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Leseprobe: Durchs Nadelöhr ins Himmelreich

Bloß keinen Redner im Bett!

Durchs Nadelöhr ins Himmelreich

Einen Redner im Bett zu haben kann zur hysterischen Implosion führen. Schon beim Entkleiden spricht der Redner über die katastrophale Einrichtung der Welt in fünffüßigen Jamben und verheddert sich dabei in seinen Hosenbeinen. Mit weit ausholender Gestik wirft er beim Reden auch noch die Kerze um, die seine Partnerin liebevoll auf die Nachtkonsole gestellt hat. Statt den dabei entstehenden Brand wie ein Mann zu löschen, vergisst der Redner, sich weiter zu entkleiden, weil er seiner Partnerin einen Vortrag halten muss über die Gefahr von Kerzenbränden im Bett und dass London wegen einer solchen Kerze am Bett schon zweimal abgebrannt sei, man stelle sich vor, diese Kulturstadt! Dabei verheddert sich der Redner ein weiteres Mal, diesmal in seinen fünffüßigen Jamben, und fällt desorientiert aufs Bett, weil er den Faden verloren hat, um was es an diesem Ort eigentlich gehe. Er besinnt sich doch schnell und zitiert aus der Geschichte der Sexualität den Marquis de Sade, der ein echter Mann gewesen sei. Und schon, den Faden wiederfindend, schwingt der Redner sich zwischen den Laken auf zu stolzen rhetorischen Figuren, die über die wachsbekleckerte Dame herfallen und sie am ganzen Körper zwicken, wobei ihr die letzte Lust vergeht, die sie vielleicht noch auf den Mann im Redner hatte. Der aber bemerkt den Stimmungswechsel im Bett nicht, denn ihm schwillt von seiner selbstverliebten Rede gerade der Kamm, die Rhetorik lässt seine Stirnadern heftig hervortreten und dabei seinen Partner, den Schwanz, zu einem erbärmlichen Krümel schrumpeln. Inzwischen aber ist seine Dame, umschwebt von leeren Worthülsen, einfach implodiert.

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