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Leseprobe: Fiona – Entscheidungen

Fiona – Entscheidungen

Bumm … Bumm … Bumm …
Augen öffnen! Öffne deine Augen!
Ich liege. Mal wieder. In dem Moment, in dem ich die Augen öffne, funktionieren auch meine anderen Sinne. Wo ich bin, weiß ich nicht, aber ganz sicher nicht in meiner Zelle. Nicht einmal in deren Nähe.
Ich liege im Gras. Richte mich auf und sehe mich um. Ein verlassenes Strandbad. Das blaue Wasser im nahen Becken klatscht gegen die Betonwand. Über dem Eiswagen flattert die Werbeflagge einer Eisfirma. Die Türen zum überdachten Bereich stehen weit offen.
Niemand zu sehen oder zu hören.
Mein Körper ist in einem Stück, sauber und nackt. Kein Blut, kein Dreck. Er fühlt sich leicht an, ungewöhnlich leicht. Fast wie ein Gedanke, der davonschweben will. Mir wird klar, dass ich mich gar nicht in meinem Körper befinde. Aber wieso sehe ich ihn dann, wenn ich an mir runtersehe? Das kann definitiv kein Traum sein!
Ich erhebe mich ganz und gehe durch die Tür nach drinnen. Auch hier niemand, aber es sieht alles so aus, als wären plötzlich alle einfach verschwunden. Aber mit allem, was irgendwie zu einem Menschen gehören kann: Badeanzug, Badelatschen, Handtücher, nichts von alldem zu sehen. Und dennoch, es macht den Eindruck, als wäre vor einer halben Stunde alles in Benutzung gewesen. Wo zum Teufel bin ich?
So langsam geht mir das alles doch sehr auf den Geist.
In der Hoffnung, vielleicht doch noch jemanden zu finden, wandere ich durch die Hallen, blicke von unten in die Rutschröhre. Niemand. Ich bin wohl das einzige Lebewesen hier.
Wobei … Lebewesen?
Ich gehe in die Dusche und wasche mich gründlich. Auch wenn dieser Körper nur aus Äther oder was auch immer ist, ich spüre, wie das Blut an ihm klebt. Zwar hilft dagegen das Duschen auch nicht, aber wenigstens habe ich was getan. Nur habe ich danach dasselbe Problem wie davor: und nun?
Kleidung wäre nicht schlecht. Es ist zwar nicht kalt, und ich werde, wahrscheinlich und hoffentlich, auch nicht beobachtet, aber trotzdem ist es ein seltsames Gefühl, völlig nackt durch eigentlich öffentlichen Räume zu laufen. Wenn ich Glück habe, befinde ich mich ja nur in meiner eigenen Fantasie. Und wenn nicht?
Wo bin ich dann? Oder wer?
Ich zucke zusammen, als ich Schritte höre. Doch nicht allein?
 

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