Warum ist der Eber tot? 

 

Und wer ist er überhaupt?

 

Kriminalistischer Spaß mit dem neuen Roman von Tharina Wagner: Blutrot oder warum ist der Eber tot?

 

 

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Leseprobe aus "Fiona - Wiederkehrer"

Lachend verzieht sie sich in das größere Bad, während ich die Küche unter die Lupe nehme. Irgendwo finde ich ein Brotlaib und breche mir was ab. Das trockene Brot kauend gehe ich vor die Tür.

Keine Ahnung, was ich erwartet habe, aber es überrascht mich. Strahlender Sonnenschein, Temperatur deutlich über 30 Grad und ein Van.

Er fährt gerade vor, und noch bevor er zum Stillstand gekommen ist, gehen die Türen auf und springen die Zwerge raus. Zwerge? Diese Zwerge stammen definitiv nicht aus dem Disneyfilm! Sie sind eigentlich überhaupt keine Zwerge, obwohl sie klein sind. Aber sie haben Klauen und dazu Zähne wie Piranhas. Ehe ich mich versehe, haben sie mich umringt und gegen die Hauswand gedrängt. Ich spüre den stinkigen Atem, als einer von ihnen meinen Hals zwischen die Zähne nimmt.

"Aufhören!"

Sofort lassen die Biester von mir ab, behalten mich aber im Auge. Sie erwecken den Eindruck, als wären sie sofort bereit, mich in Stücke zu reißen. Und ich glaube, sie hätten damit auch keine große Mühe.

Welcher Idiot hat das Märchen bloß so verniedlicht?

Dann betrachte ich die Frau, die mir wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Sie hat auch im Van gesessen und kommt jetzt ruhig auf uns zu.

Das muss Schneewittchen sein. Und wenigstens sie ist wie im Märchen. Sie trägt ein weißes, schenkellanges Kleid und hochhackige Sandalen. Die langen, schwarzen Haare fallen offen auf den Rücken. Ihr Gesicht ist schön, absolut ebenmäßig, mit vollen, roten Lippen und großen, dunklen Augen.

"Ich bin Schneewittchen", sagt sie. "Tut mir leid, dass ich nicht schneller Einhalt gebieten konnte, aber ich musste noch das Auto parken."

Okay, wenn schon die Zwerge keine Zwerge sind, müssen die Pferde auch keine Kutsche ziehen. Und vermutlich existiert hierzulande auch das Problem der Klimaerwärmung nicht, selbst wenn es heiß wie in der Hölle ist.

"Hauptsache, du bist nicht zu spät gekommen", erwidere ich und mustere die Monsterzwerge misstrauisch.

"Lasst sie in Ruhe!", befiehlt Schneewittchen.

"Da drin ist noch eine Frau. Sie sieht mir ziemlich ähnlich. Kann sein, dass sie etwas gewalttätiger reagieren würde als ich, wenn die sie angehen."

"Dann würden die Zwerge sie zerfleischen."

"Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Am besten, wir probieren es nicht aus."

"In Ordnung. Du solltest sie vorwarnen. Was macht sie?"

"Sie duscht."

Schneewittchen zieht die Augenbrauen hoch.

"Sie fühlte sich dreckig."

"In Ordnung. Ich bereite uns was zu essen vor. Ihr seid unsere Gäste." Dann wendet sie sich an die Monsterzwerge: "Räumt den Garten auf, aber flott! Danach gibt es Essen!"

Sie hat ihre Gesellen gut im Griff, das muss ich neidlos anerkennen. Sie verziehen sich wie ein Haufen schnatternde Gänse hinters Haus und ich gehe rein. Schneewittchen folgt mir, biegt dann links ab zum Speisesaal.
Ich bleibe kurz vor der Badezimmertür stehen und überlege, ob ich klopfen soll. Dann entscheide ich mich dagegen und gehe einfach hinein.


9783956672651