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Leseprobe: Fiona – Beginn

Fiona – Beginn

Filmriss.
„Es war eine lange Nacht.“
Ich kriege fast einen Herzinfarkt. Den Mann, der auf einem Stuhl neben meinem Bett sitzt, kenne ich nicht. Im Dämmerlicht kann ich ihn nur schwer erkennen. Er trägt einen dunklen Anzug und hat eine untersetzte Gestalt.
„Wer … wer sind Sie?“
„Jemand, der dich schon lange beobachtet. Ich kenne dich besser, als irgendjemand sonst. Ich werde dich auch in Zukunft beobachten. Du wirst deinen Weg gehen, den du eingeschlagen hast. Es ist ein guter Weg.“
„Ich weiß immer noch nicht, wer Sie sind.“
„Du wirst es beizeiten erfahren. Hier ist meine Karte, nur für den Notfall. Denk aber gut nach, bevor du Kontakt mit mir aufnimmst.“
Ich ergreife die Visitenkarte, die er mir reicht, kann aber in der Dunkelheit nichts darauf erkennen.
„Können Sie mal Licht machen?“
„Das ist nicht nötig. Du hast viele Verletzungen davongetragen. Es ist wichtig, dass du dich erholst, und dafür musst du dich ausruhen. Schlaf jetzt.“
„Oh ja, schlafen … eine gute Idee. Gute Nacht …“
Die plötzliche Müdigkeit zwingt mich, die Augen zu schließen. Als ich sie wieder öffne, ist es bereits hell. Eine Krankenschwester überprüft meinen Puls.
„Guten Morgen, Miss Carter“, sagt sie freundlich. „Nach zwei Tagen sind Sie endlich wach!“
„Zwei Tage habe ich geschlafen?“, flüstere ich. „Und nichts davon habe ich mitgekriegt … bis auf einen seltsamen Traum.“
„Sie haben tief und fest geschlafen. Ihr Gehirn hat das Erlebte verarbeiten müssen, deswegen haben Sie geträumt. Aber bestimmt haben Sie mehr als einen Traum gehabt. Oft erinnert man sich gar nicht daran, geträumt zu haben.“
„Das ist wahr. Vielleicht ist es ganz gut so. Sind … sind die Kinder alle wohlauf?“
„Ja, das sind sie. Sie sind eine große Heldin, Miss Carter. Seit zwei Tagen gibt es kein anderes Thema in den Medien. Draußen könnten Sie einen Blumenladen aufmachen. Sogar der Präsident hat sich nach Ihnen erkundigt.“
„Welch eine Ehre …“ Ich lehne mich ermattet zurück. „Wie viele Schussverletzungen habe ich eigentlich abgekriegt?“
„Zwei. Aber nichts Ernstes. Sie sind nur völlig erschöpft.“
„Jetzt bin ich zumindest ausgeschlafen, glaube ich. Und hungrig bin ich auch.“
„Das ist ein gutes Zeichen“, lächelt die Schwester. „Ich werde dafür sorgen, dass Sie ein gutes Frühstück bekommen. Oh, das haben Sie wahrscheinlich verloren …“
Sie bückt sich und reicht mir etwas vom Boden. Während sie lächelnd das Zimmer verlässt, starre ich erschrocken die Visitenkarte an:

Drol Wayne
Rechtsanwalt

 

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1 Gedanke zu „Leseprobe: Fiona – Beginn

  1. […] Kristallwelten-Saga hat Fiona als zentralen Charakter. Sie ist die einzige Ich-Erzählerin, wobei es dennoch Geschichten gibt, in […]

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