wir legen die beiden auf die Bahre, dann betätige ich den Schalter. Die Tür geht auf, die Bahre fährt an einem Ende hoch und schon sind die beiden fort.
„Der Vorteil ist, dass sie uns nun für tot halten“, stelle ich fest.
„Wir sollten mit Sor sprechen und ihm sagen, was passiert ist“, erwidert Katharina.
„Im Prinzip eine gute Idee. Aber wie?“
„Hat er nicht gesagt, wir können jedes Telefon nutzen?“
„Ja, aber nur mit den ID-Karten, die wir nicht mehr haben, weil sie auch zerstört wurden, kommen wir direkt zu ihm durch.“
„Hm. Schade.“
„Ich schlage vor, wir nutzen die Gelegenheit, und regeln das auf unsere Weise.“
„Okay. Du bist die Chefin.“
„Wieso bin ich die Chefin? Hä?“
„Weil du dich erinnerst, dich hier auskennst und Dinge weißt, die ich vergessen habe. Dadurch kannst du viel bessere Entscheidungen treffen als ich.“
Das ist wahr. Erstaunlich, wie pragmatisch sie sein kann. Sie war schon immer die Bedachtere von uns beiden, von ihrer Eifersucht und gelegentlichen Ausraster mal abgesehen. Umso besser, dass sie jetzt so praktisch denkt.
„Siehst du es anders?“
„Nein, völlig richtig. Komm, wir besuchen Niasman. Diesmal ohne Vorankündigung.“
Nachdem sie nickt, gehen wir zur Bomo. Es sind einige Trauernde und Mitarbeiter im Shadar, aber in unseren Uniformen fallen wir nicht auf. Zwischendurch entfernt Katharina noch etwas aus meinen Haaren. Sie zeigt es mir zwar, aber ich beschließe, nicht so genau hinzuschauen. Wird wohl ein Teil von meinem Hirn sein. Habe ich eh schon viel zu oft gesehen.
Ich gebe Z7.77 als Ziel an. Die Bomo will daraufhin eine ID haben und gibt sich mit meiner zum Glück zufrieden. Die Tür gleitet zu und die Kabine surrt los. Die Fahrt wird eine Weile dauern.
Katharina lehnt sich gegen die Wand und beobachtet mich.
„Was?“
„Ich habe nur darüber nachgedacht, dass du dich benimmst, als würdest du so was ständig machen.“
„Na ja, mein Leben war nicht langweilig, seitdem ich weiß, dass ich eine Kriegerin bin. Außerdem habe ich eine Menge erlebt, nachdem ich diese Welt betreten habe. Meine ruhigste Zeit war die unten, als wir gewandert sind, und dann in der Prex. Sonst ständig so wie zuletzt.“
„Okay. Und was genau hält dich in diesem Moment davon ab, mich zu küssen?“
Lächelnd trete ich zu ihr und lege die Unterarme auf ihre Schultern. „Erinnerst du dich, wie lästig du es fandest, dass ich dich ständig küssen wollte?“
„Du findest mich lästig?“, fragt sie mit großen Augen.
„Nein. Ich glaube, das könnte niemals passieren. Ich finde es nur lustig, wie sich das geändert hat.“ Ich berühre beim Sprechen inzwischen ihren Mund. „Lustig, aber ausgesprochen hilfreich.“
Sie legt die Hände auf meinen Po und erwidert: „Bist du sicher, dass du hilfreich sagen wolltest?“
„Ja. Es hilft mir dabei, ausgeglichen und entspannt zu bleiben.“
„Ach ja. Dann sollten wir dich jetzt entspannen. Wie findest du das?“
„Sehr gut“, murmele ich und setze es direkt in die Tat um. Zum Glück dauert die Fahrt ja etwas.
Kurz bevor die Bomo die Ankunft verkündet, lösen wir uns voneinander. Katharina grinst wie ein Honigkuchenpferd. Allerdings nur solange, bis sich die Tür öffnet und wir uns Prok und Carch gegenüber sehen.
Ihre Augen weiten sich, die Hände greifen nach den Waffen. Aber wir sind viel schneller, packen die beiden am Hals, halten ihre Handgelenke fest und drücken sie gegen die Wand gegenüber.
Ungünstigerweise sind noch mehr Leute auf dem Korridor. Einige Frauen, die sofort losschreien, jedes dämliche Klischee bestätigend, und drei Bewaffnete.
„Kümmere dich um die beiden!“, rufe ich Katharina zu, dann nehme ich mir die drei vor.
Sie greifen nach ihren Waffen, doch da habe ich schon meine eigene Pistole in der rechten Hand, die von Prok in der anderen. Die ersten beiden sind tot, bevor sie ihre Waffen auch nur berühren, der Dritte schafft es gerade eben, die Waffe zu ziehen, bevor zwei Kugeln seine Stirn zerfetzen.
Was sind das denn für Kaliber, verfluchte Scheiße?
Ich sehe nach Katharina, die bis dahin ihre Aufgabe problemlos erledigt hat. Prok erstickt gerade an einer akuten Luftröhrenverengung, ausgelöst durch den Schlag Katharinas, wie sie ihn vorhin auch schon angewendet hat, Carchs Kopf wurde einmal um 180 Grad gedreht.
„So sieht er besser aus“, erklärt Katharina, als sie meinen Blick bemerkt.
Ich bin mir nicht sicher, ob Carch und potenzielle Verehrerinnen das auch so sehen würden, wenn es denn dazu kommen könnte, aber nun ist es wohl zu spät. Carchs Körper rutscht gerade an der Wand hinunter, was etwas seltsam aussieht, da er dabei sein Gesicht und den Rücken dagegen drückt.
Ich spüre, dass selbst mein Magen rebellieren möchte, und wende mich ab.
„Los, weg hier!“, rufe ich Katharina zu. Da ich mich darin auskenne, sprinte ich zum nächsten Lüftungsschacht. Die Abdeckung leistet nicht lange Widerstand, sie ist nicht für rohe Kriegerkraft gemacht.
„Das sieht nicht einladend aus“, bemerkt Katharina.
„Ich weiß, aber hier wird es gleich noch weniger einladend sein.“

1 Gedanke zu „Leseprobe: Fiona – Spinnen (Band 8 der Fantasy-Saga)

  1. […] das wie ein Sandwich aus mehreren Welten aufgebaut ist, die aufeinander liegen. In der Welt der Spinnen findet sie Katharina, in der Welt der Liebe Sarah, in der Welt der Götter (sic!) Thomas, und […]

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