Veröffentlicht am

Leseprobe: Alle Zeit mit ihr – Liebe und Erotik zwischen Frauen

Alle Zeit mit ihr

Textauszug aus „Unbschreiblich“

„Seit du das erste Mal in meinen Laden kamst, war mir klar, wonach du suchst.“
„Dieser Satz hätte auch in einem der Bücher stehen können, die ich in den letzten Monaten gelesen habe“, sagte Maria und legte sich neben die Frau.
„Was wir gleich miteinander tun werden, hat wenig mit Sprache zu tun, höchstens mit Körpersprache.“
„Nur das Unbeschreibliche lohnt, beschrieben zu werden.“
„Du hast zu viel gelesen“, sagte die Frau und küsste Maria.
„An welchen Roman hast du gerade gedacht?“, fragte sie.
„An keinen. Ich habe mich gefragt, ob du die Bücher, die du deinen Kundinnen empfiehlst, selbst gelesen hast.“
„Die meisten ja. Sei jetzt bitte still.“

Die Hände der Frau streichelten Maria Haupt- und Nebensätze auf den Rücken und über die Oberschenkel. Die Küsse versahen die Satzgebilde mit Ausrufezeichen und Punkten. Alles, was Maria bisher gelesen hatte, wirbelte in ihrem Kopf herum und flog als schwarze Wolke aus Druckbuchstaben durch das geöffnete Schlafzimmerfenster in die milde Augustnacht. Maria versank in der feucht schimmernden Haut der Frau, wie nie zuvor in einem Buch. Sie wollte nicht mehr auftauchen. Sie wollte sich in sie verwandeln. Früher hatte sich Maria oft vor dem Einschlafen vorgestellt, am nächsten Morgen aufzuwachen und nicht mehr sie selbst zu sein, sondern eine Figur aus dem Buch, das sie gerade las.
„Woran denkst du?“, fragte die Frau und deckte sich zu.
„Ich denke, dass es sehr schön ist … mit dir …“