Leseprobe: Fiona – Götter (Kristallwelten-Saga 10)

Ein Traum. Es ist alles nur ein beschissener, verdammter Traum.
Durch meine geschlossenen Augen dringt das schummerige Tageslicht, weil der Vorhang zugezogen ist. Und aus der Ferne dringen Geräusche an meine Ohren. Eigentlich nur an mein rechtes, denn mein Kopf liegt auf dem anderen. Mein Ohr und mein Kopf liegen auf etwas Weichem.
Kissen. Es wird das Kissen sein.
Ich liege auf dem Bauch in einem Bett. In meinem Bett. Den Kopf nach rechts gedreht. Und wenn ich die Augen öffnen würde, müsste ich meine Hand sehen. Meine rechte Hand.
Ich befeuchte meine trockenen Lippen und öffne die Augen.
Meine rechte Hand liegt da, wie vermutet. Die Finger sind leicht gekrümmt. Ich versuche, sie zu bewegen, was einwandfrei klappt. Ein gutes Zeichen.
Kein gutes Zeichen ist, wie ich mich fühle. Wie ausgekotzt. Also wie nach dem Sterben und dem Regenerieren anschließend. Das passt nicht wirklich zu einem Traum.
Aber wo zum Teufel bin ich dann?
Und was ist überhaupt passiert, verdammt nochmal?
Ich hebe langsam den Kopf und sehe mich um. Tatsächlich liege ich in einem Bett, tatsächlich ist das Licht irgendwie gedämpft, tatsächlich dringen irgendwelche weit entfernten Geräusche an meine Ohren.
Aber das ist nicht mein Bett. Ich bin nicht in meinem Zimmer. Das ist weder mein Elternhaus noch Katharinas Anwesen. Eigentlich habe ich nicht die geringste Ahnung, ob es überhaupt ein Gebäude ist.
Die Wand, auf die ich blicke, ist goldbraun. Von einer Art Stoff bedeckt. Es sieht aus, als würde dieser leuchten. Nicht wie damals unter der Stadt, wo wir Goldie begegnet waren. Es ist ein hellerer Ton, mehr Gold als Braun.
Von hinten höre ich plötzlich etwas, wie Flügelschläge. Ich spüre die Luftbewegung. Das muss ein riesiger Vogel sein, ein Adler oder noch größer. Aber was …?
Die Flügelschläge verstummen, dafür erklingen Schritte.
Und eine weiche, männliche Stimme.
„Du bist wach?“
Ich fahre auf dem Bett liegend herum und starre entgeistert das Wesen an, das am Fußende steht und mich freundlich anlächelt, während es seine Flügel hinter dem Rücken zusammenlegt.