Julia Schramm – Die Wendepiratin?
Wir sind ja flexibel, was die Themen angeht. Und, wie es aussieht, haben wir da noble Vorbilder: Julia, die Wendepiratin. Ist vielleicht bisschen ungerecht, aber da fällt uns doch der Spruch ein: Wasch mich, aber mach mich nicht nass!
Wie gesagt, es mag ungerecht sein. Denn was im Stern oder im Spiegel steht, das muss ja nicht die Wahrheit sein. Vielleicht mal körnchenweise, und wenn das Körnchen nur mit dem Elektronenmikrospkop zu finden ist, es ist immer noch ein Körnchen. Doch darum geht es ja auch nicht. Das Thema ist eher Authentizität. Wie authentisch ist es, erst gegen Urheberrecht und geistiges Eigentum zu wettern und dann mit einem Buch zu einem Verlag zu gehen?
Genau, was sagen wir als Verlag dazu? Wie ist das denn mit dem Urheberrecht eigentlich? Wir als Verlag sollten doch eine eindeutige Position beziehen und applaudieren zu der Aktion, dass das kostenlose eBook verboten wurde. Wobei es schon sehr interessant ist, dass es möglich sein soll, einfach per Protest eine Raubkopie zu sperren. Bisher dachten wir immer, dass eine Raubkopie so genau NICHT zu sperren ist. Nein, nein, wir denken da ganz sicher nicht an eine PR-Aktion. Auf keinen Fall. Kein Verlag würde sowas machen. Niemals.
Aber zurück zu unserer Wendepiratin… Entschuldigung, zu Julia Schramm. Ist sie böse, weil sie plötzlich ihr geistiges Eigentum schützt? Gibt es sowas überhaupt? Macht das Urheberrecht nun Sinn oder nicht?
Wie so oft, gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Das ist ungefähr so wie zu behaupten, dass der Baum, der mehr oder weniger zufällig auf meinem Grundstück wächst, gehöre mir. Es ist ja nicht wirklich einfach zu definieren, was das bedeutet, etwas gehöre mir. Nicht ganz ohne Grund gibt es den Spruch, das letzte Hemd habe keine Taschen. Wie ist das also mit dem Urheberrecht?
Als Verlag und überhaupt vertreten wir natürlich die Ansicht: Etwas, was ein Mensch in welcher Form auch immer von sich gibt, das hat er von sich gegeben und ist damit irgendwie seins. Und wenn es das Zitat von Götz von Berlichingen ist, alles, was ein Mensch von sich gibt, ist von ihm produziert. Das ist irgendwie auch trivial. Jeder kann sich hinsetzen und ein Buch vorlesen, ist dann erst einmal seins… irgendwie.
Dieses Irgendwie ist der spannende Punkt. Es geht nicht darum, ob und wer was von sich gibt, es geht vielmehr darum: Welchen Wert hat es für den Leser? Ist es etwas, was den Lesern etwas Neues, etwas Wertvolles gibt? Ist es ein Impuls, eine neue Erkenntnis? Ist es die Freude an der Fantasie, an der Vorstellung? Vermag dieses Wort den Leser dort abzuholen, wo er grad ist, und ihn an einer anderen Stelle abzusetzen? Wenn ja, dann hat der Autor etwas Besonderes geschafft, dann ist er der Urheber einer Veränderung.
Manchmal vermag natürlich ein Arschloch so eine Bewegung zu bewirken, oft eine Bewegung des Urhebers – was mal wieder beweist, dass Bewegung nicht immer gesund sein muss -, doch ist die Bewegung zwar eine notwendige, aber keinesfalls eine hinreichende Bedingung, wie Mathematiker so schön ausdrücken können, dass sie noch nicht sooo ganz überzeugt sind.
Um die Kurve zu Julia Schramm wieder zu klicken… pardon, zu kriegen, ist ihre Beweglichkeit, was ihre Aussagen betrifft, zwar berühmt, aber kein Beweis ihrer Originalität. Sie ist zwar irgendwie Urheberin, was sie nach eigener Aussage ja gar nicht sein will, da sie ja eine Piratin ist, aber andererseits müsste doch alles, was sie in welcher Form auch immer von sich gibt, Gemeingut sein, da sie doch geistige Urheberschaft Scheiße findet.
Oder haben wir da etwas falsch verstanden?
Nun, in einer Gesellschaft, die es für selbstverständlich hält, dass Arbeit entlohnt wird, gehört selbstverständlich auch geistige Arbeit entlohnt. Und es ist verflucht echte Arbeit, ein Buch zu schreiben. Das überhaupt hinzukriegen, das gelingt schon nicht jedem, aber auch noch ein gutes Buch, das scheint eine echte Gabe zu sein.
Und mal ganz ehrlich, ob Julia Schramm diese Gabe besitzt, das sollte sie bittschön erst einmal beweisen. Dann, und nur dann, wollen wir uns mal über Urheberschaft unterhalten. Bis dahin ist sie tatsächlich nur eine Wendepiratin, die möglicherweise der Verführungskunst des größten Verführers aller Welten erlegen ist: des Geldes.





















