Traurige Abrechnung?
Es ist schon erstaunlich, was man so zu sehen bekommt, aber auch manchmal sehr schade. Und irgendwie auch deprimiert, wenn man nur zusehen und nicht eingreifen darf. Oder wütend werde ich auch manchmal, aber vor allem ist es traurig.
Einfach ist es nicht, auf einige von euch achtzugeben – es könnten ja die sein, auf die ich warte – und gleichzeitig zu sehen, was viele von euch mit dem machen, was euch nur geliehen wurde. Ihr seid hier Gäste, benimmt man sich so, wenn man irgendwo zu Gast ist?
Sicherlich, eure Entwicklung vom, auf Bäumen oder in Höhlen lebenden, Vierbeiner zum, seine Umwelt gestaltenden, aufrecht gehenden Zweibeiner ist schon etwas Besonderes. Durch den Drang besser zu werden habt ihr es sogar geschafft auf dem Mond zu landen, aber was hat es euch gebracht? Ihr scheint vollkommen zu übersehen, dass eure Umwelt und eure Mitbewohner unter eurem Größenwahn leiden. Warum strebt ihr denn danach andere Welten zu finden und zu beherrschen, wenn ihr noch nicht einmal mit der einen, die ihr euch zu eigen gemacht habt, umgehen könnt?
In all den Jahrhunderten, die ich euch nun schon beobachte, habe ich so viele große Kulturen kommen und gehen gesehen und sie alle haben etwas hinterlassen, aber nicht so eine Sauerei wie ihr jetzt. Sie haben große Bauwerke und sogar Weltwunder geschaffen, ohne ihre Heimat so auszubeuten und krank zu machen wie ihr heute. Ihr seid wohl das, was ihr selbst als am fortgeschrittensten bezeichnen würdet und doch habt ihr so vieles vergessen. Nicht nur uns und das, was heute oft als Humbug abgetan wird, die Magie, ihr habt auch verlernt im Einklang mit all den anderen Wesen zu leben, zu geben und zu nehmen im gleichen Maße. Ihr nehmt und scheint das Geben zu ignorieren. Das Wasser, welches der Ursprung allen Lebens ist, wird rücksichtslos von euch verschmutzt. Ihr kümmert euch nicht genug darum, es zu schützen und zu bewahren, nein, aus lauter Geldgier und Unachtsamkeit lasst ihr zu, dass einer der kostbarsten Rohstoffe und Lebensräume ständig aufs Neue vergiftet wird. Ölpest nennt ihr es dann und für kurze Zeit erinnert ihr euch dann, wie wichtig das Wasser eigentlich ist. Und die Wälder, die Jahrhunderte dafür gesorgt haben, dass ihr noch etwas zu atmen habt, wie dankbar geht ihr mit denen um? Ihr verbrennt sie, um mehr Ackerland zu schaffen, oder ihr fällt sie, um euch zu bereichern. Denkt ihr aber auch daran, dass, wenn es keine Wälder mehr gibt, es nicht mehr lange dauern kann, bis es auch euch nicht mehr gibt? Oder habt ihr bis dahin eine Möglichkeit gefunden Sauerstoff synthetisch herzustellen? Trotzdem habt ihr sogar gute Freunde und treue Begleiter gefunden, die euch folgen und verstehen, euch begleiten, denen ihr aber oftmals Dummheit unterstellt, weil sie euch auch verzeihen können (und heißt es nicht, diese Eigenschaft wäre den Göttern allein vorbehalten? Und ihr haltet euch selbst für Ebensolche..?). Und dann seht euch an, was ihr sogar eurem besten Freund, dem Hund, anzutun imstande seid, ihr lasst sie bluten für das Image einer Stadt, die für euer liebstes Hobby, den Fußball, „sauber“ sein soll.
