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Leseprobe: Du bist ein Juwel

Du bist ein Juwel

Glaubst du, du bist es wert, ein Leben der Fülle und Freude zu erleben? Bist du wirklich bereit, dich mit Mitgefühl, Feingefühl und Leidenschaft für dich einzusetzen? Oder anders formuliert: Liebst du dich?
Die an dich selbst gerichtete Frage: „Liebst du dich?“ ist wesentlicher als die Suche nach Annahme durch andere, die da lautet: „Mein Geliebter, liebst du mich?“, denn schließlich bist du die Hauptperson in deinem Leben und trägst die volle Verantwortung dafür, auf welche Weise es verläuft. Doch genau an diesem Punkt verweigert das Pferd oft das Hindernis, stimmt´s? So stark ist die Macht der Gewohnheit, Liebe und Lob durch andere zu erwarten. Ein Lieblingssatz von Frauen lautet: „Es ist einfach sooo schwer, mich zu lieben!“
Ist es nicht! Es ist nur ungewohnt! Ab dem Moment, in dem du den tiefen Wunsch empfindest, dich und dein Leben zu lieben, wirst du deine Reise nach Innen antreten. Dabei lernst du dich wirklich kennen, kommst an deine Grenzen, aber auch zu deiner wahren Natur, zu der Kraft, aus der du kommst und die du bereits bist.
Deswegen geht es nur um deine Entscheidung. Was willst du? Willst du erfahren, wie liebenswert du bist? Möchtest du ein Leben gestalten, von dem du begeistert bist? Kannst du deinen Ärger über deinen Körper loslassen und damit beginnen, ihn endlich anzunehmen und zu lieben, so wie er ist? Dann kommst du an der wichtigsten Person in deinem Leben nicht vorbei! Und das bist nun mal du! Du bist ein Juwel! Ach, das glaubst du nicht? Schließe doch mal kurz für einen Moment die Augen und vergegenwärtige dir das kleine Wunder, das du warst, als du geboren wurdest. Sei versichert, du warst entzückend, süß und absolut liebenswert – wie alle Babys. Nun, das bist du immer noch. Nur liegt es jetzt an dir, gut zu dir zu sein, dein Leben zu würdigen und dich um dich zu kümmern. Ab sofort geht es darum, dich zu sehen, dich anzunehmen und anzuerkennen.

Liebst du deinen Körper?

Liebst du deinen Körper oder kritisierst du ihn ständig? Unseren Körper zu lieben ist leichter gesagt als getan, denn wir leben nun mal in einer Welt, die den Vergleich sucht und so immer mehr Komplexe schürt. Mächtige Werbe- und Medienlobbys profitieren schamlos von unserer Bereitwilligkeit zu konkurrieren und zu kritisieren.
Frauen wertschätzen sich selbst oftmals deutlich weniger als mancher Mann ihnen unterstellen mag, denn in der Regel beäugen sie eher fleißig die Stellen ihres Körpers, die ihnen geeignet scheinen, sich gnadenlos abzuwerten. Selbst die schönsten Frauen werden bei diesem aussichtslosen Spiel vor dem Vergrößerungsspiegel immer fündig. Auch dann, wenn die Makel eingebildet sind! Deswegen verbringen sie wohl auch so viel Zeit im Badezimmer, denn die Salve der entsetzten Negativbewertungen scheint endlos: „Wo kommen denn nur all diese schrecklichen Falten her und diese elenden, frechen Pickel? Meine Haare sind eine Katastrophe und wo ist das Kraut, das gegen Cellulitis gewachsen ist? Ich hasse jedes Pfund an mir, meine Brust macht mir das Leben schwer und wie in aller Welt komme ich eigentlich zu dieser schrecklichen Naaaaaaase?“
Die beunruhigend hohe Zahl der immer gleichen Schönheits-OP-Einheitsgesichter spricht für sich. Man möge mir verzeihen, aber für meinen Geschmack sehen die gelifteten Damen mit ihren weit aufgerissenen Augen, tätowierten Brauen und aufgespritzten Fischmaullippen einfach alle gleichsam gruselig aus. Manch eine wird regelrecht süchtig nach dieser Art Operation, weil es immer neue ‚Baustellen‘ am Körper zu entdecken gibt. Das Selbstwertgefühl scheint am Botox oder Silikon zu kleben, nach dem Motto: „So, jetzt sehe ich so aus wie ihr mich haben wollt! Darf ich mich jetzt endlich rundherum wohl fühlen?“-„Du darfst!“, plärrt es aus der Flimmerkiste. Du darfst noch viel mehr! Du bist weit mehr als die Person, die dem Schlankheitswahn der Werbeindustrie entsprechen muss, um liebenswert zu sein! Doch viele Ladies scheinen taub für Wertschätzung zu sein und können oft nicht mit Komplimenten umgehen. Sie werden rot, schämen und verkrampfen sich, fast so, als hätte man ihnen einen schlechten Witz erzählt. Sie mögen ihren Körper meist selbst so wenig, dass sie auch mit einer aufrichtig gemeinten Wertschätzung überfordert sind.
Wie viele Tagebücher habe ich als junges Mädchen mit Selbstanklagen gefüllt wie: „Ich hasse meine Körper! Ich will endlich schlank und schön sein! Ich hasse, hasse, hasse mich!“
Ich fand meine Oberschenkel zu dick, weil sie kräftiger waren als andere und setzte mich herab, weil andere mit schlankeren Beinen mir normaler vorkamen als ich. Ich hatte große Angst vor der Frage: „Wie viel wiegst du?“, denn ich empfand mich als dick und schämte mich entsetzlich dafür. Wer nahm mich an die Hand und nahm mir diese eingebildete Scham? Niemand. Es wurde immer schlimmer, bis ich schließlich meinen gesamten Körper ablehnte und mich dafür hasste, dass ich nicht so aussah, wie ich es von mir erwartete.
Mir war damals nicht klar, dass meine massive Selbstablehnung nicht die gewünschte Veränderung brachte. Sie führte allerdings dazu, dass meine Figur immer mehr dem entsprach, was ich so sehr ablehnte. Der ständige Fokus auf meine Fettpölsterchen führte dazu, dass ich immer trauriger, frustrierter und dicker wurde. Aus Frust und wachsender Einsamkeit aß ich nicht weniger, sondern heimlich immer mehr und kreierte mir damit eine heftige Essstörung, unter der ich sechs lange Jahre lang furchtbar litt. Ich machte mich mit meinem strengen Blick auf die Waage selbst immer unglücklicher. Über meine buddhistische Ausübung gelang es mir zwar im Alter von 21 Jahren, diesem Teufelskreis ein Ende zu setzen, doch da waren die schönsten Jahre meiner Jugendzeit bereits vorbei.
Alles, was du in Gedanken an dir abwertest, verschlimmert die Situation nur. Deine Lebensfreude erlischt wie eine brennende Kerze, die du ausbläst. Ähnlich wie ich damals verhungern auch heute unzählige Frauen seelisch und körperlich vor dem gefüllten Kühlschrank. Mit deiner stetigen Selbstabwertung schaffst du ein negatives Zerrbild von dir, du machst dir das Leben schwer. Du blockierst deine natürliche Unbeschwertheit und Vitalität und machst dich in extremen Fällen an Leib und Seele krank, wie die wachsende Zahl von Zwangs- und Essstörungen belegt. Ich halte das Festhalten an dieser Form von Selbstverleumdung für die Krankheit unserer Zivilisation!

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