Tanzen – ein Morgen im Winter
Was würde ich tun, um die Welt zu verändern, wenn ich es denn könnte?
Ob Schule oder Arbeit. Überall hektisches Umherschwirren, nie Ruhe. Ist es denn da verwunderlich, wenn man zu Hause nicht auch noch Lust hat sich aufzuraffen, zu bewegen, Sport zu treiben? Wenn ich mir die Menschen ansehe, sehe ich abwesende unpersönliche Persönlichkeiten. Lieber wie Heidi, als man selbst. Die Idole? Abgemagerte Models, Stars ohne Talent, die Menschen, die sich bei RTL zu Lachnummern der Nation machen. Das ist mein Eindruck der Welt.
Ich wünsche mir eine schlichte Zeit. Eine Rückentwicklung. Berufe mit Ergebnis. Familien, die auch das Recht haben, sich so zu nennen. Weg mit Apfel Produkten & Co. Um Freude wiederzufinden. Freude am Leben! Ich habe die Lust verloren, am sinnlosen umherdümpeln! Ich möchte einen Lebenssinn, nicht nur auf Zeit, auf ein Leben!
Tanzen gehen.
Das ist ein Traum… Welche Vorfreude! Es sollte etwas besonderes sein, auszugehen. Ein Kleid, Schmuck, Aufregung. Und zwar echte! Freuden von Wert. Erinnerungen, die bleiben.
Ein Morgen im Winter.
Es ist verflucht kalt. Schnell raus aus dem Bett und die langen Strümpfe an. Immernoch kalt. Ich gehe in die Küche, um den Herd anzuzünden. Wie jeden Tag genieße ich es, die erste zu sein, die den klaren Morgen begrüßen darf. Das Radio summt leise vor sich hin. Irgendwas klassisches, ich kann es nicht zuordnen. Der Blick nach draußen offenbart die weite der Schneedecke, die sich in den letzten Tagen über die ganzen Felder und Wiesen ausgebreitet hat. Vereinzelt kann man die Wagenspuren der Kutschen erkennen, die noch eher als ich ihren Tag begannen hatten.
Ich muss an die Autos zurückdenken, die vor ein paar Jahren endgültig aufgegeben wurden. Fast war es zu spät für den Planeten. Aber endlich hatte sich ein Politiker so drastisch und effizient für die Rettung der Welt eingesetzt und der technische Kreislauf tat den Rest. In unserer Volkswirtschaft war für Entwicklungen nach vorne kein Platz mehr und die logische Schlussfolgerung war eine Rückentwicklung.
Es ist eine neue Welt. Meine Welt. Teile der Zeitgeschichte setzen sich neu zusammen. Komfort trifft Charme. Arbeit trifft Befriedigung. Mensch trifft Mensch.
Das Haus regt sich. Auch die anderen wachen nun auf. Ich bereite das Frühstück. Brötchen, Eier, Marmelade, Aufschnitt. Normal. Modern. Und trotzdem mit dem Unterschied, es selbst gemacht zu haben, oder zu wissen wo es herkommt. Alle machen sich auf den Weg. Die kleinen in die Schule, ich auf den Weg zur Arbeit. Ein normaler Tag. Und heute Abend der lang ersehnte Tanzabend.
Ein meerblaues Kleid, Perlen um den Hals, eine künstliche Blume im Haar.
Der totale Rausch Geschwindigkeit, die Nähe zum Partner, die ersehnte Erfüllung privater Wünsche
Kleinigkeiten werden sich ändern
Jeder muss etwas dafür tun, damit die Welt noch genügend Zeit hat sich zu ändern
Alles andere wird kommen
Die Macht der Welt ist zu groß, um sie zu kontrollieren
Lerne zu leben, akzeptiere
Mitgehen oder Vergehen
(c) Backe