Doch langsam, wie es scheint, fängt die Natur an sich zu wehren, sie versucht euch scheinbar abzuschütteln, wegzuspülen, davon zu wehen, mit Feuerwalzen vor sich herzutreiben. Aber auch das ist wohl noch nicht Warnung genug…
Dabei ist dieser Planet so schön, so voller Leben, es gibt so viele verschiedene Lebewesen zu bestaunen, angefangen von Ameisen zu Blauwalen gibt es so erstaunliche Tiere, die sich jeder Nische angepasst haben, die man erdenken kann. Die herrlichen Meere, die fantastischen Küsten, Buchten und Strände, die, wenn sie nicht vermüllt wurden, schöner nicht sein könnten. Es gibt so viele verschiedene Landschaften, wie sie niemand einzigartiger und vollkommener hätte ersinnen können. Es gibt diese eisigen Schneelandschaften, die bisweilen Weiß bis Blau schimmern, heiße Landstriche, die von rot glühendem Sand bedeckt sind, man kann graue felsige Regionen finden, ebenso wie braune Sumpflandschaften und vielfarbig grüne Regenwälder. Allein die ganzen herrlichen Farben würden niemals auf einer Malerpalette Platz finden, man kann zum Beispiel hellgrün, Lindgrün, giftgrün, dunkelgrün, Moosgrün (und noch viele Schattierungen und Farbspiele mehr findet man allein in einem Wald!) unterscheiden, die ganzen Rot-, Blau-, Gelb-, Orange-, Grau-, Brau-, Violetttöne mal ganz außen vor gelassen, diese ganze Farbenpracht findet man, wenn man nur die Augen dafür öffnet und nicht blind durch die Welt rennt, von Termin zu Termin.
Am Tag begleitet eine herrschaftlich goldene, etwas hochnäsige Dame das Treiben hier unten, die am liebsten allein zu sehen ist und in der Nacht wacht ein silbern schimmernder Freund über den wohl verdienten Schlaf, der einen und das geschäftige Jagen der anderen, flankiert wird er dabei von Millionen kleiner Helfer. Es lassen sich zahllose Formen und Größen von Früchten unterscheiden, die auch noch alle anders schmecken, süß oder bitter, fruchtig oder mehlig, salzig oder exotisch, manche auch sehr eigen, wenn ich das an dieser Stelle anmerken darf. Nicht nur die Pflanzen bringen Erstaunliches hervor, manche Tiere leben in Herden, Rudeln, Rotten oder auch Clans, andere sind Einzelgänger, manche kümmern sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs, bei wieder anderen kommen die Kleinen von Anfang an allein zu Recht. Kleine Frackträger kann man bei ihrem Tagwerk beobachten, elegante Meerjungfrauen ihre Bahnen schwimmen sehen, Hörnchen durch die Luft schweben sehen. Wundersame graue Riesen mit langen Nasen und großen Ohren bewundern, gefleckten Langhälsen beim fressen zusehen tauchende Vögel, Giganten der Meere beinahe durch die Luft schweben oder vierbeinige Sprinter schon fast fliegen sehen. Man kann auch uralte Reptilien in der Wüste antreffen, oder große und kleine Vögel, die gar nicht fliegen können, nur um einige Kuriositäten zu nennen.
Und alle Tiere sind auf ihre Weise besonders und ganz speziell, so ist allein schon die Tatsache, dass Vögel fliegen können ein Meisterwerk der Natur, oder dass sogar nicht nur Fische lange und tief tauchen können, einige Vierbeiner können besonders schnell oder lange laufen, sehr hoch oder extrem weit springen. Und manch einer weist ein ausgezeichnetes Sprachtalent auf oder ein sehr ausgeprägtes Rhythmusgefühl, welches einzigartige Tänzer hervorbringt und all das schaffen sie ohne jegliches Hilfsmittel. Es gibt sie in groß, klein, gemütlich, hektisch, hitzköpfig, laut sehr leise, ordentlich, total chaotisch, gefiedert, mit Fell, gefleckt, gestreift oder einfarbig, verschlafen, überdreht, neugierig und genügsam, und da gibt es sicher noch einige Wörter mehr, die ebenfalls passen würden.
Wenn ich nur eingreifen dürfte, ich würde nicht viel verändern wollen, aber dafür etwas umso Wichtigeres: Ich würde euch eure Gleichgültigkeit und Arroganz, eurem Gastgeber gegenüber, und eure Überheblichkeit nehmen. Und euch dafür etwas von dem Wissen der alten Völker und deren Respekt vor allem Lebendigen und der Schönheit der Natur wiedergeben. Denn: es war alles perfekt, so wie es war, bevor ihr angefangen habt alles durcheinander zu bringen.
Aber leider kann und darf ich nichts daran ändern, meine Aufgabe ist eine andere, ich muss auf etwas Bestimmtes warten, und bis es eintrifft (oder auch nicht, wer weiß), werde ich hier warten und diesem erstaunlichen und unglaublich schönen Planeten auf seiner Reise zusehen, wo auch immer sie hinführen mag.
(c) Nicole







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